Das Post Internet Radio lädt zum Stream #5: „Dieses mal wirds breaky mit Naitwa und Scherbert von Petrola!“ – yes, das können wir so bestätigen.
Hier geht’s lang: https://pir.digital
Naitwa
Scherbert
Das Post Internet Radio lädt zum Stream #5: „Dieses mal wirds breaky mit Naitwa und Scherbert von Petrola!“ – yes, das können wir so bestätigen.
Hier geht’s lang: https://pir.digital
Naitwa
Scherbert
Zuletzt dachte ich, die große Label-Gründerzeit in Leipzig ist durch. Doch es gibt immer noch Neuentdeckungen. Hier sind drei davon: QC Records, Bitterfeld Musik und GLYK.
Schon 2016 erschien die erste GLYK-Platte, also wirklich neu ist es nicht. Aber erst im letzten Jahr gab das Label von DJ Balduin etwas mehr Gas. Und hey, GLYK hat es in den Kompakt-Vertrieb geschafft. Völlig zurecht, denn die bisher fünf veröffentlichten EPs (Vinyl und Digital) sind ohne Ausnahme hörenswert. Besonders durch ihre experimentellen und freieren Ansätze.

Natürlich gibt es auch schön deepe und klassische House- und Electro-Tracks, aber noch vielmehr wird auf GLYK musikalisch geforscht. Ich mag es immer, wenn sich Labels trauen, abseits der Clubgrenzen zu bewegen. Und GLYK wagt einiges.
Zuletzt kamen zwei Releases von Knat heraus, einem Session-Projekt von Steve Hartmann und Jan Harder (haben die beide wirklich zufällig hart/hard im Namen??). Zwei Mini-Alben sind das, die sehr spannend und scheinbar analog Drones, Ambient und Electronica ausloten. Wer lieber ein paar gerade Bassdrums möchte, sollte zur DJ Balduin-EP greifen.
Auch das nächste Label ist nicht taufrisch. Seit Ende 2017 gibt es Bitterfeld Musik und ich wollte es schon längst mal vorgestellt haben. Gegründet haben es der Leipziger Carmel und Marius Reisser und Berlin. Bitterfeld liegt quasi dazwischen und die Chemie-Industrie-Tristesse der kleinen Stadt dürfte für Electro- und Techno-Heads mit Hang zu darken Sounds ein echter Sehnsuchtsort sein.

Das Logo von Bitterfeld Musik greift die Industriegeschichte direkt auf – und auch musikalisch ist es eher dark und teils richtig kantig, mit Ausflügen in Richtung Techno, Jungle, UK Garage, Acid, EBM, House und Electro. Zugleich ist das Label eine Plattform für Carmels gute Connections in die australischen und Leipziger Szenen. Da finden Interviews genauso eine Heimat wie Guy Contact und Consulate aus Perth.
Schaut man bei Bandcamp rein, zeigt sich schnell: Bitterfeld Musik hat sich eine beachtliche internationale Fanbase aufgebaut. Sie will einfach Musik for a bitter tomorrow. Ganz im Sinne des besten EP-Titel im bisherigen Labelkatalog.
Zum Schluss noch einmal Carmel. Es ist wirklich Wahnsinn, wie aktiv der australische Wahl-Leipziger derzeit seine Spuren in der Stadt hinterlässt. Gerade kam ja eine neue R.A.N.D. Muzik-Compilation heraus, die auch Carmel kuratiert. Zusammen mit Qnete hat er letztes Jahr noch ein weiteres Label an den Start gebracht: QC Records.

Ich dachte erst, das QC steht für Qnete und Carmel, aber es ist die Abkürzung von Quality Control. Und die scheint ziemlich gut zu klappen bei den beiden. Die drei bisher veröffentlichten EPs sind so herrlich euphorisch und happy. Egal ob sie House, Jungle, Downbeat oder 90s-Rave als Rahmen nehmen – jeder Track klingt so positiv und unbefangen.
Klar, irgendwie auch naiv und voller musikalischer Zitate, aber so what. Neben dem ganzen Dark-Techno-Game ist das eine echte Erfrischung. „Happyrave“ heißt passenderweise ein Track der aktuellen EP. Genau darum geht es den beiden wohl. Ich bin Fan!
