Two Play To Play – Auftakt – Interview mit Martin Kohlstedt

Klassik und freie Szene, U und E – die neue Reihe „Two Play To Play“ möchte Brücken schlagen und bringt Musiker aus verschiedenen Sphären zusammen. Wir begleiten das Projekt und haben einführend mit Martin Kohlstedt gesprochen.

Bisher brachte die Audio Invasion neue Perspektiven aus Pop und Elektronik ins Gewandhaus. Doch das Kuratorenteam dahinter wollte einen neuen Raum für den gegenseitigen Austausch schaffen, der länger als eine Nacht anhält. So etwas lässt sich jedoch nicht von Heute auf Morgen planen, vor vier Jahren keimte die Idee auf, dann wurde sie in den auf Jahre hinaus geplanten Gewandhaus-Kalender eingetaktet.

In dieser Spielzeit ist es nun soweit: „Two Play To Play“ geht in die erste Runde. Die Reihe bringt Musikerinnen und Musiker des Gewandhauses und der freien Szene zusammen und lässt sie gemeinsam ein Stück entwickeln, das am Ende uraufgeführt wird. Das erste Experiment wagen der GewandhausChor mit seinem künstlerischer Leiter Gregor Meyer sowie der in Weimar lebende Pianist Martin Kohlstedt.

Das Clash-Setting ist durchaus spannend: Hier ein semiprofessioneller Chor mit langer Tradition und einem experimentierfreudigen Leiter, dort ein emotional improvisierender Solitär, der vor wenigen Tagen erst sein drittes Album „Strom“ veröffentlicht hat. Was für Reibungen und Überschneidungen solch eine Zusammenarbeit erzeugen kann, lässt sich jederzeit mitverfolgen. Die Reihe ist keine Blackbox – mit einem Blog, öffentlichen Proben und einem Künstlergespräch auf der Bühne ist das Publikum nahe an der Entwicklung dran.

Und auch wir sind dabei: frohfroh ist Medienpartner von „Two Play To Play“ und begleitet die Reihe über die gesamte erste Spielzeit. Wir sind bei den öffentlichen Proben dabei und berichten natürlich auch von der Uraufführung am 8. Juni 2018. Zum Auftakt haben wir mit Martin Kohlstedt gesprochen.Kam die Anfrage aus dem Gewandhaus für dich überraschend – oder gab es schon einmal Berührungspunkte mit einer Institution der klassischen Musik?

Überraschend ist das richtige Wort. Ich fühlte mich erstmal wie vor einem weißen Blatt Papier, als die Anfrage kam. Ich konnte mir auf Anhieb viel vorstellen und auch ganz viel nicht. Ich war erstmal hin und her geworfen und wusste gleichzeitig, was es wohl für eine Arbeit wird, wenn ein intuitiver Kopf auf die hoch perfektionierte Klassik trifft. Wie das miteinander reagieren kann – ob es das will. Es ist ein sehr schöner Moment gewesen, als ich Gregor kennenlernen durfte. Er hat mich in Weimar besucht und da war alles ziemlich schnell auf einem guten Kurs, weil ich gemerkt habe, dass der Gewandhauschorleiter ein eigenes Vokabular hat, bei dem auch ich mit meiner intuitiven Art anknüpfen kann. Da wurde die perfekte Brücke zwischen mir und dem gesamten Chor geschlagen.

Es gab also noch keine Zusammenarbeit mit anderen Häusern oder Ensembles?

Ich habe natürlich schon in vielen klassischen Häusern gespielt, wahrscheinlich einfach aus dem Grund, weil ich am Piano sitze. Und da haben sich schon viele solche Cross-over-Geschichten – wenn man das mal so hässlich ausdrücken darf – ergeben. Aber es gab tatsächlich noch nicht den richtigen Ansatz. Im Iran habe ich schon einmal gemeinsam mit klassischen Komponisten gespielt, aber die Arbeit mit einem Chor war bisher nur ein filmmusikalischer Traum.

Wie war das Gefühl, als das Gewandhaus anfragte – war da auch eine erdrückende Ehrfurcht dabei?

Ich habe es eigentlich als Ehre empfunden. Ich war sehr glücklich, dass ich dafür ausgewählt wurde. Vor zwei Jahren hatte ich zur Audio Invasion im Hauptsaal gespielt – scheinbar hat das etwas hinterlassen, so dass dieser Gedanke zustande kam, gemeinsam das Publikum vom Gewandhaus ein Stückweit zu verjüngen. Man liefert quasi das Symbol zwischen den Welten und das fand ich ganz schön.Es gibt zur „Two Play To Play“-Reihe einen Blog, der eure Stationen dokumentiert. Im Interview nach dem ersten Treffen mit Gregor meintest du, dass du froh warst, dass du bei ihm nicht erst „klassische Betonwände“ einreißen musstest. Was sind für dich „klassische Betonwände“?

Man muss schon sagen, dass der allgemeine Klassiker ein wahnsinnig perfektionierter Handwerker ist, der in einem hierarchischen, oft auch unfreien System abliefern muss. Das ist keine Haltung von mir, das ist die harte Linie des Klassikers, um in täglicher Übung auf den perfekten Punkt hinzuarbeiten. Ich kultiviere genau das Gegenteil und das kann natürlich nur Reibung erzeugen. Ich versuche absichtlich zu vergessen, worum es beim Musikmachen geht und lasse es live völlig improvisiert aufeinander klatschen, spiele teilweise bis hin zum Unsauberen und versuche das Scheitern zu provozieren.

„Klar, da gab es Bedenken – und die gibt es immer noch.“

Mal sehen wie es ist, das erste Mal gemeinsam in der Chorprobe zu stehen. Mit Gregor selbst war es bisher eine total schöne Sache. Wir haben uns von Anfang an auf Augenhöhe erwischt und geben Fifty-Fifty in das Projekt hinein. Fifty-Fifty Partituren und Freiheit klatschen aufeinander. Wir sind guter Dinge, aber es sind trotzdem noch 70 Menschen daran beteiligt, die ausführen – und da bin echt gespannt, wie das funktioniert.

Bisher gab es nur die Konzeptionstreffen mit Gregor oder hast du auch schon mit dem Chor sprechen können?

Es gab noch kein privates Sprechen mit dem Chor, ich habe ihn live im Gewandhaus gesehen und mich von diesem Bild erdrücken lassen und die Ehrfurcht in mich hineinfließen lassen. Im Dezember werden wir sicherlich das erste Mal aufeinandertreffen. Gregor und ich wollten vorher aber erstmal eine gemeinsame Richtung entwerfen und mit einer Attitüde auftreten, damit das nicht im Sande verläuft. So schnell kommen 70 Leute ja nicht auf einen Punkt.Du arbeitest eher intuitiv und aus Emotionen heraus, der Gewandhauschor braucht dagegen viel Struktur – wie gehst du aktuell in der Konzeption damit um? Wie lässt sich das vereinbaren?

Die Arbeit besteht genau darin, wie man die Partituren so schreiben kann, dass es Formeln mit offenen Variablen sind. Ich hatte den Wunsch, dass man live fühlt, wie lange sich etwas gut anfühlt und wann man in den nächsten Part übergeht. Gregor und ich werden auf der Bühne viel kommunizieren müssen, damit das gut geht.

Wir haben schon viele Stücke von mir mit seinen Ideen verwoben und auch andersherum. Wir lassen teilweise auch ganz intuitive Flächen entstehen. Zum Beispiel Sprachexperimente, wir haben vor, dass es für den Chor freie Aufgaben geben soll. Jeder flüstert dann etwas, was er für richtig hält und dann klingt das wie ein Wind oder ein Meer. Wir versuchen, ein paar Grenzen auszuloten und schauen, was passiert.

Experiment wäre das falsche Wort, weil wir es schon zu einer durchdachten Sache bauen, aber momentan wird noch viel experimentiert. Das ist schön zu sehen, was da gelingen kann und gleichzeitig sagt Gregor: Spiel das doch mal fünfmal hintereinander und dann merke ich, wie sich mein Gehirn dagegen wehrt, weil es die ganze Zeit nach Freiheit strebt. Aber auch andersherum, wenn ich dann meine: Gregor, mach dich doch mal locker, lass das mal laufen. Mit 70 Personen wird das natürlich noch eine ganz andere Aufgabe sein. Aber wir versuchen zu schauen, was in der verfügbaren Zeit an Kompromiss und Improvisation möglich ist.

Es ist auch ein Musterprojekt für die Kompromissbereitschaft. Wie kann man die Balance zwischen Kompromiss und künstlerischen Reibungen halten, ohne dass es auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinausläuft, der dann vielleicht gar nicht so spannend ist?

Bei 90 Prozent aller mathematisch konzipierten, rational perfekten klassischen Chöre ist es wahrscheinlich so, dass es nicht viel zu ruckeln gibt. Jetzt habe ich glücklicherweise Gregor Meyer gefunden, ein Mensch, der es irgendwie geschafft hat, auf der einen Seite, genau das wie der Hirte anzuleiten und zugleich ein normales zeitgeistiges Vokabular zu pflegen mit der man auch diese Offenheit nutzen kann. Und mit dem man bestimmte Dinge ausprobieren und der auch ein bisschen mitscheitern kann. Das ist personenbedingt, der Chorleiter ist dabei einfach eine wichtige Position zwischen mir und dem Chor.Kannst du aus dem bisherigen Verlauf abschätzen, was dich aus der Klassik so inspiriert, dass du es für deine künftige Arbeit vielleicht selbst aufgreifst?

Was ich an der festen Notenform schon immer faszinierend fand, ist die extreme Verlässlichkeit, die damit einhergeht. Ich fahre eigentlich immer wie ein Irrer mit einem Bus und lenke das Ding von links nach rechts und das kann auch mal in den Graben fahren. Aber wenn feststeht, in welcher Form ich zu spielen habe und ich das auswendig wiedergeben kann, dann ist da viel Unterbewusstsein aktiv. Die Hände wissen in dem Moment sowieso was sie tun sollen. Und dieser automatische Ansatz es wiederzugeben, ist eine ganz andere Perspektive auf die Musik. Da hat sich vorher schon jemand Gedanken darüber gemacht. Ich muss nicht mehr ins kalte Wasser und kann ganz penibel auf gewisse Dinge in der Wiederholung achten.

Manchmal bin ich dadurch etwas rausgezoomter. Ich finde, gerade dieser Wechsel zwischen dem tief eintauchen und rauszoomen hat eine richtige Sucht hervorgerufen. Es macht völlig Sinn, teilweise die Dinge festzuhalten, sie als Floskel wiederzugeben, sie dann aber auch von außen zu betrachten. Wenn man einfach das spielt, was da steht, wird man kurz vom kreativen Irren zum Handwerker und Programmierer. Das ist ein spannender Ansatz gerade für mich, der mich auch fördert.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit bisher vorstellen?

Wir haben die Guides von meiner Seite, das sind vorgebaute Instrumenals, die wir mit in die Proben nehmen werden. Gleichzeitig haben wir auch schon Partiturfetzen, die momentan noch als Patterns oder Legosteine herumliegen, weil die Länge noch nicht feststeht. Dann schauen wir mit der ersten Probe gemeinsam, was für Längen das annehmen kann und ob wir noch unfreier werden müssen, damit das alles aufführbar ist.

„Momentan sind wir guter Dinge, dass wir ein Fifty-Fifty-Verhältnis hinbekommen, aber wir werden sehen. Ich bin schon sehr aufgeregt.“

Du hast vorher mit Marbert Rocel und Karocel in einem Bandkontext gespielt, lässt sich diese Bandzusammenarbeit mit der Arbeit an so einem Projekt vergleichen?

Bei Karocel war sehr viel improvisiert, bei Marbert Rocel sehr viel konzipiert. Das ist vielleicht ein guter Vergleich. Während wir bei Karocel das Laufenlassen gepflegt haben, haben wir bei Marbert Rocel an eine Songstruktur gedacht. Das kann man vielleicht in einer kleineren Dimension auf dieses Projekt übertragen, nur dass es eben noch einmal 600 Kilometer weiter entfernt ist. Die eine Seite bekommt Angst, wenn Freiheit im Spiel ist, die andere Seite bekommt Angst, wenn ein Konstrukt im Spiel ist.

