Im letzten Herbst hatten wir erstmals über das Philipp Rumsch Ensemble berichtet. Nun steht das erste Album an – das aber erst noch finanziert werden muss.
Kurz zur Erinnerung: Philipp Rumsch möchte mit klassischem Instrumentarium die Sound-Ästhetik und Dramaturgie von Minimal Music, Pop und Electronica aufgreifen. Rumsch hat dafür die Suite „Reflections“ komponiert. Zwölf Musiker standen dafür bereits mehrfach auf der Bühne und vier Tage im Leipziger Echolux-Studio.
Die Aufnahmen sind also fertig. Was fehlt ist das Geld für „den Mix, das Mastering, die GEMA Lizenzgebühren, das Artwork, die Bewerbung bei Plattenlabels sowie die Pressung.“ Deshalb hat Philipp Rumsch bei Startnext eine Crowdfunding-Kampagne gestartet über die die 4.360 € reinkommen sollen. Finden wir spannend. Neben der finalen CD oder dem Besuch bei Bandproben reichen die Gegenleistungen bis zu einer eigenen Komposition oder einem privaten Konzert.
Wie immer beim Crowdfunding: Alles oder nichts. Es muss der gesamte Betrag zusammenkommen, sonst wird es nichts. Noch bis zum 5. Februar 2017 ist Zeit zum Mitmachen.
Das aktuelle Oldschool-Electro-Revival ebbt einfach nicht ab. Mit Pulse Drift Recordings widmet sich ein weiteres Label diesem originären Detroit-Sound. Und einem beinahe verschollenen Schatz.
Oft ähneln sich die Geschichten hinter Labelgründungen ja. Da brauchte es eine Plattform für eigene Tracks. Oder die Musik von Freunden sollte endlich herausgebracht werden. Bei Pulse Drift Recordings gibt es ein paar Facetten mehr in der Geschichte. Vor zehn Jahren erlebte Thomas, der Label-Betreiber, das Live-Set von Eoism. Damals hießen sie noch anders.
Die Geschichte geht aber noch weiter: Irgendwann nahmen sie in Thomas‘ rottigem Kellerstudio ein paar Stücke auf. „Ausschließlich mit Hardware, ganz ohne Rechner und im Stil einer Live-Band“, erinnert er sich. Nachdem die Tracks durch ein reparaturbedürftiges russisches Mischpult gejagt worden, war Thomas von dem „rohen, unverfälschtem Sound“ angetan, so dass er die Stücke bei MySpace hochgeladen hat. Geil, MySpace.
Doch darüber entdeckte tatsächlich die Wiener Label-Legende Cheap die Stücke und wollte eine Platte herausbringen. Wenn nicht kurz darauf der Vertrieb konkurs gegangen wäre und Cheap mit ins Minus gerissen hätte. Es gab später auch noch andere Label-Optionen, die sich jedoch alle wieder zerschlugen.
Thomas behielt die Tracks aber im Kopf und wollte sie irgendwann selbst herausbringen.
Er löste seine Lebensversicherung auf, um alles zu finanzieren.
So schreibt er es wirklich! Anschließend schickte er die Stücke zum Mastern zu Pole nach Berlin und startete gleich ein ganzes Label. Die klassischen Eoism-Tracks mit ihrer retro-futuristischen Patina und dem typischen wehmütig-verspielten Electro-Sound wurden schnell wohlwollend von einigen Electro-DJs und Radio-Stationen aufgenommen. Besonders „The Wire“ entfaltet großes Hit-Potential.Damit nicht genug: Der renommierte Vertrieb Clone aus Rotterdam bot dem Label sofort einen exklusiven Deal an. Die Nummer 2 ist auch schon am Entstehen, eine Compilation mit sechs Tracks soll es werden. Was für eine Story, was für eine erste Platte.
Letztes Jahr haben wir den charmanten Synth-Pop von Sternrekorder entdeckt, den wir euch noch vorstellen wollen, bevor 2016 in allzu weite Ferne rückt.
Willkommen 2017! Du, lieber Jahreswechsel, erinnerst uns an all die aufgeschobenen Aufgaben und vergessenen Vorhaben, die sich so in den letzten zwölf Monaten angesammelt haben. Immer im Hinterkopf die leise Ahnung, dass es im nächsten Januar nicht anders sein wird. Aber wen schert’s – wir freuen uns 2017 nicht nur wieder auf eine Vielzahl an neuen Releases, sondern auch auf all die neu- und wiederentdeckten Tüftler, die im abgeschiedenen Kämmerlein an ihrem Sound-Universum schrauben. Womit wir bei Martin Home alias Sternrekorder wären.
