Rustre „Still Afraid of Heights“ (ThinkLoud)

Ok, dieses Album ist ein klassischer Fall von: untergegangen. Der Fotograf Gregor Barth hat es durch seine Foto-Doku über Rustre aber nochmals hervorgeholt – hier also eine verspätete Vorstellung.

Zugegeben: Bis Gregor von seinem Projekt mit Rustre sprach, hatte ich noch nie von ihm gehört. Und ja, mit seinem Electronica-Lofi-Pop fällt er auch leicht aus dem frohfroh-Radar. Der Emotionalität von „Still Afraid of Heights“ kann man sich aber schwer entziehen. Zu der ebenso minimalistischen wie harmonisch aufgeladenen Elektronik kommt der melancholische Gesang von Rustre hinzu. Und der kann einen mit seiner Emo-Power durchaus erschlagen. Denn er klingt so intim, so nah. Als ob hier alles an Gefühlen frei liegt und man erstmal die Frage klären möchte: Darf ich da hinhören, oder ist das zu privat?

Dreieinhalb Jahre hat Rustre an „Still Afraid of Heights“ gearbeitet – und nach einem Schnellschuss klingt es tatsächlich nicht. Er schichtet Gitarren und Field Recordings übereinander, loopt und pitcht seine Stimme zu verschiedenen Layern. Brüche sind ihm sehr recht. Klaren, auf den klassischen Pop- oder Elektro-Klimax hinarbeitende Dramaturgien dagegen weniger. Teilweise stehen die Stücke am Ende komplett woanders als am Anfang. Rustre knüpft mit seinen Stücken an eine Lofi-Pop-Ästhetik an, die bei mir eine gewisse Nostalgie auslöst. Vielleicht, weil es schon etwas länger her ist, dass mich dieser Schlafzimmer-Frickler-Sound richtig gepackt hat.

Doch: Rustre sollte man im Blick behalten. Zum Beispiel auf diesen Bildern, die Gregor im Rahmen der „Artists“-Reihe von ihm gemacht hat.

Defrostatica und der Future Sound of Leipzig

Die CD ist wieder da – dank eines Samplers von Defrostatica. Und dieser ist eine Ansage. 17 Tracks, 17 Producer, 17x Future Sound of Leipzig.

Ist Defrostatica gerade das fleißigste Label in der Stadt? Oder vergeht nur die Zeit zu schnell? Jedenfalls habe ich gerade das Gefühl, dass jeder zweiter Beitrag von mir das Label featuret. Aber es ist ja auch verdient: Nach der „Rogue Style EP 2“ und der „Alteration EP“ holt Defrostatica nun zum großen Rundumschlag aus und präsentiert auf der Compilation „Future Sound of Leipzig“ siebzehn Tracks von Producern aus Leipzig. Und holt ein vergessen geglaubtes Format zurück: die CD.

Wie, was, Compact Disc? Nur auf den ersten Blick ist das eine seltsame Wahl. Denn seien wir ehrlich: Wieviele DJs legen – gerade im Drum & Bass und noch mehr im Footwork – mit Vinyl überhaupt auf? Ohne die alte Vinyl- vs. Digital-Leier ankurbeln zu wollen: Gerade bei einem hochenergetischen Sound und schnellen Übergängen sind Files fraglos im Vorteil. Und anstatt wieder die ganzen USB-Sticks umzuladen … he, da ist so ne CD doch viel schneller eingepackt und auch rausgeholt.

Und Platz hat so ein Ding: 69 Minuten Musik gibt es hier auf die Ohren. Obwohl der Fokus natürlich auf Drum & Bass und Footwork liegt, wirkt die Trackauswahl abwechslungsreich und stimmig zugleich. Das ist für Compilations in diesem Bereich durchaus ein Kunststück, zeigt aber auch, wie unterschiedlich hiesige Musiker den Sound für sich interpretieren.

Da gibt es gewohnt souveränen Halfstep von alten Hasen wie Kjubi, scheppernde Breakbeats von dem mir bisher unbekannten Maltin Worf, superquirligen Acid von DJ Yumyum oder auch Trap-ähnliche Slow-Mo-Beats von Alza54. The Boy and the Sine erinnern an klassische Dubstep-Qualitäten, LXC refixt „Connor“, indem er einmal quer durch seine Rave-Samples scrollt, und SicStyle lässt ein paar Jungle-Sounds vergnügt auf Footwork treffen. Überhaupt, Footwork scheint hier fast immer durch, manchmal in Form von Samples, manchmal auch in der Platzierung der Bass-Drum. Label-Chef Booga dreht das ganze in seinem Remix zu „Brooklyn“ dann, indem er die Bass-Drum gerade durchmarschieren lässt und damit mal zum Techno rüberwinkt, der neidisch am Gartenzaun steht und die ganze Chose beäugt.

Ja, und dann gibt es als Sahnehäubchen noch „Mahalo“ von KC. Ein kurzer, fast schon intimer Song, bei dem zurückhaltender Gesang auf eine verzerrte Bass-Drum treffen – und der die Compilation nochmal um eine ganz andere Dimension erweitert.

Natürlich gibt es noch viel mehr zu entdecken – einfach mal reinhören:

Wie es zu dem Projekt kam – das erzählen Tina und Booga von Defrostatica vielleicht im folgenden Interview. Außerdem: Am 11.05. findet die Release-Party zur Compilation statt. Dazu gibt es eine kleine Verlosung nach dem Interview:

Future Sound of London, Future Sound of Cambridge, jetzt Future Sound of Leipzig … Mit dem Namen stellt ihr die Compilation bewusst in eine Tradition, den Sound einer Stadt zu präsentieren, oder? Wie kam es zu der Idee?

Wenn wir dir das sagen, müssen wir dich leider umlegen. Hashtag Zwinker. Also wir verstehen das eher als Mission denn als Status. Und ja, wir fänden das schon gut, wenn wir in ein paar Jahren tatsächlich Teil so einer Tradition sein können. Bis dahin gibt es für uns und die Künstlerinnen noch viel zu tun. Darauf haben wir eben auch großen Bock.

Ihr verweist im Promo-Text auf den Leftfield-Bezug, der in Leipzigs Drum & Bass-Szene vorhanden ist. Wie repräsentativ ist dieser und wie prägt er die Compilation?

Zu 100% ist die Compilation von den Vibes der Künstlerinnen geprägt, die schon eine Weile offene Augen & Ohren haben für Spielarten, die zwischen 160-170 BPM und dem jeweilgen Halbtempo liegen. Wir alle haben in den letzten Jahren den Autonomic Sound von dBridge & Co. verinnerlicht, haben die Einflüsse von Chicago Juke und Footwork wahrgenommen und ihre britische Interpretation als musikalischen Schulterschluss von Künstlern wie Om Unit, Fracture und Sam Binga gefeiert.

Es passiert halt sehr viel zwischen 4 on the floor und klassischem Drum & Bass – und wir und die Künstlerinnen mögen die hybriden Stile sehr. Mutantenmusik.

Ich stelle mir vor, dass so ein Projekt durchaus seine Zeit benötigt. Könnt ihr etwas zu dem Entstehungsprozess sagen?

Das war die größte und geilste Schatzsuche, die wir bislang zusammen gemacht haben. Während wir einige Künstlerinnen ja schon eine Weile genervt haben, sind wir dadurch auch noch auf andere gestoßen, die vorher nicht auf unserem Radar waren. Da sind sehr schöne zufällige Domino-Momente entstanden und wir sind sehr glücklich darüber, neue Leute kennengelernt zu haben. Diese neuen Beziehungen wollen wir natürlich ausbauen und werden damit auch gut beschäftigt sein.