Ein 2 Sekunden kurzes Sample schreibt über 20 Jahre Rechtsgeschichte. Das heutige Urteil des BGH im Streit zwischen Kraftwerk und Moses Pelham hat das Potenzial, die elektronische Musikszene nachhaltig zu verändern. Es geht um nichts Geringeres als die Grundlage einer gesamten Musikrichtung. Rechtsanwalt Henning Fangmann ordnet den Fall für uns ein.
Ein Paukenschlag ertönte heute aus Karlsruhe. Dort verkündete der Bundesgerichtshof (BGH) sein Urteil im Streit zwischen Kraftwerk und Moses Pelham. Das Gericht entschied dabei über die Zulässigkeit des Samplings – und damit auch über die Zukunft der elektronischen Musik, wie wir sie bisher kennen. Wie passend, dass dabei ausgerechnet deren deutsche Gründungsväter involviert waren.
Was war passiert?
Dem Urteil ging ein 21 Jahre andauernder Rechtsstreit voraus. Moses Pelham, bekannt als Musikproduzent, Rapper und Nasenbrecher Stefan Raabs, produzierte und komponierte in den 90er-Jahren nahezu alle Songs von Sabrina Setlur, darunter auch den Track „Nur mir“.
Für den Beat des Liedes wurde ein Ausschnitt aus einem Stück der Technopioniere Kraftwerk genutzt. Es handelte sich dabei um ein zweisekündiges Sample aus deren Song „Metall auf Metall“ aus dem Jahr 1977.
Als Sample werden Töne oder Tonfolgen bezeichnet, die einem bereits bestehenden Musikstück entstammen. Werden diese Ausschnitte in ein neues Musikstück eingefügt, spricht man von Sampling. Meist wird das Sample dazu bearbeitet, indem etwa die Geschwindigkeit oder Tonhöhe verändert oder das Sample fortlaufend wiederholt wird.
Auch die von Pelham genutzte Tonfolge, die wie aufeinandergeschlagene Metallstücke klingt, wurde geloopt und leicht verändert und lag dem ganzen Song als Rhythmus zugrunde. Um Erlaubnis gebeten wurde Kraftwerk vorher aber nicht.
Kraftwerk, die übrigens in einigen ihrer Stücke selbst Samples nutzen, war davon nicht gerade begeistert. Deren Gründungsmitglieder Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben haben daher im Jahr 1999 Klage erhoben und wollten vor allem erreichen, dass der Song nicht mehr verbreitet werden darf und Moses P. Schadensersatz für die Nutzung zahlt.
Was folgte war ein wilder Ritt durch die Instanzen um die Frage zu klären, ob überhaupt und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen die Nutzung des Samples ohne Zustimmung von Kraftwerk zulässig ist.
Grundsätzlich ging es dabei um die Abwägung zwischen den urheberrechtlichen Ansprüchen Kraftwerks auf der einen und dem durch die Kunstfreiheit geschützten kreativen Schaffen Pelhams auf der anderen Seite.
Es steht viel auf dem Spiel
Es geht als um Grundsätzliches. Und um die Zukunft einer ganzen Branche. So offenbart ein Blick auf die laut der Website www.whosampled.com meistgenutzten Tracks den maßgeblichen Einfluss von Sampling auf ganze Musikrichtungen.
Weit oben steht dabei der Amen Break, ein über vier Takte reichender Ausschnitt aus dem Song „Amen, Brother“ der Band The Winstons von 1969. Dieses treibende Schlagzeug-Sample liegt als Rhythmus nahezu allen Drum’n’Bass Beats zugrunde. Gleiches gilt für den Think Break, einen Ausschnitt aus dem Lied „Think (About It)“ von Lyn Collins. Ohne Sampling dieser Tracks wäre Drum’n’Bass vermutlich nicht entstanden. Dies ist die kulturelle Seite.
Auf der juristischen Seite steht die Rechte von Komponisten und Producern aus dem Urheberrechtsgesetz. Dem Produzenten eines Albums stehen an den Aufnahmen bestimmte Rechte zu. Das ist das sogenannte Leistungsschutzrecht des Tonträgerherstellers. Dahinter verbirgt sich vor allem das Recht, zu entscheiden, wer in welcher Art und Weise die Aufnahmen nutzen darf. Dabei sind selbst einzelne Töne geschützt und dürfen grundsätzlich nicht einfach ohne Zustimmung des Produzenten verwendet werden.
