Black Series & Traumuart

Die ganze Zeit lag es im Hinterkopf – dass es neues von Perthil & Aerts gibt. Und dass es sogar ein weiteres Label von Perthil gibt.

Perthil & Aerts, Chemnitz-Leipzig-Connection mit einer gut kuratierten Techno-Compilation-Reihe namens „Black Series“ auf dem eigenen Label Authentic Pew – soweit zum Wachrufen der vielleicht doch irgendwann einmal aufgeschnappten Artikel bei frohfroh.

Im August kam die neunte „Black Series“ heraus, mit je einem Solo-Stück des Duos. Aerts deeper, Perthil schroffer und neurotischer. Beides auf hohem Niveau die Techno-Hypnose auslotend.

Mittlerweile ist übrigens auch die zehnte „Black Series“-Ausgabe herausgekommen. Dieses Mal als größere Compilation mit einigen Leipziger Bekannten. Markus Masuhr sowie Bigalke & Sunset etwa. Nicht verpassen dieses Mal.

Überraschender war aber die Nachricht, dass Perthil – der Leipziger Part des Duos – ein weiteres Label namens Traumuart betreibt. Seit Oktober 2013 kam dort im Monatstakt eine neue digitale EP heraus. Alles Debüts von Umors, Francisco Branda und Rodrigo Garcia. Digitale Nachwuchsarbeit also, zumal sich Traumuart klanglich nicht allzu sehr von Authentic Pew ablöst.

Als zehnte Katalognummer wurden alle bisherigen Tracks und Remixe zusammengefasst. Auch schon – hüstel hüstel – im August veröffentlicht. Dunkler klassischer Techno in verschiedenen Nuancen. Irgendwie hinterlassen die Authentic Pew-Stücke aber mehr Eindruck bei mir.

Authentic Pew Website
Traumuart Website

Imaginary Units „Volatile Increments“ (Yuyay Records)

Yuyay Records ist mit einer neuen EP zurück. Der ersten mit einem deutlichen Dancefloor-Fokus.

Vor zehn Monaten erschien die letzte EP dieses mythenumwobenen Labels aus Lindenau. Betreiber Robyrt Hecht konnte das Label mit einigen Mixen und Label-Abenden aber präsenter in der Stadt verwurzeln als es die Release-Dichte vermuten ließe.

Zu Imaginary Units gibt es nichts zu berichten. Es würde mich nicht wundern, wenn Falke von Kann Records dahinter steckt. Der melancholische, nach Detroit schielende House-Sound erinnert an nicht wenigen Stellen sehr an jenen – ebenfalls scheuen – Producer aus Leipzig. Wahrscheinlich sind die Stücke aber erneut von Robyrt Hecht selbst.

Andererseits pulten die bisherigen Yuyay-Releases auch historisch versiert und behutsam antiquiert in den Anfängen der elektronischen Musik. Nie aber derart direkt für den Dancefloor ausgelegt. Die vier Stücke auf „Volatile Increments“ pulsieren mit dicht arrangierten Analog-Synths, angetrieben von trocken angerauten Bassdrums.

Eine schöne introvertierte Schwelgerei, die die Aussicht auf die kürzer werdenden Tage erträglicher macht.

Yuyay Records Website
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Timoka „Tulgey“ (Holger Records)

Heute ist Timoka-Tag. Das heißt: es wird musikalisch keinen besseren Tag mehr in dieser Woche geben.

Ja, die Euphorie trägt seltsame Blüten. Doch irgendwie muss ich die Freude über die neue Timoka-EP kanalisieren. Timoka, das ist ein Baseler Künstler, der einige Zeit an der Leipziger HGB verbrachte und dort die Holger-Gang kennenlernte. Steffen Bennemann erzählte neulich davon auf Ransom Note.

Für das Label liefert er nicht nur eine der spannendsten Tracks – zusammen mit Reymund Schröder ist er auch für die Holger-Plattencover verantwortlich. Im letzten Winter debütierte Timoka dort und schon damals fiel sein erfrischend offenherziger Umgang mit elektronischer Musik auf. Zwischenzeitlich remixte er das Webermichelson-Album und legt mit „Tulgey“ nun ein eigenes Mini-Album nach.

