2015er Nachlese #3 – Sneaker „Algerian Raï“

Um das Uncanny Valley-Label Rat Life Records ging es hier schon einmal – ab nun wohl auch regelmäßig, denn Label-Head Credit 00 lebt mittlerweile auch in Leipzig.

An späterer Stelle soll das näher thematisiert werden. Heute steht erstmal die „Algerian Raï„ von Sneaker im Mittelpunkt, die bereits im November letzten Jahres veröffentlicht wurde. Doch das Zuspätschnallen wird mit einer inhaltlich wie musikalisch spannenden EP entschärft, die sich mit einer in Algerien beliebten Musik auseinandersetzt, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe: Raï. Mir kamen die algerischen Wurzeln des Leipziger DJs Fouteur de Merde in den Sinn, also bat ich ihn um eine kleine Einordnung:

„Der Raï ist eine algerische Volks- und Populärmusik. Zentrum ist die Küstenstadt Oran, im Westen der algerischen Republik. Was im späten 19. Jahrhundert als einfache Hirtenmusik aus dem Umland Orans in die Stadt getragen wurde, entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einer rebellischen Bewegung der ungebildeten jugendlichen Unterschicht. Man sang über verbotene Themen und gesellschaftliche Probleme – Liebe, Frauen, Alkohol und was das Leben ausmacht. Nicht umsonst bedeutet das Wort Raï im Arabischen ‚mit einfachen Worten seine Meinung und Gedanken äußern‘. Auch heute noch spielt die Raï-Kultur eine große Rolle im Leben der algerischen Jugend und dient, ebenso wie damals, dem individuellen Ausdruck und Protest.„

In Algerien selbst war Sneaker zwar nicht, aber er stieß bei Internet-Recherchen auf der Suche nach Cumbia und russischem Wave der 1980er auch auf Raï. Die sehr präsenten Vocals der Originale wollte er aber nicht aufgreifen und mit klassischen House-Beats unterlegen. Kein Copy & Paste ohne historischen und kulturellen Kontext, wie er auf seinem Blog schreibt. Stattdessen hat sich Sneaker in die hypnotische Polyrhythmik des Raï eingegraben und sich auf das Instrumentale konzentriert.

Für den Titel-Track griff er dabei auf ein Raï-Tape mit instrumentalen Synth-Tracks aus den 1980ern zurück – mit schleppendem Beat zieht Sneakers Version entlang scheppernder und sirenenhafter Synth-Sounds von Raï-Samples und formt daraus ein sehr eigenwilliges Stück Slow-House, das gleichermaßen nördlich und südlich des Mittelmeeres aus dem Rahmen fällt.

Auch Fouteur de Merde kennt das Original: „Sneaker nutzt einen algerischen Raï-Klassiker als Inspiration für seinen Track ‚Algerian Raï‘ und unterlegt das traditionelle Stück mit einem für ihn typischen Down-Tempo-Beat. Er schlägt damit eine musikalische Brücke zwischen zwei Welten, die auch heute noch kaum unterschiedlicher sein könnten.“

„Haunted Samba“ und „Disco Sidekick“ entfernen sich dann wieder vom Raï und loten die Reduktion bis zum Äußersten aus, perkussiver und super karg in den Arrangements – Tools, die in ihrer effektiven und filigranen Einfachheit nach komplett entschlacktem Kraut-Techno klingen. Eine herrlich bemerkenswerte EP.

Vor wenigen Tagen kam übrigens die nächste Rat Life-EP heraus – dieses Mal von dem finnischen Techno-Pionier Mono Junk. Seit Anfang der 1990er ist er dabei – als Producer und Betreiber des Labels Dum Records, das den frühen finnischen Techno neben Sähkö Recordings entscheidend mitprägte. Verrückt, dass sein zweiter Frühling nun auch bei Rat Life zu erleben ist.

Andererseits passt der dunkel eingefärbte, unterkühlt und rau klingende Techno von Mono Junk bestens dahin. Doch mit den verhallten Vocals und den simplen Synth-Harmonien kommt noch extra Pop-Appeal dazu – ein Gemisch, das vor zehn Jahren in der Electro-Clash-Hochphase wahrscheinlich sehr steil durch die Decke gegangen wäre.

Vielleicht wäre es aber auch untergegangen und kommt 2016 als Solitär mit analoger Dark-Disco-Patina besser zur Geltung. Auf jeden Fall kann hier nicht von Retro die Rede sein – das hier sind unverfälschte Zeichen von jemandem aus den Anfängen des Techno.

2015er Nachlese #2 – MM/KM & Molto

Teil 2 unserer Nachlese über die spannenden Ausläufer von 2015 – heute mit drei Platten von Mix Mup und Kassem Mosse.

Der November und Dezember waren gute Monate für Fans der beiden. Erst kam eine neue MM/KM-EP, ein paar Wochen später dann ein Album von Mix Mup, das als Molto bei Ominira veröffentlicht wurde. Und schließlich eine weitere 7″ der Paid Reach-Reihe von Kassem Mosse.

MM/KM „Have You Seen Them“ (The Trilogy Tapes / Palace)

Doch zuerst ein Blick auf MM/KM und einer EP mit fast schon programmatischem Titel: „Have You Seen Them“ Eher nicht, so scheu wie sich die beiden abseits ihrer Live-Auftritte der Öffentlichkeit entziehen.

Fast kann der Titel als erweiterte Persiflage der „Track ID?“-Fragerei in den Kommentarspalten der DJ-Mixe gesehen werden, gehört die Celebrity-Inszenierung des künstlerischen und privaten Schaffens über alle Social Media-Kanäle längst zum Tagesgeschäft vieler Artists. Sich da rauszunehmen, kann natürlich auch schnell als Kalkül gewertet werden, um das Interesse zu steigern und einen Mythos heraufzubeschwören.

