„Liebe, Liebe, Liebe“, das ist die typische Begrüßung oder Verabschiedung der Künstlerin Jacqueline Boom-Boom. Die Ausnahme-Künstlerin, Sängerin und Performerin wurde mit dem Denkzeit-Stipendium des Freistaat Sachsen ausgezeichnet. Grund genug, ihr Projekt bei uns vorzustellen.
Denkzeit ist ein Künstler*innen-Stipendium der Kulturstiftung Sachsen, das unterschiedliche Formate und Ansätze fördert, die sich mit der Corona-Krise auseinandersetzen. Und solch ein Projekt hat Jan Jan aka Jacqueline eingereicht. Ihr Projekt trägt den Namen Soul Stories.
Jacqueline wird in diesem Projekt auch elektronische Musik verarbeiten. Wir haben ihre Performances immer wieder in den Ausgehtipps empfohlen und sie, vor drei Jahren, im Zuge der Afterhour-Kolumne vorgestellt. Ihre Musik und Kunst ist nicht nur empowernd, sie ist wirklich voller Liebe und ein Leipzig ohne Miss Boom-Boom ist für ihre Fans, darunter auch ich, absolut nicht vorstellbar.
Thank you Jan Jan, for your music, your art and for being you!
Das Statement zum Projekt und worum es dabei gehen wird, lest ihr hier:
„Während dieser Pandemie verlieren viele Menschen ihre Lieben. Angehörige zu verlieren, ist an sich ist nichts Außergewöhnliches, aber die Verbindung, da so viele Menschen gleichzeitig leiden und trauern, ist ein sehr bewegender Zeitpunkt“, sagt Jacqueline über Soul Stories und ergänzt: „Ich möchte Geschichten aus der ganzen Welt über Menschen recherchieren, die während dieser Pandemie Familienmitglieder und Freunde verlieren – und ich möchte nach humorvollen oder sogar freudigen Momenten in diesen persönlichen Geschichten und der Art und Weise suchen, wie diese Familien mit dem Verlust umgehen.“
Diese Geschichten werden gesammelt und in Gedichte und Tracks verwoben und verarbeitet. Entstehen soll dabei ein neues Album und ein Gedichtband.
Foto von Jan König
„Musik ist meine größte Leidenschaft. Und sie führt mich immer zu neuen und schönen Orten meiner eigenen Menschlichkeit, so dass alles, was ich teile, immer auf Liebe zurückzuführen ist, auf das Innerste meiner Seele. Durch Kunst und Musik erlebe und teile ich eine konstante und bereichernde Botschaft von universeller Liebe, Freude, Einheit, und Menschlichkeit. Für mich ist diese Zeit eine Zeit der Transformation und obwohl ich zutiefst besorgt bin und dieser schweren Krise respektvoll gegenüberstehe und allem, was sie mit sich bringt, bin ich auch zuversichtlich, dass wir als Menschen sie und ihre Folgen durchleben und gemeinsam freundlicher und wacher in die Zukunft gehen könnten – vernetzter, respektvoller, auch gegenüber der Umwelt, den Ressourcen und dem Planeten…
…mehr Gerechtigkeit, Menschenwürde und Frieden für alle. Wir können uns in der Tat vernetzen und helfen, ohne Grenzen, ohne Rassismus oder „ismen“ der Zerstörung.“
Am 21. Juni veröffentlichen Tales of Psychofonia eine V/A-EP namens / Θ Ρ Α Υ Σ Μ Α Τ Α /. 100% der Einnahmen werden an die Organisation Caring in Bristol gespendet, die sich um Obdachlose in Bristol kümmert.
Ein weitere Soli-EP, die unsere Aufmerksam verdient. 12 Tracks für Technoheads all over the world! Die Tracks stammen von Years of Denial, Organchrist, Beyond, Polyxene, Dille, Jokasti & Nek, SMFORMA, Eomac, Ground Sounds, sch-tsch und Helena Markos.
Soli-EP für Obdachlose in Bristol
Die Compilation gibt es für +/- 10 Euro bei Bandcamp. Die Einnahmen werden an Caring in Bristol gespendet – denn: Corona is still out there. Auch wenn wir hier in Deutschland langsam nichts mehr von der Pandemie merken, sich die Monothematik langsam wieder auflöst – in vielen anderen Ländern bestimmt Corona weiterhin den Alltag. Und gerade für Obdachlose ist die Situation weiterhin schwierig, da sie keinen persönlichen Schutzraum besitzen.
/ Θ Ρ Α Υ Σ Μ Α Τ Α / Design: fragmentiert
Wieso wir auf diese Soli-EP gekommen sind? Unser Grafiker Manuel aka fragmentiert hat bei dem Projekt als Grafiker mitgewirkt. Also: Full Support für den Release!
Stück für Stück gibt es immer mehr Lockerungen. Doch Corona is still there. Und was für uns als „Publikum“ nur vorübergehendes Szenario ist, kann für die (Leipziger) Kulturszene vielleicht schon bald das endgültige Aus bedeuten. Mit einem Aktionstag am Samstag, dem 20.06.2020, soll genau darauf aufmerksam gemacht werden.
Dass die Kultur am stärksten unter der Corona-Pandemie leidet, ist den Meisten wohl bewusst. Die Kulturschaffenden mussten den Betrieb mit als Erste aufgeben und sie werden die Letzten sein, die ohne jegliche Einschränkungen weitermachen können. Wie sehr sich die vergangenen und aber auch kommenden Monate bei den Kulturstätten und freischaffenden Künstler*innen bemerkbar machen, wissen leider noch die Wenigsten. Eher dürfte die Annahme verbreitet sein, dass die Clubs, Theater und Opern die Monate der „Trockenlegung“ überstehen und dann einfach weitermachen. Spenden von Stammgäst*innen und Startnext-Projekten helfen beim Überbrücken der vergangenen Zeit des Lockdowns und danach, ja danach nimmt man ja wieder was ein. Leider nein.
