Gumbagt mit Sven Tasnadi

Wolkramshausen feiert und Sven Tasnadi ist mit dabei. Eigentlich nicht so der Rede wert. Sein Track aber schon.

„Gumbagt“ heißt er, veröffentlicht auf der Compilation „Wolke wird 18“. In der Nähe von Nordhausen residiert seit ziemlich langer Zeit ein Club namens Wolke, mittlerweile gibt es auch ein Label dazu. Eben dort ist die Compilation herausgekommen.

Der schlurfende Beat und die gegenläufig ambienten und experimentellen Sounds machen „Gumbagt“ zu einer kleiner besonderen House-Perle. Hätte klanglich eigentlich auch auf sein „Slow“-Album gepasst. Für 10 € gibt es die Compilation direkt im Wolke-Shop.

Auf der CD sind auch Daniel Stefanik und Juno6 versteckt. Die beiden haben sich ja öfter zu Ambient-Sessions getroffen. Anfangs stand Sensual als Name dafür im Raum. Später wurde daraus Birds Two Cage daraus.

Und mit „Scipfeereld“ gibt es hier wahrscheinlich das erste veröffentlichte Stück aus der Zusammenarbeit. Downbeat mit großen Ambient- und Field Recodings. Für die ruhigeren Momente.

Aber noch einmal kurz zurück zu Sven Tasnadi: bei Soundcloud hat er einen Edit von Josh Winks „Don’t Laugh“ als Free Download hochgeladen. Bei den Live-Sets mit Juno6 war das Stück schon zu hören und da passt es auch hin. Wird viel gelacht darauf.

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Daniel Stefanik „In Days Of Old Pt. 3“ (Kann Records)

„In Days Of Old Pt. 3“ ist Daniel Stefaniks erstes musikalisches Lebenszeichen nach seinem letzten Album. Und der finale Teil der dreiteiligen EP-Reihe.

Vor drei Jahren startete die „In Days Of Old“-Reihe, mit der sich Daniel Stefanik seinen prägenden, musikalischen Wurzeln widmete. Neun Tracks sind am Ende entstanden – parallel zu den einzelnen EPs wurden sie nun auch noch einmal in einem limitierten Vinyl-Set zusammengefasst. Fast wie ein über drei Jahre hinweg gewachsenes Album.

Bei den drei letzten Stücken strahlen Detroit und die späteren europäischen Interpretationen sehr viel deutlicher als Einfluss hervor als auf den vorherigen EPs. Da vermengt sich ein Teil des „Confidence“-Sounds mit der entspannten House-Deepness von Kann Records.

Lang schwebende, atmosphärisch dichte Harmonieschleifen mit etwas Dub bestimmen „#seven“, federnd tänzelnder Ambient hingegen „#nine“. Bei „#eight“ schwingen die House-Reminiszenzen am ehesten mit, wobei auch hier die Sounds eher zu einer verschlungenen Wehmut ausholen.

Mit Blick auf die Reihe unterbrechen die drei Stücke die bisherige House-Kohärenz natürlich, beziehungsweise verknüpfen sie mehr mit Stefaniks Gegenwart. Nebenbei offenbart „In Days Of Old Pt. 3“ aber auch einmal mehr die musikalische Tiefe und die Perfektion von seinen Stücken.

Das ist und bleibt seine große Stärke. Und mit dem stillen „#nine“ lässt sich die Reihe kaum besser beenden, zumal er seinen Nachwuchs mit darin verewigt.

Übrigens kamen Mitte August auch vier Remixe zu „Confidence“ bei Cocoon Recordings heraus. Ob das so eine gute Idee war? Gerade bei so dramaturgisch geschlossenen Stücken? Adam Port, Mathias Kaden, Mr. G und Legowelt wagten sich daran.

Bis auf Legowelt straffen alle die Harmonien und Strukturen – weg von der Musikalität, hin zum Floor. Das poetische Element greift Legowelt dafür umso überzeugender auf.

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„Wir sind kleine Fische“ – Jeahmon!

DJ- und Producer-Duo inklusive Label – Jeahmon! packen alles zusammen. Fünf Platten sind dabei schon entstanden. Ein Kurz-Porträt mit gemischten Gefühlen.

Wie in jeder lokalen Musik-Szene gibt es feine, kleine Trennlinien – zwischen den Sounds, den Crews, den Clubs und den Leuten. Und manchmal gelangen Dinge wegen solcher Trennlinien eben nicht ins Blickfeld.

