Positiver durch die Krise

Was hat sich seit Corona und dem Lockdown bei DJs, Producer*innen und Labels verändert? Vieles natürlich zum Negativen, gar keine Frage. Veranstaltungsverbot, finanzielle Ungewissheit, Existenzbedrohung. Was können wir der Zäsur schon Gutes abgewinnen? Nichts, richtig. Dennoch – es gibt trotz der Krise, trotz der schwierigen Zeit auch positive Geschichten. 

Die Zeit, die gerade gezwungenermaßen Zuhause verbracht werden muss, bringt bei Producer*innen viel Output hervor und die Szene zeigt sich einmal mehr als solidarisches Gebilde, das sich gegenseitig unterstützt. Die Online-Streams sind mittlerweile so zahlreich geworden, dass man fast den Überblick verliert (psst – Autorin Amy hat eine Übersicht für euch!) und überbrücken damit für etliche Menschen nicht nur am Wochenende die Zeit, Soli-Aktionen für Clubs und Musiker*innen gehen in die nächste Phase oder sind schon erfolgreich finanziert.

Wir haben mit einem „Neu“-Leipziger Producer und DJ gesprochen, der zwar nicht streamt, aber dafür ein anderes musikalisches Corona-Projekt begonnen hat. Was Wice während Corona macht, um andere zu supporten und welches Projekt er gestartet hat, erfahrt ihr bei uns. 

Berghain + Raving Spoon = It’s a match!

„Alles chillig, alles easy“, antwortet Wice auf die Frage, wie es ihm denn so in Isolation geht. Sein Job bei Greenpeace ist ins Homeoffice verlegt und das Studio ist glücklicherweise in die Wohnung integriert – klar, die Clubs werden schmerzlichst vermisst, aber es könnte schlimmer sein, sagt er. Seit einem Jahr lebt er in Leipzig, straight from Tübingen nach Leipzig. 

Just kiddin‘

Noch von Tübingen aus releaste er auf seinem Label Steinlach den Hit „Just kiddin‘“, der nicht nur mit dem Raving Spoon 2017 prämiert wurde, sondern auch im Berghain hoch und runter lief. Nicht ganz verwunderlich, da Kevin, wie Wice eigentlich heißt, seit 13 Jahren auflegt und seit 12 Jahren produziert. 

Doch, trotz all dem Fame und all dem Erfolg, der Freude daran, den eigenen Track im angesehensten Club Deutschlands, Europas, der Welt – wer soll darüber urteilen? – zu hören, war die Kreativität irgendwann weg. Selbst Musik hören machte kaum noch Spaß und der Druck des „Nachlegens“ nach der ersten Hit-EP machte sich verstärkt bemerkbar. „Auf gut Glück ging es dann nach Leipzig – eine der besten Entscheidungen in meinem Leben bisher. Tolle Stadt, tolle Menschen. Ich brauchte einfach den Tapetenwechsel!“, sagt er.  

Als Label, DJ, Producer – was hat sich durch Corona verändert?

Mittlerweile wird das Label Steinlach von Tübingen und Leipzig geführt. „Ich glaube, wir stehen jetzt auch im Vary im Leipzig-Regal“, sagt Kevin. Damit ist der Firmensitz dann wohl offiziell zu einem Teil nach Leipzig verlegt worden. Auf das Label hat die momentane Krise kaum Auswirkung. Auf seine DJ-Bookings auch nicht: „Meine Bookings blieben gleich“, lacht er. „Da war in den letzten Jahren schon wenig los.“

Wice

Anders sieht es da beim Produzieren aus: „Die Entschleunigung empfinde ich als positiv, es stößt zumindest positive Prozesse bei mir an. Ich kann alle kreativen Phasen voll ausnutzen, spontanen Impulsen folgen – zumindest, wenn der Job nicht dazwischenfunkt.“

Nachlegen

Dazu kommt, dass der „Druck des Nachlegens“ nach dem ersten Hit vor mittlerweile drei Jahren langsam, aber sicher verblasst: „Ich habe nicht mehr das Gefühl, etwas Catchiges für Club-Sets produzieren zu müssen“, sagt er.

Vier Minuten im Supermarkt

Eine der größten musikalischen „Corona-Veränderungen“ ist bei Kevin aka Wice wohl sein neues vier Minuten – Projekt: „Die Idee dazu kam mir im Lidl. Dort spielt sich zurzeit einiges ab – Prügeleien, Beleidigungen, das Warten und die Wagenausgabe davor… dann die mittlerweile vorgeschriebenen Masken. Das ist ein ziemlich weirder Vibe, der da herrscht. Wie ein Geisterladen.“

Die vier Minuten im Supermarkt wurden von Wice zu einem vier-minütigen Track umgesetzt. „Der Track ist sehr reduziert und Sample-basiert, was ich eigentlich nicht so häufig mache. Jedes Sample kann wie ein Mensch im Supermarkt gelesen werden: Man hat keinen Einfluss auf das Verhalten der Menschen dort, wie bei einem Sample eben auch“, erklärt er. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Tracks, die wie ein musikalisches Tagebuch, immer auf vier Minuten begrenzt, entstanden sind. Einen davon gibt es als Free Download via SoundCloud. 

