Neues aus der Wolke – Saepteg

Die Neues aus der Wolke-Reihe ist etwas ins Stocken geraten. Vielleicht weil die Zeit fehlt. Oder die großen Flashs ausbleiben. Saepteg fiel aber auf.

Und zwar mit sehr entschlackten – fast schon simplen – Micro-House-Tracks, die aber in der Reduktion ein tief sitzendes Gefühl für stille Harmonien aufdecken. Mit Bands ist der gebürtige Wolfener musikalisch sozialisiert worden. Es folgten Ausflüge allein und eine im Mai via Bandcamp veröffentlichte EP mit drei zurückhaltenden Stücken. Es geht wohl mehr um das Hören als um den Dancefloor. Mit den angeteasten Mitteln des Dancefloors. Wie Wie es zu all dem kam, erklärt er selbst im Wolke-Interview.

Woher kommst du – lokal und künstlerisch?

Lokale mit der künstlerische Herkunft stehen bei mir durchaus in einem engen Zusammenhang. Noch bevor ich ein Instrument spielen konnte, habe ich mir mit rund 14 Jahren zwei Plattenspieler und einen Mixer gekauft. Ein solches Hobby war aber in der sachsen-anhaltinischen Einöde, aus der ich komme, doch sehr speziell.

An Platten war relativ schwer zu kommen, da man zu der Zeit noch sehr auf einen regionalen Laden angewiesen war. Es fehlten dann auch die finanziellen Möglichkeiten, so dass ich mich nach einer Weile einem Instrument „nach klassischer Ansicht“ zuwandte. Erst der Gitarre, dann dem Bass. Auch im Freundeskreis wurde eher gitarrenlastige Musik gehört und es war wohl auch „cooler“ in einer Band zu spielen.

Mit meiner ersten Band folgten dann Auftritte zu Keipennächten – mit mir als Bassisten. Alles relativ ahnungslos, aber mit viel Spaß und autodidaktischen Anspruch. Zum Zivildienst zog ich nach Leipzig und es folgten neue Bandprojekte – meine heutige Band heißt Trouble In Mind. Uns geht es um einen neuen Sound, ganz frei von typischen Liedstrukturen. In Leipzig spielte das Instrument nicht mehr die größte Rolle, sondern die Suche nach einem neuen Sound. Ich entdeckte den Synthesizer und begann wieder mit relativer Ahnungslosigkeit.

Mein erster Synthie war ein Microkorg. Irgendwann vor vier Jahren gründete ich dann mein eigenes Projekt. Die Band hatte nicht immer so Zeit wie ich mir das wünschte und Synthesizer haben einfach immer Bock Musik zu machen, wenn man es selber auch hat. Wie ein kleines Orchester, das man bedient. Der Schaffensprozess ist in dem eigenen Projekt ein ganz anderer als mit der Band.

Man ist für jeden Ton selbst verantwortlich und muss oder versucht die Kreativität einer ganzen Gruppe abzubilden im Vergleich zu einer Band. Ich mag beide Arten und beide haben Vor- und Nachteile. Darum möchte ich einmal für die nötige Abwechslung und dann wieder wegen der menschlichen Zusammenarbeit in der Band nicht auf eine der beiden Arten des Schaffensprozesses verzichten.

Was flasht dich musikalisch?

Das sind auf jeden Fall Live-Acts. Ich mag es zu sehen was passiert und die Veränderungen eines Klanges auch visuell verfolgen zu können. Das gleiche gilt ja für das Auflegen mit Vinyl. Die Musik muss dann nicht zwingend zum Tanzen animieren damit sie gut ist.

Momentan bin ich schon ein Fan von elektronischen Acts mit einem hohen Live-Anteil in ihren Sets. In Leipzig machen das Webermichelson oder Mix Mup sehr gut. Auf das Live-Spielen bezogen mag ich aber auch Brandt Brauer Frick, Burnt Friedman & Jaki Liebezeit, Hauschka und Sven Kacirek.Wo willst du mit deiner Musik hin?

