Luvless & Martin Hayes „Rose Cutz EP“ (Razor-N-Tape)

Die Rose Records-Liebe für die Disco- und Soul-Essenzen im House spricht sich langsam herum – bis nach Brooklyn.

Dort sitzt Razor-N-Tape. Wenn ich es richtig verstanden habe ein Edit-Label, das originale Soul und Disco-Elemente herauspickt und von verschiedenen Producern für den House-Floor modifiziert. Luvless und Martin Hayes waren nun an der Reihe und sie meistern es so, wie man es von Rose Records gewohnt ist.

Mit aufrichtigem Glamour und umarmenden Gesten. Luvless überwiegt mit drei Tracks. Er scheint ja den direktesten Draht zum klassischen Deep House zu haben. Denn bei Martin Hayes klingen die Zitate meist weitaus soul- und discogetränkter. Als ob Brooklyn direkt hinter dem Conne Island läge.

Man muss bei allen vier Stücken schon einen sehr freudigen Zugang zu Soul haben. Den habe ich nun nicht unbedingt.

Aber die Konsequenz und Detailverliebtheit der beiden fasziniert mich doch immer wieder. Mit der „Rose Cutz EP“ öffnet sich nebenbei der Rose Records-Rahmen weiter. Im Mai war ja M.ono schon auf einem französischen Label zu hören.

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Duktus „Stick And Move“ (Resistant Mindz)

Oh, Resistant Mindz wieder. Und wieder diese vertrackte Leichtigkeit. Duktus präsentiert neue Tracks. Auf Kassette.

„Dub Up“ hieß das wunderbar dubbig-schiebende Debüt von Duktus. Rund anderthalb Jahre liegt das zurück. Das „Stick And Move“-Tape ist eigentlich ein Album im Skizzenformat. Leicht ineinander gemixt hat Duktus fünfzehn eigene Tracks zusammengestellt, die perfekt in den Resistant Mindz-Vibe passen.

Und der lebt ja von dem Wagnis eine Ausgeglichenheit zu transportieren, die nie anbiedernd oder fad klingt. Auch Duktus legt sich in den Fluss und lässt sich mitnehmen – oder ist er selbst der Fluss?

Seine instrumentalen HipHop-Beat-Verästelungen bekommen durch die warmflächigen Synth-Chords ein abendliches Schimmern. Manchmal erinnern die Stücke an die skizzierte Poesie von Illustrationen.

Die A-Seite liegt mir einen Tick mehr, vielleicht weil sie etwas spleeniger ist. Aber eigentlich bleibe ich die gesamten 40 Minuten bei Duktus. Wer das Tapedeck längst zur Wertstoffhof gebracht hat, kann auch auf die digitale Variante via Bandcamp zurückgreifen. Ohne Knistern und Seite wechseln dann.

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Neues aus der Wolke – Perm

Weiter geht es mit den Neuentdeckungen aus der Cloud. Dieses Mal mit der großen Loop-Techno-Freude von Perm.

Als DJ ist Perm längst in der Stadt wahrnehmbar. Beim geplanten Institut für Zukunft-Club gehört er schon jetzt zu den Residents. Seit gut einem halben Jahr kursieren auch seine ersten eigenen Tracks bei Soundcloud. Und bei denen blieb ich von Anfang an der Reduktion und der Patina hängen.

Vielleicht weil ich die Referenzen in die Neunziger nicht im Detail kenne bzw. nicht selbst miterlebt habe. Aber hier zeigt sich einfach, was die Limitierung auf wenige Mittel noch immer für eine Faszination freisetzt.

Da passt auch die „Mini Royal 01“-Platte aus dem Winter rein, an der Perm im morgendlichen Übermut mit beteiligt war. Und dann ist noch RUS – Rainbow Unicorn Security –, ein weiteres Projekt an dem Perm mit arbeitet. Die Sound-Signaturen sind bereits sehr deutlich herauszuhören. Mehr nun hier im Interview-Teil.

Woher kommst du – lokal und künstlerisch?

Geboren bin ich in München. Vor drei Jahren bin ich dann von Augsburg nach Leipzig gezogen. Meinen ersten Kontakt zur Musik hatte ich im Kindergartenalter, da habe ich aber auch nur die Sachen, die bei meiner Mutter Zuhause liefen, gehört. Als kleiner Junge fand ich z.B. Genesis und Michael Jackson toll. Von der Zeit an wünschte ich mir selbst auch aktiv Musik zu machen.

Erst im Jugendlichenalter habe ich mich dann bewusst mit Musik auseinander gesetzt. Zu der Zeit interessierte mich vorwiegend für Punkrock  und da habe ich angefangen E-Bass zu spielen. Schnell kam ich da über Bands wie Crass oder Vorkriegsjungend zum Crustcore und Hardcore. In der Ecke blieb ich dann auch eine gute Weile.

Irgendwann habe ich dann – wie wahrscheinlich bei vielen – Autechre und Aphex Twin für mich entdeckt. Vorher habe ich elektronische Musik meist abgelehnt, was sich dann aber änderte. Techno und House fand ich anfangs eher langweilig. Das änderte sich aber nach ein paar Clubbesuchen.

Was flasht dich musikalisch?

Am meisten kann ich mich für reduzierte, loopige Tracks begeistern, wie z.B. von STL oder altes Sähkö-Zeug. Mich fasziniert es, wie viel Wirkung und Bewegung die Wiederholung eines einzelnen, oder auch nur halben Taktes auf mich haben kann. Mir können auch nicht so minimalistische Sachen gefallen. Da habe ich aber immer das Gefühl sie mir schnell „tot“ zu hören.

Wo willst du mit deiner Musik hin – Lieblingshobby oder Stadion?

Ich würde mich freuen, wenn ich irgendwann von der Musik leben könnte, möchte und kann damit aber nicht planen. Solange ich Freude an der Musik habe, werde ich auch welche machen.

Größter Soundcloud/Youtube-Hit?

