20 Jahre Drug Scouts – Interview

1996 entstand aus der Leipziger Party-Szene heraus das Drogenberatungsprojekt Drug Scouts. In diesem Jahr feiert es sein 20. Jubiläum. Zeit für ein ausführliches Interview.

Er ist eine Institution in Leipzig: Und doch ist der Drug Scouts-Laden in der Eutritzscher Straße derzeit von außen kaum zu erkennen. Ein Gerüst verhüllt den Fensterbereich. Nicht weil renoviert wird, sondern als Schutz vor herabfallenden Teilen der maroden Fassade. Lange wird das Drogeninformations- und -präventionsprojekt jedoch nicht mehr in dieser zentralen und dennoch etwas abschüssigen Ecke Leipzigs bleiben. Im Sommer steht ein Umzug an – wohin ist noch ungewiss.

An der wertvollen Arbeit wird sich nichts ändern. Drogen und Clubkultur sind seit jeher eng miteinander verbunden und hier setzen die Drug Scouts seit 20 Jahren an: Sachlich informieren, Empfehlungen und Tipps zum Minimieren der Risiken mitgeben. Das passiert nicht nur am Telefon oder zu den Beratungszeiten des Ladens. Auch die Website der Drug Scouts ist eine wichtige Informationsquelle und Plattform zum Austausch von Erfahrungen und Warnungen. Wir wollten zurückschauen und auf aktuelle Tendenzen blicken – zum Interview traf ich Katrin Schröder, die sich trotz der Jubiläumsvorbereitungen und des laufenden Tagesgeschäfts Zeit dafür nahm.

Nach 20 Jahren gibt es sicher eine Menge auf das zurückgeschaut werden kann. Wie ist es bei euch – habt ihr das im Vorfeld des Jubiläums auch reflektiert?

Es kommt jetzt schon öfter vor, dass wir in die Vergangenheit schauen. Gerade wenn wir über alte Fotos oder E-Mails stolpern und überlegen, was gemeinsame Höhepunkte waren. Was mir in der Rückschau auffällt, ist, dass sich der Stand des Projektes und der akzeptierenden Drogenarbeit an sich auf jeden Fall gewandelt hat. Ich bin nicht seit 20 Jahren dabei, aber ich weiß es aus meiner Anfangszeit vor zehn Jahren, dass man damals sehr viel kritischer betrachtet wurde – zumindest von etablierten Suchtberatungsstellen oder allgemein von der Stadt.

Bei den Userinnen und Usern hatten wir schon immer einen guten Stand. Für die ist das Projekt ja auch entstanden, aber selbst da gab es bei einigen Partygängerinnen und Partygängern das Vorurteil, dass uns alles egal sei, wir würden den Leuten erzählen, dass sie Drogen nehmen sollen, Hauptsache man nimmt ein Ziehröhrchen und alles ist okay. Diesen Ruf hatten wir schon manchmal. Ich glaube in dem Punkt hat sich auch was gewandelt. Es gibt heute mehr das Wissen, dass akzeptierende Drogenarbeit nicht nur heißt, ‚macht mal alle’, sondern ‚denkt darüber nach, was ihr macht, es gibt Mittel und Wege, um Risiken zu minimieren.’

In der Stadt haben wir jetzt auf jeden Fall eine viel stärker anerkannte Position. Wir sind in verschiedenen Arbeitskreisen drin, können bei gewissen Sachen mitreden und haben ein gewisses Back-up, wenn mal etwas passiert, wie vor ein paar Jahren im lokalen Wahlkampf, als wir von der Presse sehr stark angegriffen wurden.

Was waren konkrete Meilensteine?

Für uns greifbar ist ein Preis, den wir vor einigen Jahren von „akzept e.V. – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik“, erhalten haben. Das ist ein Verband von Wissenschaftler_innen sowie Einrichtungen und Trägern der Suchthilfe, der 1990 gegründet wurde, und die Idee von akzeptierender Drogenarbeit sehr weit nach vorn gebracht hat.

Dieser Verband kam ursprünglich eher aus der „Heroin-Ecke“ und wir mussten uns erstmal an sie annähern, weil wir eher aus der Party-Drogen-Ecke kommen. In der Zeit, in der wir so stark angegriffen wurden, haben sie uns auch als eine Art Symbol der Anerkennung den Josh-von-Soer-Preis verliehen. Das war für uns ein schöner und wichtiger Punkt.

Hat sich in der Zeit etwas an der Arbeit geändert, was die Themen, Methoden oder den Umfang angeht?

Gefühlt wird es immer mehr, was wir machen. Wir haben uns aber auch ein stückweit professionalisiert. Anfangs haben hier zwei Jahre lang die Leute ausschließlich ehrenamtlich gearbeitet. Das war eine Initiative aus der Party-Szene heraus – zwar auch mit angehenden Sozialarbeiter_innen –, die das auf die Beine gestellt hat. Dementsprechend hat es auch eine Weile gebraucht, bis es auf dem Level von heute war, bei dem man in Arbeitskreisen involviert ist und intern strukturierter arbeitet.

Was anfangs häufiger war und mittlerweile wieder zugenommen hat, ist die Arbeit auf den Partys. Da waren wir zwischendurch tatsächlich weniger unterwegs. Außerdem kommt die Weiterbildung für Club- und Barpersonal sowie Partymacher_innen immer mehr dazu. Das finden wir sehr cool, weil der Gedanke, dass man sich als Veranstalter_in um seine Gäste kümmert und nicht ignoriert, dass Drogen dort auch eine Rolle spielen, viel mehr in den Köpfen drin ist.Habt ihr mit Angeboten speziell in die Richtung hingearbeitet oder ist bei den Veranstaltern ein anderes Bewusstsein aufgekommen?

Es ist beides, glaube ich. Zum einen bieten wir schon länger einen Kurs „Erste Hilfe im Drogennotfall“ an, der am Anfang viel von Sozialarbeiter_innen, aber immer auch von Party-Gästen genutzt wurde. Es ist einerseits bekannter geworden, dass wir diesen Kurs haben, andererseits ist aber auch das Bewusstsein stärker geworden – vielleicht auch, weil es eine Zeitlang vermehrt zu Notfällen kam, gerade mit GHB/ GBL- und Alkohol-Mischungen.

Es ist ja manchmal so, dass man gezwungen ist, einen Umgang mit etwas zu finden. Dann kann man versuchen, die Substanz zu verbannen und wenn das nicht klappt – was meist nicht klappt –, versucht man einen Umgang damit zu finden. Das kann durchaus mit ein Grund sein.

Wie viele seid ihr insgesamt?

Wir sind drei Festangestellte, die sich zwei Stellen teilen. Dann haben wir meist zwei bis drei Praktikant_innen, zwei unterstützende Honorarkräfte und ganz viele Freiwillige – das ist wirklich besonders. Im Moment sind es tatsächlich über 50 Leute, die mehr oder weniger regelmäßig am Projekt mitarbeiten. Das ist sehr cool, man muss es aber erst einmal handlen. Denn es ist auch neu: Lange gab es einen festen Stamm von 20 Leuten und jetzt sind auch viele Leute von außen dazugekommen, die wir über Partys kennen oder die sagen, ‚das Thema betrifft mich direkt oder indirekt und ich würde gern etwas mit verändern oder lernen, damit umzugehen.’