Wo die Musik dann am Ende gehört wird, kann man nur zum Teil selbst beeinflussen. Das müssen dann wahrscheinlich auch andere beurteilen. Ich will jetzt keinen Track machen, wo ich schon daran denken muss, das er sich an jenem oder diesen Ort gut anhören soll. Am Ende könnte ich ihn dann nicht so machen, wie ich wollte und würde mir selbst Restriktionen auferlegen.

Dass man möglicherweise einen Ort vor dem inneren Auge hat, ist was anderes und sehe ich eher als Leitfaden. Dieser Ort in der Vorstellung entsteht meist auch beim Erschaffen des Songs beiläufig. Um sich die größtmögliche Freiheit zu bewahren, ist die Bezeichnung „intensives Hobby“ wohl zunächst die Beste.

Wenn die Musik dann an den unterschiedlichsten Orten gehört wird, ist das natürlich schön. Wenn man sich nach seinen Vorstellungen verwirklicht, sehe ich aber nicht, wo der Begriff Hobby endet oder anfängt – man macht es dann einfach. In Richtung Live-Act würde ich langfristig gern gehen.

Dein größter Soundcloud Hit?

Das ist bisher „Auf Vier Pfoten“, was ich eigentlich verwunderlich finde, da es das erste Lied war, das ich veröffentlicht habe. Da war mein technischer Erfahrungsschatz und meine Fertigkeiten noch nicht so weit entwickelt.

Dein persönlich größter Hit?

Eigentlich ist es schwierig, das so festzulegen, weil es von den Maßstäben abhängt, die man anlegt. Und die anderen Lieder aus verschiedenen Perspektiven gesehen auch ihre schönen Stellen haben und aus der Reihe fallen. Müsste ich mich festlegen, würde ich sagen, dass es „Leipzig“ ist.

Ich selbst finde es relativ bombastisch, vielschichtig, raumeinnehmend, tiefgründig, harmonisch und melodiös. Vielleicht habe ich es auch deswegen „Leipzig“ genannt, weil es mir von den Orten am meisten bedeutet. Ich finde jedoch nicht, dass jedes Lied so oder so ähnlich klingen sollte, eigentlich möchte ich noch woanders hin.

Was kommt demnächst von dir?

Zunächst soll am Ende des Jahres noch eine EP meiner eigenen Band kommen und vorher sicher nichts neues von meinem Soloprojekt, obwohl ich auch parallel schon wieder am Produzieren neuer Tracks bin. Vor kurzem kam ja auch erst die „Places EP“. Bis jetzt war es so, das noch jedes neu entstandene Lied eine Weiterentwicklung war in der Arbeitsweise oder den Produktionsmitteln. So gesehen befinde ich mich auf einer Entdeckungsreise und sehe noch viele Möglichkeiten und spannende Richtungen zur Weiterentwicklung.

Saepteg Soundcloud
Alle Teile von Neues aus der Wolke

Chris Medleigh „X Cluding The Shapes“ (Resistant Mindz/Dia)

Album Nummer 2 – Chris Medleigh legt zweieinhalb Jahre nach dem Debüt ein weiteres Album vor. Wieder mit viel verspieltem Eigensinn.

Komisch, dass Chris Medleigh nicht schon längst präsenter ist. In der Stadt. Darüber hinaus. Seine Stücke zelebrieren die simple Freude und Leichtigkeit auf so angenehm verschachtelte Weise zwischen HipHop, Electronica und Pop, dass da doch mehr gehen sollte.

Für das zweite Album „X Cluding The Shapes“ bündeln Resistant Mindz und das Analogsoul-Sublabel Dia ihre Netzwerke. Sicher auch, weil Chris Medleigh eben diese kleinen Schwellen zwischen den Genres mühelos überwindet. Ohne Koketterie und ohne Krampf.

Statt der 16 Stücke beim Debüt konzentriert sich Medleigh dieses Mal auf lediglich  neun. Ein guter Fokus auf das, was seinen Sound ausmacht. Instrumental ausformuliert und mit einem undogmatischen Experimentierfreiraum einerseits, mit Gast-Rappern und Sängern in den Pop gehievt andererseits.

