Distillery in der Wandelhalle

10.000 Unterschriften sind bei der Online-Petition zum Erhalt der Distillery eingegangen. Morgen, am 22.1. werden sie dem Oberbürgermeister übergeben. Das Datum ist bewusst gewählt.

An jenem Mittwoch findet die Stadtratssitzung statt, in dem über dem Antrag dreier Parteien zum Erhalt des Clubs entschieden wird. Um 13:45 Uhr bekommt der OBM in der Wandelhalle des Neuen Rathauses aber erstmal einen ganzen Packen an Unterschriften überreicht. Außerdem steht eine Urne dort, aus der jeder Stadtrat einen Zettel mit Pro-Argumenten herausziehen kann. Wenn er sie denn noch braucht.

Das Gelände hinter dem Bayerischen Bahnhof wurde zwischenzeitlich an die Leipziger Stadtbau AG weiterverkauft. Mit denen sind die Distillery-Betreiber bereits in Gesprächen mit der Vereinbarung, „zusammen eine positive Lösung für beide Seiten zu entwickeln.“ Eine Ablehnung des Antrages wäre noch kein generelles Ende für die Distillery, es würde das Setting für die weiteren Verhandlungen aber wohl erschweren.

Bei der Übergabe kann übrigens jeder dabei sein. Also, es ist sogar außerordentlich erwünscht. Über 400 Leute haben bei Facebook bereits zugesagt. Könnte voll werden. Die Leipziger Internet Zeitung streamt die Sitzung dann live.

Stanley Schmidt & Talksi „Split EP“ (Rivulet Records)

Eine neue Platte von Rivulet Records gibt es. Eine Split-EP mit je einem Track von Stanley Schmidt und Talski.

Irgendwie hat es Rivulet Records mit nur vier Platten geschafft, einen Geheimtipp-Status aufzubauen, bei dem jede neue Platte sich besonders anfühlt. Ah, eine neue Rivulet. Bestimmt liegt es an der Unaufgeregtheit des sehr musikalischen House-Sounds, den das Label bisher präsentierte.

Und natürlich an der Covergestaltung, die der Poesie des Klangs eine visuelle Ebene verleiht. Auf der ersten Split-EP ist es das Bild eines zurückgelassenen Bettes. Kissen und Bettdecke liegen noch aufgewühlt herum. Durch die Fenster fällt Sonne. Süße Melancholie at it’s best.

Die beiden Stücke greifen exakt dieses Gefühl auf. Stanley Schmidt epischer mit warm schwingenden Streichern, Talksi vertrackter und fragiler. Zwei verschiedene Facetten mit einem ähnlichen Ausgangspunkt also.

Spannend bei Schmidts „Snõi“ ist der mäandernde Switch vom Bedrückenden hin zum Gelösten. Ein unglaublich langgezogener Moment. Auch bei Talski geht es um das Ausloten des Momentes. Nur, dass er die eingeschlagene Linie nicht verlässt.

Stoisch arbeitet er mit ganz wenigen Elementen und teast hier und da die Deepness an. Beides Hits auf ihre Weise. Und die für mich beste Rivulet-Platte bisher. Auch wenn die vorherige Talski-EP bereits groß war.

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Kiorda Däkin remixen

Interstellar Paradise ruft zum Remix-Contest auf. Bis zum 28. Februar könnt ihr mitmachen.

Die Spuren von „Rocketz“ von Kiorda Däkin & Amid Emteori stehen ab sofort zum Download bereit. Das Original ist unten zu hören. Die drei besten Einsendungen kommen dann auf die geplante EP.

Instellar Paradise ist ja eines der wenigen Labels hier, die sich auch mit der Trance-Deepness beschäftigen. Das klingt bei „Rocketz“ auch deutlich hervor, gerade zum Ende hin kommt ein gehöriger Flächenschwall – plus ein Vocal nebenher.

Also: entschlacken oder verstärken. Bis Ende Februar ist Zeit. Einsenden an: network@interstellar-paradise.com. Dass es bei Kiorda Däkin auch anders geht, war auf seiner letzten EP eindrucksvoll zu hören.

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Sable Sheep „Barricades EP“ (Moon Harbour Recordings)

Moon Harbour startet mit einer neuen Sable Sheep-EP ins neue Jahr. Die erste von ihm auf Vinyl.

