Micronaut und die Mathematik

Nachdem Micronaut im März seine Happy Family EP in die Hände verschiedener Produzenten gegeben und als Remix EP auf Analogsoul veröffentlicht hat, erscheint voraussichtlich in diesem Sommer sein drittes Album.

Als Appetithäppchen gibt es vier kurze Videos aus Micronauts Studio mit Snippets der neuen Tracks. Die einminütigen Ausschnitte versprechen euphorischen und gewohnt vielschichtigen Micronaut-Sound, bei dem die Wärme echter Instrumente, wie Schlagzeug oder E-Gitarre spürbar ist. Das Highlight ist das beinahe schrille Theremin, ein Instrument, das ohne Berührung durch ein magnetisches Feld zwischen Körper und Instrument gespielt wird. Neuerdings vervollständigt es Micronauts Studio.

Wie schon bei seine vorherigen Alben „Friedfisch“ und „Panorama“ soll es für das neue Werk ebenfalls eine Überschrift geben. Dieses Mal geben Mathe und Geometrie den Rahmen vor. Klingt nach „es ist kompliziert“, soll aber ein in sich geschlossenes Werk inklusive formvollendetem Artwork werden. Wie Symmetrie für einen Produzenten klingt, der ungerade Beats bevorzugt, werden wir wohl im Hochsommer hören.

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Jennifer Touch „Feeling C“ (Riotvan)

Zwei Jahre ist es her, dass die Debüt-EP von Jennifer Touch auf Lunatic erschien. Nach diversen Compilation-Beiträgen (nicht zuletzt auch für das frohfroh-Crowdfunding) bringt Riotvan nun ihre zweite Solo-EP heraus. Das Warten hat sich gelohnt: Zählt man den digitalen Bonus-Track nicht mit, gibt es sechs neue Stücke, auf denen Jennifer Touch ihre eigene Version des Synth-Pop zelebriert.

Ein Vergleich zur ersten EP auf Lunatic drängt sich da geradezu auf. Tatsächlich klingen die Arrangements und die Soundauswahl ausgefeilter und weitaus opulenter als der Vorgänger, aber auch die Grundstimmung wirkt weniger kühl. Es scheint geradezu, als hätte Jennifer Touch nochmal ein paar prägnante Synthesizer mehr zur Verfügung gehabt, mit denen sie ihren Sound-Kosmos ausbaut. Natürlich ist das alles sehr in den Achtzigern verankert, aber im Gegensatz zu vielen anderen Retro-Projekten klingt das niemals billig – hier steckt mehr Arbeit im und Liebe zum Sound, wie es Dutzende von Electro-Pop-Gruppen in den letzten fünfzehn Jahren zusammen nicht geschafft haben.

Das fällt umso mehr auf, wenn Jennifer Touch auf Stücken wie „Elec“ ihre Stimme fast komplett herausnimmt und das Instrumental für sich sprechen lässt. Natürlich prägt ihre Stimme die Stücke entscheidend mit, selbst wenn sie wie auf „Feeling C“ sehr dezent eingesetzt ist. Überhaupt wird auf dieser EP deutlich, wieviel Zugänglichkeit und Unverwechselbarkeit allein durch Gesang erreicht werden kann. Aber auch, wie vielfältig dieser eingesetzt werden kann.

Eine wunderbare EP liegt hier vor, die viel Aufmerksamkeit verdient. Dass Riotvan die Startseite ihrer Website „Feeling C“ widmen, bestätigt diesen Eindruck.

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Video-Premiere – Crssspace „nahdontlookdown“

OverDubClub-Member Crssspace haut demnächst ein neues Beat-Tape heraus, inklusive Videos für jeden Track. Wir präsentieren vorab eins.

Bei Resistant Mindz ist in diesem Jahr volles Programm – die „Forecast“-Compilation kündigte bereits einiges an. Auch „nahdontlookdown“, einen von 18 Tracks und kurzen Skizzen, die Crssspace am 20. Mai als limitiertes Tape veröffentlichen wird. Zu jedem Stück hat Grafiker und Video-Künstler ahabzutun ein Video gebastelt, das den nostalgisch-collagierten, leicht neben der Spur leiernden Beatmaker-Sound von Crssspace bestens visualisiert.