Das Urheberrecht sieht aber selbst auch Einschränkungen dieses Rechts vor, insbesondere durch das Recht auf freie Benutzung und das Zitatrecht. Im Rahmen dieser Einschränkungen muss auch die Kunstfreiheit der Sampler berücksichtigt werden. Es stellen sich also viele urheberrechtliche Einzelfragen, die zum Teil sehr komplex sind.
Hinzu kommt eine Änderung des Urheberrechts auf europäischer Ebene aus dem Jahr 2002. Diese führte dazu, dass sich sich im vergangenen Jahr auch schon der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit dem Fall befasst und manchen Vorschriften des deutschen Urheberrechts für europarechtswidrig und nicht anwendbar erklärt hat.
Das heutige Urteil
Heute hat der BGH zwar noch keine endgültige Entscheidung getroffen, sondern die Sache nochmal an das OLG Hamburg zurückverwiesen. Dabei hat er dem OLG aber Leitlinien mit auf den Weg gegeben, wie dies den Fall zu beurteilen hat. Die schlechteren Siegchancen hat dabei Moses Pelham.
Nach den europarechtlichen Änderungen im Jahr 2002 ist laut BGH die Verbreitung des Samples ohne Zustimmung von Kraftwerk nur dann rechtmäßig, wenn der durchschnittliche Musikhörer das Original im neuen Song nicht wiedererkennen würde. Im Fall von „Nur mir“ ist das aber nach Ansicht des BGH so.
Damit blieb Moses Pelham nur noch der Notanker des urheberrechtlichen Zitatrechts. Aber auch dies hat der BGH abgelehnt, da aus seiner Sicht für die Hörer nicht erkennbar war, dass der dem Beat zugrundeliegende Loop aus einem anderen Song übernommen wurde. Zudem wurde Kraftwerk nicht als Quelle des Samples benannt.
Auswirkungen auf Sampling und die Szene
Das Urteil dürfte für alle Producer elektronischer Musik große Auswirkungen haben. Der BGH hat klargestellt, dass Sampling nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen zulässig ist. Dies ist von nun an nur noch in vier Konstellationen der Fall.
Erstens, das Sample ist ein Zitat. Dazu muss der Originalausschnitt wiedererkennbar im neuen Song eingebaut werden, mit dem Original interagieren und die Quelle des Ausschnitts etwa im Booklet oder der digitalen Beschreibung benennen.
Zweitens, das Sample wird so stark bearbeitet und verändert, dass es in dem neuen Beat nicht mehr wiederzuerkennen ist. Wann diese Voraussetzung erfüllt sind, lässt sich pauschal kaum sagen.
Drittens, das Sample wird selbst nachgespielt. Das dürfte in der Praxis wohl nicht realistisch sein.
Und viertens, die einfachste und verbreitetste Lösung: Man holt sich vor der Nutzung die Zustimmung der Rechteinhaber ein. Das kann zwar den Schaffensprozess verzögern oder sogar das Sampling unmöglich machen, wenn die Interpreten die Zustimmung verweigern. Es ist aber auf jeden Fall der sicherste Weg.
Ausblick
Nun liegt der Ball also wieder beim OLG Hamburg. Eine Entscheidung des Gerichts ist frühestens Mitte nächsten Jahres zu erwarten. Danach kann sich Moses Pelham überlegen, ob er noch Chancen sieht, mit dem Fall wieder vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen.
Headerbild von Robert Handrow.
Kurz vorm Lockdown waren DŌMU noch einmal mit einer besonderen audiovisuellen Live-Performance in der Leipziger Peterskirche zu erleben. Wer es verpasst hat, kann es nun auf der Live-EP nachhören.
„Suspiria“ ist ein Horrorfilmklassiker aus den Siebzigern. Den Soundtrack dazu steuerte damals die italienische Prog-Rock-Band Goblin bei. Und im Februar 2020 vertonte die Band „ihren“ Film nochmals live in Leipzig. Schön verpasst, ey. Auch das Vorprogramm klingt im Nachhinein viel versprechend. DŌMU hatten eine 20-minütige Performance aufgeführt, bei der neben der Musik auch drei Tänzerinnen abgefilmt und live auf die Leinwand mit Filmelementen projiziert wurden.
Die Musik bringen DŌMU nun aber glücklicherweise als EP heraus. Auch als Soli-Aktion, denn ein Teil der Crew ist durch die Coronakrise in finanzielle Schieflage geraten.