Ich weiß nicht genau was es ist, aber irgendwas zieht mich bei Sable Sheeps Stücken an. Obwohl sie weitgehend nahtlos in den cleanen und loopigen Moon Harbour-Sound reinpassen. Vielleicht ist es der minimal stärker wirkende Druck. Bei Sable Sheep ist alles etwas voluminöser.

Die super reduzierten Arrangements sorgen aber dafür, dass es sich nur selten in einen pumpenden Rave-Overkill hochschaukelt – wobei der Rave wohl tief in ihm schlummert. Und er arbeitet immer wieder mit langen, verschlungenen Vocal-Samples.

Besonders bei der neuen EP. „Cargo Room“ und „Barricades Of Nowhere“ – gemeinsam mit dem Argentinier Fosky entstanden – sind ganz entscheidend davon geprägt. Mit rollendem Bass dagegen „The Forgotten Ones“ – neben „Barricades Of Nowhere“ mein Favorit auf der EP.

Dan Drastic raut letzteren Track mit dezenter Acid-Note an. Im direkten Nebeneinander wird einem hier noch einmal mehr die dicke Bassdecke bewusst, die Sable Sheep über seine Stücke legt. „Cargo Room“ knüpft mir hingegen zu sehr an den Hit-Ansatz von „Upon Burning Skies“ an.

Es ist übrigens die erste Sable Sheep-EP, die bei Moon Harbour auf Vinyl erscheint – als Bonus ist „Upon Burning Skies“ auch noch einmal mit drauf.

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Neonlight „Power Hour EP“ – Open Review

Ein neues Format, aus der Not geboren. Denn es gibt eine neue Neonlight-EP und ich weiß nicht, wie ich sie vorstellen soll. Also seid ihr dran.

„Power Hour“ heißt die EP, die Ende Dezember letzten Jahres beim britischen Label Lifted Music herauskam. Es ist nicht die erste EP der beiden dort. Dass mir Neonlight zu viel Feuerwerk sind, dürfte in den wenigen bisherigen Vorstellungen bei frohfroh bereits deutlich geworden sein.

Wo liegt aber die Faszination bei Neonlight – generell und speziell bei „Power Hour“? In den präzise-peitschenden Rave-Arrangements? In den alles überrollenden Basslines? Den ebenso eingängigen wie böse dreinschauenden Sounds? Mir kommt da meist nur orchestraler Übereifer in den Sinn.

Aber ich bin auch nicht der richtige Ansprechpartner dafür und vielleicht überhöre ich den entscheidenden Punkt. Insofern wünsche ich mir, dass diese Review weiter wächst – um eure Gedanken. Die Kommentarspalte gehört euch.

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„Aufschwung Ost – here we go“

Am Wochenende machte bei Facebook ein Mitschnitt von Viva Housefrau aus dem Jahr 1995 die Runde. „Techno im Osten“ – ein wunderbares Zeitdokument.

Fünf Minuten zurück in die Neunziger. In dem Viva-Beitrag erzählen Jana, Weirl Beats, Markus Welby, Andrew, Cora S. und Raik E. von den Mühen der ersten Leipziger Techno-Jahre.

Und die bestanden damals in erster Linie darin, überhaupt erst einmal als Szene ernst genommen zu werden. Der typische Nachwende-Clash auf Techno herunter gebrochen also. Während heute von einer West-Dominanz keine Rede mehr sein kann, haben die Erfahrungen von Cora S. als Frau an den Plattenspielern nichts an Aktualität eingebüßt.

Interessant auch, wie kurz die Zeit der Plattenläden im Nachhinein währte. Im Beitrag gehen alle davon aus, dass es noch zu wenige gibt, sich das jedoch bald ändern wird. War auch so. Aber heute gibt es quasi nur noch einen.

Unbedingt ansehen.

Label-Upgrade bei Esoulate Music

Neues Jahr, neues Label-Modell – Esoulate Music verabschiedet sich vom Net-Label-Ansatz.

Seit 2011 betreibt die Booking-Agentur auch ein Label, das zur Heimat von Dsant, Klima, Lootbeg, Bigalke & Sunset wurde. Net-Labels sind ja gut für den Start. Kein großes Budget-Risiko. Dafür erreicht man mit dem richtigen Engagement eine erstaunliche Verbreitung. Nur: alles ohne Rückfinanzierung.