Genau darauf wollen Kulturschaffende aufmerksam machen: Unter dem Hashtag #nurmitkultur findet diesen Samstag ein kultureller Aktionstag statt. Ziel dabei ist es, unter anderem, zu zeigen, wie wichtig die kulturelle Szene ist und was wäre, wenn es sie nicht mehr gäbe. Es sollen Bilder erzeugt werden, die die Medien und das Publikum erreichen und somit in die Politik getragen werden. Denn noch immer sind die Probleme, die sich der Kulturszene erst noch stellen werden, nicht deutlich genug auf Landes-und Bundesebene angekommen.
Wenig Entspannung nach dem Lockdown in Sicht
Geht man davon aus, dass Kulturbetriebe in der nächsten Zeit weiter von Einschränkungen betroffen sind, so würde dies erst recht das Aus für die Meisten bedeuten.
So hätte zum Beispiel die Distillery bei Einhaltung aller Maßnahmen ein Kontingent von etwa 50 Gästen für den gesamten Club.
Das Gewandhaus wäre mit den Regelungen bei einer Auslastung von nur 20 Prozent nicht mehr in der Lage, den Break-Even-Point zu erreichen. Logischerweise. Was jetzt beim Lockdown vielleicht noch irgendwie machbar war, würde in Zukunft nur mehr Einbußen bedeuten.
Auch die Folgejahre, also 2021 und 2022, seien von derPolitik bisher noch nicht bedacht worden. Klar, es gibt nun Zuschüsse. Die Verteilung der einzelnen Summen ist aber noch nicht eindeutig geklärt worden. Es bleibt zu hoffen, dass die kleinsten Stätten wie Clubs dabei nicht in Vergessenheit geraten. Doch eben um diese Zuschüsse soll es bei dem Aktionstag gar nicht so sehr gehen. Natürlich ist dies auch ein wichtiger und ausschlaggebender Punkt. Doch den Kulturschaffenden ist es wichtig aufzuzeigen, dass es andere Möglichkeiten geben sollte und muss, wie Kultur weitergehen kann: Freiflächen zum Beispiel, die als Open-Air Gelände für Partys oder als Bühne genutzt werden können. Kreativ und flexibel sein dürfen– das ist die Devise.
Performances und Real Talk – keine Raves
Den kreativen Anfang (hope so) macht der 20. Juni 2020: Ab 16 Uhr werden die beteiligten Kulturstätten eigene Aktionen in den jeweiligen Stadtteilen machen – von Performances bis hin zu kleinen Autokorsos. Wichtig ist den Betreiber*innen und Künstler*innen dabei aber, dass es keine großen Menschenansammlungen oder Raves gibt, die ein Abbrechen der Veranstaltungen provozieren könnten. Ab 18 Uhr findet eine gemeinsame Aktion auf dem Augustusplatz statt: Dabei soll eine Art Kulturfriedhof entstehen, um das eventuelle Sterben der einzelnen Häuser zu symbolisieren, damit zu schockieren und hoffentlich zu sensibilisieren. Eine Kundgebung im Anschluss wird nochmal direkt auf die Probleme und Befürchtungen aufmerksam machen.
Ein Leipzig ohne Clubs, Theater, freier Szene, alternativer und Subkultur ist kaum denkbar. Das gilt natürlich für überall.
Wir sollten also weiterhin versuchen, die Kulturszene zu unterstützen, so gut, und so sehr wir können.
Sei es finanziell, sei es mit Petitionen oder Aufrufen. Und drücken wir die Daumen, dass die Politik dies alles ebenfalls versteht und uns diese so wichtige Szene erhalten bleiben kann.
Das ist alles geplant:
16 Uhr – 17.30 Uhr Dezentrale Aktionen aller Kulturakteur*innen finden im gesamten Stadtgebiet statt und ziehen von dort bis zum Augustusplatz. Aktionen & Zusammenschlüsse u. a.:
Ost-Passage Theater startet 16 Uhr ins Rabet, dort Zusammenschluss mit weiteren Projekten/Häusern u.a. Pöge-Haus und von dort aus in Richtung Augustusplatz
Cammerspiele „Ohne Kultur wird alles schlecht“, gemeinsamer Gang von den Cammerspielen zum Augustusplatz über die Karl-Liebknecht-Straße / Leuschnerplatz. Unterwegs werden Cammerspiele-Getränke, die jetzt im Juni ihr MHD überschreiten werden, an Passanten verschenkt.
Durch das Stadtzentrum ziehen Leipziger Kabaretts und passieren dabei alle Kabarett-Spielstätten, musikalisch begleitet und mit Aktions-Handwagen
Clubs & Kollektive durchqueren motorisiert und musikalisch begleitet verschiedene Stadtteile
Interaktive Performance der Theaterturbine an der Moritzbastei (Start bereits 15:30 Uhr)
ab 18:00 Uhr Kundgebung auf dem Augustusplatz // Videobeiträge, künstlerische Interventionen und Wortbeiträge von Kulturaktiven aus und für Leipzig.