Jetzt nähert man sich und kommuniziert darüber. Es ist nicht so, dass man da blind in dem Feld des anderen ist. Aber allein die Zählweisen: Aus der elektronischen Musik kommen wir mit sehr geraden Zählzeiten, die Klassik kommt dagegen mit runden Zählzeiten. Allein das ist schon sehr anders. Aber es ist richtig: In einer Band ist dieses aufeinander Achten und Kommunizieren auch vorhanden.

Du spielst dieses Jahr wieder auf der Audio Invasion, der Auftritt markiert als Porträtkonzert den öffentlichen Beginn des Projektes. Bereitest du dich auf das Konzert noch einmal anders vor, als bei den sonstigen Auftritten?

Das neue Album „Strom“ spielt natürlich eine große Rolle. Seitdem ich nun auch die elektronischen Instrumente auf meinen Aufnahmen pflege, hat es auf jeden Fall noch einen neuen Ansatz bekommen. Es gibt nicht mehr nur dieses eine Universum Klavier für mich, sondern ich habe es ausgeweitet. Bei der Audio Invasion werde ich mich noch einmal im kompletten Alleingang vorstellen. Ich bin morgens 1 Uhr im Hauptsaal und kann den dann langsam auffüllen. Und vielleicht sitzen mir auch schon ein paar der Chorleute vor mir und ich kann mich ihnen damit vorstellen.


„Two Play To Play“ – Termine 2017/2018:

25. November 2017 – Porträtkonzert Martin Kohlstedt im Rahmen der Audio Invasion
12. Dezember 2017 – Gespräch Gregor Meyer & Martin Kohlstedt
24. Januar 2018 – Öffentliche Probe, Gewandhaus Chorprobensaal
14. März 2018 – Öffentliche Probe, Gewandhaus Chorprobensaal
11. April 2018 –Öffentliche Probe, Gewandhaus Chorprobensaal
6. Mai 2018 – Konzert im öffentlichen Raum
8. Juni 2018 – Uraufführung, Gewandhaus Mendelssohn-Saal


Foto-Credits: Patrick Richter (Bild Martin Kohlstedt), Christian Rothe (Bilder Gregor Meyer und Martin Kohlstedt), Karen Laube (Gewandhaus, Großer Saal)

Behind the nights – Patchworx

Eigentlich wollte Rebecca schon vor einem halben Jahr die Patchworx-Reihe vorstellen. Doch zu diesem Zeitpunkt war nicht klar, wann es weitergeht. Nun geht es endlich weiter – in Form der sechsten großen Party unter dem Credo „All in together now“. Für uns Anlass, die beiden Macher vorzustellen.

Tobi und Fabian haben sich durchs Auflegen kennengelernt. Dubstep stand damals im Mittelpunkt und die lokale Szene war – ähnlich wie heute – so überschaubar, dass man sich zwangsläufig über den Weg laufen musste. Da gab es eben diesen einen Plattenladen auf der Feinkost, in dem sich alle tummelten.

So kam es, dass der eine mal beim anderen auf der Party gespielt hat. Der Kontakt hat sich gehalten. Beide haben über die Jahre viele Kontakte gepflegt oder neu geknüpft. Das spiegelt sich seit zwei Jahren auch in dem Line-up ihrer Partys wider. Ich meine, wer sonst kann von sich behaupten, dass bei seiner ersten Party Onetake, fr. Jpla, Rekorder, Pork Four und Robyrt Hecht zusammen gespielt haben?

Das ist ein Potpourri aus Labels, Clubs und Crews, das man so in Leipzig nicht alle Tage zu sehen bekommt. Moment mal, habe ich Potpourri gesagt? Ich meinte natürlich ein Patchwork. Genau das ist nämlich ihr Konzept. Gute, nette DJs einzuladen, die auf den ersten Blick, also crew-mäßig nichts gemein haben.

Doch ein gemeinsamer Background ist sicher: und zwar der persönliche Kontakt zu Tobi und Fabian. Wenn man sich, wie die beiden, über Jahre in der Clubkultur einer Stadt wie Leipzig bewegt, dabei noch offen und freundlich ist, dann lernt man offensichtlich verdammt viele Leute kennen. Da wundert es mich auch nicht mehr, dass das vermeintlich junge Veranstalterduo – die erste Patchworx-Party war 2015 – eigentlich schon jetzt die Crème de la crème der Leipziger Techno-Schule durchgebucht hat.Damit heben sie sich auch von anderen Partycrews ab, die in der Regel ihren eigenen DJ-Stock haben und möglicherweise auch aus dem Grund Partys veranstalten, um selbst auflegen zu können. Das ist den beiden gar zuwider und sie betonen, dass „wir nur auf unseren eigenen Parties spielen, um die ersten paar Stunden zu überbrücken. Damit wir nicht extra noch jemanden einladen müssen, obwohl klar ist, dass der dann vor einem leeren Laden spielen wird.“

Das bis auf wenige Ausnahmen lokale Booking ist darauf zurückzuführen, dass sie gerne Menschen aus ihrem Bekanntenkreis buchen möchten, die auf dem direkten Wege ansprechbar sind, ohne den unpersönlichen Umweg des Bookers gehen zu müssen.
Das macht Tobi mit ernster Mine klar:

„Wir wollen nur Leute einladen, die wir auch persönlich erreichen können. Wenn das nicht möglich ist, … Pech gehabt.“

Auf wessen Seite das Pech dabei liegt, darf jetzt jeder für sich selbst entscheiden. Abgesehen davon gibt es ja auch eine Menge exzellenter DJs hier, die Fabian und Tobi gern unterstützen und hören möchten.

Ein weiterer Pfeiler des Konzepts sind die wechselnden Locations. Bis auf das Westwerk wurde bisher kein Ort doppelt bespielt. Das ist eine große Herausforderung dieser Tage in Leipzig, wo leider viele Clubs schließen mussten – ihr kennt die Storys. Durch den Mangel an Spielplätzen entstand diesen Sommer eine längere Partypause, die aber bald ein Ende hat.

Soundtechnisch wurden bis jetzt ausschließlich Techno-, Electro- und House-DJs gebucht, wobei Tobi und Fabian betonen, dass sie sich dabei keine bewussten Grenzen gesetzt haben, sondern dass sich das bisher einfach so ergeben habe. Ebenso wie der Fun-Fact, dass bisher alle eingeladenen DJs mit Vinyl gespielt haben, ohne das als Kriterium gesetzt zu haben und ohne die anderen Medien abtun zu wollen. Ob das Zufall ist, sei dahingestellt, so Tobi. Es liege eine besondere Herangehensweise und Qualität in Vinylsets, die man scheinbar raushören könne und die man zu schätzen wisse.

 

Ein fester Bestandteil ihrer Partys sind die Visuals von Doele. Der Videokünstler sorgt für die optische Gestaltung; seine Videozusammenschnitte sind auch gleichzeitig die einzige Lichtquelle für den Dancefloor, was für einen Oldschool-Touch sorgt. Ebenso wie die Rap-Zitate, mit denen teilweise die Veranstaltungen bei Facebook beworben wurden: „Friday night you are about to witness the strength of street knowledge!“, „… at the 36 Chambers of Angerstraße“ oder auch „Tough and punchy – this is how we do it!“

Wer über HipHop, Dubstep und Bassmusik im Allgemeinen, House und Techno zu seinem Status Quo gelangt, der hat viel gesehen und viel aufgesaugt. Tobi und Fabian waren vor Patchworx freilich keine unbeschriebenen Blätter. Anders wäre die hohe Qualität, die sie bieten, auch nicht möglich. Ihre Kontakte zu allen möglichen Menschen und Crews machen sie sich zu Nutze und schaffen es so, bei ihren Partys ein bisschen von allem zu zeigen. Getreu ihrem Motto: „All in together now“.

Die nächste Patchworx könnt ihr am 25.11.17 in der Gießerstraße 16 besuchen. Neben Leia Drex aus Bratislava spielen die Leipziger Perm und Klima sowie Fabian und Tobi selbst. Achja, Tico und Tin sind ihre DJ-Namen.

Yamaoka „Knuckle Ball“ / „December Sky“ (Minor)

Ein Künstler, zwei 7″-Platten, vier Tracks: Ein neues Release des Minor Label ist da. Oder sind es zwei?

Minor steht ja wie kein zweites Label in Leipzig für sehr unkonventionelle elektronische Musik, die auch für Freunde klanglicher Experimente manchmal sehr obskur erscheinen kann. Mit zwei neuen 7″-Singles zeigt Minor diesmal aber seine tanzflächenfreundliche Seite. Verantwortlich ist dafür das Projekt Yamaoka, hinter dem sich Kenichi Oka aus Japan verbirgt. Ein Blick auf die zahlreichen Veröffentlichungen zeigt, dass dieser im DIY-Elektronik-Bereich sehr umtriebig ist.

Die vier Tracks von Yamaoka sind auf die weiße Single „December Sky“ und die blaue Single „Knuckle Ball“ verteilt. Das macht Sinn: Während die beiden Stücke „The Monuments Men“ und „Light Room (Final)“ auf der „December Sky“-Single eine atmosphärische IDM-Leichtigkeit in sich tragen, sind „Sion“ und „Low“ auf „Knuckle Ball“ deutlich technoider und acid-lastiger. Alle vier Stücke wirken wie Fragmente, die sich aus Loops heraus entwickeln, und besitzen ein gewisses Live-Feeling, wobei vor allem „Sion“ und „Low“ ordentlich an Fahrt aufnehmen. Das lädt dann auch sehr dazu ein, mit der Geschwindigkeit der auf 45 RPM geschnittenen Tracks zu spielen.

Ach ja, die Eingangsfrage: Sinnvollerweise sind beide Singles seperat wie auch als Box erhältlich. Clever, denn damit können sich die Freunde des verträumteren Sounds wie auch die Techno-Keller-Kinder an der Musik von Yamaoka erfreuen.

Wer mehr zum Minor Label erfahren mag, dem empfehlen wir unser langes Interview.

Drum and Bass Reloaded

Aua Aua Ü30-Partys. Normalerweise gibt es keinen Grund, darüber zu berichten, außer sie entstehen so authentisch aus einer Underground-Szene heraus, wie bei der Drum and Bass Reloaded-Reihe.

Irgendwie wirkte es wie ein neckischer Spaß als 2013 zum ersten Mal zur Drum and Bass Reloaded-Nacht eingeladen wurde. Da durften von den lokalen DJs nur Tracks aus den Neunzigern und frühen 2000ern gespielt werden. Der Spaß und Zulauf war so enorm, dass sich daraus ein wichtiges jährliches Treffen der Leipziger Breaks-Szene entwickelt hat – auch für die U30-Raver. Doch die Reihe möchte sich nicht mehr nur in der Nostalgie suhlen und vergrößert sich erstmals in Institut fuer Zukunft. Was es damit auf sich hat, erzählen zwei der Veranstalter, Booga und Derrick, im Interview.

Im Techno gibt es übrigens auch Ü30-Partys: so treffen sich die Altraver zum Betreuten Raven oder den Basis-Erinnerungspartys ein bis zweimal im Jahr.

Ihr beide habt mit euren Aktivitäten die Leipziger Drum & Bass- und Jungle-Szene stark mitgeprägt. Wenn ihr auf die letzten Jahrzehnte zurückblickt: Was waren die Höhen und Tiefen in Leipzig? Und wie seht ihr die gegenwärtige Lage in Leipzig?