Bei Esoulate dürften zwar eh die mit den EPs verbundenen Bookings relevanter gewesen sein, doch als Label geht es nun dennoch einen Schritt weiter. Ab sofort werden die Veröffentlichungen über Beatport & Co vertrieben.

Das wird sicherlich erstmal einen ordentlichen Knick bei den Download-Zahlen nach sich ziehen. Allerdings hat sich Esoulate in den vergangenen zwei Jahren doch einen gewissen Ruf aufgebaut – und mit ihm vielleicht auch die entsprechende Loyalität der Fans gegenüber den Künstlern.

Zum Start gibt es die Best-of-Compilation „N°001“. Und wer eine dreistellige Nummernreihe für die Katalognummern aufstellt, hat wohl noch einiges vor.

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Zwischenwelten auf Vinyl

Zwischenwelten wird zum Label – schon eine kleine Überraschung. Chris Manura bringt die erste Platte heraus und erklärt, was zu erwarten ist.

Kurz vor Weihnachten kam die erste Platte unter dem Zwischenwelten-Banner heraus. Bislang stand der Name nur für Partys an verschiedenen Locations. Draußen und drinnen, Psy-Trance und Tech-House. Chris Manura stieß vor gut zwei Jahren dazu, er brachte wohl auch die Label-Idee mit ein und betreut es nun.

„Das Label ist eine logische Weiterentwicklung, ein Schritt nach vorne, um auch mal über die Grenzen von Leipzig hinaus zu kommen“, meint er. Befreundeten und „ganz neue Künstlern“ aus Leipzig soll es eine eigene Plattform geben. Natürlich in erster Linie als Chance für die eigene Musik. Doch hermetisch auf den Freundeskreis ist das Label nicht angelegt.

Und: Vinyl only, in kleinen handgestempelten 200er-Auflagen. Mir kam ehrlich gesagt als erstes die Frage in den Sinn, ob es wohl auch Psy-Trance-Platten auf Zwischenwelten geben wird – immerhin eine wichtige Säule der Partys. Aber: Nein, vorerst nicht, so Chris Manura.Er bespielt die erste EP, mit seinem Track „Aleph“, Douglas Greed von Freude am Tanzen steuert einen Remix bei. Und hey, „Aleph“ ist für mich Manuras bisher spannendstes Stück. Die breakigen Beats betten seine sonst etwas weit ausholenden Rave-Momente ganz neu ein.

Sphärisch aufgeladen ist es auch hier, allerdings mit klareren Akzenten, aufgeräumter und an den richtigen Stellen auf die große Umarmung angelegt. Eigentlich hätte es davon keinen Remix geben dürfen, manche Tracks sollten einfach für sich stehen.

Und Douglas Greed fokussiert sich auch noch sehr stark auf die Fanfaren von „Aleph“, untersetzt mit einer derben, geraden Bassdrum. Für die Peaktime, klar. Trotzdem. Aber es ist ja erst der Anfang. Und der klingt auf der A1 sehr überzeugend.

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Live vom Rooftop – Webermichelson

Webermichelson haben gestern ihr Live-Set von der Doumen Rooftop-Nacht bei Soundcloud hochgeladen. Es ist nicht die einzige Neuigkeit zu dem Duo.

Das Debütalbum kommt in den kommenden Wochen nämlich noch einmal auf Vinyl heraus. Vorher war es nur auf einem limitierten Tape und als freier Download verfügbar. Die Testpressung wurde bereits abgenickt, das Artwork auch. Lange wird es also nicht mehr dauern.

Derweil schafften es Webermichelson im letzten Jahr unter die Top 4 der Leipziger Bands, die zum Großen Preis eingeladen wurden. Und dass trotz der erfreulich offenen Soundansätze, immerhin bewegen sich die beiden weit entfernt von klassischen Pop- oder Rock-Strukturen.

Das ist auch auf dem Mitschnitt ihres Live-Sets beim Doumen-Abend im Kaufhaus Held zu hören. Trippig, krautig, zum Schluss hin sogar etwas ins Esoterische abdriftend verwischen Webermichelson die Grenzen – zwischen allem eigentlich.