Wortbeiträge: Verlesung des Aufrufs von Andreas Schulz (Gewandhaus), Kordula Kunert (LiveKommbinat), Mirko Stock (Kreatives Leipzig) und Sophie Renz (Leipzig+Kultur), Dr. Skadi Jennicke (Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur), Kilian Forster (Stumme Künstler/ Dresden)
Kunstaktion: SAMI, Gewandhaus, Schauspiel, Reserve, Westflügel, LiveLyrix, Viliya Monovska, Oper Leipzig, Werk 2, Stumme Künstler, Theater aus dem Hut, Show & Spektakel, LiveKommbinat, naTo, Horns Erben, IceLab, Zentralkabarett, Frauenkultur, Schenke & Fuchs, Moritzbastei
Videobotschaften: Werk 2, Elipamanoke, Moritzbastei, Distillery, Conne Island, Noch Besser Leben, TV-Club, Gewandhaus zu Leipzig, ZSL-Betreibergesellschaft mbH/ Quarterback Immobilien Arena, Westbad Leipzig, Central Kabarett, Sabrina Lieb – freie Fotografin und Autorin, Haus Leipzig, Horns Erben, Mühlstraße 14, Cammerspiele Leipzig, Theatrium, Museum für Druckkunst, Neues Schauspiel Leipzig, die naTo, Theater der Jungen Welt, Schauspiel Leipzig, Puppentheater Sterntaler, Stadtbad Leipzig, Sibylle Kuhne – freie Schauspielerin, Kordula Kunert für das LiveKommbinat Leipzig, LOFFT – Das Theater, Flügelschlag Werkbühne
„Für den 20. Juni 2020 planen die Netzwerke Leipzig+Kultur, Livekommbinat Leipzig, Kreatives Leipzig und die kulturellen Eigenbetriebe der Stadt einen Aktionstag in Leipzig, an dem sich alle Kultureinrichtungen/Veranstalter/Vereine/Clubszene und Künstler*innen beteiligen und auf ihre spezielle derzeitige Situation aufmerksam machen wollen! Die Aktion wird durch das Kulturdezernat der Stadt Leipzig und die Kulturbürgermeisterin unterstützt.
Geplant sind dezentrale Aktionen in den Kulturstätten und Clubs, bevor auf dem Augustusplatz eine gemeinsame Abschlussveranstaltung stattfinden soll.“
Zeitplan
16 – 17:30 Uhr – Aktionen in Stadtteilen, Kultureinrichtungen und Clubs
United For Equity bringt einen Soli-Sampler heraus, um die Black Lives Matter-Bewegung zu unterstützen. Mit dabei sind unter anderem Cressida, Francois X, Hadone, Héctor Oaks, Narciss, Schacke, Steffi und Xiorro. Die Macher*innen hinter dem Projekt positionieren sich mit einem Statement.
#Blackouttuesday
Erinnern wir uns kurz zurück – wir müssen nicht lange kramen, es sind nur knapp zwei Wochen: Mit dem #Blackouttesday wollte die Musikindustrie ein Zeichen gegen Rassismus und für die Unterstützung der Black Lives Matter-Proteste setzen. Unüberlegt und schadend war die Verwendung des Hashtags der Bewegung #blacklivesmatter. Instagram, Twitter und Facebook wurde statt mit Informationen rund um die Proteste, Gegenproteste, Polizeigewalt und Festnahmen bei Demonstrationen mit schwarzen Quadraten geflutet und der nutzbare Feed des Hashtags quasi zum Erliegen gebracht.
Schwarze Kachel ja, Spenden nein?
Kurz darauf wurde vor allem innerhalb von Instagram weiter Kritik geteilt, denn ungleich mehr schwarze Kacheln wurden gepostet als Unterschriften auf Petitionen oder Spenden eingingen. Ein schwarzes Quadrat posten – ja, ist okay. Den nächsten Schritt machen und versuchen der Schwarzen Community, NGOs und Bewegungsinitiator*innen wirklich zu helfen? Nicht so easy, dafür reichte der nach Außen publizierte Aktionismus offenbar nicht.
White Silence innerhalb der elektronischen Musikwelt
Künstler*innen, Labels und Clubs aus der Welt der elektronischen Musik solidarisierten sich teilweise mit Postings (über eine schwarze Kachel hinaus), Spenden(aufrufen) und dem Teilen von Informationen, teilweise blieben und bleiben sie stumm.
Die (sub-)kulturelle Szene um Techno, House, DnB, und Trap profitiert aber nicht nur grundsätzlich-andauernd von Schwarzer Musik, sie benennt dabei eben jene Ursprünge nicht, wäscht die Musikgeschichte weiß und positioniert sich nicht geschlossen solidarisch mit der Black Lives Matter-Bewegung oder zu Rassismuskritik.
Wer mit dem Posten einer schwarzen Kachel sein antirassistisches Engagement als „erledigt“ abhaken möchte, hat noch nicht einmal ansatzweise damit angefangen – ob als Label, Club, DJ, Künstler*in, Producer*in, Raver*in – das gilt gleichermaßen für alle.
United For Equity
United For Equity hat sich als Musikprojekt genau in diesem Spannungsfeld von Positionierung und Verantwortung formiert. Die Macher*innen hinter dem Projekt haben auf ihrem gerade erschienenen Digital-Release 31 Tracks von Producer*innen weltweit vereint. Der Release geht mit einem Statement zum Whitewashing der Musikgeschichte, weißen Privilegien, Allyship und einer 100%igen Spende aller Einnahmen an zwei Organisationen einher. Das Geld wird zu gleichen Teilen an The Bail Project und an Black Lives Matter gespendet.
Die Compilation mit 31 Tracks von U4E könnt ihr für 10 Euro (oder mehr) via Bandcamp kaufen.
U4E (Artwork von cm-dp)
Mit dabei sind Amal, Ascion, Ayarcana, Blue Hour, Buzzi, Cardopusher, CcC, Cressida, DJ Slugo, DJ T-1000, Drvsh, FBK, Francois X, Fred Terror, Hadone, Héctor Oaks, Indy Nyles, Julian Muller, Lonefront, Midnight Menace, Mrd, Narciss, Orlando Voorn, Plural, Randomer, Raär, Rove Ranger, Schacke, Steffi, Trudge und Xiorro.