„Live for Suspiria 2020“ enthält die zwei Stücke der Performance und vier Remixe. Die Originale sind schön dark und trippy, sakral und breakig-technoid, teilweise aber komplett auch überfordernd. Gerade der letzte Part von „La Marcia Della Strega“ schraubt sich so unermüdlich und neurotisch ins Mark, das danach zwei Stunden Downbeat nötig wären.
Oder eben die Remixe, die durchweg sehr gelungen sind und etwas runterfahren. In Corecass‘ Version ist die Horrorfilm-Atmo noch deutlich hörbar. Sehr düster, mit einem ätherischem Orgel-Sample und Schwalbengeschrei. Meine absoluten Highlights dieser EP sind aber die Remixe von Pheast und Ezuri. Beide spielen mit einer permanent schwebenden Spannung, wie neverending Techno-Breaks.
„Bardo“ gefällt mir mit seiner Hektik und der angeteasten Euphorie noch einen Tick mehr. Doch statt die erlösende Bassdrum am Ende rauszulassen, fährt er einfach runter. Aber das können ja die DJs noch nachholen. Und dann ist da noch der Remix von Window Magic – ein besänftigend harmonisches Outro, helle, flächig-verwaschene Ambient-Sounds mit etwas Kraut-Flair, ich mag es sehr.
Bei Bandcamp könnt ihr euch das ganze Paket herunterladen – für 6,66 € oder mehr.
Die Situation für viele Künstler*innen der Subkultur war vor der Krise schon prekär. Seit März haben die meisten nun so gut wie gar kein Einkommen mehr. Zusammen mit Ana Bogner kämpfen wir uns durch Förderanträge und stellen uns auch der persönlichen Challenge, trotz allem positiv in die Zukunft zu blicken.
Ob Bestimmungen, Kontaktverbote oder neue Informationen über Förderungen: Die Lage in der Corona-Krise änderte sich in den letzten Wochen beinahe täglich. Ana Bogner und ich hatten unser Interview bereits kurz nach Bekanntgabe der Corona-Soforthilfe durch den Bund aufgenommen, aber mit der Veröffentlichung zögerte ich ich aufgrund der Nachrichtenlage noch.
Nun ist das Thema aber zu wichtig, daher habe ich durch eine Recherche viele zusätzliche Infos zur Denkzeit, zu Spotify und weiteren Fördermöglichkeiten ergänzt. Auch Schlepp Geist, Live-Musiker und Produzent aus Leipzig ist in dieser Folge dabei. Er hat sich mit der Gema und der GVL beschäftigt.
Es geht also ums Geld… und darum, wie Künstler*innen gerade in der Corona Krise überleben (sollen).
Redaktion und Produktion: Kathi Groll
Sprecher: Felix Gebhardt
Danke an Ana Bogner für die Musik dieser Folge!
Wenn der Bauausschuss des Bundestags in einem Fachgespräch über das Clubsterben debattiert, dann muss euch eins klar sein: Das kommt nicht von ungefähr!
Engagierte Veranstalter*innen, Clubbetreiber*innen und Akteur*innen der Szene bringen ihre Themen und Probleme seit Jahren in die Öffentlichkeit, suchen auf lokaler Ebene nach Lösungen und wirken als Schnittstelle zwischen Politik und Nachtkultur. Eine von ihnen ist Kordula Kunert, Vorstandsvorsitzende der Livekomm in Leipzig. In der neuen Folge TalkTalk erzählt sie, was die Livekomm ist, wie die Mitwirkenden arbeiten und warum Techno endlich als Kultur, und nicht als Vergnügen wahrgenommen werden muss.
Was wünscht ihr euch von der Politik?
Schreibt es uns in die Kommentare!
Note Note – Der Podcast entstand noch vor der Krise – und trotzdem könnte das Thema nicht aktueller sein, da unsere Clubs durch den Ausfall von Veranstaltungen vor finanziellen Problemen und damit vor dem Aus stehen. |
Soli-Ticket der Live-Komm
Ihr wollt Leipziger Clubs in der Corona-Krise unterstützen? Hier findet ihr alle Infos zum Soli-Ticket der LiveKomm.
Und hier geht’s zum Podcast…
Redaktion und Produktion dieser Folge: Kathi Groll
Gast: Kordula Kunert
Schon lange gibt es in Leipzig Versuche, für freie Kultur- und Open Air-Kollektive eine sichere Plattform zu schaffen, über die sich Veranstalter*innen austauschen können.