Und es zeigt in elf Stücken, dass der Timoka-Kosmos weit größer ist als es nach „Waters“ zu erahnen war. Electronica ist dabei nicht einfach Electronica, House nicht einfach House. Bei Timoka verwischen die Genre-Erwartungen mit gleichermaßen narrativ-bildlich und ironisch-verspielt klingenden Sounds.

Stilistisch unbeirrt und vom Erwartbaren entrückt, ein Andersklingenwollen ohne Krampf. Dabei sehr fokussiert auf eine hohe Musikalität mit vielen geschichteten Harmonie-Bögen und Samples. Da ist manchmal in anderthalb Minunten alles gesagt.

Der Dancefloor bekommt mit „In A Box“, „Sundowner“ und „Borogoves“ viel Eigensinn um die Ohren. Dieses Neben-der-Spur-agieren und die musikalische Unbefangenheit üben die größte Faszination beim Hören der Stücke aus. Mehr Timoka-Tage, bitte.

Nachtrag

Es gibt noch eine Studiobearbeitung von einer Konzertsession in Basel. Zum Herunterladen. Und zum Runterkommen.

Holger Records Website
Kilchhofer Website
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MermaidS „Welcome To Sunset“ (A Friend In Need)

A Friend In Need wechselt zur Artist-EP und gibt dem Glasgower Duo MermaidS mehr Raum.

Auf der ersten AFIN-Compilation waren Ryan und Adam bereits mit „Radiator Lady“ auf A Friend In Need zu hören. In den drei Jahren davor hatten sie schon eine kleine Diskografie aufgebaut, nun also vier neue Tracks, die in gemäßigtem Tempo jene Disco- und House-Leichtigkeit aufkeimen lassen, wie sie auch Rose Records zelebriert.

Nicht ganz so überzeichnet, eher gedimmt und teilweise gar mit experimenteller Note. Der Start etwa baut sich mit „Two Moons Rising“ herrlich langsam und analog schwingend auf. Klar, die Monde, sie gehen auf. Was für ein kitschiges Bild. Aber der Sound dazu ist mein bisheriger Höhepunkt im noch jungen A Friend In Need-Katalog.

Bei „SomeDaze“ scheint dann schon die Morgensonne, mit Soul-Pop-Appeal und einem schön reduzierten Slow-House-Fundament. Die beiden Tracks danach erhöhen das Glamour-Level zwar etwas, doch bleibt alles weiterhin mit einem sanftmütigem Schleier überlagert, der die Stücke nicht ins Exaltierte hochschiebt.

Auch hier wieder: MermaidS arbeiten mit wenigen Sounds und Breaks, so dass sie eine super angenehme Ruhe ausstrahlen. Ach ja, willkommen zum Sonnenuntergang.

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Various Artists „O*RS 2200“ (O*RS)

Der Newcomer-Push gehört bei O*RS fest zum Label-Konzept. Auf der neuen Compilation gibt es zwei neue zu hören.

Eine davon ist besonders erfreulich: Crooks + Lovers ist erstmals auf Vinyl und in einem Label-Kontext zu hören. Letztes Jahr war sie die große Entdeckung der frohfroh-Reihe „Neues aus der Wolke“.

Ihr minimalistisches, eingetrübt pulsierendes „Close“ schlummerte damals noch bei Soundcloud. Filburt war ebenfalls früh angetan und bekam das Stück nun für seine „O*RS 2200“-Compilation. Der Mittelpunkt für mich, weil es musikalisch aus den House-Linien des Labels herausfällt und hoffentlich den Anfang weiterer Veröffentlichungen markieren wird.

Auch Jan Ketel debütiert auf O*RS. Mit klassischem Deep House – Strings, ja, Piano klar, analoge Bassline, logisch. „Wrong Number“ schlendert unaufgeregt daher. Auch hier dürfte es nicht nur bei diesem Track bleiben in der Zukunft.

Thomas Scholz ist noch einmal im Mix von Rampue zu hören. Er gehörte neben Ranko zu den Entdeckungen von Filburts Label, die in den vergangenen Monaten eigene EPs bekamen.

Filburt selbst und Ron Deacon kommen auf „2200“ ebenfalls vor. Deacon wieder in seiner einerseits weit ausholenden, andererseits unberechenbar mäandernden House-Epik, ausgelebt über zehn Minuten.