Es kann aber auch schlicht eine Lustlosigkeit gegenüber den gängigen Promo-Mechanismen oder ein Selbstschutz vor einen Hype-Moment sein. Am Ende ist es bei Kassem Mosse und Mix Mup einfach ein sehr selektiver und bewusster Ansatz, wo und in welcher Art etwas kommuniziert wird und stattfinden soll. Und darin sind sie trotz aller Verschlossenheit höchst effektiv.

„Have You Seen Them“ kommt wieder bei Will Bankheads Label The Trilogy Tapes heraus – wie schon das Debüt-Mini-Album der beiden vor knapp vier Jahren. Dieses Mal ist es allerdings eine Kooperation mit dem britischen Mode-Label Palace. Besonders toll die Artikelbeschreibung im Online-Shop:Die drei Stücke bewegen sich im abgesteckten Rahmen der beiden – zwischen rauen House-Arrangements und kleinteiliger bis ausladender Melodiösität. „Tane“ lotst sich abseits der Tanzfläche, als unberechenbare Spielerei, als Anti-These zur klassischen A-Seite.

Auf der anderen Seite sind dann mit „Chorus Beach“ und „Watching Gischt“ zwei Stücke, die trotz Rumpeln, Rauschen und Rasseln für MM/KM-Verhältnisse erstaunlich klar und eingängig strukturiert klingen, inklusive Folk-Gitarren-Touch. I don’t understand / What is KM/MM?

Molto „Versatile Service Internation“ (Ominira)

Eine andere Art der Kooperation der beiden gab es mit dem Molto-Album „Versatile Service International“, das Mix Mup auf Ominira, dem Label von Kassem Mosse im Dezember rausbrachte. Hier vermischt sich der Kunst-Kontext aus dem Lorenz Lindner alias Mix Mup ebenfalls kommt mit dem offenporigen Analog-Sound von Mix Mup zu einer neuen Form.

Wohl deshalb ist es eben kein Mix Mup-Album. Auch musikalisch ist es weit entfernt von dem, was sonst unter dem Pseudonym bekannt ist. Die 18 Stücke sind Fragmente aus losen Sounds, Field Recordings und Effekten, zwischen einer und vier Minuten lang. Irgendwo zwischen Ambient, Soundtrack und Avantgarde entlang gleitend. Von 2010 bis 2015 entstanden diese Aufnahmen in Deutschland und Frankreich. Claire Potter begleitet das Album mit Liner Notes, die vage Spannungsmomente zwischen Party- und Galerie-Erwartungen anreißen.

„Versatile Service International“ ist ein intensives Sammelsurium ohne feste Struktur, mehr Bildende Kunst und Performance als klassisches Musikalbum. Aber genau an der Schnittstelle bricht es sehr gut den mittlerweile durchaus festgefahrenen Sound von Kassem Mosse und Mix Mup auf und bringt eine neue Spannung herein.

Zum Vorhören sei der Boomkat-Player empfohlen.

Paid Reach „I Ping / Experience Change“ 

Aber auch Kassem Mosse bricht seinen Sound mit der Paid Reach-Reihe, die auf 7″-Vinyls höchst spartanische Techno-Skizzen featuren. „I Ping“ und „Experience Change“ heißen zwei neue Stücke. Rhythmisch verzogen klingen sie, als Loops hingejammt und roh belassen. Sounds für Zwischenräume oder organisch-abstrakte Kunstwerke, mit schräger Spannung beladen.

Vorhören geht auch hier gut bei Boomkat.

Und nicht verpassen: Kassem Mosse hat am Neujahrstag den Start ins neue Jahr mit einem unglaublich guten Mixtape versüßt. Erhältlich via WeTransfer.

Bild-Credits MM/KM: Palace
Bild-Credits Paid Reach & Molto: Airbag Craftworks

Mix Mup Website
Kassem Mosse Facebook
Ominira Website
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2015er Nachlese #1

Das neue Jahr ist da – aber es gibt noch ein paar Releases der letzten Wochen von 2015 vorzustellen. Die ersten vier gibt es heute.

Kumquat „Romance Revenge“ (A Friend In Need)

Los geht es mit der letzten EP von A Friend In Need, die das Amsterdamer Duo Kumquat mit drei Tracks bespielen durfte. Sie nutzen den Raum für fluffig-weichen Deep House und einem HipHop-Sidekick. Besonders letzterer entpuppt sich als echte Perle. Einerseits lebt „Times Like These“ von einer lässig-nickenden Beatmaker-Attiüde, die zwischendurch von einem beiläufig mitgeschnitten klingenden Spoken Word-Sample aufgelockert wird, andererseits behält das Stück über die gesamte Länge eine subtile Spannung.

„Romance Revenge“ und „The Honeymoon“ gleiten hingegen kantenlos durch die abgesteckten Felder des klassischen Deep House. Sehr solide und smooth, aber auch ohne wirklich inspirierenden Kick. M.ono von Rose Records konzentriert den Schub von „The Honeymoon“ mit seinem Remix zu einem pastellgefiltertem, federnd galoppierenden House-Track.

M.ono & Luvless „Getting Down“

M.ono & Luvless waren im Dezember beim Stamp The Wax-Adventskalender mit einem unveröffentlichten Track vertreten. „Getting Down“ reiht sich nahtlos ein in den flockig-sanften House-Sound der beiden. Interessanter der Nebenaspekt: Die Erlöse des Kalenders gingen an Help Musicians, einer britischen Initiative, die in Not geratene Musiker finanziell unterstützt.

