Cuartero & wAFF „Break A Sweat EP“ (Moon Harbour Recordings)

Die letzte „Inhouse“-Compilation hatte nur wenig Zeit zum Nachwirken – es geht gleich weiter bei Moon Harbour. Mit der EP eines spanisch-britischen Duos.

Langsam bekomme ich ein schlechtes Gewissen, weil mir immer weniger zu den Moon Harbour-Veröffentlichungen einfällt. Hier ist also eine neue EP. Newcomer sind Cuartero & wAFF keineswegs.

Ersterer aus Spanien hat es schnell zu einer enorm gewachsenen Diskografie – fast parallel zu dieser „Break A Sweat“-EP erschien auch gerade eine auf Desolat – geschafft, letzterer kommt aus Großbritannien und brachte ebenfalls fast parallel eine EP auf Cocoon Recordings heraus.

Eigentlich ist nur „Break A Sweat“ ein Gemeinschaftswerk. Etwas Bassdrum und Perkussion, etwas Bassline, ein paar Turntablism-Samples, jede Menge Mucker-Vocals.

Mit „Trouble In Paradise“ ist zudem ein Solo-Track von Cuartero auf der EP. Etwas Bassdrum und Perkussion, etwas Bassline und exakt zwei Chord-Skizzen. Verzeiht, ich verstehe das nicht. Auch die beiden Remixe von Patrick Topping und Hector Couto bringen keine weitere Erkenntnis. Die DJ-Profis sind dagegen hellauf, wie ein paar Feedbacks zeigen:

Re.You (Mobilee)
Trouble in Paradise is great.

Nick Curly (Cecille)
Top Release!

Santé (Avotre)
Super great release!

Adana Twins
Strong release.

Meat (Freebase)
Let’s smash the floor.

Kaiserdisco
Great release! Both Originals are great and the remixes are nice as well!

Oxia
Good EP, Hector Couto remix is the one for me.

Detlef (VIVa MUSiC)
Amazing EP.

Kiki (BPitch Control)
„Break A Sweat“ is a perfect weapon for BPM Festival!

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Post aus Halle an der Saale

Neulich kam die Postfrau nicht klar. Ein Plattenpäckchen adressiert nur an frohfroh. Am nächsten Tag klappte es dann doch – mit einer schönen Überraschung darin.

Und zwar ein Unikat der ersten Orobos-Platte, einem soeben gestarteten Label aus Halle. Auf der weißen Plattenhülle eine amorphe Form, ein breiter Tuschestrich, der viel Raum für Assoziationen lässt – jedes Motiv ist von Hand gezeichnet und existiert nur einmal. Die Platte aus transparentem Vinyl – ein Gesamtkunstwerk, eine Kunstedition. Orobos entstand von Franz Paul Senftleben im Rahmen eines Seminars zum Thema „Simple“.

In Leipzig geboren, lebt er seit einiger Zeit 40 Kilometer weiter westlich und studiert an der Hallenser Kunsthochschule Burg Giebichenstein. In dem „Simple“-Seminar wurde „auch über Muster, Geometrische Formen und Aneinanderreihungen gesprochen“, erzählt Senftleben in einem aufschlussreichen Interview auf sceen.fm.

Und weiter dort: „Häufig musste ich an den modularen Aufbau von elektronischer Musik denken. Wie sie sich aus Ebenen, Flächen und Fragmenten zusammen setzt.“Als Paul Rewind produziert er ebenfalls Musik, eingedunkelten federnden Techno. Die Idee von Label, Design und Kunst lag also sehr nahe. Mit zwei Tracks ist er auf der ersten Orobos-Platte zu hören.

Die zwei Freunde Sub.Made und Prismic ergänzen die Mini-Compilation mit super reduzierten Dub Techno komplettieren. Die vier Stücke sind dabei so reduziert, dass ihnen leider die Spannung abhandenkommt. Trotz der klassischen Ansätze, die ja stark auf dem schwebenden Loop beruhen.

Interessant aber, dass Franz Paul Senftleben bei der Namensfindung für das Label auf den Begriff „Ouroboros“ stieß. Denn parallel greifen auch Pentatones bei ihrem neuen Album diese antike Figur des völlig Autarken auf.

