Hash it bigger

Musik aus Leipzig besser finden – mit einem einheitlichen Hashtag soll dies künftig klappen.

Andreas vom Label Analogsoul sollte für die aktuelle Leipzig-Vorstellung vom The Guardian eine Spotify-Playlist mit spannendem aktuellem Pop aus Leipzig zusammenstellen. Ein paar Gedanken weiter gedacht entstand die Idee, all das popmusikalisches Potential der Stadt künftig mit einem einheitlichen Hashtag präsenter zu machen.

Denn vieles geht in dem Wiederkäuen des Immergleichen schnell unter. Mit #ListentoLeipzig kann nun auf allen möglichen Plattformen Musik aus Leipzig getaggt werden. Auch wenn die ursprüngliche Intention mehr auf einen Push des hiesigen Pop-Bereichs zielt, wollen wir uns mit daran beteiligen und auch elektronische Musik aus der Stadt über den Hashtag sicht- und hörbarer machen.

Eigentlich nicht der Rede wert, immerhin ist es nur ein kleiner zusätzlicher Verweis. Aber irgendwie trotzdem eine gute Idee, finden wir. In diesem Sinne #ListentoLeipzig. Weitere Infos dazu gibt es auch im Analogsoul-Blog.

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Aberglauben, Softeis und Flash Lights

Da sind einige Musikvideos entstanden in letzter Zeit – hier gibt es sie alle auf einen Klick.

Filburts Label O*RS ist ja ziemlich am Durchdrehen gerade, ein Release folgt auf das nächste. Zuletzt die überraschend laid-back nuancierte „Softeis“-Compilation. Zu fünf Tracks wurden auch Videos gedreht – Filburt mit Dreirad und großem Kinderschwarm um sich gibt es da beispielsweise zu sehen.

Verschwommene Texturen dagegen bei Panthera Krauses „Condensed Matter“. Klassisch Pop wiederum wird Rankos Kollaboration mit Helen Fares & Phoenix Muhammad visualisiert.

Mit Super8-USA-Familien-Aufnahmen wird „My Face“ von Perel bebildert. Und bei Matt Flores „Vast Citys“ layern mehrere Videos in verschiedenen Software-Fenstern umher.

Bei Micronaut gehören Videos ebenfalls zu einer wichtigen Ausdrucksform. Über mehrere Monate hinweg kamen so einige der besten Tracks des aktuellen „Panorama“-Albums noch einmal zu visuellen Erweiterungen.

Nun auch „Flashlight“ bei dem Arpen gegen den Pathos ansingt. Der Titel wurde von Lukas Adolphi sehr wörtlich genommen: Er arrangierte lauter Blitzaufnahmen so, als sie eine Dramaturgie für diesen Track einstudiert hätten. Sehr groß.

Und noch ein anderes großes Video. Dieses Mal aber kein Musikvideo, sondern ein animierter Kurzfilm, der von Niklas Kraft vertont wurde. Im „Lexikon des Aberglaubens“ gibt es einige abstruse Tipps gegen Heimweh, Cholera und mehr.

Von Elenor Kopka stammen die schwebenden Illustrationen zu denen Niklas Kraft einen passenden Soundtrack produziert hat, der den Clash aus Ironie und Bedrückung aufgreift. Es ist nicht das erste Mal, das die beiden zusammengearbeitet haben.

Achilles „High School Lovers“ und Taask „Levering Repose“ (Sweet Nectar Tapes)

Aufmerksame Leser erinnern sich vielleicht: „High School Lovers“ ist das erste Release des Labels Sweet Nectar Tapes und wurde vom Label-Macher Achilles produziert. Für die sieben reduzierten, ungeschliffenen Tracks wurden ausschließlich Synthesizer und Drum Machines verwendet und ohne Overdubs auf Band aufgenommen. Hört man das Tape mit all dem rotzig-charmanten Rauschen, wird einem schnell bewusst, wie geglättet und sauber im Vergleich dazu die meisten Produktionen klingen.

