Axel Thoma & Efka „Evergreen EP“ (Esoulate)

Es ist schon erstaunlich, wie man sich durch Musikrezensionen in Genres reinhören kann. Denn eigentlich ist House so gar nicht mein Metier. Das ist auch ein Grund, warum ich die EP von Axel Thoma & Efka vor mich hergeschoben habe – um dann umso überraschter zu sein.

Dabei beginnt die EP relativ trocken mit „Evergreen“ bis plötzlich ein funky eingespieltes Rhode-Piano einsetzt und zum Glück auch über die Länge hinweg uns erfreut. Obwohl es super zur sommerlichen Trägheit passt, bleibt das Stück vor allem durch den Bass Tanzflächen-tauglich.

Ähnlich geht es weiter mit „40 Degrees“: Keine Ahnung, wo die Vocals herkommen, aber sie erzählen uns – untermalt mit allerlei Dschungel-Gezwitscher – von der Stimmung auf einer tropischen Insel. He, bei mir im Dachgeschoss ist es zum Glück nicht 40° heiß, aber warm genug, dass das meine heimliche Longdrinkhymne werden könnte. Auch hier wieder ein schöner Jazz-Einfluss.

Der Titeltrack bekommt außerdem zwei Remixe geschenkt: Arsy aus Berlin ergänzt die Rhodes durch entrückte Synthesizer-Melodien und spielt etwas mehr mit den Drums. In der fünften Minute stolpern wir beim genaueren Hinhören über spaßige Hintergrund-Stimmen. Die „Eva-Green“-Bearbeitung von Label-Mate Sené Ceanes ist dann nochmal eine Ecke schräger und besitzt die spannendensten Drum-Samples der EP sowie zusätzliche Vocals-Schnipsel, cool eingesetzt.

Scheinbar gibt es in der House-Landschaft vermehrt ein Bedürfnis nach mehr Funk und Spaß. Ich glaube, dass tut der Musik gut.

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M.ono & Luvless „Double You“ (Rose Records)

Selten passt die Musik eines Labels so gut zu seinem Namen wie bei Rose Records. Irgendwie strahlt auch die siebte Veröffentlichung so eine wohlig-kuschelige Atmosphäre aus, dass nur unsanfte Holzklötze hier was zu kritisieren haben. Wahrscheinlich liegen sich alle verliebt in den Armen, wenn die beiden Tracks in der Open-Air-Saison zum Einsatz kommen. Oder so.

Beide Tracks sind von M.ono und Luvless zusammen produziert. Sowohl „Double You“ und „Happy Chap“ sind dabei eindeutige Hits, mit allen Zutaten, die die House-Küche zu bieten hat: Supersanfte Pads bei „Double You“, klassisches House-Piano und Strings bei „Happy Chap“, dazu warme Bässe und Vocal-Schnipsel, die man nicht weiter interpretieren muss. Auch die Drums sind wunderbar unmonoton arrangiert. Die beiden verstehen ihr Handwerk ausgezeichnet.

Ja, das ist schon alles wunderbar harmonisch, nur mir ist das etwas zuviel Glückseligkeit. Bei diesen Rosen fehlen eindeutig die Dornen.

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„Musik ist Phantasie“ – Zaquoir im Interview

Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wieviele lokale Musiker trotz jahrelanger Aktivitäten irgendwie der eigenen Wahrnehmung völlig entgangen sind. Zaquoir ist so ein Fall – obwohl seine Veröffentlichungen auf frohfroh gut dokumentiert sind. Nun gibt es einen weiteren Grund, seiner Musik Aufmerksamkeit zu schenken: Sein Debüt-Album ist erschienen.

Die zwölf Stücke auf „Asino Sardo“ laden dazu ein, die verspielte Seite der Electronica- und IDM-Welt wieder zu entdecken. Wir erinnern uns: Ganze Heerscharen von (nicht nur) Bedroom-Studio-Produzenten haben in den letzten Jahrzehnten einen Teil ihrer Lebenszeit vor den Computer-Monitoren verbracht, um den musikalischen Schock zu verarbeiten, der durch Produzenten wie Boards Of Canada oder Aphex Twin verursacht wurde. Obwohl sich die Sound-Forschungen vor allem auf technischer Seite auch auf andere Genres auswirkte, blieb Electronica in all seinen Formen eher eine Domäne von Musik-Nerds.