Je nachdem wie es die Zeit hergibt, sollen auf Orobos weitere Platten folgen. Dann aber nicht mit derart aufwendigem Cover-Artwork. Also nicht lange zögern mit der ersten Katalognummer. 100 Stück gibt es nur davon.

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CVBox „What You Hear Is What You Get“ (Lunatic)

Nach nur zwei Platten ist Lunatic soweit, dass man sich unwillkürlich auf die nächste freuen kann. Sie kommt erneut vom Dresdner CVBox.

Er hatte das Debüt von Lunatic schon sehr angenehm analog und angeraut bespielt. Danach kam im letzten Frühsommer die wunderbar dunkel-poppige EP von Jennifer Touch. Es geht analog pulsierend und mit CVBox weiter auf Lunatic. Und wir bekommen tatsächlich das, was wie hören: Einerseits roh belassene und weitgehend klassische Acid- und Electro-Sounds, andererseits sphärisch flimmerte Wärme.

Kernstück der EP ist „Hitchhike The Plain“, das nach einem verschlungenen Anfang zur Mitte hin plötzlich zu einem pumpenden House-Track mutiert. Durch die Vocals mischt sich sogar so etwas wie ein dunkel schwelender Pop-Appeal mit hinein. Ein Track mit zwei Gesichtern.

„Apolda13“ und „TP-One“ erweitern das Spiel aus dunklen und gleißend-hellen Momenten – auf polyrhythmische und geradlinige Weise. Und es gibt ein Wiederhören mit „Drive By Circle“, dem wunderbar deepen, britzelten House-Track der ersten Lunatic-EP.

Die „Zappa Version“ entzieht sich der Deepness, dafür bleibt ein Britzeln an den Bassdrum- und HiHat-Rändern, während im Hintergrund eine stoische Bassline und später eine wirre Snyth-Schleife ihre Runden drehen – auf sehr andere Weise anziehend.

Neben einem Sticker liegt der Platte übrigens auch noch ein Kunstdruck bei. Komplettpaket also.

Parallel zur Lunatic-EP gibt es bei Uncanny Valley auch gerade eine neue EP von CVBox. Zusammen mit Micha Freier – auf der ersten Blackred-Platte waren beide bereits als Invalog zu hören – entstanden vier Tracks für „Transparency“.

„Blinking Lights“ offenbart dabei große Hit-Qualitäten – Gus Gus-inspiriert vielleicht. Als Konter: Ambient mit „XOXO“. Unbedingt mit zur Lunatic dazu packen.

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Radio Blau wird grün

In diesem Jahr feiert Radio Blau sein 20-jähriges Bestehen. Um künftig Kosten zu sparen, will der Sender nun in neue Technik investieren. Mit euch zusammen.

Unter dem Motto „Radio Blau wird grün“ versucht Leipzigs freies Radio derzeit, 5.000 Euro über die Crowdfunding-Seite Visionbakery zu sammeln. Die Idee: Alte Technik für den Radiobetrieb mit hohem Energieverbrauch gegen neue energieeffizientere Technik ersetzen.

Pro Jahr sollen so 900 Euro eingespart werden. Hinzu kommt die umweltschonende Komponente: Es werden dadurch 400 Watt weniger Strom und 1,9 Tonnen CO2 im Jahr verbraucht.

Die Wunschliste mitsamt den sinkenden Verbrauchswerten klingt wie ein IT-Poem:

Switches von 140W auf 40W
VirtServer von 150W auf 60W
FileServer von 150W auf 60W
BackServer von 150W auf 60W
FirewallRouter von 150W auf 30W
Pult von 200W auf 150W

Bis 1. Februar ist Zeit zum Spenden, Gegenleistungen gibt es selbstverständlich auch. 

Auf Distanz zu den Techno-Düster-Standards – DUR

Neues Jahr, neues Glück. Stimmt, denn mit DUR startet ein neues Label für die experimentelleren Ränder von Techno und Ambient. Niklas Kraft alias Talski beantwortet ein paar Fragen dazu.

Es hat dann doch etwas länger gedauert als gedacht. Insgesamt, aber auch seit der ersten Ankündigung bei frohfroh im letzten März. Zwischendurch gab es mehrere Podcast-Mixe und eine Label-Nacht im Institut für Zukunft. Mit der Katalognummer 001 startet DUR nun als Label. Nicht nur von Talski betrieben – wie es dazu kam, erklärt er später selbst.