Sven Tasnadi „Magic 29“

Auch Sven Tasnadi haute kurz vor Weihnachten noch einen Free-Track via Soundcloud raus. Piano-House mit Streichern und scheinbar auch einem Augenzwinkern – so klingt „Magic 29“ zum Abschluss eines Jahres, das für ihn mit seinem zweiten Album „All In“ durchaus wichtig war.

Cuartero „Shadow EP“ (Moon Harbour Recordings)

Nach dem großen 15-Jahre-Reigen von Moon Harbour verabschiedete sich das Label mit einer EP des Spaniers Cuartero aus dem Jahr 2015. In den vergangenen Jahren war er bei Moon Harbour in zwei Kollaboration mit Waff und Sabb zu hören.

Hier nun also solo. Und was wirklich gefällt, sind die packenden Bassdrums, die den loopigen, soul-geteasten Tracks eine gute Kantigkeit verleihen. Und dreimal ein enorm hohes Energielevel, das klar auf die Peaktime abzielt. Aber irgendwie eben auch packend.

A Friend In Need Facebook
M.ono & Luvless Facebook
Sven Tasnadi Facebook
Moon Harbour Website
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Walter Schulze „Water On Mars“ (Edition Schulze)

Neuigkeiten von Karl Marx Stadt: Nach dem Start seines eigenen 7″-Labels Karl Marx Land, seinem Umzug nach Leipzig und diversen Remix- und Compilation-Beiträgen meldet er sich nun mit seinem jüngsten Alter Ego Walter Schulze zurück.

Walter Schulze? Da war doch was! Auf unserer Support-Compilation „Electronic Music Leipzig“ könnt ihr bereits ein Stück von ihm hören. Nun gibt es die erste EP „Water On Mars“ auf Edition Schulze, die sich dem experimentellen Space-Ambient von Walter Schulze widmet. Fast zwanzig Minuten Gesamtlänge ergeben die drei Stücke, die direkt vom roten Planeten zur Erde geschickt wurden.

Erst kürzlich entdeckte die Nasa Salzspuren auf dem Mars, welche die Existenz von fließenden Wasser beweisen. Eine Sensationsmeldung für die Wissenschaft, ist Wasser doch eine grundlegende Notwendigkeit für Leben. Was bei den einen Begeisterung auslöst, löst bei anderen nur Schulterzucken aus. Und dann gibt es noch diejenigen, für die solche Nachrichten Anlass zum Träumen und zum Erdenken von Geschichten sind. Die unzähligen Sci-Fi-Romane und -Filme fallen euch bestimmt selbst ein.

Walter Schulze nutzt Modular-Synthesizer für seine Interpretation einer Reise auf den Mars. Wie fremdartig und faszinierend diese lebensfeindliche Umgebung wirkt, lässt sich kaum besser beschreiben als mit seiner Form von trippigen Space-Ambient. Eigentlich kalte, mäandernde Sounds umkreisen einfache, sich wiederholende Grundmelodien. Trotzdem strahlt die Musik eine Wärme aus, vielleicht, weil sie an alte, utopische Filme erinnert. Retro-Futurismus im besten Sinne also.

Der erste Track „Ankunft auf dem roten Planet“ gibt nicht nur die Fremdartigkeit des Mars wieder, sondern auch die Anspannung ob der Frage, was die Besucher wohl erwarten mag. Mehr als elf Minuten erkundet Walter dann den Planeten im zweiten Stück der EP „Walter On Mars“. Während die ersten vier Minuten quasi schwerelos vergehen, scheinen sich die Geheimnisse des Planeten ab der fünften Minute blubbernd und schnatternd zu offenbaren.

Wer dann im dritten Track wohl den „Funkspruch zur Erde“ sendet, lässt sich schwerlich heraushören. Vielleicht ist es ein sichtlich verstörter Walter Schulze, vielleicht aber auch seine Begegnung auf dem roten Planeten. So oder so, es ist das Ende eines verrückten Trip auf den Mars, gleichzeitig aber erst der Start der Edition Schulze.


Ihr wollt weiteren experimentellen Ambient von Walter Schulze? Hier gibt es noch den Mitschnitt eines Live-Sets im Elipamanoke:

Walter Schulze Bandcamp
Walter Schulze / Karl Marx Stadt Facebook
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Neuer Leipziger Flavour – Mixtape

HipHop und Rap made in Leipzig – da geht einiges. Wer tiefer einsteigen mag, sollte das zweistündige Mixtape von DJ Dørbystarr nicht verpassen.

Dass in Leipzig einiges an gereimt vorgetragenen Geschichten und wörtlich ausgetragenen Battles im Gange ist, dürfte keine wirklich große Überraschung sein. Immerhin ist nach It’s Yours und Raputation mit Rap Circus vor wenigen Monaten ein weiterer Blog hinzugekommen, der sich der hiesigen HipHop- und Rap-Szene widmet. Und überall der Tenor: Aktuell geht enorm viel, nur bekommen wir das in unserer Elektronik-Blase leider nur am Rande mit.

Umso dankbarer bin ich über das Mixtape „Neuer Leipziger Flavour“ von DJ Dørbystarr. Als DJ, Veranstalter und Autor von Raputation ist er Teil eines wohl immer größer werdenden HipHop-Netzwerks, das mit einigen Namen auch schon über Leipzigs Grenzen hinaus wahrgenommen wird. Sein Mixtape widmet sich den vergangenen zehn Jahren und zeigt anhand von über 25 Acts und Crews, was Leipzig zwischen 2005 und 2015 an viel versprechendem HipHop und Rap hervorgebracht hat. Perfekt für den Einstieg und mit geilem Cover-Artwork von Pierre von Helden.