Dass Achilles für die angekündigte Vinyl-Version des ersten Tapes seinen Ansatz natürlich nur bedingt durchziehen kann, liegt auf der Hand: Ist das Rauschen im Kassetten-Radio Teil der Soundästhetik, würde es im Club eher für Irritation sorgen, ob die Nadel ausgetauscht werden muss oder ein Teil des Mixers kaputt ist. Daher bekommen die fünf Stücke auf der Platte ein zusätzliches Mastering verpasst, dass den Tracks – hört man sie im direkten Vergleich – durchaus gut tut.

Zurück zum Rauschen: Ein zweites Tape – „Levering Repose“ von Taask – ist ebenfalls erschienen. Acht rohe Jam-Sessions sind hier versammelt, allesamt mit einem 4-Spur-Rekorder aufgenommen. Zunächst haben wir es hier ebenfalls mit roughen House zu tun, der sich über mehrere Minuten hinweg entfaltet.

Nach den ersten drei Stücken ändert Taask ein wenig die Richtung. Gerade der angezerrte, funkige Techno bei „Soft Coat“ erweitert angenehm die Sound-Palette. Mit seinen geisterhaften Vocals wirkt der trocken pumpende „Stringer“ wie ein Gegengewicht zu den verträumteren Flächen in „Cavitation“. Genug Abwechslung also, um auch Taask demnächst eine eigene 12″ zu gönnen.

Vorhören könnt ihr die Tracks wieder auf der Seite des Labels.

Sweet Nectar Tapes Website

Perm „Shtum 008“ (Shtum)

Drei Monate kein Text, vier Monate keine Rezension – nun taste ich mich wieder an frohfroh heran. Und Perm hilft mir dabei.

Es ist nicht zu glauben, aber diese EP auf dem Uncanny Valley-Sublabel Shtum ist Perms erste komplette Solo-EP. Längst überfällig nach mehreren überzeugenden Compilationsbeiträgen – u.a. bei Kann Records und Nachtdigital.

Perm steht ja für die große Hypnose im Techno, mit den vier Tracks hier formuliert er sie in unterschiedlichen Facetten aus. Sehr dark und scharfkantig, dann wieder hell und beseelt flirrend, im nächsten Moment mal mehr mal weniger rough und breakig eingebettet in das Acid-Revival.

Was aber immer bleibt bei Perm ist dieser strikte Fokus auf die zeitliche Entgrenzung. Alles wirkt wie ein Moment, dicht verwoben, so dass man sich dem Sound kaum entziehen kann und dran bleiben muss. Besser lässt sich für mich die Rückkehr gerade nicht vertonen.

Perm ist übrigens nicht der erste Leipzig-Act auf Shtum: Die Dresdner hatten im letzten Jahr auch eine tolle Leibniz-EP veröffentlicht.

Perm Facebook
Shtum Website
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Various Artists „Softeis“ (O*RS)

Filburt erhöht abermals die Release-Dichte und sammelt auf dem zweiten Album des Labels befreundete Künstler. Liest man die Namen der Artist, wundert man sich zunächst über die kurze Dauer der Tracks. Nicht über vier Minuten sind diese, was für House doch eher unüblich ist. Doch die große Überraschung zeigt sich erst, sobald man die Musik hört: Wie auch schon beim ersten Album – dem OverDubClub-Sampler – bleibt hier die gerade Bassdrum außen vor. Und das funktioniert wunderbar.

Dass Filburt sich mit O*RS auch gern vom House löst und andere musikalische Ecken erkundet, ist ja nichts Neues. Aber sein gutes Händchen für die Track-Selektion erstaunt mich hier dann doch. Obwohl ich viele der beitragenden Künstler eher mit straighteren Bassdrums assoziiere, bewegen sich die Tracks abseits davon, passen aber wunderbar zusammen.

Während bei „Ignition (ReShape)“ vom Freund der Familie noch die gerade Bassdrum durch den Dub-Techno-Nebel schimmert, schenkt uns Panthera Krause mit „Condensed Matter“ watteweiche Beats irgendwo zwischen Hustensaft-Synthesiezern und Sonnenuntergangs-Melancholie. „Vast Citys“ von Matt Flores ergänzt diesen Sound mit flüsternden Vocals zur Großstadt-Einsamkeit. Ein Hit durch und durch.