Ein Grund für die Verzögerung war auch die Suche nach einem passenden Vertrieb. Mit Ready Made aus Berlin wurde einer gefunden, der mit Blackest Ever Black und Downwards Records einige Perlen einige sperrige Perlen vertreibt.

Das DUR-Debüt teilen sich Talski, Konrad Wehrmeister, Emrauh sowie Detlef Diamand & Lukas Rabe. Was sofort auffällt, ist der hypnotisch-kontemplative Sound aller Stücke. In vier verschiedenen Nuancen – angereichert um Dub- und Ambient-Elemente – kommt er zum Tragen.

So tritt selbst in der bedrohlich-düsteren Atmosphäre von Talskis „Eckbert“ und der kaum helleren, dubbig-hallenden Weite von Emrauhs „Vademecum“ ein angenehmes Gefühl der Losgelöstheit hervor.

Eingerahmt von diesen beiden Stücken strahlenDetlef Diamand & Lukas Rabe sowie Konrad Wehrmeister mit „Projection“ und „Search“ mehr Wärme und sogar einen Hauch von klassischer House- und Ambient-Deepness aus. Eine tatsächlich herausragende Platte zum Versinken. Im Sound und in Assoziationen.

Warum DUR entstanden ist und was noch passieren soll, erklärt Niklas Kraft alias Talski nun selbst:Bei Facebook steht „Ist am 18. Oktober 2010 beigetreten“ – die Idee zum Label schlummert schon lange?

Ja, der Gedanke eine Plattform für elektronische Musik mit Labelstrukturen zu gründen, ist tatsächlich schon ein längerer Plan von mir gewesen. Allerdings haben mir zur realistischen Umsetzung die finanziellen Mittel und das bis vor einem Jahr noch viele Unterwegssein mit Projekten einen Strich da durch gezogen.

Daher habe ich die Idee für ein paar Jahre wieder auf Eis gelegt und als Utopie schlummern lassen. Als dann die Produktionen für die erste Platte entstanden, gab es für mich keine Zweifel mehr, das endlich auf Vinyl rauszubringen und dabei hat sich wiederum die Label-Idee manifestiert.

Ursprünglich war nur von dir als Betreiber die Rede. In der Zwischenzeit hat es sich erweitert – wie kam es dazu?

Das damalige Hirngespinst bzw der „Grundstein“ wurde von mir gelegt, um die ganze Sache in Gang zu bringen und zu konkretisieren. Für mich war aber von Anfang an klar, dass ich dabei Gleichgesinnte brauche, die ein musikalisches Konzept teilen und sich für verschiedene Bereiche mitverantwortlich fühlen.

Emrauh hat jetzt beispielsweise das Grund-Mastering der gesamten Platte übernommen – mit einem abschließenden Feinschliff von Lake People. Perm kümmert sich um verschiedene organisatorische Bereiche, wie z.B. Promo und Vertriebsangelegenheiten. Beide hatten Lust auf die Labelarbeit und ich bin sehr froh, sie als Austauschpartner zu haben. DUR sind also wir zu dritt.

Gibt es ein musikalisches Konzept hinter Dur?

Wir wollen mit diesem Label vor allem Produktionen veröffentlichen, bei der die hypnotisch-meditative Ebene die Basis ist und auch mit kommenden Releases versuchen, noch mehr das Augenmerk auf ambient beeinflusstes Sounddesign zu legen. Einen starken Hang zur experimentellen elektronischen Musik habe ich persönlich sowieso, daher kann theoretisch in diesem Rahmen auch alles passieren. Auf jeden Fall wollen wir versuchen „anders“ zu klingen.

Warum eigentlich Dur? Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass viele Techno-Tracks in Moll sind.

„Durus“ ist das lateinische Adjektiv für „hart“. Ich finde die etymologische Herkunft dieses Wortes, bezogen auf das Wort Dur, welches im deutschen ja nur im Musikwortschatz zu finden ist, sehr interessant. Eine Tonart, die in Dur ist, bezeichnet ja ein freundliches, warmes Gefühl, das für mich schwierig mit Härte in Einklang zu bringen ist.