4 Minutes Of Distracted People

Neue Vernetzungswege während Corona

Was sich dazu noch getan hat, wegen der Corona-Krise und den erlassenen Maßnahmen? Es sind neue Vernetzungswege zu anderen Künstler*innen und Producer*innen, nicht nur aus Leipzig, entstanden: 

„Ich war eigentlich immer mehr so ein Mensch, der seine Produktionsprozesse nicht geteilt hat. Jetzt, während dem Shutdown, habe ich das abgelegt. Via Facebook, in der Ableton User Group, habe ich ein paar coole Leute entdeckt, mit denen ich mich austausche und Feedback gebe.“

„Wir schicken auch schon mal USB-Sticks hin und her, um uns mit Samples zu versorgen.“

„Und noch eine wichtige Sache hat sich verändert“, schiebt er nach, „ich habe mir eigentlich seit Jahren vorgenommen, mich in Harmonielehre und Musiktheorie einzulesen. Jetzt mache ich das endlich, bei Hüseyin von Cassegrain, der als Musiker auch von der Krise betroffen ist und jetzt Online-Kurse dazu anbietet. Ich hoffe echt sehr, dass einige Kreative die Zeit gut für sich nutzen können und etwas Positives mitnehmen können aus der ganzen Sache.“

Win/Win also. Nach mittlerweile fast 5 Wochen, in denen Corona unseren Alltag, die Nachrichtenlage und auch oft genug die eigene Gemütslage bestimmt, ist es schön, auch solche Geschichten zu hören – die zeigen, wie jede*r einzelne von uns supportive sein kann und wie sich genau das positiv auf unsere Zeit, die wir nun mal größtenteils gerade Zuhause verbringen müssen, auswirkt.

PS

Wer ebenfalls Lust auf Input aus Harmonielehre und Musiktheorie von Hüseyin von Cassegrain (I mean, Cassegrain! Namedropping hin oder her, aber – Cassegrain!) kann sich bei ihm zum Beispiel via Facebook (Hüseyin Evirgen) melden. Er gibt auch Kurse zu Music Production. Es sind besondere Zeiten, daher gibt es die Kurse zu besonders günstigen Preisen.

Artwork von fragmentiert.

Der frohfroh Streaming-Guide

It’s official: wir werden wohl alle ein halbes Jahr lang nicht mehr feiern gehen können. Wir haben euch einen Überblick über alle Streaming-Plattformen und -Formate in Leipzig zusammengestellt.

Ihr kommt langsam auch nicht mehr hinterher, wer alles im Streaming-Game mitspielt? Wir fassen für euch das aktuelle Angebot in Leipzig zusammen:

United We Stream

Wo? Auf Facebook und YouTube. / Wann? Unterschiedlich.

Diesen Launch haben wir wohl alle mitbekommen: United We Stream hat vergangene Woche den Start seines Ablegers in Leipzig gefeiert. Mit dem mjut ging es los und das Institut fuer Zukunft legt am Mittwoch, den 22. April, nach. Das Lineup besteht sowohl aus hochkarätigen IfZ-Residents und friends: I$A, Job Jobse, Judith van Waterkant, Peter Invasion und Wilhelm sind dabei. 

In Zukunft wird das Programm neben DJ-Sets, Live-Performances und anderen musikalischen Programmpunkten außerdem aus Gesprächsrunden, Vorträgen, Lesungen und Filmen rund um clubkulturelle Themen bestehen. Macht euch auch schon mal für Streams aus anderen, großen Leipziger Clubs bereit.

Post Internet Radio

Wo? Auf pir.digital / Wann? Am Wochenende.

Zwischen roten Backsteingebäuden ist auf dem Gelände der Spinnerei im letzten Monat ein neues, audiovisuelles Radio entstanden. Eine Gruppe, bestehend aus vier Freunden, kuratiert wöchentlich ihr Programm und bieten so eine genreübergreifende Plattform für elektronisch orientierte Musiker. Jeden Monat wird das Line-Up künftig mit einer Grafik, die jedes Mal von einem/einer anderen Grafiker*in gestaltet wird, enthüllt.

Für den ersten Stream waren Anfang April Pea und Drunkenstein zu Gast, die Bela Hodod-Crew durfte auch schon einen Stream hosten. Das zukünftige Programm findet ihr unter anderem auf Facebook.

Callshop Radio

Wo? Auf callshopradio.com / Wann? Donnerstags.

Wir haben ihn erst kürzlich vorgestellt: der Leipziger Ableger des Düsseldorfer Callshop Radios bringt regelmäßig am Donnerstag mal mit, mal ohne Video Musik an den Start. Obwohl das Headquarter in Connewitz gerade geschlossen bleibt, bringen Formate wie Music Of Color von Ra-min oder Long Vehicle von Sevensol von Zuhause aus die gute Laune auf eure Bildschirme.

Aufgrund der aktuellen Lage wird das Line-Up ziemlich kurzfristig bekannt gegeben, auf dem Laufenden bleibt ihr aber auf Instagram und Telegram.

Digital Lounge

Wo? Auf Facebook und YouTube. / Wann? Unterschiedlich.

Majorly underrated ist die Kulturlounge als Club und anderweitige Musikspielstätte in Leipzig auf jeden Fall. Ihren qualitativ sehr hohen Anspruch an DJs und alles drumherum bringen sie nun seit einer Weile schon via Livestream zu euch nach Hause – mit fetten Visuals von VJ Tengen unterlegt. 

Die „Digital Lounge“ Reihe neigt sich wegen anstehenden Bauarbeiten in der Location langsam schon dem Ende zu, jedoch sind in der nächsten Woche nochmal zwei Acts zu hören und sehen: Solow von INAR und Picaro von Mood. Wenn die Sache vorbei ist, könnt ihr euch trotzdem noch am breiten Portfolio an Streams erfreuen.

Sphere Radio

Wo? Auf sphere-radio.net / Wann? Unterschiedlich.

Das Sphere Radio bezeichnet sich als „interdisziplinäres Online-Radio-Kollektiv“, welches es sich zum Ziel gemacht hat, “den Austausch zwischen Organisationen, individuellen Akteuren sowie Interessengruppen des kulturellen und soziokulturellen Bereichs auf lokaler und internationaler Ebene zu stärken“. 

Das heißt: das Programm ist flexibel und bunt, es muss sich nicht nur um die Musik drehen, Netzwerk ist das Motto. „Es werden Auftritte an verschiedenen Orten dokumentiert und ausgestrahlt, sei es in einer regelmäßig bespielten Konzerthalle, einer einmalig benutzten Off-location oder einem privaten Wohnzimmer. Als offener, gemeinnütziger Verein, möchte Sphere Radio einen niederschwelligen Zugang zur Gestaltung des Programms ermöglichen und so auch alternative Sendeformate zustandekommen lassen.“

Wer sich also schon immer mal auf solch eine Art und Weise verwirklichen wollte, dem ist hier eine Chance geboten. Ihr seid neugierig geworden? Das ganze Konzept findet ihr hier, das Stream-Archiv hier.