Eeeeeeeeeendlich – unser liebster Plattenflohmarkt im Schnellbuffet Süd findet wieder statt! Und das heißt nicht nur Plattenflohmarkt im Schnelli, sondern auch, dass das Schnelli überhaupt am Sonntag offen hat!
Hard facts: diesen Sonntag, von 12 bis 17 Uhr, Eintritt frei, Plattenspieler zum Vorhören gibt’s auch.
„Ihr dürft bei Bier, Kaffee und Spirelli mit Gulasch stöbern, was das Zeug hält.“ Also: what are you waiting for? Viel Spaß.
Dieses Stream-Wochenende ist für die PVC-Crew ein Besonderes.
Wir haben sie bereits in unserem Streaming-Guide vorgestellt und bei der Y-Kollektiv Reportage waren sie auch zu sehen: das PVC Kollektiv geht am Freitag und Sonntag mit ihrem 10. Stream-Wochenende an den Start.
Zu den Stubendiskos und Kaffeekränzchen gab es für jedes Wochenende eine neue Spendenaktion und diesmal wird für Save the Children in Jemen Geld gesammelt. Und es hat sich gelohnt, dass die Jungs und Mädels mit ihrem Programm zu Corona-Beginn so schnell waren: mit den letzten beiden Wochenenden konnten insgesamt bereits über 1000 Euro eingenommen werden. Mit einem Durchschnitt von ca. 200 Euro pro Wochenende ging das Geld zum Beispiel an Stand by Me Lesvos, Pro Asyl, Ciocia Basia, und viele mehr.
Zur 10. Ausgabe der Stubendisko sind übrigens drei IfZ-Residents am Start: fr.Jpla, Kikimike und S.ra sind zu Gast. Hier könnt ihr ab 20.15 Uhr einschalten und spenden.
Wellness Records haben ihre zweite Platte herausgebracht. Amy hat sie für euch rezensiert.
Wellness Records aus Leipzig haben letzte Woche ihre zweite Vinyl(-only)-Premiere feiern dürfen: die Wellness002 ist am 11. Juni erschienen.
Während die letzte Platte mit Künstler Mbius deutlich local gehalten wurde, ist diesmal jedoch Andrey Sorozhkin alias Matpri als internationaler Zusatz dazugekommen. Der russische Künstler ist – passenderweise – auf Micro-House fokussiert, hat 2017 selbst ein Vinyl-only Label gelaunched und konnte bereits auf Slowdy Mowdy und Hoarder Releases feiern. Für nun aber liegt der Fokus auf seiner Leipziger Präsenz.
Easy groover
– der erste Gedanke, der mir in den Kopf springt.
Obwohl der Artist aus St. Petersburg kommt, sind auf der Platte schwere UK-Einflüsse herauszuhören. Die verspielten, an Comics erinnernden Sounds und Samples sind zwar subtil eingefädelt worden, sie helfen den Tracks aber dabei, herauszustechen – so wie auf der A2 (Nlego – Chocolate Grinder & flore Remix), beispielsweise, bei der das Gesprochene immer mal wieder aus dem Hinter- in den Vordergrund und umgekehrt wechselt. Hierbei greift der Remix der A1 die Elemente auf, die dort zu kurz gekommen sind – eben wie solche Samples. Super schön gemacht.
Matpri
Auch auf der B-Seite wird viel Liebe zum Detail bemerkbar. Ich habe es letztes Jahr bereits zu Mbius’ Ethernal-Release geschrieben, doch ich muss es auch hier nochmal aufgreifen: Diese Art von Musik strahlt eine Monotonie aus, die nicht langweilig wird. Und dieser Micro-House wird auf der richtigen Anlage zum Club-Banger: Das konnte die Crew um das Label letztes Jahr zum Release der 001 im Westbahnhof beweisen.
Um das Ganze nochmal zusammenzufassen: Ein sehr stabiles Ding für alle House- und Minimal-Lover, würde ich meinen. Drei Tunes von Matpri, ein Remix von Label-Betreiber Chocolate Grinder und Kumpel flore. Von vorne bis hinten all around smoothe Tracks, die sich problemlos in die Diskografie von Wellness Records einreihen und Leipzig an ein wenig mehr musikalischer Vielfalt gewinnen lassen. An Leichtigkeit kaum zu übertreffen. I like!
Im fünften Künstler*innenporträt stellen wir Janthe vor: talentierte DJ, Mitbegründerin vom Chelsea Hotel Kollektiv und Mitglied bei feat. Fem und G-Edit. Was sie sonst noch treibt, erfahrt ihr im Text.
„Liebe Emily, deine DJ-Superkraft ist meiner Meinung nach, dass du neben deinem tollen Sound auch andere Künstler*innen ganz unaufgeregt und ehrlich supportest. Du gibst ihnen Raum und Sichtbarkeit. Das ist ein großes Geschenk und Inspiration für viele!“
A defender of contemporary club sound: Emily alias Janthe durfte ich zum ersten Mal live erleben, nachdem ich ihre Sets hoch und runter gehört hatte und sie schon fast auswendig konnte. Ich hatte die Möglichkeit bekommen, sie für eine Party zu buchen. Ihre Gelassenheit hinter dem DJ Pult, ihre Selection, die Energie in ihrem Set – ich war gefesselt. Nun ist es an der Zeit, dass wir ihre Person und ihr Talent bei frohfroh vorstellen.
Back to the roots
Emily legt seit ungefähr zwei Jahren auf, erzählt sie mir bei unserem Interview. Sie macht aber nicht nur gute Musik – sie ist außerdem umringt von Projekten und aktiv feministisch in der Leipziger Clubkultur engagiert, als Mitbegründerin vom Veranstaltungskollektiv Chelsea Hotel und als Teammitglied bei feat. Fem und G-Edit.