Als WAV-Datei haben sie das Set bei Soundcloud hochgeladen, es braucht also etwas Platz auf der Festplatte.

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Hart voten – Die Goldene Yvonne 2013

2013 ist zu Ende, hat jeder gemerkt. Nun kommen die Fragen. Zusammen mit It’s Yours gibt es auch in diesem Jahr wieder den gemeinsamen Leserpoll. Ihr seid dran.

Die Goldene Yvonne findet wieder in zwei Phasen statt – erst freie Nennungen. Aus denen sammeln wir dann eure Favoriten heraus und stellen sie anschließend noch einmal zur finalen Abstimmung .

Bis zum 7. Februar ist Zeit, am 12. werden die Ergebnisse dann über Radio Blau bekanntgegeben.  Wir sind gespannt auf eure Antworten. Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas – auf der Abstimmungsseite ist alles notiert.

Danke an dieser Stelle an Resistant Mindz, O*RS, Kapitaldruck, 45Seven, Holger Records, Riotvan, die Distillery, Mottt.fm und It’s Yours für die Geschenke.

Falls jemand vergessen hat, was alles im Jahr 2013 an elektronischer Musik aus Leipzig kam, findet hier noch einmal alle Platten-, Label- und Artistvorstellungen vom letzten frohfroh-Jahr.

Lootbeg „Don’t Hold Back“ (All Over It Records)

2013 ist das Jahr, in dem ich – zugegeben etwas spät – Lootbeg entdeckt habe. Da passt es, wenn er es auch beschließt.

Mit der letzten Plattenvorstellung für dieses Jahr. Vor wenigen Tagen erschien nämlich auf dem britischen Label All Over It Records seine „Don’t Hold Back“-EP. Lootbeg mag es classic – egal ob House- oder Techno-geerdet. Das war auf seiner Esoulate-EP ebenso zu hören wie bei seinem Nebenprojekt dwntmpo.

Mit den beiden neuen Tracks hier legt er mit arm-hoch-werfenden Piano-Chords und trockenen Bassdrums nach. Neunziger-House, wenn man es böse meint. Ein versierter Blick zurück, wenn man es beim Blick auf die Sounds belässt. Das Vocal-dominierte „Take Me Gurl“ könnte mit seinem lässigen Disco-Einschlag auch gut zu Rose Records passen.

„The Mood“ klingt dagegen etwas verschlungener, weniger offensiv und mit runter gedimmten Phasen. Zwei No-Name-Remixe gibt es noch oben drauf – von Dom Samba und Jack Light.

Letzterer bringt dabei die spannendere Bearbeitung von „Take Me Gurl“ hervor, weil er den Classic-House-Anstrich dunkler einfärbt. Es schillert danach weiterhin, jedoch etwas treibender. Gute Jahresrausschmeißer.

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Tomika „The Picture EP“

Im Sommer war hier erstmals von Tomika die Rede. Bevor im kommenden Frühjahr sein Debüt-Album kommt, gibt es noch eine Fan-EP.

In Eigenregie veröffentlicht, 99 handnummerierte CD-Exemplare. Auf dem US-Label Organik soll dann im Frühjahr 2014 das Album folgen. Noch einmal zur Erinnerung. Tom Streller ist Tomika, Indie-Folk mit Electronica-Erdung und einer gewissen Offenheit für Pathos – das ist sein Sound.

Auf der “The Picture“-EP wird der weiter ausgearbeitet. Ein Styrofoam-Cover ist als digitaler Bonus auch dabei. Es offenbart den musikalischen Referenzrahmen für Tomika, der auch klassische Rock-Elemente kennt und sich nicht vor Gitarren-Soli scheut.

Bei „Everything“ merke ich aber zum Schluss hin doch, wie sehr ich raus bin, wenn es zu rock-rührselig wird. Wird es dagegen klanglich aufgeräumter, wie z.B. bei „Good Night, Lilly“ oder „The Perfect Circle Sonata“ komme ich auch wieder näher heran an Tomika.

Übrigens noch einmal dabei: „Fall In Springtime“, ein kleiner Hit, der über die letzten Monate noch etwas Zeit zum Wachsen hatte.

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