Tracklist:
Intro – Dr. Helmut Kohl (1989)
BzumZ aka Barack Zobama – Rap Ohne Leipzig [Dr. Cooper Remix] (2014)
BzumZ aka Barack Zobama – Dreckiges Paper (2013)
Stylus & DJ Skyline – In Meinem Kopf (2014)
Stylus – YesYesYo Shit mit DJ derbystarr & Caligari (2015)
Stylus – Luxus [Grammophon Finest Remix] (2015)
Caligari – Argumentationskette (2014)
Caligari – Zehn Weedgesetze [Wer Baut, Der Haut] (2013)
[Skit] – Neulich Bei Einer Umfrage In Leipzig (2012)
Bob Headfuck – Roter Teppich (2014)
Trashfuck – Die Hoodhymne (2012)
Morlockk Dilemma & V-Mann – WK8 LSD (2007)
Morlockk Dilemma – Party’s Over (2006)
Padshah & Spank – Guerilla Taktik (2014)
Padshah – Grünauer Blocks Part II (2013)
[Skit| – FreestyleRAP (2015)
Fallobzt – Illusion und Idee feat. Orez und Cimo (2015)
Flowkost & Fallobzt – Medizin schicken (2015)
[Skit| – Fakt ist Fakt Crew, Leipzig ist gefährlich (2014)
Phoenix Muhammad – Silence (2014)
Phoenix Muhammad – Californium (2014)
Dude&Phaeb – 1989 (2013)
Dude&Phaeb & Emcee Sick (Pseudo Slang) & ChezzOne – Goin‘ on (2014)
Kritikal27 & Schattenparker & Stylus & DJ derbystarr – Guten Appetit (2014)
Kritikal27 & DJ derbystarr – Soundcloud (2014)
Beppo S. & Peter B. – Motus (2014)
Beppo S. – Vor dem Mittagsschlaf (2015)
Rasputin – Wieder ma ganz unten (2013)
Rasputin – Schmetterling feat. Clueso, Dirt M, Norman Bates (2005)
Stockinger x Duktus – Scheinwelt (2015)
Stockinger – Come Closer (2012)
Jahmica – Spasskammer [DJ derbystarr TONIGHT SOMMER-FLIP] (2012)
Jahmica – Voll wie Kurt (2015)
Jahmica & FloFilz – Jazzismus Gegen Rechts (2014)
Jahmica – Westwind (2012)
Jimmi Vau – Rendering Fehler *Exklusiv* (2015)
[Skit| – Stieber Twins im Conne Island (2009)
Funkverteidiger – Moselfeuer (2013)
Funkverteidiger x Size Beats – Industriepalast (2014)
Katharsis & Paw Cut – Drunk, Broke & High (2014)
Pierre Sonality – Küchenmesser feat. Mr. Lipster (2009)
Die Kraszesten – fünfKOMMAvier feat. Dextar (2011)
Scientist & Mr. Lipster – Südvorstadt (2007)
Scientist – PidD feat. Mr. Lipster & Mauheld (2008)
Omik K. – Wenn Wir Rollen (2014)
Omik K. – Ostblockspezial feat. Der Plusmacher (2014)
Aglie 827 – Kassensturz feat. Hektik (2013)
8ZWO7 – Lebensziel (2015)
Ket & Scientist – Keine Rolle (2013)
Ket – Es geht mir gut (2012)
Almächtig – Bürgermeister (2015)
Almächtig – Y (2015)
Cleptomatic & Optimus Rhyme – Brandloch in den Jeans (2013)
Cleptomatic – Knicker feat. Siriuz (2012)
Ostfront Crew – So nun nicht feat. Msta & Ju (2008)
rIchArt [Ostfront Crew] – Künstler im Knast (2011)
[Classic] Lockstoff Crew aka Steiles, Überkinger, DJ T-Rox & Marcel MC – It’s Been A Long Time (2002)

Rave ist kein Hobby: exLEpäng! und das Deathemberfezt

Normalerweise ist die Post-Weihnachtszeit bis Silvester traditionell eher ruhig. Seit einigen Jahren aber könnt ihr der Besinnlichkeit entfliehen und einen amtlichen Rave-Marathon in Leipzig miterleben. Verantwortlich dafür ist die exLEpäng!-Crew, welche nicht nur zum Jahresausklang die Party-Landschaft in der Stadt mitprägt.

Wer die Aktivitäten ein wenig verfolgt, wird bemerkt haben, dass exLEpäng! bereits in allen möglichen Locations Veranstaltungen organisiert hat. Ob Flash Bending, Irrlichter oder Bridgebitchbreakbeats – aus dem Umfeld tauchen immer wieder neue Party-Reihen auf und verschwinden auch wieder.

Musikalisch werden vor allem die härteren Rave-Sounds bearbeitet: Ob Breakcore, Jungle oder Hardcore-Techno – manche Spielarten würden ohne ExLEpäng! in Leipzig vielleicht gar keine Plattform mehr bekommen.

Aber gerade auch zum Deathemberfezt zeigt die Crew, dass auch alle möglichen Genres ihren Platz finden. Von einer trashigen 80er-Jahre-Party hin zu straighten Techno passiert alles mögliche bei exLEpäng!. Dass alle möglichen lokalen wie auch überregionalen DJs und Live-Acts die Veranstaltungen bereichern, sollte natürlich nicht verwundern.Wer den Party-Marathon miterleben möchte, für den haben wir hier einen Fahrplan. Mehr Infos gibt es auf Facebook.