Booga: Meine Highlights waren ’97 und ’99 Kemistry (r.i.p.) & Storm als Team im Conne Island erleben zu können, 2001 DJ Marky und Stamina MC in der Tangofabrik zu veranstalten, jede Nacht mit Marcus Intalex (r.i.p.) und die Local Crew-Sausen der breaks.org Zeit von 2001-2003. Die Drum and Bass Reloaded Veranstaltung war gewissermaßen auch eine Reaktion auf die seit zehn Jahren merklich abkühlende Landschaft für das Genre. Außerdem sind Ü30-Veranstaltungen bekanntermaßen der Hit, da war eine Oldschool-Drum & Bass-Party überfällig.

Derrick: Da stimme ich Booga zu, auch wenn die vielbeworbenen Ü-30-Veranstaltungen alles andere als der Hit sind. Meine Drum & Bass-Highlights der letzten Jahrzehnte in Leipzig waren die Jungleistic-Rave-Serie im Conne Island Ende der 90er Jahre gefolgt von der Fridaylub-Serie in der Distillery – u.a. mit Dissident Sound aus Marseille.

Dazu auch der DnB Soudclash 2007 im Conne Island, Live-Drum & Bass Events wie Jojo Mayers Nerve 2004, Ulan-Bator-Geburtstage, wie der mit MC TC Izlam, Demolition Man und Dyer, breaks org im Island – die Liste ist lang.

Tiefen für die Leipziger Drum & Bass Szene sah ich in der Vergangenheit vor allem im Location-Mangel. Über einige Jahre hinweg gab es weniger als drei Locations, die sich für diesen Sound eigneten. Auch die Qualität der Anlagen fand ich lange Zeit ungenügend. Eine PA, die für House, Techno oder Bandmusik funktioniert, ist selten für Subbässe, wie sie Drum & Bass oder Dubstep strapazieren, geeignet.

Glücklicherweise hat sich beides in den letzten fünf Jahren verbessert. Es gibt spannende neue und reaktivierte alte Locations.

Und dass Bass-Musik vom Abbilden tiefer Bässe lebt, ist bei den meisten Soundtechnikern der Stadt auch angekommen.

Mehr noch: Eigenständige Soundsystem-Crews wie Plug Dub, Bssmssg, 2 Guys 1 Dub oder Bass Culture Audio gestalten Leipzigs Bass-Musik-Szene aktiv mit. Da wird viel Zeit, Geld aber vor allem Liebe zum Sound investiert.

Der Hype um Drum & Bass, wie wir es Ende der 90er bis Anfang 2000 erlebt haben, ist vorbei. Doch die Leipziger Bassmusik-Szene ist mit vielen neuen und einigen alten Bassheadz nach wie vor sehr aktiv und engagiert.Mit Juke, Footwork und Halfstep liegen die wesentlichen neuen Einflüsse im Uptempo-Bereich ja auch schon wieder ein paar Jahre zurück. Wo finden aus eurer Sicht derzeit die spannendsten Entwicklungen statt?

Booga: Vor der Haustür geht es los: Alphacut, Break The Surface, Boundless Beatz, Junglelivity, Defrostatica – das sind Labels, die sich kümmern und für Talente sehr offen sind und auch inhaltlich die Bandbreite von Drum& Bass aufzeigen. Auf Crew-Seite gibt es mit 2 Guys 1 Dub, Dub Logic, EaseUp und BreakOut gewissermaßen die zweite Generation.

Das gilt auch für die Veranstalterseite: Dark Drum & Bass Convention, die legendäre Bassmæssage, die 3Takter-Partys, die Impact-Reihe, die Defrostatica-Nächte, die Global Space Odyssey – nur um einige zu nennen. Wenn man da hingeht, bekommt man sehr viele spannende Entwicklungen mit.

Derrick: Für Leipzig stimme ich dem zu was Booga sagt. Was die spannendsten Style-Entwicklung angeht finde ich aktuell Releases von Labels wie Cosmic Bridge, Metalheadz, Amar und von Künstlern wie Amit, Dub Phizix, Kabuki, DJ Madd, Om Unit oder J:Kenzo spannend. Zwischen 160 und 170 BPM passiert produktionstechnisch in Sachen Bassmusik im Moment einiges.

Drum & Bass Reloaded wird diesmal im IfZ statt im Conne Island zu Gast sein. Wie kam es dazu und was wird den Besucher erwarten?

Booga: Im Kern ist Drum and Bass Reloaded ein erfahrener und liebevoller Blick zurück auf fantastische Hymnen und unterschätzt-rotzige Banger aus allen Spielarten von Amen über Jungle bis Tech-Step seit Beginn der frühen ’90er.

Wir haben die Drum and Bass Reloaded-Idee verfolgt, weil es in meiner Generation und auch in der nächsten Generation viele Menschen gibt, die großen Bock auf Klassiker über eine dicken Anlage haben. Das Format gab es so noch nicht und die Leute aus den alten Crews Ulan Bator, Rolling Sounds, Alphacut, Repertoire und Cuba Crew haben dann einfach 2013 losgelegt.

Konnte ja keiner ahnen, dass das publikumsmäßig so einschlagen würde.

Der Grund für den Location-Wechsel ist die seit langem gewünschte Erweiterung des Oldschool-Konzepts um neuere Drum and Bass-Musik. Wir können im IfZ drei Floors nutzen. Auf dem großen Floor wird das Kernkonzept mit Oldschool Drum & Bass fortgeführt.

Nun wollen wir aber auch die Chance nutzen, die Oldschool-Aficionados auf neue, geile Entwicklungen im Drum & Bass aufmerksam zu machen. Eine Konzeptaufweichung Oldschool und Newschool auf einem Floor schien uns keine gute Idee dafür. Also haben wir uns umgeschaut und mit dem IfZ einen Partner gefunden, der neben dem Oldschool-Floor einen weiteren Floor für aktuellen Drum & Bass und noch einen Barfloor für Breakbeat-Tunes mit weiterem Tempospektrum bieten konnte.

Derrick: So ist es. Das IfZ verfügt auf dem Hauptfloor außerdem über eines der besten Soundsyteme Leipzigs. Das Kirsch-Audiosystem macht richtig Bass aka Spass. Wer immer schon mal herausfinden wollte, wie 20 Jahre alte Oldscool-Jungle-Basslines sich 2017 auf einem High-End-Soundsystem anfühlen – am 21.11. ist Eure Chance.Vier Jahre Drum & Bass Reloaded: Gab es besondere Momente, die euch in Erinnerung geblieben sind? Oder bestimmte Tunes, die immer noch Gänsehaut erzeugen?



Booga: Vor zwei Jahren haben CFM und Francis ein Back-to-back-Set gespielt, das von der Auswahl der Tunes und dem Aufbau des Mixes dramaturgisch komplett auf den Punkt war – die haben hart mit meinen Gefühlen gespielt.

Eine Mischung aus „ich will einen Rewind“ und „um Himmelswillen, lass die einfach immer weiter spielen“. Dann gibt es Full Contact, zu dem gehört quasi Bill Rileys „Closing In“, keiner mixt wie Derrick Ganja Kru „Super Sharp Shooter“ und ich habe eine böse Schwäche für John Bs „Pressure“. Ich bin sehr gespannt, wie die ganzen Leute auf die IfZ-Anlage reagieren werden und welche neuen Hits auf dem Newschool-Floor entstehen. Lasst uns das mal rausfinden.

Derrick: Besondere Reloaded-Momente gab es so viele wie DJs und Reloads. Besonders erinnere ich mich aber an die Freude zu sehen, wie sich Soundkultur in Leipzig entwickelt hat. Nämlich wenn „alte“ Drum & Bass-Fans (30+) mit jungen Ravern und Bassheadz gemeinsam feiern. Die Energie und Euphorie aus der Golden Era des Drum & Bass kam zurück auf die Tanzfläche – Reloaded!

Außerdem: 2016 um 23:30Uhr – die 100Meter-Menschenschlange im strömenden Regen vor dem Conne Island. Meine perönlichen Gänsehaut-Tunes nach wie vor sind: „Can’t Punish Me“ von Dom & Roland und natürlich „Beneath The Mask“ von  Makai alias Kabuki & Mainframe.


Drum and Bass Reloaded 2017 / 21.11.2017 / Institut fuer Zukunft

Oldschool Floor
MCs: Amon & Phowa

Snoopy / Ulan Bator
Malcolm / Downtown Lyrics
Audite / Boundless Beatz
CFM / Repertoire
Derrick / Ulan Bator
Full Contact / Downtown Lyrics
Tronic / Nasdia

Future Floor – DnB Zeitgeist

Mary J / XXX
2 Guys 1 Dub
Heatwave / Dublogic
Madera / VariFocus
Booga / Defrostatica
Conscious Mind / ease up
Plastiks / Blackhill Production

Breakbeat floor – Wurzeln & Ausläufer

Tina / Kords + Kajal
Donis / Ilses Erika

Jimmi Hendrik „Tausendsassa“ (Ascending Branch)

Sweet Reissue – die „Tausendsassa“-EP holt die dancefloor-bekannte Perle „Acerbic Sweetness“ mit Lovestory-Attitüde wieder hervor.

2013 war der Track „Acerbic Sweetness“ bereits auf „Snappy Bizzness“ zu hören. Damals erschien die EP auf „Freude am Tanzen“ – damals als Jimmi Hendrik auch noch als Resident im Club Zooma Plauen verortet war. Vier Jahre später, längst angekommen in seiner geliebten Wahlheimat Leipzig hat es der Track wieder auf eine EP geschafft. Seine neue Platte „Tausendsassa“ erschien im Oktober auf dem Leipziger Label Ascending Branch.

„Acerbic Sweetness“ startet melodisch und verträumt, dennoch mit konsequenten, fordernden Beats. Dabei kommt der Track recht schnell zum Höhepunkt im Disco-Feeling, harmonisierend aus anmutigen Vocals und Jazzelementen, die von Claps angetrieben auf einem intensiven Level bleiben.

Der Remix von Kleinschmager Audio kommt mit klassischer Bassline, treibend, aber unaufgeregt daher und behält die Stimmung des Tracks bei, wenn auch geglättet.

Wild, aber nicht wirr erscheint „Groove Head“ auf der B-Seite. Eine facettenreiche Bassline entzieht sich dem Versuch jeglicher Klassifizierung, ohne dabei divergent zu wirken. Die aufgeladenen, pulsierenden Beats treiben unweigerlich auf den Floor. Gleichzeitig beruhigen wiederkehrende Jazzelemente und sorgen für Harmonie. Ein Song, der im Kopf funktioniert, dort auch bleibt und dem All-time favourite der A-Seite in nichts nachsteht, ja sogar etwas dessen disco-flavoured Show stiehlt.

„Under Your Spell“ setzt der anfänglichen Romantik dann doch rapide ein Ende. Eine bedrohliche Bassline trifft in einem breitgefassten Wechselspiel auf leichten Techhouse-Beat – Drama at it’s best in gewagten Dimensionen.

Insgesamt changiert die Platte zwischen Disco-House-Tunes und Acid-Einflüsssen und spielt direkt auf dem Dancefloor mit einer intensiv treibenden, romantischen A-Seite und einer wilden, dramatischen B-Seite. Trotz der Diversität entsteht ein harmonisches Spiel von Hochgefühlen mit Liebe zur Komplexität.

Dissonant Counterpoint – Diana Policarpo

Um Kunst geht es bei frohfroh fast nie. Obwohl es durchaus spannende, klangliche Überschneidungen gibt. Beispielsweise bei Diana Policarpo – sie beschäftigt sich in ihrer neuen Ausstellung mit einer hochspannenden, leider verkannten Komponistin, die in Leipzig geboren wurde.

Es ist eine ebenso faszinierende wie tragische Geschichte, die mit Johanna Magdalena Beyer verbunden ist. 1888 wurde sie in Leipzig geboren, mit 35 Jahren emigrierte sie in die USA. In New York prägte sie die „amerikanische Ultra-Moderne“ mit und gilt als eine der ersten Frauen, die in den 1930er Jahren mit elektronischer Musik experimentierte. Doch weder zu Lebzeiten noch nach ihrem Tod 1944 erhielt sie die Aufmerksamkeit und das Ansehen, das ihr in der Avantgarde-Szene eigentlich zusteht – auch nicht in der Musikstadt Leipzig.

