Fotoporträt – supaKC

Viel Technik auf engem Raum

Das kleine Studio-Setup, das supaKC sich in einem Raum in ihrer Wohnung aufgebaut hat, war fotografisch eine Herausforderung, viel Technik auf engem Raum, but we did it.

Und nicht nur das, der Besuch bei KC war etwas anders als die Bisherigen und das möchte ich nicht unerwähnt lassen. Während der Session hat sie teils live eingespielt, teils mit alten, bereits fertige Tracks experimentiert, sodass ich an ihrem kompletten Arbeitsprozess teilhaben durfte.

Das heißt auch: Ab und zu mal für die Theorie hinter dem Produzieren in ein Buch schauen, das heißt etwas über Gesangstechniken zu lernen (Alexander-Technik, look it up) und das heißt auch, über die gemeinsame Liebe für 80s alternative/wave und düstere Synthies zu sprechen. Zum Abschied bekam ich von KC ein Tape, zum Glück hat mein alter Walkman mehrere Umzüge überdauert, also gibt’s spontan noch eine kurze Review der neuen EP: supaKC x noisx answer – don‘t push the river. 

Review, Review

supaKCs neue EP läd erstmal mit cozy Synthie-Beats und super weichen Vocals zum Träumen ein. Sick of being sick schafft sich Platz mit kratzigen Beats und ist trotzdem dreamy, spacey, soft. Spätestens mit den ersten Synthieklängen von Tragic Moment und KCs sanfter Stimme breitet sich eine Klangfläche im Raum aus, ein bisschen melancholisch, ein bisschen bittersüß und spätestens jetzt ist die Realität ziemlich weit weg.

Man sollte sich aber nicht von ihrer Sanftheit täuschen lassen, mit ihrem Alias x noisy answer verspricht KC uns nicht zu viel: es wird dark, noisy und experimentell. shinto fordert unsere Aufmerksamkeit zurück aus dem Tagtraum, da haben wir düsteren Industrial, es wird wieder kratzig, flächig, die einzelnen Tracks verschwimmen.

…Silberstreif durch wabernden Experimental

Spätestens ab 14:25 gibt uns die EP den technoiden Einschlag, ohne uns jedoch das Gefühl zu nehmen, irgendwie im Raum zu schweben. Ein bisschen weicher Ambient, treibende Beats, melodisch und klar zieht die Melodica einen Silberstreif durch den wabernden Experimental.

Relativ abrupt verabschiedet sich KC x noisy answer von uns, nach einem absolut düsteren und hörenswerten Crescendo. Vielleicht landet man ein bisschen zu hart auf dem Boden der Realität.

Wermutstropfen: Für mich kanns gerne ein bisschen mehr dreamy Ambient zwischendurch sein, KCs Stimme hat viel zu geben und ist für mich mehr Vocals wert.

So oder so, definitely worth a stream!

Quarantäne-Sound #3

Auch weiterhin lautet die Devise: Zuhause bleiben, Abstand halten, Hände waschen und: durchhalten! Die frohfroh-Redaktion hat weitere Vorschläge für die musikalische Untermalung des Lockdowns zusammengetragen.

Viele Worte zur aktuellen Situation müssen nicht verloren werden. Wir haben ja auch nicht mehr Ahnung als ihr. Versuchen wir also, dem Lockdown etwas positives abzugewinnen, zum Beispiel um Zeit zum Musik hören zu finden. Dafür haben wir wieder einige schöne Mixe, Sendungen und Playlists zusammengetragen, die größtenteils von Akteur*innen aus Leipzig produziert wurden.

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frohfroh empfiehlt:

Unser Grafiker und Ideengeber Manuel (unser Magazin damals, das war zum Beispiel sein Einfall!) hat eine Spendenaktion für Mission Lifeline und Refugee4Refugees via Bandcamp gestartet. Beide Organisationen setzen sich für Geflüchtete u.a. auf der Insel Lesbos ein, deren Situation sich täglich verschlimmert.

Dafür stellt er ein über zwanzig Minuten andauernden, düsteren Track bereit. Der Vocal könnte nicht passender sein: „Escape the Noise. Embrace the Calm.“

Sämtliche Käufe werden gespendet. Selbstverständlich könnt ihr auch direkt an die Organisationen spenden:

Mission Lifeline: bit.ly/2Uo2hbX
Refugee4refugees: bit.ly/2y5HAIN

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Antoinette Blume empfiehlt:

