Dsant „Retrospective EP“ (Esoulate Music)

Dass Dsant große Stücke auf den House alter Schule legt, war seinen bisherigen Stücken bereits anzuhören. Nun widmet er dem Sound eine ganze EP.

Es ist zugleich die erste Artist-EP von Dsant auf Esoulate Music. Eine Retrospektive zum Analogen, und obwohl da schnell das Augenleiern der Alten losgetreten werden kann, gelingt es Dsant erstaunlich gut, eine frühe Epoche von House so aufleben zu lassen, als hätte es die mehr als zwanzig Jahre dazwischen nicht gegeben.

Mit hörbarem Acid-Einschlag, ausholenden Streichern und schnörkellosen Beats. An manchen Stellen bleiben einige Sounds jedoch etwas hölzern – bei „Spread Love“ und „Mindflight“ etwa. Vielleicht gehört das aber auch zur Patina. So ganz sicher bin ich mir da nicht. Bei „Balance“ und „Strength“ geht wiederum alles voll auf.

Esoulate-Kollege Lootbeg passt inhaltlich natürlich perfekt dazu. Er mixt „Spread Love“ mit lässig schiebendem Drive neu, ohne das Analoge anzutasten.

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Leibniz „What Matters / Bring It Don’t Sing It“ (Fourth Wave)

Neues von Leibniz. Das heißt auch: neue Euphorie. Denn der junge Wahl-Leipziger überzeugte von Anfang an.

Den Anfang markierte seine erste EP auf Fairplay Records im Frühjahr. Da offenbarte sich bereits die angenehm schroffe Herangehensweise von Leibniz an House. Auch in Großbritannien blieb das nicht ungehört. Das britische Label Fourth Wave fragte schnell nach einer weiteren EP an. Dieses Mal auch auf Vinyl.

Und wieder rasseln die HiHats, stolpern die Bassdrums und fliegen scharf geschnittene oder hell leuchtende Chords dazwischen. Während „What Matters“ mit verstockterem Funk spielt, setzt „Bring It Don’t Sing It“ in seinen zwei Teilen komplett auf Umarmung. Herrlich angematscht im Sound, und dennoch mit dem richtigen Maß an überzeichneter Schwelgerei.

In ihrer faszinierenden Rohheit übertreffen die neuen Stücke sogar die der Debüt-EP. Hier findet bei Leibniz scheinbar ein Reifeprozess im Zeitraffer statt.

Beim Ashore-Blog gab es vor einigen Monaten übrigens ein Interview mit Leibniz, überaus lesenswert. Und noch aktueller ein englisches Interview bei Inverted Audio, inklusive DJ-Mix.

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Martin Kohlstedt „Tag Remixes“

Im Mai veröffentliche Marbert Rocel-Mitglied Martin Kohlstedt sein Mini-Album „Tag“. Die beeindruckend reduzierten Piano-Stücke inspirierten einige Musiker zu Remixen.

Es scheint dabei eine gewisse Eigendynamik gegeben haben. Befreundete Musiker fragten nach Remixen an oder schickten schon erste Ideen. Auch wenn Martin Kohlstedt mit Marbert Rocel und Karocel die clubbige Seite vertraut ist, dürfte sich das Herausgeben solch intimer Stücke zum Remixen noch einmal anders angefühlt haben. In Eigenregie bringt Martin Kohlstedt nun sechs Remixe heraus – vier davon auf Vinyl.

Was sofort auffällt ist der behutsame Umgang mit den Originalen. Mathias Kaden, Panthera Krause und Matthias Fiedler verorten die Stücke mit dezenten House-Noten. Fragil in den Arrangements, warm und echt in den Sounds. Interessant, wie Panthera Krause offensichtlich auch die Orchester-Bearbeitung von „OMB“ für seinen doch opulenten Break mit einbaut.