Diana Policarpo möchte dies ändern. Die in Lissabon geborene und heute in London lebende Bildende Künstlerin, Noise-Musikerin und Komponistin widmet sich seit mehreren Jahren in verschiedenen Kunstformen dem Leben und Werk von Johanna Magdalena Beyer. Aus einem grundlegenden Interesse für Macht- und Genderstrukturen.

Für KV, den Verein für Zeitgenössische Kunst Leipzig, zeigt Diana Policarpo in der Ausstellung „Dissonant Counterpoint“ Sound-Installationen und Sound-Skulpturen, die Fragmente von Johanna Magdalena Beyer mit eigenen Kompositionen vereinen. Ihre Arbeitsweise ist also nicht rein dokumentarisch, sondern darauf bedacht, auf künstlerische Weise Korrelationen zwischen Geschichte und Gegenwart herzustellen. Einen Eindruck von Diana Policarpos Sound-Installationen vermitteln die Bilder unten sowie dieses Video von einer Ausstellung in Bielefeld.

Wir haben Diana Policarpo ein paar Fragen geschickt, unter dem Bild sind ihre Antworten.Wie bist auf auf Johanna Magdalena Beyer aufmerksam geworden?

Vor ein paar Jahren habe ich eine Platte gekauft, die 1977 von New World Records veröffentlicht wurde – eine Compilation namens „New Music for Electronic & Recorded Media – Women in Electronic Music“. Das erste Stück darauf ist „Music of the Spheres“, komponiert von Johanna M. Beyer und ich mochte es nach dem ersten Hören. Ich war super fasziniert, dass diese Komposition von 1938 war und es das erste Stück von einer Frau mit elektronischen Instrumenten ist. Es wurde vom Electric Weasel Ensemble aufgeführt, aufgenommen von Robert Schumaker und gemixt von dem großartigen Donald Buchla.

Larry Polansky und Amy C. Beal – beides Komponisten und Lehrer in Berkeley, Kalifornien – haben mir dann weitere Informationen zu Beyers Arbeit zukommen lassen. Das war 2015 als ich ein Stipendium bekam und ein Projekt an der Music Division of the Performing Arts Library in New York starten konnte.

Was ist das Faszinierende für dich an Johanna Magdalena Beyer?

Beyers Arbeiten enthalten frühe Formen von Noise, Ambient Drone und verspielten Schnipseln proto-minimalistischer Musik. Das finde ich sehr interessant. Ideen von wechselnden Schalldimensionen und Gedanken über die kosmische Resonanz von Elektrizität haben ihre Arbeit von früh an geprägt. Bei „Status Quo / Music of the Spheres“ dreht sich alles um die Vorstellung vom Improvisieren und dem Schaffen eine Kontrapunktes der Musik zum Wesen einer Person.

Beyer hatte die Vorstellung vom Menschen als eine Art Zentrum inmitten eines stürmisch wirbelnden Dings. Sie war 50 Jahre alt als sie das Stück vollendete. Es wurde auch bei der Guggenheim-Gesellschaft eingereicht, aber das Management gab ihr keine Chance, es sah in dem Stück ein richtungsloses Durcheinander, das aus der Feder einer Frau ohne genügend Fähigkeiten kam. Sie war eine herausragende Lehrerin und Komponistin, nur fehlten ihr die Möglichkeiten, ihre Arbeit zu zeigen oder aufführen zu lassen.

Nach dieser Erfahrung legte Beyer das Stück beiseite und führte ihre orchestrale Arbeit fort. Das war eine Oper über das Universum, überirdische Bewegungen, verschiedene Kulturen und über ihr Leben, das zu der Zeit von einer ständigen Krankheit und geopolitischen Bedenken geprägt war. Fragen zur Globalisierung, Produkten und Zirkulationen sind bereits tief verwurzelt. Beyer lebte in einer Gemeinschaft mit Künstlern und Aktivisten, die der Mittelpunkt ihres Lebens und aller Aktivitäten war.

Darüber hinaus ist „Music of the Spheres“ ein Konzept, das auf Pythagoras und seiner kaum erwähnten Frau Theano, die selbst Dichterin und Musikerin war, beruht – sie hatten eine vollständige Kosmologie rundum ihre Wahrnehmung der Weltvibration ausgearbeitet. Plato beschrieb es als Musik die von Sirenen kommt aber von Menschen nicht wahrgenommen wird. Andere Denker wie Johannes Kepler und Dane Rudhyar, der Beyers Lehrer in New York war, waren ebenfalls von diesen Theorien inspiriert, die sich auf die alte Idee der Harmonie als idealer Basis für moderne Kompositionsformen und der dynamischen Symmetrie der Natur.Warst du auf den Spuren von Beyer in Leipzig unterwegs?

Seit der Veröffentlichung der ersten Forschungen zu Beyer von John Kennedy und Larry Polansky im Magazin The Musical Quarterly haben nur wenige Leute die Arbeit an Beyers biografischen Skizzen, und ihrem kompositorischen Werk weitergeführt.

Das Frog Peak / Johanna Beyer Projekt hat in Eigenregie 22 Editionen mit ihren Kompositionen veröffentlicht – Solo, Kammermusik, Percussion, orchestrale und chorale Musik. Alles gewissenhaft mit Notizen und versehen Faksimile-Nachbildungen ihrer handschriftlichen Manuskripte. Ich durfte ein paar der Kopien und Dokumente sehen, die ein wenig mehr über das Leben von Beyer in Leipzig erzählen. Aber es gibt viele Löcher zwischen ihrem Leben vor der Emigration und dem ersten Jahrzehnt in den USA.

Was erwartet uns in deiner Ausstellung?

„Dissonant Counterpoint“ für den KV in Leipzig ist spezifisch auf den Ort ausgelegte Installation mit neun Audio-Kanälen und Licht- und Mixed Media-Skulpturen – sie alle verbinden historische Fragmente mit eigenen Kompositionen von mir.

Die Zusammenstellung der Elemente unterstützt das das theoretische Material, das die Ausstellung auch mit einbindet – die Forschung des Beyer-Archivs in New York etwa, zusammen mit dem Versuch, die Originalpartitur der politischen Oper nachzuempfinden. In gewisser Weise sind sie darauf ausgelegt, den Versuch zu vereiteln, revolutionäre Bedingungen vorzuschreiben. Es wird auch eine Publikation zur Ausstellung von Gloria Glitzer geben.


Dissonant Counterpoint
Diana Policarpo
Kuratiert von Anna Jehle + Juliane Schickedanz

Eröffnung: 09. November 2017, 19 Uhr
Laufzeit: 10. November – 30. November 2017

KV – Verein für Zeitgenössische Kunst Leipzig
www.kunstverein-leipzig.de
Kolonnadenstrasse 6
04109 Leipzig

Öffnungszeiten:
Di 18—22
Do 16—19
Fr 16—19
Sa 14—18

Foto-Credits:
Porträt Diana Policarpo: Yann Gibert
1. Ausstellungsbild: Diana Policarpo, The Feminist Rock Salt (to Linda Benglis), 2015, Installationsansicht, W139, Amsterdam
2. Ausstellungsbild: Diana Policarpo, Beating Back Darkness, 2014, Installationsansicht Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
3. Ausstellungsbild: Diana Policarpo, Sun in Cancer, 2016, Installationsansicht lAb Bielefeld

November-Musik

Es ist November, Zeit zum Verkriechen, Zeit für Kopfhörerausflüge  – natürlich auch für ausgedehnte Clubnächte. Für ersteres haben wir vier passende EPs und Alben aus Leipzig.

Keine Sorge, wir kontern dem Novembergrau demnächst mit einigen sommerlich nachhallenden House- und Disco-EPs. Auch davon ist einiges herausgekommen in den letzten Wochen. Aber erstmal wird es still.Desolate „Lunar Glyphs“ (Fauxpas Musik)

Ich mag Fauxpas Musik. Das Label mit Doppelheimat in Berlin und Leipzig hüllt einen immer so angenehm in behutsame Deepness. Ganz gleich, ob das Setting House, Ambient, Downbeat oder Jungle ist. Hier gibt es kaum Kanten, dafür eine gute Balance zwischen Melancholie und subtiler Eingängigkeit. Manchmal auch etwas dick aufgetragen.

So wie bei Desolates neuem Album. Desolate, das ist ein Projekt des wunderbaren Sven Weisemann, der verdammt gute House- und Dub-Techno-Tracks produziert. Bei Desolate ist von der Hektik des Clubs nichts zu spüren. Es ist sein Projekt für Ambient und Downbeat im weitesten Sinne. Mit zugezogenen Vorhängen, einem Kamin, verhuschten Vocal-Samples, Streichern, Klavier und auch ein wenig Kitsch. Atmosphärisch und rhythmisch durchaus von Burial inspiriert – ist da nicht sogar ein Burial-Sample in „Tyroshi“?

„Lunar Glyphs“ ändert am Desalate-Sound nicht viel, es ist einerseits unaufdringlich, andererseits einnehmend in seiner Fülle und Perfektion. Wie auch schon die vorherigen beiden Alben bewegt es sich nah an der glatten Gefälligkeit. Aber genau da bin ich wieder bei der behutsamen Deepness. Manchmal ist das Samtkissen auch sehr ok. Im November zum Beispiel.

 Aniela Zillinsky „References I-V“ (Modern Trips)

2017 ist das Jahr, in dem Modern Trips wieder aktiver wurde. Nun gibt endlich auch Tracks des Label-Betreibers Alza 54 zu hören. Als Aniela Zillinsky veröffentlichte er fünf Ambient-Stücke, die das genaue Gegenteil von Desolates barockem Sound sind: „References I-V“ schwankt mehr, pendelt vom gleitenden „Border ζ“ plötzlich zum schrillen „Defeat Marker Ͳ“. Und es dringt eher eine latent bedrohliche als zurückgelehnte Note dahinter hervor.

Das macht diese EP sehr viel spannender, weil es hier Ausbrüche und Wandlungen selbst innerhalb der Stücke gibt. Und teilweise auch eine gewisse naive Unbekümmertheit – wie das simple Tastenspiel auf „Malcoding Peptide Ϛ“. Mein Hit kommt zum Schluss: „(In Vivo) Ω-Verisimilitude“. Wie eine perfekte Zusammenfassung der EP.

2006 Suv „Salze“ (Modern Trips)

Am selben Tag wie Aniela Zillinskys Debüt erschien auch eine neue EP des Wiener Producers 2006 Suv auf Modern Trips. Er hatte im März die Modern Trips-Pause beendet. Auch er schafft mit seinen Tracks einen eigenen Mikrokosmos, der irgendwie harmonisch vertraut und doch eigentümlich klingt. Bei 2006 Suv schwingen aber noch mehr avantgardistische Ansätze mit. Doch nie komplett abgedreht und überzeichnet.

„Naja1tek“ ist da mit seiner rasenden Techno-Bassdrum und dem saitenartigen, hypnotischen Sound eine Ausnahme. Viel stiller und gedimmter: „Millenium Salz 0“ und „Zöfe“. Da ist sie wieder, die Eigenartigkeit im besten Sinne. Ich bin 2006 Suv-Fan!

Philipp Rumsch „A Forward-Facing Review“ (Denovali)

Zum Schluss Philipp Rumsch. Im September hatten wir die Track-Premiere zu „Part I“. Natürlich möchte ich „Part 2“ nicht unerwähnt lassen. Der Übergang zwischen beiden Stücken ist fließend. Im Gegensatz zum ersten Teil bleibt der zweite jedoch weitgehend auf einer subtil-stillen Ebene. Es gibt keine dramatische Steigerung.

Genau darin liegt die Stärke von „Part II“. Das Stück sorgt mit seinem diffusen Rauschen im Hintergrund und dem zurückhaltend gespielten Piano für eine durch und durch kontemplative Atmosphäre. Nur die ab und an auftauchenden tiefen Anschläge deuten noch auf den Sturm in „Part I“ hin. Der Ausklang kickt mich sogar noch mehr.