Antoinette Blume: Mein Favorit, um leicht angetrunken abends auf der ausgeklappten Couch an die Decke zu starren und die erzwungene Zäsur auf eine ganz merkwürdige Art und Weise zu genießen. Einmal mehr zu hinterfragen, warum ich mich nur über die Dinge definiere, die ich mache, schaffe, leiste. Und jetzt, für diesen Moment, ist das eben weg, es gibt gerade nichts zu leisten (neben der daily Lohnarbeit im Home-Office, die für mich keinen großen Teil meiner eigenen Identität auszumachen scheint …) oder zu teilen, zu zeigen. Das Gefühl geht nicht einfach so weg, das ist klar. Der einzige Trost: Es wird weniger präsent, es wird abgelöst durch Gedanken an andere und diese Gedanken nehmen mehr und mehr Raum einund wandeln sich tatsächlich in solidarisches Handeln. Diesen Turnus jeden Tag aufs Neue durchzuspielen, positiv zu denken, zu reflektieren, anderen zu versichern, dass sie nicht alleine sind, Energie zu behalten das macht müde. Und für Müde-sein habe ich viel Zeit, abends auf der Couch im Wohnzimmer; die Couch ist mittlerweile ein zweites Bett geworden. Und für diese Playlist habe ich viel Zeit. Um müde zu werden.

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Dazwischen, danach und davor, zum Beispiel beim Spazieren, alleine, höre ich gerne Martin Kohlstedt. Denn wie ich schon vor ein paar Wochen schrieb, als die Pandemie noch ganz weit weg schien: In dieser Musik werden die schönsten und schlimmsten Gefühle und Situationen im Leben artikuliert, wie in einem Musikvideo, wenigstens für mich. Es ermöglicht mir eine Außen-Drauf-Sicht auf diese surreale Zeit. Das macht ‚das alles‘ irgendwie künstlich, fremd. Dieser kurze Moment ist gut zum Abtauchen, um danach wieder in die derzeitige Realität einzusteigen, die für sich genommen so künstlich, fremd und einfach weiterhin einerseits non-real und sehr real ist. Phew. So weit, so okay.

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Paula empfiehlt:

Paula: Von den cuten ladies von nice4what gibt’s jetzt auch eine stay home playlist bei Spotify. Listen & get that disco shakey feeling!

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Dreamy, spacey, soft supaKCs neue EP lädt erstmal mit cozy Synthie-Beats und super weichen Vocals zum Quarantäne-Träumen ein. Was würde besser als Quarantäne-Sound passen als eine EP, deren erster Track „Sick of being sick“ heißt. Man sollte sich aber nicht von ihrer Sanftheit täuschen lassen. Mit ihrem Alias x noisy answer verspricht KC uns nicht zu viel: es wird auch dark, noisy und experimentell. Definitely worth a stream!

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Ramin von Music Of Color hat einen sweeten Mix für alle die alone in Quarantäne sind: „Alone Together“.

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Amy empfiehlt:

Amy: S.PRESSO von dundst liefert der Waldbrand Crew mit seinem Podcast ein richtig, richtig dickes Brett. Eine knappe Stunde voll mit allem, was mein Herz begehrt: Energy, Breaks, Fun. Unbedingt geben!

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Wenn :mumm eines beherrscht, dann sind es Hits, Hits, Hits. Für die muy bien Crew aus Reudnitz hat er ein gewohnt Disco-lastiges Set rausgehauen, mein Favorit ist der letzte Track. Feels!

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Christoph empfiehlt:

MDR Sputnik Clubperlen 25.03.2020

Christoph: Kathi ist inzwischen wieder in Leipzig angekommen und stellt in ihrer aktuellen Sendung elektronische Musik aus Marokko vor. Klickt oben auf dem Link, um in die marokkanische Electro-Szene einzutauchen.

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Judith van Waterkant hat einen sonnigen Mix aufgenommen, der gar nicht mal so elektronisch daherkommt. Hier gibt es sehr schöne Musik zu entdecken.

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Ob für’s Solo-Raving oder zum Sport machen: Das DJ-Set von Gazelle Horn, zum Jahreswechsel im mjut aufgenommen, ist so funky, dass das Sofa plötzlich ganz weit weg ist!

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Letztes Jahr hat Warp Records das 30-jährige Bestehen gefeiert. Elias Zorn und Bertolt Brechtakt haben zu diesem Anlass in ihren Archiven gekramt und dem britischen Label einen ganzen Abend im Sowiewir gewidmet.

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Einen weiteren schönen Electronica-Mix gibt es von Dubbalot, der nicht nur Teil von Boundless Beatz ist, sondern für itsyours.info über Drum & Bass schreibt.

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Zum Schluss steuere ich noch einen langen Mitschnitt von Robyrt Hecht und mir im Eishaus aus dem Jahre 2016 bei. Erst ruhig, dann funky, dann wieder ruhig.