Filburt schaut neben das Business: „Beside The Biz“ ist ein kleiner downbeat-geerdeter, poetisch verschleierter Analog-Synth-Track. Was für ein Glück, das Filburt O*RS gestartet hat.

O*RS Bandcamp
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Simon Sunset „The Other Places“ (Esoulate Music)

Nach Sené Ceanes folgt auf Esoulate Music nun eine neue Simon Sunset-EP. Ein sehr gute.

Der klassische Deep House scheint bei Esoulate Music gerade mehr im Fokus zu stehen. Sené Ceanes war neulich mit warmen Rhodes-Chords zu hören, Simon Sunset legt mit angenehm trockenen Bassdrums und schlanken Arrangements nach. Weniger geschliffen als Ceanes, was den vier Tracks eine gewisse Patina verleiht.

Die große Chordes-Schwelgerei ist bei Simon Sunset nicht neu, der etwas angeraute Schliff aber schon. Mein Hit ist „Crossing Toiga“ mit seinen verschlungenen Sounds und der gut antiquierten Rhythmik.

„From Distance“ hätte auch auf eine frühe Delsin-Platte gepasst. Nach all der Zeit bekommt dieser Sound auf dieser EP sein einstiges Funkeln wieder.

Eine Ode an die Anfänge von House. Irgendwie sehr unnostalgisch und stimmig. Jeder Track bekommt auch ein eigenes Video – in ähnlicher Ästhetik.

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Map.ache „Leave & Keep“ (Kann Records)

Fast zwei Jahre liegt das Debüt-Album von Map.ache zurück. Mit „Leave & Keep“ ist er erstmals wieder mit einer vollen EP zu hören.

Einige Remixe liegen dazwischen, ein Betrag zur Record Store-Platte von Kann Records. Insofern ist die Freude am Wiederhören gut gewachsen. Und sie wird nicht enttäuscht. Die drei Stücke von „Leave & Keep“ verströmen jene wehmütige Verspieltheit und House-Entspanntheit, mit der Map.ache den Kann-Sound entscheidend mitgeprägt hat.

„Dunno“ kommt aber doch in ungewohnt klarer Techno-Manier daher. Super reduziert und geschärft, mit drückender Bassline. Hinten löst sich die Strenge dann in hell gleitenden Streichern zwar auf. Dennoch: was für ein Strom, zehn Minuten dauernd. Aber eigentlich könnte er auch endlos weiter ziehen. Einer meiner neuen Map.ache-Favoriten.

Mit „Nihilistic Vacation“ gibt es auf der EP ein ähnlich entschlacktes Stück, hymnischer allerdings. “The Yonder“ setzt dagegen den sich nach und nach aufbäumenden „Ulfo“-Sound fort und holt diese Kick-Platte von Map.ache wieder etwas zurück auf den Boden.

Wobei die Ausflüge mit „Dunno“ und „Nihilistic Vacation“ mehr als erfreulich sind.

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Festivalplatte – Gratwanderung

Am kommenden Wochenende findet wieder das Gratwanderung Festival statt. Auch in diesem Jahr wieder mit einer Platte.

Im Hinterland zwischen Leipzig, Chemnitz und Dresden (liegt nicht alles sächsische Hinterland genau in diesem Dreieck?) gibt es einen Steinbruch. In Möseln bei Colditz. Den bespielen ein paar Leute im Spätsommer mit einem kleinen, fein abgestimmten House-Line-up – Phillip Lauer etwa.

Seit letztem Jahr nehmen die Betreiber das Festival zum Anlass für eine Platte. Letztes Jahr war Juno6 dabei. Dieses Mal Filburt mit seinem basswarmen, angesoulten und zurückgelehnten „V Got It“.

Auf der anderen Seite der auf 100 Exemplare limitierten 7″-Auflage wird mehr zu fanfarenhaften, leicht naiven Synthies geschunkelt zu Back For Goods „Hinkepiepe“. Auf dem Festival gibt es die Platte. Wenn noch welche übrig bleiben, dann auch in ausgewählten Plattenläden.

Das Beste: 2 x 2 Tickets für das Festival verlosen wir. Schnell sein aber. Bitte bis morgen (Do, 11.9.), 11 Uhr eine Mail an dance @ frohfroh.de schicken. Mit dem Betreff „Gratwanderung“.

Die Verlosung ist durch, die Gewinner haben eine E-Mail erhalten.