Darin liegt für mich eine Art Zwiespältigkeit verborgen, die ich wiederum mit meiner persönlichen Hörgewohnheit mit Techno in Einklang bringen konnte. Daher kam ich zu jenem Namen. Ich hoffe, dass hierbei auch eine gewisse Ironie erkennbar wird, denn die Welt braucht wahrscheinlich mittlerweile sowieso keine neuen Techno-Labels mehr, aber schon gar keine mit pseudo-düsteren Messages, die einem nur so ins Gesicht geballert werden, damit auch jeder versteht, dass Techno eine extrem tiefgängige Angelegenheit ist.

Vielleicht ist DUR eben mehr als eine Metapher zu sehen, um sich ein wenig von jener standardisierten „Düsterness“ zu distanzieren und trotzdem für tiefgründige und anspruchsvolle Musik stehen zu können.

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Daniel Stefanik „Genesis“ (Statik Entertainment)

Daniel Stefanik hat ein neues Album – ein sehr klassisches und tief im Sound grabendes.

Sechs Jahre liegt „Reactivity“ zurück, zwei Jahre „Confidence“. „Genesis“ spannt nun den Bogen zwischen beiden Alben. Musikalisch und strukturell. Denn während  Statik Entertainment im Herbst 2008 einen stärkenden Rückzugsort für Daniel Stefanik bot, beschert er dem Leipziger Label heute einen würdigen Abschluss. „Genesis“ wird die letzte Veröffentlichung von Statik Entertainment sein. Nach 20 Jahren.

Für Daniel Stefanik dürfte es jedoch nicht der letzte Meilenstein sein. „Genesis“ klingt so, als hätte er eine Balance zwischen dem sehr introvertierten, dub-beeinflussten „Reactivity“ und dem weitaus offensiveren „Confidence“ gefunden.

Es ist eine neue Ebene mit den ihm vertrauten Mitteln. Sphärisch und tief lässt sich ein Großteil der neuen Stücke einfach fallen. In fein arrangierte Momente, Loop-Artefakte. Ohne direkte Ziele, ohne zwingende Effekte für den Dancefloor. Selbst „Sad Sweet Strange“, „Backyard Soul“ und „Lifted“ definieren Techno in einer dramaturgisch sehr offenen Form.

Dieser Fokus auf die lang gedehnten, repetitiven Momente lässt jedoch nur wenige richtige Anker zu. Trotz Dauer-Repeat schälen sich keine einzelnen Tracks als Solitäre heraus. Müssen sie auch nicht. Es ist ein Album mit sehr konzentrierter introvertierter Stimmung und sehr dicht zusammengehaltenem Sound. Federnd die Bassdrums, dicht verästelt die einzelnen Elemente, erneut mit einer gewissen Patina überzogen.

Am stärksten hallen bei mir die Ambient-Tracks „And There Was Morning“, „The Seventh Day“, „Secret Garden“ und „Spiritual“ nach. Ihrer kompletten Losgelöstheit wegen. „Greater Than Yourself“ und „Reverting“ greifen dies ebenfalls auf, allerdings mit anziehend holprigem Schub.

„Genesis“ zeigt einmal mehr die tiefe Verwurzelung von Daniel Stefanik im Techno und Ambient der klassischen Form. Wo es ganz klar um die Faszination der Zeitlosigkeit geht und weniger um das Ausloten von neuen Grenzen.

Daniel Stefanik Website
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Mix-Tipps im Dezember

Kurz vor Weihnachten noch ein paar Tipps für hörenswerte Mixe aus Dezember. Mit pneuma-dor, QY und mehr.

Ja, Beschaulichkeit, Besinnlichkeit, Sanftmut. An Weihnachten geht alles gedämpfter zu. Oder auch nicht. Denn im Dezember erschien nicht nur die erste Platte des noch jungen Leipziger Labels pneuma-dor, sondern auch die erste Ausgabe des Label-Podcasts.

Und der Berliner Shō läutet sie durchaus brachial und düster ein. Ein Hauch Industrial-Kälte hängt da zwischen vielen Tracks. Doch es gibt auch einige lichtere Momente. Gutes Konterprogramm.