Hitness Club

Wo? Auf hitness.club / Wann? Unterschiedlich.

„We show anything if it isn’t discriminating shit in any way.“

Website porn is a thing and this is it. Flashy, freaky, crazy. Und zu sagen, das Hitness Club Programm wäre divers, wäre ein understatement – Queerobics? Speed Dating? Meisterdetektiv Horny Orni? Check. Check. Check.

Im Interview mit dem kreuzer erzählt der Gründer des Projekts (das als „kollaborativen Underground-TV-Sender Musikerinnen, Videokünstlerinnen und Theatermacherinnen“ eine Plattform bietet): „Beim Hitness Club sind alle willkommen, neuartige Formate zu entwickeln und zu streamen.“ Also – denkt euch was aus, macht ‘ne Aufnahme klar, und ab zum Hitness Club! Auf Facebook bleibt ihr auf dem Laufenden. 

Einzelne Formate

Nicht jede*r kann eine ganze Plattform an den Start bringen, um musikalische Formate zu verwirklichen – diese Projekte und Kollektive streamen zwar unregelmäßig auf Twitch, YouTube oder Facebook, bringen aber dennoch geilen Content an den Start.

Conne Island

Mich persönlich hat es überrascht, dass das Conne Island sich so sehr hinter die Streaming-Sache hängt. Aber die Überraschung war durchaus positiv – nach einer ersten Session im Café brachte die zweite Sendung eine Lesung von „These Girls“ in eure Wohnzimmer und die dritte dann die Benefizdisco mit rZr, ANTR, Bellawina und Mandylism. Also: definitiv die Augen offen halten für weitere Sachen.

Und – ein mysteriöser „Qlub“ wurde seitens des Islands angekündigt. Mehr Infos hier.

Waldbrand

What came first? The quarantine or the Waldbrand livestream?

Ja, die Jungs und Mädels von Waldbrand machen nicht erst seit Corona Wohnzimmer-Streams. Einmal im Monat, drei Acts, gute Musik. Nächsten Samstag, den 25. April, steht der nächste an – mit Miami Müller, Janthe und Team Toxic. 

DJ Rijkaard im letzten Waldbrand Livestream

VAYA

Auch das VAYA-Kollektiv versorgt Hörer- und Zuschauer*innen seit längerem mit Video-Content. Das VAYA Radio findet nämlich nicht nur bei Radio Blau einen Sendeplatz, auf Twitch werden auch ziemlich spontan Formate verwirklicht – beim letzten Mal wurden so zum Beispiel Lieblingslieder von Freund*innen vorgestellt. 

Under The Scope

In einem Wohnzimmer irgendwo in Leipzig hat letzte Woche zum ersten Mal der „Under The Scope“ Stream stattgefunden. Im Line-Up: rZr, Jenny Sharp, Josi Miller, Karmaxutra und Halalboy. Geile Kameraquali, mega fette Mukke und gleichzeitig kamen im Moneypool um die 800 Euro für gemeinützige Organisationen zusammen. 

Ein Vögelchen hat uns gezwitschert, dass der Stream noch einmal stattfinden dürfte. Nice!

PVC TV

Die Crew rund um das PVC-Kollektiv hat sich ebenfalls etwas ausgedacht. Ihr Motto: „Just another stream? Nope.“

„Jede Folge wird live via Twitch auf Facebook gestreamt, einem bestimmten Genre gewidmet, durch passende Visuals begleitet und von uns moderiert. Mit jeder Ausgabe werden wir eine Organisation oder Initiative vorstellen, die sich der Hilfe von besonders Schutzbedürftigen annimmt, um damit an die Solidarität unserer Zuschauer*innen zu appellieren.“ Wir finden: geile Sache! 

Jeden Freitag findet das Format „Stubendisko“ statt, wo der Fokus auf den härteren Richtungen Techno, Acid und Trance liegt und am Sonntag das „Kaffeekränzchen“, wo es eher in Richtung Electro, House und Breaks gehen soll. 


What else?

Ihr kennt Formate, die wir hier nicht vorgestellt haben? Haut sie gerne in die Kommentare, wir ergänzen den Text nach und nach. 

Emergency Loops aus der Pracht

Leipzigs Spot für Special Sounds, die Pracht, hat gerade eine digitale Soli-Compilation veröffentlicht. Und die zeigt, wie wichtig solche Orte für die Stadt sind.

„Sonic Exotica“ zu präsentieren, dies ist die Mission des Pracht e. V., der seit fünf Jahren einen wunderbaren Gegenpol zum engmaschigen Techno- und House-Programm der größeren Clubs bietet. Der Spielraum ist enorm: Electronica, Abstract Sounds, Drone, Ambient, Avantgarde, all das findet normalerweise in der Pracht live statt. Doch seit März ist es auch dort stumm.

Nun sendet die Crew mit „Emergency Loops“ ein spannendes Lebenszeichen aus – eine Compilation mit zwölf Tracks von Musiker*innen aus dem lokalen und internationalen Netzwerk. Darunter Local Heroes wie Disrupt und Kiki Hitomi von Jahtari sowie Kassem Mosse. Ich muss gestehen, einige Namen sind mir komplett neu – aber genau das macht die Pracht aus: Sie wagt den permanenten Explorer-Modus, taucht in abseitige musikalische Sphären ab und bucht Acts, die sonst kaum in Leipzig Auftrittsmöglichkeiten haben.