Wie ist das bei den Beratungen am Telefon oder hier im Laden: Gibt es da Häufungen bei bestimmten Usergruppen?

Im Laden sind bei den jungen Usern unter 27 Jahren die Themen meist Kiffen und Crystal, wenn man es bei den Substanzen festmacht. Dann geht es auch viel um Konsumreflexion: Wo stehe ich mit meinem Konsum? Ist das noch okay oder nicht mehr okay? Oder es kommen Leute, die bereits erkannt haben, dass es zu viel ist und die erstmal nach Unterstützung suchen.

Dabei muss man wissen, dass wir selbst keine Suchtberatung im klassischen Sinne anbieten. Wir begleiten nicht über einen längeren Zeitraum Leute, aber wir können sie darüber aufklären, was es für Möglichkeiten gibt. Mittlerweile finden sich auch Angebote dafür im Internet. Da geht es dann darum, herauszufinden, was das passende Angebot sein könnte.

Als große weitere Gruppe kommen Angehörige zu uns. Eltern und Großeltern natürlich, aber auch immer mehr gleichaltrige Angehörige. Oft konsumieren sie selbst, und wenn sie merken, dass es beim Kumpel, Freund oder der Freundin zu viel wird und dass sie sich verändern, dann fragen sie nach Rat. Das ist natürlich auch schwierig, dem Anderen auf dem gleichen Level zu sagen, dass man das nicht mehr so cool findet – gerade wenn man dem Thema offen gegenübersteht. Manchmal bringen sie die Freunde auch mit.

Wo gibt es aktuell großen Beratungsbedarf?

Bei uns war es nie so, dass eine Sache richtig krass war. Die Klassiker sind Kiffen und Crystal. Crystal hat schon zugenommen, aber das war schon immer ein Thema bei uns, auch Anfang der 2000er Jahre. Schon vor vor zehn Jahren wurde von den Medien eine „Crystal-Welle“ ausgerufen und jetzt ist wieder eine. Es ist auch tatsächlich mehr gerade, aber insgesamt war es recht stetig mit einer leichten Erhöhung aktuell. Ansonsten bleiben Nachweiszeiten und MPU ein großes Thema, besonders am Telefon.

Was neuer ist und mit dem wir hauptsächlich durch die Erfahrungsberichte auf unserer Website zu tun haben, sind Räuchermischungen. Halblegale Substanzen, die man über das Internet erwerben kann und die als Cannabis-Ersatzstoffe gehandelt werden – da haben wir einen extremen Anstieg an Erfahrungsberichten, die seit zwei Jahren zu 98 Prozent negativ ausfallen. Das ist bei keiner anderen Substanz so. Da geht es fast nur um negative Erscheinungen nach dem Konsum und sehr krasse Auswirkungen, wenn man es nach einer Weile absetzt. Die Leute sind da durch ihre schlechten Erfahrungen sehr bemüht, davor zu warnen.Das sind die synthetischen Substanzen, die eine gewisse Zeit legal erhältlich sind, weil die Einstufung ins Betäubungsmittelgesetz immer etwas braucht?

Für die Räuchermischungen gilt das auf jeden Fall. Da sind meist synthetische Cannabinoide drin. Das macht es umso schwieriger, Leute darauf hinzuweisen, worauf sie aufpassen sollten, weil man überhaupt nicht weiß, was drin ist. Der Überbegriff dafür ist Neue Psychoaktive Substanzen (NPS), wo auch Mephedron dazu gehört, was als Badesalz verkauft wird. Die spielen teilweise eine Rolle in unserer Arbeit, aber im Vergleich zu den klassischen Substanzen wie MDMA und Cannabis nehmen diese neuen Substanzen einen relativ kleinen Teil ein.

Die neuen Substanzen werden häufig von sehr experimentierfreudigen Leuten konsumiert, die gern etwas ausprobieren und das oft durchdacht angehen. Ansonsten sind es aber meist Leute, die Drogentests zu befürchten haben und darauf ausweichen, weil die meisten dieser Substanzen nicht nachgewiesen werden können. Oder Leute im Strafvollzug, weil sie daran eher herankommen und regelmäßig getestet werden.

Aber es gibt auch sehr junge Leute, die aus Unwissen darauf kommen – von wegen: ‚Das kann ich mir im Internet bestellen. Das wird schon nicht so schlimm sein’. Oder weil sie auf Dörfern ohne Zugang zu anderen Quellen leben und dann im Internet bestellen.

Gutes Stichwort: Internet. Wie hat sich das in letzten Jahren bemerkbar gemacht?

Ich denke nicht, dass das Dark Net an sich einen großen Einfluss auf die User_innenzahlen hat, weil die Leute, die es machen wollten, immer schon einen Zugang dazu hatten. Mit dem Internet ist es natürlich bequemer und es gibt eine kleine Gruppe von jungen Leuten, die das vielleicht nicht gemacht hätten, wenn sie nicht Zugang durch den Freundeskreis bekommen hätten.

Aber ich würde behaupten, dass die meisten im Internet nicht einfach Crystal bestellen, um es mal auszuprobieren, sondern die kommen durch das Umfeld vorher dazu. Manchmal liest man auch, dass es Leute sind, die früher konsumiert haben und es jetzt wieder einmal probieren möchten, aber keine Connection mehr haben. Aber ich wage zu bezweifeln, dass sich dadurch die Konsumzahlen erhöht haben.

Wird heute anders konsumiert als vor 10 oder 20 Jahren? Geht man vorsichtiger um?

Meinem persönlichen Eindruck nach gibt es beide Schienen. Bei vielen jungen Leuten habe ich das Gefühl, dass sie sehr reflektiert mit dem Thema umgehen und bei denen ich auch sehr beeindruckt bin, wie sie sich Gedanken über ihren Konsum machen. Teilweise schreiben sie es sogar auf, damit sie nicht die Kontrolle verlieren.

Und gleichzeitig ist auch immer wieder zu hören, dass es eine nachwachsende Generation gibt, die mit dem Konsum noch etwas „unkomplizierter“ umgeht, weil sie in eine Szene hineinkommt, in der viel konsumiert wird und in der Leute schon etwas älter sind und vielleicht schon einen Umgang damit gefunden haben, der ihnen erlaubt, den Konsum gut in ihr Leben zu integrieren. Das sieht man aber natürlich nicht: Wenn man auf Party geht und oder auf der Afterhour sitzt, sieht man immer nur wie die Leute konsumieren, kann aber vielleicht gar nicht einschätzen, was die sonst noch im Leben machen. Machen die das jeden Tag? Wenn man dann jedes Wochenende auf der Afterhour ist, sind da ja auch immer Leute, aber vielleicht auch nicht immer dieselben, weil nicht immer alle das jedes Wochenende machen.