Behind the nights – Œuvre

Die Diversität möchte das Œuvre-Kollektiv mit seiner Reihe fördern. Unsere neue Autorin Paula hat sich mit ihm getroffen und war beim Drag Takeover im IfZ.

Ein Dunstkreis aus Freunden, seit Jahren wabern sie schon unter immer wechselnden Alter Egos durch die Musiklandschaft: DJs, KünstlerInnen und Partyorga. Leipzig haben sie als Zentrum des Ganzen gewählt, obwohl der Großteil von ihnen ganz woanders herkommt, ganz woanders wohnt.

Jetzt wollen sie offiziell eine Bühne, ein Gesamtwerk sein, in all der Diversität, die vor allem elektronische Musik im Grunde mit sich bringt. Doch auch andere Kunstrichtungen sollen hier ihren Raum finden, Malerei, performative Kunst

Der Freundeskreis um Leander und Elias alias DJ Paris begann vor anderthalb Jahren in der Blauen Perle Partys unter wechselnden Namen zu organisieren. Durch eine feste Crew, den neuen Namen sowie die Veranstaltungen im So&So und IfZ soll das ganze mehr Struktur bekommen – ohne festgelegte Grenzen. Daher auch der Name: Œuvre. Es gibt keine ernst zu nehmende Stringenz in den Produkten des Schaffens, die Crew arbeitet interdisziplinär, im Zick Zack – sie wollten sich von Anfang an nicht selber begrenzen.

Ein Selbstläufer, der mehr und mehr Gestalt annimmt. Das Konzept? Sie wollen Kunstformen zusammenbringen. „Theatrale Clubphänomene präsentieren“, so beschreiben sie selbst ihren Wunsch, die konventionellen Clubfunktionsweisen aufzubrechen. Die Aufteilung der Floors bleibt zwar klassisch (großer Floor Techno, kleiner Floor House), aber das Performative rückt in den Vordergrund, der Spaß bei der Sache. Sie wollen mehr bieten als „zehn DJ auf zwei Floors in einer Nacht“. Deswegen buchen sie auch viele Musiker, die live spielen. Das hätte eine ganz andere Dynamik und würde die Abwärtsspirale aus minimalen Genreverschiebungen über die ganze Nacht hinweg aufbrechen.
DJ Paris selbst sehen sich auch an der Grenze zur Performancekunst: Sie nehmen sich selbst nicht ernst, zappeln herum, ziehen eine Show ab und stampfen nicht stur ihre Beats hinter dem Mischpult ab. „Die meisten klassischen Technopartys bzw. DJs sind sehr monoton. Das wollen wir aufbrechen. So innovativ Leipzig auch ist, alles fährt oft in einer Schiene.“ Die Jungs leben eine gewisse Selbstironie und Schnelllebigkeit, die die jetzige Generation vor allem als Internetphänomen oft inne hat. Sie vertreten jenen Mangel an Ernsthaftigkeit, der im positiven Sinne gemeint wird.

Wie geht man bei dem Anspruch, mit klassischen Clubkonzepten zu brechen, nicht in den Möglichkeiten verloren? Œuvre konzentriert sich vor allem auf ein junges, zeitgenössisches Booking. Wesentlich bei der ganzen Sache ist außerdem immer wieder: Die ganze Crew bewegt sich in einem Freundeskreis, das heißt es herrscht eine ähnliche Dynamik, die sich nicht kategorisieren lässt.

Musikalisch ordnet sich die Crew irgendwo im zeitgenössischen House und Techno ein. Die DJs spielen kaum Tracks, die älter als drei Jahre sind. Beim Booking achten sie, ebenfalls ein zeitgenössisches Thema, auf einen ausgeglichenen Anteil an weiblichen DJs. Außerdem versucht Œuvre über den Tellerrand üblicher Bookings hinaus zu schauen. In Leipzig gäbe es oft sehr ähnliche, fast festgefahrene Bookings. Die Crew möchte auf ihren Partys Acts, die in Leipzig nicht explizit bekannt sind – überregional und eher noch unbekannt eben.

„Das klassische Booking auf der ganzen Welt läuft doch oft so ab: Es gibt einen (Berghain)-Resident und ein paar Leute aus der Region.“

Das empfindet die Œuvre-Crew nicht sonderlich spannend, es transportiere immer einen ähnlichen Sound. Ihr Anspruch ist es, „aus den neuesten Auswüchsen zu schöpfen.“Und wie geht es weiter mit der Crew als Gesamtwerk? Releases sind in Vorbereitung, Grafiken in Arbeit, es soll ein Magazin geben. Im Januar steht eine Ausstellung im Pögehaus an. Œuvre und seine vielen Schwerpunkte, mit dem Großteil bei der Musik. Übrigens, „die Crew“: Raedea, Sören Torney und Yngve stehen für Techno; DJ Paris spielen LoFi und Linus sowie DJ Haiwan fühlen sich in House und Ambient zu Hause. Den grafischen Part übernehmen Hanako & Laura und Jan ist für die Video-Designs verantwortlich.

Das klingt alles wie eine vielversprechende Utopie, alles ist möglich, nichts steht fest. Und zu ernst sollte man sich ohnehin nicht nehmen. Wie setzt man das Ganze aber konkret um?

Œuvre Drag Takeover
Die Œuvre Drag Takeover-Party im IfZ Mitte Oktober zeigte, dass es funktionieren kann. Denn auch wenn das Kollektiv auf den ersten Blick nicht unglaublich divers scheinen mag, kümmern sich die Mitglieder darum, dass Menschen, die „gezeigt werden müssen“ eine Chance gegeben wird, Psoriasis etwa. Sie schätzt die Motivation der Crew, Partynächte abseits des üblichen Inhalts zu gestalten, indem sie Menschen und Künstler*innen integrieren, die von diesem Publikum möglicherweise andernfalls wenig wahrgenommen werden: „Wir wollen, dass das, was du machst, auch das ist, was wir machen“, beschreibt sie das Konzept.

Psoriasis ist Dragkünstlerin aus Berlin und Kuratorin der Drag Takeover Show. Sie sieht die Bedeutung in der Kombination aus Oeuvre & Drag vor allem darin, dass queere Menschen und Menschen mit mehreren Diskriminierungsoberflächen die Chance bekommen, sich mitzuteilen, sich sichtbar zu machen.V.l.n.r.: Martini Cherry Furter, Alexander Cameltoe, Psoriasis, Billy Jean, Gieza Poke, Dollar Baby


 

„Das IfZ hat einen Stempel: techniod, weniger superfun, queer, bunt, crazy. Deswegen ist das Konzept, die Party, so gut: etwas Neues reinbringen in diesen Raum, hineingelassen werden.“ so Psoriasis. Sie und ihre PerfomerInnen machen highly political Art/Drag. Doch nie zu ernst, die Show ist immer mit ausreichend Witz gewürzt – „ein guter Mix, um den Leuten zu zeigen, was es für eine Bandbreite an Drag gibt. Es muss nicht immer eine wunderschöne Female-Illusion-Dragqueen sein.“ Psoriasis als Kuratorin ist vor allem Diversität auf der Bühne wichtig. Und der Hintergrund der PerformerInnen, ihr Ziel im Leben, dass sie für das brennen, was sie tun, dass sie damit im Publikum Emotionen hervorbringen können. Das sei gute Kunst. Und es ist wichtig, wenn man die Seele bei der Performance sieht.

Nicht alles muss alternativ oder anders sein, nicht alles muss abseits des Dragqueen-Stereotyps der Female-Illusion passieren. Was Psoriasis wichtig ist, ist der Funken Lebensnotwenigkeit. „Ich muss mich mitteilen, sonst kann ich nicht gut schlafen. Aus dem Grund, weil Menschen meine Geschichte sonst nicht hören. Aber die muss erzählt werden.“ Drag ist für Psoriasis die Möglichkeit, auf einer Bühne Probleme zu teilen, Geschichten zu erzählen, sich der Welt zu zeigen. Sie verkleidet das als Drag, es ist eine Ausdrucksform.

„Das ist nichts, was ich am Wochenende mache, um mich einfach zu betrinken und dann richtig crazy zu gehen.“

Deswegen ist ihr Drag-Charakter auch weniger Schauspielerei als vielmehr eine Erweiterung ihrer Selbst: „highly sensitive und super aggressive“ zwar, aber sie verstellt sich nicht.

Für die PerfomerInnen, die sie nach Leipzig mitgenommen hatte, würde sie die Hand ins Feuer legen. „Das ist Kunst, die sehr gut ist, die von Menschen gemacht wird, die sonst nicht viel Aufmerksamkeit in der restlichen Gesellschaft kriegen. Ich will ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken, weil sie es verdienen.“ Mit ihren Lieblingskids will sie neue Leute überzeugen, „das Publikum brechen, zusmashen.“

„Everything is drag.“ (Psoriasis)
Von ihnen würde sich auch keine wirklich als „Dragqueen“ bezeichnen. „Dollar Baby nennt sich Dragdesaster. Alexander Cameltoe nennt sich Dragthing. Martini Cherry ist Burlesque-Tänzerin und Schauspielerin, Billie Jean liebt es, sich hübsch zu machen und für andere zu tanzen. Gieza Poke ist eine superlaute Sportlehrerin.“ Psoriasis selbst bezeichnet sich als Drag-Monster. In der Perfomance der Gruppe, die hauptsächlich in Berlin als Teil des House of Presents, einem Kollektiv aus Drag-Künstler*innen, performen, gibt es Lipsync, Tanz, Lifegesang, Poetry und Spoken Word, Striptease. Das Dragkollektiv in Berlin vertritt viele unterschiedliche Dragstyles und -genres, das ist „alternativer Drag“, eine Varieté Show, eine Talentshow.
Gieza Poke versucht, so sagt sie, gar nicht aktiv, dem Stereotyp fernzubleiben. „Alle hier bringen ihre Ideen und Kreativität auf den Tisch, niemand von uns würde jemals denken ‚Oh, aber so und so sollte man es eigentlich tun, vielleicht mache ich es falsch.’“ Und Alexander Cameltoe schätzt besonders das am House of Presents und seinen PerformerInnen: „Es verändert sich immer, es entwickelt sich weiter. Und was für mich anders ist im Gegensatz zu anderen Kunstformen: Man zeigt sich dem Publikum gegenüber großzügig, dankbar. Es findet nicht alles still und leise im eigenen Kopf statt, man gibt den Leuten etwas zurück.“

Was für Martini Cherry an Drag, an dem Performen auf der Bühne, besonders interessant ist: Man hat etwas zu sagen, etwas für das man kämpft. „Drag is underground culture: People who are struggling actually. They perform to stay alive. They use Drag to give smile, to entertain people, to questionate people. That is the most interesting part for me. It is salvating to share this energy with people.“

Drag im IfZ
Die Spannung der PerfomerInnen gegenüber den Reaktionen des Publikums im IfZ stand vor der Show besonders im Raum. Sie alle seien daran gewöhnt, für ein Publikum zu performen, das sie kennen und welches sie kennt, was weiß, was es zu erwarten hat. Mit Jazzmusik, Popmusik oder gar Poetry ohne jeglichen Anker der Popsongs, die jeder irgendwie kennt und tief im Inneren irgendwie auch mag. Funktioniert das in einem Technoclub?

Und ob. Nachdem im Trakt I bereits zwei Stunden zu Techno gestampft wurde, feierten die Leute schon das Intro der Show und den Track „Samba de Janeiro“. Verschwitzte, aufgeschlossene und emotionsgeladene Gesichter rund um die 360°-Bühne.

Etwas, was man doch eher selten auf dem Techno-Floor des IfZ erlebt.

Psoriasis als Moderatorin mutete zwischenzeitlich an wie eine Animateurin im Feriencamp, eine skurril geschminkte zwar, die oben ohne mit zugeklebten Nippeln auf der Bühne steht und deren Alter Ego „highly sensitive and super aggressive“ ist. Die das Publikum aber ohne wenn und aber mitreißt. Die Emotionen der PerformerInnen wurden aufgesaugt und weitergegeben, ob es um Herzschmerz ging oder eine heiße Nacht, um #metoo in Spoken Word oder die Feuershow am Ende.