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„Dub-Techno ist mehr als Hall und Delay“ – Marko Fürstenberg

Marko Fürstenberg ist zurück mit einem neuen Album – seinem zweiten erst. Grund genug, ihn zu einem Interview zu bitten.

Seit 2006 lebt Fürstenberg in Leipzig. Eigentlich kommt er aus dem westlichen Teil von Thüringen. Vor zehn Jahren gehörte er zu den musikalischen und personellen Aushängeschildern der damals hoch spannenden Netlabel-Szene.

Doch er emanzipierte sich von den unkommerziellen Szene-Dogmen und veröffentlichte bald auch auf Vinyl-Labels wie Ornaments, Rotary Cocktail Recordings, A.r.t.l.e.s.s. und Echochord. Als Live-Act spielte er von Amsterdam bis Tokio, vom Westwerk bis Detroit.

Warum es elf Jahre dauerte bis sein neues Album „Ghosts From The Past“ erschien und wie er heute zur Netlabel-Szene steht, erklärt er im frohfroh-Interview.


Elf Jahre sind seit deinem Debüt-Album vergangen, dazwischen liegen über ein Dutzend EPs – gab es einen bestimmten Anlass, sich wieder auf ein größeres Werk zu konzentrieren?

Ich habe bereits seit Jahren mit dem Gedanken gespielt, ein neues Album zu produzieren. Es fehlte jedoch irgendwie der Anlass und der sogenannte rote Faden. Es gab immer wieder neue Anfragen, ob nun EPs oder Remixes, die mich neben meinem Job zeitlich doch recht stark in Anspruch nahmen.

Von daher war es nicht gerade einfach, am Album-Konzept festzuhalten. Ich veröffentlichte dann mal hier mal da eine EP und war zufrieden, aber letztendlich habe ich mich dann doch darauf festgelegt und es, wenn auch über lange Zeit, verwirklichen können.

Hattest du eine bestimmte Richtung, ein verbindendes Element für „Ghosts From The Past“ im Hinterkopf?

Ja, ich wollte die neue Lebenssituation als Vater verarbeiten. Das beinhaltete sowohl echte, greifbare Dinge wie Field-Recording als auch die emotionale Umsetzung.

Hat die neue Lebenssituation deine Art des Produzierens verändert? In einem Fever Ray-Interview mochte ich das Bild, wie die kurzen Nächte nach der Geburt ihres Kindes das Produzieren ihres ersten Album beeinflusste: durch die permanente Übermüdung gab es wohl halb schlaftrunkene Momente in denen Sachen entstanden, die sie später kaum nachvollziehen konnte. Gab es so etwas bei dir auch?

Schlafentzug kenne ich zur Genüge von meinen zahlreichen Touren durch die Clubs. Oft waren die Reisezeiten lang und früh und es gab kaum wirklich erholsamen Schlaf. Diese Situationen sind bezogen auf meine Produktionen nichts Neues.

Die Art und Weise des Produzierens hat sich auf jeden Fall stark verändert. Oft gibt es ein Zeitfenster von nur ein bis zwei Stunden. Da muss man sich wirklich voll konzentrieren, um produktiv zu arbeiten. Die Zeiten des stundenlangen Ausprobierens sind leider vorbei.

Was sind die Geister aus der Vergangenheit? Etwas Nostalgisches oder Aufzuarbeitendes?

Mit dem Album wollte ich ein „altes Leben“ hinter mir lassen und den Wandel in ein neues Laben beschreiben. Deshalb die Geister der Vergangenheit, weil man die Vergangenheit nicht einfach hinter sich lassen kann.

Vieles hat sich über die Jahre eingeschliffen und muss durch den Lebenswandel als Familienvater komplett neu entdeckt bzw. wiedererlernt werden.„Ghosts From The Past“ klingt geschliffener, ausgewogener – wie lange hast du daran gearbeitet?

Begonnen habe ich 2010 mit einigen Aufnahmen, die ich mit dem Field-Recorder gemacht habe. Ich sammelte Eindrücke und setzte mich dann einfach hin und verarbeitete diese. Einige Tracks sind das Ergebnis aus zahlreichen Edits, was dann vom Start bis zum fertigen Track auch mal einige Monate dauerte.