Jan Ketel kreuzt Sandwüsten-Gitarre mit angeglitchten Beats, um von den Opossums im Hinterhof zu erzählen. Ranko probiert sich zusammen mit Helen Fares und Phoenix Muhammad am Neon-Soul aus. Thomas Schulz zeigt uns, dass Gangsta-Electronica zugleich verspielt und gefährlich klingt.

Das Vinyl-Only-Stück „Nferior“ von Area schnattert da etwas friedfertiger vor sich hin, während „Orangement“ von Red Panda uns wieder vor den dunkleren Orten der Stadt warnt. Filburt schenkt dem „Vanilla Flavour“ unbekümmert-versöhnliche Hymne. Perel feiert mit „My Face“ entrückt-leiernden Boogie.

Wie eine Erinnerung an bessere Zeiten wirken die Samples, welche RJ mit einem schleppenden Beat bei „xxx“ unterlegt. Ron Deacons Jazz-Stück „Outer Drive“ führt diese seltsame Wehmütigkeit fort. DEO & Z-MAN ziehen die Geschwindigkeit im angejazzten „If I Had“ nochmal an, bevor Daniel Stefanik das Album mit seinem Grenzgang zwischen Klaviermusik und kosmischer Musik beendet.

Obwohl der Titel „Softeis“ diese gewisse Sommer-Leichtigkeit suggeriert, verbirgt sich das gesamte Album immer so eine misstrauische Vorahnung. Als könnte die vordergründige Idylle jederzeit platzen. Vielleicht ist das der Grund, warum mich das Album auch nach mehrmaligen Hören so packt. Vielleicht ist es aber auch das Gefühl, dass der fehlende Fokus auf den Dancefloor die Musik der Beteiligten viel spielerischer und befreiter klingen lässt als sonst.

O*RS Bandcamp
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ReedFlavor „Subbeatnik“ (Resistant Mindz)

Das Label Resistant Mindz hält weiterhin die Flagge für instrumentale, sample-basierte Beats hoch und hat bereits im Mai eine digitale EP von ReedFlavor herausgebracht. Uns erwarten hier 16 kurze Beat-Skizzen, die allesamt genauso bunt und spaßig sind wie das fantastische Comic-Cover von David Fischer. Zusammengehalten werden sie durch eingestreute Skits und einer Menge Vocal-Samples, wodurch ein gewisser Hörspiel-Charakter entsteht.

Während uns das Intro erstmal ordentlich Gitarren vor den Latz knallt, begeistern vor allem Stücke wie „In The Green Countryside“ oder „Have A Look“ durch ihre fröhliche Unbekümmertheit. Das quirlige „If The Beats Allright“ erfreut sich an abstrusen Jazz-Loops; „Istan“ hingegen erinnert in seiner hyper-nervösen Kombination aus arabischer Musik und beschleunigten Bass-Attacken an aktuelle Juke- und Footwork-Sounds.

ReedFlavors in einer eintägigen „Subbotnik-Session“ zusammengestelltes Beat-Tape zeigt ziemlich gut, wieviel Spaß diese roh zusammengezimmerten Instrumentals aus HipHop-affinen Kreisen immer wieder machen. Natürlich könnten die Stücke länger und ausgefeilter sein, aber vielleicht würde genau das diese funkige Energie kaputt machen, die zum Kopfnick-Training animiert.

ReedFlavor Soundcloud
Resistant Mindz Website
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Various Artists „Ov3r Construct10n – The Final Chapter“ (Alphacut Records)

Nun also das letzte Kapitel der ausgedehnten Zehn-Jahres-Feier: Uns erwarten elf Remixe von Tracks aus dem umfangreichen Back-Katalog des Labels sowie ein Medley der Tracks vom Chef LXC selbst.