Die meisten Klicks auf meiner Soundcloud-Seite hat „mk01error“. Auf Youtube ist es die Mini Royal MR01, die ich aber mit zwei Freunden produziert habe.

Dein persönlich größter Hit – und warum?

Von meinen eigenen Sachen gefällt mir eigentlich das Stück, an dem aktuell arbeite, am besten. Immer wenn ich mir meine schon fertigen Sachen anhöre, fallen mir Dinge auf, die ich jetzt anders machen würde.

Oder sie gefallen mir von der Idee her nicht mehr. Wenn ich eins von den fertigen aussuchen muss, dann ist es mein Beitrag zur IfZ-Crowdfunding-Compilation „ph16-1/1“. Da mag ich die Bassdrum.

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„Bei einem Genre kann ich nicht bleiben“ – KC im Interview

DJ- und Producing-Workshops, eigene Tracks, eigene DJ-Sets, eigener Blog – KC beschäftigt sich in einem nahezu ganzheitlichen Rahmen mit elektronischer Musik. Viele Aufhänger für ein Interview also.

Es ist die Tragik der befristeten Verträge. In Markkleeberg konnte KC vor knapp zwei Jahren mit dem Aufbau des Direct Studios Jugendarbeit und elektronische Musik verbinden. Leider lief die Förderung ihrer Betreuungsstelle aus, während die Anfrage zum Interview kam. Ihre Erfahrungen wollten wir dennoch einfangen.

Nun kann sich die Leipziger Producerin noch mehr auf ihren Blog Nevertrustcockrock und besonders auf ihre Musik konzentrieren – egal ob im eigenen Studio oder an den Plattenspielern im Club. Welche Richtung sie da aktuell besonders reizt und warum ein Release nicht alles ist, erzählt sie im großen frohfroh-Interview.

Du bist gebürtige Leipzigerin, warum das Studio in Markkleeberg?

Das Direct Studio sitzt im Jugendbegegnungszentrum Gaschwitz, das ist ein Teil von Markkleeberg. Vor knapp zwei Jahren ist das aus zwei DJ-Workshops in einem anderen Jugendzentrum in Markkleeberg entstanden. Dort haben auch zwei teilgenommen, die im Jugendstadtrat saßen.

Ich fand es gut, nicht nur temporäre DJ- und Musikproduktionsworkshops zu haben, sondern einen festen Raum mit Studiotechnik, wo Jugendliche produzieren und auflegen können.

Ich habe dann die Ideen in einen Antrag geschrieben, die Jugendlichen haben sich im Stadtrat für das Studio stark gemacht und als der Antrag genehmigt wurde, habe ich mit den Jugendlichen zusammen die Technik zusammengetragen – sowohl deren Wünsche als auch meine Empfehlungen.

Der Antrag ging direkt an die EU?

Der Antrag musste erst von der Stadt Markkleeberg bewilligt werden. In diesem Prozess war ich nicht beteiligt. Im Sommer 2011wurde er bewilligt und es gab die EU-Förderung, so dass wir im darauf folgenden November eröffnen konnten.

Das Studio läuft zwar jetzt weiter, aber ich bin seit Ende Juni nicht mehr dabei, der Vertrag ist ausgelaufen. Ich gebe aber weiterhin DJ-und Ableton-Workshops für Interessierte und das Direct Studio ist auch weiterhin offen für Jugendliche.

Hatten die Jugendlichen ganz konkrete Vorstellungen, was an Technik da sein sollte?

Ja, die sind schon sehr fit gewesen und hatten sich selbst mit Musiktechnik beschäftigt. Eine Maschine und ein Akai-Midi Controller wollten sie unbedingt.

Was wurde konkret angeboten?

Das Studio ist räumlich so strukturiert, dass es zwei voneinander getrennte Räume zum Produzieren und Auflegen gibt. Wir hatten bisher mit Donnerstag und Freitag zwei Öffnungstage pro Woche, an denen die Jugendlichen einfach kommen konnten.

An den Wochenenden gab es DJ- und Musikproduktionsworkshops – sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene, Multiplikatoren und Girls. Es gab auch einige Male den Friday For Music, an dem die Jugendlichen ihre eigenen Tracks oder Sets öffentlich aufführen konnten.

Wurden die Angebote von Anfang an gut angenommen?

Von denen, die musikalisch interessiert waren und die von dem Projekt erfahren hatten, war gleich ein großes Interesse da. Es gab schon ein Stamm an Jugendlichen, der regelmäßig dort produziert oder aufgelegt hat. Teilweise kamen durch Zufall Leute dazu.

Durch das frohfroh-Interview mit Resom ist auch eine Frau auf mich aufmerksam geworden, die nach dem Studio gegoogelt und nach einem aktuellen Workshop angefragt hat. Am nächsten Tag waren dann sieben Mädchen und Frauen vor der Tür, die den DJ-Workshop mitgemacht haben.

Wissen die Jugendlichen musikalisch schon, wo sie hinwollen?

Ja, Techno. Zwischendurch war es auch mal Dubstep. Es wurden aber genauso Songs aufgenommen und eigentlich wurde auch recht viel mit elektronischer Musik an sich herum experimentiert.

Waren da schon richtige Talente dabei?

Ich weiß, dass da einige auf jeden Fall weitermachen werden. Es gab supertalentierte Leute dort. Einer kam beispielsweise an, der hatte vorher ein wenig aufgelegt und noch nie Schlagzeug gespielt. Aber er hatte ein total sicheres Rhythmusgefühl und hat innerhalb kürzester Zeit perfekt das Auflegen gelernt. Danach hat er auf der Maschine wirklich krasse Drumpatterns gebaut.

Ich muss aber dazu sagen, dass das klassische Auflegen mit dem Mixing und Beatmatching niemanden so richtig gereizt hat, um daran wirklich lange zu üben. Es war doch immer einfacher den Sync-Button zu drücken, um damit kreative Übergänge zu machen.