Klar, das ist Special Stuff, nichts für Raver, Popper und Benefiz-Disco-Lover. Aber es ist ein wichtiger Teil der subkulturellen Freiheit und Freigeistigkeit. Und gerade diese musikalischen Verschiebungen bringen einige sehr starke Momente hervor – auch auf „Emergency Loops“. Mattlacks „Stip“ etwa, oder Stanley Schmidts „Oni no Hanzo“ und „As If We Were Fading“ von TIBSLC. Mit Silicone gibt es am Schluss auch noch eine wirklich tolle Post-Rock-Elektronik-Symbiose.

„Emergency Loops“ ist mehr als ein schnell hingeworfener Soli-Sampler, es ist eine sehr gelungene Pracht-Werkschau. Rennt Bandcamp ein!

KW 16 – Mittwoch

In diesen Tagen erinnere ich mich zu gerne an Ausstellungen, Partys, Dates, Lesungen und Treffen mit Freund*innen, die besonders schön waren und deren Wiederholung ein Lichtblick in dieser Zuhause-Zeit darstellen.

Eines dieser Events war die Lesung aus dem Buch „These Girls“ im Conne Island. Und für alle von euch, die damals nicht dabei waren – Rettung naht! Die Online-Corona-Edition ist auf dem Weg zu euch.

Online-Lesung und Buchempfehlung

Dabei sind Herausgeberin Juliane Streich, Françoise Cactus, Linus Volkmann, Kuku Schrapnell, Bettina Wilpert, Jonas Engelmann, Jacinta Nandi, Safi und Charlotte Theile.

Was ihr noch über das Buch wissen solltet – wobei, Vorkenntnisse sind eigentlich nicht notwendig, um viel Freude bei dieser Lesung zu empfinden und dazu noch ganz viel über Feminismus, besondere Momente und Musikgeschichte zu lernen… –

„In über 100 lehrreichen, kurzweiligen und persönlichen Texten schreiben Journalistinnen und Journalisten, Musikerinnen und Musiker, Fans und Freunde über Bands, die sie prägten, über Künstlerinnen, die den Feminismus eine neue Facette gaben, über Lieblingsplatten, Lebenswerke und Lieder, die sie mitgrölen – vom Klassiker bis zum Außenseitertipp.“

Hier bekommt ihr das Buch.

Es geht los: United We Stream Leipzig

Wir haben uns einen Leipziger Ableger von United We Stream herbeigesehnt – und jetzt ist er hier. Wir verraten, worauf ihr euch in den nächsten Wochen einstellen könnt.

Hinter den Kulissen arbeiten unsere Clubs und die Leute, die hinter ihnen stehen, schon eine Weile am Leipziger Ableger von United We Stream – denn nicht nur die Berliner Clubkultur steht vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Das Livestream-Format hat jetzt, Mitte April, zum 24. Mal seine virtuellen Türen in Berlin geöffnet und wird morgen, am 14. April, zum ersten Mal in Leipzig stattfinden.

Was erwartet uns?

Der Livekommbinat Leipzig e.V. – ein Zusammenschluss von Livemusikspielstätten und Kulturschaffenden der Leipziger Clubkultur – steht, wie auch beim Soli-Ticket, hinter dem Projekt. Ganz allgemein und in den Worten der Livekomm gesagt: „in den kommenden Wochen oder gar Monaten kommt der heißeste Scheiß aus Leipzigs Clubs und Konzertvenues direkt in eure Wohnzimmer.“

Auf einem Kanal soll die ganze Bandbreite und Vielfalt der Leipziger Clubszene beleuchtet werden. Das heißt, dass nicht nur DJ-Sets, Live-Performances und andere musikalische Programmpunkte im Fokus stehen, sondern auch Gesprächsrunden, Vorträge, Lesungen und Filme rund um clubkulturelle Themen gestreamed werden sollen. Das Ganze findet in Kooperation mit ARTE concert und radioeins statt, wir begleiten das Projekt als Medienpartner*in. Hier findet ihr die Leipziger United We Stream Website, die euch ebenfalls immer auf dem Laufenden halten wird.

Das erste Programm

Mit einer Geburtstagsfeier wird der Start im mjut gemacht: sie feiern ihr zweites Club-Jubiläum und nutzen die Chance, ihre Re:START-Veranstaltung online nachzuholen. Von 19 bis 0 Uhr findet der Stream statt, programmtechnisch erwarten euch folgende Residents: Alto Bloom, Sui, DJ Maik, DJ Detox und Translucid.

Deine Unterstützung

Wie wir alle wissen, ist die aktuelle Krise existenzbedrohend. Clubs sind durch die Bank weg von Insolvenz bedroht. Gehälter, Mieten und sonstige laufende Kosten können nicht mehr bezahlt werden und das jeweils in einem individuellen Maß.

Es ist wichtig, gemeinsam Spenden zu sammeln und sie solidarisch wirklich den Clubs zukommen zu lassen, die sie aktuell am meisten brauchen und nicht denen, die medial am stärksten auftreten. Denn nur ein breites Angebot schafft einen breiten Horizont und jede Spielstätte wäre ohne die anderen nicht die gleiche, weder in ihrer Wirkung noch in ihrer Position in der Stadt.

Aus diesem Grund fließen alle Einnahmen der Streams über das Club-Soliticket in einen Rettungsfond, der von der Livekomm verwaltet wird. So werden die Clubs unterstützt, die auch das zukünftige Programm von United We Stream maßgeblich mitgestalten werden: Noch Besser Leben, DISTILLERY, WERK2-Kulturfabrik, UT Connewitz, elipamanoke e.V., Moritzbastei, Institut fuer Zukunft, mjut, TV Club Leipzig und Conne Island.

Bitte schaut den Stream verantwortungsbewusst und trefft euch nicht in großen Gruppen. In diesem Sinne: happy streaming!

KW 16 – Dienstag

It was about time: Der erste United We Stream – Livestream aus Leipzig geht on air. Und zwar aus dem Mjut, das an diesem Tag seinen 2. Geburtstag feiert. Mit euch und uns!