Soundtechnisch hat sich einiges getan, so kommt es mir vor. Viel direkter und klarer klingen die Stücke. Damit auch die fein justierten Samples, die holprigen Beat-Arrangements und der verwunschen-entrückte Funk zwischen den vielen Tönen. Ein Album zur Entschleunigung.

Chris Medleigh Website
Resistant Mindz Website
Mehr zu Chris Medleigh bei frohfroh
Mehr zu Resistant Mindz bei frohfroh

Soundtrack Soundtrack

Noch steht bei frohfroh die Aufarbeitung der im Sommer liegengebliebenen Themen an. Eines davon ist speziell – im Juli erschienen nämlich zwei Soundtracks. Von Neonlight, Wintermute und Clemens Ruh.

Filme und Spiele zu vertonen dürfte für nicht wenige Musiker einen gewissen Reiz ausüben. Stimmungen und Emotionen pushen, vielleicht auch bewusst gegensteuern. Auf die Sequenzen hin arbeiten. Je nach Leinwandgröße übersteigern sich Soundtracks allerdings oft auch im Pathos und Überzeichnen.

Neonlight und Wintermute betreiben mit Leed:Audio ein eigenes Studio, das mit elektronischen und orchestralen Mitteln Filme und Computerspiele vertont oder Marken zu einem Sound-Signet verhilft.

Dabei entstehen nicht nur binaurale Beats, die mit unterschiedlichen Stereo-Frequenzen bei Nachtfahrten wach halten sollen, sondern auch der Soundtrack für das Puzzle-Plattformerspiel „Schein“.

Leed:Audio greifen die nächtliche Atmosphäre auf, in der ein verzweifelter Mann seinen verlorenen Sohn sucht und von einem mysteriösen Irrlicht geleitet wird. Spooky. Düster. Orchestral. Teilweise auch fragmentarisch. Neunzehn Stücke umfasst der Soundtrack, den Leed:Audio via Bandcamp auch unabhängig vom Spiel anbieten.

Einen Film gab es für Clemens Ruh nicht als Vorlage. Vielmehr will er mit seinem Soundtrack „Breathe“ Filmemacher für bestimmte Szenen und Stimmungen inspirieren. Ob das in die Richtung überhaupt geht? Große Leinwände hat Ruh – übrigens der erste der „Neues aus der Wolke“-Reihe – wohl im Hinterkopf gehabt.

Ebenfalls orchestral, in Ansätzen und Zwischentönen schimmert ein Sound und Geist des Elektronischen hervor. Da ergeben sich einige gute Momente. Und dann jedoch auch wieder der totale Overkill. Wahnsinn aber, was für kompositorische Skills Clemens Ruh da aber auffährt. Im Eigenvertrieb hat er „Breathe“ digital veröffentlicht.

Leed:Audio Website
Clemens Ruh Facebook

QY „Too Late EP“ (Roundabout Sounds)

Die Sommerplatten-Übersicht von neulich konnte natürlich nicht vollständig sein. QY fehlten beispielsweise.

Okay, QY sind doch aus Leipzig. Mit dem Debüt auf Ortloff war das noch offen gelassen. Wer genau dahinter steckt, bleibt auch weiterhin eher im Dunkeln. Wohl dadurch ist nicht nur der Compilation-Beitrag auf Blank Slate im letzten Jahr bei frohfroh untergegangen, sondern beinahe auch die neue hier auf dem kalifornischen Label Roundabout Sounds.

Der Sound hat sich gewandelt. Weg vom stromlinienförmigen, durchaus im Dub ruhenden House hin zu einer deutlich deeperen Seite. Wärmende Chords, tänzelde Beats – da ist im QY-Studio im Leipziger Westen wohl mehr Sonne als sonst reingekommen.

