Yannick Labbé „SuperSingle“ (O*RS)

Und noch einmal O*RS an diesem Tag – es gibt nämlich auch eine neue SuperSingle. Aus Hamburg.

Mit dem Slow-House-Duo Trickski war Yannick Labbé bis vor sechs Jahren ziemlich präsent. Dann schien es eine Pause zu geben bis der Hamburger im letzten Jahr solo bei O*RS wieder auftauchte. Dass Yannick O*RS-Fan ist, sagte Filburt bereits im frohfroh-Interview. Dass nun eine ganze EP von ihm herauskommt, vertieft die Verbindung nach Leipzig noch einmal mehr.

Und er bekommt gleich das „SuperSingle“-Format, zwei Hits auf 10″. Schimmerte bei Labbés O*RS-Debüt noch die deepe Trickski-Leichtigkeit durch, so klingen „Arpeggiate“ und „Fornicate“ weitaus analoger und kantiger, mit leicht augenzwinkernder Note – wie bei „Arpeggiate“, wenn dudelsackähnliche Synth-Fanfaren vor den tänzelnden Oldschool-Electro-Beats auffahren. Auch „Fornicate“ hat etwas von einem alten Roadmovie-Soundtrack. Durchweg in einem sehr rastlosen und konzentrierten Drive, leicht staubig in den Sounds und mit scharfen Electro-Claps.

Mit „Agitate“ gibt es außerdem noch einen Digital-Bonus auf Bandcamp. Auch dort entwaffnend leichtfüßiger Electro-Appeal. Aber mit einem Hauch Acid-Kratzigkeit. Meine liebste „SuperSingle“ bisher.

Various Artists „Ourselves – Imagination“ (Ourselves)

Filburt hat es im großen frohfroh-Interview bereits angedeutet, nun ist es soweit: Mit Ourselves startet ein neues O*RS-Sublabel.

„Wir haben festgestellt, dass wir einen recht großen Künstlerstamm haben. Und Ourselves ist dann eher eine Plattform für den Inner Circle von O*RS,“ so teaste Filburt im Frühjahr das zweite O*RS-Sublabel neben RDF Music an. Kuratiert wird Ourselves von dem Görlitzer Producer und DJ Jan Ketel.

Und zum Labelstart passt natürlich eine Compilation. Braunbeck, Perel und Jan Ketel himself sind darauf als O*RS-Bekannte mit je einem neuen Track zu hören. Siggatunez und Sello scheinen als Label-Freunde mit dabei zu sein. Auf jeden Fall ist die „Imagination“-Compilation fast durchweg eine Berlin-EP, ein Großteil der Acts kommt aus der Hauptstadt.

Überraschungen sollten von Ourselves nicht erwartet werden. House steckt auf der Nummer 1 den groben Rahmen ab. Sehr klassisch und warm und deep schimmernd gehen Jan Ketel & Siggatunez als Doppel sowie Sello allein heran. Braunbeck ist dagegen wesentlich dunkler und schlüpfriger unterwegs. Immer noch etwas aufgeladen und breitbeinig, aber in der Reduktion anziehender als bei seinem O*RS-Debüt im letzten Jahr.

Perels Track kickt mich am Ende am meisten – nicht nur wegen des Track-Titels. Es ist wohl auch die sehr direkte Art von „Felene Hischer“ – auch wenn dramaturgisch nicht so viel passiert, doch die rasend-knallende Bassdrum mit den cheesy Scratches sorgt für eine sehr tighte Oldschool-Dynamik. Ein solider Start für Ourselves.

V.A. „Inhouse Vol. 7“ (Moon Harbour Recordings)

Bei Moon Harbour ist wieder einmal “Inhouse“-Zeit – die Compilation-Reihe geht in die siebte Runde.

Auf die Compilations von Moon Harbour kann man sich durchaus freuen, bieten sie doch immer wieder Ausnahmen aus dem sehr eng gefassten Tech House-Strang vieler Label-EPs. Da werden die Bassdrums auch mal tighter, die Sounds und Arrangements dubbiger und deeper. Und sie zeigen neben den festen Label-Artists die zahlreichen Verbindungen auf.