Die Idee zur Compilation gab es schon zu Beginn des Labels 2015, aber die Zeit war einfach noch nicht reif. Im Februar diesen Jahres haben wir sie wieder aufgenommen. Jetzt hat es so schnell geklappt, weil wir zum einen LXC vom Leipziger Label Alphacut als Mastering Engineer gewinnen konnten, der ja auch schon einige Künstlerinnen persönlich kennt. Zum Anderen haben wir uns angesichts der Anzahl der Tracks aus Kostengründen gegen Vinyl entschieden. Deshalb ist es dann eine CD geworden.

Gutes Stichwort: Warum eigentlich CD?

Wir finden es wichtig, dass unsere Veröffentlichungen da bleiben, wenn das Internet mal abgeschaltet wird – was wir aber natürlich nicht hoffen. Also wenn es passiert, waren wir’s nicht! Was noch hinzukommt: CD pressen geht viel schneller und eine/r von uns beiden ist der Meinung, dass die CD ein Comeback vor sich hat.

Am 11.05. wird das groß gefeiert: Was erwartet die Besucher?

Ein beseeltes Team Defrostatica aus DJs, Live-Künstlern und seinen Freunden. Hier einmal euphorie.jpg und airhorn.mp3 einfügen.Win win: Defrostatica feiert die Compilation natürlich mit fast allen beteiligten Künstlern groß in der Distillery. Wir verlosen 2 Gästelistenplätze mitsamt einer CD – schreibt einfach in die Kommentare, wieviel bpm ihr am liebsten habt und gebt eure Mail-Adresse an (diese wird nicht öffentlich angezeigt).

Platten aus dem Club – Distillery Records

Das Berghain hat es, das Katerblau auch, genauso das Robert Johnson – und ab sofort die Distillery. Die Rede ist von einem eigenen Club-Label. Die Zeit dafür war überreif, es brauchte jedoch etwas, bis es jemand wirklich in die Hand nahm. Wir haben die beiden getroffen.

„Gibt es etwas, das du gern umgesetzt hättest“, lautete eine Frage an Distillery-Chef Steffen Kache im frohfroh-Interview zum 25. Club-Geburtstag. „Das Thema Label und Booking-Agentur ist über die Jahre leider nicht entstanden. […] Aber das wollen wir jetzt endlich angehen,“ antwortete er darauf. Ein halbes Jahr später ist es nun soweit: Die Distillery startet ihr eigenes Label.

Ein Blick zurück – und auf Discogs – verrät, dass dies nicht der erste Versuch war. Schon einmal erschien eine Compilation im Namen der Distillery. 2001 zum neunten Geburtstag war das, damals noch mit Tracks von Marlow, Frankman, Da Halz und Studio H, einem frühen Projekt von Filburt. Danach folgte sogar eine weitere EP von einem Artist namens Medicine Eardrum. Danach wiederum nichts mehr. Oder doch? Zum 20. Geburtstag gab es doch ein Vinyl. Das war aber ein Geschenk von R.A.N.D. Muzik.

Die Geschichte verbindet
Dass nun nach 25 Jahren endlich der Schritt zu einem Club-Label klappt, ist vor allem zwei Menschen zu verdanken: Gamal (aka Mauro Caracho) und Markus (aka Peter Invasion). Anfang 2017 merkten die beiden bei einem gemeinsamen Essen, dass sie die Idee eines Distillery-Labels reizt. Markus hat mit Riotvan bereits erfolgreiche Label-Erfahrungen gesammelt, Gamal ist seit dem letzten Jahr Distillery-Resident und hatte „Bock, sich dort noch mehr einzubringen“, meint er. Und weiter: „Wir haben uns dann mehrmals getroffen und ein richtiges Konzept geschrieben, eine Art Businessplan. Von Anfang wollten wir auch Steffen mit ins Boot genommen, damit es nicht wieder im Sande verläuft. Am Ende meinte er nur: ‚Finde ich gut, macht mal.’“Gamal und Markus sind seitdem als Label-Manager für Distillery Records zuständig – „relativ autark. Wir versuchen natürlich, Steffen und Marc vom Booking mit einzubinden. Aber sie vertrauen uns“, so Markus. Vertrauen schenkte ohne mit der Wimper zu zucken auch Kompakt. Ein Traditionsvertrieb aus Köln, der für Distillery Records eine Ausnahme vom Aufnahmestopp neuer Labels machte. Die Geschichte verbindet. Und die gemeinsamen Partys. Denis Stockhausen vom Kompakt-Vertrieb kam extra rüber in den Osten, als im letzten Herbst die Wighnomy Brothers in der Distillery ihr Comeback feierten. „Denis meinte, dass dies die beste Party war, die er seit Jahren erlebt hätte,“ so Markus. Da wurde nicht lange gezögert und der Vertriebsvertrag war unterschriftsreif.

Featuring the saturday rave
Die Nummer 1 des Distillery Records-Neustarts kommt eigentlich ein halbes Jahr zu spät. Denn die Debüt-Compilation auf Doppel-Vinyl hat den 25. Club-Geburtstag als Aufhänger. „Doch es ist einiges an Papierkram zu erledigen, wenn man ein Label gründet – wir wollten uns aber keinen Stress machen“, meint Gamal.

Letzte Woche erschien „25 Yrs Distillery“ schließlich, auf Doppel-Vinyl und mit einigen Digital-Bonus-Tracks. Wie so oft bei einem Labelstart wird anfangs erstmal der musikalische Rahmen abgesteckt. Bei der Distillery kommen noch eine Menge historische Verweise dazu. Und so sind neben Tracks von Residents wie Daniel Stefanik, Georg Bigalke, Chris Manura, Lars Christian Müller und Filburt auch Stücke von langjährigen Freunden des Hauses dabei: Joel Mull, Monkey Maffia, Hector Oaks. „Das sind alles Leute, die seit langer Zeit mit dem Club verbunden sind und regelmäßig hier spielen“, sagt Markus.

Gemeint sind jedoch nur die DJs und Producer, die samstags in der Distillery auflegen. Der Freitag mit seinem diversen Breaks-, HipHop- und Dub-Programm bleibt bei Distillery Records außen vor. Vielleicht entsteht für den Freitag irgendwann mal ein eigenes Sub-Label – doch das ist Zukunftsmusik, meint Markus.

Dabei ist auch der Samstag aus Label-Sicht durchaus herausfordernd: „Normalerweise filtert ein Label Musik aus einer bestimmten Musikrichtung heraus. Distillery Records soll aber schon den Sound des Ladens widerspiegeln – und der besteht mit Techno und House aus zwei sehr verschiedenen Stilen“, so Gamal.Demo-Stopp vorm ersten Release
Geplant sind künftig drei bis vier physische Releases plus ein paar Digital Only-EPs pro Jahr. Natürlich geht es dabei um den Aufbau einer Plattform für die distillery-nahen Producer, aber nicht nur. Gleich die nächste Platte bricht mit den Erwartungen. Statt eines Residents legt Joel Mull eine Artist-EP nach, und die wird zudem eher Techno als Tech House oder House sein.

Was der gute Ruf der Distillery nebenbei auch mit sich bringt: Demos einschicken ist sinnlos. Noch vor der ersten Platte waren die Postfächer bei Gamal und Markus voll mit Demos – „auch von großen Namen“. Die ersten zwei Jahre sind allerdings geplant mit Veröffentlichungen. Nicht im Detail, aber von den Künstlern her.