Aber mir wird manchmal zurückgemeldet, dass sich Leute Sorgen um Jüngere machen und das Gefühl haben, dass diese sehr unreflektiert konsumieren: Von allem, was gerade da ist ein wenig, egal ob das „Sinn macht“ und egal ob sich die Wirkungen gegenseitig aufheben. Das liegt natürlich nicht in unserer Hand und ich möchte das nicht beurteilen: Sie sind halt jung und machen das, was sie machen wollen. Es ist zumindest noch nicht so, dass wir sagen können, alle wüssten nun Bescheid und wir brauchen nicht mehr zu informieren. Es gibt auf jeden Fall weiter Bedarf.

Gibt es in der Leipziger Clubkultur Besonderheiten was die Drogenarten oder den Umgang mit Drogen angeht?

Mit Details würde ich mich eher zurückhalten, gerade was den Vergleich mit anderen Städten angeht. Wir betrachten ja mit Leipzig doch nur einen Ausschnitt. Was Klar ist, dass Crystal in allen ostdeutschen Clubs bis runter nach Bayreuth eine große Rolle spielt. Das ist mittlerweile auch in Berlin angekommen, aber hier ist es ganz anders integriert und auch schon seit Jahren.

GHB/GBL ist ebenfalls eine Droge, über die die Leute hier am Infostand sprechen wollen oder für die Dosierungshilfen mitgenommen werden. Das passiert woanders auch, aber wenn wir bei Festivals in Nordrhein-Westfalen sind, ist das weniger. Aus dieser Perspektive kann ich es beurteilen. Sonst sind es die Klassiker und auch Ketamin, wobei das mittlerweile auch in vielen deutschen und europäischen Städten eine Rolle spielt.

Mittlerweile scheint das Bewusstsein bei den Leipziger Clubs ausgeprägter zu sein bis hin zu einem richtigen Safer-Clubbing-Programm im Institut für Zukunft. Inwieweit wart ihr da involviert?

Mit den Leuten der Safer-Clubbing-Crew im IfZ gibt es tatsächlich personelle Überschneidungen von unseren Freiwilligen, durch die das Know-how mit einfloss. Auch bei dem Programm haben wir zusätzlich ein Feedback gegeben. Da war eine Connection da, sie ist es auch weiterhin, weil wir regelmäßig das IfZ-Personal schulen.

Ist das für dich der optimale Ansatz, den ihr euch für einen bewusst handelnden Club wünscht?

Es wäre total super, wenn es das noch mehr geben würde. Aber ich muss auch sagen, dass es beim IfZ sehr vorbildlich ist. Es ist genauso nachvollziehbar, dass nicht jeder Club eine eigene Safer-Clubbing-Crew stemmen kann. Aber es gibt ja auch andere Clubs bei denen wir das Personal geschult haben oder bei denen wir Infostände machen.

Ich denke, das ist enorm wichtig: Personalschulung ist ein ganz großer Schritt, damit die Leute wissen, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen können. Es ist ja auch klar, dass neben Alkohol auch andere Drogen konsumiert werden und da ist es gut, wenn die Wahrnehmung generell geschärft wird und nicht erst, wenn richtig große Probleme aufkommen. Es ist am Ende auch ein Service den Gästen Safer-Use-Material oder Informationen zur Verfügung zu stellen. Das kommt immer mehr an, was auch gut so ist.Wie oft seid ihr selbst mit euren Ständen vor Ort?

Letztes Jahr waren wir auf 15 Veranstaltungen in Leipzig. Und dann sind unsere Freiwilligen immer wieder auf Festivals wie der Fusion und dem Nachtdigital dabei.

Die Veranstalter buchen euch quasi und zahlen einen Unkostenbeitrag?

Genau. Gerade auf größeren Festivals müssen die Betreiber den Stand auch bezahlen – Fahrtkosten und eine Aufwandsentschädigung für das Material, das wir ausgeben. Die Freiwilligen bekommen kein Geld. Es ist leider nicht machbar, obwohl sie richtig viele gute Sachen machen. Ohne sie könnten wir die Angebote nicht aufrechterhalten. Sie machen zwar größtenteils die Nachtarbeit, aber da gehört auch vorher viel dazu mit Packen und Organisieren.

Gerade die Organisation mit den großen Festivals hat hauptsächlich ein Freiwilliger in die Hand genommen und das ist schon beeindruckend, was sie da reißen. Beim niederländischen Psy-Fi-Festival waren wir ein Team mit Leuten aus sechs Ländern und er hat das alles koordiniert.

Drug Checking bietet ihr selbst nicht an?

Nein, das dürfen wir nicht. Es geht in Deutschland generell nicht. Bis jetzt: hoffentlich bald in Berlin.

Wie sind die Erfahrungen aus Ländern, in denen es erlaubt ist? Wie oft weichen die erwarteten Inhaltstoffe von den tatsächlichen ab?

Genaue Prozentzahlen kann ich nicht nennen. Aber allgemein ist es so, dass sich überall dort, wo es Drug Checking gibt, tendenziell die Qualität verbessert hat. Phasenweise lässt sich beobachten, dass eine Substanz auftaucht, die dann statt MDMA viel in Ecstasy enthalten ist. Das ist teilweise ein europaweiter, teilweise nur ein lokaler Trend. Jetzt ist es seit einer ganzen Weile eher so, dass Ecstasy-Tabletten sehr hoch dosiert sind – mit teilweise über 200 mg pro Tablette –, was natürlich auch nach hinten los gehen kann.

Die andere Sache sind die Neuen Psychaktiven Substanzen, wie Mephedron, was ähnlich wie Ecstasy wirkt und als Ersatzstoff verwendet wird. Ansonsten ist Kokain tendenziell öfter gestreckt und weniger rein als Crystal hier in der Gegend. Wobei ich bei Crystal nicht viele Drug Checking-Ergebnisse kenne, weil das in den Ländern, in denen Drug Checking erlaubt ist, keine so große Rolle spielt wie hier. Bei Speed schwankt es extrem. Da hat man Proben mit 10 Prozent und dann – seltener zwar – auch mit 60 bis 70 Prozent.

Falls es in Deutschland irgendwann legal werden sollte, wäre das eine Dienstleistung, die ihr mit anbieten würdet?

Wir promoten das schon lange und sind auf jeden Fall starke Befürworter des Drug Checking, weil es ganz klar dem Schutz von User_innen dient, wenn sie wissen, wie viel drin oder ob eine arg gesundheitsgefährdende Substanz enthalten ist.

Ich könnte mir vorstellen, dass wir das in Kooperation mit jemand Anderem übernehmen. Das Drug Checking selbst machen ja nur Apotheken oder Chemiker_innen, die sich mit dem Analyseverfahren auskennen. Das ist in vielen Ländern aber immer an eine Drogenberatungsstelle gekoppelt. Diesen Part könnten wir also übernehmen.

Wie kommt ihr an die Warnhinweise – gibt es ein Netzwerk?