Bereits vor etwa einem halben Jahr bin ich beim Soundcloud-Durchhören über ihn gestolpert (danke, Herr Gierden!) und von seinen Tracks sehr angetan. Irgendwo zwischen Synth-Pop und Electro verortet Sternrekorder seinen Sound, den er durch die etwas zungenbrecherische Selbstbeschreibung „Retrolektrotanzmusik“ passend ergänzt. Spätestens ein Blick auf seinen YouTube-Kanal bestätigt, dass hier eine große Synthesizer-Faszination im Zentrum des musikalischen Schaffens steht. Einige Live-Sessions gibt es zu sehen, aber auch Videos mit eher dokumentarischem Charakter.Dennoch ist besonders das Musik-Video zu „Calling“ bei mir hängen geblieben. Verwaschene Aufnahmen einer Spazierfahrt durch Leipzig, aufgenommen mit einer uralten Videokamera, dazu große Synth-Wave-Disco-Nostalgie: Wären die Autos und Gebäude im Video nicht offensichtlich zu neu, könnte sowohl das Video wie auch der Song direkt aus den 1980ern stammen.
Und wie die damaligen Anfänge der elektronischen Musik besitzt auch „Calling“ eine charmante, durchaus naive Sehnsucht nach einer irgendwie spannenderen Zukunft, als man sie sich heute noch vorzustellen vermag. Wahrscheinlich ist Martin Home auch einfach ein Kind seiner Zeit – kein Wunder also, dass er sein Projekt nach einem klassischen RFT-Radio benannt hat.
Abseits davon gibt es von Sternrekorder bereits die beiden EPs „Maschinen“ (2013) und „Weissensee“ (2011). Letzteres erschien auf dem Label Astro Chicken, dessen Inhaber Hyboid erst kürzlich einen Remix für Yuyay Records beisteuerte.
Zusammen mit Hyboid, Telebot und KneToNatoR improvisierte Sternrekorder im November 2016 bei der Ausstellung „Analoge Kunst“ in Aschersleben – einer seiner eher rar gesäten Live-Auftritte, zu dem ihr einen 42-minütigen Mitschnitt hier findet. Dass sich Sternrekorder im Studio wahrscheinlich wohler fühlt als auf der großen Bühne, klingt auch in unserem nun folgendem Interview an.Synthesizer sind das Zentrum deiner Musik. Woher stammt deine Leidenschaft? Gibt es ein Lieblings-Gerät in deiner Sammlung?
Bereits als Kind in den 80ern war ich von den Klängen fasziniert. Damals wusste ich nicht, dass das Synthesizer sind. Meine Eltern hörten damals Westradio – ich bin bei Halle/Saale in Sachsen-Anhalt aufgewachsen. Ich kannte „Über sieben Brücken“ nur von Peter Maffay. Als ich dann zum ersten Mal die Karat-Version hörte, war ich hin und weg: Es klang viel synthetischer und trotzdem besser.
„Heute weiß ich, dass mich die Strings aus dem Hohner String Melody II so verzaubert haben. Dazu der Synth-Bass. Geil!“
Irgendwann hat mal ein Schulfreund eine Kassette mit ganz seltsamer Musik mitgebracht – Jarre stand da drauf. Es gab zu DDR-Zeiten die Platte „Musik aus Zeit und Raum“ von Jean-Michel Jarre. Diese Kassette wurde mal von Platte überspielt und fortan dudelte sie bei mir, ohne dass ich wusste, wer das ist.
Um die Zeit der Wendejahre kam plötzlich die Techno-Musik auf. Wieder war ich hin und weg und ich wusste, dass will ich auch machen können. Anfangs mit dem C64. Das war so 1993, da war ich 12 Jahre alt. 1995 bekam ich von meinen Eltern einen PC. Eine OPL-FM-Soundkarte sorgte für die Klangerzeugung. Da es dort keine Kickdrum gab, musste ich die Timpani extrem runterstimmen und schon stampfte es ordentlich.
Geld hatte ich keins und so musste ich mit dem Gegebenen klarkommen. 2000 kaufte ich meinen ersten Sampler, AKAI S2000 für 1000 DM. Den habe ich heute noch – aus Nostalgiegründen. Meine Freunde tunten ihre Autos und ich steckte alles Geld in Studiotechnik und Platten. Fuhr stattdessen mit Muttis Auto rum. 2002 zog ich dann nach Leipzig.
Mein erster analoger Synth war 2004 der JX-3P. Programmer hatte ich keinen dazu und so beherrschte ich das Gerät irgendwann blind. Die produzierte Musik war hauptsächlich technoid. Zwischendurch erinnerte ich mich immer gern an meine Kindheit in den 80ern und versuchte mich an Italo-Disco und Synth-Pop. Aber nur für mich selbst.
Etwa 2006 lud ich dann mal einen solchen Retro-Track bei MyOwnMusic.de hoch. Das war „On My Roof“ und ging dort plötzlich durch die Decke: Platz 1 in den dortigen Electro-Charts.
Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass es die Musik ist, die ich schon immer machen wollte. So kamen immer mehr Synthesizer dazu, natürlich die originalen Geräte aus dieser Zeit.