Auch Jeahmon! fielen hier zwei Jahre lang durch das Raster, weil frohfroh als Blog natürlich subjektiv geprägt ist. Es ist nun nicht so, dass mich der Sound von Jeahmon! mittlerweile mehr bewegen würde – das Engagement ist aber dennoch eine Erwähnung wert.

Neben den ehemaligen Lagerhof- und Soundgarden-Residents Mark Zwirner und Oliver Rives, die als DJs und Producer erstmals den Namen Jeahmon! ins Gespräch brachten und später daraus auch ein Label gestalteten, gehören zum erweiterten Kreis noch Marc DePulse sowie Mathias Ache und muLe.

„Wir sind die kleinen Fische im großen Haifischbecken der Musik“, meint Oliver Rives. Die Bescheidenheit soll mit dem Fisch-Logo transportiert werden. Die Grafikerin Noamir hat es gestaltet, ebenso all die handillustrierten Vinyl-Cover der bisher fünf veröffentlichten EPs.

Und da wären wir beim Label-Sound. Mit Minimal, House und ein wenig Techno, grenzt Oliver Rives ihn selbst näher ein. „Die Musik muss von Herzen kommen, ehrlich sein und Menschen berühren können“, konkretisiert er weiter. Auch deutliche Pop-Einflüsse gehören dazu – auf der 003 von den Ukrainern Outstrip etwa. Oder bei Marc DePulse‘ Zusammenarbeit mit dem Sänger Boe van Berg.

Ansonsten bleibt Minimal das bestimmende Gerüst, mal mit mehr Deepness, Spielerei und Pathos angereichert, mal mit weniger. Solide und DJ-freundlich, mir aber zu glatt und zu brav. Nichts, was musikalisch bei mir länger nachhallt.

Außer die „Nachtmensch“-EP von Marc DePulse feat. Boe van Berg. Allerdings nur, weil mich der verstrahlt-pathetische, deutschsprachige Gesang wirklich erschrocken hat. Das ist Befindlichkeits-Deutsch-Rock mit elektronischen Mitteln.

Die stilistische Breite sei immer „stimmungs-, wetter- und saisonabhängig“ – ein durchaus sympathischer Ansatz für ein Label. Das Booking läuft momentan ebenfalls unter dem Jeahmon!-Dach – die aktuelle Ganzheitlichkeit also, im kleinen Rahmen, aber mit gewachsenen Kontakten. Für Dezember ist ein Showcase im Elipamanoke geplant.

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Various Artists „Black Series 004“ (Authentic Pew)

Okay, streng genommen ist der Leipzig-Anteil bei dieser Platte sehr gering. Doch ich komme nicht an ihr vorbei.

Noch einmal kurz zur Erinnerung: Authentic Pew ist ein Chemnitzer Techno-Label mit Perthil & Aerts als treibende Köpfe. Und ein Teil des Duos lebt in Leipzig. Im April fanden beide bei frohfroh erstmals Erwähnung. Und auch die neue Compilation soll hier kurz vorkommen, auch wenn es nur einen Remix von Perthil & Aerts darauf gibt. Von Attacs „01“.

Im Original düster und mit neurotisch-strengem Drive, rauen die Label-Betreiber den Track merklich an. Noch dazu mit noch mehr Schub als ohnehin schon. Und ja, wieder die matschigen Claps zum Schluss. Ich habe wirklich gerade eine Schwäche dafür, muss ich zugeben.

Die Pariser As Patria liefern aber den Höhepunkt der Compilation. In ebenso konsequenter wie entspannter Weise rauscht ihr „Arcan“ über neun Minuten hinweg. Mit einer hintergründigen und sich nicht entladenden Spannung. Da steckt auch ein wenig Raster-Noton-Elegie mit drin. Ganz großartig.

Tomohiko Sagae ist ansonsten auch wieder vertreten, noch industrial-beeinflusster aber, als auf der „003“.

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Markus Masuhr „Tamur EP“ (Superb Recordings)

Täusche ich mich, oder wird Markus Masuhr immer besser? Beim Berliner Label Superb Recordings lotete er Dub Techno mit Eigensinn aus – schon im März.

Dub Techno hat gerade einen schweren Stand bei mir. Zu oft sind die großen Dub-Wolken zu ausgetreten. Wobei mich die Zeitlosigkeit des verhallt-treibenden Sounds doch auch noch berühren kann.

Bei der bereits im März veröffentlichten „Tamur EP“ löst sich Markus Masuhr auf der A-Seite im Laufe der elf Minuten von der sanft wogenden Schnittigkeit und kommt mit leicht brüchigen Bassdrums und glasklaren HitHats daher. Ein kickendes Stolpern mitten in einem Strom von ebenso angematschen wie klassisch dub-flackernden Sounds. Was für ein Groove im Mittelteil, trippig und fein justiert zugleich.