Vielleicht ist das der Grund, warum das Album von Zaquoir so interessant ist: Die Stücke entstanden über einen längeren Zeitraum hinweg, ohne auf offensichtliche musikalische Trends des letzten Jahrzehnts zu verweisen. Sie strahlen damit eine wunderbare Gelassenheit gegenüber gewissen Hype-Zyklen aus und passen durch ihre Leichtigkeit hervorragend zum anstehenden Sommer.

Ein Preview der Stücke könnt ihr euch ganz unten anhören. Dazu gibt es ein kleines Interview.

Cover-Artwork: Genaro Strobel
Cover-Artwork: Genaro Strobel

Im Vergleich zu deinen Beiträgen bei der „Polyrhythmic Series“ und beim „SVS Sampler“ wirken die Tracks auf „Asino Sardo“ eher wie Fragmente oder Skizzen. Was ist die Idee hinter dem Album?

Ich würde die Platte gar nicht so sehr mit den einzelnen Stücken auf SVS1 und Polyrhythmic Series vergleichen. Bei Asino Sardo war Platz für zwei ganze Seiten, davor waren es einzelne Tracks. Mir war wichtig, dass die Platte in sich stimmig ist und einen Bogen spannt, die Stücke ineinander fließen und insgesamt eine Geschichte erzählen. Da gibt es kaum Intros oder Outros bei den Stücken, und zum Teil habe ich die Stücke in der Playlist weiter produziert, damit sie noch mehr ineinander fließen.

Tatsächlich hat es echt viel ausgemacht, in welcher Reihenfolge die Tracks spielen, weil sie sich untereinander sehr beeinflussen. Es sollte außerdem egal sein, mit welcher Seite man zuerst anfängt, A und B sollen in sich funktionieren, aber auch nacheinander, egal wie rum. So ist es dann entstanden, vorher gab es ja schon eine andere Platte, eine 5 Track EP, die mehr für den Club produziert war. Dann wollten die Jungs vom Label ältere Sachen von mir hören und wir haben uns nochmal durch über 24 Stunden Material von 1998 bis 2014 durch gehört. So ist dann eine ganz andere Platte entstanden, die für sich steht.

Kannst du etwas zur Produktionsweise des Albums sagen?

Die Tracks sind aus einer Zeitspanne von 16 Jahren und ziemlich unterschiedlich produziert. Niu ist aus dem Jahre 1999 und da habe ich alle Samples selber über den Kopfhörer in den Computer aufgenommen und mit der EWS64 (erster Hardware-Sampler auf einer Soundkarte) und Cubase arrangiert. Dann sind zwei Stücke auf der B-Seite, die ich letztes Jahr komplett im Rechner mit Plug-Ins und Controllern produziert habe, also komplett digital. Die anderen Stücke sind eine Mischung aus Hardware-Synthesizer, Sampler, Drummachine, Mixer und FX. Die Samples auf der Platte habe ich selber aufgenommen und die Synth-Sounds selber programmiert.

A5 und A6 sind live am Mischpult arrangiert und danach editiert, vor allem in der Länge. A1, A2, A3 und A4 sind in MIDI arrangiert, außerhalb vom Rechner mit Hardware produziert, und dann direkt in Stereo im Rechner aufgenommen. B1 ist im Gegensatz dazu total digital produziert. Davon gab es ursprünglich eine längere Version, die am Ende „4 to the floor“ ist, aber es passte nicht so gut in den Kontext der Platte. Die A-Seite ist also „analoger“, die B-Seite digitaler.