Ob es um die Ausleihe einer Musikanlage geht, um Tipps und Hilfe beim Aufbau oder einfach darum, Erfahrungen über die sichersten Open Air Spots zu teilen. Ein gemeinsames Forum könnte unsere freie Kultur in Leipzig wiederbeleben. Denn in den letzten Jahren ist es immer
ruhiger um die Kollektive geworden, da Open Airs im Fokus der Polizei standen und empfindliche Strafen verhängt wurden. Eine solche Plattform für freie Kollektive zu gründen, ist allerdings gar nicht so einfach.
Kollektive, Organisation, Rechtliches
Wie bleiben die Identitäten der Macher*innen geschützt, wer stellt sich an die Front, um Kontakte zur Stadt und zu Entscheider*innen aufzunehmen und was brauchen Kollektive überhaupt, um ihrer Veranstaltungen organisieren zu können? Das alles wird gerade gemeinsam diskutiert, denn seit dem letzten Jahr gibt es tatsächlich eine Initiative für die Leipziger Kollektive: VAK.
Für die neue Folge Talk Talk hat Kathi zwei der Organisatoren getroffen.
VAK
Ein ganz großer Dank geht an Fritz und Fabian von VAK für die Einblicke, denn ja, sie sind Teil der Initiative und gehen damit an die Öffentlichkeit, um ihre Themen auf den Tisch zu bringen, dennoch sollten wir sensibel mit ihren Daten umgehen.
Hier findet ihr mehr Infos:
Livekommbinat Leipzig livekommbinat.de
Space of Urgency spaceofurgency.com
Wir haben übrigens ein Zine zur Open Air-Kultur in Leipzig in unserem Bandcamp-Shop. Geschrieben von Lea Schröder, illustriert von Sophie Bocke. Ihr bekommt das Minizine hier.
Redaktion & Produktion: Kathi Groll
Musik: fragmentiert
Nicht nicht mal 30 Jahre alt und schon so ein reifes Werk. Die Rede ist von Philipp Rumsch. Mit seinem Ensemble hat er gerade ein neues Album veröffentlicht – und das ist ein wirklich großer Wurf.
Bevor es losgeht, noch ein kurzer Reminder: Philipp Rumsch ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch aus der Leipziger Hochschule für Musik und Theater immer wieder spannende elektronische Musik kommt. Wir hatten kürzlich mit unserer „Close to …“-Reihe ein Video dazu veröffentlicht.
Rumsch hat in den letzten Jahren solo und im Ensemble sehr hörenswerte Releases herausgebracht, darunter beim renommierten Denovali-Label. Dort erscheint auch das neue Album „µ: of anxiety x discernment“. Konzeptionell widmet es sich dem Thema Angst. Ausgelöst durch eine anfängliche Kompositionsblockade kam Philipp Rumsch die Idee, die Angst vor dem kreativen Beginn als Anlass für eine tiefere Auseinandersetzung mit verschiedenen Facetten der Angst zu nehmen.
Und so arbeitet er erstmals mit selbst geschriebenen bzw. kuratierten Texten, bei denen es um Angst geht. Wie sie sich anfühlt, im Kopf und Körper. Klar, dass da auch einige aufwühlende, dissonante Momente das Album prägen. Am Anfang ist davon aber noch nichts zu spüren. Die ersten beiden Tracks starten sinfonisch mit hintergründiger Elektronik und mit reduziert-entschleunigtem Jazz.

Mit „A3“ beginnt dann eine emotionale und poppige, aber auch unkonventionelle Phase mit verschiedenen Sänger*innen und Stimm-Samples. Und die zieht mich am stärksten ins Album. Ich mag voll, wie vielseitig mit den Stimmen umgegangen wird. Mal mit Filtern verfremdet, verzerrt und entrückt, dann wieder mit erhabener Indie-Wehmut. Zwischendrin ein intimer, fast verstörend authentischer Spoken-Word-Part von Arpen.
Die Musik des 12-köpfigen Ensembles ist dabei immer sehr nah und präzise dran an den verschiedenen Stimmungen:
On point und extrem vielseitig zugleich.