Rhythmisch diffiziler gehen Tilmann Jarmer, Klinke Auf Cinch und Talski vor. Hier bleibt die Tanzfläche weitgehend außen vor, wodurch die innere Stille stärker erhalten bleibt. Klinke Auf Cinch holen versteckt poppigen Funk mit rein, Talski zieht sich komplett in seinen Dub zurück. Wieder einmal die große Kunst der Elegie, die Talski hier in beeindruckend konsequenter Art präsentiert.

Toll, wie diese EP das Original-Werk ergänzt.

Parallel kam auch eine 18-minütige Dokumentation über Kohlstedts Stück „OMB“ heraus. Es ist sein erstes selbst geschriebenes Thema, und es taucht in verschiedenen Versionen auf. Der Film dokumentiert in unprätentiöser Weise die Stationen von den ersten Griffen zu Ryos Song „Unter Wasser“ über die philharmonische Bearbeitung bis zum Remix von Panthera Krause.

Den Punkt für das leiseste A wollte er finden, „denn laute Musik gab es auf Landeswelle genug“, erzählt ein verhuscht wirkender Martin Kohlstedt. Am Ende ist der „OMB“-Film eine kleine Ode an die Hingabe eines Musikers. Und an die kindliche Freude, wenn sich alles irgendwie zusammenfügt.

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Abhängen mit Holger

Es gilt ein neues Label in die Liste aufzunehmen. Ein besonderes sogar. Wir dürfen vorstellen: Holger Records.

Wer genau hinhörte, konnte schon ein paar Dinge über Holger erhaschen. Ein neues Label, Steffen Bennemann dabei, auch Webermichelson. Im Elipamanoke und dem Hamburger Pudel fanden in diesem Jahr schon erste Holger-Abende statt. Da ging es um mehr als Rave. Und dies gilt auch für das Label, das mehr eine Familie darstellt als ein klassisch aufgezogenes Unternehmen zum Veröffentlichen von Platten.

Wer alles dahinter steht, erklärt Steffen Bennemann weiter unten selbst. An diesem Montag erschien nun die erste EP von Holger Records. Margot haben vier Stücke beigesteuert, die schnell aufzeigen, dass dieses Label zwischen Dancefloor und Experimentierfeld keine Widersprüche sieht – ähnlich wie Doumen also.

Auf der Nachtdigital-Platte von 2012 waren Margot bereits zu hören. Und auf zahlreichen weiteren EPs. Für „Trentaseitrenta“ tauchen die beiden Italiener noch tiefer in die Randbereiche eines melodisch ausschweifenden, kraut-inspirierten Sounds ein. Bis hin zum Pop: der Titel-Track trägt zweifellos ein nicht zu überhörendes Hit-Potential in sich, inklusive fern hallender Vocals.

Er schillert um so mehr gegenüber den offener gehaltenen weiteren Stücken. Gerade „Tristamente“ und „Primidue“ nehmen sich rhythmisch und klanglich eine Menge Freiheiten, die weit mehr Aufmerksamkeit verlangen. „Yes I Noise“ zelebriert hingegen Margots Hang zum abwegig-sperrigen Synth-Rave. Eine mutige Platte und vermutlich eben deshalb so einnehmend. Daran glaubt auch Kompakt, die den Vertrieb übernehmen. Mehr zum Label-Hintergrund erklärt Steffen Bennemann.Wer ist Holger?

„Zu Holger gehören aktuell Sven und Philipp von Webermichelson, Lianne (Visuals), Timoka (Musiker und Künstler), Reymund (Grafiker), Aggelos (Musiker), Pepe & Giaga (Margot) sowie mein Bruder Jan und ich. The real Holger ist unser Vater – also Jans und meiner. Von ihm haben wir den Namen geklaut, weil wir den toll finden und es einfach auch am besten gepasst hat mit unserer Familienidee dahinter.“

Wo wollt ihr vom Sound her hin?