Erste große Überraschung: Die Tracks gibt es komplett digital in allen möglichen Formaten auf archive.org. Das steht augenscheinlich im Kontrast zum bisherigen Vinyl-zentrierten Schaffen des Labels, könnte aber auch als neue Öffnung gegenüber den Fans interpretiert werden. Vergleicht man die Anzahl an Soundcloud-Klicks o.ä. mit der eher geringen Auflage der Platten, macht das sicherlich Sinn. Konsequent bleibt man hier beim DIY-Ansatz: Wenn eh schon niemand davon reich wird, warum dann überhaupt erst auf Bandcamp oder gar Streaming-Dienste setzen? Ein Hinweis auf Paypal-Spenden könnte finanziell genauso viel oder wenig bringen.

Beim Überfliegen der Tracklist macht sich bemerkbar, wieviele Artists mittlerweile schon auf Alphacut ihren Platz gefunden haben. Da verliert man schon mal den Überblick, was so auf den letzten zwanzig Platten passiert ist. Vielleicht auch, weil zwischendurch der Fokus auf den Sub-Labels 45Seven und Alpha Cutauri lag. Beim schnellen Durchhören wird aber auch deutlich, dass es schon eine eigene, gemeinsame Sprache ist, die hier mal laut gebrüllt, mal leise gemurmelt wird. Und mit der lassen sich wunderbare Geschichten erzählen.

Wer das Abenteuer abkürzen will, greift dabei auf LXCs Medley zurück. Ansonsten funktionieren die einzelnen Tracks wie Episoden einer langen Erzählung. Die ersten sechs sind dabei alte Bekannte – sie wurden bereits auf den drei 10-Inches der Ov3r Construct10n-Serie veröffentlicht. Konzentrieren wir uns also auf die anderen Remixe:

Paranoid Society remixen den „Jump Funk“ von Martsman, geben dabei sowohl die Flächen als auch die bleepige Melodie, die das Stück zum Hit machte, zugunsten einer düsteren Atmosphäre und fieser Amen-Attacken auf. Bis auf einige Breakbeats fehlt mir hier ein wenig der Bezug zum Original. Das macht den Remix eher zu einem eigenständigen Track, der indes ordentlich rockt und eine prima Verfolgungsjagd hergibt.

„Dusty Stylus“ von Morphy wird gleich zweimal überarbeitet. Fade schenkt uns hier eine Voodoo-Dub-Version, die ähnlich beklemmend ist wie die Vorlage. Von allen Seiten schieben, klappern und zischeln die Drums hier, Vorsicht! Aufgeräumter sind diese wiederum in der „Crystal Dust“-Version von [kju:bi]. Auch hier wird das Original behutsam um mysteriöses Geschnatter und paranoide Flächen ergänzt. So stelle ich mir die Stimmung vor, wenn man im Dschungel permanent unruhig über die Schulter schaut.

Eine alles platt walzende Bass-Lawine präsentiert uns Sub mit seinem Remix zu Hexers „The Bomb“. Statt dessen rollende Beats gibt es hier ein knochentrockenes Halfstep-Gerüst, zu dem wir durch die postapokalyptische Einöde stapfen.

Dissidents leichtfüßiges „Swimming In The Soup“ kriegt von Muted einen leichten Hip Hop-Einschlag verpasst. Ja, zu diesem Outro können sich alle Drum’n’Bass-Helden nach bestandenen Abenteuern gelassen an den Pool zurückziehen, der hoffentlich wenig mit Suppen gemeinsam hat.

Weitere Abenteuer stehen uns mit der dritten Alphacut-Welle bald bevor – demnächst auch hier.

Alphacut Records Website
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Thomalla „Imaginary Solutions“ (Riotvan)

Wie auch schon die vorhergehenden Veröffentlichungen auf Riotvan, hört man den Hang zum schwelgerischen Pop auch bei „Imaginary Solutions“ deutlich heraus. Das ist nicht weiter verwunderlich, ist Thomalla vor allem als Teil des Band-Projekts „The/Das“ bekannt, mit dem er sich irgendwo zwischen den Koordinaten House und Indie-Pop bewegt und gerade von Festival zu Festival hangelt.