Wie immer bei United We Stream startet der Livestream um 19 Uhr und ihr könnt euch ganze fünf Stunden lang vor den Laptop knallen und ins Mjut sneaken. Fast so, als wäret ihr vor Ort… na ja, eben fast. Das soll dem Ganzen aber keinen Abbruch tun.

Line Up:
Alto Bloom, Sui, DJ Maik, DJ Detox und Translucid

Wir, also frohfroh, sind noch in letzter Minute (thank u, Amy!) Medienpartner*in für diesen und alle kommenden Streams aus Leipzig geworden. Das heißt, ihr könnt bei Facebook auch bei uns den Livestream anklicken und virtuell mit uns trinken, tanzen, das Mjut feiern und zuhause einen schönen Abend mit viel Musik verbringen.

Re:START

Why and How: Streaming als Support für Clubkultur

Die Clubkultur in Leipzig steht vor der wohl größten Herausforderung ihrer Geschichte. Seit Wochen ist das Nachtleben behördlich stillgelegt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu unterbinden. Seitdem sind viele Tausende Mitarbeiter/innen und Kulturschaffende ohne Beschäftigung, und mit ihnen kämpfen zahlreiche Schauplätze des pulsierenden Nachtlebens mangels Einnahmen ums Überleben. Als Antwort darauf, dass in Leipzig wie überall in der Republik die Clubs geschlossen sind, erklären sich Leipziger Clubs solidarisch und bringen gemeinschaftlich den größten digitalen Club zu Dir nach Hause. Wenn schon alleine feiern, dann richtig.

United We Stream ist in Partnerschaft mit ARTE Concert in Corona-Zeiten die Streaming-Plattform auch für Leipziger Clubs und Künstler*innen. Wir zeigen auf einem Kanal die ganze Bandbreite und Vielfalt der pulsierenden Leipziger Clubszene. Neben der Live-Übertragung von DJ-Sets, Live-Musik und Performances ist United We Stream auch eine Plattform für Gesprächsrunden, Vorträge und Filme rund um clubkulturelle Themen.
Wir brauchen nun Deine Unterstützung, damit die Leipziger Clubszene diese schweren Zeiten übersteht!

Alle Einnahmen der Streams fließen über das Club-Soliticket in einen Rettungsfond, der vom Leipziger LiveKommbinat Leipzig e.V. verwaltet wird. Ihr unterstützt folgende Clubs- und Musikspielstätten: Noch Besser Leben, DISTILLERY, WERK2-Kulturfabrik, UT Connewitz, elipamanoke e.V., Moritzbastei, Institut fuer Zukunft, mjut, TV Club Leipzig, Conne Island.

Also… bis Dienstag!

Taktaktak „LastNight EP“

Der Frühling ist endlich da und wir können wahrscheinlich alle etwas sonnige Musik vertragen. Da passt die „LastNight EP“ von Taktaktak perfekt.

Vielleicht bekomme ich es nicht mit, aber zeitgenössischer R’nB/Soul/Pop, der nicht nur gut gemacht, sondern auch unpeinlich klingt, kommt nicht allzu häufig in Leipzig vor – oder besser gesagt aus Leipzig. Über Gegenbeispiele in den Kommentaren würde ich mich natürlich freuen.

Taktaktak ist nun ein Projekt, bei dem die Parameter einfach stimmen: Im Hintergrund pluckert die Drum-Machine, verwaschene Synthesizer-Pads schweben im Raum, eine Gitarre begleitet das Geschehen. Im Zentrum aber steht der Gesang, ab und zu durch gängige Effekte unaufdringlich manipuliert und sich dabei selbstbewusst an R’n’B und Pop orientierend.

Das funktioniert, weil hier jemand versteht Songs zu schreiben: Vor allem Stücke wie „When Love Kills“ besitzen Ohrwurmqualitäten und rotieren hoffentlich demnächst in divesen Radio- und Spotify-Playlisten. Und obwohl es in den Texten auch um Einsamkeit und schwierige Beziehungen geht, wirken die Songs nicht dramatisch. Vielmehr erzeugen sie eine Stimmung, die an lange Sommerabende erinnert, in die sich hin und wieder etwas bittere Melancholie einschleicht. Da möchte ich mir doch gleich ein Bierchen in der Sonne öffnen und mich darüber freuen, Taktaktak irgendwann hoffentlich live hören zu dürfen.

Videos gibt’s auch:

„Allein, allein“ in der Krise: Kulturschaffende in Sachsen

Die Überschrift klingt lustiger, als es ist. Womit Kulturschaffende gerade zu kämpfen haben und warum die Soforthilfen der Bundesregierung keine (echten) Hilfen für Solo-Selbständige sind, bewegt auch die Clubszene.

Es war beruhigend und beunruhigend zugleich: Die Ankündigung aus dem Wirtschaftsministerium, „die Bazooka“ zur Rettung aller von der Krise Betroffenen hervorzuholen und mit „Kleinfeuerwaffen“ nachzujustieren. Künstler*innen und Kreative in Sachsen fühlen sich hingegen im Stich gelassen – oder, um bei der Metapher zu bleiben: unbewaffnet zurückgelassen.

KfW, Soforthilfen und Hartz IV

Die Kriegsmetapher sollte wohl den Ernst der Lage signalisieren, aber auch die „Geschütze“ angemessen benennen, die man nun auffahre. Mit „Bazooka“ waren im Übrigen die unbegrenzten Kredite gemeint, die die Bundesregierung für alle Betriebe bereithalte, die durch die Corona-Krise vor finanziellen Problemen stehen.

Gleich nach dieser eindrücklichen Pressekonferenz regte sich das erste Misstrauen. Kredite von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau, ein paar Studis werden den Namen noch kennen) sind schön und gut, aber es sind Kredite, die zwar erst einmal dafür sorgen, „flüssig“ zu sein, aber eben auch zu Verschuldung führen. Nicht für jede*n kommt das in Frage. Gerade für Künstler*innen und Musiker*innen, die finanziell sehr unterschiedliche Monate erleben und selten weit voraus planen können, sind Kredite keine (vorübergehende) Lösung.