FR 25.12. Elipamanoke – The Notch
Hardcore

SA 26.12. Atari – rawr.
Breakcore/Jungle/IDM

MO 28.12. Eishaus – Discolacola
Trap/DnB/Tischtennis/Kino

DI 29.12. xxx – Hawaii
80s/Trash/Italo/Sportlertreff

MI 30.12. Infocafé – Hitcafé
Rave/UK/Holland

DO 31.12. Staubsauger – Paradise Anyone?!
Silvester!


FR 01.01. XX-Superkronik – Noteingang
Afterhour bis Sonntag!
Technotechnotechno

Aber wer steckt eigentlich hinter exLEpäng? Wir haben Mutsch vom exLEpäng!-Hauptquartier einige Fragen gestellt.

Wer oder was ist Exlepäng?

Du meinst sicher „exLEpäng!“? Das ist einerseits relativ einfach – wir betrachten uns als Kollektiv, das aus Künstlern, Machern, Helfern und Freunden besteht und regelmäßig versucht, sein erweitertes Netzwerk einzubinden. Künstler sind hier vor allem unsere Musiker, aber klar, auch VJs, Grafiker oder bildende Kunst werden unterstützt und, dem Zweck entsprechend, benötigt. Der Zweck, also unser Antrieb und „Produkt“, sind ganz klar die Parties, die wir schmeißen. Wir verfolgen da einen ganz einfachen Selbstzweck – auf welche Parties würden wir gern gehen und was fehlt uns in der Partylandschaft?

Die Frage nach dem „WER?“ möchte ich hier nicht beantworten, das kann uns jeder persönlich vor Ort fragen. Zudem wäre es unfair einigen gegenüber, die ich vergesse oder die nicht mehr oder gerade wenig dabei sind; das Ganze unterliegt natürlich einer Fluktuation bedingt durch Zeit, Musikgeschmäcker, eigener Antrieb undundund. Ich denke, ich verrate nicht zuviel wenn ich sage: Ich bin dabei 😁.

exLEpäng! wird 10 Jahre – was war davor?

Ich möchte dazu erwähnen, dass der Name exLEpäng! erst seit etwa 2007 unsere gemeinsame Marke darstellt, hier in Form der „Moderne Technik für alte Ziele“-Tour. Vorher wars ein sehr bunt zusammengefundener Haufen. Man fand sich im zehnvierzig, im Staubsauger, in der Dübener und Roßweiner Partylandschaft und auf illegalen Doingparties sowie im Stahlbau. Aus all diesen Freundeskreisen haben wir uns zusammen gefunden.

Als Startpunkt kann man die Schließung des Stahlbaus nennen, da fehlte uns dann, erst recht seit der Schließung des zehnvierzig, Techno in der Stadt – und ruckzuck wurden halt Parties geschmissen, Hauptsache es wird geraved. Es sind nicht mehr alle Weggefährten dabei, aber ich möchte hier alle mal im Speziellen grüßen!

Welche Party, welches Booking ist besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Ganz schwierige Frage! Ich versuchs mal … Zunächst mal sind natürlich besondere Bookings spannend, es ist und war nicht immer leicht, abseits vom ganzen Agenturbusiness und den Clubtreibenden seine Nischen zu finden und zu etablieren und das dabei irgendwie finanzieren zu können.

Daher haben Bookings von internationalen Künstlern immer einen ganz besonderen Stellenwert. Die Liste ist recht lang und ich bin vergesslich. Otto von Schirach als unser erstes, großes Booking war absolut großartig, das Booking von Venetian Snares war in seiner ganzen Entwicklung ein Projekt mit viel naivem Enthusiasmus.

Auch Broken Note, GtuK, Mochipet, Felix Kubin, Ampl:tude oder Loops Haunt – mega! Außerdem waren gerade 2015 mit FFF, Blærg, Apzolut und Hitori Tori ein paar ganz spezielle Kandidaten dabei. Musikalisch sowie menschlich sehr geil. Zudem gibts mittlerweile in unserem Netzwerk so einige Künstler, die wir unsere Freunde nennen; auch das ermöglicht tolle Bookings!Alles, was so in der Grauzone passiert, hat immer mit viel Herzblut und Euphorie zu tun. Bridgebitchbreakbeats oder die letzte Party im zehnvierzig zwei Wochen vor der Sprengung 2008 (obwohl das auch andere Leute gewesen sein könnten *heiligenschein*) Auch die ganzen Squatlocations machen immer viel Spaß.

Besondere gemeinsame Reisen zu Dates, bei denen wir musikalisch und optisch nen ganzen Floor bespielen konnten, waren immer ne Klassenfahrt, Rodersdorf etwa oder Nijmegen, auch das Ziehwerk z.B. oder unsere (aktuell ausgesetzte) Mitarbeit am La Libertad-Festival. Ebenso die GSO-Wochenenden.

Wenn du mit deinen Freunden gemeinsam auswärts fährst, zusammen ein Projekt stemmst und du dann auch noch Teil der Party bist, das ist immer was Besonderes. Und zu guter letzt natürlich das Deathemberfezt. Juchu, ein Reim!exlepäng_gsoMit der Week of Death fordert ihr das Rave-Durchhaltevermögen jedes Jahr aufs neue heraus. Wie kam es zu der Idee, wie lange haltet ihr durch?

Aus der Week of Death wurde die Weak-of-Death und daraus das Deathemberfezt. Nunmehr die 7. Ausgabe. Ich möchte kurz das Konzept erklären: Das ganze ist ein Partymarathon, irgendwo zwischen den Jahren, also zwischen Weihnachten und Neujahr. Dabei versuchen wir am Stück jeden Tag in einer anderen Location eine unserer Lieblingsmusiken abzufeuern und dabei mit Freunden Musik zu machen.