Ursprünglich aus Cottbus kommend, ist Emily einige Male umgezogen, um dann schließlich vor sechs Jahren nach Leipzig zu kommen. Zur elektronischen Musik hatte sie immer einen groben Bezug, durch Jugendclubs oder Festivals zum Beispiel, aber durch ihren Freundeskreis wurde aus nur einem groben Bezug ein großes Interesse.
Foto von Nina Koellner
Foto von Nina Koellner
„Ich bin immer nur auf Partys gegangen, ohne mir zu denken, dass ich auch auflegen könnte. Nachdem ich in Leipzig von einem Freundeskreis umgeben war, in dem das viele Leute gemacht haben und ich es auch interessant fand, habe ich es mir zeigen lassen.“
2018, als sie ihre ersten Anläufe beim Auflegen feierte, nahm Judith van Waterkant Emily mit auf ein feat. Fem Treffen – „weil ich mich nicht getraut habe, dort alleine hinzugehen.“ Dort kristallisierten sich gerade Strukturen und Aufgabengruppen heraus. Emily, Judith, Carlotta Jacobi und Lou alias illousion taten sich unter anderem zusammen und bilden seitdem die Crew hinter dem feat. Fem Podcast auf SoundCloud. Das Zitat am Anfang des Porträts stammt aus dem Text, den Judith für ihre Ausgabe des Podcasts über Emily schrieb.
Tatendrang
Judith schreibt außerdem über Emily, dass sie „neben G-Edit zu einer der angenehmsten Crews in Leipzig [gehört], mit denen ich veranstaltet habe: Chelsea Hotel“. Die Leipziger Version dieses Ortes umfasst aber weitaus mehr, als nur Boutiquen, Schlafplätze und Galerien – und sie ist überhaupt gar nicht nur auf einen Ort bezogen.
Die erste Chelsea Hotel-Veranstaltung fand vor über zwei Jahren zu Emilys Geburtstag in einer Off-Location im Leipziger Osten statt, wo sie b2b mit Ninze als DJ Team Action Service das erste Mal so richtig vor einer Crowd auflegen konnte. Im August 2018 folgte die erste IfZ-Veranstaltung zur CHANNEL, anschließend dann drei Kollaborationen mit der Petrola-Crew im So&So und mjut. Auch in anderen Off-Locations, im Leipziger Westen zum Beispiel, fanden Chelsea Hotel Veranstaltungen statt.
Foto von Nina Koellner
Den Namen bekam das Projekt, weil der Ort in New York für die Gruppe einfach spannend war, und was die Crew jetzt aus dem Projekt gemacht hat, ist genau das: spannend. „Dadurch, dass wir das Hotel-Thema immer kreativ aufgreifen können, haben wir immer geile Deko realisieren können“ – so gab es bisher auf Veranstaltungen mal eine Rezeption oder Lobby im Club, als Garderobenmarken Zimmerschlüssel mit Zimmernummern. Im ebenfalls eigenen Podcast gibt es vor jedem Mix eine Fahrstuhl-Ansage, in welche Etage es nun gehen soll. Abgerundet wird das Ganze mit einem souveränen Design, verwirklicht durch zwei Teammitglieder. Solche Details machen viel aus.
Und: während die New Yorker Version des Hotels zwölf Stockwerke umfasst, ist der Chelsea Hotel Podcast im wahrsten Sinne mit seiner bereits dreizehnten Folge durch die Decke gegangen. „Ich finde, durch den Podcast haben wir nochmal unserem Sound eine Identität geben können“ sagt Emily. Dieser Sound ist meist laid back und stark fokussiert auf
alles, was House anbelangt.
Female focus
Für zwei von drei Kollektiven, bei denen Emily mitwirkt, liegt der Arbeitsschwerpunkt darauf, weibliche Artists zu pushen und feministische Perspektiven und Herausforderungen in der Clubkultur sichtbarer zu machen. Feat. Fem und G-Edit nahmen in Leipzig bei diesen Themen in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle ein. Unter den Projekten, die Emily gerade gerne selbst aufmerksam verfolgt, zählen die nice 4 what Crew und die female* Ableton User Group im IfZ.
In den letzten Monaten aber lag der Fokus innerhalb der Subkultur auf einem anderen Thema: Corona. Natürlich ist auch Emily nicht verschont geblieben, für sie sind Slots auf dem zeitraum Festival oder im ://about blank verloren gegangen. Aber: „Ich finde es cool, was hier so an Arbeit reingesteckt wird, auch zu sehen, dass es genug Unterstützung innerhalb der Stadt gibt, wenn so eine Krise die Szene trifft. Es werden trotzdem Mittel und Wege gefunden um das zu supporten und seine Verbundenheit auszudrücken.“
Ich frage trotzdem, ob es für Emily etwas gibt, von dem sie sich wünscht, dass es sich nach der Krise ändert. Aber im Gegenteil: „Es wäre schön, wenn nicht vergessen wird, was vorher war. Dass nicht nur, weil alle Clubs zu haben und gerade nur gestreamed wird, politische Themen unter den Tisch fallen.“ Sie hofft, dass weiterhin auf Diverstität geachtet wird und betont dass all-male, all-white Lineups nicht mehr zeitgemäß sind.