Anja Schneider und Mathias Kaden verbinden gleich beides mit ihren exklusiven Beiträgen. Besonders das filigran treibende „Caracas“ zählt zu einem meiner Highlights der „Inhouse Vol. 7“. Dan Drastic, Zohki, Ninetoes und Sable Sheep reihen sich ebenfalls in diese subjektive Liste. Mit ganz verschiedenen Ansätzen: Bei Ninetoes und Sable Sheep sind es eindeutig die Schnelligkeit und Ruppigkeit, die für eine hohe Dynamik sorgen.

Bei Zohki und Dan Drastic sind es dagegen die wegdriftenden Momente. Mathias Kadens „Settle Down“ fällt komplett aus dem Rahmen: super massiv und aufgeladen. Doch er hält die Spannung und entzieht sich der ganz großen Rave-Versuchung.

Label-Head Matthias Tanzmann enthält sich komplett. Dafür war er wenige Wochen zusammen mit Sven Tasnadi zu hören. Drei Tracks entstanden erstmals in dieser Konstellation – nur kurze Zeit nach seiner Zusammenarbeit mit Daniel Stefanik.

Aber nur „Coriolis“ bewegt mich ernsthaft. Wohl durch seine ineinander verschmelzenden Layer von kurz aufflackernden Sounds. Dazu klassische House-Deepness und eine Unaufgeregtheit. „Teo Teo“ hat davon auch etwas abbekommen. Aber die Tech House-Unentschlossenheit mit lahmen Breaks dominieren am Ende doch. Und „Tasna“? No!

Credit 00 x Tribal Rhythm Machine x Rat Life Records

Credit 00 hat seine „Tribal Rhythm Machine“ ausgepackt – vier sehr verschiedene Tracks hat sie ausgespuckt. Und eine neue Rat Life obendrein.

Überraschend ist dies aber nicht. Innerhalb seiner oldschool-geprägten Sound-Ästhetik waren die Grenzen zwischen House, Disco und Electro oftmals fließend bei Credit 00. Und doch geht die Schere dieses Mal etwas weiter auseinander. Da stehen die super hypnotischen, abgedunkelten Tracks „Voodoo Soup“ und „Snake Charmer“ neben den sonnendurchfluteten und leichtfüßigen Tracks „T.R.M.“ und „Curse Of The Medusa“.

Die dunklere Seite gefällt mir deutlich besser – besonders bei „Voodoo Soup“. Mehr Zerfaserung, mehr roher Minimalismus, mehr sich nicht wirklich entladende Spannung. Dramaturgische Entgrenzung. Eigentlich wie bei Minimal, aber mit der wahnsinnig anziehenden Ungeschliffenheit analog-scheppernder Synths.

„Curse Of The Medusa“ knüpft an diesen perkussiven Minimalismus an, dreht sich mit den Pop-Vocal-Samples sowie den hell schimmernden Synth-Chords aber in eine viel poppigere Richtung. Voller Funk, der aber ebenfalls etwas Melancholisches in sich trägt. Meine Highlights dieser EP.

Beim von Credit 00 kuratieren Label Rat Life Records gibt es eine weirde Cosmic-Story zur neusten Platte. Konstantin Tschechow scheint demnach verschollen, nachdem er nach einem kurzen Aufeinandertreffen mit Credit 00 die Erde wieder verlassen musste. Um 2000 war das, doch es blieb eine CD-R mit Tracks und genauen Instruktionen, sie 2016 während einer Halbschattenmondfinsternis zu veröffentlichen. Junodownload löste aber bereits im April auf: Konstantin Tschechow ist Belgier.

Und sein Sound klingt auch sehr belgisch. Leicht ravig aufgescheucht, unterkühlt mit Techno, Acid und Electro spielend und irgendwie auch mit interstellarem Pathos aufgeladen. Verrückt: Die Geschichte drängt sich beim Hören dennoch unwillkürlich auf. Das klingt doch alles nach einem Dachboden-Fund. Aus der Zeit gefallen und nun euphorisch wiederentdeckt. Schöner Mind-fuck. „Bretton Woods“ und „Broken Symmetries“ sind hier der Killer!