So vereint „µ: of anxiety x discernment“ ebenso eingängige Songs wie auch improvisierte oder komplex durchkomponierte Tracks. Vertont durch repetitive, subtile Sounds und minimalistische Arrangements sowie durch die einnehmende, teils orchestrale Präsenz eines größeren Ensembles
Konzeptionell steckt noch mehr in dem Album: Es ist in der Anordnung der Tracks spiegelverkehrt angelegt. Philipp Rumsch meint dazu: „Auf der ersten Seite geht es immer tiefer in die Psyche rein und auf der zweiten Seite dann umgekehrt raus aus diesem Zustand – angelehnt ist das an Theorien von Anton Ehrenzweig über die Psychologie des kreativen Prozesses.“
Ehrlich gesagt: Musikalisch höre ich davon nicht wirklich etwas heraus, in den spiegelverkehrten Track-Titeln erschließt es sich aber. Doch das braucht es auch nicht, denn „µ: of anxiety x discernment“ ist in seiner Vielschichtigkeit und der musikalischen Qualität das erste Album von Philipp Rumsch, das sich nachhaltig bei mir einprägen wird.
Damit ihr den Überblick nicht verliert – diese Aktionen könnt ihr mit euren Euros unterstützen und damit Clubs und Kulturstätten in Leipzig und Dresden unterstützen.
Einfach ist es derzeit nicht, für niemanden. Viele strugglen, die Isolation schlägt bei der*dem ein oder anderen langsam aber sicher auf’s Gemüt und wir sehnen uns nach Feiern, Freiraum, Freund*innen.
Damit wir unsere geliebten und sehnlichst vermissten Clubs nach dem Lockdown und der Ausschleich-Phase noch haben, in denen wir loslassen, tanzen und frei sein können, können wir sie unterstützen. Nicht nur mit Geld, auch mit unserer Haltung. Denn nicht jede*r hat ein paar Euro locker, viele blicken in finanziell unsichere Zeiten oder stecken schon mitten drin.
Wer dennoch etwas Geld übrig hat, das er sonst im Club ausgegeben hätte, hier unser Vorschlag:
Investiert in die Zukunft der Clubs!
Die Startnext-Aktion der Distillery (noch bis zum 17. Mai) findet ihr hier.
+++
Auch das Mjut hat eine Startnext-Aktion ins Leben gerufen. Die Aktion läuft noch bis zum 10. Mai – also seid schnell!
+++
Das objekt klein a in Dresden hat einen ganzen eigenen Shop eingerichtet mit super edlen und tollen Bauchtaschen, Brustbeuteln und Shirts.

Nicht zu vergessen: Das Soli-Ticket der LiveKomm. Was es damit auf sich hat, haben wir in einem eigenen Artikel für euch zusammengefasst. Mit 10 oder 25 Euro unterstützt ihr folgende Clubs: Conne Island, Institut fuer Zukunft, TV-Club, Moritzbastei, elipamanoke, UT Connewitz, WERK 2, Noch Besser Leben, Distillery und mjut. Hier geht’s zum Ticket!


Ihr habt noch mehr Soli- und Startnext-Aktionen von und für Clubs in und um Leipzig? Schreibt sie uns in die Kommentare und wir führen die Liste weiter!
Bis dahin: Stay safe!
Zweimal Electro, einmal House. Einmal Leipzig, zweimal außerhalb. Amy stellt drei bevorstehende Releases vor.
R.A.N.D. Muzik bleibt seinem beständigen, high-quality Output treu, die Crew rund um Warning nivelliert ein wenig ihre verloren gegangene Veranstaltung, und ein niederländischer Künstler erscheint auf einer finnischen Platte, die von Leipzig aus vertrieben wird. Wenn es um Deep House, Breakbeats oder Electro geht, spitze ich gerne meine Ohren.

Bangers on bangers on bangers on bangers. Wer immer noch nichts von R.A.N.D. Muzik gehört haben sollte, dürfte spätestens jetzt die Ohren gespitzt haben.
Chef-Kurator DJ Carmel hat für die RM12007 mal wieder ein paar absolute Schätze ausgegraben und das Producer-Duo Mother Of Pearls (Tom Jarmey & Ed Hodge) aus Manchester in die R.A.N.D.-Family eingeweiht. Diesmal dreht sich die Platte musikalisch ein wenig mehr in Richtung Electro/Breakbeat als die letzten EPs und reiht sich mit vier über-frischen Tracks in die eindrucksvolle Label-Diskografie ein.
Zwar läuft der erste Track, From the Cavern, auf 150bpm ganz schön flott über die A-Seite, dabei bringt er jedoch eine richtige smoothness mit sich. Durch den Hintergrund schweben Enya-mäßige Vocals und sanfte Chords; freche Synthies und Breaks geben den Rhythmus vor. Eine mega funky Bassline treibt ebenfalls voran. Ein richtiger, ausproduzierter Traum, ob auf Originalgeschwindigkeit oder 16 Prozent nach unten gepitched gespielt. Fave!