„Tendenziell eher freie, offene Musik in denen Synthesizer eine sehr prominente Rolle spielen – beziehungsweise bei Webermichelson die Gitarre, die Philipp mit seinen ganzen Effekten jedoch fast synthie-like spielt. Die Bezeichnung „experimentell“ wird heute fast inflationär gebraucht, wenn mal jemand seine Tracks komisch abmischt oder keine gerade Bassdrum verwendet.

Bei uns haben sich jedoch Leute zusammengefunden, die in ihrer Musik und ihren Visuals und Grafiken tatsächlich recht frei agieren bzw. „experimentell“ als Kategorie gar nicht für sich selbst anlegen würden. Sie machen einfach, was sie halt so machen. Musikalisch gibt es zwar immer auch irgendwie einen Bezug zum Club, allerdings ist das eher ein sich zufällig einstellender Nebeneffekt und nicht die primäre Intention.

Uns interessiert auch sehr die Verbindung von Sound und Visuals – vom Artwork der Platten über Live-Auftritte bis zu Projekten bei denen von Anfang an Musik und Bilder zusammen gedacht werden. Klingt vielleicht alles ein bisschen abgehoben und so gewollt oberschlau – darum geht’s uns aber gar nicht. Man könnte auch einfach sagen: Wir haben Bock auf geilen Sound, abgefahrenen Konzept-Scheiß und möglichst viel gemeinsam abhängen.“Die Italiener Margot zum Start, danach ein Schweizer Musiker – ist die Ausrichtung internationaler oder wer ist aus Leipzig demnächst mit im Boot?

„Die Ausrichtung war nicht bewusst international. Das hat sich alles so ergeben. Margot und Aggelos haben wir über die Musik kennengelernt und da hat sich wieder mal bestätigt: Leute, deren Musik man sehr schätzt, mit denen ist man auch persönlich auf einer Wellenlänge.

Ich hatte schon einige Jahre eher lose Kontakt mit Margot und Aggelos. Hauptsächlich über das Internet. Als dann klar war, dass wir ein Label starten, haben sie uns sofort Musik geschickt, die einfach perfekt zu uns passt. Alles ohne Verträge und Aussicht auf großen Reichtum, was auch ein ungeheurer Vertrauensvorschuss für uns ist. Aber es war auch von Anfang an klar, dass wir es nur so machen können und wollen.

Die Wurzel des Ganzen liegt jedoch tatsächlich in Leipzig: Ich war von Anfang an Fan von Webermichelson. Schon als ich sie das erste Mal beim Frequenzcamp gehört hatte. Damals nannten sie sich noch „Rocket Science“. Und nachdem ich sie dann zum dritten Mal live erlebt hatte bin ich zu ihnen hin und habe gesagt: ‘Leute, wir müssen zusammen ein Label starten‘.

Über sie haben wir dann Benjamin (Timoka) und Lianne kennengelernt. Benjamin hat damals noch in Leipzig gewohnt und über ihn wiederum haben wir Reymund ins Boot geholt. Lianne ist gerade von Amsterdam nach Leipzig gezogen, also haben wir hier auch eine ganz gute lokale Keimzelle in der wir gemeinsam Sachen aushecken können.“

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Neues aus der Wolke – Dahmar

Mit Dahmar geht die Neues aus der Wolke-Reihe auf einen Rundflug durch die klassische House-Deepness.

An House mangelt es in der Stadt bekanntlich nicht. Dass in meiner Soundcloud-Timeline Dahmar dennoch immer wieder positiv auffiel, dürfte an der hohen Musikalität seiner Tracks liegen. Warmer, poetisch klingender House, der das Harmonie-Level selbstbewusst hoch zieht und mit weich gefederten Bassdrums nach vorn schwingt.

Electronic Resistance heißt die Crew, der Dahmar angehört. Als DJ ist er mittlerweile auch über die Crew hinaus gewachsen, spielte zuletzt ebenso an der Seite von Bender von Kann Records.

Interessant übrigens, dass Dahmar das EP-Konzept bei Soundcloud aufgreift. Keine lose Ansammlung einzelner Stücke, sondern zwei in sich schlüssige EPs hat er innerhalb des vergangenen Jahres selbst zusammengestellt.