Nach der Release-Party im Kompakt-Store letzte Woche, folgt am kommenden Wochenende zu Hause die große Feier. Dabei ist ein Großteil der Acts, die auch auf der Compilation einen Track beigesteuert haben. Mit dem Label machen künftig auch die Distillery-Showcases über die Heimat hinaus regelmäßiger Sinn. Bisher liefen die nur im Rahmen der großen Geburtstage.

Die Hits
Und wie ist sie nun, die erste Distillery-Platte? Sehr durchmischt mit klassischem House, langatmigen Tech House, straightem Techno, einem Hauch Disco und Breaks. Meine Hits: „Driven“ von Joel Mull, „Monkey Breaks“ von Monkey Maffia, „Thursday Noon“ von Napoleon Dynamite und „Repeating Their Past, Seeding Out Future“ von Hector Oaks.

Behind the nights – Fat Bemme

Was Schmalzbrote mit Drum & Bass zu tun haben, warum das Opening eigentlich die größte Kunst am Abend ist und was es sonst noch über die Veranstaltungsreihe namens Fat Bemme zu sagen gibt, lest ihr hier.

Schon zur Eröffnung des mjut wurde spekuliert, nun ist es offiziell: Fat is back. Nach der Schließung des Westwerks war es nämlich auch mit der Fat Bemme vorbei – bis jetzt. Im mjut findet dieser Tage die Relaunch-Party statt. Ein guter Anlass sich die Veranstaltung, die sich Drum & Bass, genauer dem Neurofunk und weiteren düsteren Stilen, verschrieben hat, genauer anzuschauen. Wir haben Micha aka Aloo und Jan aka Audite von Fat Bemme zum Interview getroffen.  Relaunch #20
Wintermute, Neonlight, Cues, Audite und Aloo sind die sechs Köpfe hinter der Fat Bemme. Neonlight besteht aus zwei Menschen, gesamtzahltechnisch passt es also. Um den Kern schwirren noch Helfer/innen und externer Support herum. So eine Party lässt sich natürlich nicht zu sechst schmeißen. Angefangen hat die Fat Bemme, als sie noch gar nicht Fat Bemme hieß, sondern „Rodeo“.

Nach der Umbenennung folgten vier Jahre im Westwerk mit regelmäßigen Partys und internationalen Gästen. Das größte Highlight in dieser Zeit war in jedem Falle die Veranstaltung mit Ivy Lab, da sind sich beide einig (und schwärmen). Traurig um den Cut nach der Schließung des Westwerks sind sie allerdings nicht. Im Gegenteil, die Pause empfanden sie als gut, denn das Partymodel war irgendwie festgefahren.

„Drum & Bass ist oft zwischen 18 und 25 ein Thema. Dann wandern die Leute zum Techno ab. Na ja, außer uns“, lachen die beiden.

Fast ein Jahr nach der Abschiedsparty ist die Motivation aber wieder da und mit dem mjut haben sie endlich ein neues Zuhause gefunden. „Wir wollten nicht irgendwo wieder anfangen – die Location muss zu uns passen. Schon im Westwerk war die Fat Bemme immer eine Co-Produktion zwischen uns und dem Club, so sollte es auch wieder sein“, erzählt Jan.Um den Fat Bemme-Fans (und denen, die es werden wollen) eine Party auf zwei Floors mit gewohnt düsterem Neurofunk und harter Bass Music zu bieten, wird seit einem halben Jahr gearbeitet. Neues Logo, neuer Club, dieselbe Crew: „Wir sind gespannt wie Publikum, Raum und unsere Musik zusammenspielen. Wir fangen quasi wieder von vorne an und das ist cool.“

Kopf oder Zahl
Nur ums Feiern geht es bei der Fat Bemme btw nicht. Künstler/innennachwuchs fördern und das dazugehörige Empowerment junger DJs stehen ebenfalls auf der Agenda. „Wir sind alle nicht mehr so die Jüngsten“, sagt Jan, „und wir wollten und wollen genau deswegen auch jungen Künstler/innen einen Platz und somit Gigs bieten.“

Zum Schluss werfen die zwei noch fix eine Münze, die entscheiden soll, mit wem der Relaunch starten wird. Ein wichtiger Slot, denn hiermit wird der Grundstein für die restliche Nacht gelegt. Wer von beiden das Opening spielen wird, das könnt ihr dann selbst herausfinden.PS: Die Schmalzbrote (auch in vegetarischer Form) gibt es übrigens echt, kein Witz. Was als kleiner Scherz begann, ist mittlerweile feste Tradition bei Fat Bemme-Partys: Es werden geschmierte Brote verteilt. „Drum & Bass ist eine Musik zu der exzessiv getanzt wird. Ein kleiner Energieschub zwischendurch ist da sicher nicht schlecht“, lacht Micha. Übrigens schmieren Neonlight meistens selbst die Stullen. Eine vom Headliner geschmierte Fett-Bemme bei der Fat Bemme essen – noch ein Grund mehr, am 9. Mai (pünktlich zum Opening) ins mjut zu gehen.

Bilder (farbig): Adrian Bauer

Slave to the Rhythm in der Residenz

Die Performance „Slave to the Rhythm“ vom Choreograf Hermann Heisig setzt sich derzeit in der Residenz vom Schauspiel Leipzig mit der Verbindung von Musik und Bewegung auseinander. Als akustische Quelle holte er sich die Arbeit von Kassem Mosse dazu. In dieser Woche gibt es die Aufführung nochmals in der zweiten Welle zu sehen.

Der 1981 in Leipzig geborene und in Berlin lebende Choreograph, Tänzer und Performer Hermann Heisig setzt sich in seinen Arbeiten vornehmlich mit Reibungseffekten von Körpern in sich, miteinander und mit ihrer Umwelt auseinander. Ihn interessiert das Umständliche und so folgt er der paradoxen Logik, sich in einer Zeit der Entkörperlichung mit Tanz zu beschäftigen. Er blickt auf zahlreiche Kollaborationen zurück, darunter mit der Band Brockdorff Klanglabor. In „Slave to the Rhythm“ produzierte Kassem Mosse den Sound zur Performance, der innerhalb dieser abgespielt und vielmehr als Quelle der Bewegung genutzt wird. Bei der Uraufführung im April war der Sound-Virtuose mit einem DJ-Set nach der Vorstellung dabei.

Im Bühnenraum verteilen sich in den Ecken der Tanzfläche fünf weiß-lackierte Holzkisten, davon zwei in Quaderform, zwei stufenförmig und ein Prisma. Im linken vorderen Teil spielt sich eine Darstellerin auf dem Synthesizer eintönig, auf nur wenigen Tasten entlang. Ein Anspruch auf Vielfältigkeit oder Variation existiert nicht. Nur streng blickt sie über ihre Brille. Kein Lächeln gefährdet die roten Lippen.

Zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer schreiten auf die Bühne. Glitzerjacken, Leggings, Plissee-Rock und Sneaker kleiden sie in schwarz, weiß und grauer Farbauswahl. Die Anweisungen beginnen. Die Bewegungen erfolgen im Rhythmus des Klatschens, der Tanz zur Monotonie des Sounds. „Breath in, Breath out“ und nicht zu vergessen beim synchronen Auf- und Abschreiten: „Enjoy“. Töne dringen ins Nervensystem der Tanzenden ein, um unmittelbar Befehle auszuführen. Die Körper bewegen sich im Takt, wie sich Soldaten zur Marschmusik bewegen. Durch die drei Elemente Zeit, Raum und Körperkraft wird die bloße Bewegung zur künstlerischen, musikalischen Leistung – so der Ansatz von Emilé Jaques-Dalcroze. Dabei werden in Dalcrozes rhythmischer Gymnastik durch die Ausbildung des Nerven- und Muskelsystems sowie des Hörens die Elemente so eingesetzt, dass Musik plastisch realisiert wird.