A2. Liminate. Runter auf 130. Mystisch kommt der Track zu Beginn daher, mit einer dicken Sirene und verspielten Sounds. Und dann fängt er erst richtig an. Wie wunderbar komplex und spannend dieser Track ist, kann ich gar nicht versuchen in Worte zu fassen.
Dreams for Breakbeat-lovers. Instant buy.
Das Thema eines ~150bpm und eines ~130bpm Tracks wird auch auf der B-Seite fortgesetzt und auch das Sirenen-Sample der A2 wird auf beiden Titeln weiterverwendet. Die B1 ist hierbei eine eher straighte Electro-Nummer, während die B2 deutlich milder und melancholisch angehauchter ist.
Insgesamt eine sehr sehr vielseitige, gewohnt hochwertige Platte. Fettes Ding.

Etwas flotter als gewohnt und mit einem klaren Fokus auf Electro geht es neben R.A.N.D. Muzik auch bei der neuen Warning-Platte zu, die zwar nicht ganz in unser „electronic music from leipzig“ Schema passt, jedoch garantiert nach der Krise ihren Platz auf den Dancefloors dieser Stadt finden wird.
Das innovative Berliner Projekt „Warning“ überzeugt von allen Seiten – freshe, auffällige Artworks, Bookings und Partys, nices Merch, killer Platten. Und nach der letzten 7″ mit Giraffi Dog auf der A-Seite und Your Planet Is Next auf der AA wird auf der WAR2001 nochmal dick nachgelegt.
Reptant aka Lou Karsh aus Melbourne kümmert sich mit dem Track Lizard of Oz um die A-Seite. Längst kein unbekannter Name im Bereich Electro mehr, beweist der Producer einmal wieder sein Können für aktuelle, acid-infused Electro-Sounds. Das Ding ist clean und kantig und baut sich mit mega viel Energie auf; nicht zu lang, nicht zu kurz.
Made for the club.
Seinen typischen, charakteristischen Electro-Sound bringt auch Sansibar an den Start – auf der AA. Laid back und geheimnisvoll, mit einem namensgebenden, effektiven und prägnanten Sample („My Boom„). Head bouncer, booty shaker.
Die EP erscheint an demselben Datum, an dem die nächste Warning-Veranstaltung im ://about blank stattgefunden hätte: dem 02. Mai. Stellvertretend für die Fraktion Leipzig wäre T-Data als DJ angereist, auch Sansibar und Reptant wären als Liveacts zu Gast gewesen.

Same game: zwar ist Echocentric Records ein finnisches Label und Böhm ein niederländischer Künstler, jedoch wurden die letzten zwei ECR-Platten (DJ Life und Armec, beide sehr empfehlenswert) auch schon über die Leipziger Vinyl-Distribution Shite Music vertrieben.
Die in Kürze erscheinende EP ist verspielt und facettenreich, jedoch irgendwie sehr simpel aufgebaut und die Titel folgen dem cheesy “Beach Life„ Muster: Cloud Control, Ocean View, Coastline Cruiser und Sunset Drive. Insgesamt geht das Ding in Richtung Chicago- und Italo-House, mit einer starken Vorliebe für Acid-Lines.
Mein Favorit ist for sure die B2. Dreamy und melodisch, energetisch und stark zugleich. Dancefloor-Knaller.
Nach der Two Play To Play-Kooperation mit dem Gewandhaus im letzten Jahr kommt im Juli 2020 ein neues Solo-Album von Micronaut. Vorab gibt es hier bei uns die erste Single mit Video.
In diesem Jahr kommt ja einiges durcheinander. Unter anderem wird die Olympiade 2020 in Tokio verschoben. Das dürfte nicht nur für die Athlet*innen bitter sein. Denn das kommende Album von Micronaut hat ausgerechnet Olympia als inhaltlichen Aufhänger. Und es sollte natürlich während der Spiele veröffentlicht werden.
Nun kommt es trotzdem im Juli bei Christian Löfflers Label Ki Records heraus – mit zwölf Tracks, die nach olympischen Sportarten benannt sind. „Swimming“ ist ein erster Vorgeschmack darauf. Ein schöner Mix aus Breakbeat-Pop mit leicht melancholischem Grundton und dem Gesang von Friederike Bernhard. We like!