Das Video zu „nahdontlookdown“ könnt ihr bereits jetzt schauen und ab ins sonnige Wochenende abtriften. Inklusive Fernweh nach der Ostsee. Oder irgendeinem anderen Meer da draußen. Hauptsache Wasser und Weite und Unbeschwertheit.

Five Favs – April 2016

Und wieder ein Monat herum – Zeit für unsere fünf Track-Highlights des April.

Philipp Matalla „Kiba“ (Kann Records)

Es ist nicht so, dass Kann Records nur selten gute Tracks veröffentlichen würden. Doch manchmal gelingen die wirklich herausragenden Highlights. „Kiba“ von Philipp Matalla ist so eins. Überhaupt die ganze EP gehört für mich zu einer besten Platten des Labels. Der Titel-Track “wird getragen von einem undurchdringlichen Beat-Rasseln. Trippig und zerbrechlich, verwischt und unwirklich, voller weirder Zwischentöne und einer überpoetischen Gitarre.“ Deshalb steht er hier.

Duktus „Light Up My Night“ (ThinkLoud & Resistant Mindz)

Die Leipziger Beatmaker-Szene gehört aktuell zu den aktivsten Subszenen der Stadt. Und Duktus ist sehr weit vorn mit dabei. Im April stellten wir seine erste Solo-Veröffentlichung „Hannah“ vor, die vom Zusammenleben mit seiner kleinen Tochter inspiriert ist. Neben klassischem Beatmakerism gefiel uns besonders „Light Up My Night“: „Wie stark sich Duktus derweil von seinen im HipHop verankerten Beats löst, wird spätestens mit „Light Up My Night“ klar. Der Groove behält trotz seiner Verspieltheit einen typischen Swing bei, wie man ihn sonst eher von britischen Produzenten kennt,“ schrieb Christoph in unserer Review.

Mary Yalex „Bright Lights“ (Yalex Recordings)

Wir hatten Mary Yalex bereits länger im Blick, aber leider hat sich unsere Vorstellung etwas hingezogen. Die Wahlleipzigerin widmet sich einem sehr atmosphärischen, melodiösen House und bringt alles selbst auf ihrem eigenen Label heraus. „Lang gedehnte Synth-Chords und Streicher erzeugen immer wieder eine opulente Erhabenheit, die von dazwischen aufflackernden Field Recordings vor allzu pathetischer Überladenheit bewahrt wird.“ Der Track „Bright Lights“ steht da eher exemplarisch für ihr melancholisch eingefärbtes Album „Beyond Borders“.

Markus Masuhr „Grey Calmness“ (Pragmat)

Richtig dark wurde es im April mit Markus Masuhr. Sein neues Album „The Trepidation Lack Depth“ geht weg vom Dancefloor und taucht tief in eine ausgekühlt klingende Welt ein. “Markus Masuhr bewegt sich mit den acht Tracks eher ins Avantgarde. Mit einer kompletten Öffnung der Strukturen, ästhetisch in leeren und ruinösen Industriehallen verortet. Wie klangliche Stillleben aus einem unwirtlichen Sperrgebiet wirken Tracks wie ‚Grey Calmness‘.“ Beängstigend passend, dass dieses Album genau im 30. Jahr nach der Tschernobyl-Katastrophe herauskommt.

Leibniz „Grind“ (Shtum)

Auch Leibniz raute seine eh schon oft vorhandenen Kanten weiter an. Auf dem Uncanny Valley-Sublabel Shtum brachte er eine neue EP, die einerseits ein neues Roughness-Level erreichte, andererseits ins Breakige übergeht. „Grind“ flashte uns da besonders. Denn es „mündet nach seinem sphärischen Intro in ein Beat-Dickicht mit schweren Basswogen und hektisch rasselnden Breaks-Samples. Auf der Ortloff-Platte sorgte das schon einmal für großartige Momente.“

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Neu entdeckt: Mary Yalex

Es ist längst überfällig, Mary Yalex vorzustellen. Vor einem halben Jahr entdeckten wir sie erstmals – und schon da war es überfällig.