Der Schweizer Musikpädagoge erhob diesen Ansatz zur Erziehungskunst im Kontext der Lebensreformbewegung des 20. Jahrhunderts. So bedinge Musik und Rhythmus nicht nur körperliche Bewegung, sondern ebenso seelische. Die Bewegung gelte als Ausdruck eines freieren Lebensgefühls, ebenso als Ursprung der geistigen Freiheit. Damit einher ging die Suche nach dem „neuen Menschen“ in der Gegenbewegung zur modernen Welt und war Antwort auf die Sinn- und Identitätskrise als Folge des technischen Fortschritts und der Beschleunigung des Lebens.

Jeder einzelne Schritt wird von der lehrerhaften Akteurin angewiesen, jeder Schritt ist synchron – Abweichungen existieren nicht – Freude auf Zuruf. Auch wenn die Performenden mit letzter Kraft ein Lächeln erzwingen, als sie bereits zum zwanzigsten Mal händehaltend vor- und zurück schreiten und die Zuschauenden in erschöpfte Gesichter blicken. Die Tänzer verschwinden nach und nach von der Bühne bis nur noch einer übrig bleibt. Musik aus. Der Gebliebene tanzt und tanzt und tanzt.

Rhythmus als Quelle von Freude und Kraft – so die Dalcroze-Methode.

Mit weißen Gymnastikbällen in den Händen schreiten die PerformerInnen wieder auf die Bühne, rhythmisch werfen sie die Bälle hoch und runter. Eine Darstellerin tanzt mit der Holzkiste im Off. Die Homogenität bröckelt. Die Gruppe baut aus den weißen Hindernissen eine Rutsche – „The Risk“. Jeder gleitet im eigenen Ausdruck herunter, bis sie „The Risk“ gemeinsam nehmen. Dicht verschlungen ineinander schlafen sie ein. Das Licht wird heller, der Sound erinnert an Vogelgezwitscher.
Die Gruppe spaltet sich. Mitten dominieren im vormaligen monotonen, singulären Sound. Das einst klar Rhythmische wird flächig, das Klangspektrum breiter. Während die einstige Anweisende mit einer Tänzerin in einer Ecke sich zueinander spiegelnd bewegt, tanzen die anderen ekstatisch, unrhythmisch, schlagen sich, bekriegen sich, entkleiden sich teilweise. Das ganzheitliche System der Elemente gerät außer Kontrolle. Die vier Tanzenden positionieren sich in einer Reihe vor dem Publikum. Durch langsame, rhythmische und homogene Bewegungen fungieren die Körper als Betrachtungsfläche. Die Vorstellung endet.

Das System aus Sound und Bewegung erzeugt innerhalb seiner Wirkung eine Ganzheitlichkeit, die es dem Zuschauenden erschwert, beides zu trennen, sich zu fokussieren oder gar zu unterscheiden, ob die Töne aus dem Off kommen. Zufällig oder auch bewusst wird bei der Produktion die Wirkung monotonen Sounds und die damit einhergehende monotone Bewegung, die auch vom Clubs-Dancefloor bekannt ist, aufgegriffen. Gerade bei Techno können Tanzende hierbei einen Trance-Zustand erreichen und eine gefühlte geistige Freiheit erfahren. Doch sind gerade Kassem Mosses Sounds sonst eher untypisch für Stetigkeit und wiederkehrende Elemente. Er nutzt hier also vielmehr die Bandbreite seiner Sound-Variationen. Das Spektrum wird auch in der zweiten Hälfte der Produktion angewendet, als die Homogenität bricht, die Rhythmik außer Kontrolle gerät und das ganzheitliche System zerfällt. Sehenswert und hörenswert – finden wir.

Fotos: Rolf Arnold

Neu neu: Frische Musik von Salomo, Schmeichel und WaqWaq Kingdom

Vary, Defrostatica und Jahtari begrüßen mit neuen 12″-Veröffentlichungen den Sommer.

Das haben wir im Januar total versäumt: „Reflecting Pools“ heißt das zweite Release, welches auf dem hauseigenen Label des Vary Recordstores erschienen ist. Diesmal handelt es sich aber nicht um eine Compilation verschiedener Artists. Stattdessen gibt es zwölf Tracks von Salomo zu hören.

Und die passen super zum schönen Sonnenschein. Denn Salomo präsentiert hier einen angenehmen, Jazz-beeinflussten Sound, der sich nicht aufdrängt, aber auch keine öde Fahrstuhluntermalung ist. Sehr organisch, wie man so schön sagt, ganz gleich, ob es sich um housige Stücke wie „Gradient“ und „Together“ handelt oder die Drums auf den meist kürzeren Stücken wie „Distant Love“ oder „Water Your Ferns“ keine Rolle spielen. Eigentlich der perfekte Soundtrack für einen Kaffee im Vary.

Bleiben wir beim Vary-Umfeld: Mit Schmeichel gibt es einen weiteren Producer, der mit dem Plattenladen verbunden ist. Fünf Tracks fasst er für die „Alteration EP“ zusammen, mit der Defrostatica dieses Wochenende den Sommer einläutet. Eine gute Adresse, denn das Label legt sich sehr ins Zeug, um auf seine Releases aufmerksam zu machen.

Der Rahmen ist klar: Musik um die 160 bzw. 80 bpm, also Drum & Bass, Footwork, Halfstep und so weiter. Ob durch die Sample-Auswahl oder die doch recht entspannte Grundstimmung begründet – irgendwie verweisen die Tracks von Schmeichel für mich sowohl auf Hip Hop wie auch auf House und umschiffen die doch manchmal anstrengenden Stakkato-Eskapaden, die für Juke typisch sind.

Überhaupt fällt zudem der lässige Umgang mit den Genre-Konventionen auf. Auf Stücken wie „IKillWantU“ rückt Schmeichel genau die Stellen der Vocal-Samples in den Mittelpunkt, die andere zugunsten erkennbarer Wörter eher wegschneiden würden. Schön auch der Effekt, wenn von der Bass-Drum in „Talkin“ und „Uhhhwheeee“ nur noch der Subbass übrig bleibt – als würde der Sound in der Luft schweben.

Ein Interview mit Schmeichel gibt es übrigens bei It’s Yours.

Zuguterletzt gibt es Neuigkeiten von Jahtari: Eine neue EP von WaqWaq Kingdom ist erhältlich. Wir erinnern uns – WaqWaq Kingdom ist ein Projekt von Kiki Hitomi und DJ Scotch Egg.

Auf fünf Tracks wird der Faden von „Shinsekai“ aufgegriffen und so fallen vor allem die Moondog-ähnlichen Percussions wieder auf. Vor allem die ersten drei Tracks wirken – trotz allerlei Synthesizer-Geplänkel und stellenweise fast schon Stammesgesangsähnlichen Vocals von Kiki Hitomi – leichtfüßiger als beim Vorgänger. Roger Robinson meldet sich bei „Ceremony of Vision“ auch kurz zu Wort und „Sugar Pills“ könnte auch fast als Pop-Song funktionieren.

Erst mit dem Ambient-Stück „Ozu“ wird die Energie zurückgenommen und mit „Ego Enzyme“ beendet ein psychedelisches Dubstep-Ungetüm die EP.

Band-Premiere – Fhlaipw

Arpen und Philipp Rumsch haben zusammengefunden – und das scheint ziemlich gut zu funktionieren. Zusammen mit Drummer Jörg Wähner und Visual-Artist Andi Rueckel haben sie eine audiovisuelle Band gegründet: Fhlaipw.