„Tamur Salth“ auf der B-Seite rückt die Bassdrums druckvoller wieder gerade. Aber nur am Anfang. Später geraten sie auch ineinander, verheddern sich und kommen doch wieder in die anfängliche Form zurück, um den fanfarenhaften letzten Abschnitt in Bewegung zu setzen. Alles deep und leicht dissonant eingebettet in die dubbigen Hallräume.

Beinahe wäre mir diese EP-Perle durchgerutscht – danke für den Tipp, René.

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New World „Night Stalker“ (Riotvan)

Riotvan und der Disco-Sound – eine große Liebe. Auch das Debüt-EP von New World taucht tief in den melancholisch gefärbten Glamour ein.

New World, New World, da war doch was. Genau: auf der zweiten Ortloff-Platte gab es ein Stück namens „Innocent Thoughts“. Damals wollte mir aber noch keiner verraten, wer dahinter steckt.

Heute ist man da offener. Markus Gebauer vom Duo Boytalk ist New World. Und statt des augenzwinkernden House zelebriert Gebauer bei seinem Solo-Projekt in würdevoller Weise die Disco-Eleganz. Mit Jennifer Touch an der Seite haut er noch dazu eben mal zwei wunderbare Floor-Pop-Hits heraus.

Besonders bei „Stretching“ stimmt einfach alles. Der gesangliche Tonfall, die Bassline, die Orgeln. Aber auch „Night Stalker“ ist voll von jener süßen Melancholie, die unter der glamourös-entrückten Disco-Attitüde schlummert. Lauer remixt das Stück mit weichem Schub offensiv auf den House-Floor.

Und dann ist da noch „Mirage“, umarmend und entwaffnend gut gelaunt. Schöne, neue Welt.

Am heutigen 10.9. um 19 Uhr wird die Platte übrigens offiziell im mzin gefeiert.

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Willkommen zu Hause

Am Wochenende hatte sie Premiere, die Distillery-Dokumentation. 102 Minuten mehr oder weniger glamouröse Einblicke in die 20-jährige Geschichte des Clubs.

Wie aufregend: nach den ersten Wellen der Crowdfunding-Kampagne endlich den gesamten Film sehen zu können. In die Kino-Premiere von „Willkommen zu Hause“ habe ich es leider nicht geschafft. Doch die Vorab-DVD löste eine ähnlich erwartungsvolle Vorfreude aus.

Es muss gleichermaßen ein Geschenk und ein Fluch für das vierköpfige Filmteam gewesen sein, dass dermaßen viel Material zur Verfügung stand – 100 Stunden waren es am Ende. In den letzten Monaten aufgenommene Interviews ebenso wie alte Video-Aufnahmen vom ersten Einstieg in die mit Bierkisten übersäte Brauerei. Auch bewegte Bilder von den ersten Partys. Und dass aus einer Zeit, in der es noch nicht einmal flächendeckend Festnetztelefone in Leipzig gab.Diese zeitgeschichtlichen Sequenzen fesseln besonders. Sicher auch, weil sie ein Leipzig zeigen, dass es so heute nicht mehr gibt. „Willkommen zu Hause“ macht aber genauso lebhaft deutlich, wie sehr sich Techno musikalisch und kulturell in den vergangenen zwanzig Jahren verändert hat. Nicht nur die Geschwindigkeit ist gedrosselter, auch die modischen Codes sind weitgehend verschwunden.

Doch so exaltiert die Kleidung von damals, so überraschend normal wirken die Residents und Clubgründer heute. Fernab der gegenwärtigen Hipness-Attitüden erzählen sie ihre Geschichten von einer anfangs fixen Idee, die nach und nach ernster und professioneller weiterentwickelt wurde. Von den daraus resultierenden Brüchen und Schwierigkeiten. Von dem Druck eines solch gewachsenen Ladens, der irgendwann komplett auf Steffen Kache lastete.

Es ist diese Normalität der Protagonisten, die dem Film seine sympathisch authentische Ebene gibt. Und eben immer wieder die Archivaufnahmen. Tausende Raver vor dem Rathaus, ein überforderter Oberbürgermeister, ein Sit-in auf dem Markt, ein mächtiger Polizeieinsatz, die dokumentierte Enttäuschung.

Deren Wirkung erdrückt den Abriss der letzten zehn Jahre denn aber auch. Denn dafür, dass Steffen Kache meint, dass das Anfang der 2000er Jahre hinzugekommene Freitagsprogramm die Distillery gerettet hätte, bleiben dessen erweiternde Qualitäten mehr eine Randnotiz. Auch die Durststrecke nach dem Zenit der späten Neunziger flackert nur kurz auf, obwohl sie den Ruf der Distillery durchaus mit geprägt hat.