Ist Vinyl noch ein Thema?

Schon. Sie haben auch mit Timecode-Platten das Auflegen gelernt. Es standen außerdem einige Platten herum. In den Workshops habe ich immer erst analog mit Vinyl begonnen und dann im nächsten Schritt die digitalen Varianten gezeigt. An Musikkultur und der Geschichte der elektronischen Musik sind die Jugendlichen auch interessiert.

Es ist bei der Benutzung analoger Platten aber unterschiedlich. Ich wurde auch in andere sächsische Städte zu DJ-Workshops eingeladen und da gab es beispielsweise einen, bei dem sich alle nur für Vinyl interessiert haben. Aber USB-Stick und Kabel am Handy gibt es natürlich auch.

Wo bist du musikalisch und kulturell sozialisiert wurden?

Als Jugendliche habe ich immer die Achtziger- und Discohits aus dem Radio aufgenommen und dann so auf eine andere Kassette überspielt, dass sie in einer aufbauenden Dramaturgie zu hören waren. Mein erster Disco-Versuch. Die Achtziger haben mich definitiv geprägt.

Ich war später jedes Wochenende beim D’n’B tanzen und das durchweg direkt vor den Boxen. Das war bestimmt nicht vorteilhaft fürs Gehör, hat aber meinen Geschmack für gebrochene Beats geprägt. Und für gut abgemischte Musik. Das lag an der guten Anlage vom Island – die hat mein Hörempfinden entscheidend geprägt.

Vor zehn Jahren habe ich das erste Mal im Conne Island aufgelegt, noch keine elektronische Musik, das war noch Disco und Achtziger – pur.

Die elektronische Musik kam zwei Jahre später. In meinen Sets bastele ich immer irgendwo ein Disco- oder Popelement ein, aber auch gebrochenere Beatstrukturen und Ambient. Sowieso sind alle Spielarten von Techno in den Sets wiederzufinden.

Über das Interview mit Resom habe ich im letzten Jahr von dir erfahren, als es darum ging, wen sie aus ihren Workshops noch als Aktive auf dem Schirm hat. Welche Rolle hattest du bei den Workshops?

Bei dem Projekt doitherself hatte ich eine Stelle und habe Projektanträge geschrieben und Abrechnungen verwaltet. Wir haben auch gemeinsam in der Gruppe neue Workshops konzipiert.

Seit wann produzierst du selbst Musik?

Vor acht Jahren habe ich mit Fruity Loops angefangen. Da bin ich aber bald an Grenzen gestoßen. Ein Freund meinte daraufhin, ich solle einmal Ableton ausprobieren. Ein halbes Jahr habe ich mich da reingearbeitet und seitdem eigentlich fast jeden Tag damit produziert. Jetzt habe ich erst einmal ein halbes Jahr ausgesetzt.

Wo siehst du dich musikalisch, bzw. gibt es eine Richtung für dich?

Wo ich hin möchte, kann ich meist nur für temporäre Sachen sagen. Momentan reizt mich das Songwriting. Das möchte ich wirklich einmal lernen, um zu wissen, wie man einen Track aber auch einen klassischen Song gut aufbauen kann. Es ist nicht superprofessionell, was ich mache.

Mich interessieren richtige Popsongs und wie sie in elektronische Musik übertragen werden können. Ich kann aber eigentlich nicht bei einem Genre bleiben. Es gibt da auch keine Beschreibung für das, was ich bisher produziert habe.

Warst du aber schon an einem Punkt, die Stücke rauszugeben, oder ist es in erster Linie eine persönliche Ausdrucksmöglichkeit – du hast jetzt eher von einer Semiprofessionalität gesprochen?

Da ist die Frage, wo Professionalität anfängt. Dass man die Gelder hat, um die Stücke zum Presswerk oder zum Mastern bringen zu können? Da würden meine Tracks wahrscheinlich auch schon viel dicker klingen. Oder fängt es da an, zu sagen, dass ich mir Zeit nehme jede Ebene eines Tracks oder Songs – also Einzelsounds, Arrangement, Mix und Master – so zu gestalten, dass ich damit zufrieden bin.

Das ist die Schere der Professionalität – zu jedem Zeitpunkt der Musikproduktion Spaß zu haben und sich nicht von einem Status Quo in der elektronischen Tanzmusik überrumpeln zu lassen.

Also noch nichts rausgeschickt oder mit der Idee gespielt ein eigenes Label zu gründen?

Eine Labelgründung ist viel Organisationsaufwand. Gerade möchte ich mich davon entfernen und Künstlerin sein. Ich arbeite jetzt an einem Live-Set, das ich dieses Jahr noch fertig haben möchte.

Es gibt viele elektronische Tracks auf meiner Festplatte bei denen Freundinnen eingesungen haben oder ich mit klassischen Instrumenten arbeite. Das ganze würde ich gern als Performance live mit Visuals umsetzen. Es muss jetzt noch abgemischt und gemastert werden. Da ich das immer selbst mache, dauert es eben sehr lange.

Du würdest deine Musik tendenziell schon in Eigenregie herausbringen?

Wenn etwas fertig ist, würde ich das einfach ins Netz stellen. Mir ist der gesamte musikalische Prozess wichtig. Mein Anspruch ist es nicht, ausschließlich für eine Release zu arbeiten, sondern die Stücke auch live zu spielen.

Ich habe auf jeden Fall mehr Lust damit aufzutreten, als es nur zu releasen. Das finde ich weitaus spannender. Mit einem Raum zu arbeiten und ihn speziell zu bespielen.

Bist du als Kind musikalisch aufgewachsen?

Irgendwann habe ich ein Keyboard geschenkt bekommen. Da habe ich sofort Melodien nachgespielt. Aber ich bin nicht weiter gefördert worden. Dafür mache ich jetzt alles auf einmal, lerne Klavier und nehme auch Gesangsunterricht.

Also das, was du jetzt brauchst, um musikalisch weiterzukommen.