Wer es nicht ganz auf dem Schirm hat: Arpen war bisher bei Analogsoul aktiv, im Band-Kontext bei Mud Muhaka und A Forest, es gab ein extrem gutes Solo-Album, das bereits Arpens Faible für das Avantgarde anteaste. Über Philipp Rumsch haben wir erst letzte Woche berichtet, genauer über sein gleichnamiges Ensemble, das Elektronik-Dramaturgien mit Jazz-Instrumentarium kreiert.

Beide zusammen sind nun Fhlaipw. Aber sie sind nicht allein. An den Drums und der Elektronik steht auch Jörg Wähner, der einige Jahre bei Apparat mitspielte. Und Andi Rueckel hat eine Software programmiert, die sound-sensitive Visuals generiert. Davon ist auf dem nun ersten veröffentlichten Track noch nichts zu sehen. Dafür heute Abend im UT Connewitz. Dort spielen Fhlaipw im Vorprogramm der Band Ätna – es ist quasi die Bandpremiere.

Und der erste Track, ein 13-minütiges Monument, deutet auf ein sehr spannendes, ambitioniertes Projekt hin. Diffuse und abstrakte Drones- und Ambient-Soundscapes mischen sich bei „FFF8E7“ mit dem verzehrt-verrauschtem Gesang Arpens und kurzatmig-unberechenbaren Drums.

Über die gesamte Länge klingt es so, als ob die Kernthemen in unterschiedlichen Aggregatzuständen zu hören wären.

Wobei es in der zweiten Hälfte durchaus melodisch wird – natürlich auch durch die extra eingespielten Streicher. Doch: Es endet so neurotisch wie es begonnen hat.

Aktuell arbeiten Fhlaipw an weiteren Stücken, die bestenfalls im nächsten Jahr auf einem Album erscheinen werden, meint Arpen. Hoffentlich.

Neues aus der Wolke – LoFiTravellers

Verträumter Sound aus kleinen, bunten Kisten: Die LoFiTravellers zeigen, dass Gameboys nicht im Schrank verstauben müssen.

Zunächst ein Rückblick: Ein kleines, dezentes Highlight des Bassmaessage-Jubiläums im letzten Herbst war für mich ein kleiner Floor in der Nähe der Toiletten, der von mehreren Live-Acts bespielt wurde. Entspannt-experimentelle Untermalung also auf dem Weg zur Notdurftverrichtung. Auch die LoFiTravellers haben dort ein Set gespielt und das war nicht nur musikalisch interessant: Allerlei kleine miteinander verkabelte Synthesizer, Gameboys, Effektgeräte und Drum-Machines gab es zu sehen, dazu wurden 7″-Platten auf einem kleinen Plattenspieler gescratcht. Das Ergebnis war ein sehr viel verträumterer und spacigerer Sound, als die Beschreibung der Instrumente vielleicht vermuten lässt. Aber überzeugt euch selbst – es existiert glücklicherweise ein Mitschnitt:

Hinter den LoFiTravellers stecken Shortee aus Leipzig und TRIAC aus Dresden, die mit ihren Solo-Projekten schon seit einiger Zeit im 8-Bit-Bereich aktiv sind und damit auch live in diversen Clubs und Festivals anzutreffen sind. Während die Musik von Shortee vor allem auf Soundcloud zu finden ist, gibt es das fünfte Album von TRIAC bereits seit Dezember auf Bandcamp zu hören. Was hinter ihrer Zusammenarbeit steckt, erzählen sie im Interview.

Ihr zwei seid mit euren eigenen Projekten schon seit geraumer Zeit im 8-Bit-Sound unterwegs. Wie kam es dazu, dass ihr vor allem mit dem Gameboy Musik produziert habt?

Shortee: Ich finde die Restriktion faszinierend. Man hat nur 4 Spuren mit jeweils sogar weiteren eingeschränkten Möglichkeiten. Da wird man kreativ und reduziert einen Track auf das Wesentliche. Außerdem kann man den Gameboy einfach überall hin mitnehmen und loslegen.

TRIAC: Nicht zuletzt ist für mich auch der nostalgische Sound ausschlaggebend. Ich saß schon als Kind zum Teil nächtelang im Bett und habe Gameboy gespielt. Und auch da schon hat mich der Sound und auch die Musik der Spiele fasziniert. Und als ich dann das erste Mal auf elektronische Tanzmusik aus dem Gameboy gestoßen bin, war ich hin und weg.

Wie kam es zur Zusammenarbeit als LoFiTravellers und was ist der wesentliche Unterschied zu den Solo-Projekten für euch?

Shortee: Wir haben letztes Jahr zusammen bzw. nacheinander auf einem Festival gespielt. Den Abend vorher haben wir uns einfach mit einer Box irgendwo aufs Gelände gesetzt, zusammen gejamt und ziemlich schnell gemerkt, dass wir das ausbauen sollten. Dann kam bald die Gelegenheit für den ersten Gig und die haben wir genutzt.

TRIAC: Für mich ist der große Unterschied zum einen, dass ich anders als beim TRIAC-Projekt sehr viel live mache, viel Improvisation und spontane Eingebungen. Zum anderen auch, dass ich nicht nur das mache, worauf ich gerade Bock hab, sondern eben auch den Input von Shortee mit aufnehmen kann.

Beim Nachhören eurer Live-Sets habe ich mich gefragt, ob ihr einzelne Songs als Grundlage verwendet oder die Musik komplett live improvisiert. Wie funktionieren eure Sets und wie bereitet ihr euch darauf vor?

Shortee: Es ist eine Mischung. Wir haben viele Patterns fertig und die Kombination ist größtenteils improvisiert. Dazu kommen dann Elemente, die wir live spielen.

TRIAC: Es gibt dabei so eine gewisse Aufgabenteilung – Shortee macht die Beats, Percussion und FX-Spielereien. Ich streue die Melodien, Basslines und ein paar Synthie-Sachen ein. Das ergänzt sich irgendwie ganz gut.

Gameboys, Mini-Plattenspieler, Mini-Effektgeräte – macht kleinformatige Technik beim Musikmachen mehr Spaß?

TRIAC: Naja, es macht vieles einfacher, z.B. den Transport. Ist schon lustig, mit dem Fahrrad und Rucksack sein komplettes Equipment transportieren zu können. Dazu kann quasi unser gesamtes Setup über Batterien laufen, was für Open-Airs eine feine Sache ist. Der Kostenfaktor spielt natürlich auch eine Rolle.

Shortee: Ich find es außerdem viel spannender als einen Laptop aufzuklappen, ’nen Midi-Controller anzuschließen und Play zu drücken. Es ist live ziemlich spaßig wenn man so viele kleine Elemente hat die man anfassen, timen und ändern muss. Am Ende hat alles zusammen dann auch einen sehr eigenen Sound.

Shortee, neben der Musik programmierst du Games und bist im Bereich Illustration aktiv. Gibt es dabei Überschneidungen für dich?

Shortee: Wo mich die Kreativität in meiner Freizeit eben so hintreibt. Seit fast 10 Jahren illustriere ich für unser Label Superfreunde, jedes Jahr allerdings ein bisschen weniger und die letzten 2-3 Jahre ist es nach langer Pause wieder mehr die Musik gewesen. Gamedesign ist spannend, aber da experimentiere ich nur ab und an herum. Das interessante dabei ist, dass man alle Disziplinen zusammenbringen kann.

TRIAC: Ich habe kürzlich auch an einem Game Jam teilgenommen, wo ich mit Freunden ein kleines Spiel entwickelt habe. Hier habe ich neben dem Sound auch ein paar Illustrationen gemacht. Ich bin eigentlich nicht so der Grafiker, war aber eine coole Erfahrung.