Ein spezielles Lieblingsgerät habe ich nicht, die Kombination aus allen und die Stärken des jeweiligen Gerätes machen die Faszination aus: Die SH-101 ist ein sehr inspirierendes Teil mit genialem Sequencer. Es zaubert wunderbare Basslinien und zarte Leads. Der Filter des Jupiter-4 hat eine schöne Resonanz und zwitschert und zirpt ganz wunderbar.
Der Juno-60 macht butterweiche Pads und schöne 80er-Bässe. Korg Polysix und vor allem der Trident Mk.II sorgen für die Portion 70er-Jahre. Die VCOs driften schön und die Strings des Trident sind supersahnig. Meine Geräte sind größtenteils midifiziert, da ich leider nicht mit den Skills eines Pianisten ausgestattet wurde. Ein großer Traum ist der Jupiter-8. Das wird mal mein letzter Synthesizer.
In deinen Track-Titeln taucht das Wort „Session“ recht häufig auf. Wie entsteht deine Musik? Ist Improvisation ein wichtiges Element für dich?
Meist spiele ich irgendeinen Synth und improvisiere ein paar Harmoniewechsel oder jamme zu einem Beat. Manchmal wird auch nur eine simple Sequenz auf dem JX-3P oder 101 programmiert und darauf baut dann alles andere auf. Sowas wird als Idee-Pattern festgehalten und später ausgebaut oder sogar gleich als Session verwurstet.
In den letzten Jahren empfinde ich es zunehmend als anstrengend, ein Pattern zu einem fertigen Track zu arrangieren. Pattern erstellen ist Kür, das Arrangement ist die Pflicht. Es macht mir keinen Spaß, es ist nur die Notwendigkeit, damit man es überhaupt außerhalb des Studios hörbar machen kann.
In einer Spontansession ist das nicht nötig. Ich programmiere ein paar Synthlines zumeist mit den eingebauten Sequencern. Diese werden von 808 und CR-8000 usw. angetriggert. Und ohne zu wissen, wo es hingehen soll, jamme ich drauf los. Das macht mir einen Riesenspaß. Viel mehr Spaß, als mit der Maus am Rechner Blöcke zu arrangieren.
In den Sessions passieren Fehler, manchmal sorgen diese Fehler auch für erfrischende Momente, die dann einfach weiter ausgebaut werden. Da für mich der Spaß am Musizieren im Vordergrund steht und ich auch keinerlei kommerzielle Absichten hege, ist diese Arbeitsweise ideal für mich.
Einige deiner Sessions sind auf deinem YouTube-Channel dokumentiert. Was reizt dich am Video-Format?
Ohne Frage ist Youtube für mich neben Smartphone und Internet die größte Errungenschaft der letzten Jahre. Als meine Leidenschaft für Analogsynthesizer begann, gab es im Netz nur Synrise.de. Ich habe diese Website wohl mehrmals komplett gelesen. Leider gibt es sie nicht mehr. Informationen zu Synthesizern habe ich mir nur anhand der Fakten, die dort standen, eingeholt.
Heutzutage gibt es Millionen von Synth-Demos, sehr gute und vor allem auch sehr schlechte. Aber diese Demos haben mir gezeigt, welche Geräte zu mir passen und welche nicht. Bis heute habe ich nur ganz wenige Geräte wieder verkauft, bei denen sich herausstellte, dass sie doch nicht zu mir passten. Youtube ist für die meisten inklusive mir die Informationsquelle Nummer 1, wenn es um den Klang und die Bedienung eines Gerätes geht. Danke, Google!
Für die heutige Jugend – zu der ich mich nicht mehr zähle und die auch mit meiner Musik kaum etwas anfangen kann – ist das Audiovisuelle enorm wichtig. Ohne Bilder zur Musik erreicht man leider niemanden mehr. Speziell meine Musik wird fast nur von Synthnerds gehört, die auch selbst Synthesizer besitzen. Und die wollen Gearporn, sie wollen die Geräte sehen, wenn sie gespielt werden und erklingen. Mir selbst ergeht es jedenfalls so.
„Wenn jemand live elektronische Musik macht, dann will ich dort keinen Laptop sehen, da muss Hardware bedient werden.“
Der EDM-Generation von heute ist es egal, wenn jemand nur an einem ausgeschalteten Controller daddelt, Hauptsache der Drop kommt.
Du bezeichnest deine Musik auch als Retrolektrotanzmusik. Synth-Pop, Italo und Cosmic Disco ist seit einigen Jahren nicht nur in Leipzig wieder verstärkt in den Clubs vertreten. Wie schätzt du die Entwicklung ein?
Ich bin überhaupt kein Clubgänger. Zu Techno-Zeiten – so 1997 bis etwa 2005 war ich öfter in Berlin bei Love Nation oder im Tresor und auch in Leipzig in der Tille weg. Damals lief klassischer Detroit-Techno. Den mag ich auch heute noch gern. Da habe ich noch ein paar selbstproduzierte Schätzchen von damals rumliegen. Wird vielleicht mal wieder modern.