Eine offizielle Veröffentlichung gab es indes doch: auf der Mottt.fm-Compilation fand sich erstmals ein Stück von Dahmar. Den Rest erklärt er selbst.

Woher kommst du – lokal und künstlerisch?

Geboren und aufgewachsen bin ich in der Altmark, einem dünn besiedelten Landstrich im Norden von Sachsen-Anhalt. Nach Leipzig kam ich vor drei Jahren nachdem ich mein Studium in Dresden beendet hatte.

Musikalisch wurde ich wohl am meisten durch HipHop geprägt und beeinflusst, obwohl ich seit meinem 12. Lebensjahr auch Schlagzeug spielen lerne und dadurch einen starken Bezug zum Punk sowie allgemein zum Bandkonzept habe.

Was flasht dich musikalisch?

So einiges. Und dafür muss ich Leipzig nicht mal verlassen, aber ich will keine Namen nennen, sonst vergesse ich am Ende noch jemanden. Ansonsten höre ich im Moment wieder viel aktuellen amerikanischen HipHop.

Wo willst du mit deiner Musik hin – Lieblingshobby oder Stadion?

Na mein Lieblingshobby ist Musik ja schon jetzt und klar wäre es toll, irgendwann nicht mehr auf einen regulären Job angewiesen zu sein.

Aber Stadion? Das wäre glaube ich auch nicht wirklich der richtige Platz für meine Musik, aber zwischen Lieblingshobby und Stadion ist ja auch noch eine Menge Platz.

Dein größter Soundcloud/Youtube-Hit?

Was die Zahlen angeht ist das eindeutig „Saucy Jack“, was aber sicherlich auch daran liegt, dass er auf der „Five Years of Mottt.FM“-Compilation veröffentlicht wurde und eine dementsprechend größere Hörerschaft erreichen konnte.

Dein persönlich größter Hit – und warum?

Das ist definitiv „Slumber Trumpet“, weil es der einzige Track ist den ich auch schon mal beim Auflegen gespielt habe, was an dem Abend recht gut geklappt hat – inklusive Gänsehaut bei mir.

Was kommt demnächst von dir?

Da wird es wohl wieder so eine Art Soundcloud-EP geben, obwohl ich mir ja immer ziemlich viel Zeit lasse bis ich meine Tracks online stelle. Und wer weiß was bis dahin noch passiert.

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Natalie Luengo „Reawaken“ (Dubi Records)

Bei Soundcloud lässt sich schon länger das musikalische Schaffen von Natalie Luengo verfolgen. Jetzt kommt die erste EP.

Ich erinnere mich noch dunkel an ein Tech House-Duo namens Minded Rebels. Da gehörte Natalie Luengo mit dazu. Seit etwas mehr als einem Jahr scheint es nur noch solo weiterzugehen, wobei sie schon seit sieben Jahren selbst produziert. Ihr Soundcloud-Profil ist in der Zeit ordentlich gewachsen.

Meist habe ich auch reingehört und war jedoch von dem sich aufbäumenden Kitsch und dem immer währenden Synth-Bass-Schub irritiert. Möglicherweise ein Kalkbrenner-Einfluss. Auf ihrer ersten offiziellen EP bleibt es bei diesem Sound, der einerseits mit Rave-Elementen spielt, andererseits im Gesamten lieblich bleibt.

„Reawaken“ überraschte mich dann aber doch: denn das dicht verwobene Flirren trägt eine Unberechenbarkeit in sich, die sonst nur selten in Natalie Luengos Stücken zu hören ist. Leider unterbrochen von den Rave-Breaks.

„Sonnenstrahlengruesse“ ist aufgeräumter und in offensichtlicher Weise verträumter, ohne eben jene spannende Eigendynamik, die ein Soundgeflecht manchmal entwickeln kann. Auch hölzerner in den Sounds. Und Thomas Lizzara? Geht einmal mit dem Rave-Rasenmäher über „Reawaken“ drüber. Da steige ich bei dieser ersten EP aus.