Die Drum’n’Bass-Party-Reihe Boundless Beatz hat bereits länger einen Podcast. Bei Nummer 8 ist die Reihe mittlerweile angekommen. Dass ausgerechnet er nun in die Mix-Tipps kommt, hat nur bedingt mit dem Mix des Mannheimers Kaiza zu tun – auch wenn er sich darin sehr kickend der Szene von Manchester widmet.

Noch spannender: Boundless Beatz wächst im nächsten Jahr zum Label. Ende Januar gibt es die Launch-Party in der Distillery. Dreadmaul wird dabei sein – ihm ist die Katalognummer 1 vergönnt.

Dann aber doch noch etwas Beschaulichkeit. Einmal von Luvless, der kürzlich seine wunderbare „Part Of Me“-EP veröffentlichte. Der französische Blog Delicieuse Musique hat den Leipziger für den Start seines Delicast ausgewählt. Zu hören: Viel Soul- und Disco-Schwingungen.

Und noch etwas sehr besinnliches: Die Miami-Promoter von Dionysian Mysteries mochten eines der ultradeepen Live-Sets von QY in den Podcast aufnehmen. Sehr gute Entscheidung.

Luvless „Part Of Me“ (Sleazy Beats Black Ops)

Beinahe wäre sie auf dem Weg zum Vertrieb verloren gegangen: Die limitierte Vinyl-Auflage der neuen Luvless-EP. Sie kam aber an und ist bereits nahezu ausverkauft.

Was ist da los? Sleazy Beats Black Ops, das Nachfolge-Label von Sleazy Beats scheint einen guten Lauf haben. Es dürfte aber auch Luvless selbst sein, der nach nur zwei Solo-EPs und seinem mehr als wohlwollend aufgenommenen Rose Records-Background mittlerweile einige Begehrlichkeiten weckt. Völlig zurecht.

Die drei neuen Tracks auf der „Part Of Me“-EP strahlen eine große Eleganz aus, der sich nur schwer entziehen lässt. House im Mid-Drive – sehr reduziert arrangiert, eingebettet in herrlich deepe Chords, weit ausholende Strings und dem genau richtigen Soul-Disco-Appeal in bei den Vocals. So klassisch, so umarmend.

„In My Arms“ kommt hier noch einmal im Original auf Platte – bei der „Turning Points“-EP schaffte es nur der Ooft!-Remix. Es ist das Herzstück der neuen EP, mit einem sanften Piano-Break. Noch deeper und mit leichtem Dub versehen: „Precious Kind Of Love“. Die für mich bisher eindrücklichste Luvless-EP.

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Techno-Referate

Mit der Eröffnung vom Institut für Zukunft hat auch der Kulturraum e.V. begonnen, sich in Referaten und Diskussionen verschiedenen Themen der Clubkultur zu nähern. Nun gibt es Mitschnitte.

Die Clubkultur ist ein weites Feld, nicht nur musikalisch. Auch wirtschaftlich und soziologisch. Und in ihr schlummern – wie in jedem Lebensbereich – zahlreiche Eigenheiten, Faszinationen und Widersprüche.

Einige davon thematisiert der Kulturraum e.V. seit einigen Monaten in eigenen Veranstaltungen. Den Spagat zwischen wirtschaftlicher Effizienz und Selbstverwirklichung im subkulturellen Clubbetrieb etwa. Oder wie sich Techno und House begrifflich näher beschreiben lassen, als mit „Jawoll“.

Von drei Veranstaltungen wurden nun die Mitschnitte der Referate und Diskussionsbeiträge auf Soundcloud gestellt. Spannende Podcasts sind das, die etwas mehr Aufmerksamkeit einfordern und die sicherlich in erster Linie als Ausgangspunkt für weitere Auseinandersetzungen dienen sollen – egal ob öffentlich oder im kleinen Rahmen ausgetragen.

Danke für den Gedanken-Dance.

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Various Artists „Inhouse Vol. 6“ (Moon Harbour Recordings)

Moon Harbour beschließt das Jahr mit einer neuen Ausgabe seine „Inhouse“-Werkschau.