€€€

Es wurde nachjustiert, und zwar mit sogenannten Soforthilfen, die vom Bund verteilt werden und über die Bundesländer ausgeschüttet werden. Soforthilfen sind Zuschüsse, die nicht zurückbezahlt werden müssen, anders als das bei Darlehen bzw. Krediten der Fall ist. In einigen Städten (zum Beispiel in Dresden) und Bundesländern entschieden die jeweiligen Landesregierungen, zusätzliche und kombinierbare Soforthilfen einzusetzen.

Zusätzlich wurde der Zugang zur „Grundsicherung“, was sich irgendwie nach Grundeinkommen anhört, aber einfach ein anderes Wort für „Hartz IV“ ist, „erleichtert“.

Unterstützung an der Lebenswelt vorbei

Selbständige Kulturschaffende, Musiker*innen, Künstler*innen, DJs… für genau diese Menschen seien diese Soforthilfen, Darlehen und die „Grundsicherung“ der Rettungsring. Achja? In sozialen Netzwerken und in der Presse werden teilweise verzweifelte Stimmen laut, dass das in Sachsen eben nicht der Fall ist. Dass die Unterstützung an der Lebenswelt von Künstler*innen und Kreativen vorbeigehe und es für die meisten keine andere Wahl gebe, als Hartz IV zu beantragen.

Kultur in der Krise (tagesschau)

Klaffende Lücken im Netz

Eine großmaschige Lücke im Netz ist die bisherige Bestimmung, dass für den Soforthilfeantrag nur Betriebskosten geltend gemacht werden können. Das sind zum Beispiel Leasing-Verträge für Firmenautos, Miete eines Ladengeschäfts oder Lagerräume.

Nur, solche Kosten haben die wenigsten Kulturschaffenden anzuführen. Größtenteils arbeiten sie von Zuhause, reisen zu Auftritten, schreiben Anträge, planen und organisieren von der WG-Küche oder einem Arbeitszimmer aus und erwirtschaften damit ihren Lebensunterhalt. Das gilt für (freie) Opernsänger*innen genauso wie für DJs. Ausfallhonorare für die Einkommensausfälle für all die Auftritte oder Veranstaltungen, die sie in den letzten und in den kommenden Wochen mitgestaltet hätten, gibt es nicht und können bisher in Sachsen nicht geltend gemacht werden.

(Ein Blick nach Hamburg zeigt, dass dort anders gedacht wird: „Solo-Selbstständige erhalten neben der Förderung zur Deckung des Liquiditätsengpass aus Mitteln des Bundes eine zusätzliche pauschale Förderung in Höhe von 2.500 Euro zur Kompensation von Umsatz- und Honorarausfällen aus Landesmitteln.“, Anm. der Redaktion)

„Grundsicherung“ ist kein Grundeinkommen

Was dann noch bleibt, ist der Weg zum Amt. Grundsicherung, also Hartz IV. Es wird ein Wiedereingliederungsvertrag aufgesetzt, man gilt damit als arbeitsuchend. Wer schon mal in Kontakt mit dem System „Hartz IV“ gekommen ist, kennt die (unwürdigen) Traits: Sanktionen bei Nicht-Erscheinen zu Terminen, eure Partner*innen, falls ihr zusammenlebt, müssen ihre Finanzen offen legen.

Eine weitere Zwickmühle: Künstler*innen und Musiker*innen sind nicht arbeitslos, ihre Arbeit unterliegt schlicht einem Berufsverbot. Es wird also von Zuhause weitergearbeitet, komponiert, produziert, illustriert, gezeichnet… nur fehlen die Auftritte bzw. der Verkauf einer künstlerischen Arbeit in Läden – was normalerweise das Geld einspielt.


ARTE ARTE

Die Regierung versucht den Schaden, den der Ausbruch des Corona-Virus verursacht, bestmöglich aufzufangen. Die Schuldenbremse wird ausgesetzt und mit einem Rettungsschirm über 40 Milliarden Euro sollen Klein- und Solo-Selbstständige vor der Privatinsolvenz gerettet werden. Doch viele freiberuflich arbeitende Menschen können nicht warten. Stefan Streck aus Leipzig (Micronaut) ist einer von ihnen. Er ist Musiker, DJ und Tontechniker. Von einem auf den anderen Tag wurden alle Veranstaltungen und damit Aufträge für ihn abgesagt. Auf seinem Konto hat er noch 700 Euro und keine Ahnung, wie er in den kommenden Monaten seine Miete bezahlen soll.

Hier seht ihr den Beitrag bei Arte TV.

Student*innen im Kulturbetrieb

Und, btw, was ist eigentlich mit all den Studierenden, die an der Theke, an der Garderobe oder an der Tür in Clubs oder Konzerthallen gearbeitet haben? Oft genug sind das (und hier kann ich aus eigener Erfahrung sprechen) Studis, die ein Kleingewerbe angemeldet haben und auf Rechnung arbeiten. Sie sind genauso betroffen, all ihre Aufträge sind bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Und wer auf Rechnung arbeitet, kennt das Spiel: Kein Einsatz, keine Rechnung, kein Geld.

Studierende können, da der „Hauptjob“ das Studium ist, weder Soforthilfe noch Hartz IV beantragen. Auch diejenigen, die einem Job (zum Beispiel in Teilzeit) nachgehen und frei- oder nebenberuflich im Kunst- und Kultursektor arbeiten, sind innerhalb der momentan geltenden Bestimmungen von den Hilfen ausgeschlossen.

Rosige Zeiten?

Allzu entspannt-rosige Zeiten verspricht all das nicht. Und es scheint, als ob viele nicht wissen, dass nun nicht jede*r Künstler*in oder Kulturschaffende mit einem Antrag Geld zum Überleben auf’s Konto gezaubert bekommen hat. Ganz im Gegenteil: Die momentane Situation, an die wir uns teilweise fast gewöhnt haben, mit all dem Sonnenschein und all der (erzwungenen) Entschleunigung, wird von Tag zu Tag brenzliger für Akteur*innen des Kultursektors.