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Down mit dwntmpo

Was für eine Wonne doch die Langsamkeit im Sound sein kann – das hat auch dwntmpo entdeckt, neben seinem anderen Projekt.

Ja, ein neues Gesicht steckt nicht hinter dwntmpo, es ist Lootbeg, der mir neulich erst – zu spät – durch seine Esoulate-EP positiv auffiel. Kurz darauf kam eine Mail, dass es da noch mehr gibt. Allerdings technoider und dunkler. Und langsamer.

Andy Stott kam mir sofort in den Sinn. Er holt auch eine sehr viel faszinierend schwingende Elegie aus der Langsamkeit heraus. dwntmpo ist jedoch noch tiefer im Dub-Techno verwurzelt. Der analoge Sound und die wohltuende Aufgeräumtheit teilt das Nebenprojekt aber mit Lootbeg.

Bei W-EE Records, dem neuen Label der Brasilianerin Whim-ee kommt die Tage nun ein Track von dwntmpo heraus. Auf einer Vinyl-Compilation namens „Raw It“. Darauf „Go Or Gogo“, das im Vergleich zu den anderen Tracks bei Soundcloud schneller ausfällt. Der Dunkelheit entzogen durch die souligen Vocals. Und ja, sie passen da perfekt rein.

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Markus Masuhr „Circular 02“ (Circular Limited)

Auch lustig, wenn sich ein Digital-Label Limited nennt. Aber egal: Markus Masuhr hat eine neue EP.

Drei neue Tracks sind auf der „Circular 02“, unbetitelt und sich viel Zeit nehmend. „Unknown 5“ schlendert anfangs sehr versunken in der Dub-Techno-Klassik.

Bei den „4“ und “3“-Parts wird es spannender, weil Markus Masuhr den Druck der Bassdrums merklich erhöht. Das bringt schärfere Konturen rein, weil es die Dub-Deepness sehr viel mehr strafft.

„Unknown 4“ setzt hier klar auf Techno, „Unknown 3“ lotet hingegen zusätzlich noch einige Dissonanzen aus, die mir aber zu wenig auf den Punkt kommen. „Unknown 4“ ist schließlich der Hit. Die vollständigen Tracks sind bei Bandcamp zu hören.

Den kann Roberto Figus leider nicht mehr besser machen. Auch wenn die eng und hektisch gestrickten Beat-Loops durchaus ungewöhnlich klingen. Mit Roberto Figus schließt sich übrigens der Kreis zu Masuhrs Label Insectorama: dort gehört er zum Künstlerstamm.

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Die frohfroh-Nachlese

Wir haben ein wenig bei Soundcloud gespielt und die Playlist-Funktion für uns entdeckt.

Lame business, klar. Aber besser spät als nie: endlich nutzen wir Soundcloud auch ein wenig aktiver und legen ab sofort jeden Monat eine Stream-Compilation mit Stücken an, die in dem jeweiligen Monat bei frohfroh vorgestellt wurden.

„Nachlese“ heißt das dann. Die erste Ausgabe für den September umfasst 15 Stücke, teils wild gemischt, aber dennoch ein wenig auf eine klangliche Linie gebracht. Der Oktober wächst auch schon. Ein Spaß nebenbei. Vielleicht auch für euch.

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Klinke Auf Cinch „Broken Master“ (Analogsoul)

Knapp ein Jahr liegt die Veröffentlichung des Klinke Auf Cinch-Albums „Highs & Hills“ zurück. Mit „Broken Master“ schieben sie eine Single mit zwei Remixen hinterher.

Und ein in der Heimat Jena gedrehtes Video. Mit Bratwurst und Handwerker-Charme. „Broken Master“ zeigt ja die stark ausgeprägte Pop-Seite von Klinke Auf Cinch, der Hit auf dem zweiten Blick. Lässig wogend und mit kleinen, verspielten Solo-Einlagen.