„I will just suppose some Jazz music. And set my ass on fire, you know. Casual night.“ hat Martini Cherry Furter vor der Show gesagt. Und nicht nur ihr Ass hat meiner Meinung nach im IfZ in dieser Nacht Feuer gefangen.

Afterhour #11 Liebe, Techno, Leipzig – Katja

Traurig aber wahr: Die Afterhour-Kolumne von Antoinette Blume neigt sich dem Ende zu. Hier kommt die vorletzte Ausgabe – mit Katja, die im So&So an der Bar und Garderobe arbeitet.

Fast Schluss
Die vorletzte Ausgabe, huiuiui. Zielgerade. So fast. Hach. Der gefühlte kleine erste Abschied, bis die nächste Ausgabe die letzte sein wird. Aber heute ist nicht aller Tage Abend, daher: Weg mit der Novemberdepression, her mit den roten Sonnenuntergängen.

Für die Nummer 11 habe ich Katja kennenlernen dürfen – mit der ich so das ein oder andere Fazit zum Thema Feiern in Leipzig gezogen habe. In meiner neuen Lieblingsstätte, dem Bricks (danke btw an Anja Kaiser für diesen Ultimativtipp für einsame und gesellige Abende in der Innenstadt), plauderten wir zu Wein und zuckrigen Cocktails über alles und nichts, über Musik und Kreuzworträtsellösen. Fast wie bei einer richtigen Afterhour.

Steckbrief
Clubnest?So&So
ZuhausemusikSubkutan, Garstique, Gyrl, Tsorn… Techno aus Leipzig eben.
Zeit zu gehen …?Nach der Afterhour

 

Auch mal 12 Stunden
„Man muss sich erstmal an Leipzig gewöhnen“, sagt Katja gleich zu Anfang. Auch mal zwölf Stunden arbeiten – oder 12 Stunden feiern. Die vorher gekannten „Großraumdissen“ in Kassel oder Göttingen mit ‚etwas anderen‘ Konzepten und Schließungszeiten weit vor zweistelligen Vor- und/oder Nachmittagszeiten gehören für sie schon seit sechs Jahren der Vergangenheit an.

Galeriehotel, Nachtleben, Solipartys, So&So. So liest sich in etwa die Leipzigvita von Katja, die im So&So an der Theke oder der Garderobe arbeitet und im Galeriehotel als Nachtportier* jobbt. Dazu ist sie eigentlich Fremdsprachenassistentin und spricht vier Sprachen. Ahh, und löst gerne Kreuzworträtsel, wenn ihr der Partytrubel zu viel wird. Interessante Mischung, kann man sagen.

„Verrückten den Raum geben, verrückt zu sein“
Das halbe Leben in die Nacht verlegt – warum? Sie mag die Ästhetik, die Stimmung, in der Nacht seien die Menschen, die ihr da so begegnen, ehrlicher.

Zum So&So kam sie durch Freunde, die zur Eröffnung des Clubs noch Unterstützung brauchten. Ihr Freund und Mitbewohner arbeitet im gleichen Club, ein richtiges Nachtschwärmerpärchen. Da sie sich nicht nur in den Wandschrank als Lieblingsfloor und in den Türsteher verliebt (und verlobt) hat, sondern auch der Arbeit hinter den Kulissen etwas abgewinnen kann, blieb sie dabei.

Schützen sollte man Feierstätten als Schutzraum an sich, findet Katja. Toleranz, Diversität und Verständnis im Feierkosmos zu propagieren und zu kreieren, das ist ihr wichtig.

„Verrückten den Raum geben, verrückt zu sein – sich fallen zu lassen, unbefangen und sozial etwas gelöster zu sein.“

Dafür ist sie dem Club als möglichem Schutzraum dankbar. Und sie weiß es zu schätzen, dass es in Leipzig neben den Drugscouts auch Awarenesspeople gibt, die eben jenes (mit)erhalten: einen Raum sozialer Produktivität.

Afterhour
Endlich nochmal jemand, der die Afterhour liebt! Also nicht diese hier, na ja vielleicht auch, hoffentlich, aber eben die richtige Afterhour nach einer langen Nacht, die noch nicht zu Ende ist, lange noch nicht zu Ende sein wird, ist gemeint. Gemeinsames Runterkommen, müde werden, Geschnacke und in Katjas Fall kommt es sogar zu gelegentlichen Schnitzeljagden während einer ausgiebigen Afterhour.

„Die besten Gespräche führt man auf einer Afterhour – ist einfach so. Auch wenn man sich ab und zu vier-fünf Stunden im Kreis dreht“, lacht sie. Für sie also mithin der schönste Abschluss des Abends. Zwangloses Miteinander und vor allem eine nette Beobachtungsstätte von und für Menschen, plus eine der günstigsten Gelegenheiten mit dem Auflegen zu starten. Und zum Kreuzworträtsel lösen …

Foto (as always) von Henry W. Laurisch und Artwork (natürlich) von Manuel Schmieder.

25 Jahre Distillery – Interview Steffen Kache

In diesem Herbst feiert die Distillery ihren 25. Geburtstag mit mehreren Partys. Anlass für uns mit Steffen Kache, dem Geschäftsführer und Mitgründer der Distillery über die Veränderungen und die Zukunft des Clubs zu sprechen.

Nachwende-Doom, Shrinking City, Leipzig-Hype – die Distillery hat eine spannende Phase in der Leipziger Geschichte erlebt und selbst mitgeprägt. Dass sie als ernstzunehmender Club immer noch existiert, grenzt schon an ein Wunder. Das erste Vierteljahrhundert ist geschafft – und es soll weitergehen, wie uns ein nach wie vor motivierter Steffen Kache im Interview erzählt. Er war Teil der ursprünglich neunköpfigen Gründungscrew und führt den Club seit über 15 Jahren allein mit seinem Team.

Übrigens: Wir dürfen auch den Jubiläumsmix von Daniel Stefanik hosten – inklusive eines Statements von ihm.Ich möchte gar nicht so sehr zurück schauen. Der Distillery-Film hat eure ersten Jahre ausführlich aufgezeigt. Mich interessiert aber, wie du die letzten fünf Jahre in Leipzig und der hiesigen Clubkultur wahrgenommen hast? Da ist ja einiges passiert.

Also, wir finden es super, dass das IfZ bei uns in der Nähe aufgemacht hat. Das haben wir sofort gemerkt. Am Eröffnungstag des IfZ hatten wir 20 Prozent mehr Gäste. Das befruchtet sich gegenseitig, auch wenn sich das Publikum unterscheidet. Ich finde es auch super, dass das So&So aufgemacht hat. Aber sonst finde ich, dass die Stadt noch einiges vertragen könnte, was das Clubleben betrifft. Ich finde es zum Beispiel schade, dass das Conne Island die elektronischen Geschichten etwas heruntergefahren hat.

Aber ansonsten sehe ich die Entwicklung der Stadt in den letzten fünf Jahren positiv. Ich merke vor allem, dass wir von den Gästen her viel internationaler geworden sind – mit vielen Spaniern und Engländern. Die Flüchtlingsproblematik hat uns in der Zeit natürlich auch betroffen. Es gab leider negative Vorfälle, weshalb wir da sehr vorsichtig sind. Wir lassen generell größere Männergruppen nicht rein, aber größere Männergruppen aus Nordafrika erst recht nicht, weil man sofort weiß, dass es Stress gibt. Dieser Kriminalitätsfaktor hat zugenommen, auch da gab es einige Fälle. Nicht im Laden, sondern davor. Das ist das Negative, was ich sehe, aber insgesamt sehe ich die Entwicklung für die Stadt sehr positiv.

Wie hat sich die Szene an sich verändert?

Es wird immer mehr zum Business. Jedes Jahr ziehen die Gagen an. Das ist teilweise für einen Club mit einer gewissen Kapazität nicht mehr zu stemmen. Man hat ein Budget, das man am Abend ausgeben kann – ganz einfach gerechnet: Gästezahl mal Eintritt. Wenn man das den Agenturen vorrechnet und sagt, dass nicht mehr drin ist, dann denken die, wir wollen sie verarschen. Wir stehen in direkter Konkurrenz zu großen Clubs auf der ganzen Welt und zu diversen Festivals. Es gibt ja jetzt selbst im Winter Festivals, dann eben auf der Südhalbkugel. Und so ist es immer schwieriger geworden, namhafte internationale Künstler zu bekommen, die noch bezahlbar sind. Das ist eine Entwicklung, die der elektronischen Szene irgendwann massiv auf die Füße fallen wird. Die Clubs haben richtig zu kämpfen. Ich bin seit einem Jahr im Bundesvorstand der LiveKomm dabei, ich habe also auch Kontakt zu den anderen Läden in Deutschland – denen geht es genauso mit den Gagen und den Nebenkosten.

Gibt es keine Ansätze zur Querfinanzierung bei den Agenturen und Künstlern – also hier finanzkräftige große Festivals, dort kleine Clubs?

Der gesunde Menschenverstand würde das so sehen. Aber man macht Optionen für Künstler und dann kommt kurzfristig eine andere Anfrage, wo sie statt 2.000 € eben 10.000 € bekommen und die wird dann genommen. Es wird oft nicht gesagt: Gut, ich bin in dem Club groß geworden. Das Verständnis, dass die Künstler in kleinen Clubs erstmal aufwachsen müssen, ist irgendwann weg. Ich rede nicht von allen, es gibt auch viele, die das in Erinnerung behalten haben. Aber es sind eben auch viele, bei denen die Kohle an erster Stelle steht. Das finde ich schade.Habt ihr nicht durch die Geschichte und den Ruf noch ein paar Bonuspunkte – auch bei den großen DJs?

Jein, wir haben eher den Vorteil, dass wir über die Jahre viele kennengelernt und einen persönlichen Draht aufgebaut haben. Mit denen funktioniert das. Aber Bonuspunkte wegen des Rufs: Das ist romantisch gedacht, leider ist es nicht so. Wir verhandeln zum Beispiel seit vielen Jahren mit Richie Hawtin. Früher war er jedes Jahr da, zuletzt hat er 2006 gespielt. Jetzt haben wir eine Option für November. Mal sehen, ob es klappt.

Sind das Veränderungen, die die Distillery gerade tiefgreifend beeinflussen?

Nein, wir können das prinzipiell noch handlen. Unser Booker Marc hat das gut im Griff. Er sagt aber auch klar nein. Es ist nicht so, dass es die Distillery gefährdet, aber es ist insgesamt für die Musik schade. Am Wochenende war Ellen Allien da, seit 20 Jahren kennen wir sie. Sie hat das verstanden. Auch Chris Liebing ist ein guter Bekannter und der weiß Bescheid, was hier möglich ist.

Hat sich der Sound dann auch verändert, wenn alles mehr Business geworden ist?

Nein, das würde ich nicht sagen. Vom Sound her passt es. Da gibt es auch eine klare Abgrenzung. Es heißt ja nicht, dass die Künstler schlechtere Musik spielen, wenn sie mehr Geld verdienen. Und der ganze EDM-Firlefanz kommt hier eh nicht rein. Was ein wenig schade in Leipzig ist: Wenn man Künstler bucht, die up to date, aber noch nicht so bekannt sind, verstehen das viele Leipziger nicht – obwohl bei denen auch schon relativ hohe Kosten entstehen. Finanziell ist das ein Schuss in den Ofen, musikalisch dagegen super. Das muss man querfinanzieren mit Abenden, bei denen bekanntere Künstler spielen.