Im ersten Track sind Klaviersounds, die ich bei einem Jam von Bernardo in Litauen aufgenommen und dann in den Sampler (S5000) geladen habe. Das war dann quasi das Rohmaterial, mit dem ich ein Patch gebaut habe, gelayert mit anderen Sounds. Damit habe ich dann die Melodie und die Akkorde eingespielt. Das war im weitesten Sinne eine Collab, wobei das Stück tonal nicht viel mit dem Original-Sounds zu tun hat.

Wenn wir schon bei Kollaborationen sind: Spielt die Leipziger Musik-Szene eine Rolle für dich?

In Leipzig hatte/habe ich verschiedene Kollaborationen, mit Free-Jazzern (Extremental mit mspiano, Bert the Juggler und Harry Wenke; ein Duo mit Fabian Niermann, grosshuber zusammen mit Florian Huber), Sessions mit Christian Walter (beim Vollmondorchester, auf der Rootsbase, im Studio), Kollaborationen mit Lukas Rabe („Tanz in den Mai“ auf SVS1, „Hallo Ester“ mit Gesang von Ji Seon Moon, viele Skizzen), war ein Jahr lang Synthie-FX und Sampler-Spieler bei Mud Mahaka mit schönen Gigs, habe 2,5 Jahre „Praktikum“ bei Neonlight gemacht (war zur Untermiete im Nebenzimmer) und verschiedene Film-Musik-Sounddesign-Projekte. Das sind alles gute Erfahrungen, die immer wieder neue Keime für neue Wurzeln mit sich bringen.

Haben die verschiedenen Aufnahmeorte einen Einfluss auf die Entstehung?

Ich finde, dass alles um einen herum Einfluss auf die Musik haben kann, auch der Ort, an dem die Musik entsteht. Das heißt nicht, dass man an einem ruhigen Ort ruhige Musik produzieren muss, sondern es kann einem vielleicht mehr Freiheit geben, etwas von dem Ort losgelöstes zu machen. Musik ist Phantasie, also braucht es einen Ort, an dem man das gut ausleben kann. Das andere sind die technischen Gegebenheiten, wie genügend Platz für das Equipment, Raumakustik, coole Nachbarn etc., das kann auch die Musik sehr beeinflussen, muss es aber nicht unbedingt.

Foto: Christoph Lehmann
Foto: Christoph Lehmann

Du sagst, dass das Material seit 1998 entstanden ist. Hast du schon davor angefangen zu produzieren? Besitzt du eine musikalische Vorbildung, hast du ein Instrument gelernt?

Im Jahre 1997 oder 1998 habe ich angefangen mit dem Produzieren, davor habe ich Trompete in der Blaskapelle gespielt, Gitarre bei den Pfadfindern, Chor in der Schule, Flöte im Kindergarten, und Klavier, weil wir eins zu Hause stehen hatten. Ich habe später auch noch bei zwei verschiedenen Lehrern klassischen Klavierunterricht genommen, da war ich aber auch schon parallel am produzieren. Damals auch mit einem Kumpel der Bass- und Gitarrenspieler war, und Drum and Bass und Jungle auflegte. Mit ihm hatte ich auch ein paar elektronische Partys organisiert, mit zwei Floors, der eine Drum and Bass, der andere Techno.

Dann war ich viel an den Wochenenden im Club tanzen – das ist auch eine gute Schule gewesen. Ansonsten habe ich einfach viel ausprobiert, viel auf Kassette aufgenommen, und die Handbücher der Geräte gelesen.

Gibt es bestimmte Musiker, die dich geprägt haben?

Mit 14 habe ich Beatles und Gitarrenmusik gehört, bevor ich zur elektronischen Musik kam. Namen hatten mir damals nichts gesagt, deswegen habe ich einfach die Sachen im Laden angehört und bin bei Cristian Vogel, Surgeon, 4hero und Goldie hängen geblieben und auch einigen anderen. Vielleicht auch interessant, dass ich von Anfang an verschiedene elektronische Musikstile nebeneinander gehört habe, u.a. dank Kassettenmitschnitten von Evosonic Radio und Partys mit mehreren Floors. In der Zeit von den Tracks A1, A2 und A4 habe ich viel Jazz und System of a Down gehört. A3 ist wahrscheinlich stark von Boards of Canada beeinflusst, und vielleicht ein ganz winzig kleines Stückchen von Ravel und Chick Corea.