Fotoserie – Martin Kohlstedt

Anfang Februar traf Antoinette Blume den Fusionskünstler Martin Kohlstedt. Nikta Vahid-Moghtada dokumentierte dabei die Minuten vor seinem Konzert im Gewandhaus mit ihrer Kamera.

Klavier, Synthesizer und Chor

Was es mit Martin Kohlstedt auf sich hat? Für alle, die ihn (noch) nicht kennen: MK ist Pianist und Fusionskünstler. Er verbindet Klassik und Elektro – und spielt dabei mit dem Rücken zum Publikum. Er versinkt in seiner Musik, die er im Zuge der „Ströme“-Tour gemeinsam mit dem renommierten Gewandhaus-Chor Leipzig auf die Bühne brachte. 



AUSZUG –

„Berührend, das ist die Musik von Martin Kohlstedt auch. Nicht im kitschigen Sinne von Tränen-in-den-Augen und Gänsehaut, aber eben doch genau das. Seine Musik ist wie ein Soundtrack, der die intensivsten Momente des bisherigen Lebens zusammenfasst. Sämtliche Gefühle, die man spürt, aber ad-hoc nicht beschreiben kann, ob schlimm oder schön, sind für mich in Martin Kohlstedts Musik enthalten; im Fluss, in der Spannung, in den drohnigen Soundteppichen, die das Klavier nicht hergibt, aber ein Synthesizer eben schon. Die leichteste, schwerste, gleichermaßen loslassenste Krönung von allem bisher Dagewesenen – für mich.Ich gehe noch ein Schrittchen weiter, um euch ein Bild zu geben: Man könnte die Musik von Kohlstedt mit dem ersten und schönsten Rausch vergleichen.“


Backstage im Gewandhaus

Meine Kollegin und Freundin Nikta hat unsere Begegnung im Backstage des Gewandhauses in Leipzig mit ihrer analogen Kamera auf einem s/w-Film festgehalten. Danke dafür!

Und hier nun für euch: Martin Kohlstedt vor dem grande finale mit dem Gewandhaus-Chor Leipzig, dokumentiert von Nikta Vahid-Moghtada.

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Hier lest ihr das ganze Interview.

LiveKomm – Solitickets für Clubs

Die letzten Tagen könnte man für Club- und Kulturstätten als desaströs-ungewiss bezeichnen. Abrupt endete bis auf weiteres all das, was im Kulturbetrieb Halt und Bezug gegeben hat: Veranstaltungen machen, Miete einspielen, Künstler*innen und Musiker*innen sowie Personal bezahlen, planen, den Kalender füllen und Konzepte für die Zukunft erarbeiten.

Von Woche zu Woche, von Monat zu Monat

Das Alles musste und muss, um das ansteckende Coronavirus und dessen schnelle Verbreitung auszubremsen, gerade aussetzen. Wie lange, kann niemand mit Sicherheit sagen.

Im Kulturbetrieb (über)leben Akteur*innen oft genug nur von Wochenende zu Wochenende, von Monat zu Monat. Eine einzelne schlecht laufende Veranstaltung, oder zwei, drei in Folge, können das labile Gerüst schon ins Wanken bringen. Die Corona-Krise entzieht Kulturschaffenden in ganz Deutschland momentan die Basis, zieht ihnen den Boden unter den Füßen weg und sie finden sich vor einer nie dagewesenen Leere, finanziell und inhaltlich.

Leipziger Clubs von Insolvenz bedroht

Die Krise macht auch vor Leipzigs Club- und Kulturspielstätten nicht Halt. Niemand ist ausgenommen, es betrifft uns alle, restlos.

Die Interessengemeinschaft LiveKomm, Sprachrohr und Verbund der Leipziger Clubs und Livespielstätten, beschreibt die aktuelle Situation der Clubs, die uns alle angeht, in ihrer aktuellen Mitteilung:

„Wir sind durch die Bank weg von Insolvenz bedroht. Gehälter, Mieten und sonstige laufende Kosten können nicht mehr bezahlt werden.“

Solitickets gibt es ab jetzt!

Deshalb wurde eine Soli-Aktion von der IG Livekomm Leipzig gestartet, bei der wir alle gefragt sind, um für den Erhalt unserer geliebten Clubs zu sorgen. Ihr könnt ab jetzt Solitickets für 10 oder 25 Euro kaufen, und zwar hier:

Club-Solitickets

Wir, die gerne ausgehen, sparen gerade Ressourcen: Eintritt, ein Bier oder eine Limo an der Bar, der vorsorgliche Einkauf beim Seller des Vertrauens… und haben deshalb die Möglichkeit, unsere Euros zu verteilen. Gleichzeitig haben einige von euch ebenso mit Kurzarbeit, Lohnausfällen und eigener beruflicher, finanzieller Ungewissheit zu kämpfen.