Andere Tracks waren wirklich in einem Take fertig, was dann von der Idee bis zum fertigen Track nur wenige Stunden dauerte. Es kam oft auf das Zeitfenster an, das mir zur Verfügung stand, aber es gab auch Tracks, die aus kurzen Skizzen entstanden, die ich irgendwo unterwegs aufgenommen habe und die sich über die Jahre ansammelten.

Zu Ornaments / Rotary Cocktail Recordings bestehen scheinbar die direktesten Verbindungen. „Gesamtlaufzeit“ wurde dort wiederveröffentlicht, nun das neue Album – ihr kennt euch noch aus Thüringen, oder?

Ja, wir kennen uns seit circa 2003, wo wir uns im thüringischen Eichsfeld kennenlernten. Damals war an noch kein Label zu denken. Uns verband einfach die Liebe zur Musik. Jahre später kam dann die Idee: „Wir wollen einne Platte machen, haste Bock?“ So ging das mit Rotary Cocktail los – das war glaube ich 2005.

Dub-Techno an sich trägt ja etwas enorm Zeitloses und eine große Deepness in sich – irgendwann war mir das immerzu Mäandernde aber zu einlullend. Hattest du in den ganzen Jahren einen Punkt des Überdrusses, was den Dub-Techno-Sound angeht?

Diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt – und ich habe keine Antwort darauf. Es ist doch nicht nur beim Dub-Techno so, dass es immer wieder Ähnlichkeiten und gleiche Muster gibt. Das selbe kann man doch in jedem anderen Genre beobachten.

Für mich ist Dub-Techno mehr als Hall und Delay in klassischer Basic Channel-Manier, aber das sollte jedem Hörer meiner Musik bereits klar sein. Es gab und gibt immer neue und sehr interessante Spielarten der deepen und dubbigen Seite des Techno.

Wen sollte man aus dem Genre derzeit unbedingt noch im Ohr behalten?

Da gibt es einige, ich mag zur Zeit besonders Leonel Castillo, Yagya und Havantepe.

Vor zehn Jahren warst du fest in der Netlabel-Szene verankert – verfolgst du die heutigen Net-Label-Entwicklungen?

Nach den „großen“ Jahren der Netlabels hat sich um 2005 herum ein gewisser Overkill eingestellt. Tausende neue Netlabels überfluteten die Hörerschaft.
Es kam dadurch meiner Meinung nach zu einer Selbstzerstörung der Szene, aus der viel hätte werden können.

Einige Netlabels versuchten alternative Finanzierungsformen durch kostenpflichtige Releases anzubieten, was dann letztendlich den Untergang der Szene und des Modells Netlabel einleitete. Möglicherweise waren die Netlabels ein Vorreiter der jetzigen Release-Kultur, welche ja zum Großteil auch nur noch digital ist.

Seitdem ich auf Vinyl release, habe ich keine direkte Verbindung mehr zu Netlabels. Vor allem, weil diese Szene immer in sich geschlossen schien und kaum in die „kommerzielle“ Welt vordrang, was auch die Karrierechancen als Künstler beschränkte.

Deine Live-Sets haben immer eine große Energie vermittelt – wird man dich demnächst wieder öfter live erleben?

Da wir kürzlich zum zweiten mal Zuwachs bekommen haben, werde ich aus Zeitgründen nur noch ausgewählte Gigs annehmen. Aber es wird definitiv weiter gehen, nur nicht in so großer Regelmäßigkeit wie noch vor einiger Zeit.

Marko Fürstenberg Website
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Marko Fürstenberg „Ghosts From The Past“ (Ornaments)

Elf Jahre sind seit „Gesamtlaufzeit“, dem ersten Album von Marko Fürstenberg vergangen. Die Erwartungen sind nicht gerade klein gewesen.

Dub-Techno hat seit seiner letzten Renaissance vor etwa fünf Jahren etwas an seinem Reiz verloren. Wobei: nicht unbedingt musikalisch, eher weil sich ein gewisser Konservatismus bei vielen Veröffentlichungen breit machte. Dabei hat das Genre vieles, was zu einem im besten Sinne zeitlosen Sound nötig ist. Eine gewisse schwermütige Ausgeglichenheit, amorphe und deepe Sounds sowie ein breites Impulslevel zwischen rough und super elegisch.