Wobei es auf dem Debüt mit „Brazz“ ein ähnlich deeper Track zu hören war. Die vier Stücke der „Too Late EP“ bilden jedoch einen in sich geschlossenen Block. Schnörkellos, klassisch, im besten Sinne ausbalanciert zwischen offensiveren und introvertierten House-Momenten.

„Bianco“ nimmt sich schließlich der Umarmung von Deep House und Dub Techno an, was auch schlüssig klappt. Tatsächlich eine weitere Sommerplatte.

QY Facebook
Roundabout Sounds Website
Mehr zu QY bei frohfroh

Zwei Grüße aus Olganitz

Ein Monat liegt das Nachtdigital zurück. In der sommerlichen Doomness ist da auch die diesjährige Platte untergegangen.

Das soll sie aber nicht. Denn die mittlerweile vierte Ausgabe der „Nachti“-Reihe ist überaus hörenswert. Perm kommt hier nämlich zu seinem Vinyl-Debüt. Endlich, längst überfällig.

Und sein unbetitelter Track bohrt sich in roher und zugleich schillernder Weise ins Gedächtnis. Ein leichter Acid-Einschlag vor einer hellen, später episch aufbrausenden Synth-Wand und einer etwas blechern-schleppenden Bassdrum. All das war schon bei ersten Perms Soundcloud-Lebenszeichen zu hören. Nun kommt es aber auf dieser Festival-Compilation zu entsprechender Würde und Aufmerksamkeit. Und wer macht jetzt die Debüt-EP, bitte?

Auf der gleichen Vinyl-Seite sind auch Praezisa Rapid 3000 zu hören. In einem harten Kontrast zu Perm natürlich. In all dem stolpernd-feinsinnigem Charme – „This One Goes Out To Our Grandmothers & Großmuddis“, logisch. Der Soundtrack zum großen Doumen-Einfluss auf das diesjährige Nachtdigital. Und eine schöne Erinnerung an das wunderbare Album.

Außerhalb des lokalen Kontexts bespielen Legowelt und Randweg die andere Seite mit eigenwilligen Ansätzen. Irgendwo zwischen Analog-Disco und Kraut-House. Es sind bisher immer besondere Platten gewesen, die aus Olganitz kamen. Das bleibt auch in diesem Jahr so. Restexemplare sind im Festival-Shop zu bekommen.

Und noch ein Andenken gibt es: ein Zeitraffer-Video hat einige Eindrücke eingefangen. Wieder von Martin Lovekosi zusammengebastelt, der auch schon den vergangenen Winter im Conne Island mit mehr als 4.000 Fotos eingefangen hatte. Beim Nachtdigital waren es 10.000, um einen rund dreiminütigen Clip von Ankunft, Aufbau und Rave zu erstellen.

Earnest And Without You „s/t“ (Analogsoul)

Mit A Forest waren sie in diesem Jahr auf Tour. Nun veröffentlicht das Berliner Duo Earnest And Without You sein Debüt-Album bei Analogsoul.

Ein beeindruckendes, um es gleich vorweg zu nehmen. Dabei bürgt das Setting ein gewisses Potential zum Überambitionierten: Geige, Gesang, Elektronik. Daniella Grimm und Antonio Passacantilli reduzieren jedoch an den richtigen Stellen. Durchweg. So zerfasert der Pop ins Avantgarde und die Electronica erhebt sich ins dezent Eingängige.Auch theoretisch ist das verankert. Um „Voids, versteckte oder offen markierte Abwesenheiten, in denen Erwartungen musikalisch und auch textlich explizit nicht erfüllt werden“, geht es Earnest And Without You. Und dieses Weglassen erzeugt über acht Songs hinweg eine ebenso angenehm gedimmte wie spannungsgeladene Atmosphäre.

Mit warmen Folk-Pop-Momenten, experimentellen Abzweigen, feingliedrigem Sounddesign und einer gleichermaßen ausgeprägten Aufrichtigkeit für Pop und Avantgarde. Dabei aber so unaufgeregt, dass nirgendwo ein Gefühl des Überambitionierten aufkommt.