Jetzt spenden & später ausgehen

Also, unser Aufruf richtet sich an alle diejenigen, die eine Spende leisten können: Bitte tut es! Setzt ein Zeichen, dass wir unsere Clubs und Livespielstätten nach der Krise unbedingt brauchen und wiedersehen wollen. Jeder Verlust ist unwiederbringlich und wiegt schwer. Lasst es uns gemeinsam aufhalten und nicht dazu kommen, dass Lücken in der Kulturlandschaft gerissen werden.

Und wer jetzt noch zögert, dem können wir folgendes aus der Mitteilung der LiveKomm weitergeben:

 
INFO INFO –


Zum einen besteht die Möglichkeit des „kleinen“ Club-Solitickets für 10€, hier möchten wir euch bitten einfach eine Spende für die nächsten harten Wochen und Monate uns zu überlassen. Dies ist die Möglichkeit uns zu unterstützen ohne eine direkte Gegenleistung dafür zu erwarten, unser Dank und unser Bemühen für eine gemeinsam Tolle Zukunft bekommt ihr aber auf jeden Fall.

Die andere Möglichkeit ist das „große“ Club-Soliticket, für 25€ bekommt ihr dann Eintritt zu einem Clubabend eurer Wahl in einem der Clubs innerhalb der Livekomm. An das kleine Club-Soliticket ist momentan noch keine konkrete Gegenleistung gebunden, aber wir arbeiten gemeinsam daran, euch etwas bieten zu können. Als Ausdruck unserer Dankbarkeit und um euch etwas zurückgeben zu können. Aus diesem Grund solltet ihr das Ticket einfach lange gut aufbewahren. Jeder Beitrag hilft.


Gemeinsam Zukunft sichern

Eure Spende ist also auch an das Versprechen geknüpft, dass es weitergeht, sobald es die Gegebenheiten zulassen. Und wir, als solidarische Gemeinschaft, eben diese Gegebenheiten, alle zusammen – Publikum, Crews, Clubs und Livekomm – schaffen!

Mit dabei sind Conne Island, Institut fuer Zukunft, TV-Club, Moritzbastei, elipamanoke, UT Connewitz, WERK 2, Noch Besser Leben, Distillery und mjut.

DJ Carmel – Everybody Does (KANN42)

Das mittlerweile 42. KANN-Release wird von Leipzig-based Producer Reece Walker alias DJ Carmel präsentiert.

„Die Platten sind meist unaufgeregt, aber intensiv“, schreibt das Groove Magazin über das KANN-Label. Besser könnte es bei Everybody Does nicht ausgedrückt werden, denn nach Shoplifter 2000 von FOOOL und Redfern von Adam Stromstedt passt die neue EP mehr als adäquat in die KANN-Diskografie. 

Zuletzt hat man vor einem Monat von Carmel gehört, als er einen Track für einen Relief-Fund für die australischen Waldbrände hinzugesteuert hat. Ende Februar hat er mit Kollege Qnete die zweite „QC Passed“ auf QC Records herausgebracht. Wir hören mal ein sein neuestes Solo-Projekt rein:

A-Seite 

Wow. Pure Nachti-Vibes. Mit Summoned hat Carmel den mit Abstand clubtauglichsten Track auf die A1 gepackt und eine mega emotionale Grundlage für die Platte gebildet. 

Sonntag Abend, Sand unter den Füßen, die Hände in der Luft. Deep House at it’s best. 

Der Track hat beim Groove Magazin Premiere gefeiert:

Mega mellow und ein bisschen melancholischer geht es anschließend bei Indian Pacific weiter. Stimmungsumschwung. Wie auch bei der A1 ist ein entspanntes, sorgfältig ausgewähltes Oldschool-Sample auf dem Track zu finden, das über breakigen Percussions liegt. Gleitend, schwebend, treibend. 

B-Seite

Speaking of schwebend: die B1 trägt den schönen Namen Schwebebahn und ist Carmels Lieblingstrack auf der Platte. Allmählich fadet der Track im 4/4 Downtempo-Rhythm rein und überträgt das vorangegangene Thema der Melancholie mit einer unterliegenden Wärme auf die B-Seite. 

Smooth crusin’ auf 118 bpm – dass Carmel langsamere, mitreißende Tracks beherrscht, hat er spätestens mit Canterburied auf der im letzten Jahr erschienen Trifecta EP mit Qnete bewiesen. Übrigens: ich frage mich gerade, warum wir die EP bei frohfroh nie rezensiert haben. Heftiger Tipp!

Es gibt noch einen digitalen Bonustrack: A Lizard Den. Ja, auch die großartigen Tracknamen sind ein immer wiederkehrendes Element in Carmels Diskografie. 