Zur aktuellen Entwicklung in der Clubszene kann ich daher also wenig sagen. Ich freue mich aber darüber, wenn auch in den Clubs mal eine Linn Drum erschallt und ein paar Oktavbässe wummern. Es gibt eine Schwemme an Tracks auf Soundcloud, die sich diesem 80er-Ethos unterwerfen, Stichworte: Miami, Night, Drive, Testarossa, Retro usw. Diese Schwemme an Tracks ist für mich unüberschaubar geworden und mir fehlt die Kraft zum Perlenfischen. Zu viel Klischee, zu wenig Substanz. Leider findet man die guten Stücke nur noch selten.
Mein Musikkonsum beschränkt sich momentan vor allem auf Avantgarde-Elektronik aus dem Frankreich der 70er und 80er. Das wird sicher kaum in den Clubs laufen …
Zwischenwelten feierte im Dezember sein 10-jähriges Bestehen mit einer Compilation, A Friend In Need legte ebenfalls mit einer kleinen Werkschau nach. Hier stellen wir beides auf einmal vor.
Obwohl Zwischenwelten Musik eigentlich mit Vinyl gewachsen ist, ist die große Jubiläums-Compilation nur digital erhältlich. Dabei ist das Cover prädestiniert für ein großes Cover. Die Tracklist kann sich aber sehen lassen – u.a. steuerten Micronaut, Filburt, Gunne und Schlepp Geist exklusive Tracks bei.
Das ergibt eine durchaus bunte Bandbreite zwischen UK Funky, Tech House, Techno und federndem House, wobei es ein leichtes Tech House-Übergewicht gibt. Filburts unbeschwerte und schön naive House-Spielerei gefällt mir hier neben Micronauts am Strand tänzelndem „Moments In Minutes“ am besten. Überraschend technoid mit einem später aufleuchtenden Ausklang dann noch das reduzierte „Hannibuh“ von Label-Betreiber Chris Manura.
Various Artists „The Lucky Bunch“ (A Friend In Need)
Kurz vorm Jahresende brachte auch A Friend In Need noch einmal einen neue digitale Compilation heraus. Und neben M.ono & Luvless und Mermaids gibt es wieder neue Acts zu entdecken: Quadrakey aus Berlin beispielsweise.
Das Duo gründete 2015 mit Tooman Records selbst ein Label für House. Ihr „April“ ist eine Hommage an die klassischen Deep House-Vibes, mit denen man an sich nicht viel falsch machen kann – selbst, wenn nicht wirklich was neues beigetragen wird. Außerdem neu dabei ist Toomy Disco, ein argentinischer Newcomer, der eine sehr tighte und präzise pumpende Soul-House-Version einbringt. Inklusive einer Big Room-Spannung.
M.ono & Luvless flashen mir aber am meisten. Wahrscheinlich, weil sie ihre positiven Vibes hier etwas versteckter und weniger offensiv einsetzen. Das klingt alles eine Spur reduzierter und durch die leiernden Chords undurchsichtiger. Und auch das UK-Duo Mermaids kommt hier erfreulich hypnotisch daher. Erst slow, verhuscht und perkussiv, später blüht ihr „Omega“ als neuer Track auf. Sehr schöner Switch.
In den letzten Wochen sind ein paar neue Musikvideos aus Leipzig hochgeladen worden. Hier ein Überblick.
Deko Deko haben im letzten Spätsommer ihr verspätetes Debüt-Album bei O*RS veröffentlicht – wir hatten sie im großen Interview. Nun ist für „Outside“ ein weiteres, darkes Video entstanden. Outside natürlich, zwischen Loops und Dramatik spielend, im Gegenlicht pulsierend. Sehr schön.
Neues gibt es auch aus der Eisenbahnstraße von den Schmutzigen Teenagern. Im letzten Jahr fiel uns der neue Poetry-Drive schon einmal positiv auf. No Drama und Ty Grrr knüpfen da zusammen mit Thigh Gap Boi an und hauen eine cloudy Hymne an die Masturbation raus, ein Plädoyer für die sexuelle DIY-Freiheit. Hauchend, intensiv und gleitend in den Sounds, selbstbewusst und klar in den Gedanken und Worten.
Schon etwas länger online, aber es soll nicht untergehen: Liah hatten wir im letzten Jahr kurz vorgestellt. Die Dream Pop-Band wollte zu jedem Song ihrer erster EP ein Video drehen. Hier ist die Nummer 3 zu „Babylon“:
Und ebenfalls der Vollständigkeit halber: Neulich war ja der Boiler Room im Institut fuer Zukunft. Mittlerweile sind alle Sets auch online auf Youtube. Ausnahmsweise mit Bildern aus dem IfZ.
Im Dezember brachte sich Sign Bit Zero noch einmal in Erinnerung – mit schroffen und darken Edits von Murray Cy.