Ja, wir bekommen die meisten Informationen aus der Schweiz und aus Österreich. Das ist öffentlich auf deren Webseiten zu sehen, wir bekommen es aber auch direkt zur weiteren Veröffentlichung zugeschickt. Es gibt aber auch europäische Netzwerke, die Drug Checking anbieten und die an mehr Informationen herankommen, aber da werden die Daten nicht veröffentlicht. Aber es ist gut, dass wir auch da in den Netzwerken drin sind.

Teilweise erhalten wir auch Informationen von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. Gerade wenn Räuchermischungen getestet werden, bei denen es in einigen Ländern auch schon Todesfälle gab, kommen auch Warnungen von einer höheren Ebene.

Wie könnt ihr bei den neuen, noch wenig bekannten Substanzen die Wirkungen und Risiken evaluieren?

Das ist total schwer. Manchmal schließt man von einzelnen Inhaltsstoffen auf mögliche Wirkungen. Bei Mephedron zum Beispiel hat man zumindest eine bekannte Stoffgruppe, bei der man weiß, in welche Richtung das geht. Oder wenn etwas auf Medikamenten beruht, kann man sich daran ein wenig orientieren. Gerade bei den neuen Mischungen kann man zwar von der Stoffgruppe etwas ableiten, aber da reicht schon eine kleine Moleküländerung, damit die Wirkung sehr viel anders ausfällt, was beispielsweise den Beginn oder die Dauer angeht – und in dem Bereich stützen wir uns nur auf Erfahrungen der User_innen.

Einerseits ist es gut, dass wir dafür diese Quelle haben, um vor bestimmten Dingen zu warnen. Andererseits ist es natürlich auch ein doofes Gefühl, wenn man nicht wirklich viel Auskunft geben kann, außer noch viel vorsichtiger damit umzugehen, länger zu warten, nicht nachzulegen, auch wenn die Wirkung nach zwei Stunden nicht einsetzt. Da ist das Risikopotential um einiges höher.

Du hast es vorhin schon angedeutet, aber noch einmal vertiefend: Wie ist der politische Rückhalt aktuell?

Ich würde sagen, dass andere Akteure in der Leipziger Suchthilfe auf jeden Fall zusammen hinter uns stehen. Wir haben einen guten Draht zur Suchtbeauftragten und wir sind innerhalb der Stadt mit anderen Beratungsstellungen vernetzt – vor allem mit Projekten, die nach dem gleichen Paragraf wie wir arbeiten. Bei dem letzten Oberbürgermeisterwahlkampf haben wir das auch erlebt, als sich der kandidierende Polizeipräsident Horst Wawrzynski und Teile der Presse mit sehr diffamierenden Aussagen, die hinten und vorn nicht stimmten, auf uns gestürzt haben.

Da gab es in der LVZ und der Bild Zeitung große Schlagzeilen. Da haben wir auch von einigen Parteien im Stadtrat Rückhalt bekommen, aber besonders von anderen Suchtberatungsstellen der Stadt. Das war nicht immer so öffentlich, aber wir haben es mitbekommen. Wäre das vor 15 Jahren so abgelaufen, hätte es auch sein können, dass so ein Projekt schnell weg vom Fenster ist.

Das zeigt schon, dass wir heute auf jeden Fall mehr Anerkennung haben, aber dass wir als Projekt nach wie vor sehr angreifbar sind – viel mehr als andere Projekte. Eine klassische Suchtberatungsstelle so vorzuführen, hätte wahrscheinlich keiner gemacht. Die Street Worker hatten auch ein wenig ihr Fett abbekommen, aber das sind eben alles Leute, die akzeptierend arbeiten.

Wenn man nun einen Bericht aus unserem Erfahrungsberichtsforum aus dem Zusammenhang reißt, aus einem Faltblatt nur einen Satz zitiert oder man nicht darüber nachdenken möchte, warum unser Ansatz nicht ist, Leuten etwas zu verbieten, weil wir es gar nicht können, dann kann man das leicht nehmen, um Stimmung gegen uns zu machen. Darum geht es ja in der Politik auch. In der ganzen Diskussion ging es nie um Argumente, es ging um den Austausch von polemischen Aussagen. Uns hat auch nie jemand dazu gefragt.

Das war schon sehr faszinierend und ein sehr einschneidenden Erlebnis. Einerseits sind wir zwar durch den Rückhalt und die Unterstützung unserer Freiwilligen etwas gestärkt herausgegangen, aber andererseits war es schon auch schockierend, auf welchem Level diese politische Stimmungsmache funktionieren kann.

Abschließende Frage: Was sind die Pläne für nähere Zukunft?

Auf jeden Fall unser Umzug. Falls jemand einen schönen großen Laden kennt, kann sich gern an uns gewendet werden. Ansonsten weitermachen. Im Zuge des 20. Geburtstags gibt es auch einige Vorträge über das restliche Jahr verteilt. Da geht es um konsumierende Angehörige, Frauen und Drogenkonsum, Drogentests mit Nachweiszeiten.

Wir wollen uns auf jeden Fall mehr auf die Weiterbildungen für Clubpersonal konzentrieren – da ist die Nachfrage aktuell sehr hoch. Ein großes Ziel ist schon, den Safer-Clubbing-Gedanken weiter voranzutreiben. Und natürlich haben wir wieder eine Party organisiert – damit wollen wir Danke sagen, besonders unseren Freiwilligen. Es ist jedoch eine öffentliche Party, zu der alle kommen können, die mit uns feiern mögen.

Blac Kolor / Micronaut / Remixe

Ende März gab es zwei Remix-Zusammenstellungen – und sie fielen sehr unterschiedlich aus.

Das Ausgangsmaterial könnte auch kaum verschiedener sein. Einerseits die breakig-düsteren Stücke des zweiten Blac Kolor-Albums „Born In Ruins“, andererseits die hymnisch-breakige Electronica von Micronauts „Happy Family“-EP.

Nun können Remixe ja eine spannende oder überflüssige Erweiterung des Sounds sein. Bei Micronaut ist beides passiert. Da bringen Akia und Clicks And Errors mit ihren Versionen neue interessante Electronica-Kanten ein, während Erolflynn und Stephan Zovsky auf wirklich schlimme Weise einen plumpen und blutleeren Tech House-Rave-Sound drüberstülpen.

Chris Manura bounct das weitflächige „Wise Grandpa“ zu einem  stromlinienförmigen Trance-Track und übersteigert damit jenes Pathos, mit dem Micronaut selbst immer knapp an der Übertreibung experimentiert.

Auch bei Blac Kolor steckt Pathos in den Originalen, das in Remixen leicht ins Unangenehme kippen könnte – doch es kommt nicht dazu. Größte Überraschung ist der Beitrag der eigentlich aufgelösten Wave-Indie-Band The Galan Pix. Bis 2008 gehörten sie zu einer der wenigen Leipziger Bands, die auch international wahrgenommen wurden.

Ihr Remix öffnet „Doomed“ zu einem weniger bedrückenden und harschen Electro-Stück, dem aber irgendwie die Dramaturgie abhanden kommt. DSX schafft es da besser, den Track zu entschlacken und in der neurotischen Hektik des Originals auf den Dancefloor zu bringen.