Jaja „Tropical Bird Club“ (YNFND)

Vinyl-Post aus dem Patriotischen Weg in Rostock? Falsch verschickt? Keineswegs, in dem Paket liegt eine wundersam-eigentümliche Platte, produziert in Leipzig.

Es braucht ein paar einführende Worte, um das Debüt-Album „Tropical Bird Club“ von Jaja nicht sofort als falsch adressiert beiseite zu legen. Gunnar vom Rostocker Party- und Label-Kollektiv YNFND beleuchtet den Kontext aber glücklicherweise in seinem Anschreiben: Jascha Hagen und Jan Soutschek sind Jaja, beide leben in Leipzig und schickten dem Label vor gut einem Jahr die Demos zu „Tropical Bird Club“. Von Jascha Hagen war sogar schon bei uns sie Rede im letzten Sommer.

Bei YNFND in Rostock wurden die naturalistischen und südamerikanisch geprägten Slow-House- und Downbeat-Tracks aber scheinbar nicht sofort ernst genommen: „Es dauerte ein halbes Jahr bis wir das Potential der Aufnahmen entdeckt hatten“, schreibt Gunnar. Und tatsächlich braucht es zumindest einen ruhigen Moment, um in den schleppenden Tracks hinter all den Tiergeräuschen, Chören, Stimmen sowie Flöten- und Gitarren-Samples alter südamerikanischer Folklore-Platten eine besonders süßliche und nächtlich gedimmte Melancholie zu entdecken.

Sie sorgt zusammen mit den dezent eingewobenen Synthesizer-Sounds und den trotz der vielen Details angenehm spartanischen Arrangements dafür, dass die sechs Tracks nicht im Folklore-Kitsch ertrinken. Die Langsamkeit und Reduktion holen sie immer wieder heraus aus dieser Falle. Obwohl Stücke wie „Tropical Bird“, „Chan Chara“ und „Elega al Che“ durchaus ins Schunkeln oder leicht Esoterische verfallen oder naturalistisch überzeichnet klingen.

Das große Potential von Jaja wird besonders bei „Bajoo“, „El Ritmo“, „Cura del Sentimiento“ und dem Digital-Bonus „Ceu“ deutlich. Wo sich herrlich unprätentiös Folklore-Emotionalität und Slow-House-Weite zu stillen Hits überlagern. Jaja ist hier ein sehr eigenwillig-exotisches Sommer-Album gelungen – und ihr gemeinsames Debüt obendrein.

Coco Lowres meets Mesak „Super Duper / Sad Boys II“ (Karl Marx Land)

Nach einem Jahr Pause gibt es Neuigkeiten von Karl Marx Land. Auf der vierten 7″ trifft Coco Lowres auf Mesak. Was dabei entsteht? Zwei Electro-Funk-Stücke der verschroberen Sorte.

Letzterer ist in der Vergangenheit nicht nur häufiger in Leipzig aufgetreten, sondern wurde kürzlich auch von Pork Four geremixt. Ansonsten ist er einer der umtriebigsten Skweee-Protagonisten und hat mit Harmönia eine ganze Reihe feiner Platten veröffentlicht.

Für diese hat Karl Marx Stadt bereits einige Remixe beigesteuert, die schon einen Vorgeschmack auf die Karl Marx Land-Singles gaben. Mit seinem Alter Ego Coco Lowres tobt er sich irgendwo zwischen Electro-Funk, Synthesizer-Nerdism und Kindermelodien aus. Dass auch Mesak ähnliche Vorlieben hat, beweisen die beiden Stücke dieser Platte.„Super Duper“ macht seinen Namen alle Ehre und setzt da an, wo die dritte 7″ des Labels aufhörte. Das Stück scheint ein weiteres schnatterndes Zwiegespräch zwischen Cartoon-Monstern zu vertonen, so wie es schon bei Duke Slammers „Acid Duke“ der Fall war. Sehr funky!

Auf der zweiten Seite hingegen wird es melancholischer. „Sad Boys II“ klingt wie ein Ausschnitt eines bierseligen Kneipengesprächs zwischen geknickten Freunden – ebenfalls in der Comic-Version.