Denn: Mary Yalex lebt seit acht Jahren in Leipzig und produziert mindestens ebenso lang elektronische Musik. Anfangs viel Ambient und Electronica mit dem Keyboard ihrer Mutter. Irgendwann erweiterte sie ihr Set-up um eine Roland MC 808, legte einfach Beats darunter und formte so einen sphärisch-geschichteten, sehr melodiösen House-Sound daraus.

Lang gedehnte Synth-Chords und Streicher erzeugen immer wieder eine opulente Erhabenheit, die von dazwischen aufflackernden Field Recordings vor allzu pathetischer Überladenheit bewahrt wird. Und doch bleiben die Ambient-Einflüsse immer herauszuhören. Es sind introvertierte, tiefsinnige Stücke, die Mary Yalex zuletzt hervorgebracht hat – zwischen Listening-Session und Club verortet.

Musikalisch bewegt sie sich damit durchaus in der Nähe von Labels wie Dial, Smallville und Kann Records. Doch wie auch die Gestaltung der naturalistischen Artworks übernimmt die gebürtige Erfurterin das Veröffentlichen ihrer Musik komplett selbst. Yalex Recordings heißt ihr Label und dient ausschließlich als Plattform für die eigenen Stücke. In den vergangenen vier Jahren brachte sie darüber zwei Alben und mehrere EPs heraus. 2015 stand gänzlich im Zeichen von „Beyond Borders“: neben dem gleichnamigen Album, mit dem Mary Yalex ihren Sound weiter verfeinerte, folgten im Herbst zwei EPs mit B-Seiten und Remixen.

Obwohl sie auch viele Platten sammelt, liegen ihr Live-Sets weitaus mehr – nur war davon in der Stadt noch nichts zu hören. Vielleicht liegt es daran, dass sie der Leipziger Szene bislang keine Berührungspunkte hatte. Dafür einige nach außen, wie es scheint – allein auf Soundcloud folgen Mary Yalex fast 1.000 Leute. Übrigens: Der kanadische Blog ADSR führte im letzten Sommer ein kleines Interview mit Mary Yalex. Unbedingt als Ergänzung lesen.

Mary Yalex Website / Facebook / Soundcloud / Bandcamp

Klinke Auf Cinch „Four“ (Analogsoul)

Neulich gab es bei uns eine Remix-Premiere zur neuen Klinke Auf Cinch-EP. Nun ist alles offiziell draußen.

Mit der Vier wird auf „Four“ auf mehreren Ebenen gespielt: vier neue Tracks, vier verschiedene Gastsänger, dazu vier Remixe und alles auf der vierten Vinyl-Veröffentlichung von Klinke Auf Cinch.

Unabhängig davon rückt bei „Four“ der Pop- und Downbeat-Aspekt im Schaffen von Clemens Kynast und Lutz Hartmann stärker hervor als beim letzten Album „Highs & Hills“. Anstelle offener Strukturen wird sich auf dreiminütige, luftige Songs konzentriert. Alle süß melancholisch eingefärbt, langsam gleitend, voller organischer Bass-Wärme und mit sehr viel HipHop-Nicken. Sonntagsmusik im besten Sinne.

Und doch bewegt mich in erster Linie „Keen“ mit Arpen am Mikrofon. Wahrscheinlich weil mit Arpens Stimme einfach jeder Song gewinnt. Aber es ist auch der reduzierte HipHop-Electronica-Mix im Hintergrund, der eine eigene Spannung aufbaut. Erst etwas reserviert und unnahbar, später öffnen sich für einen kurzen Moment die Wolken und lassen das ganze vorher verdeckte Licht hindurch strömen. Hier wird die jazzige Downbeat-Leichtigkeit auf „Four“ aufgebrochen.

Jakob Korn, Marbert Rocel, Dude26 und Reed Flavor haben sich die „Four“-Stücke zum Remixen aufgeteilt. „Keen“ wird da zu richtig trockenem HipHop mit Rock-Schlagzeug, verliert aber irgendwie dadurch auch seine ursprüngliche Magie.

Dude26 überträgt „Clsr“ in den Beatmaker-Kosmos, während Marbert Rocel „Tett“ auf sehr gute Weise entschlacken und zugleich trippiger abdämpfen. Hier gefällt mir der Remix tatsächlich besser als Original – auch weil alles gedehnter und weniger glatt klingt.