Mit Elektro- und Acid-Sounds überrascht der Song zwar in Anbetracht der vorherigen, ruhigeren Stimmung, aber diese neuen Elemente wirken nicht überfordernd. Im Gegenteil: die gewisse Chaotik der D1 ist eine schöne Ergänzung zu den A- und B-Seiten Tracks.

Understated, but monumental. Definitiver Tipp. Hier findet ihr die Snippets:

Die EP wird am 03. April als 10″ Vinyl und digital bei KANN Records released.

KW 12 – Samstag

Ok, wenn es keine Ausgehtipps gibt, dann gibt es eben Zuhausebleib-Tipps! Für diesen Samstagabend empfehlen wir einen Blick über den Tellerrand – „Krabat“, aufgeführt im Westflügel, anschaubar als Stream.

Wie ihr wisst, leidet der gesamte Kulturbetrieb unter der jetzigen Situation. Die IG Livekommbinat Leipzig hat dazu eine Pressemitteilung veröffentlicht. Vorgeschlagen wird, einerseits das Geld für bereits gekaufte Tickets abgesagter Veranstaltungen nicht zurück zu verlangen. Andererseits wird über Solidaritätstickets nachgedacht.

Das wunderbare Figurentheater im Westflügel reagiert, indem 21.03. um 20 Uhr das Stück „Krabat“ aufgeführt und mit Hilfe des Livestreaming-Anbieters Streamio übertragen wird. Ok, kein Techno weit und breit, aber wenn ihr den Westflügel noch nicht kennt, ist das die beste Gelegenheit, ihre düster-absurde Interpretation der Geschichte kennen zu lernen. Oder den Stream als Visuals für dunkle Beats zweck zu entfremden.

Der Westflügel versucht zudem, allen Künstler*innen eine Ausfallgage für abgesagte Veranstaltungen zu bezahlen. Dies ist nur mit Unterstützung des Publikums möglich. Bedeutet:

Ihr könnt hier auf Vimeo am Samstag 20 Uhr das Stück sehen. Gleichzeitig könnt ihr auf der Website regulär Tickets kaufen. Und das beste: Im Gegensatz zum Besuch im Westflügel könnt ihr dabei soviel Knabbereien und Getränke zu euch nehmen, wie ihr möchtet.

Zumindest für die Theater-Aufführungen scheint das ein gangbarer Weg zu sein. Mal sehen, ob und wie das Angebot angenommen wird. Und ob sich das ebenso auf Musikveranstaltungen übertragen lässt, wird zu klären sein.

Stay at home – and enjoy culture!

Quarantäne-Sound #2 – Guedra Guedra

Unsere Autorin Kathi hängt in Marokko fest und sendet Grüße nach Leipzig – mit einem Mix von Guedra Guedra als Empfehlung.

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Ich stecke fest! Im wahrsten Sinne des Wortes. Anfang März bin ich in den Urlaub nach Marokko geflogen und nun haben wir den Salat, denn natürlich wurden unsere Rückflüge gecancelt. Aber die deutsche Regierung fliegt uns aus – vielleicht schon heute Nachmittag! Das zumindest ist versprochen.

Um mir die Zeit zu vertreiben, habe ich eine Recherche zur elektronischen Musikszene in Marokko begonnen und bin auf einige wunderschöne Tracks und DJ-Sets gestoßen. Deswegen kommt mein Quarantäne Mix für euch ausnahmsweise nicht aus Leipzig, sondern aus Casablanca. Der Künstler heißt Guedra Guedra, ist Marokkaner und sollte eigentlich kommendes Wochenende in Marrakesch im Beat Hotel spielen. Aber genau wie bei uns zuhause steht hier das Leben gerade still und bis auf die Apotheken und Supermärkte hat alles geschlossen. Für ein Land, das viel ärmer ist, als Deutschland, wird Corona vielleicht noch schlimmere Folgen haben. Die Menschen hier sind darüber sehr besorgt, vielmehr noch als die Angst vor dem Virus selbst. Denn sehr viele verdienen ihr Geld hier mit dem Tourismus. Umso mehr möchte ich Künstler wie ihn unterstützen, zumindest insofern, dass er vielleicht ein paar Leipziger Fans hinzu gewinnt.

Bleibt gesund!

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Quarantäne-Sound #1

Wer kann, hört auf den Doktor und bleibt einfach mal zuhause. Wir haben einige Vorschläge, welche DJ-Sets aus Leipzig euch durch den Tag begleiten können.

Ok, es gibt einfach mal sehr viel Musik. Aber irgendwie nervt’s auch, wenn beim Streaming irgendwelcher uninteressanter Käse aufploppt. Und außerdem ist Musik vor allem auch: Kommunikation. Also, warum nicht das Zuhause-Herumsitzen nutzen, um einige gute DJ-Sets zu finden und diese weiter zu empfehlen?