Überhaupt: Die Assoziationen zu quietschiger Synthesizer-Musik wie dieser ergeben die Frage, wann eigentlich die erste Comic-Serie einen Skweee-Soundtrack bekommt. Coco Lowres und Mesak wären dafür die passenden Ansprechpartner.

Neu in Leipzig – Half True Records

Von London über Halle nach Leipzig: John Horton ist neu in der Stadt. Und mit ihm sein Label Half True Records.

Viel Gefühl bringt er mit seiner Musik mit. Als“House and Techno Romanticism„ beschreibt der Neu-Leipziger selbst seinen Stil und will mit seinen Platten die immer wieder auch etwas unterkühlte und oberflächliche Clubkultur mit Gefühl füllen. Für mehr Emotionalität in der Elektronik-Szene gründete er daher im letzten Herbst das Vinyl-Only-Label Half True Records.

Zwei Platten entstanden in dieser Zeit. Stilistisch tief im klassischen Deep House verwurzelt. Leicht melancholisch eingefärbt, aber durchaus dem Hymnischen und Orchestralen zugewandt, wie „Marbled“ deutlich macht. Dass dabei auch deutschsprachige Samples als Ode an die Poesie eingebunden werden, mag etwas verwirren, doch die grundlegende Deepness wiegt es schnell wieder auf. Seit fünf Monaten lebt der gebürtige Londoner John Horton in Leipzig – und mit ihm zog auch sein Label Half True in die Stadt. Vorher wohnte er einige Zeit in Halle, wo er nicht nur die Stadt selbst, sondern vor allem deren Szene in sein Herz schloss. Und so gehört er nach wie vor dem Halleschen Künstler-Kollektiv Time To Get Lost an und kuratiert außerdem zweimal monatlich die Sendung „Maschinische Dichtung“ bei Radio Corax.

Wie auch bei seiner eigenen Musik beschäftigt sich Horton in dieser Sendung mit der gefühlvollen Seite der elektronischen Musik. Der Umzug nach Leipzig bedeutet für ihn eher, seinen Horizont noch mehr zu erweitern, Neues kennen zu lernen und natürlich auch Kontakte mit der hiesigen Szene knüpfen. Am kommenden Freitag ist er bei einer Instore Session im Possblthings als DJ zu erleben.

Clav Split „All Eyes Øn /​/​/ ClavSplit“ (OverDubClub)

Neben Kann startet auch der OverDubClub eine neue digitale Reihe: Mit „All Eyes Øn“ soll alle zwei Monate ein Produzent aus dem Umfeld mit einer Solo-EP vorgestellt werden. Außerdem ist zu jeder Ausgabe ein Video geplant, welches in diesem Fall eine irgendwie konfuse Mordgeschichte beinhaltet.

Eine gute Idee: Spätestens die 2015 veröffentlichte Compilation hat gezeigt, dass sich viele Talente im näheren Radius des OverDubClub tummeln, deren Output sich aber oft genug in den Soundcloud-Untiefen an der eigenen Wahrnehmung vorbeischleicht. Eine Reihe mit selektierten Beats fokussiert dagegen die Aufmerksamkeit.

Im Zentrum der ersten Ausgabe steht Clav Split – ein weiterer Name, der hier noch nicht aufgetaucht ist. Laut Soundcloud-Profil hat Clav Split seinen Wohnsitz von Darmstadt nach Leipzig verlegt und hat in der Vergangenheit an diversen Projekten, wie den Pallas Sessions, mitgewirkt. Sehr atmosphärische Downbeats bekommen wir auf „All Eyes Øn /// ClavSplit“ zu hören. Auf „Neva Eva“ werden aber auch mal Gitarren ausgepackt und „Try To Tell“ könnte eine gute Grundlage für dicke Jungle-Remixe abgeben.

Es schleicht sich ein bisschen das Gefühl ein, dass es sich hier eher um einen Appetithäppchen handelt. Wir freuen uns daher auf das Hauptgericht – in der Küche des OverDubClub laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Die „All Eyes Øn“-EPs gibt es übrigens for free – bzw. zum selbstgewählten Preis.