Jakob Korn ist schließlich der einzige, der auf den Dancefloor schaut. Aber auch mit trocken stolpernder Bassdrum und zaghaft aufkeimender Euphorie. Ebenfalls ein großer Gewinn für diese EP.

Club-Update

Die Leipziger Club-Szene bleibt in Bewegung. In letzter Zeit vermehrt an clubkulturell weniger erschlossenen Ecken.

Zuerst geht es nach Eutritzsch. Dort sind in diesem Frühjahr sowohl eine Schließung als auch eine Eröffnung in unmittelbarer Nähe zu erleben.

Mitte März gab der E35-Verein bekannt, das er mit sofortiger Wirkung keine Musikveranstaltungen mehr durchführen dürfe. Damit war das kulturell bespielte Gelände mit seinem Keller wirtschaftlich nicht mehr zu halten. Es wäre jedoch so oder so im Sommer zu Ende gewesen, da der Mietvertrag auslief und eine Verlängerung nicht in Sicht war, wie es in der LVZ kurz nach der Schließung hieß. Das plötzliche Ende durch das Ordnungsamt machte jedoch einen geordneten und würdigeren Ausklang unmöglich.Einen Kilometer weiter stadteinwärts beginnt dagegen ein neues Clubprojekt. Am Wochenende um den 30. April eröffnet das So&So in der Theresienstraße, unweit des Studentenladens TV Club. Viel zu sagen gibt es dazu jedoch noch nicht. Die Betreiber möchten lieber den Ball flach halten und sich momentan nicht öffentlich äußern. Fest steht: Der Umbau des Gebäudes der ehemaligen PGH Fliesen-Keramik hat sich scheinbar über zwei Jahre hingezogen. Die Ankündigung für einen neuen Ort liegt bereits zwei Jahre zurück. Im letzten Sommer gab es dann neben dem Clubgelände ein Open Air, ein Jahr später scheint alles bereit zu sein.

Zum zweitägigen Grand Opening spielen draußen und drinnen neben den ersten So&So-Residents wie Nikolas Noam, Fritsch, Josia Loos sowie Herr & Frau Schmidt auch einige Gäste aus Berlin und Rostock, die vom Sound her alle in Richtung deep bis ravigen Tech House gehen.

Damit rüber in den Südosten der Stadt – nach Stötteritz. Seit Januar finden dort alle zwei Wochen Partys in einem Laden namens Charlytown statt. In einer ehemaligen Fischmarinadenfabrik haben sich Nico und Holger in DIY-Attitüde einen Ort aufgebaut, den sie verschiedenen Party-Crews zur Verfügung stellen.

Es ist also kein Club im klassischen Sinne, sondern eher eine Spielwiese, die die Betreiber in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Crews immer neu und wild dekorieren – da ragen halbe Autos aus der Wand und dem Boden oder es stehen Elektromobile herum. Beide setzen nicht auf ein wöchentliches, zweitägiges Programm, sondern auf ausgewählte Nächte.

Der Raum dafür stand lange leer und liegt direkt neben der Werkstatt, in der die beiden sonst arbeiten. Doch es geht natürlich auch darum, diese Ecke in der Leipziger Clubkultur zu besetzen.

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Anmeldung läuft: Elektronische Schallplattenbörse

Vinyl-Junkies aufgepasst: Am 7. Mai findet wieder die Elektronische Schallplattenbörse auf Carlos Terrasse in der Feinkost statt – parallel zum dortigen Flohmarkt. Hier könnt ihr einen ganzen Tag lang in den Kisten diverser Menschen nach neuen Lieblings-Platten wühlen. Noch besser: Ihr könnt auch selbst eure Lieblings-Platten verhökern oder tauschen. Und das bei hoffentlich bestem Wetter in gemütlicher Atmosphäre.

Natürlich liegt der Fokus auf elektronischer Musik, aber sicherlich werden auch andere Musikrichtungen vertreten sein. Auch CDs und Tapes freuen sich über neue Besitzer. Wer seine Plattenspieler, Mischpulte und Synthesizer nicht mehr mag, kann hier ebenfalls auf Käufer hoffen.