Generell setzen alle Remixer irgendwie auf Entschlacken und Geradeziehen. Im besten Fall kommt so sogar etwas Wärme und Deepness in den Blac Kolor-Sound – die Remixe von Aktivist und Square7 sorgen da für besondere Lichtblicke. Mit Templeton und Georg Bigalke kommen außerdem zwei weitere Leipziger Producer vor, die beide auf klar geschnittenen Techno setzen. Bei Georg Bigalke mit ungewohnter Leichtigkeit.

Micronaut Website
Blac Kolor Website
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Oliver Rosemann „Pointing From The Moon“ (Earwiggle)

Ein neuer Name bei frohfroh – dabei ist Oliver Rosemann schon seit zehn Jahren mit Releases dabei.

Allerdings eher im Verborgenen bzw. in einer Nische für härteren Techno, rundum die zahlreichen Producer des ehemaligen 10/40-Clubs hinter dem Hauptbahnhof. Oliver Rosemanns Diskografie füllt sich seit zehn Jahren kontinuierlich, mit XOR Records hat er 2012 auch ein eigenes Digital-Label gegründet.

Die letzte EP „Pointing From The Moon“ ist für mich das erste Mal, dass ich von dem Leipziger etwas mitbekomme. Drei hochgradig loopige, in sich verschlungene Techno-Tracks, die ihre Kraft mehr aus den Soundspiralen als den tighten Bassdrums entfalten. Sofort werde ich hineingezogen in einen Sog aus neurotischer Unruhe und formaler Strenge – „Pinging“ ist dabei mein Favorit. Techno-Reduktion to the fullest.

Berlins Techno-Held Sleeparchive bringt mit seinem Remix von „Crust“ noch eine deutlich schroffere und zuweilen brutale Härte auf diese EP – inklusive industrial-inspirierter Noise-Attacken. Dagegen wirken Oliver Rosemanns Originale beinahe poetisch. Auf jeden Fall eine spannende Neuentdeckung – wenn auch eine etwas späte.

ReedFlavor „Kies“ (Resistant Mindz)

Weiter geht’s bei Resistant Mindz. Nach dem Forecast 2016 folgt nun das Tape „Kies“ von ReedFlavor. Zwanzig Beats sind hier versammelt, von denen die sechs „Keep It Easy And Simple“-Skits das Tape thematisch zusammenhalten.

Fast schon konservativ im HipHop verankert sind die Beats auf „Kies“ – jedenfalls für Resistant Mindz-Verhältnisse. ReedFlavor beweist dennoch einen treffsicheren Sample-Geschmack und haut uns rohe Ausschnitte aus der reichhaltigen Soul- und Jazz-Vergangenheit um die Ohren. Gerade die Remixe zu den Acapella-Raps von beispielsweise Del Tha Funky Homosapien, Artifacts oder MF Doom zeigen, dass diese Kombination wie die Faust auf’s Auge passt und zeitlos bleibt.

Im direkten Vergleich vermisse ich aber etwas den verspielteren, humorvolleren Charme des Vorgängers „Subbeatnik“. Da Beattapes aber auch immer als Showcase für die Skills der Producer fungieren, ist ein klassischerer Ansatz vielleicht auch gewollt. Wer weiß, vielleicht werden wir in Zukunft öfter Rapper hören, die auf Instrumentals von ReedFlavor ihre Weisheiten zum Besten geben.

ReedFlavor Soundcloud
Resistant Mindz Website
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Five Favs – März 2016

Wir schauen zurück auf die Höhepunkte bei unseren Musikvorstellungen des Vormonats – es ist Zeit für die Five Favs des März.

The Road Up North „Dreammachine / Drive Alone“ (City By Night Records)

Der März ging sehr gut los mit einer Neuentdeckung. The Road Up North bündelt sein Musikhochschulen- und Gewandhaus-Know-How in eine EP „voller Sound-Details, filigran zusammengesetzt zu drei- bis vierminütigen Power-Tracks. Rhythmisch geerdet zwischen  HipHop, Drum & Bass, Dubstep und Broken Beat.“ Unser Highlight aus der „Flora-EP“: „Dreammachine / Drive Alone“.

Simon12345 & The Lazer Twins „Norbron Sjinjowkriaw“ (Holger Records)

Im März stellten wir auch etwas verspätet das Team-up von zwei der spannendsten Leipziger Labels vor: Holger Records veröffentlichte die klangliche Metamorphose von Doumens Simon12345 & The Lazer Twins hin zum Proberaum-Kraut-Rave. „Einfach alles roh belassen, eine gewisse derbe und rockistische Plumpheit in Kauf nehmen und damit den House-Floor abbrennen.“ Und zwischendurch beruhigend-ungeschliffene Electronica. Unser Favorit der „Cheveux Propres, Cheveux Gras“-EP: „Norbron Sjinjowkriaw“

Sonnenstadt „Rising Tides“ (Airdrop Records)

Zacharias Bähring überzeugte uns im März mit seinem Downbeat-Nebenprojekt Sonnenstadt. Einmal, weil solch ein Sound in Leipzig nicht oft auftaucht und außerdem, weil Sonnenstadt hier für einige sehr beseelte Momente sorgt. „Klar, da schwingt etwas New Age-Kitsch mit in den überweichen Streicherflächen und den Ambient-Synths. Doch die grundoffene, weichgezeichnete Stimmung der Stücke hat durchaus eine anziehende Kraft.“

IIx „651“ (Break The Surface)

Im März zeigte Ilx auf Break The Surface, wie es klingt, wenn man bei Drum & Bass-Tracks einfach mal die Beats weglässt. „IIx subtrahiert auf den sieben Tracks einfach die Drums, wodurch das restliche Arrangement stehen bleibt. Heraus kommt, was auf Soundcloud augenzwinkernd mit ‚Powerambient‘ getaggt ist und erstaunlich gut funktioniert.“ Besonders „651“ zog uns in den Bann.

Ale Mania „Center (Mick Wills Intro Edit)“ (Sign Bit Zero)

Im März kam auch die erste Platte von Sign Bit Zero heraus. Ursprünglich als Party-Reihe für dunklere Wave-Sounds gestartet, wollte Kilian Krings auch alte Post-Punk- und Wave-Perlen mit Edits auf den Dancefloor bringen – mehr dazu in unserem Interview. Für die erste Platte stretchte Mick Wills den Song „Center“ der kalifornischen Band Ale Mania. „Heraus kommen zwei wehmütig-schleppende, analog schillernde Wave-Hymnen.“

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Philipp Matalla „Kiba“ (Kann Records)

Kann Records ist enorm gut ins neue Jahr gestartet. Nach dem cmd q-Debüt folgt eine noch bessere Philipp Matalla-EP.

Gleich vorweg: Es gibt eindeutig zu wenig Musik von Philipp Matalla. Drei Jahre liegt seine letzte EP zurück – ebenfalls von Kann Records veröffentlicht. Mit der neuen hier, der „Kiba“-EP übertrifft er sich nochmals selbst. Besonders weil er den Fokus auf musikalische Freiheit und Tiefe und weniger auf bescheidene Club-Funktionalität legt.