Da ist Sign Bit Zero im letzten Jahr ein sehr überzeugender Start geglückt. Drei faszinierend-verstörende EPs, dazu ein Tape nebenher, das bereits zum Sammlerstück avancierte. Zuletzt kam Murray Cy mit sechs Edits zum Zuge. Aus Glasgow ist er und scheint bestens verdrahtet zum New Yorker L.I.E.S.-Label, bei dem im letzten September die Debüt-EP herauskam. Mit Contort Yourself betreibt er auch selbst ein DIY-Label.
Musikalisch ist die neue Platte erneut eine Reise in die frühen 1980er, hin zum Post Punk, frühen Industrial und Wave-Pop. Die Band-Namen hinter den Original-Tracks sagen mir alle nichts, ein paar Discogs-Klicks verraten aber, dass es sich um Kassettenalben um 1983 handelt, aus denen mehr als 30 Jahre später einzelne Tracks ausgegraben wurden.
Auch wenn sich bei Youtube die Original-Tapes in voller Länge hören lassen, werden in den Sounds die Underground-Assoziationen sofort wachgerüttelt.
Der Russ alter Kohlenkeller, das Rauschen und Leiern verschollener Tapes.
Die Radikalität, der Aktionismus, alles scheint tief in der DNA dieser Stücke verankert. Und dies macht auch die Edits von Murray Cy so anziehend. Sicher auch, weil er behutsam entschlackt, nicht per se einen neuen Vibe entstehen lässt.
Was bei Sign Bit Zero ebenfalls immer wieder großartig ist: Der Mut zum Experiment, zum Schroffen, zum Obskuren, zum Imperfekten. Natürlich wird hier auch eine gehörige Koketterie im Spiel sein, eine Wehmut des Zuspätgeborenseins, doch bisher agiert Sign Bit Zero mit seinen Platten und Artworks extrem selbstbewusst in seiner Nische.
Neues Jahr, neue Kolumne – wir freuen uns auf Antoinette Blumes Afterhour-Begegnungen mit interessanten Leuten des Leipziger Nachtlebens. Los geht es mit Kurt Cocain.
Jacke, Schlüssel, Kekskrümel in fimschig-kleinen Tütchen vergraben, (wieder) ausgraben. Denn: Irgendwie sind wir noch nicht fertig. Ein bisschen geht noch. Ein bisschen Ausklang braucht es noch. Stiller, langsamer, wer geht wo hin, „aftern“? Kann ich mitkommen?
Bei tausendundeiner Zigarette, Bier, Kaffee oder Wasser wird das Tanzen im Club vom Zuhören und Reden verdrängt, man sinniert über das Sein oder Nicht-Sein der Nacht, Nachtmenschen und Musik. Berauscht sich noch ein letztes Mal, oder auch nicht, oder auch doch, findet die Hand eines anderen. Mancher möchte vielleicht den Punkt sportliche Ertüchtigung mit evolutionserprobten Bewegungsabläufen einvernehmlich als Partnermodul belegen, ein anderer möchte reden, das Licht meiden, sich verausgaben oder vergraben.
Bei der ein oder anderen Afterhour kann man so die ein oder andere nette, interessante, exzeptionelle Gestalt aus Leipzigs Nachtleben antreffen. Beispielsweise Kurt Cocain.
Steckbrief
Musik oder Rausch?
Musik und Rausch
Clubnest?
Wolke (emeritiert), Conne Island
Lieblingsdroge?
Marihuana
Bisschen ADHS, Kokain und Jena
Eisbrecherfrage: Hast du Kokain dabei? Ein 1a-Kennenlern-Spruch. Hut ab. So war es bei Kurt und mir glücklicherweise nicht. Meine Äuglein trafen sich regelmäßig mit ihm, so ca. drei Monate, jedes Wochenende, bis wir es eines IfZ-Abends doch über uns brachten, zu fragen, wer der andere sei und warum er immer dort auftauche, wo man selbst gerade vorhatte kurz bis lang unterzutauchen. So war das also.
Kurt Cocain ist DJ, Mitglied der Electric Island Crew, macht Visuals, bringt auch mal den Müll im Conne Island raus und studiert so nebenher Producing und Management. Der Herr mit dem Wortspiel im Namen legt erst seit einem Jahr vor Publikum auf und ist doch schon im Nachtleben Leipzigs angekommen. Podcast hier, Westwerktresen da, damals (aka die-vor-Leipzig-Zeit) auch mal DJ-Workshops im Kassablanca in der früheren Heimat Jena (erst genossen, dann) gegeben.
Die unendlichen Kombinationsmöglichkeiten der elektronisch produzierten Musik ließe für ihn die meiste Kreativität zu – die hyper(aktiv)-kreative Ader verbietet zwar das große Treiben tagsüber, aber Nachtaktive bevorzugen nun mal künstliche oder bestenfalls ausgeschaltete, sparsame Lichtquellen. Ein Nachtmensch eben.