„Denkzeit“ und „So geht sächsisch“

Auf die Appelle der Kunst- und Kulturschaffenden scheint die Politik in Sachsen zumindest mit einem neuen Förderprogramm zu reagieren. Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen werde ein neues, unbürokratisches Stipendienprogramm namens „Denkzeit“ auflegen, heißt es. Es richte sich an Künstler*innen, damit sie die Zwangspause kreativ nutzen und Ideen für die Zeit danach entwickeln können. Außerdem soll über die Kampagne „So geht sächsisch“ weiteren Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform geboten werden. 10 Millionen Euro sollen dafür zur Verfügung stehen.

Dass mit diesen zwei Programmen keines der aktuellen Probleme selbständiger Künstler*innen „unbürokratisch“ und flächendeckend in Sachsen gelöst wurde, wird hoffentlich nicht vergessen.

…finanzielle und gesellschaftliche Wertschätzung – jetzt!

Es braucht mehr als ein neues Förderprogramm für Kultur in Sachsen. Es braucht das, was anfänglich versprochen wurde: unbürokratische Hilfe für Kunst und Kultur sowie finanzielle und gesellschaftliche Wertschätzung, bei der nicht bloß auf Kredite und eine „Grundsicherung“ verwiesen wird, die für viele keine nachhaltigen Hilfen darstellen.

Künstler*innen, DJs, Producer*innen, Musiker*innen – mit ihren Ideen, mit ihrer Kunst, mit ihrer Musik, die wir nicht nur in Lockdown-Zeiten so sehr brauchen – genau sie brauchen finanzielle (Überlebens-)Hilfe. Jetzt. Nicht morgen, nicht übermorgen, jetzt!

Disclaimer! Hört den Podcast von Kathi Groll mit Ana Bogner und Schlepp Geist zu diesem Thema.

News, News: Club Quarantäne

Club Quarantäne e.V. ist geboren! Der Verein will Künstler*innen vorstellen und mit 500 Euro unterstützen.

Die Kunst geht in Quarantäne…

„…Ausstellungen und Konzerte wurden abgesagt, verschoben auf unbestimmte Zeit. Die Aufträge für Kreativschaffende bleiben aus, Werke werden zurzeit nicht mehr verkauft, musikalische Performances finden nicht mehr statt. Die Folgen sind ungewiss“, schreiben die Macher*innen der Initiative auf ihrer Website und bei Startnext.

Musik, Kunst, Literatur und Film

Aus dieser Not heraus haben sie einen Verein gegründet, den Club Quarantäne e.V., und eine Website aus dem Nichts gezaubert. Ein kurzer Schwenk über die Seite macht klar: Die meinen es ernst, wollen die Krise als Chance sehen und ein Festival mit Künstler*innen aus Musik, Kunst, Literatur und Film ausrichten. Wow!

Wer steckt hinter der Idee?

Das Ganze klingt schon fast zu spontan, schlüssig und zu gut… but: it is. collide24.org, Maison Hefner, Present Books, Radio 80000, Sachsen Trance,  Souvenir Official, die Gewerkschaft Verdi und Studio CNP sind als Partner*innen auf der Website ausgewiesen, als Ideengeber*innen bzw. Gründer*innen – und da kommt auch zu einer Hälfte wieder Leipzig ins Spiel… – werden uns Kristina Jahreis und Monty Richthofen (Maison Hefner) vorgestellt.

Club Quarantäne und Post-Quarantäne Festival

Die Künstler*innen, die von Club Quarantäne ausgewählt werden, erhalten das Geld nach der erfolgreichen Finanzierung des Konzepts direkt von Club Quarantäne. Keiner solle gezwungen werden, in diesen Zeiten seinen kreativen und kulturellen Schaffensprozess unterbrechen zu müssen. Das Projekt sei ein Fallschirm für Kreativschaffende in der Corona Krise, schreiben sie.

…Fallschirm in der Krise



START START

Damit das Projekt anlaufen kann, muss die Finanzierung klappen.
Bei Startnext könnt ihr u. a. Sachsentrance-Shirts (im Party-Paket inbegriffen) oder ein Tattoo aus dem Hause Hefner ergattern und damit dieses Projekt fördern. Get it!


Am Ende des Projekts, nach der Auflösung des Versammlungsverbots, wird Club Quarantäne dann ein Festival veranstalten, bei dem die vorgestellten Künstler*innen – hoffentlich und endlich wieder vor Publikum – ihre Werke ausstellen, Musik spielen oder performen können. Was schon verraten werden darf: Das Festival wird in der Nähe von Berlin stattfinden.

Wie könnt ihr Teil von Club Quarantäne werden und eure Arbeiten präsentieren?

Open Call

Ganz einfach: Bewirb dich jetzt mit einer künstlerischen Arbeit, in der du dich mit der Corona Krise auseinandersetzt, bei Club Quarantäne für ein Feature. Und sei am Ende beim Festival dabei!

Hier geht’s zum Open Call; die Auswahl erfolgt via Juryentscheidung.

KW 12, 13, 14…

Bleibt Zuhause und bleibt gesund.

Wie ihr es vielleicht mitbekommen habt, halten wir uns bis auf unbestimmte Zeit mit den Ausgehtipps zurück. Die Clubs haben zu – stöbert ein wenig auf SoundCloud, Bandcamp, Discogs, etc. herum, schaut Livestreams, legt Zuhause auf. Lasst euch was einfallen. Hauptsache keine Partys.

Wir halten euch in jedem Fall auf dem Laufenden, wie es in und mit unserer Clubkultur vorangeht.

Stay safe.

Behind the stream: Callshop Radio Leipzig

Obwohl es das Callshop Radio Leipzig erst seit einem Dreivierteljahr gibt, hat sich die Plattform einen festen Spot in Leipzigs Szene sichern können. Wer steckt hinter dem Projekt?