Vom Rausch der Anfänge mündet „Willkommen zu Hause“ schnell in die Sorgen der Gegenwart mit der Unsicherheit, wie es mit dem Club weiter gehen wird. Insgesamt schafft es die Dokumentation aber doch, sehr schlüssig und kurzweilig 20 Jahre Distillery zu erzählen. Glücklicherweise mehr authentisch als weich überzeichnet.

„Willkommen zu Hause“ ist noch am 9. und 10.9. im UT Connewitz sowie am 15.9. im Prager Frühling zu sehen. Ab Oktober ist auch eine DVD mit Bonusmaterial erhältlich.

Nachtrag: die beiden UT Connewitz-Termine sind bereits ausverkauft. Für den 15.9. gibt es noch Restkarten. Reservierungen einfach an tilledoku@googlemail.com schicken. Weitere Termine: 3.-9.10. im Cineding sowie am 13. und 20.10. im Prager Frühling.

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Lake People „Step Over, Trace Into Pt. 2″ (Connaisseur Recordings)

Ein halbes Jahr nach dem ersten Teil, folgt der zweite Teil von Lake Peoples EP-Doppel „Step Over, Trace Into“.

Es ist ja nicht so, dass es gerade zu wenig Deepness im House gäbe, und auch Lake People ist groß darin. Allerdings kommt bei ihm die Erhabenheit immer deutlicher hinzu. Da ist die klangliche Wärme kein Mittel, um langweilige Arrangements überdecken zu können. Sie transportiert vielmehr ein Gefühl der Losgelöstheit, vielleicht auch der Abkapselung. Ganz nah bei sich sein, ohne esoterischen Beiklang.

Dadurch entzieht sich Lake People auch immer wieder den gängigen Dancefloor-Funktionalitäten. Seine Tracks haben Anfang, Ende und viel erzählende Substanz dazwischen. Auch auf dem zweiten Teil der „Step Over, Trace Into“-Reihe sind die Tracks dicht bepackt. Und das tolle bleiben die vielen beiläufigen Sounds neben den weit ausformulierten Harmonien.

Sie geben Stücken wie „Stepwise“ oder „Into“ eine latente Unberechenbarkeit. Nach vorn hin die große Wärme, unter der Oberfläche das leise, sich ständig verändernde Knistern. Und wie beim ersten Teil kommt das Theremin hervor. Bei „Come Over Later“ schwebt es weit hinten. Wie antiquiert-futuristisch dieses Instrument klingt. Irgendwie auch skurril und ein wenig tantig.

„Trace Missed Call“ ist schließlich ein erneuter Ausflug in die Keimzelle des Lake People-Sounds – einmal zurück in die entschleunigte und klangliche Weite von Electronica. Der Herbst kann ruhig kommen mit dieser EP.

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O*M*C*D „O*RS 2000“ (O*RS)

Die erste 7″ bei O*RS. Und die erste Auseinandersetzung mit Dub auf Filburts Label.

Filburt und Andreas Wendland von der Leipziger Band Lunar³ haben sie hier zusammen getan, um ein dubbiges Grundgerüst in zwei unterschiedliche Richtungen treiben zu lassen. Denn Nach-treiben-lassen klingen beide Versionen auf jeden Fall. Vor über zehn Jahren waren beide schon zusammen im Studio. Damals noch als Smooth Pilots, aber vom Sound her waren sie woanders.

Bei „It’s Hard To Be Dub“ sind die Hallfilter weit geöffnet, egal ob bei den Claps, HiHats, Gitarren- oder Vocal-Samples. Und darunter der alles umschließende und weich bohrende Bass. Während der erste Teil sich etwas klassischer am Dub orientiert, geht „Part 2“ mit mehr Ambient heran.

Das Kuriose und zugleich spannende an beiden Versionen ist der widersprüchliche Drive – einerseits schleppend und tief, andererseits super treibend. Die erste Version ist mir mit ihrem klareren Sound ein Tick lieber.

In neun verschieden farbigen Vinyl-Varianten kommt die „O*RS 2000“, und mit handgestempelten Cover.

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Matthias Tanzmann „Tilt“ (Moon Harbour Recordings)

Es war die Überraschung der letzten Woche: Matthias Tanzmann hat eine neue EP. Nach drei Jahren.