Die Locations sind, wie eigentlich immer bei uns, solche, die uns am Herz liegen, aber wir müssen immer auch die Umstände der Infrastruktur checken, die besonders absurden Wochen/Feiertagskonstellationen beachten und nicht zuletzt die gespielte Musik passend wählen.

Und nun zur Eingangsfrage: Die WoD ist das Ergebnis einer etwa 1000 € teuren Verfolgungsjagd mit der Polizei nach einer dilettantischen „Partynacht“ anno 2008. Auf der Suche nach einer geeigneten Feier in einer dunklen Dezembernacht ganz Leipzig abgesucht, es war wohl ein Dienstag, nix gefunden, im Schauhaus gelandet, auf den Frust getrunken, mitm Auto heim – und der Erkenntnis: Das hat sich nicht gelohnt!

Ja und seitdem lohnt es sich, auch mal dienstags vor Silvester rauszugehen, würde ich mal behaupten. Naja und wie lange wir das weiterhin machen, das entscheiden wir jedes Jahr aufs Neue. Aber ich sag mal so: Ich würde schon mal Urlaub für den 2.1.2017 einreichen …Und nun noch einige Mix-Empfehlungen von Mutsch:

All time fave: MARSHALL @ britchbitchbreakbeats. Man kann zum Schluß hören, dass die Party gebustet wurde. :/

Ganz stark immer, alles sehr forsch: Das Zirkuskind

Und dann noch das ganze Hardcoreuniversum von Ferry S:

Subtrak ist und war immer bekannt für Stehvermögen:

Und noch 2 Podcasts unserer beiden „wir mögen jegliche Musik“-Jungs:

Eine Million aka DJ Tino aus Halle:

Firle mit der kommenden 100sten Ausgabe:

exLEpäng! Facebook

Zweimal Dancehall mit Colonel Mustard’s

Zum Ende des Jahres meldet sich nochmal Jahtari zu Wort. Nicht nur die fantastische LP von Roger Robinson und die Killah Tape-12″ veröffentlichte das Label vor einem halben Jahr. Mit Colonel Mustard’s wurde 2015 außerdem eine Plattform für Dancehall-lastigeren Sound geschaffen. Pünktlich zur Vorweihnachtszeit erscheinen nun die dritte und vierte 7″ des Sub-Labels.

Wieder erwarten uns hier jeweils ein Riddim von Naram und Disrupt, auf denen jamaikanische Dancehall-DJs ihre Vocals beisteuern. Auf „See Di Bobo Dread“ (Katalognummer 3) stammen sie von Junior Cat, bei „Chatty Mouth Defeat“ (Nummer 4) von Reverend Danny Dread. Beide sind schon länger seit den Achtzigern im Geschäft und haben ihr Handwerk nicht verlernt. Wie schon bei den ersten beiden Singles befinden sich die Dub-Versionen auf den B-Seiten. Im Grunde ist das natürlich in erster Linie Material für alle Dancehall-Selectas da draußen, die Bedarf an hochenergetisch pumpenden Riddims haben. Besonders lang sind diese nicht, was die Tunes umso Rewind-tauglicher macht. Aber auch für alle Dancehall-Laien taugen beide Singles wie ein Vitamin-Schock gegen die winterlichen Wetter-Zumutungen.

Wenn ihr noch nachträgliche Weihnachtsgeschenke für eure Soundsystem-Homies sucht – euer Geld dürfte hier optimal angelegt sein.

Jahtari Website
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Neues Label – Planet Almanac

Zum Jahresausklang gibt es noch ein kleines Highlight – mit Planet Almanac ist ein neues, höchst spannendes Label gestartet.

Wer das Dr. Seltsam-Programm immer mal im Blick hatte, dürfte über den Namen bereits gestolpert sein. Hinter dem DJ Shikoba stand immer auch Planet Almanac. Adem Zor legt unter diesem Alias auf und er hat das Label auch gestartet. Vor einem Jahr zog er von Karlsruhe nach Leipzig und hier wird aus der Idee nun Wirklichkeit.

Release Nummer 1 – veröffentlicht vor knapp zwei Wochen auf Tape und MP3 – lässt wirklich aufhorchen. Wegen der musikalischen Vielfalt, die hier angerissen wird und wegen Don’t DJ, dessen Track „Ištar CC“ den Ausgangspunkt für sechs Remixe bildet. Hinter dem Pseudonym versteckt sich der Berliner Künstler und Musiker Florian Meyer.

Als Teil verschiedener Projekte wie Institut für Feinmotorik und The Durian Brothers prägt er seit über 15 Jahren die experimentellen Ausläufer der hiesigen Electronica-Szene mit. Immer wieder beschäftigt er sich dabei auch mit von Kraut-Rock beeinflussten, psychedelisch mäandernden Techno-Ansätzen. „Hexentrix“, sowie seine Diskant- und Durian Brothers-Platten sollten unbedingt mit angehört werden.„Ištar CC“ bewegt sich ebenfalls in diesem hypnotisch kreisenden Spannungsfeld von Kraut, Tribal und interstellarer Romantik. Special Dance Music, die den Eskapismus der Clubnacht auf ein eher künstlerisches als funktionales Level überträgt.

Die Remixe gruppieren sich mit einer ähnlichen klanglichen Patina darum, mal spielerischer und überzeichneter, mal klassischer mit House und Acid verbunden. Aber insgesamt eine der interessantesten EPs aus Leipzig in diesem Jahr. Und ein Hoffnungsschimmer auf ein weiteres Label, das sich nicht vor spannenden Experimenten und historische Sidekicks scheut.