Hier die Fakten:

Datum:
07.05.2016 | 10-16 Uhr

Location:
Carlos Terrasse in der Feinkost (Innenhof)

Anmeldung und weitere Informationen unter:
espb[at]vinyl20[dot]com

Standgebühr:
5 €

Leibniz „shtum 011“ (Shtum)

Rau klangen die Stücke von Leibniz schon immer – und doch gibt es auf der neuen EP nochmals eine Steigerung.

Überraschend kommt das nicht mal. Schon die gemeinsamen Tracks mit Credit 00 auf Rat Life offenbarten eine kompromisslose und teilweise dissonante Schroffheit. Solo ist es „This It“ in zwei Versionen, das mit minimalem Sound-Einsatz die ursprünglichsten Rave-Ansprüche auslotet. Derb kickende Bassdrums, scharfe HiHats und maximal zwei modulierende Sounds zum Aufbrechen der Loops – weiter als im „Brecht Mix“ lassen sich die Abfahrts-Trigger kaum mehr reduzieren. Beim „Scuff Mix“ verstärken darke Synths und helle Strings die martialische, rasende Strenge sogar noch einmal. Aber ja, dieser roughen Ursprünglichkeit lässt sich nur schwer entkommen.

Mit „Foolish“ und „Grind“ knüpft Leibniz an seinen bisherigen Clash von Rauheit und Schwelgerei an. Helle, scharfgezeichnete Chords neben super trockenen Bassdrums. Allerdings kommen bei beiden Stücken mehr Breaks- und Jungle-Elemente mit rein. Besonders „Grind“ mündet nach seinem sphärischen Intro in ein Beat-Dickicht mit schweren Basswogen und hektisch rasselnden Breaks-Samples. Auf der Ortloff-Platte sorgte das schon einmal für großartige Momente. Auf der „shtum 011“ wird es zu meinem Highlight.

Ein anderes Leibniz-Highlight gab es neulich als Free Download auf Watch The Hype: Dort haute Leibniz einen Edit mit Vocals des britischen Grime-Producers Skepta heraus. Ein Hit aus seinem Live-Set. Und mit ähnlicher, aber anders gestrickter Trigger-Einfachheit, wie auch „This It“. Leibniz bestätigt es im Interview dort: „Probably not the most intellectual thing I’ve ever done, but it works on the dance floor.“

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Premiere – Klinke Auf Cinch

Hier kommt unsere erste Track-Premiere überhaupt. Die Jenaer Band Klinke Auf Cinch ist zurück auf Analogsoul und bei uns bekommt ihr einen ersten Vorgeschmack.

Es sind tatsächlich über drei Jahre her seit dem letzten Klinke Auf Cinch-Album „Highs & Hills“. Das hat mich doch überrascht. In der Zwischenzeit ist Band-Mitglied Lutz Hartmann nach Leipzig gezogen und es wurde in Jena eine neue EP mit vier verschiedenen Sängerinnen und Sängern produziert, die nächste Woche bei Analogsoul herauskommen wird.

Vorab gibt es bei uns den Marbert Rocel-Remix von „Tett“ als Stream zu hören – das Original haben wir ebenfalls daneben gestellt. Beide Versionen passen perfekt zu einem gedimmten und entschleunigten Sonntag. Zurückgelehnter Pop mit der Jenaer Sängerin Paula Akinsinde sowie Bass und Trompete von Lilabungalows Dave Bönsch und Patrick Föllmer.

Marbert Rocel rauen „Tett“ ganz dezent an und entzerren den Pop. Damit bringen sie mehr eine Trip Hop-Note rein, die „Tett“ sehr gut tut. Übernächste Woche stellen wir dann die gesamte EP vor.

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Markus Masuhr „The Trepidation Lack Depth“ (Pragmat)

Ok, das hier hätte schon längst mit erwähnt sein müssen – Markus Mashur hat ein neues, sehr einnehmend-düsteres Album.

Unterkühlt und dystopisch war Markus Masuhrs Techno-Sound in letzter Zeit öfter. Bei seinem Album „The Trepidation Lack Depth“ mündeten die offenen Sessions jedoch in eine experimentellere Richtung. Bassdrums und schnelle hypnotische Schleifen für den Dancefloor spielen da nur eine untergeordnete Rolle.