Mir kommt beim Hören des Albums auch gleich „Suavium“, das Solo-Debüt von Delhia de France in Erinnerung, das vor wenigen Monaten auf ähnliche Weise überzeugen konnte. Allerdings ist bei Earnest And Without You mehr Understatement herauszuhören, was ihrem Album extrem gut tut. Eine große Entdeckung.

Earnest And Without You Website
Analgsoul Website
Mehr zu Analogsoul bei frohfroh

Acht aus einem Sommer

Dieser Sommer war irgendwie anders für frohfroh. Eine große Offline-Sehnsucht machte sich breit. Dadurch ist einiges an neuer Musik aus Leipzig vorbei gerauscht. Hier ein Rückblick.

Juli und August sind die Festival- und Chillmonate, die Clubs machen dicht und auch die Labels fahren ihr Pensum ein wenig herunter. Ganz herunter aber nicht. Einige EPs kamen in den vergangenen Wochen heraus, die hier nicht untergehen sollen.

Daniel Stefanik „Signs“ (Cocoon Recordings)

Allen voran Daniel Stefanik, der nach seinem letztem Album „Confidence“ erstmals wieder auf Cocoon Recordings zu hören ist. „Signs“ heißt die neue EP. Und die beiden Tracks schlagen eine eindeutige Richtung zum großen Main Floor ein.

Schwer schiebend und weit ausladend. Zwar in der Stefanik-eigenen Musikalität geerdet, aber doch hörbar auf Rave getrimmt. Besonders “Illuminations“ ist wirklich nah an einer verwirrenden Trance-Epik. Da gab es andere Höhepunkte in Daniel Stefaniks Diskografie.


Panthera Krause „Laika“ (Riotvan)

Anders bei Panthera Krause, dem Solo-Projekt des Marbert Rocel-Mitglieds. Er ist mit seiner zweiten EP – wieder auf Riotvan – noch am Ausloten des eigenen Sounds. Beim Debüt lagen die Referenzpunkte bei Disco und Deep House. Auf „Laika“ kommt erneut sein musikalisch organischer Background zum Vorschein, stilistisch erweitert sich Panthera Krause aber um einige Ecken.

„If“ beispielsweise sehr verspielt mit trockenem und stolperndem Beat, „Isla“ dagegen super stromlinienförmig und konzentrierter. Auch hier ein epischer Einschlag, aber weniger offensiv als bei Daniel Stefaniks „Illuminations“. Die Dub Version raut alles noch etwas mehr an.

Und noch etwas ist neu mit „Laika“: „Through My Mind“ liiert sich schon fast unverschämt deutlich mit der poppigen Deepness von John Talabot. Es soll bald die nächste Panthera Krause-EP folgen. Dieses Mal nicht auf Riotvan.


Sven Tasnadi „Apollo 13 EP“ (Moon Harbour Recordings)

Neues während des Sommers auch von Sven Tasnadi. Eine neue Moon Harbour-EP. Und sie beginnt mit einem großen Gähnen. „On Your Mind“ ist solch ein Tech-House-Tool, das in seiner legeren Freiluft-Leichtigkeit eine Menge Langeweile mitschwingen lässt.

Erstaunlicherweise holt Marco Faraone mit seiner Dub Version einen komplett anderen Vibe aus dem Stück. Mit unglaublich drückender Bassdrum und einer verhuschten Düsternis. Und einer permanent lodernden Spannung. Der Hit dieser EP.

Obwohl Sven Tasnadi mit „Feed Good“ und „Miss Understood“ selbst noch weitaus einnehmender Tracks nachlegt. Wohl, weil sich die Sounds hier direkter und mit mehr klassischem House-Charakter entfalten können.


Sené Ceanes „Unchained Interviews“ (Esoulate Music)

Esoulate Music ist ja bekanntlich vom Net- zum Digital-Label geswitcht. Bisher gab es jedoch nur Re-Releases. Sené Ceanes läutet die neue Ära mit bislang unveröffentlichten Tracks ein.