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Das Album ist im Vertrieb von Kudos erhältlich.

Rolling Paper / Bone Man und Wright & Bastard

Auch im Uptempo-Bereich bewegt sich einiges in der Stadt. Nicht nur neue Labels sind in Gründung, auch einige Producer etablieren sich zusehends. Zwei Veröffentlichungen aus dem April sollen hier nicht unerwähnt bleiben.

Das Label Junglelivity aus dem Ulan Bator-Umfeld ist inzwischen schon ein alter Hase. Drei neue Tracks gibt es auf der „Call Me EP“ und spiegeln durchaus den Sound der Crew: Strikt Dancefloor-orientiert und im Jungle verankert.

Der Titeltrack, produziert von Rolling Paper, ist ein reduziert-militärischer Stepper mit trockenen Vocal-Samples und knarzigen Bass. Könnte so direkt auch schon vor zehn Jahren produziert sein, wird aber durchaus gut einsetzbar sein. Etwas verspulter im Bass beginnt „Voices In My Head“ im VIP Remix von Bay B Kane, setzt dann auf den unverwüstlichen Amen-Break und fällt dann leider etwas ab. „Apollo“ von Bone Man versöhnt dann durch die Kombination aus schönen Drum-Work und souligen Einflüssen wie man es vielleicht von Labels wie Soul:R kennt.

Insgesamt sind mir die drei Stücke zu brav im Drum’n’Bass-Schema gefangen.

Auch von Wright & Bastard gab es eine neue digitale EP, diesmal auf dem Chemnitzer Label C Recordings. Dubbalot hat dazu bereits auf itysours eine Review geschrieben.

Im Kontrast zum Vorgänger fallen die vier Tracks deutlich dunkler aus und lassen die Hip Hop-Einflüsse beiseite – hier geht’s um Drum’n’Bass. Nur der Remix zu „Outside This World“ setzt sowohl im Tempo wie auch in den Sounds auf klassische Dubstep-Schwere. Schön, dass solche Tracks immer noch produziert werden.

Auch sehr reizvoll an dieser EP ist das Doppel „Light Grey“ und „Dark Grey“. Mit einem guten Ohr für’s Detail bieten beide Tracks clever arrangierte Drums und wirklich schön abgestimmte Sounds. Für den Dancefloor ist das vielleicht zu deep, dafür gibt es aber den etwas sturer durchmarschierenden Neurofunk-Remix von „Intense Pattern“. Tolle EP!

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Offtopic – „Quality Is Overrated“

Manchmal tauchen in den Untiefen des Internets Beiträge auf, bei denen sich unwillkürlich die Frage stellt, warum man sie bisher nicht kannte. So geschehen aktuell mit zwei Texten des Musikers und Autoren Stefan Goldmann, die sich mit der Frage der Qualität und Durchsetzungskraft von Musik auseinandersetzen. Wir erinnern uns – dafür gibt es eine Offtopic-Reihe auf frohfroh, bei der der lokale Bezug eher lose vorhanden ist. Nerd-Talk und so.

Die Texte sind dabei zwar schon einige Jahre alt, aber immer noch aktuell. Auch wenn der eine oder andere Interessierte sie bereits kennt, möchte ich hier nochmal auf sie verweisen. Wie überall bleiben in Leipzig ansässige Künstler nicht vom sich schnell drehenden Hype-Zirkus verschont – sofern sie überhaupt in diesen hineingeraten. Vielleicht auch aus künstlerischer Sicht spannend.

Warum manche Künstler erfolgreich sind und warum deren Wege selten nachahmbar sind – diesen Fragen geht Stefan Goldmann auf den Grund. Aber das könnt ihr euch – mit etwas Zeit – selbst durchlesen (in Englisch):

Everything popular is wrong: Making it in electronic music, despite democratization
Quality Is Overrated: The Mechanics of Excellence In Music
Quality Is Overrated Pt. 2

Stefan Goldmann hat übrigens kürzlich ein Buch zum Thema Presets verfasst. Für alle Musiktechnik-Nerds vielleicht eine interessante Urlaubslektüre.