Mehr erfahrt ihr in unserem Kurz-Interview mit Adem Zor.

Wer steckt hinter Planet Almanac?

Als Initiator und Entscheidungsträger des Labels bin ich das. Natürlich wirken bei solch einem Projekt auch Freunde im Hintergrund mit, die mir mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen.

Steht der Planet Almanac für etwas bestimmtes?

Planet Almanac ist der verbindliche Almanach der Planeten. Ein Verzeichnis, das alle Himmelskörper, ihre Beziehungen zueinander und zu uns in Daten und und anderen Formaten katalogisiert. Wir stehen da noch ganz am Anfang dieses umfassenden Werkes. Mit Ištar ist uns aber bereits ein großer Schritt gelungen und die Erfassung unseres Universums ist nun nicht mehr aufzuhalten.

Was hast du musikalisch vor? 

Das Label ist experimentell veranlagt, experimentell im Bezug auf die Zusammenarbeit der jeweiligen Künstler. Es ist sehr spannend, Künstler aus den unterschiedlichsten Bereichen der elektronischen Musik zusammen zu führen, um dadurch sowohl den Künstlern die Gelegenheit zu bieten sich von einer anderen Seite zu präsentieren als auch eine Plattform zu schaffen auf der Neues entstehen kann.

Mit welchen Artists ist bei Planet Almanac zu rechnen?

Zum jetzigen Zeitpunkt Namen zu nennen, würde mehr auf Wunschdenken basieren anstatt auf Fakten. Meine Fühler sind jedoch überallhin ausgestreckt, d.h. ich werde mich nicht einschränken lassen und mich mit den gegebenen Möglichkeiten weiterentwickeln.

Tape ist dein Format?

Das Tape als physikalisches Format kristallisierte sich beim Entstehen des ersten Releases, während der Zusammenarbeit mit den Künstlern als das geeignetste Format, heraus. Aber auch bei der Auswahl des physikalischen Formats will ich mich nicht einschränken lassen, da es mir wichtig ist, das physikalische Format mit dem jeweiligen Release mitzuentwickeln. Zusätzlich werden die Releases auch digital angeboten. Momentan arbeite ich mit Hardwax zusammen, schließe jedoch weitere digitale Vertriebsplattformen nicht aus.

Planet Almanac Facebook
Shikoba Website

Dnte „Floating“ (Resistant Mindz) & Various Artists „Snailphonkdubs EP“ (Alphacut)

Resistant Mindz stand ja kürzlich erst im Mittelpunkt. Jetzt gibt es noch eine weitere digitale EP mit fünf Tracks des ungarischen Beatmaker Dnte.

Dnte hat definitiv ein Händchen für Melodien, die in ihrer Einfachheit eine regelrechte Sogwirkung entwickeln, aber auch stark in Richtung Pop schielen. Vor allem die Vocal-Schnipsel suggerieren das. Vielleicht erklärt sich der Ansatz des Produzenten an seinem Interesse an Piano-Musik. Gleich im ersten Track „Flowers“ ist das zu hören. Noch deutlicher wird das im letzten Track „IOI6“, ein behutsames Piano-Stück.

Die Tracks kommen direkt auf den Punkt und sind kaum länger als vier Minuten. Gerade im Kontrast zu den vorherigen Releases auf Resistant Mindz fällt die sehr saubere, digitale Produktion auf. Mir erscheint die EP etwas zu brav: Trotz einiger verschrobener Synths fehlt mir hier ein wenig Dreck und ein stärkerer Kontrast zu den Harmonien. Der Dancefloor-Kompatibilität tut dies aber keinen Abbruch.


Auch Alphacut haut nochmal eine EP im Dezember raus. Wieder gibt es vier Stücke unterschiedlicher Künstler auf der 12″ zu hören. Sehr atmosphärisch und verhallt steigt Elemental mit „Touch Wood“ ein und knüpft damit direkt an seine Beiträge zum Bassmaessage-Sampler und zur Alphacutauri-EP an.

Ebenfalls im Halfstep-Modus, aber schon etwas fordernder fällt das Wiedersehen mit Martsman und seinem „Axe Why Dread“ aus. Diphasic, der beim Schwester-Label 45Seven auch zwei Tracks beigesteuert hat, addiert noch deutlichere Dub-Elemente zum angejungleten Halfstep von „Eight Times“. Local-Hero Lowcut nimmt diesen Faden mit seinem „Linndub“ auf und liefert den treibendsten Track dieser sehr meditativen EP.

Resistant Mindz Website
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Alphacut Records Website
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A neverending open air story?

Gestern gab es einen interessanten Beschluss in der Leipziger Stadtratssitzung – es sollen fünf Orte für spontane Open Air-Partys geschaffen werden.

Die Geschichte ist schon einige Jahre alt und es gab bereits mehrere Anläufe verschiedener Akteure der Leipziger Szene sowie der Lokalpolitik, geeignete Orte für legale Open Air-Partys in Leipzig zu schaffen. Bisher aber wenig erfolgreich.

Halle war schneller und verwirklichte 2013 ein ähnliches Konzept, das zwar sicher auch nicht in allen Punkten ausgegoren ist, aber zumindest mehr Offenheit für das Thema signalisierte als etwa die Leipziger Politik.

Den Entwurf für die gestrige Abstimmung brachte Katharina Schenk von der SPD ein, der wohl viel Diskussionsbedarf nach sich zog. Auf frohfroh-Anfrage erklärte sie, „dass der neue Prüfauftrag dieses Mal wie in Halle mit den öffentlichen Grillplätzen verknüpft wurde.“ Mit dem Beschluss müsse das Ordnungsamt nun fünf geeignete Standorte vorschlagen.