Eine Atomschutzbunker-artige Luke und einige Betontreppen geht es in die Räumlichkeiten des Callshop Radio hinunter – und es ist für das, was man sonst einen Keller nennen würde, sehr gemütlich. Hinter einem Sofa, zwei Sesseln, vielen aufgehangenen Plakaten und jeglichem anderen Kram befindet sich eine Booth, die man mittlerweile aus vielen Livestreams kennt. Auf ihr steht ein Plattenspieler, der eine Platte mit Jazz und House-Einflüssen abspielt.

Genauer gesagt liegt hinter dieser Bunkerluke das Callshop Radio Leipzig, der ostdeutsche Ableger eines in Düsseldorf gestarteten, audiovisuellen Radioprojekts. Paul alias DJ 4Never ist 2018 nach Leipzig gekommen und ist hier für das Projekt verantwortlich; er hat sich um die Räumlichkeiten hier in Connewitz gekümmert und das Radio Mitte 2019 realisiert. Seitdem hat sich das Ganze mit soliden Bookings und fetzigen Artworks als fester Teil der Szene etablieren können.

Paul alias DJ 4Never im Eingang des Callshop Radio Leipzig / Foto von Freund Walter

Radio: das bedeutet erstmal nicht, was wir unter dem klassischen UKW-Radio verstehen. Das Team rund um die beiden Standorte kuratiert ein festgelegtes Programm, das unter callshopradio.com angehört und angeschaut werden kann und anschließend bei SoundCloud aufrufbar ist. Freunde von Paul – Kaspar, Kilian und Fernando – haben dafür 2017 in Düsseldorf die Infrastruktur (Website, Designs, etc.) geschaffen. 

„Es gibt hier eine diverse, große Szene und viel Musik – aber kein Radio, das das so richtig repräsentiert.“

Zu der lebendigen Szene, mit der er als Neuankömmling in Leipzig konfrontiert war, wollte Paul beitragen, das Projekt seiner Freunde in Düsseldorf hatte er schon seit den Startlöchern verfolgt. 

Die bestehenden Radiosender, die es hier bereits gab „waren sehr Radio-Radio-mäßig. Also mit Beiträgen, politischen Sachen und News, aber nicht rein Musik- und Subkultur-zentriert.“  Aus der ursprünglichen Idee, einige Shows zu machen, um Leipziger Künstler*innen vorzustellen und die bestehende Düsseldorfer Infrastruktur auszunutzen, wurde so recht schnell ein zweites Standbein für das Callshop Radio.

Foto von Freund Walter

Als ich Paul frage, ob er einige Lieblingssets aus über einem halben Jahr Callshop Radio Leipzig nennen möchte, muss er verneinen: sich auf ein*e Künstler*in, eine Musikrichtung festzulegen, wäre zu schwer. „Ich finde es schön, dass es bei uns eben so divers ist. Ich freue mich über jedes Dance-Set, aber auch über jedes Set, das Clubmusik auch mal in den Hintergrund setzt.“ An einem Abend war zum Beispiel erst Neele zu Gast, die den Abend mit soften House- und Breakbeat-Tracks einläutete und anschließend Ostbam, die ihn mit Techno und Trance auf 160bpm beendete. Oder einige der ersten Künstler*innen, die beim Leipziger Radio spielten – Zoya und Judith Crasser beispielsweise – die überhaupt keine clubtypischen Sounds spielten. 

Die Düsseldorfer Szene ist laut Paul zwar „künstlerischer, kleiner, experimenteller und intensiver“, aber die Leipziger Szene gibt mehr her. Ursprünglich sendete der Leipziger Ableger des Radios 2019 noch Montagabends, 2020 folgte deshalb dann der Wechsel zum Donnerstagabend – durch Reihen wie der INPUT im Institut fuer Zukunft oder anderen Donnerstagsveranstaltungen „macht das einfach mehr Sinn“. Unter normalen Umständen hört man das Radio nun mit „mindestens einer Show die Woche“ am Donnerstag. 

Das Radio ist sowohl in Leipzig als auch Düsseldorf ein ehrenamtliches Projekt. Zwar gibt es auf ihrer Website eine Möglichkeit zu spenden, jedoch finden auch immer mal vereinzelte Veranstaltungen statt, die zur Finanzierung des Ganzen beitragen sollen. Nach zwei kleineren Sachen im T//F sollte am 04.04. zum Beispiel im Atelierhaus frühauf eine Veranstaltung namens Radioaktiv stattfinden: mit Warning-Resident Marie Montexier, Good News, Leeza und DJ Limo. Auch, wenn diese Party ausfällt, lohnt es sich, für weitere Aktionen die Augen offen zu halten.

Das Booking für den Leipziger Ableger und alles, was damit zu tun hat, übernimmt Paul hauptsächlich selbst; seit zwei Monaten ist KANN-Mitbegründer Sevensol mit seiner eigenen, gewohnt House-lastigen “Long Vehicle„ Reihe dabei. (Die erste Long Vehicle Platte wurde bei uns letztens unter die Lupe genommen: hier geht’s zur Rezension.) 

Während sich gerade in Paris ein drittes Standbein für das Callshop Radio formiert, sind die Shows in Leipzig erstmal im Homeoffice-Modus: mit Sound und, ausnahmsweise, ein paar Male ohne Video. Einige Shows wurden abgesagt und bis auf unbestimmte Zeit verschoben. Andere, ungeplante Shows finden nun stattdessen statt, mit Residents und Freunden des Radios, die die nötige Technik zu Hause haben. 

Auf dem neuesten Stand könnt ihr in dieser ungewissen Zeit in jedem Fall mithilfe des Callshop Radio Insta-Channels bleiben und einen Telegram-Chat für Leipzig gibt es auch: https://t.me/callshopradioLE

Auf Soundcloud und Facebook könnt ihr ebenfalls auf dem Laufenden bleiben.