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Lootbeg „SuperSingle“ (O*RS)

Wie das eben so ist: die neue Reworks-Platte von Filburt rezensiert, dann eine neue EP mit Lootbeg-Remix und schon gibt es eine Lootbeg-10″ auf O*RS. Was ich immer vergesse: Natürlich gibt’s beide Tracks auch digital.

Mit „Raw Basement House“ beginnt dann auch die nicht so ausführliche Beschreibung auf Bandcamp. Ja, und der macht Spaß. „Won’t You“ und „By Your Side“ sind beide auf die wesentlichen Elemente reduzierter Maschinen-Funk. Die Freude am roughen, analog klingenden Sound schimmert hier jede Sekunde durch. Im Mittelpunkt wieder Vocal-Samples, die so oder ähnlich schon tausend mal zu hören waren, aber immer wieder funktionieren. „Won’t You“ schiebt dabei unablässig, während sich in „By Your Side“ ein klassischer, eher düsterer Breakdown aufbaut. Bombe.

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Gregory Dub „Rawstuff EP“ (A Friend In Need)

Verrückt, wie die Vergangenheit im House präsent ist. Aber im Gegensatz zum Acid-Revival oder zum Slow-Disco-Hype bezieht sich der Schweizer Gregory Dub mit „Rawstuff“ und „Nightlife“ eher auf die stampfigen 90er. Und ja, die Bassdrum ist damit gemeint. Dazu kommen klassische Vocal-Cut-Ups, obligatorische Stabs und ingesamt eine recht rohe Produktionsweise. Hier hat wohl jemand seine alten Musik-Kistchen entstaubt. „Nightlife“ hat dabei die funkigere Bassline. Ich kann mich nicht recht entscheiden: Einerseits sind beide Tracks unspektaktulär, andererseits sind sie souverän unaufgeregt.

Die drei Überarbeitungen könnten es im Vergleich auf dem Dancefloor leichter haben: Zu „Nightlife“ gesellt sich ein Groove-Riddim-Remix mit etwas eingängigeren Marimba-Melodien hinzu. „Rawstuff“ bekommt zwei zusätzliche Versionen: Der Blinds-Remix steckt das Original in ein Space-Disco-Gewand und ist in den Details schön verspielt – mein Favorit der EP. Lootbeg reduziert „Rawstuff“ dagegen auf wenige Elemente und baut den Spannungsbogen um treibende HiHats herum.

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In eigener Sache

Seit sechs Jahren betreibt Jens frohfroh und begleitet das Geschehen rund um elektronische Musik in und aus Leipzig. Jetzt geht frohfroh in die Pause – aber nur halb. Allerhöchste Zeit für einen kleinen Rückblick.

Neben der Party-Tipps für unzählige Wochenenden (und manchmal auch für die Tage dazwischen) bilden vor allem die Plattenkritiken die Produktivität der lokalen elektronischen Musik-Szene ab. Hinzu kommen Interviews, Studio-Einblicke und mehr. Aber auch die Entwicklung der Stadt selbst lässt sich – nicht zuletzt in den Diskussionen im Kommentarbereich – im Blog mitverfolgen. Kein Wunder, ist die Clubkultur doch eng mit der Berichterstattung um „Hypezig“ verknüpft.

In den letzten sechs Jahren ist viel passiert: Unzählige neue Labels und Releases, Musiker und DJs, Party-Reihen und Locations kamen und gingen, einige davon haben sich etabliert, andere lassen nur gelegentlich von sich hören. Ganze Stadteile verändern sich, an jeder Ecke gibt’s Open-Air-Partys.