Markus Masuhr bewegt sich mit den acht Tracks eher ins Avantgarde. Mit einer kompletten Öffnung der Strukturen, ästhetisch in leeren, ausgekühlten und ruinösen Industriehallen verortet. Wie klangliche Stillleben aus einem unwirtlichen Sperrgebiet wirken Tracks wie „A Mere Formality“, „To Be In Abeyance“, „Rough Bindweed“ und „Grey Calmness“.Sie umrahmen den mittleren Teil des Albums, der aus vier rhythmischeren Tracks besteht, ohne den dystopischen Rahmen zu verlassen. Die präzisen Verknüpfungen der Basslines und Bassdrums rufen bei mir schnell Assoziationen zum digital-signalhaften Sound vieler Raster-Noton-Acts hervor. Nur das es Markus Masuhr wesentlich rougher und weniger cleaner angeht. Aber er erzeugt hier eine ähnlich springende Dynamik mitten in einem elektrischen Spannungsfeld.

„The Trepidation Lack Depth“ ist ein tiefgehendes, durchaus verstörendes Artist-Listening-Album, das Markus Masuhrs Sound um eine großartige Facette erweitert. Der CD im Vinyl-Look liegt übrigens wieder ein Bild bei – und passenderweise mit einer Aufnahme aus einer leerstehenden Fabrik.

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Duktus „Hannah“ (ThinkLoud & Resistant Mindz)

Ein Wiederhören mit Duktus: Seine neue EP „Hannah“ ist nicht nur die erste Solo-Veröffentlichung von ihm, die auf Vinyl erscheint, sondern ist zudem seiner dreijährigen Tochter gleichen Namens gewidmet. Dabei beschränkt sich ihre Rolle bei der Entstehung der Platte nicht auf die der Inspirationsquelle, nein, ganz praktisch durfte sie auch die Vorlage für das Siebdruckcover gestalten.

Duktus erzählt anhand von sechs Tracks Episoden aus dem Zusammenleben mit seiner Tochter. Selbstvergessen wie ein Kind beim Spielen beginnt die EP mit dem atmosphärischen „In Your Room“, um gleich danach mit dem housigen „One O Clock“ stärker die Aufmerksamkeit zu suchen.

Wie stark sich Duktus derweil von seinen im HipHop verankerten Beats löst, wird spätestens mit „Light Up My Night“ klar. Der Groove behält trotz seiner Verspieltheit einen typischen Swing bei, wie man ihn sonst eher von britischen Produzenten kennt. Zu „Hannah’s Playground“ lässt sich dann nicht nur der Kopf wieder einfacher nicken, auch als Untermalung zum Kinderzimmer-Aufräumen eignet sich der Track. Repeat-Funktion nicht vergessen!

Gleichzeitig treibend wie auch behutsam zieht der Beat von „Hold You Close“ an, begleitet von einer sich in die Höhe schraubenden Vocal-Sample-Melodie. Ganz ähnlich in der Kombination aus verträumten Sounds und funkigen Beat klingt die EP mit „Lila“ aus.

Duktus lotet weiter den Grenzbereich zwischen tanzbaren, manchmal fast housigen Grooves und einer doch sehr entspannten, zugänglichen Stimmung aus. Er beschränkt sich dabei weniger auf einfach wiederholende Beats wie viele seine Beatmaker-Kollegen. Stattdessen offenbaren sich mehr und mehr Track-Strukturen in seiner Musik, die viel beweglicher und weniger funktional als die gängigen Club-zentrierten Tracks bleiben.

Gleich zwei Labels bündeln ihre Kräfte, um die neue EP von Duktus gebührend zu verbreiten. Sein Stamm-Label Resistant Mindz wird von ThinkLoud unterstützt, in deren Diskographie die „Hannah“-EP bisher als erste Veröffentlichung ohne Rap auskommt. Zusammen lässt sich vielleicht auch mehr Aufmerksamkeit für die Musik von Duktus erzeugen. Zwei Musik-Videos zur EP zeigen jedenfalls schon mal in die richtige Richtung.