Disko zum Entspannen Nachts und vorzugsweise am Wochenende stellt sich die belebende Euphorie durch (fremde oder eigene) Musik ein, die Wahlfamilie findet zueinander – Rausch und Musik sind hierbei fast untrennbar geworden. Was uns da neben der elektronischen Musik so durch den Kopf spaziert, ist individuell so unterschiedlich wie das nüchterne Musikerleben. Potenziert und unendlich, am Ende natürlich geschmacklich differenziert.
Wobei man als DJ ausgewählt(er) und (vielleicht?) ohne die lieb-naive Begeisterungsfähigkeit und den unbefleckten Genuss des dankbaren Publikums feiert.
Man zersetzt die Musik, sieht die Fehler im (Kon)Text, feiert anders.
Nicht unbedingt besser oder schlechter, schlicht anders. Wir schnacken noch so über dies und das und jenes, kommen vom einen ins andere, können zwar keine Antwort darauf finden, wann es Zeit ist zu gehen, aber es braucht auch nicht auf alles eine Antwort.
Schnaps schließt den Kopf Wer mich kennt, weiss, dass ich nichts mehr liebe als Geschenke. Ein non-materielles Geschenk darf ich noch feierlichst mit euch (ergo denen, die bis zum Ende gelesen haben, ha!) teilen: Einen Mix von Kurt Cocain, extra für frohfroh.
Großen Dank an Henry W. Laurisch für das Porträt-Foto sowie an Manuel Schmieder für das Artwork der Reihe.
Kurz vorm Jahresende haben wir noch einmal einen schönen Tipp für unsere „Neues aus der Wolke“-Reihe bekommen, den wir euch nicht vorenthalten möchten: Matthias‘ Soundworld.
Manchmal geht der Newcomer-Ansatz der „Neues aus der Wolke“-Reihe nicht ganz auf. BeiMatthias‘ Soundworld beispielsweise. Denn Matthias ist schon seit über 15 Jahren musikalisch und organisatorisch aktiv. Der musikalische Output blieb mir jedoch bisher verborgen. Bisher kannte ich ihn als Teil der bis 2011 stattfindenden (Pop up-Messe sowie als Online-Redakteur.
Doch nebenbei entstand zu Hause immer mal wieder Musik. Anfangs verspielt-melancholischer Electro-Pop mit flockigen Melodien, verhuschtem Gesang und ein paar Edits. Zuletzt ging es mehr in Richtung House, wobei auch hier eher ein mehr melodiös-spielerischer als funktionaler Umgang mit den Sounds herauszuhören ist. Schwelgen statt ballern. Gedimmt statt effektvoll erleuchtet. „Schneemann“ und „Poch Poch“ gefallen mir dabei am besten.
Woher kommst du – lokal und künstlerisch?
Ich lebe seit 20 Jahren in Leipzig, habe bis Anfang der 2000er Jahre mit Freunden in einer Pop-Band intensiver Musik gemacht. Danach wurden andere Dinge in meinem Leben wichtiger und die Zeit fürs Musikmachen eher knapp. Inzwischen geht es wieder etwas besser – inklusive Umstieg von der alten Produktions-Technik auf Zeitgemäßeres.
Was flasht dich musikalisch – von bestimmten Sounds oder Artists her?
So platt das auch klingen mag: Das ist schwer einzugrenzen, ganz abhängig von Phasen und Stimmungen. Ich bin in den 1990ern mit No Wave und Post Hardcore sozialisiert worden. Gleichsam haben bzw. hatten Talking Heads, Pet Shop Boys und New Order immer einen großen Stellenwert.
Ich verehre Marvin Gaye und Stevie Wonder, stehe auf den roughen Disco-Sound der Mid-1970er und den Übergang zum HipHop mit Funky4+1, Sugarhill und Co. – 808 forever! Und natürlich höre ich viel elektronische Musik – je nach Stimmung mal hedonistischer, mal filigraner.
Die neuen Sachen klingen deutlich geradliniger, weniger poppig – wie kam es zu der Verschiebung?
Zwischen den einzelnen Stücken auf meinem Soundcloud-Account liegen ja zum Teil 15 Jahre. In der Band-Phase und auch noch kurz danach ging es um Popmusik mit elektronischem Anteil sowie um die Verbindung von herkömmlichen Instrumenten mit Loops und Beats. Was man eben so Ende der 1990er auch gemacht hat.
„Irgendwann hab ich dann den elektrischen Bass und die Gitarren in den Schrank gestellt und nur noch synthetische Sounds verwendet.“
Und weil ich selbst einfach Bock auf Techno und durchtanzte Nächte habe, ging irgendwann auch die Struktur der Stücke zunehmend in diese Richtung.
Wo willst du mit deiner Musik hin – Lieblingshobby oder Stadion?
Das ist absolut just for fun – vielleicht auch ein Ventil, um Dinge, die mir an Musik von Anderen fehlen, für mich prägnanter herauszuarbeiten. Ich freue mich, wenn meine Familie und Freunde dann meine Sachen mögen – oder sie zumindest nicht peinlich finden. Und natürlich freue ich mich, wenn auch außerhalb meines persönlichen Dunstkreises mal jemand dazu die Hüften schwingt.