Special Hits – XANN

Kann Records startet eine neue Reihe für spontan entstandene Hits – XANN. Das Debüt klingt vielversprechend.

Vielversprechend, weil „Bocke“ auf super lässige Weise den Bogen zwischen Jungle, House und New Age-angehauchtem Ambient spannt. Kein klassisches Kann Records-Programm also. Diese Sidekicks sorgten bei uns zuletzt auf der „Kiba“-EP von Philipp Matalla für große Euphorie.

Und vielleicht schafft die XANN-Reihe hier eine neue Plattform für spannende Ausbrüche aus dem Label-Umfeld. Es soll immer nur einen Track via Bandcamp geben. Instinktiv und ohne lange Planungen frisch von der Festplatte herausgehauen.

Wer Gymgym ist, wird nicht verraten. Nur soviel, dass es sich um einen Alias eines Label-Artist handelt. Mehr Freiheit durch Anonymität – yes, please.

Spät entdeckt – Elephants On Tape

Letzten Montag gab es einen Indie-Pop-Flashback in der Nato – Elephants On Tape stellten ihr Remix-Album live vor.

Es ist schon lange her, dass ich bei einem Indie-Konzert in der Nato war. Und unabhängig von den sehr gut zusammenspielenden Elephants On Tape fühlte sich das für mich sehr nach 2004 an. Doch es lohnte sich, um endlich direkt mit einer Band konfrontiert zu werden, die bisher nur nebenbei und sehr kurz meine Aufmerksamkeit an sich zog. Mit dezent elektrifiziertem Indie-Pop hatte ich die fünfköpfige Band aus Leipzig und Hamburg abgespeichert – musikalisch versiert, aber irgendwie auch nicht wirklich herausstechend.

Erst bei ihrem Anfang Mai veröffentlichten Remix-Album „RE//EOT“ hörte ich genauer hin. Die bandeigenen Synth-Sample- und Effektgerät-Bastler Markus Rom und Robert Gemmel sowie Sängerin Lisa Zwinzscher bearbeiteten dafür Stücke der ersten beiden EPs, was schon einmal ein interessanter Ansatz ist. Gänzlich auf externe Einflüsse verzichteten Elephants On Tape aber nicht und so ergänzten drei, bislang weniger bekannte Producer das ganze um weitere Remixe. Im Zusammenspiel ergibt das einen weit abgesteckten Rahmen zwischen Electronica, Trip Hop und einigen Ausflügen zu House und Dubstep. Mit Lisa Zwinzschers Gesang bleibt die Pop-Erdung dabei immer präsent – auf gute Weise und trotz der schnell auftauchenden Assoziationen zu Bands wie Hundreds oder Me And My Drummer.

Beim Konzert war diese elektronische Durchdringung und Öffnung der Strukturen nur teilweise zu hören. Elephants On Tape waren immer dann extrem gut und spannend, wenn sie sich aus dem Pop-Kontext lösten und unberechenbar wurden. Wenn es weg driftete und wieder zusammenkam, wenn die Elektronik auch dramaturgisch dominierte. Sobald die Indie-Pop-Standards präsenter wurden, überkam mich ein inneres Gähnen. Beim Hören der ersten beiden EPs wird aber deutlich, dass dies nicht unbedingt ein neuer Punkt von „RE//EOT“ ist – auch vorher mischten sich unter die Indie-Pop-Songs offenere, mehr track-orientierte Stücke. Auf „RE//EOT“ ist es nur um einiges konsequenter und verdichteter. Und das bringt mir Elephants On Tape um einiges näher.

Five Favs – Mai 2016

Bevor wir uns den Themen des Junis widmen, schauen wir noch einmal kurz zurück und präsentieren unsere fünf Track-Highlights des Mai.

Jennifer Touch „Wordless“ (Riotvan)

Ganz oben muss dabei Jennifer Touch stehen. Ihre neue EP „Feeling C“ hat uns sehr geflasht. Denn: „Tatsächlich klingen die Arrangements und die Soundauswahl ausgefeilter und weitaus opulenter als der Vorgänger, aber auch die Grundstimmung wirkt weniger kühl. Es scheint geradezu, als hätte Jennifer Touch nochmal ein paar prägnante Synthesizer mehr zur Verfügung gehabt, mit denen sie ihren Sound-Kosmos ausbaut.“ Als Fav konnten wir uns auf „Wordless“ einigen – auch wenn es nicht leicht ist sich auf einen Track zu beschränken.