Auch meine Redaktionskolleg*innen fanden die Idee gut und haben ihre Favoriten beigesteuert. Und weil es um elektronische Musik aus Leipzig geht, stehen selbstredend lokale DJs im Mittelpunkt. Also, entlastet die Menschen, die sich für unsere Gesundheit aufreiben, indem ihr zuhause bleibt und draußen einige Meter Abstand zu anderen Menschen haltet.

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Amy empfiehlt:

Amy: Smoothness in it’s purest form. Ob für den Home-Office oder den kleinen Rave zwischendurch – Sinhs KANN-Mix hat alles, was man braucht. Bissl Ambient, bissl House, bissl Breaks, full on Style. One of Leipzig’s freshest talents.

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Amy: Dreamy tings! Fruity Saase hat für das TimeToGetLost-Kollektiv aus Halle letztes Jahr ein Set voller fruity Banger an den Start gebracht (fav: Minute 24). Demnächst wird er mit DJ-Kollege und Waldbrand-Homie DJ Uludag bei uns in der Spot On Reihe zu hören sein. Stay tuned and get funky!

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Anne empfiehlt:

Anne hat einen Mix von Greata herausgesucht: Hier gibt es treibenden House, der hier und da mit Breaks aufwartet und für die Mix-Reihe Ashtray Monuments aufgenommen wurde.

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Antoinette Blume empfiehlt:

Antoinette Blume schaut auf das Krake Festival 2015 zurück und empfiehlt den Mitschnitt des vielseitigen Sounds von IfZ-Resident XVII.

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Manuel empfiehlt:

Düster und technoid mag es unser Design-Beauftragter Manuel. Deshalb empfiehlt er ein Warm-Up-Set von Qiu aus dem Jahr 2017.

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Christoph empfiehlt:

Der fem*märz auf Radio Blau ist im vollen Gange. Porpoise stellt in der Sendung Sunday Groove folglich entspannte Musik von Frauen und Transpersonen vor.

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Passend dazu zeigen Defrostatica, dass es im Bereich Drum & Bass und Footwork eine Vielzahl hörenswerte Tracks von weiblichen und non-binary Künstlern zu entdecken gibt.

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Bleiben wir im Uptempo-Bereich: Einen sehr schönen, deepen Drum & Bass-Mix von Kali Avaaz gibt es seit Februar zu hören.

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Ein Schwenk hin zu Electro: Im Dezember war Leeza zu Gast bei einer Clear Memory-Party. Wer wie ich das verpasst hat, für den hält das WorldWideWeb einen Mitschnitt bereit.

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Credit 00 stellt verrückte Synthwave-Tracks in der 15. Episode seiner Rat Life Radioshow vor und hat in der zweiten Hälfte der Sendung Olta Karawane aus Moskau zu Gast, die lustigen Dub spielen.

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Und zum Abschluss noch entspannte Vibes, ausgesucht von Skor72, der mittlerweile bei Ausgabe 361 seiner Sunday Sessions angekommen ist. Respekt für dieses Durchhaltevermögen!

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Bleibt noch eine Frage: Welche Sets empfehlt ihr? Haut sie in die Kommentare!

Der Kreuzer braucht eure Hilfe

Unser Lieblings-Stadtmagazin gerät aufgrund der Corona-Krise finanziell ins Rudern und benötigt die Hilfe seiner Leserschaft.

Es passiert ja viel mehr in der Stadt als nur so Techno in Clubs. Der Kreuzer ist in meinen Augen die umfassendste und beständigste Informationsquelle seit sehr vielen Jahren, um auf dem Laufenden zu bleiben. Leider brechen ihm aufgrund der aktuellen Entwicklungen (das leidige Thema …) die Anzeigeneinnahmen weg, wie ein Hilferuf auf der Website zeigt.

Um die nächsten Monate zu überstehen, braucht der Kreuzer eure Hilfe: In Form diverser Abonnements, per Steady oder in Form gesponsorter Anzeigen (genaueres dazu habe ich auf die Schnelle nicht gefunden) könnt ihr den Verlag und das Magazin unterstützen. Ebenso könnt ihr Merchandise im Shop erwerben und euch einige der kreuzerbooks nach Hause schicken lassen. Vielleicht kennt ihr jemanden, der einen neuen Beutel für den Hamsterkauf benötigt oder den ihr gern mit den Cartoons von Michael Ludwig irritieren möchtet. Der Kreuzer wird es euch danken.

Es wird wohl nicht der einzige Hilferuf dieser Art sein, den wir in den kommenden Wochen lesen werden. Und klar: Nicht jede*r hat die finanziellen Möglichkeiten, Unterstützung leisten zu können. Doch vielleicht können wir uns bewusst machen, welche Angebote wir sonst so als gegeben hinnehmen und auch in Zukunft supporten möchten.