Was sind eure Pläne mit den LoFiTravellers ? Wird es Releases geben? Wo tretet ihr als nächstes auf?

Shortee: Wie der Name schon sagt glaube ich dass man uns demnächst öfter mal hier und da auf Reisen sehen wird.

TRIAC: Ein Release wäre auf jeden Fall auch eine Überlegung wert. Da müssen wir allerdings noch ein geeignetes Format finden, da wir ja bisher keine Tracks im klassischen Sinne anzubieten haben.

Shortee: Das einzige was wir im Moment mit Datum versehen können, ist ein Auftritt bei der langen Nacht der Computerspiele am 21. April, alles andere ist noch zu vage. Dort kann man uns allerdings direkt auf die Finger schauen, weil wir nicht in einem dunklen Club, sondern auf einem Flur in der HTWK stehen werden, das ist doch auch mal was.

Album-Backstock x Q1

Die letzten drei Monate waren gute Album-Monate – acht Elektronik-Alben aus Leipzig können wir vorstellen.

Das Album bleibt ein wichtiges Format, trotz unzähliger Spotify-Playlisten und DJ-Podcasts. Und das ist auch gut so, denn hier können auf andere Weise Geschichten erzählt werden – und mehr Bandbreiten aufgezeigt werden, als es im DJ- und Live-Act-Alltag möglich ist.

Kassem Mosse „Chilazon Gaiden“ (Ominira)

Ich fange chronologisch an. Schon Mitte Dezember veröffentlichte Kassem Mosse ziemlich unerwartet sein drittes Album. Und dass nur knapp ein Jahr nach dem experimentellen „Disclosure“ auf Honest Jon’s. Mit „Chilazon Gaiden“ bewegt sich Kassem Mosse wieder mehr in Richtung Dancefloor. Ein Großteil der Tracks wird von geraden Bassdrums und reduziert aufflackernden Synths angetrieben – allerdings mit sympathischen Verschiebungen und nostalgischem Maschinenfunk. Kassem Mosse konzentriert sich auf wenige Loops, die er scheinbar sich selbst überlässt. In dieser unberechenbaren Eigendynamik liegt die große Anziehungskraft.

Besonders mag ich die Tracks, die dramaturgisch den Club anteasen, ihn aber nicht bedienen. „Terminal Bar“ etwa klingt wie ein überlanger Break, der aber plötzlich erlischt. Und auch „Nobody Has To Know“ hält mit den vergrabenen, aber gerade so noch wahrnehmbaren Basssdrums und rasenden HiHats, eine Spannung, die ebenfalls im Nichts endet.

Dafür mischen sich mit „Paradizer“ und „Holding Firm“ zwei überraschend klassische, klar geschnittene House-Tracks in den Kassem Mosse-Stream. Ohne große Kanten und Verwerfungen. Dafür wunderbar in sich ruhend. Die Klammer zwischen all dem liefert ein Synth-Plätschern, das den ersten und letzten Track maßgeblich prägt. Ein tolles Album, wieder einmal.

Hobor „Constellations“ (PH17)

Ein weiteres Album für Special-Dancefloors lieferte PH17 – das noch junge Label von Solaris und Stanley Schmidt. Nach der breitgefächerten Compilation zum Start, geht es mit dem ersten Artist-Album weiter – vom Leipziger Hobor, der auch bei der Experimental-Ambient-Band Songs For Pneumonia mitmischt. Seine Solo-Tracks greifen ebenfalls die Dynamik des Clubs auf, aber deutlich abstrakter als bei Kassem Mosse.

Hier vermischen sich verschiedene Sound-Schichten zu einem Kaleidoskop verschrobener Dancefloor-Assoziationen. In einen anderen Kontext gesetzt, wären wahrscheinlich sehr treibende Club-Tracks entstanden. Hobor seziert jedoch mikroskopisch und bringt die Einzelteile neu zusammen. Das geht teilweise schon ins Avantgarde, doch die Sounds für sich bleiben lose miteinander vernetzt, sodass sich eine trippige Atmosphäre ergibt.

Nur bei „In A Sentimental Bus“ bleibt der House-Bezug noch erhalten, wenn auch mit einem schleppenden Nachhall. Mein Hit aber ist „Parallel Limes“ – flirrende Synth-Schnipsel und ein mächtiger Subbass, addicted.

Das Album ist als limitiertes Tape und digital erhältlich.

Lootbeg „Stargazing“ (O*RS)

Ende Januar brachte Filburts Label O*RS das Debüt-Album von Lootbeg heraus. Der A Friend In Need-Label-Betreiber hatte selbst in den letzten Jahren einen enorm diversen Output. „Stargazing“ fokussiert sich auf Lootbegs House-Seite und erweitert den musikalischen Rahmen erfreulicherweise um Ambient, Electro und Electronica. Und das nicht nur als kurze Interludes: „Landed“, „The Truth Is Out There“ und „I’m Able To Choose“ erhalten mehr als 90 Sekunden zum Entfalten.

Dazwischen gibt es soliden Deep House mit gutem Oldschool-Einschlag und ausladenden Synth-Harmonien. Nicht zu glatt, aber auch überhaupt nicht kantig. Was ich an „Stargazing“ extrem mag, ist die in sich geschlossene Stimmung. Der Anfang ist von einer nächtlich gedimmten Ruhe und Schwerelosigkeit geprägt. Zum Ende hin dämmert bei „They Caught Me In Chicago“ die Sonne und „You Could Not Hear“ teast mit Acid-Knarzen die Tageshektik an. Doch bevor die wirklich beginnt, legt sich Lootbeg mit „I’m Able To Choose“ noch einmal hin.

Laut der Album-Info widmet er sich auf dem Album aber den größten Mysterien der Geschichte, UFO-Landungen etc. Im demnächst bei uns erscheinenden Interview erfahrt ihr mehr dazu. Ach: Das Album erscheint digital oder als Fanzine mit mystischen Grafiken und Fotografien verschiedener Künstler/innen.

5HTTP „Since Then“ (A Friend In Need)

Und wo ich gerade bei Lootbeg bin: Sein eigenes Label feiert in diesem Jahr den fünften Geburtstag. Aus diesem Anlass gibt es zugleich das erste Album und das erste physische Release – ein Tape. 5HTTP aus Washington erhält hier also viel Platz. Und er versteht ihn gut zu füllen. Schon auf seiner ersten EP auf A Friend In Need ließ sein ebenso musikalischer wie druckvoller House-Sound aufhorchen.

Auf „Since Then“ führt er diese Mischung fort, mit stoischer Ruhe und ohne große Höhepunkte. Vielmehr gleiten die zwölf Stücke durch verschiedene House-Sphären. Überall schwingt eine nostalgische Melancholie mit, manchmal auch etwas Kitsch. Am besten finde ich die Tracks, bei denen die Bassdrums dreckig und angezerrt scheppern – konkret: „Den“ und „No“. Mit dem Titeltrack geht es schließlich noch kurz ins Poppige über. Doch auch hier: Leichte Übersteuerung und alles wird gut.

Severnaya „Polar Skies“ (Fauxpas Musik)

Mit gleich zwei neuen Alben ist Fauxpas Musik ins neue Jahr gestartet. Und dieses hier ist ein echtes Highlight: Denn Severnaya ist das Ambient-Projekt von Boris Bunnik. Einige dürften ihn als Conforce kennen und seine Delsin-Alben schätzen. Dort forscht er an den experimentellen Rändern von Techno. Zuletzt ging er also auf Ambient-Reise – mit den russischen Severnaya-Inseln als Assoziationsrahmen.