Foto von Nina Koellner
Foto von Nina Koellner
Hier und Jetzt
Gerade, meint Emily, steht für sie im Zuge der aktuellen Situation nichts konkretes an. Aber an ihre bisherigen DJ-Highlights erinnert sie sich trotzdem gerne zurück – sie nennt, wie auch schon DJ Team Kevin Kuranyi in ihrem frohfroh-Porträt, die Steele-Bühne auf dem Feel Festival als einen ihrer schönsten Gigs. Und „überhaupt erstmal nach Berlin gebucht zu werden, oder der erste Auftritt im ://about blank, das war krass.“
Die Zeit, die es momentan zum Nachdenken gibt, wird angemessen genutzt. Emily hat sich mit ihrer Podcast-Kollegin Carlotta Jacobi zusammengetan, über die wir eben unser letztes Künstlerinnenporträt geschrieben haben, und gemeinsam forschen die beiden qualitativ darüber, welche Zugangsschwierigkeiten es für Frauen in der Musikproduktion gibt. „Es gibt in Leipzig mittlerweile sehr viele Frauen, die auflegen, aber in der Produktion gibt es ein krasses Ungleichgewicht. Uns interessiert, warum das so ist.“
Zum Abschluss unseres Interviews möchte ich von Emily wissen, wie sie ihre eigenen Sets selbst einschätzt – eine Frage, die ihre DJ-Kollegin Judith van Waterkant bereits ins Schwanken gebracht hat. Durch die jetzige Situation ist die Frage aber ein wenig nuancierter geworden: „Das finde ich gerade ganz spannend, dadurch, dass man gerade keine Club-Sets mehr vorbereiten muss. Wenn man Musik diggt, wie kommt die rüber? Wie verändert sich der Sound? Ich finde es spannend, das im Digging-Verhalten zu beobachten, nicht mehr im Hinterkopf zu haben, was man gut im Club oder nicht spielen könnte. Aber sonst – ‘ne geile Acid-Line, schön bouncy, breaky.
Dass es geil nach vorne geht.
Es ist schwer das zu beschreiben, ohne ‘ne blöde Metapher zu verwenden.“ WORD!
Janthe X frohfroh
In dem Moment, in dem ich Janthes Mix für unsere Reihe zum ersten Mal höre, bekomme ich Flashbacks zu dem Moment, als ich das erste Mal auf ihr SoundCloud-Profil gestoßen bin. Ihr Sound ist frisch und clean geblieben, das Set steigert und steigert sich. Einfach nur killer – dafür lassen sich keine Metaphern finden.
Janthes Sound ist, wie bereits erwähnt, vor allem zeitgenössisch – und deshalb habe ich sie gebeten, mir drei ihrer momentanen Lieblingsreleases vorzustellen. Diese drei hat sie ausgewählt:
Klein/Melchner – Critical Mass EP (Blank State)
V.A. – Viral Syndicate Vol. 3 (Haŵs)
Roza Terenzi – Modern Bliss (Planet Euphorique)
Und nun, without further ado: Janthes Spot on Mix, der exklusiv für uns aufgenommen wurde. Danke dafür und hoffentlich bis bald auf den Dancefloors unserer Stadt. <3
Es ist Zeit, laut zu sein. Laut gegen Rassismus. BIPoC erleben Rassismus jeden Tag. Und weiße Menschen profitieren jeden Tag von Rassismus. Jeden. Tag. Sind wir uns dessen bewusst? Informieren wir uns über Rassismus und Rassismuskritik? Nein. Können wir das ändern? Ja.
Wir müssen uns nur dafür entscheiden. Eine Entscheidungsfreiheit, die ein Privileg darstellt. BIPoC (Black Indigenous People of Colour) können sich nicht dafür oder dagegen entscheiden, mit rassistischem Hass und Gewalt konfrontiert und angegriffen zu werden.
Was können wir, als weiße Menschen, jetzt gerade tun?
Wir müssen vor allem zuhören – und zwar Betroffenen, wenn sie uns an ihren Erfahrungen und ihrem Wissen teilhaben lassen möchten. Dabei darf nicht verlangen werden, dass sie uns rassistische Strukturen in unserer Gesellschaft oder unser eigenes rassistisches Verhalten erklären.
Wir alle können das Internet benutzen, in den letzten Monaten haben wir uns gegenseitig bewiesen, wie gut wir das können… Streaming, Twitch, Crowdfunding, alles kein Problem. Also, werft Spotify und Instagram an, um schnell an Informationen zu kommen. Bei dieser „Gelegenheit“ wird uns auch das Whitewashing in der Musikgeschichte über den Weg laufen, auch und gerade im Techno.
Denn Techno stammt aus der Schwarzen Community, wird aber heute als weiß betrachtet. Sarah Farina, die wir gerade im letzten Monat hier bei frohfroh interviewen durften, sprach genau dieses Thema an.
Bei Spotify könnt ihr zum Beispiel das Buch Exit Racism von Tupoka Ogette hören. Das kann ein erster Schritt sein. Weitere Tipps: Beteiligt euch an Petitionen, teilt Inhalte in euren Netzwerken, sprecht darüber, was gerade los ist und wer kann, spendet.
How to be an Ally?
Was ich versucht habe, in einzelnen Fragmenten aufzuschreiben, lest ihr hier als Basic-Sheet mit mehr Input, Links und Bildungsangeboten. Das Sheet stammt von Juliane Kriebitz (@ama_carla). Danke!
Protestwochenende am Samstag, 6.6. und Sonntag, 7.6.
Was können wir am Wochenende tun, um laut gegen Rassismus zu sein? Wir gehen zur Demo! Packt an, seid Allys, teilt Informationen via Facebook und Instagram, geht zusammen, fragt euren Bekanntenkreis, ob sie euch zur Demo begleiten. Für Clubkultur konnten wir 1a demonstrieren, das haben wir gezeigt. Mehrfach. Es steht also außer Frage, dass wir auch an diesem Wochenende gemeinsam demonstrieren.
Samstag
Grafik von Anja Kaiser
Die Demo Stand Up_Speak Up_Show Up ist eine Demo organisiert von @series_be. Start ist um 14.00 Uhr am Augustusplatz (Opernseite).