KW 12, 13, 14…

Leute, now is not the time to party. Bleibt Zuhause und bleibt gesund.

Wie ihr es vielleicht mitbekommen habt, halten wir uns bis auf unbestimmte Zeit mit den Ausgehtipps zurück. Die Clubs haben zu – stöbert ein wenig auf SoundCloud, Bandcamp, Discogs, etc. herum, schaut Livestreams, legt Zuhause auf. Lasst euch was einfallen. Hauptsache keine Partys.

Wir halten euch in jedem Fall auf dem Laufenden, wie es in und mit unserer Clubkultur vorangeht.

Stay safe.

Krise ist Krise – aber auch Chance?

So, people, let’s get things straight: Wir sind wohl alle keine Expert*innen, Virolog*innen oder Hellseher*innen. Das Coronavirus überfordert uns, sei es privat, wirtschaftlich, beruflich.

Auf diesem Blog dreht es sich um Clubs, um Szene, Musik, um Hedonismus, Spaß, Kultur, Vernetzung, Begegnungen – alles, was gerade und bis auf weiteres nicht stattfindet. Nicht stattfinden darf, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und die Anstiegskurve der Neu-Infizierten abzumildern. Abrupt abgeschnitten, abgesagt, vor die Leere gestellt. Unsere eigene frohfroh-Veranstaltung wird ebenfalls verschoben, ich teile manche Sorgen also gerade hautnah. Auch die Frustration, die mit abgesagten Veranstaltungen einhergeht: monatelange (unbezahlte) Arbeit, Planung, Investitionen, Vorfreude. Puff. It’s gone.

Aber: Es geht gerade nicht um mich oder um frohfroh, nicht um unsere Veranstaltung. Die Einschnitte treffen uns mit ein paar hundert Euro, andere trifft es mit realen Existenzängsten. Andere (bisher wenige) trifft das Virus direkt, gesundheitlich, mit Fieber und Husten, Kontaktsperre und Quarantäne.

Direkt und indirekt betroffen

Das Coronavirus trifft uns alle. Punkt, ist nix dran zu rütteln. Was machen die Clubs jetzt?! Wie sieht die Zukunft aus? Wie gehen Künstler*innen und Musiker*innen (Selbstständigkeit, hallo!) gerade mit den Einbußen um?

Nicht nur die Musik-, Club- und Kulturbranche ist hart getroffen, auch Verlage und Messebauer*innen haben beispielsweise durch die Absage der Buchmesse mit massiven Problemen zu kämpfen – jetzt, gerade, in diesem Moment. Und bis hier haben wir bzw. ich noch (zu) wenige Worte über die Menschen verloren, die infiziert sind, zur Risikogruppe gehören, psychisch durch die Virusverbreitung angeschlagen sind, in Quarantäne sitzen, die Symptome haben und sich mitunter elendig fühlen.

Krise als Chance?

Was hilft es da, wenn man den Hoffnungsträger „Krise kann auch eine Chance sein“ herunterbetet? Es fällt zentnerschwer, daran zu glauben. Aber es verändert sich gerade etwas im kollektiven Bewusstsein, zumindest blitzt das in kleinen-großen Situationen auf. Im Kultursektor schwimmen gerade einfach alle. Niemand ist ausgenommen. In diesem Zustand solidarisch zu sein, die Gesundheit von Risikogruppen – und das sind btw nicht nur alte oder chronisch kranke Menschen, sondern auch Menschen, die keinen easy Zugang zu unserem Gesundheitssystem haben – (ja, schon auch gezwungenermaßen) höher zu hängen als die eigene Wirtschaftlichkeit, ist stark.

Organisationen und Einzelpersonen, die zum Beispiel Crowdfunding, Informationen und Ideen spreaden und entwickeln, um einander zu helfen, das ist in diesen Zeiten eine (wenn auch nur kurze) warme Dusche im Eisregen.

Ich habe für euch ein paar dieser Dinge zusammengetragen. Eine Aktion, die ich euch besonders ans Herz legen möchte, ist die Playlist von Or*s bei Spotify. Labelhead Filburt hat dazu aufgerufen, ihm für seine Playlist Tracks zu schicken und bei all der vielen „Freizeit“ kann man die Playlist locker in Dauerrotation spielen lassen und so vielleicht der*dem ein oder anderen Künstler*in aus Leipzig helfen. Die Playlist wird schon jetzt fleißig geteilt, genau wie Nachbarschaftshilfe und viel gegenseitiges Verständnis für die doch einfach krasse Situation, in der wir uns alle, auf dem ganzen Erdball, befinden.

We miss you!

