Dresden und Leipzig kommen sich durch Uncanny Valley immer näher. In den vergangenen Wochen brachte das Label einige Platten von Leipziger Acts heraus – hier unser Überblick.
Amrint Keen „AK OK“
Da wäre beispielsweise Amrint Keen. Er kommt nicht aus dem Nichts. Als Lake People ist er wohl den meisten bekannt und veröffentliche als eben jener letztes Jahr zum ersten Mal auf Uncanny Valley.
Neu erfunden hat er sich mit seinem neu zugelegten Alias auch nicht, was mich persönlich freut, weil sein Sound top war und es auch jetzt wieder ist. Die drei Tracks auf „AK OK“ tendieren jeweils in die Richtungen House, Electro und Techno. Wobei es immer einen kleinen Twist gibt, damit es nicht langweilig wird. Mein Favorit ist „Dancing In The Parking Lot“. Auch wenn mich der Name stark an den Hit von Toploader erinnert, handelt es sich glücklicherweise um fetten Electro mit dreckigen Vocals, Synthy-Melodien, Acid-Lines und und und. Love it.
Btw. Lake People hat es mittlerweile nach Berlin verschlagen – denn Berlin ist jetzt das neue Leipzig.
Panthera Krause „All My Circuits Part I“
Auch für Panthera Krause ist es die zweite Scheibe, die bei UV erscheint. Vor zwei Jahren landete er mit seiner „Umami EP“ einen Hit. Mal gucken, was die neue kann.
Ich denke an die Siebziger und an Afrofrisuren in Diskotheken. Gäbe es den „Soultrain“ noch, Panthera Krause würde die Tänzer mit dieser Platte ganz wuschig machen. Gleichzeitig denke ich an die Achtziger, was an diesem und jenem Sample liegen kann, das er benutzt. Und noch gleichzeitiger sehe ich schon Bilder vor meinem geistigen Auge, auf denen Menschen auf Festivals tanzen. Housy, groovy, erhellend, verspielt und einfach gut – mit kleinem Umweg ins Dunkle bei „Unraveled Dreaming“. Das ist die neue Platte von Panthera Krause, die kann was!
Serial Error „Drum Abuse“
Zum Schluss noch ein Vinyl von Credit 00s UV-Sublabel Rat Life Records. Bereits 2013 wurde der Track „Drum Abuse“ beim belgischen Label We Play House Recordings veröffentlicht. Betreiber Red D brachte damals eine vierteilige New Beat-Reihe raus und klopfte auch bei Rat Life an die Tür.
Dafür formierten sich Credit 00, Jakob Korn und Sneaker zur Supergroup und nahmen den Track in Korns Studio auf. Sneakers Stimme verlieh dem Ganzen den letzten Schliff. Um dem Track neuen Aufschwung zu verleihen, ist er nun inklusive Instrumental- und Acapella-Spuren als Super Sound-Maxi-Single erhältlich.
Bei „Two Play To Play“ wird sie offensichtlich auch ihren Raum bekommen: Erste Ambient-Phasen klingen im Laufe der zweiten Probe an, kurz setzt auch ein hektischer Beat ein, HiHats zischen. Dazu loopt Kohlstedt den Chor, der daraufhin selbst wieder einsetzt. „Es muss nicht genau auf den Loop passen. Hauptsache die Energie stimmt“, vermittelt Gregor Meyer.
Und genau diese Verhandlung ist in der zweiten Probe deutlicher mitzuerleben. Immer wieder haken Chormitglieder ein, haben Anmerkungen. Zwischendurch gibt es Absprachen zwischen Meyer und Kohlstedt bzw. dessen Tontechniker – the one and only Mario Weise aka DJ Marlow btw. Die zweite Probe ist weniger Entertainment, Gregor Meyer führt nach wie vor, wirkt aber dieses Mal weniger zentral. Das tut der Probe gut.
Für die vier Stücke auf „Garzweiler“ haben Von Spar den Pop-Appeal, den sie immer in einer bestimmten Form einbinden, teilweise heruntergefahren. Gerade „Garzweiler III“ und „Garzweiler IV“ verlieren sich in einem abstrakten Mäandern, legen immer neue Schichten frei, die aber nicht direkt miteinander zu tun haben. Doch wo andere Bands und Musiker die Tagebauklammer wahrscheinlich sehr dystopisch darstellen würden, nehmen Von Spar eine Menge organischen und elektrifizierten Funk mit auf.
„Lucid Themes“ klingt stellenweise sehr trippy und wäre auch in einem experimentellen Techno-Kontext denkbar – welche Rolle spielt für euch Clubmusik?
Siebzig Sänger warten auf den Stühlen des Chorpodests, welches in U-Form angeordnet ist und mit zwei Pianos abschließt. Auf den noch freien Plätzen der stufenförmigen Erhöhung reihen sich die vierzig Zuhörer ein. Die Grenzen zwischen Chor und Publikum verschwinden. „Das ist der Chor – das Abbild der Gesellschaft“, stellt ihn der jungenhaft wirkende Leiter in orangefarbenen Cargohose schmunzelnd vor.
Die emotionalen Töne des Weimarer Musikers füllen den Raum mit Bewunderung – die Struktur schaut zu und wird nun das erste Mal durch ihren Koordinator mit der freiheitsliebenden Intuition zusammengeführt. Ein Spiel der Gegensätze, das entweder scheitert oder sich zum Unikat entwickelt. Es scheint, als laufen Blake Baxter- und Jeff Mills-EPs synchron, doch ohne dass sich die Impulse ineinander verzahnen oder der eine Sound vom anderen befruchtet wird, vielmehr als wenn der eine genauso gut ohne den anderen existieren kann.
Various Artists „RM241217“
Falke „O.N.G. Versions“
Polo „Leisure Time“
Sevensol & Bender „Das ideale Geschenk“
Various Artists „All Nite Bangers #01“
Soma Records als Vorbild