Marko Fürstenberg hat natürlich nicht elf Jahre gebraucht, um „Ghosts From The Past“ zu produzieren. Eine Menge EPs und unzählige Live-Gigs in der ganzen Welt liegen dazwischen. Manchmal war mir gar nicht so bewusst, welch einen Stellenwert der gebürtige Eichsfelder in der Dub-Techno-Szene über all die Jahre stabil halten konnte. Obwohl er in den vergangenen Jahren seltener live zu erleben war – sein erstes Kind hat viele Veränderungen mit sich gebracht, wie er im frohfroh-Interview erklärt.

Mit „Ghosts From The Past“ wird sein Status aber mehr als deutlich. Die Erstauflage auf dem Berliner Label Ornaments ist bereits ausverkauft. Musikalisch offenbart das zweite Album den über viele Jahre gereiften Feinsinn für dubbige Sounds und unterschiedlich temperierte Beats. Die Stücke klingen ausgewogener, geschliffener. Sie drücken weniger, ohne die klangliche Fülle aufzugeben.

Da ist sie wieder: die faszinierende Zeitlosigkeit von dubbigem Techno. Dunkel eingefärbt, mäandernd und dicht arrangiert. „Ghosts From The Past“ macht nicht unbedingt wieder Lust auf mehr Dub-Techno. Es zeigt aber, was für ein Potential nach wie vor in diesem Sound steckt. „AMB I“ ist mein Hit – wegen der reduzierten und ausgeglichenen Deepness. Dezent schiebendes Understatement.

Auch die Interludes „Piano“ und „Heartbeat“ bleiben übrigens im Hinterkopf. „Woahhh“ macht am deutlichsten die Einflüsse seiner Vaterschaft hörbar. Klötzchensounds und Field Recordings aus dem Kinderzimmer – alles ganz beiläufig, nicht platt. Trotz des konzeptionellen Überbaus, nach dem das Album genau diese neue Lebensphase aufgreifen möchte. Das familiäre Gesamtwerk rundet seine Frau ab, die beim Artwork mit beteiligt war.

Vorhören geht aktuell bei der Groove oder hier bei Soundcloud.

Marko Fürstenberg Website
Ornaments Website
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A Forest „The Shepherd“ / „Remixes“

Gut einen Monat dauert es noch, bis mit „Grace“ das neue Album von A Forest erscheint. Zur ersten Single ist ein Video entstanden, zu „Surfaces“ Remixe.

„The Shepherd“ war Anfang des Jahres bereits als Skizze zu hören. Jetzt ist der Song die erste Single zum neuen Album – der reduzierte HipHop-Appeal ist dabei leider abhanden gekommen. Dafür aber vieles gutes hinzugekommen. Im Analogsoul-Business bringt eine Single natürlich ein Video mit sich. Hier ist es.

Ebenfalls ein Resultat einer im Frühjahr gestarteten Aktion sind die fünf Remixe zu „Surfaces“. Ein spannungsgeladenes Cover von Earnest And Without You ist dabei. Bei Analogsoul haben die Berliner gerade ihr Debüt-Album veröffentlicht. Ansonsten wieder eine herrlich entrückte und stolpernde House-Bearbeitung von Tilmann Jarmer. Sehr rough und schwelgerisch zugleich.

Compost-Act Philipp Stoya pumpt warme Deepness zwischen die Vocals, steigert sich nach hinten raus aber fast einen Tick zu ravig. Mit mehr Understatement und Spielerei geht Matthias Fiedler heran. Und schließlich noch eine leichte und doch schwer schleppende und elegische Version von Shishigami.

A Forest Website
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Falke in der Kretscham Hall

Eigentlich steht die neue Map.ache-EP auf Kann Records an. Doch Falke hat am Wochenende spontan ein 30-minütiges Video mit neuen Tracks rumgeschickt.

Vertont wird der Einstieg in ein altes leerstehendes DDR-Hotel namens „Kretscham“. Zwischen lauter Scherbenhaufen entdecken die Kameraleute altes Inventar, einen runtergekommenen Ballsaal, testen die Tragfähigkeit bevor sie weitergehen.

Falke geht durchaus dramaturgisch auf die Bewegungen und Bilder ein. In seinem mit Patina versehenen Detroit-Sound. DDR-House hatte Sevensol ja mal gesagt. Mit diesem Film auf ein weiteres Mal passend. Und nebenbei eine weitere Soundtrack-Facette.

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