Update, Update: Wir haben weitere musikalische Empfehlungen für lange Quarantäne-Tage für euch zusammentragen.
(Viel zu) lange hat man nichts mehr von Cuki gehört. Widmet er sich sonst eher der eigenen Musikproduktion, blickt er nun aus seiner Quarantäne hervor, um uns mit seinem neuen ‚Isolation Mix‘ die Zeit Zuhause, im Home Office oder beim Spaziergang im Park schöner zu machen. Erst kuscheln, dann clubben – so könnte der Mix kurz und knapp zusammengefasst werden. Sollte er aber nicht: Warm fühlt es sich beim Zuhören an, durch und durch. Irgendwie scheint mit dem Mix fast alles besser zu gelingen: auf dem Balkon in der Sonne sitzen? Check. Melancholisch aus dem Fenster schauen? Besser geht´s nicht. Mit der Katze auf der Couch liegen? Will nie wieder was anderes machen. Auch das Arbeiten fällt leichter, denn die Tracks pushen, aber entspannen zugleich. Irgendwie ermutigt das Zuhören. Die gesamte Zeit ist da ein positiver Vibe. Die Steigerung im Mix bringt dann letztendlich auch das Home-Tanzbein zum Schwingen. Groovend und mit Wein in der Hand ist das Warten bis zur (endlich) nächsten Party gar nicht mehr so schwer.
Dringende Empfehlung für alle, die ab und an dem 80s House-Diskofieber verfallen & for that small breeze of Latin freestyle right out of NYC:
Gesamplet von Arman van Helden in I want your Soul ist dieser Track vielen vermutlich bekannt – das Original verdient meiner Meinung nach aber mindestens genauso viel Aufmerksamkeit. Auch gut ist das Cover von Degrees of Motion, kommt aber nicht an Siedah Garrett ran.
*
Vom neuesten Petrola-Crew-Member Kevin Swayze gibts einen Mix aus der Reihe Get Petrolized: #stayhome, #staypetrolized. Da gibts auch ein bisschen was vom Disko Vibe, viel mehr aber auch eine gute Dröhnung Techno. Wenn schon nicht im LNDT-Keller, dann wenigstens right into your quarantine homes.
Kinda witty, kinda sassy, kinda nostalgic – Karmaxutra, der unter vier Leipzigern als einziger Chemnitzer zu Gast war, hat letzte Woche im “Under the Scope„ Stream ein KILLER Set rausgehauen. Frauenarzt, Chief Keef, böse Electro Tracks, softer Garage und zum Abschluss ein Kim Possible title track Remix. Was los??
*
Während ich in wunderschönen Erinnerungen aus dem letzten Jahr schwelge und über den diesjährigen, verloren gegangenen Festivalsommer trauere, höre ich von Zeit zu Zeit mein eigenes Set vom Artlake Festival 2019. Sonntag Abend, die Sonne ging gerade unter, unter meinen Füßen der Holzboden der Steele-Stage. Memories of summer …
*
Kennt ihr das, wenn ihr Sets schon so oft gehört habt, dass ihr sie schon auswendig kennt? Für mich ist das beim Bake le Cake Set von Janthe der Fall. Mega vibey und einfach ein krasser Allrounder. Geht immer. Listen up!
Das ist der passende Sound zum Wohnzimmer-Gymnastik-Pogo: T-Data packt hier eine Menge verrückte Bass-Musik aus. Mal sehen, wie gut die Trittschalldämpfung ist.
*
Solaris hat Tinkah in ihre Sendung auf Rinse.fm eingeladen, der eine Stunde lang freshen Sound abseits der geraden Bassdrum aus Leipzig spielt. Super Sache, denn die Stadt hat ja nicht umsonst mal den Beinamen „Leftfield-Leipzig“ von irgendwem bekommen …
*
Oha, das Closing-Set der (Post) Punky Dubby Reggae Party von Al-Haca zeigt gut, welche Formen von Dub- und (Post-)Punk-inspirierter Musik sich im UK entwickelt haben. Prophetischerweise endet das Set mit dem Klassiker „Ghost Town“, der unfreiwilligerweise sehr aktuell ist.
*
Auch kleinere Locations streamen Sets in der Zwangspause und laden sie später hoch. Im Rahmen der Reihe FCKW gibt es eine Stunde bassige Electronica von ALX auf YouTube zu hören und sehen.