Schwer zu sagen, was ich von einer neuen Matthias Tanzmann-EP erwartet habe. Die letzten Lebenszeichen aus seinem Studio gingen alle in sehr verschiedene Richtungen. „Chano“ – die EP von 2010 – kam unglaublich reduziert und hypnotisch daher, „Konoa“ auf der vierten „Inhouse“-Compilation plänkelte vor sich hin und sein Remix für Luna City Express zeigte sich ungewohnt schroff.

Und nun „Tilt“ – sogar auf Vinyl gepresst, mit großem Cover. So schön die Hülle jedoch aussieht, so unauffällig bleiben die beiden Original-Tracks leider. Leicht verspielter, leicht aufgeheizter Tech-House, geradewegs durchlaufend mit geringen Spannungsbögen.

Im „Extra Ball Mix“ hebt Tanzmann das Rave-Level dann merklich an. Die Vorhut zur Peaktime wahrscheinlich, in seiner Offensichtlichkeit aber eher unangenehm.

Kris Wadsworth bricht den Fluss von „Tilt“, indem er das Intro lange streckt und mit mächtigen Bass- und Synth-Lines einen Hauch Acid und Oldschool auf die EP holt. Zwar nicht weniger offensiv, aber in dem späteren Ausbalancieren von Deepness und Techno doch der große Lichtblick.

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Mint 4000 „Behind The Curtin“ (Drop That Records)

Wieder ein Neuzugang aus Thüringen. Mint 4000 lebt seit einigen Monaten in Leipzig. Und gründet gleich sein eigenes Label.

Drop That Records heißt es und die Kontakte scheinen zu stimmen. Platten mit Taron-Trekka und Philip Stoya sind geplant. Die 001 bespielt aber Mint 4000 größtenteils allein. Seit fast zehn Jahren produziert er, sein Discogs-Eintrag ist dementsprechend angewachsen.

Mit einer Platte war er auch schon einmal bei frohfroh vertreten. Im März 2011 ging es hier um die erste Compilation des Erfurter Labels B.L.A.T.T. Records. Da war sein „Grain“ mit drauf. Es folgte später eine eigene EP auf B.L.A.T.T..

Bei der Biografie bin ich länger hängengeblieben. Free Jazz in der Kindheit, Metal und Breaks in der Jugend. Verschiedene Band- und Live-Act-Projekte. Gute Voraussetzungen für überraschende Ansätze also. Die bleiben auf der „Drop That 001“ im ersten Moment aber aus.

Mit klassisch deep-dubbigem House beginnt die EP. Auch der Mitschnitt von SevenMint – einer Live-Session von Seven und Mint 4000 ist Dub-geerdet. Aber mit einigen Noise-Schleifen im Hintergrund.

Einzig „Carter“ auf der B-Seite wagt sich in seiner forsch-schroffen Art dann doch noch aus der Dub-Wärme heraus. Irgendwie spröde und eigensinnig klingt das neunminütige Stück. Etwas breitbeinig und aufgeladen dazu. Aber insgesamt auch ziellos, so dass der Oldschool-Sound nicht recht zündet.

Trotzdem beide im Auge behalten: Drop That und Mint 4000. Das könnte noch spannender werden.

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Lootbeg „Release Yourself EP“ (Esoulate Music)

Schön verpeilt, den Lootbeg. Ich dachte hier kommt sein Debüt, aber nichts da. Da waren schon einige andere EPs vorher.

Seit 2012 veröffentlicht Lootbeg bereits, drei EPs waren es wohl, wenn ich es richtig überblickt habe. Plus einige Remixe und Compilationbeiträge – bei Beatport gibt es einen guten Überblick. Und dann ist noch afin – a friend in need. Eine mittlerweile duchaus bekannte Podcast-Reihe, die er mit kuratiert.

Es sind die House-Neunziger, denen sich Lootbeg am meisten verbunden fühlt. Mit ihren Soul-, Disco- und Acid-Ausläufern. Und mit einer oldschooligen Tonalität, die ja immer wieder Faszinationsreserven wachrütteln kann. Esoulate Music widmet Lootbeg nun eine ganze EP mit fünf Tracks.

Um die Breite scheint es hier zu gehen. „Acd4/303“ steht als Acid-Schieber klassischem House gegenüber, wie er bei „Release Yourself“ und „Without Ur Love“ anklingt. „C78 Interlude“ öffnet zusätzlich einen Electro-Exkurs.

Es ist eine EP, wie sie bestens in den Katalog des Dresdner Labels Uncanny Valley passen würde – historisch beflissen, aber versiert genug, um dem bloßen Kopieren zu entgehen. Da ist auf jeden Fall noch mehr gutes zu erwarten von Lootbeg.

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