Die sechste „Inhouse“-Compilation ist das mittlerweile. Das Prinzip ist klar. Eine große Werkschau mit exklusiven neuen Tracks der Label-Künstler und einigen Freunden und Bekannten.

Durchaus überraschend: Ein Track von Barem. Von M_nus kannte ich ihn noch, doch richtig viel kam in den letzten Jahren nicht mehr von dem Argentinier. Das Wiederhören auf der „Inhouse 6“ ist jedoch eher fad.

Leider gilt dies auch für zweidrittel der restlichen elf Tracks. Moon Harbour ist nun länger ein Tech- als Deep House-Label. Jaja, Geschmacksache, jaja die Beatport-Charts.

In der Mitte aber, da gibt es ein Refugium an Reibung und Deepness. Belebt durch Marco Faraone, Luna City Express sowie in Ansätzen auch von Sven Tasnadi, Dan Drastic & Matthias Tanzmann und Sable Sheep. Beim Rest fehlen mir die Anknüpfpunkte. Mal wieder.

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Various Artists „Tetsampler 2014“ (Tetmusik)

Nach Musik für Füchse, Pfauen und Wildschweine bringt Tetmusik nun den Soundtrack für Igel.

Wer es bisher verpasst hat: Seit einigen Jahren bringt das lose Label-Kollektiv Tetmusik musikalisch freigeistige Sampler heraus, die einen guten Querschnitt durch die House- und Indie-Szenen von Leipzig bieten – vorwiegend Leipzig zumindest.

Etwas wundert aber doch: Warum hat es Tetmusik nie geschafft, sich über dieses jährliche Statement hinaus zu entwickeln? Immerhin scheint es für nicht wenige Musiker aus der Stadt durchaus eine relevante Schnittstelle zu sein. Gerade beim Überwinden der Genregrenzen.

Wie auch immer. Der „Igel“-Sampler knüpft an die Tetmusik-Tradition an und verbindet Sampler, Synth und Gitarre zu einem einigermaßen kohärenten Mix. Den Anfang bestreiten Lootbeg und das Studio Rauschenberg mit zwei entspannt eingängigen Tracks – mit Electro- und HipHop-Lässigkeit.

Ron Deacons überträgt seinen hypnotischen Loop-Sound mit viel Soul unter die Discokugel – fast ein Querverweis hin zu Rose Records. Die Überraschung ist aber Lowcuts „Dr. Bowman’s Theme“. So episch und aufgeräumt habe ich ihn noch nie gehört. Sehr achtziger und ungewohnt glamourös.

Mit Pumamontana kommt auch etwas von den Tetmusik-Wurzeln mit den „Igel“-Sampler. Nach wie vor faszinierend, wie hier stoisch da an allen Trends vorbei neue Stücke entstehen, die so emotional reinlangen.

Großer Dance-Pop kommt weiterhin von MHYH – wann kommt da eigentlich mehr? Tomika beschließt die 2014-Ausgabe mit einem cineastischen Instrumental. Bis zum nächsten Jahr.

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Grizzly „O*RS Grizzly Cuts 303“

Was macht ein Liebhaberlabel aus? Zum Beispiel 100 7″-Platten zum 3. Advent raushauen – so wie es O*RS heute tut.

Mit O*RS tobt sich Filburt ganz besonders aus. Alle möglichen Vinyl-Formate werden bespielt, Newcomer gefeatured, dazwischen eine Kunst-Edition und Tapes. Und quasi jede Platte, jedes Tape – vielleicht sogar jede MP3-Datei – wird vom Labelchef persönlich veredelt.

Nun eine Advents-7″ vom Berliner Producer Grizzly, tief verbunden mit den Kann-, Doumen- und O*RS-Crews – vor einem Monat erst gab es einen Kannpod von ihm – entlässt er hier zwei äußerst rough belassene Analog-Tracks. Mit mäanderndem Session-Charakter.

Ernste und dunkel wabernde Sound-Artefakte, die gar nicht mal so weit von der Kassem Mosse-Ästhetik entfernt sind – insbesondere bei „Morph AD“ ähnelt die Spannung und die derbe Bassdrum sehr. Doch: Es ist eben immer wieder dieser scheißklassische Analog-Sound, der so tief berühren kann. Warum auch immer.

Also: Happy Advent.

Grizzly Website
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