Zwar könne das Amt sagen, dass keine vorhanden wären, „da die Verwaltung aber bereits Erfahrungen mit den Anforderungen an Grillplätze hat, kann ich mir schon vorstellen, dass innerhalb von drei Monaten wenigstens einige gefunden werden. Wenn es nicht gleich alle fünf sind, weil weitere Prüfungen notwendig werden, hätte ich kein Problem. Hauptsache ist: Es werden welche gefunden“, meint Katharina Schenk.

Gefunden werden sollen sowohl kleinere Orte für bis zu 50 Personen als auch größere Flächen für bis zu 300 Personen. Im Idealfall sollte eine Online-Meldung bis 48 Stunden vor der Party möglich sein – inklusive eines Ansprechpartners für die Beseitigung des Mülls, so Schenk weiter.

Ganz leicht dürfte es nicht sein – die Abstimmung fiel sehr knapp aus. Dazu kommt, dass der Bürgermeister für Ordnung den Ausführungen der LVZ nach wenig motiviert klingt, eine gut ausbalancierte Lösung zu finden.

Und auch der Vergleich einer CDU-Stadträtin, dass angesichts der Ereignisse bei der Neonazi-Demo am letzten Wochenende deutlich sei, „dass Leipzig eben nicht wie Halle ist“ und deren Regelungen nicht einfach zu übertragen wären, wirkt wenig zielorientiert – klar, Subkultur ist per se unberechenbar und gewaltbereit.

Doch: Ohne diesen Beschluss wäre noch weniger gewonnen.

Label-Markt und Birthday Celebration

Geil kombiniert: Die Kollegen von It’s Yours feiern am kommenden Freitag ihren 12. Geburtstag und laden zugleich zum Label-Markt.

Perfekt so kurz vor Weihnachten. Denn viele Labels bringen nicht nur ihre Platten und CDs sondern auch anderen Merchandise mit, den sie vereint an einem Abend anbieten. Ich glaube, dass es das schon einmal in irgendeinem Sommer in der Distillery gab.

Es geht beim Label-Markt aber nicht nur ums Verkaufen, sondern auch um den Austausch und das Kennenlernen. Wenn ihr also einmal direkt Kontakt zu euren Lieblingslabels aufnehmen oder lässig Demos unterjubeln wollt, solltet ihr diesen Abend nicht verpassen. Ab 18 Uhr geht es los.

Zugesagt haben: A Friend In Need, Alphacut Records, Blackred, Boundless Beatz, Break The Surface, Daily Concept, Defrostatica, Doumen Records,  Esoulate Music, Junglelivity, Lunatic, Minor Label, O*RS, Pneuma-dor, RDF Music, Resistant Mindz, Tetmusik, Ulan Bator Records und Yuyay Records.

Ab 23 Uhr startet dann das alljährliche Birthday-Programm von It’s Yours. In diesem Jahr wieder mit einem HipHop-Einstand und später legen die vier Leipziger Drum & Bass-Label-Betreiber LXC (Alphacut Records), Audite (Boundless Beatz), Metasound (Break The Surface) und DJ Booga (Defrostatica) auf. Happy Birthday!

Natalie Luengo „Glow“ & Liftboi „Heeme“

Fast zeitgleich gibt es zwei Leipzig-Veröffentlichungen for free bzw. in Eigenregie veröffentlicht – und jeweils ein Wiederhören mit Liftboi und Natalie Luengo.

Beide tauchten eine zeitlang gefühlt jede Woche mit einem neuen Stück in meiner Soundcloud-Timeline auf – und irgendwann auch bei frohfroh, Natalie Luengo mit ihrer ersten EP, Liftboi in unserer „Neues aus der Wolke“-Reihe. Das ist beides zwei Jahre her und damals hat mich bei beiden der liebliche, angekitschte House-Sound mehr abgeschreckt als angezogen.

Doch bei Natalie Luengo ist einiges passiert in der Zwischenzeit. Der aufdringliche Rave-Schub und die Sternenstaub-Sounds der Anfänge sind auf dem Album „Glow“ einer aufgeräumten, melancholisch-gelösten Deepness gewichen, die an einigen Stellen atmosphärisch bei Kann, Smallville oder Rivulet andockt. „Faded Away“, „Evenly“, „Thin Line“, „Say It Plain“ und „Glow“ strahlen da besonders hervor.

Nur bei den Bassdrums fehlt mir manchmal die subtile Tiefe sowie bei manchen Sounds die Unberechenbarkeit. Und bei „Where Ends“ ist der aufgeblasene Kitsch dann doch wieder da. Doch „Glow“ ist als Ganzes ein überraschend ausgewogenes House-Album, das es seit ein paar Tagen zum Free-Download auf Soundcloud und Hearthis.at gibt.

Eine klangliche Erweiterung gibt es in Ansätzen auch bei Liftboi. Die „Heeme“-EP ist nämlich stärker vom Synthesizer-Sound als vom Klavier geprägt. Pathetisch aufgeladen bleibt es aber, wobei sich das mit dem angeteasten Cosmic Disco-Sound von „Lost In The Mountains“ und „I’m In Love With A Synthi“ besser verträgt als bei den Stücken, die ich ursprünglich von Liftboi kannte.

Vielleicht liegt es auch daran, dass hier die Schwelgerei klanglich anders, irgendwie überzeichneter konnotiert ist. Dagegen klingen „Scheeks“ und „Leipzig“ nach müde schunkelndem House-Klassik-Crossover – allerdings ist das generell ein tückisches Unterfangen. Die „Heeme“-EP hat Liftboi selbst via igroovenext.com veröffentlicht.

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