Seine „Unchained Interviews“-EP widmet sich ganz der europäischen Deep House-Ästhetik der späten Neunziger. Mit einem cleanen, rhodes-betonten und fülligem Sound und einer gewissen Soul-Pop-Nähe. Irgendwo zwischen Realness-Ernsthaftigkeit und einer humorvollen Verspieltheit mit eingebauten Interview-Samples.

Bei Sené Ceanes ist die Erfahrung und Versiertheit immer unmissverständlich herauszuhören. Nur fehlen mir bei seinen Stücken meist die charakteristischen Elemente.

„Just Dance“ und „Crush An Airplane“ bilden mit dem Detroit-Sidekick und der fanfarenhaften Klarheit eine Ausnahme. Simon Sunset holt den Deepness-Ansatz mit seinem „My Journey“-Remix mehr in die Gegenwart.


Various Artists „All Directions Of Love“ (A Friend In Need)

Digital veröffentlicht aktuell auch noch A Friend In Need, das vor wenigen Monaten von Lootbeg gegründete Label. Nach der Compilation zum Start folgt eine weitere Werkschau, die zeigt, wie gut vernetzt Lootbeg international zu sein scheint.

78 Edits aus Edinburgh und Buzz Compass aus Russland steuern je einen Track bei, La Tuerie und Lootbeg selbst sind erneut zu hören und auch der Leipziger iami, der bislang öfter im Tetmusik-Umfeld auftauchte.

Er durchbricht die eingeschlagene Deep House- und Disco-Range dieser zweiten Compilation mit einer introvertierten, bassschnarrenden House-Miniatur. Ein Edit offensichtlich.

Auf jeden Fall einer schöner Nebenschauplatz neben sich den versiert in der House- und Disco-Klassik austobenden vier anderen Stücken. Künftig sollen sich die Release-Intervalle auf A Friend In Need verkürzen.


Various Artists „Bandwith Spektrum Work EP (Pragmat)

Einen Ausflug ist die Techno-Dunkelheit gibt es mit Pragmat. Die mittlerweile siebte Veröffentlichung erschien Mitte Juli auf Vinyl. Label-Betreiber Markus Masuhr teilt sich die beiden Seiten mit Georg Bigalke. Einzeln und gemeinsam. Bigalke bringt eine spürbar rauere Note auf diese Pragmat-EP. Breakiger in den Beats, darker und offener in den Arrangements.

Das gemeinsame Stück „Minsk“ geht denn auch schon mehr in Richtung Electronica als Techno. Kantig und neurotisch und eindringlich. Auch Georg Bigalkes Solo-Stück „Whispering Slaves“ verbietet sich die klar berechenbare Abfahrts-Eingängigkeit.

Wobei: auch Markus Masuhr bietet da einen gelungenen Gegenpol mit seinem “Questionable One Another Implemantation“. Ebenso düster, aber weitaus straighter und geradliniger. Eine der bislang besten Pragmat-Veröffentlichtungen. Wieder streng limitiert und Sticker und Poster zu einem Gesamtkunstwerk aufgewertet.


Free Download und Jubiläum

Ansonsten noch zwei einzelne Stücke. Pwndtiac haute, ergänzend zu seiner aktuellen EP, kürzlich noch „Nightvision“ als Free Download heraus. Ein schwelgerisch und schwerelos schwebendes Disco-House-Stück, das mit dem Franzosen Douze zusammen entstand.

Außerdem ist Juno6 auf der Compilation zum 16. Jubiläum der Jenaer Label-Institution Freude am Tanzen zu hören. „Seq2“ überrascht mit ebenso runtergedimmten wie direkt schiebendem Soul-House, wie er bei Sonar Kollektiv zu deren besten Zeiten zu hören war. Sonnenuntergang, Sonnenaufgang und all das klingt hier mit durch. Was für ein Song, oder Track.