„Ich würde mir von Leipzig wünschen, dass das musikalische Verständnis der Leute etwas tiefgründiger wird.“

Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Man kann nicht mehr von einer Szene sprechen wie vor 20 Jahren als noch jeder Bescheid wusste, was für ein Stück gerade läuft. Heute sind vielleicht 10 Prozent up to date, die anderen lieben die Musik, kommen mit, tanzen und haben Spaß. Aber dieses tiefgründige Musikverständnis war früher viel mehr da.Das Cluberlebnis ist mehr zum Entertainment geworden?

Ja, es ist ein Zwischending. Das Optimale für einen Club ist ja, wenn die Leute wissen, es läuft gute Musik und gar nicht schauen, wer am Abend spielt. Wenn die Leute aber nur wegen der Headliner kommen, ist es auch blöd. Trotzdem wünsche ich mir, dass die Leute sich mehr damit beschäftigen als nur zu konsumieren. Ich habe auch das Gefühl, dass durch diese „Der Kunde ist König“-Sozialisierung eine höhere Erwartungshaltung da ist. Wer seine 10 Euro Eintritt bezahlt hat, will auch unterhalten werden. Früher waren die Leute dankbar, dass man was auf die Beine gestellt hat.

Die Sperrstunde war zuletzt ein großes Thema in der Stadt. Beunruhigt euch das?

Das Ordnungsamt in Leipzig hat die Sperrstunde sehr moderat gehandhabt. Das hat nur Stress gemacht, wenn es Ärger gab. Der Stand ist aber so, dass der Stadtrat die Abschaffung der Sperrstunde in Leipzig beschließen wird. Ich habe nachher einen Termin beim Ordnungsamt, weil es noch Zuarbeiten von uns braucht. Es muss ein öffentliches Interesse nachgewiesen werden, damit es bei der Landesdirektion standhält. Ich denke, das Thema Sperrstunde ist gegessen – wenn es die Landesdirektion nicht wieder kippt. Das ist die Aufsichtsbehörde der Kommune. Die werden sich das natürlich genau anschauen – Landesregierung ist CDU, Leipzig ist SPD, die können sich nicht leiden. Da könnte es noch einmal Ärger geben. Aber von Seiten der Stadt ist es eigentlich durch.

Die Stadt hat also schon einen Spielraum bei der Auslegung?

Es gibt im Gaststättengesetz eine Möglichkeit, dass die Kommune entscheiden kann, die Sperrzeit auszusetzen oder abzuschaffen. Dieser Passus soll genutzt werden und es gibt eine breite Mehrheit. Selbst in der Verwaltung und beim Ordnungsamt ist es Konsens, dass es Sinn macht, die Sperrstunde abzuschaffen. Das ist auch das Schöne in Leipzig: Man kann hier mit der Verwaltung reden. Es gibt andere Städte, wie Nürnberg, da möchte ich keinen Club betreiben. Wenn du hier ein Problem hast, kannst du anrufen und fragen, ob man darüber reden kann. Das war bei dieser Sperrstundenproblematik ganz ähnlich.

Hilft da die Geschichte des Clubs nicht auch? Die Erfahrung und Kontakte sind gewachsen.

In diesem Fall war es ein Vorteil, dass ich nicht als Distillery-Betreiber, sondern als LiveKomm-Vorstand hingegangen bin. Und da haben sie gemerkt, dass sich die Clubs in Leipzig organisiert haben, es gibt eine bestimmte Menge, die ein Interesse bekundet. Klar, man hat über die Jahre schon die Kontakte geschaffen.

Vor einigen Jahren wurde das Gelände hinter dem Bayrischen Bahnhof, zu dem auch die Distillery gehört verkauft und es war unsicher, was mit euch wird. Seitdem ist es still darum geworden. Wie ist der Stand, was eure jetzige Location angeht?

Das Gelände wurde 2013 an die Stadtbau AG verkauft. Das ist ein Investor aus Leipzig, der hier schon verschiedene Projekte gemacht hat. Jetzt warten wir darauf, dass ein Bebauungsplan erstellt und beschlossen wird. Da ist aber zuletzt wenig passiert. Wir wissen auch nicht, wann etwas passiert. Es gibt aber die Aussage, dass die Stadtbau AG es lieber hätte, wenn wir umziehen würden. Wer die Distillery kennt, kennt auch die Kreuzung davor und weiß, wo die Straße hinführt, die sich dort andeutet. Die meinen, dass es für die Erschließung des Geländes unabdinglich ist, dass dies so bleibt. Alles andere würde verdammt teuer werden. Es gibt aber keine konkreten Vorschläge, wie ein Ersatz aussehen könnte. Das ist sehr unklar und unbefriedigend.Seid ihr in Gespräche und Planungen involviert?

Wir haben einen engen Kontakt zur Stadtbau AG. Ich gehe davon aus, dass wir noch fünf Jahre hier haben. Aber ich würde trotzdem gern einen Plan B entwickeln und eine klare Aussage haben

Gibt es schon einen Plan B im Hinterkopf?

Es gibt ihn im Kopf, aber Plan B wird erst verraten, wenn Plan A nicht funktioniert.

Es ist aber auf jeden Fall ein Thema, das euch umtreibt.

Natürlich. Wenn man nicht weiß, ob man wirklich noch fünf Jahre planen kann, ist das blöd. Ich habe zwar ein Grundvertrauen in die Welt, dass es immer irgendwie funktioniert – und das hat es auch immer.

„Aber man möchte so eine Institution gern weiterentwickeln. Das ist im Moment nicht möglich.“

Völlig unabhängig davon, wie das hier weitergeht, überlege ich auch, den Plan B weiterzuentwickeln. Mittlerweile geht es schon in die Richtung, dass wir intensiv nach einer neuen Location suchen. Um das Projekt Distillery an diesem Ort weiterzuentwickeln, müsste man massive Baumaßnahmen vornehmen. Hier ist aktuell jeder Kubikzentimeter ausgenutzt. Ich hätte schon Lust, ein paar mehr Dinge zu machen als nur einen Club. Aber das ist hier nicht möglich.

Bei der Suche hast du komplett Leipzig im Blick – oder willst du im Süden bleiben?

Ich möchte auf jeden Fall im Süden bleiben. Wir sind hier verwurzelt. Andererseits: Wenn man eine Location hat und man merkt vom Bauchgefühl her, dass es funktioniert, dann kann es auch im Osten sein. Aber ich würde gern hier im Süden, gerade im Einzugsgebiet der Karli, bleiben. Das ist unsere Homebase, wir sind in Connewitz groß geworden. Schon damals war der Umzug näher an die Stadt für uns ungewohnt.

Du bist ja der Geschäftsführer, was sind eigentlich deine Jobs?

Ich ärgere mich allen Dingen herum, die es so gibt. Dazu gehört der ganze Finanzkram mit dem Controlling und der Buchhaltung. Dann natürlich die Behördengeschichten, davon gibt es einige – von Lohnmeldungen ans Arbeitsamt über KSK- und GEMA-Abrechnungen bis zu irgendwelchen Meldungen ans Statistikamt. Personal ist noch ein Thema, wobei mich jetzt jemand unterstützt.

Ich bin natürlich auch am Wochenende im Laden, aber nicht mehr fest eingeteilt. Ich bin als freies Radikal da, kann kommen und gehen, wann ich will. Aber ich bin schon vor Ort und mache Dinge, die ich sehe. Wenn der Hausmeister ausfällt, dann mache ich auch das Klo mit sauber. Seitdem ich im LiveKomm-Vorstand bin, ist ein großer Arbeitsbereich dazugekommen. Da geht es um die Vertretung der Clubs vor der Politik und der Verwaltung auf Bundesebene. In Sachsen gibt es jetzt eine Steuerungsgruppe mit der wir ein Pop-Büro aufmachen wollen, das auf Landesebene eine Schnittstelle zwischen Regierung und Verwaltung zur Club- und Popkultur sein soll. In Leipzig trifft sich noch das LiveKombinat, ein Verbund der Leipziger Clubs, zu einer Art Stammtisch. Da steckt auch viel Organisationsarbeit dahinter. Im September hatten wir die Diskussionsrunde mit lokalen Politikern zu den Wahlprüfsteinen – und so geht mein Tätigkeitsbereich gerade mehr in Richtung Politik.Es sind also schon andere Aufgaben als vor 20 Jahren.

Mit zunehmendem Alter ziehe ich mich aus dem Tagesgeschäft im Club zurück. Bis 2003 habe ich auch das Booking gemacht. Das habe ich dann aber abgegeben, weil ich dafür keine Zeit mehr hatte. Es entwickelt sich immer mehr in die Richtung, dass ich versuche, die Clubkultur insgesamt vorwärts zu bringen. Natürlich ist es auch in meinem Interesse, weil ich auch was davon habe. Aber gerade die Kommunal- und Bundespolitik ist super interessant.

Da ich durch die Arbeit in der LiveKomm deutschlandweit mit den Clubs vernetzt bin und die Leute kennenlernt habe, macht das verdammt viel Spaß. Ich merke schon, dass ich heute anders wahrgenommen werde, was sicher nicht daran liegt, dass es den Club so lange gibt, sondern weil ich älter geworden bin. Mit Anfang 30 wurde noch eher über einen gelacht, wenn man etwas gesagt hat. Wenn ich jetzt zu irgendwelchen Behörden gehe, habe ich schon das Gefühl, dass die das ernster nehmen. Das möchte ich in den nächsten Jahren gern für die Clubkultur nutzen.

Ich mache mir auch nichts vor: Ich bin 44 und wenn unten jemand mit 20 an der Bar steht und von einem 44-jährigen bedient wird, ist das nicht mehr so cool. Mit Mitte 20 kann man auch mal zwei drei Nächste durch machen, die Nacht durchfeiern und den Laden schmeißen. Das geht jetzt nicht mehr bzw. habe ich keine Lust mehr darauf. So wird sich das immer mehr in diese neue Richtung entwickeln. Vielleicht lande ich irgendwann in der Politik. In zwei Jahren sind wieder Stadtratswahlen, da werde ich wieder kandidieren.

Durch die LiveKomm gibt es eine starke Vernetzung der Szene, wie sieht es mit der Konkurrenz aus?

Das sind zwei Seiten: Klar gibt es Konkurrenz, das ist aber keine negative Konkurrenz. Es ist auch ein positives Miteinander. Erstens bekommt man dadurch mit, dass alle die gleichen Probleme haben. Man kann sich direkt austauschen, wie es andere gelöst haben – gerade bei der Flüchtlingsproblematik gab es viele Gespräche untereinander. Aber auch bei Betriebsprüfungen oder der GEMA. Da ist der Austausch viel mehr von Vorteil, als wenn man nur über Konkurrenz nachdenken würde. Zum Beispiel habe ich auch die Idee, zusammen mit der LVB ein Nachtbus-Shuttle zu initiieren, damit zwischen den Clubs regelmäßig ein Bus hin und her fährt. So etwas ist aber nur machbar, wenn eine Menge Clubs dahinterstehen und wir nach einer Lösung schauen, wie das zu finanzieren ist.

Beim Booking hat es auch Vorteile. Bei House und Techno ist es vielleicht nicht ganz so ein Thema, aber bei den urbanen Geschichten am Freitag ist die Szene insgesamt kleiner. Und da macht es Sinn sich abzusprechen, damit nicht zwei Sachen an einem Abend landen und beide Veranstalter blöd aus der Wäsche gucken, weil sich die Gäste natürlich verteilen. Das Schöne ist auch, dass man die Menschen dadurch kennenlernt.

Gibt es etwas, das du gern umgesetzt hättest und noch möchtest, was dir aber zu unsicher war, ob es in Leipzig funktioniert?

Das Thema Label und Booking-Agentur ist über die Jahre leider nicht entstanden. Wir möchten unsere DJs und Künstler aus dem Umfeld mehr unterstützen. Ich sehe es in Berlin mit dem Berghain und Kater. Die sind bekannt und deren Residents touren durch ganz Deutschland – wir sind 25 Jahren dabei, haben das aber nicht hingekriegt. Das ärgert mich total. Aber man hat eben nur eine bestimmte Menge an Kraft, wir haben uns auf den Club konzentriert. Aber das wollen wir jetzt endlich angehen.