Lake People „Ashland“ (Permanent Vacation)

Mit der aktuellen Lake People-EP waren wir spät dran. Dies schmerzte umso mehr, weil sie wirklich sehr gut an das Debüt-Album anknüpft und sich dabei noch mehr Freiraum für filigrane Sound-Verästelungen nimmt. „Als ob mit der Pinzette großartige Welten in Miniaturgröße zusammengesetzt werden.“ Das Stück „Ashland“ ist in seiner stillen Erhabenheit ein besonderes Highlight daraus.

Lynch Kingsley „Dubplate Request“ (Alphacut Records)

Bei Alphacut Records ging die „Third Wave“-Serie weiter, die mit Mini-Compiations ein möglichst weites Spektrum an Breaks-Subgenres featuren möchte. Lynch Kingsley gefiel uns da besonders gut, weil er „Jungle-Einflüsse der Neunziger auf Footwork treffen lässt und dabei andere Drum & Bass-Spielarten der letzten zwanzig Jahre gekonnt ignoriert.“ Bei Soundcloud gibt es nur einen Zusammenschnitt der Compilation. Komplett lassen sich die Tracks auf der Alphacut-Seite hören.

Crssspace „hestillnotkno“ (Resistant Mindz)

Crssspace war im Mai groß bei uns präsent: Wir brachten eine Video-Premiere und stellten später das neue Beat-Tape „Someofwhicharecollectibles“ vor, das „die Lo-Fi-Ästhetik nicht um seiner selbst Willen abfeiert, sondern diese als Klangfarbe einsetzt, die den verwendeten Samples eine geisterhafte Komponente gibt.“ Aus 18 Tracks ein Highlight herauszupicken ist dabei sehr hart. Wir geben aber dem anderthalb Minuten langen „hestillnotkno“ aber den Zuschlag.

Perm „Untitled“ (Shtum)

Nach der April-Ausgabe schafft es wieder ein Track des Dresdner Labels Shtum in unsere „Five Favs“. Auf der ersten Label-Compilation waren nämlich auch neue Tracks von Leibniz und Perm enthalten. Und bei letzterem „bleibt der Fokus weiter unheimlich konzentriert auf wenige filigrane, überaus packende Loops, aus denen sich einzelne Sounds herauswinden und eine unberechenbare Eigendynamik entwickeln.“ Wir sind darin sehr angenehm abgedriftet.

V.A. „Dots & Pearls 3 mixed by Daniel Stefanik“

Daniel Stefanik schaut zurück auf die Releases des letzten Cocoon Recordings-Jahres – mit einem Mix und eigenen Edits.

„Dots & Pearls“ heißt eine eine Compilation-Reihe von Cocoon Recordings, die nach vier Jahren Pause wieder belebt wird. Die neue und zugleich dritte Ausgabe, die Daniel Stefanik als Mix kuratieren und bespielen durfte, ist einerseits Resümee des Vorjahres und andererseits Spot für noch unveröffentlichte Stücke. Und sie zeigt mir zuerst einmal auf, wie wenig ich den Katalog von Cocoon im Blick habe. Ich kenne kaum einen der Acts, aber who cares.

Spannend an „Dots & Pearls 3“ finde ich die Edits von Daniel Stefanik selbst, weil sie noch einmal eine andere Auseinandersetzung mit den Tracks hervorbringen als sie bloß in einem Mix zu vereinen. Für die Edits verwendet er Spuren von Guido Schneider & André Galuzzi, Luca Ballerini & Tim Green und Ricardo Tobar und zieht eigene Soundsignaturen ein. Der Mix an sich steigert sich langsam hin zu druckvollem und dunklem Peaktime-Techno um später wieder runterzudimmen – mit Sven Väths „Ritual Of Life“ im Adam Port-Remix und dem poppigen „Disappear“ von Julia Govor & Kamran Sadeghi.