Bringt Transparente, Schilder und was euch sonst einfällt, mit. Achtet darauf, auch wenn ihr (schließe mich hier übrigens mit ein!) ‚es‘ seit Restaurants, Bars und Geschäfte wieder geöffnet haben, mitunter nicht mehr so genau nehmt, Abstände einzuhalten. But: Corona is still out there. Gefährdet also keine anderen Menschen und haltet euch an die üblichen Vorschriften: Hände waschen, Abstand (1 1/2 Meter) einhalten und tragt eine Mund-Nase-Bedeckung.
Die Route geht durch die Stadt und endet am Wilhelm-Leuschner-Platz. Mehr Informationen gibt es bei Facebook und Instagram.
Sonntag
via Facebook / Instagram
Black Lives Matter Demo // 13 Uhr // Willi-Brandt-Platz/Hauptbahnhof.
Das schreiben die Organisator*innen in der Veranstaltung:
George Floyd wurde von Polizisten ermordet.
Seine Geschichte ist kein Einzelfall. Er ist einer von vielen. Die Behörden die vorgeben für Sicherheit und Frieden zu sorgen, sind für uns eine Gefahr.
Viele Menschen in Minneapolis und anderen US- amerikanischen Städten sind nicht länger bereit diese Gefahr in Kauf zu nehmen und protestieren. Sie zeigen, dass Rassismus nur eine Antwort kennt: Kämpferische Entschlossenheit und Solidarität — und zwar solange bis wir gehört werden und solange bis die rassistischen Strukturen in Behörden und überall in der Gesellschaft überwunden sind.
Dass das kein leichter Kampf wird, beweist der mächtigste Mann der Welt. Der US-Präsident hetzt Seite an Seite mit white suprememacists und anderen Faschos gegen die Protestierenden und ruft die Sicherheitsbehörden zu weiterer Gewalt auf.
Diese gehorchen: Sie schießen mit Gummigeschossen und Elektrowaffen auf friedliche Demonstrant*innen, benutzen Tränengas oder fahren mit Autos in Menschenmengen.
Institutioneller Rassismus ist aber nicht nur ein US-amerikanisches Problem.
In Deutschland konnte der NSU jahrelang unterstützt durch den Verfassungschutz morden. In Frankfurt schickten Polizist*innen Drohbriefe an eine NSU-Nebenklagevertreterin und immer wieder töten Polizist*innen aus rassistischen Motiven. Gerechtigkeit können Betroffene nur in den seltensten Fällen erwarten. Ein internationales Problem, verlangt eine internationale Antwort.
Wir gehen am 7.06. um 13 Uhr auf die Straße. Zeigt auch ihr eure Solidarität und schließt euch uns an!
Obwohl keine Organisation für die Demo verantwortlich ist sind wir eine Koalition von Menschen aus der Initiatve Schwarzer Menschen in Deutschland, Migrantifa Leipzig und BIPOC Leipzig die weiße Stille, Polizeigewalt und die systeme von Rassismus und white supremacy in unserer Gesellschaft nicht mehr akzeptieren wollen.
Das schreiben die Organisator*innen der Demo am Sonntag in der Veranstaltung:
George Floyd wurde von Polizisten ermordet.
Seine Geschichte ist kein Einzelfall. Er ist einer von vielen. Die Behörden die vorgeben für Sicherheit und Frieden zu sorgen, sind für uns eine Gefahr.
Viele Menschen in Minneapolis und anderen US- amerikanischen Städten sind nicht länger bereit diese Gefahr in Kauf zu nehmen und protestieren. Sie zeigen, dass Rassismus nur eine Antwort kennt: Kämpferische Entschlossenheit und Solidarität — und zwar solange bis wir gehört werden und solange bis die rassistischen Strukturen in Behörden und überall in der Gesellschaft überwunden sind.
Dass das kein leichter Kampf wird, beweist der mächtigste Mann der Welt. Der US-Präsident hetzt Seite an Seite mit white suprememacists und anderen Faschos gegen die Protestierenden und ruft die Sicherheitsbehörden zu weiterer Gewalt auf.
Diese gehorchen: Sie schießen mit Gummigeschossen und Elektrowaffen auf friedliche Demonstrant*innen, benutzen Tränengas oder fahren mit Autos in Menschenmengen.
Institutioneller Rassismus ist aber nicht nur ein US-amerikanisches Problem.
In Deutschland konnte der NSU jahrelang unterstützt durch den Verfassungschutz morden. In Frankfurt schickten Polizist*innen Drohbriefe an eine NSU-Nebenklagevertreterin und immer wieder töten Polizist*innen aus rassistischen Motiven. Gerechtigkeit können Betroffene nur in den seltensten Fällen erwarten. Ein internationales Problem, verlangt eine internationale Antwort.
Wir gehen am 07.06. um 13 Uhr auf die Straße. Zeigt auch ihr eure Solidarität und schließt euch uns an!
Obwohl keine Organisation für die Demo verantwortlich ist sind wir eine Koalition von Menschen aus der Initiatve Schwarzer Menschen in Deutschland, Migrantifa Leipzig und BIPOC Leipzig die weiße Stille, Polizeigewalt und die systeme von Rassismus und white supremacy in unserer Gesellschaft nicht mehr akzeptieren wollen.
Es ist Zeit, laut zu sein. Laut gegen Rassismus. BIPoC erleben Rassismus jeden Tag. Und weiße Menschen profitieren jeden Tag von Rassismus. Jeden. Tag. Sind wir uns dessen bewusst? Informieren wir uns über Rassismus und Rassismuskritik? Nein. Können wir das ändern? Ja.