Ja, ich wollte auf jeden Fall den ganzen musiktheoretischen Background lernen, um zu wissen wie ein Track funktioniert und um das wieder brechen zu können.
Zudem hat mich Pop als Format schon immer interessiert. Neulich hatte ich erst ein Gespräch mit einem DJ-Freund darüber. Da ging es um die Gegensätze zwischen Songs, die offensichtlich zum Glücklichsein aufrufen und Musik, die nicht unbedingt so sehr ein Glück erzwingt.

Klassische Popsongs mit anscheinend einfachen Strukturen werden mir da oft zu schnell abgewertet. Wo wird da ein Wert angesetzt? Am Ende geht es bei den meisten Songs und Tracks um das Verkaufen und da macht ein dystopischer Techno-Track keinen Unterschied zu einem Popsong. Auf formaler Musikebene ist ein Popsong sehr komplex. Es braucht sehr viel Zeit und Wissen, um eine reduzierte Songstruktur so hinzubekommen, dass sie funktioniert.

Du gehst musikalisch also gerade eher weg vom Club?

Für mich steht nicht der Club oder ein Vinyl am Ende meiner Produktion. Mein Ziel ist es, meine Musik für mich gut klingen zu lassen und sie später live performen zu können. Und damit wieder in einen Prozess einzutreten, der mir die Freiheit gibt, in und mit diesen Räumen zu arbeiten – und da denke ich nicht nur an Club.

Die Frage hin oder weg zum Club ist für mich auch eine Technikfrage. Anfangs habe ich nur mit Computer gearbeitet, mit sehr diversen Musikstilen. Irgendwann hatte ich eine Groovebox und andere externe Geräte. Da waren soundtechnisch noch einmal andere Dinge möglich.

Mit dem Korg Electribe hat man einen klassischen Sequenzer mit drin und da habe ich eher Techno gemacht als Strukturen, die mich eigentlich mehr interessieren. Zudem lege ich auch lieber Techno auf, als ihn zu produzieren. Im letzten halben Jahr habe ich mich entschieden erstmal das Songwriting zu lernen, so dass ich es auch anwenden kann. Da werden bestimmt auch noch einmal andere Tracks herauskommen.

Mit Gesang?

Ja, Stimmen haben mich immer sehr interessiert – als Samples und in verschiedenen Pitch-Stufen. Ich habe Stimme von Anfang an als rhythmisches oder Effekt-Element eingesetzt. Und gerade die beiden Burial-Alben haben mir noch einmal enorm viel eröffnet. Meine eigene Stimme habe ich auch genutzt und will das weiterhin als Stimmungselement mit einbauen. Irgendwann hatte ich aber gemerkt, dass ich nicht weiterkomme und habe den Gesangsunterricht genommen. Das war die beste Entscheidung. Das wird auf jeden noch einmal spannend.

Wenn du sagst, dass das alles nicht sehr professionell sei, dann stapelst du aber auch schon sehr tief. Du hast immerhin das Studio betreut.

Ich sehe meine professionelle Arbeit in der Hinsicht darin, dass ich mein Wissen vermittele, so dass die Vermittlung mit den Bedürfnissen der Teilnehmenden einhergeht. Dafür ist eine gute Methodik genauso wichtig, wie das Wissen, dass ich seit zehn Jahren angesammelt habe.

Eine entspannte, offene Atmosphäre in den Workshops ist bei mir immer gekoppelt an Methodik, die Hierarchien reflektieren kann. Das ist auch ein ständiger Selbstprozess um Offenheit. Das zuzulassen hat für mich auch mit Professionalität zu tun.

Zudem finde ich es cool, wenn die Teilnehmenden nach ihrem Bauchgefühl herangehen, ohne dass ich eine konkrete Form vorgebe im Sinne von: ein Techno-Track hat ein Intro, dann Teil A und so weiter. Ich versuche sie dahin anzuleiten, dass sie Dinge selbst gut hören – denn das Hauptinstrument ist das Ohr. Und dass sie damit genauso arbeiten können, wie mit dem technischen Wissen, dass ich vermittle.

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Various Artists „Polyrhythmic Series 1“ (SVS Records)

Selbstversorgersound? Da war doch was. Genau, eine Compilation im letzten Herbst. Und eine tolle Idee, aus der noch mehr musikalischer Output kommt.

Vielleicht erinnert ihr euch noch: da gab es dieses Projekt, bei dem einmal im Jahr Freunde und Bekannte ihr Equipment zusammen packen und in eine Berghütte fahren. Mit offenem Ziel. Der „SVS Sampler“ vom letzten Jahr stellte einige der Ergebnisse zusammen, ein stilistisch sehr sehr breit gefächertes Best-of.

In diesem Sommer wird es fokussierter – sogar ein eigenes Label wurde dafür gegründet. In einer dreiteiligen Serie widmen sich die Selbstversorgersound-Wanderer auf polyrhythmische Weise dem Club. Das heißt, die Geradlinigkeit des Dancefloors bildet den Rahmen, wird aber doch bewusst gebrochen.

Von sechs Producern kommen die Tracks, mit Zaquior und Lukas Rabe auch wieder von zwei Leipzigern. Ersterer seit Ende der Neunziger in verschiedenen Projekten aktiv. Bei Mud Muhaka steuerte er etwa die Live-Electronics bei. Lukas Rabe hat eher einen Jazz-Hintergrund.

Sein „Wintervirus“ sticht auf der ersten Episode der Serie auch besonders heraus. Mit knapp zwei Minuten hat das Stück etwas Fragmentarisches. Eine sehr dicht und hektisch gestrichelte Skizze, die trotzdem auch Wärme ausstrahlt. Im Gegensatz zu dem deutlicheren Club-Bezug der anderen Producer, geht er am eigenwilligsten mit dem gesetzten Rahmen um.