Was genau fehlt dir an anderer Musik, was du prägnanter herausarbeiten möchtest?
Ach so konkret lässt sich das gar nicht herausstellen. Manchmal fehlt mir im Techno vielleicht ein wenig der Funk in den tiefen Frequenzen, quasi die dunkle, dreckige Seite der Disco-Ära. Andererseits stehe ich eben auch auf Harmonien, und die müssen nicht zwingend positiv sein. Mir ist klar, dass sich Melancholie und hedonistische Tanzmusik irgendwie ausschließen – aber das interessiert mich trotzdem.
Dein größter Soundcloud/Youtube-Hit?
Ich veröffentliche meine Sachen inzwischen nur noch auf Soundcloud – mit bisher bescheidener Resonanz. Bisher liefen die Neubearbeitungen von Morrisseys „Ouija Board“ und Michael Jacksons „Girlfriend“, die mit Lucis entstand, am besten, die ich vor zehn Jahren jeweils mal für Cover-Abende im Ilses Erika gebastelt hatte.
Entstehen heute auch noch Edits bei dir?
Nein, überhaupt nicht. Das Umdenken von The Smiths, Michael Jackson und Depeche Mode war den zugehörigen Cover-Abenden im Ilses Erika geschuldet. Ich habe dazu jeweils etwa ein halbes Jahr vorher angefangen, drei Songs der festgelegten Künstler irgendwie am Sampler dekonstruiert und mit eigenen Sounds wieder neu zusammengesetzt.
Weil das abgesehen von ein paar zum Teil sehr persönlichen Tracks für Freunde und zwei Remixen jahrelang die einzigen Sachen waren, die ich gemacht habe, stehen sie exemplarisch im Soundcloud-Stream.
Dein persönlich größter Hit – und warum?
Anfang der 2000er Jahre war „Love me Sophia“ von unserer zweiten Platte mal ein kleiner Pophit in Leipzig. Das passte wohl ganz gut in die damalige „best of both worlds“-Phase. Meine Bearbeitung von Jacksons „Girlfriend“ zusammen mit Lucis lief in den vergangenen Jahren ein paar Mal im freien Radio. Und ich persönlich denke, mein aktuellstes Stück „Schneemann“ ist ein kleiner Winterdisco-Hit.
Anfang Dezember kam das neue, nunmehr dritte Album von Micronaut heraus. Und obwohl die musikalischen Ansätze gleich bleiben, ist dieses Mal etwas anders.
Wahrscheinlich ist es aber genau das: die musikalischen Ansätze bleiben gleich. Aus der anfänglichen Euphorie um Micronaut als jemanden, der sich mit viel Drama, ständigen, unvermittelten Wendungen und dicht getakteten Details jeglichen Genrekonventionen entzieht, ist eine gewisse Müdigkeit geworden.
Der Micronaut-Rahmen ist ästhetisch abgesteckt, die uniquen Pop-Electronica-Raffinessen mit den effektvollen Laut-Leise-Spannungsbögen mehrfach ausgespielt. Schon bei der „Happy Family“-EP auf Analogsoul fiel die „Konsolidierung auf hohem und wohlklingendem Niveau“ auf. Mehr als ein Jahr später kann aus dem weitgehend unberührtem Setup nur Ernüchterung entstehen – da helfen auch kein Theremin und neue Gastsänger.
Etwas hat sich aber doch verschoben: Die Tracks auf „Forms“ steigern den bei Micronaut bereits vorher ausgeprägten Maximalismus nochmals. Mit lauter mehr oder weniger druckvollen Drops.
Es gibt nun einen spürbaren Dreh zum komprimierten Power-Pop.
Vielleicht hallten die Live-Erfahrungen mit dem hohen Energie-Level im Studio stärker nach als bei den vorherigen Alben. Denn auf der Bühne treibt Micronaut die energiegeladene Dramatik musikalisch und lichttechnisch nochmals anders auf die Spitze.
Wie angenehm filigran dagegen „Friedfisch“ klingt, ist mir beim Gegenhören erst richtig bewusst geworden.
Dass Halle musikalisch mehr ist als nur Monaberry-Schunkel haben wir schon das ein und andere Mal erwähnt. Nun zeigt auch eine eigene Tape-Compilation die Vielfalt unserer charmanten Nachbarstadt.
Kuratiert wurde sie von den Blog-Kollegen From Halle With Love, die seit Jahren mit Podcasts und zeitgenössischem Design die Clubkultur ihrer Heimatstadt liebevoll featuren.
Liebevoll zusammengestellt wurde auch die erste Compilation mit „electronic music from here and our neighborhood“. Nicht nur musikalisch, sondern auch optisch. Das Tape mit den acht Tracks ist ein Teil eines ganzen „From Halle With Love“-Bundles, bestehend aus einem Turnbeutel mit Siebdruck sowie einem verwunschenen Foto als Riso-Druck. Alles hoch ästhetisiert, wie wir es schon von der Covergestaltung der Podcast-Reihe kannten. Nur 50-mal gibt es diese Bundles.