Micronaut nimmt diesen leichtfüßigen Schwung heraus und spielt mehr mit der süßen Melancholie, die beim Original zwischen den Tönen bleibt. Eingehüllt in eine dubbig schwingende Wärme. Sehr schöne Version.

Wooden Peak ist  ein klassisches Cover mit den eigenen Instrumenten und eigenem Gesang. Das spannende aber: die Elektronik bleibt komplett außen vor. So wird mehr Folk-Pop aus „Broken Master“. Steht dem Song auch ziemlich gut und dreht nebenbei den gewöhnlichen Remix-Ansatz um.

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Marbert Rocel „… Cause Of Loving“ (Compost Black Label)

Mitte September schon kam der zweite Remix-Teil zu Marbert Rocels Album „Small Hours“ heraus. Ein kurzer Blick darauf.

Marbert Rocel zu remixen ist bestimmt eine dankbare Angelegenheit. Bei der Fülle an organischen Sounds, Spunks präsentem Gesang und der spannenden Verortung zwischen Club und Band. Das Compost Black Label fragte für sechs Remixe an, vier für Vinyl, zwei als digitaler Bonus. Wahrscheinlich lag die Auswahl aber auch maßgeblich in den Händen von Marbert Rocel.

Denn die vier Künstler der Vinyl-Version dürften der Band mehr oder weniger nahe stehen – ausgenommen natürlich Bandmitglied Panthera Krause. Aber Marek Hemmann zieht den Kreis nach Jena, Philipp Stoya zur Muna nach Bad Klosterlaußnitz, Talski zurück in die aktuelle Wahlheimat Leipzig.

Alles wohl durchgedacht im Sinne von Marbert Rocels Musik-WG-Gedanken. Bei Heitzberg Theorem und Pete Bandit & Jason Shae sind die Verknüpfungen zur Band jedoch nicht so offensichtlich – vielleicht eher labelpolitisch.

Musikalisch stechen auf dem Vinyl Talski und Philipp Stoya am meisten heraus. Letzterer durch den elegant-gerade gezogenen Jazz-Ansatz, Talski durch die unaufgeregte Lässigkeit. Die musikalische Tiefe, die schon sein Debüt auf Rivulet Records besonders machte, ist auch seinem Remix von „’Cause Of Loving“ anzuhören.

Panthera Krause pumpt „The Temple“ mit einer durchdringenden Bassline auf und Marek Hemmann gewinnt mit seinem typischen stromlinienförmigen Schub die Massen – allein die Zahl der Soundcloud-Plays übertrifft die anderen Beiträge um das Zehnfache. Unbedingt mit anhören: die Heitzberg Theorem-Version von „I Wanna“. Dramaturgisch der spannendste Remix in seiner glitchig-verhaltenen Reduktion.

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Various Artists „Willkommen zu Hause – Distillery – 20 Jahre Clubgeschichte“ (Definition Records)

Kein Film ohne Soundtrack. Auch zum Distillery-Film gibt es eine Compilation via Beatport.

Christian Fischers Label Definition Records hat sich um die Lizenzierung der zehn Stücke gekümmert. Die Zusammenstellung ist durchweg hochkarätig mit ausschließlich Klassikern. „Loverboy“ von Steve Bug, „Tides“ von Beanfield im Carl Craig-Remix oder „Panikattack“ von Plastikman. Stücke, die auch im Film zu hören waren.

Zwei Dinge verstehe ich aber nicht: warum wird nur der musikalische Sonnabend abgebildet? Und warum ist nicht ein einziger Leipziger Künstler auf der Compilation enthalten?

Gerade wo Chris Manura, Clemens Ruh und Marc Puchta einen Großteil des Film-Scores bestreiten und Leute wie Matthias Tanzmann und Daniel Stefanik durch den Club gewachsen sind.

Wirkt daher wie ein teurer Schnellschuss, der inhaltlich nicht zu Ende gedacht wurde. Hier geht es zum Hören.