Wobei auch „Wokule“ von Zaquoir alles andere als geradlinig ist. Er spielt dafür mehr, mit einer dicken Bassline und angeteastem Gesang. Das geht bei beiden schon über den Electronica-Ansatz hinaus. Beide nehmen ein klassisches Schlagzeug als Fundament und verschachteln es.

Im August und September folgen die weiteren zwei Teile. Alle jeweils digital und in einer limitierten Vinyl-Edition.

SVS Records Website

Clara Noemi „It’s My Poetic Soul“ (Shoes, Bags And Boys)

Clara Noemi tauchte innerhalb des letzten halben Jahres zweimal im Zusammenhang mit dem Duo Appa Glas auf. Jetzt erscheint ihr Solo-Debüt als Produzentin.

Als DJ ist die gebürtige Berlinerin schon länger unterwegs. Während mir die Appa Glas-Stücke meist zu aufgeplustert waren, nehmen sich die beiden Solo-Stücke viel mehr zurück. Reduzierter sind sie und spielerischer bei den Vocals.

„Breaking Up“ lebt dennoch von einem sehr präsenten Pop-Appeal. Geradliniger dagegen „The Last Delight“. Was bei beiden Stücken jedoch auffällt, sind die teilweise hölzernen Arrangements. Da fehlt irgendwie der Flow im Zusammenspiel der Sounds.

Das nimmt „The Last Delight“ leider den Schwung, obwohl das Spiel mit den Vocals eine ganz eigene Spannung erzeugt. „Breaking Up“ gelingt das schließlich besser. Das Frankfurter Label Shoes, Bags And Boys hat die EP veröffentlicht. Seit 2010 agiert es als Plattform ausschließlich für Newcomerinnen.

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„Wir fordern langfristiges Denken“ – Global Space Odyssey

Am morgigen Samstag ziehen die Basswagen wieder durch die Stadt. Wir haben drei Fragen an Susann Hannemann und Sascha Heyne vom Organisationsteam gestellt.

Im letzten Jahr schon hatten wir ein Interview zur Global Space Odyssey. Da ging es auch um die Organisation hinter der jährlichen Demonstration und um die inhaltliche Öffnung, die auch in diesem Jahr wieder mehr als deutlich wird.

Es geht bei der Global Space Odyssey eben nicht nur um die Belange der hiesigen Clubkultur. Als Ergänzung also immer noch zu empfehlen. In diesem Jahr beschränken wir uns aber auf drei Fragen, die höchst ausführlich von Susann Hannemann und Sascha Heyne beantwortet wurden. Zur inhaltlichen Einstimmung auf den Samstag.

„Mein Leipzig koof ick mir“ ist das diesjährige Motto – potenziert der Leipzig-Hype mit den Berlin-Vergleichen der letzten Monate die von euch seit Jahren proklamierten Missstände noch weiter?

Susann Hannemann: „Mit dem provokativen und durchaus kontrovers diskutierten Motto möchten wir eine Albtraum-Vision von Leipzig skizzieren und so überdeutlich auf das Problem des städtischen Ausverkaufs aufmerksam machen. Die Anspielung auf Berlin ist nicht zu verhehlen: Doch im Gegensatz zum Feuilleton wollen wir nicht bei simplen Vergleichen im Sinne von „Leipzig ist das neue Berlin“ stehen bleiben.

Es ist grundsätzlich problematisch, wenn zwei völlig unterschiedliche Städte auf sehr oberflächliche Weise verglichen oder gar gleichgesetzt werden, um einen Trend zu setzen und damit kommerzielle Interessen zu verfolgen. Einerseits ist es natürlich erfreulich, dass die kreative und innovative Seite Leipzigs über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen wird – offenbar aber besonders von dort und nicht von kommunalen Fördermittelgebern.

Wenn wir also schon vergleichen, dann wollen wir auch die nicht so rosigen Seiten des Hypes beleuchten. Werfen wir doch mal einen genaueren Blick auf die Hauptstadt. Schnell fällt auf, dass Berlin die Gentrifizierungsmetropole in Deutschland ist. In einer absolut irren Geschwindigkeit haben sich Investoren ganze Kieze unter den Nagel gerissen.

Nun ist Leipzig nicht Berlin und wir wollen es auch nicht sein. Schaut man sich aber einmal derartige Prozesse an und vergleicht sie, so sind wir hier doch ganz schnell bei ähnlichen Prozessen angekommen, nur etwas kleiner und langsamer.

Das Superkronik musste unter anderem aufgrund nobler Nachbarschaft weichen, im Rahmen der Gelände-Erschließung des Bayerischen Bahnhofs ist der Standort der 20-jährigen Distillery durch den Siegerentwurf der Architekten ebenfalls bedenklich in Frage gestellt worden. Die Mieten im Süden werden angezogen, an jeder Ecke wird hochwertig saniert und jede noch so freie Fläche wird mittlerweile selbst im Westen der Stadt mit Mehrgeschossern betonversieglt.

Interessant daran ist, dass die Mehrzahl dieser Investoren nicht aus Leipzig stammt und somit indirekt auch die Identität dieser Stadt in Frage gestellt wird. Nicht selten hat man den Eindruck, dass wir in ein vorgefertigtes Muster gefügt werden sollen, ohne dass dabei Rücksicht auf Leipziger Eigenheiten genommen wird.

Der so oft beschriebene Hype um Leipzig und der Vergleich mit Berlin tragen sicherlich ihren Teil zu oben beschrieben Prozessen bei und bergen durchaus die Gefahr, dass wir in Leipzig die gleichen Fehler begehen wie in Berlin. Nur drängt sich der Eindruck auf, dass das gewisse Leute schlichtweg nicht interessiert und nur der fließende Euro zählt.

Der Prozess der Verdrängung hat schon längst begonnen. Die Frage ist, was können wir tun, um ihn zu steuern, mitzureden, die Stadtentwicklung mit unseren Vorstellungen zu beeinflussen? Da ist auch jeder Einzelne gefragt, nachzudenken und nicht allem, was neu und hip ist gedankenlos hinterher zu rennen und somit vielleicht einen Mainstream-Prozess unbewusst noch zu beschleunigen.