Dreiviertel der EP ist ein cosmic-sphärischer Mix aus Downbeat, Electronica, Field Recordings und in gewisser Weise elektronischem Free Jazz. Da schälen sich aus dem Rauschen plötzlich Soul-Samples und eine schrammelige Blues-Gitarre heraus, um am Ende wieder im Signalton-Nirvana unterzugehen. Überall leichte Übersteuerung und Patina, überall golden schimmernder Rost und trotzdem große Beseeltheit. Wie glücklich und verschroben zugleich kann Musik eigentlich noch klingen?

Der Titel-Track ist dann wieder auf dem Weg zum House-Floor, trägt aber ebenfalls diesen diffus-milchigen Sound-Filter der anderen drei Tracks und er wird getragen von einem undurchdringlichen Beat-Rasseln. Trippig und zerbrechlich, verwischt und unwirklich, voller weirder Zwischentöne und einer überpoetischen Gitarre.

Nach den Releases von KitkaliittoThings From The Basement und Johannes Beck wagt sich Kann Records mit „Kiba“ ein weiteres Mal neben den Dancefloor und gewinnt damit 100 Bonuspunkte on top. Eine der besten Platten des Labels.

Philipp Matalla Facebook
Kann Records Website
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Good Guy Mikesh „Cookies EP“ (Spiel)

Beim Dirt Crew-Sub-Label Spiel kam Mitte März eine neue EP von Good Guy Mikesh heraus. Mit good vibes.

Es ist schon wieder ein Jahr her, dass Good Guy Mikesh mit einer eigenen EP zu hören war. Betrachtet man die letzten beiden EPs  „Year Of The Horse“ und „From Another Planet“ schien sich bei Good Guy Mikeshs Solo-Stücken immer deutlicher eine Dichotomie aus hymnischer Disco-Leichtigkeit und verschlungener, weniger berechenbarer House-Schwermut herauszubilden.

Bei der „Cookies EP“ rücken diese Gegenparts aber näher zusammen. Wirklich rough und dark wird es bei keinem der vier Stücke. Dafür irgendwie cineastischer. Die lang ausladenden Synth-Harmonien bei „Corone“, „Whim“ und „Why Not“ legen sofort imaginäre Sequenzen zu Roadtrips oder Bergflügen frei.

Alles mit etwas weniger Pop-Appeal als zuletzt, Vocals sind nur noch als winzige Spuren dabei. Dafür gefallen besonders „Whim“ und „Why Not“ durch ihre sphärische Losgelöstheit und die ruhigeren bis sperrigeren Zwischenparts. „Cookie“ ist dagegen große Disco-Leichtfüßigkeit. Feinsinnige Dance-Musik, die auch abseits des Dancefloors bewegt.

Good Guy Mikesh Website
Dirt Crew Recordings / Spiel Website
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Sven Tasnadi „Balanced EP“ (20/20 Vision)

Ein Jahr nach seinem Debüt beim britischen Label 20/20 Vision bringt Sven Tasnadi eine weitere EP dort heraus.

Irgendwie herrscht gerade eine unangenehme Stagnation in Sven Tasnadis Sound. Da gibt es einen cleanen Tech House-Beat und darüber werden scheinbar wahllos irgendwelche Töne und Vocal-Samples geschoben, fertig. Je nach Färbung klingt das dann ravig, albern oder einfach belanglos. Das ist alles äußerst schade, konnte Sven Tasnadi doch einst mit einem sehr vielseitigen House-Sound überzeugen.

Die vier neuen Tracks auf 20/20 Vision liefern aus musikalischer Sicht lediglich eine weitere Randnotiz in Tasnadis Diskografie. „Different Times“ ist der einzige Ausreißer mit etwas mehr dramaturgischer Tiefe und Deepness – zumindest bis zum Break in der Mitte.

Am Ende ist der EP-Titel das einzig Stimmige – hier ist alles ausbalanciert im Sinne schaler Funktionsmusik.

Sven Tasnadi Facebook
20:20 Vision Facebook
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Rückblick auf zwei Moon Harbour-Monate

Moon Harbour unterstützte zuletzt den Nachwuchs mit Jey Kurmis und einer neuen Compilationreihe. Aber nicht nur das – auch ein Wiederhören mit DJ T. gab es.

Der zweite Release von Moon Harbour im Jahr 2016 stammt von einem Produzenten, dessen Name mir bisher nicht untergekommen ist. Jey Kurmis ist ein junger Brite, der optisch mit seinen langen blonden Haaren und dem Sechs-Tage-Bart wie ein Charakter aus Game Of Thrones wirkt und musikalisch nach Tech House klingt.

Auf seiner Facebook-Seite finden sich derzeit zahlreiche neue Releases von ihm, die er zum Beispiel auf dem Londoner Label Hot Creations, auf dem spanischen Label Wow! und zuletzt auf Moon Harbour veröffentlicht hat.

Seine „Refresh EP“ für das Leipziger Label ist ein klassischer Tech House-Release mit drei Tracks, die nach Peaktime klingen. So richtig fresh sind sie dennoch nicht. Beim Titel-Track, den Jey Kurmis zusammen mit Nukov & Yelmet aus Belgien produziert hat, sind weder die Vocals noch der Aufbau des Tracks besonders innovativ.

„Refresh“ klingt kalkuliert, als hätte Jey Kurmis ihn extra für Glücksmomente in der Panorama-Bar konzipiert, in denen die Jalousien kurz aufgehen und das Publikum euphorisch aufschreit. Was fehlt sind Momente, die aus dem Rahmen fallen – etwas, das einen Track speziell und tiefsinnig macht. Jey Kurmis EP klingt eher nach einem Versuch, House-Musik zu produzieren, die funktioniert. „Refresh“ ist für mich eher ein Fastfood-Housetrack, als ein wirklich kreatives Werk.

Ein Wiederhören gab es mit DJ T. – nach seiner letzten Moon Harbour-EP im letzten Sommer. Und er ist sich nicht zu schade, in seinen eigenen DJ-Charts für März auf Resident Advisor gleich zwei eigene Nummern in den Top 5 zu platzieren.

Auf Platz 5 ist sein neuer Release auf Moon Harbour – die „Music Is Therapy“-EP. Der titelgebende Track ist ebenfalls eine Tech House-Nummer, ebenso mit Vocals versehen. Im Gegensatz zur EP von Jey Kurmis wirkt „Music Is Therapy“ aber vielschichtiger und durchdachter.

Vor allem der zweite Track „Our House“ ist wunderbar leicht, ohne dabei zu oberflächlich oder blumig zu sein. Ein schöner Track für die kommende Open Air-Saison, der einfach bockt. Der dritte und letzte Track „You And Me“ mit Joe Le Groove fällt im Gegensatz zu den ersten beiden in Sachen Kreativität etwas ab, ist aber solide.

Äußerst passend zu den ersten verheißungsvollen Sonnenstrahlen Ende März hat Moon Harbour zuletzt die Mini-Label-Compilation „Orbiter 1“ veröffentlicht. Mit der „Orbiter“ startet das Label eine neue Compilationreihe, die Newcomer neben bereits etablierte Label-Acts stellen soll.