Mehr bei frohfroh von:
Daniel Stefanik
Panthera Krause
Riotvan
Sven Tasnadi
Moon Harbour Recordings
Sené Ceanes
Esoulate Music
Markus Mashuhr
Georg Bigalke
Pragmat
A Friend In Need
Lootbeg
Pwndtiac
Juno6

Neuer Plattenladen – Possblthings

Lange hat es ja nicht gedauert bis die Alternative zum gerade geschlossenen Kann Records-Laden folgte. Anja war schon bei Possblthings.

Mix Mup hatte es in einem Facebook-Post bereits angedeutet: der Macher des neuen Plattenladens Possblthings in Connewitz ist ein in Leipzig nicht unbekannter Connaisseur elektronischer Musik: Demian von Spunkey Monkey Records.

Seit gefühlten zehn Jahren schon bewegt er sich als Labelbetreiber und mit eigenen Produktionen im Umfeld von Giroton und Homoelektrik. Der Wunsch, einen eigenen Plattenladen zu eröffnen, trieb ihn seit über einem Jahr um: „Alle reden vom Sterben der Plattenläden, aber es gibt doch immer mehr Platten. Und dafür in einen Laden zu gehen, ist doch immer noch etwas besonderes.“

Eigentlich hätte er gern im Westen von Leipzig einen Raum eröffnet, doch dort sind die Mieten eben inzwischen wohl doch zu teuer. Ein Glücksfall also, dass ein befreundeter Hausbesitzer ihm nun diesen kleinen Ladenraum in der Bornaischen Str. 95 anbot, den er mit wenigen Mitteln hergerichtet hat.Noch etwas leer wirkt er. Je eine aktuelle Kiste House, Techno, Elektro und Synthwave, dazu ausgesuchte Afrobeat- und Basic-Channel-Scheiben sowie etliche ältere Schätze zwischen Acid-Klassikern und Force Inc. Das Angebot soll aber weiter wachsen und dafür braucht es natürlich Käufer.

Über den bisherigen Zuspruch seit der Eröffnung am 20. Juni freut sich Demian jedenfalls: „Es stolpern jeden offenen Tag neue Leute rein, und es ist schön, ins Gespräch zu kommen.“

Eine Kaffeemaschine gibt es inzwischen auch. Und die Verkehrsanbindung ist, direkt an der Connewitzer S-Bahn-Station gelegen, auch super. Also keine Ausrede mehr, Euch auch auf den Weg in diesen äußerst sympathischen Laden zu machen. Geöffnet hat er übrigens Donnerstags bis Samstags von 12 bis 19 Uhr.

Mac-Kee „Gomorra EP“ (Zwischenwelten)

Mitte Juli schon kam die zweite Zwischenwelten-EP heraus. Wieder ausschließlich auf Vinyl mit Siebdruck-Cover.

Hinter den Kulissen hat es aber eine kleine Verschiebung gegegeben: ab sofort agiert Zwischenwelten als Sub-Label von Mac-Kees Dirtydrivesounds. Chris Manura veröffentlichte dort 2012 seine „Cube EP“.

Nun teilen sich die beiden die neue Zwischenwelten-Platte. Deren Label-Debüt überraschte ja Ende des letzten Jahren mit einem ungewohnt breakigen Manura-Stück. Dieses Mal ist er als Remixer von Mac-Kees sphärisch-schiebenden „Gomorra“ zu hören, einem eingedunkelten Tech-House-Stück mit Dudelsack-Break. Gewagt, aber doch beiläufig genug, um dem Folklore-Overkill ausweichen zu können.

Chris Manura hat da weniger Scheu. Er gibt den Harmonien und dem Sound an sich wesentlich mehr Raum. Wieder mit breakigem Beat zwar, aber insgesamt doch pathetischer und mit groß vibribrierender Bassline. Irgendwie wird mir da zuviel aufgefahren. Sicherhlich auch, weil bei „Aleph“ in der Überraschung soviel stimmte.


Zwischenwelten Website
Mac-Kee Facebook
Chris Manura Facebook
Mehr zu Chris Manura bei frohfroh

Thomas Scholz „Asle EP“ (O*RS)

Filburts Label O*RS verhilft in diesem Jahr nach Ranko einem weiteren Musiker zur Solo-Debüt-EP: und auch Thomas Scholz überzeugt von Anfang an.