Wir fordern langfristiges Denken und nachhaltiges Handeln – nicht nur von Seiten der Stadtverwaltung, sondern von allen, denen es genauso wie uns nicht egal ist, was in unserer Stadt passiert.“

Ihr engagiert euch auch über die GSO hinaus, wie ist der Stand bei der Erarbeitung eines Freiflächenkonzepts?

Susann Hannemann: „Das Freiflächenkonzept, so wie wir es ursprünglich erarbeitet haben, lässt sich wahrscheinlich nicht umsetzen. Die Idee war hier, dass die GSO als Träger der Flächen fungiert und so eine unbürokratische, aber doch geregelte Organisation von Open Air-Partys und Kulturveranstaltungen im Freien gewährleistet werden könnte.

Momentan prüfen wir gemeinsam mit den zuständigen Ämtern der Stadt – wieder einmal – geeignete Flächen und arbeiten daran, die Rahmenbedingungen festzulegen, die für das Nutzungskonzept der freien Flächen wichtig sind. Dieser Prozess läuft langsam und schleppend und währt nun bereits zwei Monate. Nach der Global Space Odyssey werden wir uns wieder verstärkt darum kümmern und den Stand der Entwicklungen klären.

Eine Pilotierung des veränderten Konzepts wurde uns für kommendes Jahr in Aussicht gestellt. Dem müssen jedoch wiederum eine Reihe von Gesprächen vorangehen. Daneben möchte sich die Stadt Leipzig mit Halle in Verbindung setzen und sich die Rahmenbedingungen erläutern lassen, die dort bereits etabliert worden sind, um Veranstaltungen im Freien durchzuführen. Dort diente die Freiflächenkonzeption der GSO als Vorlage – warum daher die Stadt Leipzig nicht auf uns zugeht, entzieht sich unserem Verständnis.

Das Konzept ist und bleibt aber für uns ganz wichtig, weil die Anzahl unangemeldeter Partys in den letzten Jahren sowie die Nachfrage seitens der Besucher deutlich gestiegen sind. Vor ein paar Jahren waren diese Partys noch relativ klein und verliefen störungsfrei. Doch mit steigender Popularität sind weitere Faktoren zu bedenken, damit es nicht aufgrund von Beschwerden zu einem vorschnellen Ende solcher Veranstaltungen kommt.

2009 entstand dann die Idee des Freiflächenkonzepts, um bestimmte Flächen mittels eines Nutzungsplans für Veranstaltungen dieser Art bespielbar zu machen. Zum Einen holen wir uns damit selbst aus der rechtlichen Grauzone und ein umsichtiges Verhalten aller auf den Veranstaltungen sowie bei der Organisation vorab kann dazu beitragen, ein anderes, positiveres Bild musikalischer oder allgemein kultureller Veranstaltungen im Freien zu erzeugen. Wir wollen deutlich machen, dass wir umsichtig planen und sich niemand über die Gebühr durch Lärm oder Müll belästigt fühlt.

Das Konzept selbst ist jetzt nicht mehr ganz zeitgemäß, da sich die Spielregeln etwas geändert haben. Die GSO wird nicht mehr Träger der Flächen sein, sondern nur diese Flächenverträge einheitlich mit der Stadt ausarbeiten, damit alle die gleichen fairen Konditionen haben und nicht kommerziellen Events der Vortritt gegeben wird, was leider noch zu oft passiert.

Momentan stellt sich das Amt wieder etwas quer, vor allem bei Veranstaltern, die als Einzelpersonen auftreten – derzeit können nur Institutionen, Vereine oder Initiativen bestimmte Flächen im Rahmen der jetzigen Auflagen für Lärmschutz, Müllentsorgung und Toiletten anmelden.

Der Lösungsvorschlag der Stadt, alle Veranstaltungen auf eine Fläche zu verlagern, könnte aufgrund der Vielzahl potentieller Veranstalter schnell zum Problem werden, da auch die Termine begrenzt sind. Somit wird nur eine Fläche, selbst für eine Pilotierung keine langfristige Lösung sein können.

Der Prozess ist sehr langatmig und im Moment nehmen die nicht angemeldeten Veranstaltungen wieder massiv zu, was die Probleme nicht entschärfen wird. Aber das ist dann auch die logische Konsequenz, wenn man den Leuten nicht entgegenkommt oder es wenigstens einmal versucht.“

Copyright: Nick PutzmannMit Täubchenthal und Institut für Zukunft entstehen gerade zwei neue, verschieden aufgezogene Locations – durchaus ein Zeichen, dass Leipzig noch subkulturelle Entwicklungspotentiale hat, oder wie schätzt ihr dies ein?

Sascha Heyne: „Natürlich gibt es in der Stadt Entwicklungspotenzial. Wobei man je nach Projekt auch immer schauen muss, was für ein finanzieller und wirtschaftlicher Background dahinter steht und wie sehr das dem Stadtmarketing unter Umständen noch in die Hände spielt.

Doch was ist mit den vielen kleinen, engagierten Projekten, die von Leuten meist neben dem Job zum Broterwerb betrieben werden? Projekte, die nicht so viel Finanzkraft und Ressourcen hinter sich haben bzw. auch einfach nicht per se derart präsent in den Fokus gerückt werden, aber trotzdem ihren kulturellen Beitrag in der Stadt leisten, durchaus auch mit hohem Qualitätsstandard? Es geht schon immer noch darum, wie Kultur im kleinen sowie im großen Rahmen von der Stadt bewertet wird.

Und stolz ist das Stadtmarketing auf seine junge, kreative und innovative Kultur definitiv. Damit wird massiv geworben – zu Recht. Aber was tun die Damen und Herren im Rathaus dafür? Wer wird gefördert und wem werden eher Steine in den Weg gelegt, statt zumindest eine Chance auf Verwirklichung ohne hohe finanzielle Barrieren durch behördliche Auflagen zu bekommen?