Die erste Ausgabe fügt sich dabei dem typischen techhousigen Moon Harbour-Sound und alle vier Tracks versprechen einen fluffigen und tanzbaren Frühling. Vier Tracks verschiedener Produzenten sind hier zu hören, neu dabei im Moon Harbour-Kosmos ist das bosnisch-niederländische Duo Zlatnichi & Joey Daniel.

Das Highlight auf der EP kommt aber von Andrea Oliva, der auf dem Leipziger Label bereits einen Track und Remix veröffentlichte. „Whasa Whasa“ lässt mit Trommeln und fröhlichen Vocals die Vorfreude auf die Open Air-Saison wachsen. Dass die Nummer so leichtfüßig klingt, dürfte kein Zufall sein, denn Andrea Oliva gehört zu den Residents des Ushuaïa auf Ibiza und ist zudem bei Lucianos Label Cadenza Music zu Hause.

Zlatnichi aus Sarajevo und Joey Daniel aus Rotterdam stellen sich auf der „Orbiter 1“ neu bei Moon Harbour vor. Ihr beigesteuerter Track „Is That Jackson“ kommt zwar erst nach einigen Minuten so richtig in Fahrt, überrascht dann aber durch seine Live-Atmosphäre, die klingt als sei der Track auf einem Gig der beiden aufgenommen worden.

Moon Harbour Website
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Neues Label – Sign Bit Zero

Jetzt wird es dark – Sign Bit Zero bringt einen Post Punk- und Dark Wave-Vibe auf den Dancefloor. Label-Gründer Kilian Krings erklärt, was er vorhat.

Und wieder formt sich in Leipzig aus einer Party-Reihe ein neues Label. In der jüngeren Vergangenheit passierte dies bereits öfter: Pneuma-dorBoundless Beatz, Bassmæssage, Lunatic, Blackred oder Zwischenwelten wagten sich irgendwann mit eigenen Residents und bei Partys geknüpften Kontakten auch an das Veröffentlichen von Musik.

Bei Sign Bit Zero war es ganz ähnlich. Allerdings bringt das Label einen bisher in Leipzig wenig beachteten Sound heraus, der die House- und Techno-Kultur mit Post Punk, Eighties Wave, Industrial und Dark Wave verbindet. Viel im Edit-Format, bei dem mehr oder weniger alte und bekannte Songs behutsam in Dance-Tracks übertragen werden.

Als DJ brachte Kilian Krings diese Mixtur in den vergangenen Jahren mehrfach in Clubs wie das Institut fuer Zukunft, Goldhorn, Dr. Seltsam und Blaue Perle. Nun also auch auf Vinyl – zusammen mit Alza54 von Modern Trips, der die Gestaltung der Sign Bit Zero-Cover übernimmt.

Für die erste Platte widmete sich der Stuttgarter Mick Wills dem Song „Center“ der kalifornischen Wave- und Post Punk-Band Ale Mania und stretchte ihn in zwei Versionen mit geraderem Fokus und neuen Elementen für den Dancefloor. Heraus kommen zwei wehmütig-schleppende, analog schillernde Wave-Hymnen.

So episch wird es nicht immer bleiben – die nächsten beiden geplanten Platten werden einen durchaus scharfkantigen, experimentellen und obskuren Sound hervorbringen. Eine sehr viel versprechende Rückbesinnung und Bereicherung der Leipziger Elektronik-Szene. Wir wollten noch mehr wissen und baten Kilian Krings um ein Interview. Here we go:

Bisher hast du Sign Bit Zero-Partys organisiert. Wie kam die Label-Idee?

Die Idee, Sign Bit Zero als Plattenlabel ins Leben zu rufen, hatte ich im Dezember 2014 als Silvester kurz vor der Türe stand. Wie jedes Jahr im Dezember dachte ich kurz darüber nach, ob es irgendwelche interessanten Vorsätze gäbe, welche man sich für 2015 vornehmen könnte.

Dabei gingen mir die Standards, wie mit dem Rauchen aufzuhören, oder öfters an die Uni zu gehen kurz durch den Kopf, wurden dann aber als „Bullshit, den ich eh nicht einhalten würde“ schnell wieder verworfen.

Eine Idee, die mir jedoch immer wieder durch den Kopf ging, kam dann im Zuge dieses inneren Monologs nochmals hoch und mir war klar, dass ich ein Label gründen möchte. Daraufhin hatte ich mit Lukas Mehling, dem Grafiker von Sign Bit Zero, geredet und er fand die Idee ebenfalls gut.

Zudem hatten wir mit dem Partys schon eine geeignete Plattform geschaffen und auch Kontakte und Beziehungen zu diversen Künstlern aufbauen können, wodurch ein einfacher Start als Label möglich wurde.

Musikalisch wird es dark, rau und obskur – was hat dich musikalisch geprägt?

Musikalisch geprägt hat mich besonders das Verlangen nach einem „neuen“ Sound für die Clubs. Nach ein paar Jahren mit House und Techno hatte ich einfach auch keine Lust mehr auf diesen Sound und befand mich auf der Suche nach etwas anderem. So habe ich dann letztendlich über die elekronische Musik wieder zu dem Sound, der mich in meiner Jugend geprägt hatte, zurückgefunden – dem Punkrock und Postpunk, was ja die Wurzeln des Label-Sounds sind.

Des Weiteren inspirieren und prägen mich momentan Künstler und Bands wie Esplendor Geometrico, Beau Wanzer, Ruud Kluivers, Beats per Minute, Maoupa Mazzocchetti, Musumeci, Deutsche Wertarbeit, Mania D, Kriminal Tanzkapelle, Portion Control, und und und …Was reizt dich an dem postpunk-beeinflussten Sound besonders – auch im Gegensatz zu klassischem Techno und House?

Vor allem die provokante Attitude. Besonders interessant finde ich auch, dass in der Musik Themen behandelt werden, die zeigen, dass eben nicht alles schön und harmonisch ist. Gängige Themen sind dann unter anderem Krieg, unsere Gesellschaft, Liebe, Tod und auch oftmals das eigene Empfinden, die eigenen Probleme, was dann oft eine sehr persönliche Beziehung zwischen den Künstlern und ihrerer Musik darstellt.

Außerdem besteht bei der Musik kein kommerzielles Interesse, sondern die Leute machen einfach, was ihnen gefällt. Egal ob es sich verkauft oder die Leute es mögen. Deswegen finde ich, dass es sehr authentische Musik ist.

Für welche Artists wird Sign Bit Zero eine erste Plattform sein?

Bisher wird Sign Bit Zero lediglich für mich eine erste Plattform sein, aber wir fangen ja gerade erst damit an, deswegen wird sich das sicherlich auch noch ändern. Die anderen Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten, haben schon auf diversen anderen Labels releast.

Es wird viele Edits geben – warum und wie wählst du die Originale aus?