Einsame Eislandschaften und arktische Wildnis, Schönheit und Rauheit, all das vertont Bunnik sehr treffend und schlüssig in sieben Tracks. Heraus kommen einerseits super grazile, kristalline und meditative Soundskulpturen, andererseits auch dunklere und bedrohlich klingende Momente.

Mit „Terramodis“ dringt dann doch ein Stück Conforce hervor – und es erinnert daran, dass in vielen Conforce-Tracks der Ambient-Einfluss eine große Rolle spielt.

Irrelevant „Vague Memories II“ (Fauxpas Musik)

Anfang März folgte dann auf Fauxpas Musik ein Mini-Album des Briten Irrelevant – in Kooperation mit dem Label Absolute Loss. Nur zwei Tracks sind darauf, beide aber jeweils 17 Minuten lang. Und die haben es in sich.

In einem Fluss wechselt Irrelevant zwischen Ambient- und sphärischen, melancholisch eingefärbten Breakbeat-Parts. Gerade bei letzteren ist der Einfluss von Burial sehr deutlich herauszuhören – das Düstere und Mystische, die Art der Samples und Beats.

Doch was soll das Copy Cat-Lamentieren: „Vague Memories II“ entfaltet eine große Anziehung, wenn es ruhiger und dunkler wird. Die Zutaten und deren Mischung stimmen einfach. Und so kann ich nicht anders, als das Album sehr zu mögen.

Philipp Rumsch Ensemble „Reflections“ (Denovali)

Damit zu einem Album, an dem zwölf Musiker/innen beteiligt waren – mit Philipp Rumsch an der Spitze. Wir hatten bereits von dem Projekt berichtet, das mit großem Instrumentarium die repetitive Ästhetik von elektronischer Musik aufgreift. Das renommierte Denovali-Label war davon offensichtlich so angetan, dass es die Aufnahmen aus dem Herbst 2016 nun veröffentlichte.

„Reflections“ bewegt sich strukturell tatsächlich in der Elektronik, klangästhetisch aber im Jazz – in erster Linie natürlich durch die echten Drums, Bassgitarren, das Vibrafon und verschiedene Bläser. Statt digitaler und analoger Synthese, entstehen die Töne hier in einer anderen Unmittelbarkeit. Zugleich bleiben viele Stücke in ihrer Ausbreitung abstrakt, ohne Pop- und Club-Dramaturgie. Nur beim Cover „At Your Enemies“ widmet sich das Ensemble offensiv dem Pop.

Was mir ein wenig fehlt, ist der Crisp, die Reibung. Es ist schon alles recht geschmeidig – mit Ausnahme von „Interlude“ und „Part II“.

Octave Diesis „Telluric“ (Kontrapunkt)

Geschmeidig ist auch die zweite Veröffentlichung von Kontrapunkt, einem Leipziger Label, das wir im letzten Herbst erstmals vorgestellt haben. Nun also das erste Artist-Album von Octave Diesis aus Frankreich – nach der sehr bemerkenswerten Compilation waren die Erwartungen durchaus groß.

Dadurch aber auch die Fallhöhe: Denn leider verfangen sich die Stücke mit Piano und Ambient-Elektronik in ätherisch-orchestralem Kitsch und einer Naivität, die sich nicht mehr mit Minimalismus-Assoziationen entschärfen lässt. Da klingt keine Ironie durch, nur ernstgemeinte Ernsthaftigkeit, die jedoch auf dünnen Beinen steht. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Schade.

Produce like a pro – Workshop mit Neonlight

Selbst Musik produzieren ist seit Ableton, Maschine etc. scheinbar so leicht wie nie. Nicht alles erschließt sich dabei beim ersten Ausprobieren. Neonlight starten deshalb eine eigene Workshop-Reihe und geben ihr Wissen weiter.

Neonlight hatten wir vor zwei Jahren im großen Interview. Damals erzählten sie uns von ihrem „dichten Bass-Arrangement“ und ihrer Art „Drums zu komprimieren“. Die hat das Leipziger Duo immerhin zu einem der weltweit bekanntesten Drum & Bass-Acts gemacht. Nun wollen sie regelmäßig in ihr Studio einladen und Grundlagen, Tipps und Hacks zu verschiedenen Themen der Musikproduktion vermitteln. Profi-Know-how aus der Quelle also. Die ersten beiden Termine stehen:

21. April 2018, 10:30 – 17:00 Uhr zum Thema „Mixing“
26. Mai 2018, 10:00 – 16:00 Uhr zum Thema „Sounds“

Bei jedem Workshop können maximal zehn Teilnehmer/innen dabei sein. Kosten: jeweils 75 €. Anmelden geht über Facebook, einfach die Links oben klicken.Jakob meint: „Es gibt unzählig viele Tutorials auf Youtube sowie Lehrvideo-Dienstleister, aber nirgendwo kann man direkt Fragen stellen, wenn man etwas nicht verstanden hat. In einem persönlichen Rahmen können auch konkrete ‚Probleme‘ individuell besprochen werden. That’s our aim.“

Wir meinen: Ok cool.

 

Behind the nights – Petrola, FCKW und Subtuesday

Bier trinken, quatschen und gut selektierte Musik dabei hören – eine super Kombination, für die es in Leipzig viele Orte gibt. Erfreulicherweise auch außerhalb des Club-Geschehens: In einigen Bars gestalten regelmäßig DJs und manchmal auch Live-Acts den Abend.

Es gibt sie ja, die faulen Menschen wie mich, mit ihren diversen Ausreden, nachts nicht in Clubs zu gehen: Man hat ja soviel vor am nächsten Tag, der Eintritt ist zu teuer und überhaupt fängt das alles viel zu spät an. Dennoch ist es schön, Freunde auf ein oder mehrere Biere (oder Limos) zu treffen, und – abseits von schnöden Spotify-Listen – dabei ausgewählte, spannende Musik zu hören. Gut, dass einige Bars sich meiner Sorgen wohlwollend annehmen und ihre Räumlichkeiten der stetig ansteigenden Masse an DJs zur Verfügung stellen. Auch für DJs eine super Gelegenheit, all die Platten spielen zu können, die sonst die Tanzflächen leeren. Denn das Schöne dabei ist ja, dass hier auch Musik abseits der Club-Funktionalität ihren Platz bekommt und es je nach Geduldsfaden des Bar-Personals auch sehr experimentell zugehen kann. Oder aber, je nach Situation, auch genau das Gegenteil eintritt – und dann doch am Ende alle wieder tanzen.

Ohne Anspruch auf irgendeine Art von Vollständigkeit möchte ich drei Reihen voratellen, die regelmäßig ihre Bar-Gemütlichkeit von ausgewählten DJs untermalen (und manchmal auch aufbrechen lassen): Petrola, FCKW und Subbotnik. Dazu haben wir den Veranstaltern drei Fragen gestellt.

Petrola @ Links neben der Tanke

In der Lützener Straße 7 liegt die Bar, deren Name jede Wegbeschreibung überflüssig macht, solange die Tanke nebenan existiert. Jeden zweiten Samstag im Monat findet Petrola statt. Ab etwa 22 Uhr wühlen sich die eingeladenen DJs für euch durch ihr Musik-Archiv. Die Veranstalter Franzi, Max und Finn haben uns ein paar Fragen beantwortet:

Welche Idee steckt hinter der Reihe Petrola und wie kam sie zustande?
Wir hatten große Lust auf abwechslungsreiche Musik bei gleichzeitig ungezwungener Baratmosphäre. Das heißt, dass DJs mal die Möglichkeit bekommen einen Allnighter zu realisieren und dazu eingeladen werden, mal Platten auszugraben, die vielleicht schon etwas länger und tiefer in der Plattenkiste liegen und uns ihre Lieblingsmusik präsentieren. Das darf tanzflächentauglich sein, muss es allerdings explizit nicht.