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele neue Projekte entwickelt und dann tatsächlich gestemmt werden bei all den Steinen, die so oft im Weg liegen. Eine andere Grundsatzfrage, die sich uns immer wieder stellt: Sollte überhaupt zwischen Hoch- und Subkultur entschieden werden?“

Die Route vom 13.7.2013:

Connewitz Kreuz → Karl-Liebknecht-Straße → Schenkendorfstraße → Bernhard-Göring-Straße → Windmühlenstraße → Martin-Luther-Ring → Marktplatz (Zwischenkundgebung) → Tröndlinring → Wintergartenstraße → Eisenbahnstraße → Hermann-Liebmann-Straße → Riebeckstraße → Prager Straße → Wilhelm-Külz-Park (Abschluss)

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Remix-Contest für Ekkohaus

Moon Harbour lobt einen Remix-Contest aus. Ein Track aus Ekkohaus‘ Debütalbum darf bearbeitet werden.

„Mark Ma Words“ wurde ausgewählt, enthalten auf „Noschool“. Bis zum 29. Juli 2013 gibt es die Spuren via Beatport. Dort werden die fertigen Tracks dann auch abgeliefert. Zwei Wochen lang stellen sich alle Einsendungen einer offenen Abstimmung, daraus wird eine finale Auswahl gekürt.

Am 27. August steht das Ergebnis fest. Und es wird auf der bald darauf folgenden Remix-EP auf Moon Harbour mit erscheinen. Es gibt aber auch noch drei weitere Preise. Hier noch einmal das Original als Snippet.

Zum Contest

Blac Kolor „Range EP“ (Basic Unit Productions)

Draußen ist Sommer, musikalisch versteckt sich Blac Kolor aber lieber. Mit seinem fensterlosen Techno und dem Hang zum Maximalismus.

Ganz neu ist der Name nicht. „Frost Vol. 1“ hieß die Compilation, auf der in diesem Januar auch erstmals etwas von Blac Kolor zu hören war. Die Schnittmengen zwischen Techno, Industrial und düsteren Electro-Pop traten da deutlich hervor. In einer mir zu dick aufgetragenen Weise. Nun also eine komplette EP, wieder auf Basic Unit Productions, dem Label von Daniel Myer.

So richtig weiß ich aber nicht wohin mit der „Range EP“. Einerseits eine wunderbare Keller-Techno-Radikalität mit mächtigen Bassdrums und maschinell-schroffen Sounds, andererseits unangenehm voluminös-ausladende Rave-Ansagen und runtergepitchte Böse-Männer-Vocal-Samples. Wobei die Vocals ihrerseits eine dystopisch-cineastische Atmosphäre verbreiten – da fehlen noch die Videos dazu.

Im Interview meinte Daniel Myer damals, dass ihnen eben dieser Sound bislang fehlte. Und das klingt auch nachvollziehbar. Wahrscheinlich wird eine EP wie diese aus verschiedenen Genre-Ecken heraus betrachtet polarisieren. Zwischen-den-Stühlen-Techno quasi.

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CVBox „le box dd“ (Lunatic)

Ein neues Label, entsprungen aus der gleichnamigen Party-Reihe, die seit geraumer Zeit für „balearic-exotic-gothic-folk-country-rave-body-moving-experiences“ sorgt.

Lunatic also, quasi ein Sidekick der Blackred-Crew, der im letzten Jahr auch der Schritt zum Label gelungen ist. Die klassische Electro-Erdung ist aber nicht alles in deren musikalischem Kosmos, daher entsteht mit Lunatic nun eine weitere Plattform.

Aus Dresden kommen die ersten Tracks, CVBox ist ja von Uncanny Valley durchaus bekannt und neben Tiny und Credit00 verantwortlich für die gute Electro-Direktverbindung zwischen Leipzig und Dresden. Bei der ersten Blackred-Compilation war er bereits dabei.

Nun eine komplette EP mit spacigen, leicht acid- und analog-schillernden House-Tracks. Die B-Seite ist hier die A-Seite, „Drive By Circle“ bewegt sich im Mäandermodus mit zirkulierendem Chord und einem übersteuerten Grundrauschen. Entspannung mit matschigem Crisp, großartig.

„Rework Motion“ ist techno-inspirierter, roher und leicht fanfarenhaft. Ruhiger, aber deutlich verspielter und krautiger klingt schließlich „MD 03“. Ein durchweg tolles Label-Debüt. Die zweite Blackred-Platte soll übrigens auch bald kommen.

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Richtig Polonaise

Große Party bei Analogsoul. Fabian Schütze veröffentlicht als Me And Oceans in gut einem Monat sein Album „The Bay“. Und im Video wird schon jetzt die Polonaise mit Schwermut torpediert.

Grund zum Feiern gibt es natürlich. Nicht nur, weil Analogsoul ein weiteres Mal zeigen konnte, wie sich ein Musikprojekt erfolgreich crowdfunden lässt. Vielmehr dürfte aber die Arbeit mit einem Streichquartett Fabian Schütze künstlerisch weiter gebracht haben.

Aber Anbiederei ist ja nicht unbedingt Fabian Schützes Sache. Vielleicht eher ein teilweise überzogen ausgeprägter Hang zur Ernsthaftigkeit. Insofern wirkt die Brechung zwischen Text und Tonalität bei „Polonaise Blankenese“ angenehm befreiend.

Ein schlimmes Lied der Spaß-Diktatur wird unter eine dicke Schwermutswolke gepackt. Am Ende lachen trotzdem alle. Bestens. Das Album erscheint am 2. August.

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Neues aus der Wolke – Clemens Ruh

Wir starten eine neue Serie – für neue Gesichter, die sich bislang ohne Label durch die Soundclouds und Youtubes bewegen, Demo-Tape-Kultur jetzt öffentlich. Los geht es mit Clemens Ruh.