Dabei beginnt die EP höchst verwirrend mit einem Metal-/Hardcore-Vocal. Vor einer entfernt drückenden Bassdrum und einem Regenguss ist es plötzlich bei „I Break Free“ da und schreit sich frei, bis es von Klavier und Streichern überlagert wird. Ein skurriles Zusammenspiel mit Pathos und versunkener Schüchternheit.

Auch „Mimesis“ ist kein Stück, dass einfach vorrüber rauscht, obwohl die Bassdrums deutlich tighter ausfallen. Thomas Scholz scheint viel Wert auf dichte Melodiebögen mit sehr eigenwilligen Arrangements zu legen, gleichermaßen mit Electronica- und Dancefloor-Spannungen spielend. Was für eine Entdeckung.

Mit Rampue und Powel hat Filburt zwei Remixer angefragt, die beide bereits oft ihren feinen Sinn für die spezielle Deepness bewiesen haben. Beide strecken „I Break Free“ und „Mimesis“ mit lässigem, entrückt-schillerndem Schub stärker für den Dancefloor. Powel etwas ausladender, Rampue mit mehr Pop-Appeal.

Da wirkt Filburts Remix fast wie ein Ausbruch aus der beseelten Dämmerung. Nach seinen zurletzt sehr zurückhaltenden Stücken eine überraschend offensive Wendung.O*RS wäre nicht O*RS, wenn es zur herkömmlichen EP nicht auch eine limitierte Version gäbe. Dieses Mal gibt es 25 USB-Sticks mit Label-Logo.

O*RS Bandcamp
Thomas Scholz Website
Mehr zu O*RS bei frohfroh

Sommerloch in der Kochstraße

Zurück aus der Sommerpause – und gleich mit einem großen Sommerloch. Der Kann Records-Plattenladen ist zu.

Die überraschende und kurzfristige Schließung liegt schon über eine Woche zurück. Über die Beweggründe sprach Alex „Sevensol“ mit der Groove – sehr lesenswert. Zusammen mit der Schließung des Cotton Box-Ladens wird der Anfang der Kochstraße nun einiges an Charme verlieren.

Dass mit dem Kann-Laden der letzte Plattenladen für Clubmusik in Leipzig wegfällt, ist eine jener Tragiken, die seit der durchgreifenden Digitalisierung der Musikbranche immer wieder zu erleben war in den vergangenen zehn Jahren. Da konnte auch der Vinyl-Boom nichts mehr retten.

Es gibt neue Hör- und DJ-Gewohnheiten, große Online-Shops für Vinyl – der Plattenladen als sozialer Ort ist abseits der wirklich großen Städte zu einer großen, von ausdauerndem Idealismus getragenen Ausnahme geworden. Schade, dass Leipzig in seiner Label- und Artist-Renaissance künftig darauf verzichten muss. Vorerst vielleicht – denn wer weiß, ob sich nicht doch noch jemand für einen kleinen neuen Laden begeistern kann. Wer mag?

NACHTRAG:

Possble Things wurde als neue Alternative genannt. In der Bornaischen Str. 95.

Neues Label – Defrostatica

Der Rückzug von Booga bei It’s Yours scheint mehr Elan als gedacht freigesetzt zu haben: nun startet er ein Label.

Vor wenigen Tagen platzte Booga via Facebook mit der Nachricht heraus, dass er ein Label namens Defrostatica gründen wird. Starten soll das „drum and bass breakbeat jungle footwork electronica thing“ im Herbst.

Auch wenn noch nichts einleitendes zu hören ist, klingt die Ankündigung super spannend, gerade als Impuls für mehr Öffentlichkeit für all die hiesige elektronische Musik abseits der geraden Bassdrums. Verfolgen lassen sich die ersten Gedanken und Schritte und Fehltritte auf dem eigens für das Label aufgesetzten Tumblr-Blog.

Defrostatica Tumblr