Was bei all dem Positiv-Denken unter keinsten Umständen vergessen werden darf: Wir müssen bereit sein, die Politik zu unbürokratischen Ausgleichszahlungen zu bewegen und für die von der Krise Gebeutelten zu kämpfen, zu fordern, zu protestieren. Denn was wirtschaftlich an dieser Notfallsituation hängt, ist noch nicht absehbar.

Was sich übrigens (nicht nur mir) überdeutlich zeigt, und das schon nach ein paar Tagen: Das Leben darf gerne mehr beinhalten als Home-Office, Klopapierrollen nachzählen, auf die nächste Krisen-Vermeldung zu warten und zu reagieren, Freunde und Familie nicht mehr zu sehen. Kultur (und ja, auch Spaß) ist für uns essenziell. Sich gerade in Verzicht zu üben, ist nicht leicht, aber notwendig. Wir alle müssen, um andere zu schützen, die gerade geltenden Vorsichtsmaßnahmen bewusst umsetzen und einhalten, aushalten.

Linkliste

Nur, wenn die Aushalte-Phase vorbei ist, sollte es unsere Clubs und Künstler*innen noch geben, bitte. Solidarität können wir momentan damit zeigen, Ticketpreise von Clubs nicht zurückzufordern, wenn wir nicht zwingend auf das Geld angewiesen sind, Merch von Künstler*innen zu kaufen, ihre Musik zu streamen oder Tracks von ihnen zu kaufen, zu den Ersatz-Terminen der verschobenen Shows zu gehen… ihr habt sicher noch mehr Ideen. Und nicht müde werden, finanzielle Hilfe für den Kultursektor und die Menschen aus den betroffenen Branchen zu fordern.

Hier geht’s zur Or*s-Playlist

Hier findet ihr die Petition für Hilfen für Künstler*innen während des Corona-Shutdowns

Hier gibt es mehr Informationen für Freischaffende Musiker*innen

Hier geht es zur Umfrage des Deutschen Musikrats zu den Auswirkungen des Coronavirus auf den Musikbereich

Hier informiert die Clubcommission Berlin zu ihrer „Task-Force“

Hier geht es (bald) zur Crowdfunding-Aktion der Clubcommission (Start in Kürze)

Hier bekommt ihr Informationen im Ticker der Groove

Phew. So viel dazu. Und jetzt, ja, ich weiß, ihr hört und lest es ständig, aber auch redundante Genesungs- und Alles-Gute-Wünsche sind in diesen Zeiten mehr als okay:

Better safe than sorry. Stay healthy!

Coronavirus in Leipzig: Großveranstaltungen werden abgesagt

Corona, Pandemie, Quarantäne: Die Medien sind voll, keine Zeitung kommt mehr ohne einen Live-Ticker zum Thema Virus, Status Quo und aktuellen Entwicklungen aus. Das Groove Magazin hat ebenfalls einen Ticker eingerichtet.

Was die Vorsichtsmaßnahmen für Veranstaltende bundesweit, vielmehr weltweit, bedeuten, ist kaum auszumachen. Buchmesse, Loop, Berghain – alles abgesagt oder ausgesetzt. Spätestens seit der Absage der Buchmesse und der LitPop haben sicher einige verstanden: Das kann zur Krise werden – oder ist es vielleicht schon.

Heute, am 12. März 2020, hat Oberbürgermeister Burkhard Jung in Leipzig eine Pressekonferenz zum neuartigen Virus und wie die schnelle Verbreitung verhindert werden soll, abgehalten.

Was bedeuten die Vorsichtsmaßnahmen für Leipzigs Clubs?

Das sind die getroffenen Aussagen aus der PK, die Regelungen treten wohl ab Samstag in Kraft:

  • Die Schulen und Hochschulen in Leipzig bleiben vorerst offen.
  • Aktuell gibt es sechs bestätigte Infektionen in der Stadt, Kontaktpersonen sind bekannt.
  • OB Jung: Oberstes Ziel ist Zeit gewinnen, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Das öffentliche Leben in den kommenden Wochen wird sich ändern. Der Krisenstab der Stadt hat erste Schritte beschlossen, wie die Absage der Buchmesse. Jung verkündet eine Allgemeinverfügung:
  • Absage aller Veranstaltungen in der Stadt über 1.000 Teilnehmer.
  • Einführung einer Meldepflicht ans Ordnungsamt für Events ab 200 Besucher und dann RKI-Vorgaben von Kulturveranstaltung bis Gottesdienst bis zu privaten Veranstaltungen. Die Stadt entscheidet dann gemäß RKI-Vorgaben über eine Erlaubnis.
  • Das gilt zunächst bis Karfreitag, 10. April.

Quelle: MDR Aktuell

Stay safe!