Es ist nicht so, dass Leipzig allmählich die guten Leute ausgehen. Allerdings haben sich bekanntermaßen einige Dinge in der Musikbranche grundlegend geändert. Und längst sind es nicht mehr die Labels allein, die für das Vorankommen eines Künstlers verantwortlich sind. Soundcloud, Youtube, Facebook & Co bieten ihnen Kanäle zur Selbstpromotion.

Die Demos landen nicht mehr nur versteckt auf den Label-Schreibtischen, sondern ebenso draußen in der öffentlichen Web-Wolke. frohfroh möchte ab sofort einige dieser besonders aktiven oder besonders viel versprechenden Perlen ausgraben und gesondert vorstellen. In einem Kurz-Interview-Format mit standardisierten Fragen.

Für den Start der Serie haben wir Clemens Ruh ausgewählt. Durch die stilistische Offenheit fiel er besonders auf: von Ambient und Breitwand-Deep-House bis hin zu Filmscores. Super melodisch, teilweise vielleicht etwas zu weich gezeichnet, aber vom Sound her mit sehr feinem Gespür arbeitend. Hier seine Antworten auf unsere Fragen.

Woher kommst du – lokal und künstlerisch?

Meine Heimat ist die Oberlausitz, genauer gesagt Hoyerswerda. Seit nun knapp zwei Jahren wohne ich in Leipzig. Angefangen hat das ganze wohl mit dem Klavierunterricht. Dadurch hab ich schon sehr früh bemerkt, dass es Spaß macht, selbst Melodien oder auch kleine Arrangements zu kreieren.

Nicht zuletzt sind aber auch meine Eltern daran beteiligt, die mich in erster Linie natürlich unterstützt aber auch durch deren Liebe zur klassischen Musik beeinflusst haben. Es war völlig normal, dass Bach oder Mendelssohn Zuhause auf Platte liefen. Mir hat dann aber die romantische Ära mehr zugesagt. Eine sehr viel verspieltere und verträumtere Epoche, mit deren Eigenschaften man teilweise auch meine Produktionen beschreiben könnte.

Irgendwann hat man dann, wie jeder andere, das Internet für sich entdeckt und somit auch immer neue Künstler und Musikrichtungen. Da hab ich dann erst mal Leute wie den „früheren“ Deadmau5 entdeckt, oder auch Paul Kalkbrenner. Und je weiter man gegraben hat, desto speziellere Namen hat man auch gefunden.

Produktionstechnisch kam ich vor knapp sieben Jahren mit der ersten Musik-Software in Berührung und fand es von Anfang an spannend da eigene Sachen zusammen zu würfeln. Wenn die ganze Geschichte am Anfang auch nur aus Loop-a-Loop-kleben bestand, hatte man trotzdem das Gefühl, da was richtig cooles gebastelt zu haben.

Ab dem Zeitpunkt hab ich mich dann nahezu jeden Tag damit beschäftigt und immer weiter geübt, gelernt und Spaß gehabt. Und den hab ich uneingeschränkt auch heute noch.

Was flasht dich musikalisch?

Am meisten hauen mich immer noch extrem emotionale Harmoniefolgen um, die einem einfach den Kopf komplett frei machen. Das sind die berühmten Gänsehautmomente. Zum anderen sind es Tracks, die eine so unglaubliche Tiefe haben, dass man bei jedem Hören immer wieder neue Sachen entdecken kann.

Wo willst du mit deiner Musik hin – Lieblingshobby oder Stadion?

Weder noch. So breit wie mein Feld abgesteckt ist, so breit sind auch meine Vorstellungen gefächert. Ich habe auch ein Rieseninteresse an Filmmusik und produziere einiges cinematisches Material. Von daher kann ich mir gut vorstellen auch beruflich in diese Richtung zu gehen.

Mit meinen tanzbaren Tracks will ich einfach Leuten im Club oder auch Zuhause auf der Couch eine schöne Zeit bieten. Derzeit arbeite ich auch an meinem Live-Set, um diese Tracks noch ein bisschen in die Clubs zu tragen. Ansonsten habe ich keine großartigen Vorhaben damit. Ich nehme alles wie es kommt und bin dankbar für jede Möglichkeit, die sich bietet.

Größter Soundcloud/Youtube-Hit?

Die meisten Klicks hat bisher mein Snow Patrol Edit „The Finish Line“.

Dein persönlich größter Hit – und warum?

Mein persönlicher Hit ist mein Remix von „Schwindelig“ für Kollektiv Turmstrasse aus dem letzten Jahr, der auch auf Connaisseur Recordings erschienen ist. Diesen habe ich im Rahmen des Remix-Contests angefertigt und finde bis heute, dass er mein bester Titel ist.

Das gute daran ist wohl, dass ich den Titel schon seit deren Album aus dem Jahr 2010 kannte und es für mich somit nicht einfach nur ein Random-Track war den man remixen durfte. Zudem bin ich schon seit einigen Jahren ein großer Liebhaber der Kollektiv Turmstraße-Musik. Aber nichtsdestotrotz bin ich natürlich einfach auch stolz, dass der Remix von Christian & Nico als persönlicher Favorit zum Sieger-Titel gemacht wurde.

Was ist als nächstes konkret geplant?

Wie gesagt bin ich zur Zeit viel damit beschäftigt, mein Live-Set fertig zu stellen. Das heißt also viele Tracks endgültig fertig zu stellen. Es werden viele unveröffentlichte Sachen enthalten sein, die noch für Ableton „kompatibel gemacht“ werden müssen. Und dann bin ich mal gespannt, was damit so möglich ist.

Ob ich die Möglichkeit bekomme irgendwo live zu spielen und wie natürlich auch darauf reagiert wird. Ansonsten liegen immer genug halbfertige Projekte auf dem PC rum. Und was das für Tracks werden, weiß ich meist erst wenn sie wirklich fertig sind.

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