Wer wird in den kommenden Wochen zu Gast sein?
14.04. Plastic House Crew, 28.04. hw rhapsody, 12.05. Petrola Crew

Was ist das beste Bier Links neben der Tanke?
Eindeutig das Zwickl.

Mehr Infos zu LNDT und Petrola findet ihr hier.

FCKW @ Sowiewir

FCKW ist wohl die dienstälteste Reihe, die wir heute vorstellen. Jeden Mittwoch schleppen DJs ihre Plattentaschen (manchmal auch Laptops) in die Feinkost, genauer: ins Sowiewir in der Karl-Liebknecht-Straße 34. Ab 20 Uhr rotieren dann die Turntables. Elias Zorn klärt uns über das Konzept auf:

Welche Idee steckt hinter der Reihe und wie kam sie zustande?
FCKW würde ursprünglich von Leuten des Fakecorekollektiv gegründet. Das war wohl um 2008/2009. Die Idee ist mir selbst nicht bekannt, aber es ging wohl darum, unterhalb der Woche einen Abend zu finden, an welchem sich Musikliebhaber der elektronischen Gangart zusammenfinden. Es gab zwei Anläufe im Staubsauger, die sich aber auf Dauer nicht aufrechterhalten ließen. Heute geht es auf jeden Fall um die vielen verschiedenen Facetten der elektronischen Musik, weit weg von schnöden Minimal Techno und Tech-House. FCKW findet von Anfang September bis Ende Mai jeden Mittwoch statt. Dann ist Sommerpause bis eben Anfang September.

Wer wird in den kommenden Wochen zu Gast sein?
11.04.2018 Bertolt Brechtakt, 18.04.2018 Peak Phine, 25.04.2018 Ron B, 02.05.2018 Kalaz, 09.05.2018 kjubi, 16.05.2018 Proceed, 23.05.2018 Corrado D

Was ist das beste Bier im Sowiewir?
Das Weltenburger Kloster ist ganz besonders empfehlenswert.

Weitere Infos über FCKW findet ihr hier.

Subtuesday @ Subbotnik

Das in der Könneritzstraße 32 gelegene Subbotnik ist einer der letzten verbliebenen Bars in Schleußig, die regelmäßig musikalische Veranstaltungen durchführen. Seit Herbst 2017 findet jeden Dienstag ab etwa 21 Uhr der Subtuesday statt, bei dem verschiedene DJs zusammen mit dem Gastgeber Wurzel auflegen. Der Macher der Sendung Gleichlaufschwankung über die dienstägliche Reihe:

Welche Idee steckt hinter der Reihe und wie kam sie zustande?
Die Idee zum Subtuesday entstand im Sommer 2017 am Tresen des Subbotnik. In Ergänzung zu den regelmäßigen Livekonzerten sollte ein Vinylbeschallter Musikabend für Klangfetischisten installiert werden. Mit Ausnahme von Clubmusic sollte alles erlaubt sein. Im Oktober startete dann die Veranstaltungsreihe und findet seitdem jeden Dienstag statt. Der Subbotnik-Resident Wurzel begrüßt so Woche für Woche Deejays und fordert zum Ping Pong DJ-Battle.

Wer wird in den kommenden Wochen zu Gast sein?
Die nächsten Termine: 10.4. Elias Zorn, 17.4. DJ Timm Völker, 24.4. DJ Jørg, 1.5. International Bauer, 8.5. Bertold Brechtakt, 15.5. Ulli Lask, 22.5. SBKTN, 29.5. Corky Sunshine.
Ab Juni wird es sommerbedingt nur einen Subtuesday im Monat geben, bevor ab September der alte Rhythmus wieder aufgenommen wird.

Was ist das beste Bier im Subbotnik?
Das günstige Hausbier und das Pilsener Urquell sind die Evergreens aus dem Hahn.

Weitere Infos zum Subtuesday findet ihr hier.

Neuer Club in Leipzig: mjut

Allzu viele Hard-Facts ließen sich über den neuen Club in Leipzig nicht sammeln, Stichwort Überraschung. Ein paar Dinge gibt es aber trotzdem zu sagen.

Baustellencharme
Der Name „mjut“ geistert seit ein paar Wochen durch etliche Gespräche. „Ah, dieser neue Club im Osten, ja, unbedingt, wann macht der endlich auf?“ – auf diese und eins-zwei weitere Fragen antworteten mir vier Mitwirkende des mjut-Clubs, die sich noch vor Eröffnung Zeit genommen haben, mit mir über ihr Projekt zu sprechen.

Wir sitzen vor dem Club, auf einer Couch in der Sonne; dort, wo in den kommenden Wochen ein Außenbereich entstehen soll. Um uns herum sieht es zwar noch unfertig aus, aber kalte Getränke gibt es schon. Gegenüber wird gerade die Anlage getestet. Eigentlich sollte ja schon viel früher eröffnet werden, allerdings gab es ein mittelschweres Problem: 50 qm Dachfläche wurden von einem Sturm („Friederike“) weggefegt und die Eröffnung musste verschoben werden. Na ja, das Dach ist mittlerweile wieder fit und es kann losgehen.

Kunst_Kultur_(elektronische) Musik
Die Halle, die eigentlich als reines Techniklager dienen sollte, wird seit Juli letzten Jahres zu einem Ort für Kunst, Kultur und Musik umgebaut. Dass solch ein Raum entsteht, sei die logische Konsequenz aus der Entwicklung im Leipziger Osten: viel junger Zuzug und Lust auf elektronische Musik. Aber um einen neuen Ort für eben solche Musik zu schaffen, braucht es einerseits Menschen und Ideen, andererseits Basics wie Boden, Decke, Putz, Brandschutz. Nach und nach bildete sich so ein Kern von ca. 20 Leuten, die Lust dazu hatten, und weiterhin haben, den Club aufzubauen – ob handwerklich oder mit Ideen und Input zu Musik, Grafik oder Awareness. Bei diesem Entstehungsprozess mit dabei zu sein, mache das Projekt auch für die Beteiligten selbst weiterhin so spannend.Spannend ist auch das musikalische Konzept. Neben Partys sollen auch Konzerte, (Sound)Installationen und Workshops Platz finden. „Eklektisch, divers, vielleicht auch etwas nerdig“ beschreiben meine Interviewpartner_innen was uns erwartet. Ein paar Namen der kommenden Bookings nennen sie auch schon: Berceuse Heroique, Acido, Sued, Burnt Friedman, Iron Curtis, Shlømo und (the one and only) Machine Woman.

Über eine Neuigkeit wird sich übrigens die Leipziger Drum & Bass-Szene besonders freuen: Eine dahingehend bekannte Veranstaltungsreihe aus dem Westwerk wird wiederbelebt und findet im mjut ein neues Zuhause.

Kurz geht es noch in den Club, Treppe rauf, Treppe runter, schwarze Wände. Draußen wird weitergebaut, einiges ist noch zu tun. Nach diesem ersten, wahrscheinlich nicht letzten Besuch im mjut notiere ich mir noch: „positiv-ungeduldig“ – was sicher nicht nur auf mich zutrifft.

PS: Die Eröffnung findet am 7. April statt. Mit: Please Talk Softly, Plastiq, DJ Marcelle, LNS, Hellie Berry, Mo Chan, Neele, Isa Wolff, SPFDJ, Universe of Tang, Lux und Johanna Knutsson. Ach und: Lagerhofstraße 2 ist der place to be.