Was ich noch gern machen würde, wäre ein mehrtägiges Open Air in der Nähe der Stadt. Das wird aber allein von den Umweltauflagen her nicht funktionieren. Wir sehen das beim Think, es geht nur am Tag.Was wäre aus dir geworden, wenn es nicht die Distillery gegeben hätte?

Ich wollte eigentlich Physik studieren und dann Energieforschung betreiben. Ich war auf dem Ostwald-Gymnasium – zu DDR-Zeiten das Elitegymnasium im naturwissenschaftlichen Bereich. Ich war auch echt gut, hatte nach der Schule aber einfach keine Lust mehr auf Naturwissenschaften, weil wir so getriezt wurden. Dann war ich in einem Umweltverband und hatte überlegt, etwas in Richtung Umwelt und Umweltrecht zu studieren. Es hätte also sein können, dass ich entweder in der Politik gelandet oder ein bekannter Physiker geworden wäre. Aber die Distille ist mir in die Quere gekommen.

Du bist auch aktiv bei den Grünen, wie grün ist die Distillery?

Hätte ich mehr Möglichkeiten zum Bauen wäre sie richtig grün. Aber: Unseren Strom beziehen wir von Naturstrom. Das ist einer der wenigen Anbieter, die wirklich Naturstrom und nicht nur zertifizierten Strom anbieten. Ich habe auch viel Geld reingesteckt, um mit LED Strom zu sparen. Wenn man natürlich die Anreisen der Künstler betrachtet, ist es überhaupt nicht grün, weil die meisten fliegen wollen. Wenn mir das Gebäude gehören würde und ich investieren könnte, hätte ich schon längst das Flachdach mit Solarzellen voll gepflastert. Mein Ziel ist nach wie vor ein Club, der seine Energie komplett selbst produziert – das möchte ich in der neuen Location definitiv umsetzen. Im Club ist das möglich, aber die CO2-Emissionen der Flüge lassen sich damit nicht kompensieren. Doch wir versuchen mit unseren Möglichkeiten etwas zu machen. Es gibt auch kein Einweggeschirr, trotzdem entsteht Müll. Es ist immer Luft nach oben.

Wenn du heute noch einmal einen Club starten würdest, was würdest du anders machen?

Das Problem ist: Mit dem Wissen von jetzt würde ich den Club ganz anders starten. Das wäre dann nicht so naiv wie damals und das wäre ein Grund dafür, weshalb es wahrscheinlich nicht funktionieren würde.

„Ein Club funktioniert, weil du am Anfang gar nicht das Wissen über die Probleme hast, die es geben kann.“

Deshalb fängst du einfach an und holst dir ab und zu eine blutige Nase. Das gehört zum Lernprozess dazu. Aber mit meinem heutigen Wissen hätte ich die damalige Distille nie eröffnet. Es wäre einfach undenkbar gewesen mit den ganzen Gefahren, beim Brandschutz etwa. Aber wir haben es einfach gemacht, weil wir darauf Bock hatten. Ich würde natürlich viele Fehler vermeiden, die ich gemacht habe. Ewig habe ich zu spät GEMA gezahlt und dadurch viele Mahngebühren verursacht. Man lernt auch bei der Buchhaltung dazu. Da sind natürlich auch Fehler passiert, die Geld gekostet haben. Aber inhaltlich würde ich nicht viel anders machen. Es gibt nichts, was ich da bereue. Das Entscheidende beim Führen eines Clubs ist, wenn du ein Bauchgefühl zu bestimmten Dingen hast, die funktionieren und eher nicht. Also man sollte weniger mit einem Konzept, Businessplan oder zu viel Rationalität arbeiten, es muss aus dem Herzen kommen.Man müsste also vor als jemandem, der heute ähnlich naiv einen Club startet, noch größeren Respekt haben?

Man kann heute nicht einfach einen Club eröffnen, wie wir das damals gemacht haben. Es müssen von Anfang an alle Vorschriften beachtet werden, sonst ist der Laden ganz schnell zu. Allein das kostet so viel Geld. Wenn du einen legalen Club aufmachen möchtest, musst du erstmal jede Menge investieren. Du musst einen Plan machen und zu einer Bank gehen. Wenn du es dann noch schaffst, kreativ zu bleiben und deinen Kopf freizuhalten – davor habe ich höchsten Respekt.

„Es ist heute schon tausendmal schwieriger.“

Ist das vielleicht auch ein Grund für die vielen illegalen Open Airs? Dort kann man sich ohne Behördenauflagen ausprobieren.

Ja, klar. Ich denke, da geht es auch weniger darum, illegal zu sein, sondern man macht es einfach und schaut, wie lange es funktioniert. Leider gibt es da auch ein paar Veranstalter, die ihren Kopf nicht richtig einschalten und gar nicht darüber nachdenken, was sie ihrer Umgebung antun. Da gab es Geschichten, die der ganzen Szene schaden. Wenn schon illegal, dann wenigstens so, dass es keiner mitkriegt. Das ist ja im Prinzip die Keimzelle. Dort entstehen die lustigen und kreativen Dinge. In einem eingesessenen Club funktionieren die viel weniger. Mit Anfang 20 hast du auch gar nicht die Kohle, es sei denn du hast fett geerbt – aber dann kannst du es auch lassen. Ich halte aber auch nicht viel von kostenlosen Sachen. Die Leute, die dort hingehen, verlieren das Gefühl für den Wert und für die Musik. Letztendlich macht dies die Clubkultur ein stückweit kaputt, wenn das Verständnis bei den Leuten wegbricht.

Machst du dir Gedanken über einen Generationswechsel im Laden oder ist das noch in weiter Ferne?

Ja auf jeden Fall. Die Leute, die fest angestellt sind und den Laden schmeißen, sind alle Ende 30. Wir versuchen schon, neue Leute reinzubekommen. Es gibt auch Nachwuchs, den wir aufbauen. Aber klar, irgendwann muss die Generation auch mal wechseln. Erstens bekommt man das gesundheitlich nicht mehr gebacken, zweitens fehlt es nachts auch an der Glaubwürdigkeit. Wenn du an der Bar von jemandem bedient wird, der eine Generation über dir ist, ist das nicht so cool. Im Barbereich ist es mit Nachwuchs kein Problem, aber bei der Technik wird es schwieriger. Über die Jahre hat man eine Vertrauensbasis aufgebaut – ich vertraue meinen Leuten hier blind. Die sind alle lange dabei. Tina ist beim Booking für den Freitag dazugekommen – sie ist im Prinzip schon von der nachwachsenden Generation.

Was ist deine Lieblingszeit in einer Distillery-Nacht?

Die schönste Zeit ist zwischen sechs und acht Uhr. Wenn die Leute ihre ganze Energie rausgelassen haben und entspannt sind. Da kann der DJ mit den Leuten noch einmal ganz anders arbeiten. Dann ist hier eine besondere Energie im Laden.

Worauf freust du am meisten bei eurem Jubiläumsprogramm?

Ich freue mich – wenn es klappt – auf Richie Hawtin. Auf Gabor (Robag Wruhme) freue ich mich auch, weil es ein Freund ist. Aber eigentlich geht es mir weniger um die Künstler, ich freue mich auf die Leute, die schon lange nicht da waren. Die Geburtstagsabende sind immer ganz speziell.

Foto-Credits: Distillery Archiv, Tom Schulze, Stefan Leuschel

25 Jahre Distillery – Daniel Stefanik & Georg Bigalke

Die Distillery feiert ihren 25. Geburtstag. Wir wollten von zwei Resident-DJs wissen, was für besondere Momente sie mit dem Club verbunden. Und beide steuern jeweils einen Jubiläums-Mix bei.

Wir freuen uns, neben dem großen Interview mit Distillery-Betreiber Steffen Kache auch die Statements von zwei langjährigen Resident-DJs veröffentlichen zu dürfen. Mit Daniel Stefanik und Georg Bigalke erzählt jeweils ein Act vom oberen und unteren Floor von seinen besonderen Distillery-Momenten. Dazu gibt es zwei Mixe – der Soundtrack zur Distillery quasi.Daniel Stefanik

„Die magischsten Momente erlebe ich immer in den Morgenstunden, nachdem ich schon zwei bis drei Stunden gespielt habe. Dann habe ich das Gefühl, dass wir im gleichen Takt schlagen.

Eigentlich macht es überhaupt keinen Sinn weniger als vier Stunden in der Distillery zu spielen.

Denn ich habe ständig das Gefühl, dass die Leute auf eine Reise mitgenommen werden wollen und das geht einfach nur über die Zeit. Dann sind sie sogar bereit, zu den abgefahrensten Sachen zu tanzen. Ich kann mich gut erinnern, nachdem ich vier Stunden gespielt habe, dass ich in der letzten halben Stunde nur noch Rhythm & Sound-Platten mit Ricardo Villalobos-Tracks zusammen gemixt habe. Das war tatsächlich unheimlich magisch.“

Georg Bigalke

„Die Distillery ist ein Ort für obskure Begegnungen, seltene musikalische Momente. Und sie wird geführt von einem über die Maßen feinsinnigen und offenen Team. Seit 2007 darf ich nun meine Wenigkeit als ein Teil des Ganzen verstehen und zähle zu den Residents der Grande Dame. Dies ist ein Fakt, der mir bis heute immer wieder ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert und ‚leichtes‘ Herzrasen verursacht. Seit nunmehr zehn Jahren habe ich die Möglichkeit meine Musik zu spielen und den ein oder anderen Künstler in den Keller einzuladen.

Trotz der ganzen Zeit hat meine Begeisterung für die Distillery nie nachgelassen – vor allem nicht für die Sets am Morgen, die Sets mit den unendlichen Weiten und einem sehr, sehr offenherzigen Publikum. Hier kann ich spielen, was ich liebe. Vielen Dank an all diejenigen, die mir dies mit ihrem Vertrauen immer wieder möglich machen. Ein ganz besonderer Dank geht an Marc, Steffen, Rukey, Robert, Matze, Schubi, Tim und Jette.“

Bald wieder: Elektronische Schallplattenbörse

Im November werden wieder musikalische Schätze aus den Kellern, Abstellkammern und Dachböden der Stadt zur Elektronischen Schallplattenbörse zusammengetragen. Auch ihr könnt euch ab jetzt für einen Stand anmelden.

„Unregelmäßig“ ist der zweite Vorname der Elektronischen Schallplattenbörse. Umso schöner ist es dann auch, wenn sie in der Feinkost die Musik-Nerds der Stadt zusammenbringt. Inzwischen ist sie nicht mehr allein: Mit dem Vinylbuffet Süd und der Plattenbörse im Felsenkeller gibt es inzwischen zwei weitere Möglichkeiten, mehr oder weniger regelmäßig Kisten nach neuen Entdeckungen zu durchforsten. Eine begrüßenswerte Entwicklung für alle Musikliebhaber also.

Aufgrund der Jahreszeit wird die Elektronische Schallplattenbörse diesmal indoor stattfinden. Es soll sogar geheizt werden. Am Samstag den 04.11. könnet ihr von 10 bis 16 Uhr wieder nach Herzenslust Vinyl, Tapes und CDs kaufen, verkaufen oder tauschen. Wie immer liegt der Fokus auf elektronischer Musik, aber andere Genres dürfen sich ebenfalls zu Wort melden. Musik- und DJ-Technik findet hier genauso ihren Platz. Natürlich ist auch allgemeines Herumlungern und Schwätzchen halten gern gesehen.

Wer also bei gemütlicher, kommunikativer Atmosphäre seine alten Schätze in die Obhut anderer Menschen geben möchte, der kann seinen Stand gegen eine kleine Unkostendeckung anmelden.
Hier nochmal die Fakten in der Übersicht:

Datum:
04.11.2017 | 10-16 Uhr

Location:
Feinkost, Karl-Liebknecht-Straße 36, 04107 Leipzig

Anmeldung und weitere Informationen unter:
espb[at]vinyl20[dot]com

Es wird eine kleine Standgebühr geben.