In der Crowdfunding-Vorbereitung sind einige Releases aus Leipzig der vergangenen Wochen liegengeblieben – hier sind vier davon im Überblick.
Adam Port & Jennifer Touch „This Time“ (Pets Recordings)
Ganz frisch aus der letzten Woche: Jennifer Touchs gemeinsamer Track mit Adam Port von der Berliner Keinemusik-Crew. „This Time“ switcht mühelos zwischen Song und Track, Pop und Dancefloor, Wehmut und Losgelöstheit. Ein Stück, dass sofort einen Haufen Assoziationen im Kopf auslöst und von jedem guten Radiosender gespielt werden sollte. Denn genau das Potential hat es auch: eingängig und subtil.
Sei A und Adam Port selbst sorgen dann noch mit ihren Remixen für den direkteren Weg in den Club. Sei A mit ebenso sprödem wie hymnischem Peaktime-Schub, Adam Port dagegen weicher gezeichnet. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Adam Port mit einem Leipziger Act zusammenarbeitete. Mit Here Is Why gab es bereits eine gemeinsame EP. Und bei Moon Harbour Recordings veröffentlichte auch schon.
Braunbeck „SuperSingle“ (O*RS)
Schon etwas länger draußen ist die neue „SuperSingle“ von O*RS, jenem Format, das sehr offensiv auf Hit setzt. Eingeladen wurde dieses Mal Braunbeck aus Berlin, der mit dieser Platte sein Debüt bekommt. Aber irgendwas anders als sonst: Das Rave-Level ist um einiges höher und plumper.
Soll es auch sein laut Platteninfo: Braunbeck wolle insbesondere mit „Cold“ die roughe, einfache Atmosphäre seiner Heimat Berlin-Wedding einfangen. Interessanter Background, der den Sound der beiden Stücke für mich aber leider nicht anziehender macht.
Denn die aufgedoppelten Basslines, der pathetische Tribal-Einschlag und die mächtigen Synth-Chords kommen mir zu breitbeinig daher. Aber auch bemerkenswert: Es ist die erste Platte im nicht mehr kleinen O*RS-Katalog, mit der ich tatsächlich nichts anfangen kann.
Thomas Stieler „Surfaces EP“ (Esoulate Music)
Thomas Stieler aus Saalfeld war in Leipzig bereits öfter als DJ zu erleben. Allmählich werden auch seine Schritte als Producer präsenter. Esoulate widmete ihm vor kurzem eine ganze EP, die er mit zwei soliden House-Tracks bespielt.
Beide versiert in ihrer Deepness und mit einem dezenten Oldschool-Touch, beide aber einen Tick zu statisch in ihren Sounds. Bei den Remixen von Suburb und Zacharias ist da mehr Crisp und Unberechenbarkeit drin.
Mathias Ache & Mule „Mooov“ (Jeahmon)
Noch länger zurück liegt die neue EP von Mathias Ache & Mule auf Jeahmon. Nach unserem kleinen Porträt hatte ich das Label ganz aus den Augen verloren. „Mooov“ ist bereits die 10. EP, kleines Jubiläum also.
Nun war ich bereits damals nicht besonders warm mit dem rave-nahen Tech House des Labels. Diese EP ändert daran auch wenig, besonders beim Titel-Track. Da sind mir die Rave-Impulse zu einfach und berechenbar gestrickt, gerade beim Break und der schmalen Steigerung danach.
„Bloomen“, das zweite, etwas ruhigere Stück kommt ohne dies aus – allerdings auch nicht wirklich zum Punkt. Aber okay, hier liegen einfach die Präferenzen sehr weit auseinander.
Jennifer Touch Facebook
O*RS Facebook
Esoulate Music Facebook
Jeahmon Facebook
Mathias Ache & Mule Facebook
Mehr zu Jennifer Touch bei frohfroh
Mehr zu O*RS bei frohfroh
Mehr zu Esoulate Music bei frohfroh
Mehr zu Jeahmon bei frohfroh
Mehr zu Mathias Ache & Mule bei frohfroh
In diesem Sommer folgten zwei weitere Vinyl-Editionen. Einmal der Original Soundtrack zum
Was habt ihr musikalisch und künstlerisch mit dem Label im Sinn?
Um auch noch mal kurz auf das Erscheinungsbild generell einzugehen, hier arbeiten wir mit
Für ein anderes Frankfurt steht seit Ende der Neunziger das Label Raum … Musik – und zwar für den weich gezeichneten, stromlinienförmigen Deep House, der sich viel Zeit zum Entfalten nimmt und der in den vergangenen Jahren etwas in den Hintergrund geraten ist. Nichtsdestotrotz steht er auch für die Suche nach Zeitlosigkeit, einen Ruhepol zwischen schnell aufflammenden und abebbenden Trends.
Schließlich gibt es noch eine weitere EP, die allerdings nicht ganz in das neue Konzept passt. Denn eigentlich müssten die dubbigen Tracks der „Aftermath EP“ auf dem nicht weniger renommierten Label Dissonant von Marc Antona eher unter dem Urban Force-Alias laufen. Hier zeigt sich dann eben auch das Dilemma mit den verschiedenen Pseudonymen. Daniel Stefanik ist einfach der Name mit der stärksten Wirkung und so wundert es nicht, dass Marc Antona sich die EP unter genau diesem Namen wünschte. Als Kompromiss in der Übergangsphase ist es aber ebenso nachvollziehbar.
Und das bringt ein paar wirkliche Perlen hervor, die dem leichtfüßig tänzelndem Marbert Rocel-Pop deutlich mehr Spannung verleihen. Gleich der Opener „80 Horses“ deutet an, dass das Tempo auf „In The Beginning …“ etwas zurückgenommen wird. „Velvet“, „Dance Slow“, Bird Of Passage“ und „With Your Love“ gehen dann mit ihrer fernen, langsamen Schwerelosigkeit und den teils holprigen, zurückgesetzten Beats noch mehrere Schritte weiter. Meine fünf Hits.
Vor zwei Wochen ist Possblthings nun eine Etage tiefer gezogen, in den Keller mit alten Fliesen und niedrigen Gewölben. Eine Menge Arbeit wurde reingesteckt, um die Räume zu einem Plattenladen herzurichten. Gemütlicher und mit mehr Plattenladen-Atmosphäre sollte es sein. Am Programm hat sich nichts geändert. Es gibt Kisten mit Vinyl und Tapes zu House, Acid, Techno, Electro, Ambient, Wave, EBM, Synth, Italo, Noize, Reggae, Dub, Afrobeat, Jazz, Funk und Soul.