Ich weiß gar nicht mehr, wann und wie genau ich frohfroh entdeckte. Schnell wurde es für mich aber zur regelmäßigen Lektüre, um über die aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Klar, die Wochenendplanung ist auch um einiges einfacher geworden. Irgendwo auf dem Weg von der Flyer-, Email-Newsletter- und Internetforen-Vergangenheit zu den öffentlichen Facebook-Events der Gegenwart sammelt frohfroh munter Party-Ankündigungen auf.

Seit einigen Monaten unterstütze ich Jens mit Beiträgen. Wie ihr bemerkt habt, ist es trotdem etwas ruhiger geworden. Jens legt erstmal eine Pause ein. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um frohfroh. Hier wird es also auch weiterhin Party-Tipps und Rezensionen geben. Vielleicht in etwas langsameren Tempo.

Ihr habt Ideen, Tipps oder sonstige Anregungen? Euer Feedback ist sehr willkommen. Zum Beispiel in den Kommentaren.

Genießt den Sommer,
Christoph

Filburt „Reworks #1“ (O*RS)

Mit der „Reworks #1“ scheint eine weitere Reihe auf O*RS ihren Anfang zu nehmen. Die Katalognummer „FBRT“ weist daraufhin, dass Filburt hier eigenen Remixen nochmals mit einem Vinyl-Release Aufmerksamkeit verschafft – zu Recht.

Vier Tracks sind auf der ersten EP versammelt. Dabei zeigt sich in der Gegenüberstellung, wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen können.

Mit lässigen Claps bricht Filburt die HipHouse-Nummer „Drop It Low“ von Jan Ketel feat. Onosizo & Lil’Ann auf den Kern herunter und unterschlägt auch gleich mal den weiblichen MC des Originals. Der Sexyness tut das keinen Abbruch. Ab der Mitte schleichen sich dann elegante Chords rein.

Ähnlich zurückhaltend beginnt seine Version des Micronaut-Stücks „Parallax“, bei dem vor allem zwei Loops der Vocal-Parts im Zentrum stehen. Mit viel Liebe zum Detail im Drum-Work schwelgt Filburt hier in der melancholischen Atmosphäre des Originals, ohne aber den Pop-Pathos zu übernehmen.

Sehr ähnlich funktioniert auch der Remix zu Yannick Labbé’s „All Of It“ und obwohl Filburt hier nicht ganz so plump stampft wie das Original, kommt er nicht an die beiden vorhergehenden Remixe ran. Vielleicht liegt es an den Vocals, vielleicht am direkten Vergleich.

Zum Abschluss erliegt Filburt dann mit seiner Bearbeitung von „Take A Look“ ganz dem Stadion-Pop-Pathos des Songs von Baru. Das passt sicherlich auf so manches Sommer-Open-Air, mit etwas Mut zum Kontrast hätte hier aber Spannenderes passieren können.

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Sneaker „Holistical EP“ (Lunatic)

Die neue Lunatic wird diesmal vom Uncanny Valley-Artist Sneaker bestritten, der sich nicht zuletzt unter seinem Alias „Dunkeltier“ auch dunkleren Genres wie Wave und EBM widmet. Folglich sollten die drei Tracks, die er uns hier um die Ohren haut, nicht überraschen.

Der titelgebende Track „Holistical“ stellt dabei auf einem knochentrockenen Beat Tagebucheinträge der polnischen Grafik-Designerin Ewa Smyk in den Vordergrund. Über 13 Minuten entwickelt sich dreckig-hypnotischer Funk.

Ebenso kraftvoll folgt der Dunkeltier-Edit von „Queen For A Night“: ein düsteres Electro-Monster mit dramatischen, polyrhytmischen Streicher-Samples, die so manchen DJ die Übergange vermasseln könnten.

Das dritte Stück „Gebet“ setzt auf zurückhaltende, auf einem Ondes Martenot eingespielte Melodie-Samples, die einen harten, verstörenden Kontrast zu dem kompromisslos simplen Drum-Loop bilden.

Eine irre EP, mit der Lunatic dem nahenden Sommer eine finstere Absage erteilt.