Das stimmt, die ersten drei Releases sind mit Ausnahme von zwei Tracks bei der 003 ausschließlich Edits. Wir haben uns dazu entschieden, da wir Musik, die eigentlich nicht für den Club-Kontext bestimmt war oder ist, an die Leute herantragen und auch für DJs spielbar bzw. spielbarer machen wollen.

Denn was die Produktion, das Arrangement und auch leider das Speichermedium – in unserem Falle oftmals schlechte Tapes – der meisten originalen Tracks anbelangt, bedarf es meistens einer Nachbearbeitung. Die meisten Künstler, die auf Sign Bit Zero Edits releasen sind shon seit mehreren Jahren dabei und haben eine dementprechend große Sammlung an Platten oder Tapes. Wir nehmen dann einfach die Tracks, die uns am besten gefallen und zum Label passen.

Wie machst du das: Nimmst du Kontakt mit den Bands und Labels auf, um an die Spuren heranzukommen oder können Edits einfach so angefertigt werden? Auch urheberrechtlich ist das bestimmt eine Frage.

Die kann man einfach so anfertigen. Solange sie ausschließlich für den privaten Gebraucht bestimmt sind, ist da rechtlich nichts zu beanstanden. Wenn es jedoch ums veröffentlichen geht, benötigt man die Rechte der Künstler und der Labels, falls der entsprechende Track vorher schonmal veröffentlicht wurde. Da die Szene jedoch recht überschaubar ist, tritt man mit den Künstlern leicht in Kontakt und bekommt dort schnell auch positives Feedback.

Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist mein Edit von S.M. Nurse „Heimwerker“. Als ich den Edit fertig gemacht hatte, hatten Freunde von mir aus Amsterdam den Edit S.M. Nurse gezeigt und mich mit denen in Kontakt gebracht. Menko von S.M. Nurse fand ihn dann so gut, dass er die Rechte schnell mit Domestica Records geklärt hatte, sodass wir ihn jetzt bald veröffentlichen können.Ich war in Mathe immer eine Null. Was hat es mit der Signed Zero und Gleitkommazahlendarstellung auf sich? Ist das ein rein mathematisches Ding oder sind Ableitungen auf lebensnahe Dinge möglich?

Haha, das ist so eine Sache mit dem Namen … Ich habe selber etwas Zeit gebraucht, um das zu verstehen. Der Begriff kommt von meinem Mitbewohner und guten Freund Torben Jäckel, der Informatik studiert.

Kurz gefasst: Sign Bit gibt lediglich an, ob eine Zahl in der Informatik einen positiven oder negativen Wert annimmt. Das bedeutet: Sobald eine Null an erster Stelle steht, ist der Wert der Zahl positiv und umgekehrt bei einer Eins dann negtativ.

Der Bezug zur „normalen“ Welt besteht darin, dass diese Methode in den meisten Drummachines und Synthesizern verwendet wurde, die auch den Sound unseres Labels prägen. Um ein Paar Beispiele zu nennen: Roland TR707, Kawai R100 oder Roland Juno 60.

Des Weiteren passt zu unseren Namen Sign Bit Zero, dass die Musik, die wir releases ihren Höhepunkt hatte, als Computer und die Digitaltechnik gerade neu waren und ein technischer Umbruch stattfand, welcher dann massiv die gesellschaftliche und künstlerische Entwicklung beeinflusst hatte.

Was ist für nächsten Monate geplant?

Für die nächsten Monate ist einiges geplant, wir arbeiten gerade an folgenden Sachen: Am 15. April wird Sign Bit Zero in der Galerie Echobuecher in Berlin ausgestellt und dort werden auch die Releases SBZ002 mit Edits von Wosto und mir sowie die SBZ003 mit Murray CY-Edits zum ersten Mal zu hören sein.

Einen Tag später startet unsere Collaboration mit dem Label Contort Yourself aus Glasgow und Ohne Ziel. Wir haben dafür ein 24-stündiges Line-up in der Berliner Griessmuehle mit DJs zusammengestellt, die für ihre Sets im Bereich Industrial, Wave und Obscure Electronics bekannt sind. Eine Woche später findet dann noch eine Sign Bit Zero-Labelnight in Leipzig statt, dafür haben wir Alessandro Adriani von Mannequin Records gebucht.

Des weiteren arbeiten wir gerade noch an einer neuen Reihe, bei der wir originale Alben und EPs wiederveröffentlichen. Hierbei geht es darum, dass alles – auch das Design original belassen wird. Im Gegensatz zu den anderen Releases ist uns hier nicht wichtig, ob die Sachen in den Club- Kontext passen oder nicht. Musikalisch soll es exzentrischer werden – zu erwarten sind Punkrock, Free Jazz, Art Rock, Industrial und NDW.

Laurence Guy „Thinking Of You“ (Rose Records)

Schön sporadisch kommt eine neue Rose Records-Platte heraus. Zuletzt mit einem Londoner Gast.

Beim Blick auf die Diskografie fiel mir auf, dass auch Rose Records 2016 sein 5-jähriges Bestehen feiern kann – nicht nur Resistant Mindz und O*RS. 2011 war rückblickend ein wichtiges Jahr für die Leipziger Elektronik-Szene.

Bei Rose Records hat sich in der Zeit enorm viel getan. Mit nur einer Handvoll Platten erspielten sich M.ono, Luvless und Martin Hayes eine internationale Fanbase und zogen eine Menge Aufmerksamkeit von anderen Labels auf sich. Seit dem letzten Sommer ist Rose Records nicht mehr nur die Plattform für eigene Tracks der Label-Betreiber, sondern auch für Freunde des Hauses.

Junktion läutete diese neue Phase ein, Laurence Guy knüpft daran an. Der Londoner ist noch relativ neu dabei, scheint aber ein paar entscheidende Platten veröffentlicht zu haben. Rose Records ist glücklich und glücklich klingen auch die beiden Tracks von Laurence Guy.

Classic Deep House mit feinsinnig eingearbeiteten Soul- und Disco-Essenzen, warm umarmenden Streichern und einem hintergründigen Synth- und Klavier-Taumeln. Das klingt auf sehr gute Weise alles eine Spur gedehnter, hypnotischer und losgelöster als sonst bei Rose Records – und kriegt mich komischerweise auch mehr als bisher. Ein guter Neuzugang.

Rose Records Facebook
Laurence Guy Facebook
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Video – Radiolux „Funken“

Das Avantgarde-Ambient-Trio Radiolux hat ein neues Video – quasi als Oster-Gimmick.

„Funken“ heißt das neue Radiolux-Stück, das Inka Perl mit ihren charakteristischen Live-Animationen aus verschiedensten Gegenständen visualisiert. Dabei wechseln sich in den knapp vier Minuten kaleidoskopartig unzählige Collagen und Arrangements ab, die einzeln betrachtet abstrakt zusammengesetzte Stillleben ergeben.

Musikalisch bleibt „Funken“ im bisherigen Radiolux-Rahmen aus freiem Saxofon- und Klavierspiel und eingebetteter Elektronik von Marek Brandt alias TriPhaze. In unserer Ambient Week hatten wir das Trio näher vorgestellt.