Wir müssen uns nur dafür entscheiden. Eine Entscheidungsfreiheit, die ein Privileg darstellt. BIPoC (Black Indigenous People of Colour) können sich nicht dafür oder dagegen entscheiden, mit rassistischem Hass und Gewalt konfrontiert und angegriffen zu werden.
Was können wir, als weiße Menschen, jetzt gerade tun?
Wir müssen vor allem zuhören – und zwar Betroffenen, wenn sie uns an ihren Erfahrungen und ihrem Wissen teilhaben lassen möchten. Dabei darf nicht verlangen werden, dass sie uns rassistische Strukturen in unserer Gesellschaft oder unser eigenes rassistisches Verhalten erklären.
Wir alle können das Internet benutzen, in den letzten Monaten haben wir uns gegenseitig bewiesen, wie gut wir das können… Streaming, Twitch, Crowdfunding, alles kein Problem. Also, werft Spotify und Instagram an, um schnell an Informationen zu kommen. Bei dieser „Gelegenheit“ wird uns auch das Whitewashing in der Musikgeschichte über den Weg laufen, auch und gerade im Techno. Denn Techno stammt aus der Schwarzen Community, wird aber heute als weiß betrachtet. Sarah Farina, die wir gerade im letzten Monat hier bei frohfroh interviewen durften, sprach genau dieses Thema an.
Bei Spotify könnt ihr zum Beispiel das Buch Exit Racism von Tupoka Ogette hören. Das kann ein erster Schritt sein. Weitere Tipps: Beteiligt euch an Petitionen, teilt Inhalte in euren Netzwerken, sprecht darüber, was gerade los ist und wer kann, spendet.
How to be an Ally?
Was ich versucht habe, in einzelnen Fragmenten aufzuschreiben, lest ihr hier als Basic-Sheet mit mehr Input, Links und Bildungsangeboten. Das Sheet stammt von Juliane Kriebitz (@ama_carla). Danke dafür!
Protestwochenende am Samstag, 6.6. und Sonntag, 7.6.
Was können wir am Wochenende tun, um laut gegen Rassismus zu sein? Wir gehen zur Demo! Packt an, seid Allys, teilt Informationen via Facebook und Instagram, geht zusammen, fragt euren Bekanntenkreis, ob sie euch zur Demo begleiten. Für Clubkultur konnten wir 1a demonstrieren, das haben wir gezeigt. Mehrfach. Es steht also außer Frage, dass wir auch an diesem Wochenende gemeinsam demonstrieren.
Samstag
Grafik von Anja Kaiser
Die Demo Stand Up_Speak Up_Show Up ist eine Demo organisiert von @series_be. Start ist um 14.00 Uhr am Augustusplatz (Opernseite).
Bringt Transparente, Schilder und was euch sonst einfällt, mit. Achtet darauf, auch wenn ihr (schließe mich hier übrigens mit ein!) ‚es‘ seit Restaurants, Bars und Geschäfte wieder geöffnet haben, mitunter nicht mehr so genau nehmt, Abstände einzuhalten. But: Corona is still out there. Gefährdet also keine anderen Menschen und haltet euch an die üblichen Vorschriften: Hände waschen, Abstand (1 1/2 Meter) einhalten und tragt eine Mund-Nase-Bedeckung.
Die Route geht durch die Stadt und endet am Wilhelm-Leuschner-Platz.
Sonntag
via Facebook / Instagram
Black Lives Matter Demo // 13 Uhr // Willi-Brandt-Platz/Hauptbahnhof.
Das schreiben die Organisator*innen in der Veranstaltung:
George Floyd wurde von Polizisten ermordet.
Seine Geschichte ist kein Einzelfall. Er ist einer von vielen. Die Behörden die vorgeben für Sicherheit und Frieden zu sorgen, sind für uns eine Gefahr.
Viele Menschen in Minneapolis und anderen US- amerikanischen Städten sind nicht länger bereit diese Gefahr in Kauf zu nehmen und protestieren. Sie zeigen, dass Rassismus nur eine Antwort kennt: Kämpferische Entschlossenheit und Solidarität — und zwar solange bis wir gehört werden und solange bis die rassistischen Strukturen in Behörden und überall in der Gesellschaft überwunden sind.
Dass das kein leichter Kampf wird, beweist der mächtigste Mann der Welt. Der US-Präsident hetzt Seite an Seite mit white suprememacists und anderen Faschos gegen die Protestierenden und ruft die Sicherheitsbehörden zu weiterer Gewalt auf.
Diese gehorchen: Sie schießen mit Gummigeschossen und Elektrowaffen auf friedliche Demonstrant*innen, benutzen Tränengas oder fahren mit Autos in Menschenmengen.
Institutioneller Rassismus ist aber nicht nur ein US-amerikanisches Problem.
In Deutschland konnte der NSU jahrelang unterstützt durch den Verfassungschutz morden. In Frankfurt schickten Polizist*innen Drohbriefe an eine NSU-Nebenklagevertreterin und immer wieder töten Polizist*innen aus rassistischen Motiven. Gerechtigkeit können Betroffene nur in den seltensten Fällen erwarten. Ein internationales Problem, verlangt eine internationale Antwort.
Wir gehen am 07.06. um 13 Uhr auf die Straße. Zeigt auch ihr eure Solidarität und schließt euch uns an!
Obwohl keine Organisation für die Demo verantwortlich ist sind wir eine Koalition von Menschen aus der Initiatve Schwarzer Menschen in Deutschland, Migrantifa Leipzig und BIPOC Leipzig die weiße Stille, Polizeigewalt und die systeme von Rassismus und white supremacy in unserer Gesellschaft nicht mehr akzeptieren wollen.
Es wird sicherlich noch mehr Proteste und Demonstrationen an diesem Wochenende geben. Schreibt sie hier in die Kommentare!
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