Nach vergleichendem Hören geht mir allerdings Thomallas vorliegende Solo-EP besser rein. Vermutlich, weil es hier keine Vocals gibt und die Producer-Skills im Vordergrund stehen. Dabei fällt vor allem auf, wie organisch und auch musikalisch sich die fünf Tracks jeweils entfalten: Spielerisch werden mehrere Sound-Ebenen auf- und abgeschichtet, wodurch die Tracks nicht nur im DJ-Mix funktionieren, sondern auch auf der heimischen Anlage ansprechend bleiben. Dabei kreisen sie zumeist um einige Hauptelemente, die den roten Faden vorgeben. Und das klappt hervorragend.

Schon der Opener „Pataphysics“ schraubt sich mit einigen Acid-Verweisen, die aber nicht retro klingen, in euphorische Höhen. Als Bonus sorgen Steel-Drums für ein leicht tropisches Feeling.

„Hamam Hotness“ besticht dagegen durch wunderbar spacige Synths, die durch Echo-Effekte eine beeindruckende Tiefe erreichen. Fantastisch, wie Thomalla uns hier in andere Sphären zu katapultieren vermag.

Spannend auch der Detailreichtum in den Percussions bei „Hermitage (Full Beard Mix)“, die gleichzeitig auch melodisch eingesetzt sind. Harmonische Flächen vermeiden aber, dass der Track dadurch zu anstrengend wird.

Ähnlich clever funktioniert das Zusammenspiel auch in „Oh Sunday“. Wenngleich hier der Name des Tracks eine Untermalung der allgemeinen Sonntags-Müdigkeit verspricht, erinnert der Track eher an durch eine Überdosis Koffein angeregten Spontan-Aktivismus.

Als digitalen Bonus-Track gibt es noch den „Long Hair Mix“ von „Hermitage“, der sich nur im etwas DJ-freundlicherem Aufbau vom „Full Beard Mix“ unterscheidet.

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Riotvan Website
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Jascha Hagen „Pan That Shit Out“ (Mana All Nite)

Eigentlich eine logische Sache: Etablierte Party-Reihen gründen Labels und fördern Musik, die auf den eigenen Veranstaltungen gespielt wird, aber vielleicht keine andere Plattform findet. Setzt sich das Label auch überregional durch, ergibt das wiederum einen super Werbe-Effekt für die Veranstaltungen.

Noch einfacher wird es allerdings, die ganze Sache als etabliertes DJ-Duo zu starten. Dann erspart man sich den regelmäßigen Veranstaltungsstress. Dachten sich auch Manamana und senden nun die erste Mana All Nite in die Welt. Und die hat es in sich: Zwei absurd funkige Stücke von Jascha Hagen sind darauf zu finden.

„Pan That Shit Out“ beginnt mit einem langsamen Groove und mutiert – einige heruntergepitchte Schizo-Vocals später – zum epischen Disco-Killer mitsamt Gitarren-Licks und Breitband-Synths. Das ist so unverschämt funky, dass Jascha Hagen beim Produzieren wohl ein Dauergrinsen im Gesicht hatte. Auch „Afternoon Of A Faun“ dürfte ihm ebenso viel Spaß bereitet haben, anders kann ich mir die Tiergeräusche-Samples gleich in der ersten Minute nicht erklären. Dazu kommen dann verhalltes Synthie-Geschnatter, verspielte Orgel-Klimpereien und allseits beliebte Disco-Strings.

Zwei absolute Knaller also, die uns aus dem Deep-House-Tiefschlaf aufwecken. Was für ein Label-Start!

Jascha Hagen Facebook
Manamana Facebook

Duktus „June EP“

Duktus meldet sich zurück mit einer kleinen EP. Wie auch sein Beitrag zum OverDubClub-Sampler stellt er eine sonnige Lässigkeit in den Mittelpunkt, als würde er seine Sounds direkt von amerikanischen Westküste zu uns senden. Nun ja, da sich auch in unseren Breitengraden so langsam ein ernsthafter Sommer bemerkbar macht, passt der Name der EP glücklicherweise auch zur Grundstimmung der drei Tracks.