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Killah Tape & Dis Side Ah Town

Von Jamaika via Leipzig in den Orbit: Unbeirrt trägt Jahtari weiter seinen Anteil am Dancehall-Universum bei. Aktuell mit einer neuen EP und einem neuen Album.

Dabei knüpft die „Killah Tape EP“ an die Dancehall-Tunes des neu gegründeten Sub-Labels Colonel Mustards an: Vocals von Junior Roy, Colonel Maxwell, Peter King und Asher Senator begleiten die Riddims des dänischen Duos Maffi.

„Bad Memory“ ist dabei eine Art Cover-Version des gleichnamigen Stücks von 1985, auf dem sich Peter Kirn originell mit der eigenen (vermutlich Cannabis-bedingten) Konzentrationsschwäche lyrisch auseinandersetzt. Für alle, die aufgrund derselbigen nur schwer auf die Texte achten können, hat Disrupt zwei der Riddims als Dub-Versionen überarbeitet. Auf jeden Fall schönes Futter für die Soundsystems.Etwas mehr Aufmerksamkeit verlangt das Album „Dis Side Ah Town“ von Roger Robinson, der als Teil von King Midas Sound besser bekannt sein sollte. Anstelle von The Bug stammen die Riddims hier aber von Disrupt und orientieren sich stärker an klassischem Dub. Unglaublich, wie gut Robinsons vorgetragene Dub-Poetry sich mit den Instrumentals ergänzen.

Das Album ist von den Riots in London 2011 inspiriert, die Robinson miterleben durfte. Entsprechend ernst fallen auch die Lyrics aus, die das Leben in Brixton beschreiben und wahrscheinlich den Ursachen der Riots auf den Grund gehen.

Zwischenzeitlich wird das Album bei „It Soon Come“ regelrecht beklemmend, endet aber mit positiveren Vibes bei „Wheel And Come Again“. So oder so, um die Texte zu Verstehen lohnt es sich, „Dis Side Ah Town“ mehmals zu hören.

Vielleicht ist das die thematisch ernsthafteste Platte auf Jahtari überhaupt – für mich gehört sie derzeit zu einer der besten des Labels. Für alle, die von Roger Robinson mehr hören wollen, sei auf seine Download-Ecke auf seiner Website sowie sein weiteres Solo-Projekt Horsedreamer verwiesen. Und ein tolles Video gibt es.

Zum Vorhören bitte hier und hier lang.

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Various Artists „Ov3r Contruct10n Vol. 3“ (Alphacut Records)

Neues von Alphacut: Während auf den Sublabels Alpha Cutauri und insbesondere 45seven eine Menge neuer Platten herauskamen, blieb es um das Mutterschiff Alphacut zuletzt ruhig.

Nun wird mit der Labelnummer 3000 die Jubiläums-Trilogie „Ov3r Construct10n“ abgeschlossen. Jubiläum?! Wir erinnern uns: Das zehnjährige Bestehen 2013 feierte das Label mit drei 10″-Singles, auf denen Alphacut-Artists Stücke des Katalogs remixen.

Allerdings erscheinen diese mit einem etwas gemächlicheren Rhythmus (jährlich) als die regulären Alphacut-Maxis. Der Freude an der trockeren, verbreakteren Seite im Drum & Bass hat das keine Abbruch getan.

Phuture T’s vergleichsweise friedvolles „Amazon Basin“ wird von Fade einmal komplett zum Dancefloor-Killer umgebaut, der im Verlauf der fast sechs Minuten den Druck immer weiter erhöht und ein regelrechtes Breakbeat-Massaker hinterlässt. Gefährliches Ding!

Der Kodama-Remix von „The Bomb“ greift die Sounds des Originals von Hexer deutlicher auf und verdichtet das Original. Immer wieder bremsen hier die Breakbeats ab, um dann – von intensiven Cymbals begleitet – den Faden wirkungsvoll aufzunehmen.

Wenn es eine Ansage mit der dritten„Ov3r Construct10n“-10″ gibt, dann wohl die, dass Alphacut auch weiterhin uns seine Ergebnisse der Breakbeat-Forschung geballt um die Ohren hauen wird.

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