Und die Tracks? Die bewegen sich in sehr versierter und unprätentiöser Weise zwischen House und Techno, sowohl in Dub-Tiefen hinabtauchend oder raviger aufgeladen als auch experimenteller forschend.
Meine Helden hier sind definitiv Tim Rosenbaum und John Horton.
Wobei: ist Horton nicht mittlerweile in Leipzig? Auf jeden Fall erliege ich den eigenwilligen, lässig zusammengeschusterten House-Tracks der beiden. Wahrscheinlich sind es nur Skizzen oder Skits, doch in der Kürze entfaltet sich viel Substanz.Prismic, Sub.made und Paul Rewind bringen ein leichtes, aber sehr angenehmes Dub-Techno-Übergewicht auf die Compilation – Paul Rewind sogar mit einer großen Huldigung an Detroit. Etwas düsterer und pumpender wird es bei Janein, eher fad dann der allzu klassische House-mit-Pianochords-und-Strings-Track von Christoph Linke. Und Philipp Harms schlägt den Bogen rüber zum Monaberry-Tech House.
Nichtsdestotrotz ist dies eine wunderbare Möglichkeit, einen Einblick in die Hallenser House- und Techno-Szene zu erhalten. Laut des Titels dürfte es nicht die letzte Option sein.
Bereits im frohfroh-Interview Anfang des Jahres wurde angedeutet, dass ein hauseigenes Label denkbar ist. Nun erscheint die erste EP auf Vinyl.
Nach dem Possblthings ist das Vary damit der zweite bestehende Plattenladen in Leipzig, der dieses Jahr sein Angebot um ein eigenes Release erweitert. Und wie bei den Kollegen in Connewitz spiegelt sich auch hier der Sound des Ladens in den Tracks wider. Nicht nur musikalisch, auch die Artists des ersten Samplers werden bestimmt mit der einen oder anderen Platte im Vary erhältlich sein.
Auch wenn es vielleicht beiden Labels Unrecht tut und Äpfel und Birnen besser gegessen statt verglichen werden sollten: Die beiden EPs – deren Veröffentlichungstermine auch nicht so weit auseinanderliegen – zeigen zwei auch in der Clublandschaft ziemlich gut ausgeprägte Richtungen: Einerseits der doch eher trockene Electro-Sound von Robyrt Hecht und Kollaborateuren, der sowohl funkige als auch düstere Wendungen nehmen kann, andererseits der meist sehr warme, entspannte Beatmaker-Sound, bei dem aufgrund der Samples viel Funk-, Soul- und Jazz-Geschichte mitschwingt.
Entsprechend entspannt und soulig steigt die EP mit „Best Wishes“ von Al Dobson Jr und „Brothers“ von Tito Wun auf der A-Seite ein. Hier ein Beat zum Kopfnicken, da schon fluffige House-Ansätze. Salomo erweitert das mit „Priut„ um die Jazz-Komponente. Dazu lässt sich prima Kaffee trinken, aber erst das leicht verrauscht-leiernde „Uncle“ von Repeat Pattern verleitet mich zum wiederholten Hinhören.
Die drei Tracks der B-Seite hinterlassen einen stärkeren Eindruck. Hubert Daviz packt einige Video-Game-Sounds in „Space Journey“ aus und mit „Zombies“ von Strange U gibt es dann spaßigen Gruselfilm-Rap auf die Ohren. Zum Schluss präsentiert uns die Vary-Crew mit „Yo!“ von Esgar eine unerwartet basslastige Rave-Hop-Nummer samt Alarm-Sirene, die am ehesten Dancefloor-Brodel-Qualitäten aufweist und eine Menge Spaß verspricht. Gleichzeitig ist das Stück das Finale einer Platte, deren Spannungskurve sich stetig erhöht.
Ist das karg. Es gibt wohl kaum jemanden in der Stadt, der Techno so konsequent reduziert wie Georg Bigalke. Beim schottischen Label Hypnotic Groove gibt es zwei neue Beweise.
Klar, Reduktion ist ja ein prägender Ansatz im Techno. Und doch gibt es enorme Unterschiede. Bei Georg Bigalke bleiben sowohl die klanglichen Zwischenräume als auch die dramaturgischen Ambitionen weitgehend frei von Ballast.
Das mag sehr karg und unwirtlich erscheinen, doch in Bigalkes Tracks schwingt immer ein originär experimenteller Impetus mit. Wie die Suche nach dem Kern einer hypnotischen Energie. Ohne den funktionalen Aspekt komplett über Bord zu werfen.
„Froeddz“ und „Tixerc“ klingen dieses Mal in ihrer Nacktheit und den wenigen sich überlagernden organischen und abstrakten Sounds und Field Recordings sogar eher intim als unterkühlt. Immer aber auf die spezielle Bigalke-Art.
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