Wirklich verrückt: Mir kommt es vor, als würde Duktus den perfekten Sommerabend beschreiben. Egal, ob man im Cabrio oder zu Fuß zum nächsten Biergarten schlendert – der Opener „Get It“ eignet sich hervorragend, den ruhigeren Teil des Tages einzuläuten. „This Groove“ verweist dank seines leicht knarzigen Basses auf die Party-Vorfreude, die sich manchmal in den letzten hellen Stunden des Tages breitmacht. Zum Schluss befinden wir uns mit dem schnelleren „Tick Tick“ schon im nächtlichen Trubel zwischen Kneipe und Club. Fehlt eigentlich nur noch eine EP für den Morgen danach. Wie es wohl klingt, wenn Duktus Übernächtigung, Kopfschmerzen und verrauchte Klamotten als Inspiration dienen?

Duktus bei Soundcloud
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The Micronaut „Polka Dot EP – Part Two“ (Voltage Musique)

Auch auf der zweiten „Polka Dot EP“ gibt es zwei Stücke von Micronaut, welche – wie schon beim Vorgänger – durch den Remix-Wolf gedreht werden.

Der Hit der EP ist ganz klar „Close Up Picture“ und zeigt einmal mehr, dass die große Pop-Geste Micronauts Stärke ist. Natürlich muss man diese mögen, sonst kriegt man spätestens ab dem Drop Probleme mit den arg pathetischen Melodien. Dafür ist es hervorragend produziert und es verwundert nicht, dass Micronaut im allgemeinen Festival-Zirkus ganz gut dabei ist.

Im Kontrast dazu ist „Jet“ ein pumpendes Electro-Stück, dass einen ganz eigenen Drive entwickelt. Ziemlich verspult, aber auch funky.

Die drei Remixe sind noch ein Thema für sich. Der Helms-Remix von „Jet“ glättet die Verspultheit zugunsten eines überraschungsfreien Track-Aufbaus. Wohin Marquez Ill mit seiner Version desselben Titels möchte, ist mir noch weniger klar. Einzig Mooryc zeigt mit seiner Überarbeitung von „Close Up Picture“, dass das besser geht und rückt einige Elemente des Originals in den Mittelpunkt. Dass der Beat an Burial erinnert, ist bestimmt nicht die schlechteste Assoziation.

Micronaut Website
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Axel Thoma & Efka „Evergreen EP“ (Esoulate)

Es ist schon erstaunlich, wie man sich durch Musikrezensionen in Genres reinhören kann. Denn eigentlich ist House so gar nicht mein Metier. Das ist auch ein Grund, warum ich die EP von Axel Thoma & Efka vor mich hergeschoben habe – um dann umso überraschter zu sein.

Dabei beginnt die EP relativ trocken mit „Evergreen“ bis plötzlich ein funky eingespieltes Rhode-Piano einsetzt und zum Glück auch über die Länge hinweg uns erfreut. Obwohl es super zur sommerlichen Trägheit passt, bleibt das Stück vor allem durch den Bass Tanzflächen-tauglich.

Ähnlich geht es weiter mit „40 Degrees“: Keine Ahnung, wo die Vocals herkommen, aber sie erzählen uns – untermalt mit allerlei Dschungel-Gezwitscher – von der Stimmung auf einer tropischen Insel. He, bei mir im Dachgeschoss ist es zum Glück nicht 40° heiß, aber warm genug, dass das meine heimliche Longdrinkhymne werden könnte. Auch hier wieder ein schöner Jazz-Einfluss.

Der Titeltrack bekommt außerdem zwei Remixe geschenkt: Arsy aus Berlin ergänzt die Rhodes durch entrückte Synthesizer-Melodien und spielt etwas mehr mit den Drums. In der fünften Minute stolpern wir beim genaueren Hinhören über spaßige Hintergrund-Stimmen. Die „Eva-Green“-Bearbeitung von Label-Mate Sené Ceanes ist dann nochmal eine Ecke schräger und besitzt die spannendensten Drum-Samples der EP sowie zusätzliche Vocals-Schnipsel, cool eingesetzt.

Scheinbar gibt es in der House-Landschaft vermehrt ein Bedürfnis nach mehr Funk und Spaß. Ich glaube, dass tut der Musik gut.

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