Einem spannenden Thema geht Antoinette Blume in der neuen Ausgabe ihrer Afterhour-Kolumne nach: Gibt es wirklich kein Feierleben mehr, wenn man Kinder hat? Luise kann davon erzählen.
In medias res, mal wieder
Wenn man Kids hat, ist es mit Feiern vorbei. Schluss, Ende, ausdiemaus. Oder? Sicher eine Individualentscheidung. Dann gibt es noch unbeeinflussbare Umstände, glückliche, weniger glückliche oder ambivalente, die machen die Sache eh uneindeutig.
Aber es gibt Eltern, die weiterhin ihr Geld im Nachtleben verdienen, als DJ, Techniker_in, Türsteher_in, Barfrau_mann, whatever. Und weiterhin Menschen mit Kiddies, die auch ab und an noch ausgiebig feiern sind. Eltern in ihren Zwanzigern, Dreißigern, Vierzigern. Ich habe für diesen Text mal eine junge Mutti aus dem Leipziger Nachtleben ausgefragt.
| Steckbrief | |
| Clubnest? | So&So, Thalysia, IfZ |
| Zuhausemusik | Das Dschungelbuch |
| Zeit zu gehen …? | Wenn der Meisenmann singt |
1+1=3
Luise, Grafikdesignerin, Friend-in-need und in-deed, Feiergängerin und Dschungelkönigin, wenn sie mit dem Rucksack durch Thailand läuft. Ich habe Luise zu einer Sonntagsparty im So&So kennengelernt, auf der ich rumfragte, wer denn jemanden kenne, der schon Kinder hat und trotzdem noch feiern geht. Da wir augenscheinlich die gleichen Clubs frequentieren, liefen wir uns noch ein paar Mal über den Weg – oder trafen uns bei ihr zu Hause, mit „Kind und Kegel“, wie man sagt.
Dabei erfuhr ich, dass sie 32 und selbstständig ist, Filmschnitt und Motiondesign (und so Sachen) macht, ihr Studium in Dessau abgeschlossen und einen Sohn hat. Ihr Sohn ist drei Jahre alt und hat keine allzu großen Sympathiegefühle für mich, da ich seine Mutti in Anspruch nehme. Da fällt mir wieder ein, dass ich generell nicht so die Kinderflüsterin zu sein scheine …
Gästeliste + 1
Luise feiert seit sie 15 ist, gerne auch ausgelassen die Nächte durch, WG-Party, Festival, Club – alles, her damit. Es wäre offensichtlich gelogen, hätte es seit der Geburt ihres Sohnes keine Veränderung gegeben. Man muss sich gemeinsam mit irgendwem organisieren, sei es nun der_die Partner_in, ein enger Freund, die eigene Mama oder der Opa, es muss genau ausgewählt werden, wofür der wortwörtliche Feierabend eingelöst wird, seit die Beziehung zu sich und anderen zwangsweise aus Gästeliste+1 besteht.
Luise ist es aber elementar wichtig, nicht nur eine „verantwortungsfreie“ (aufgepasst, nicht verantwortungslose) Zeit für sich nutzen zu dürfen, sondern auch einfach mal Gespräche und Erlebnisse mit Menschen zu teilen, die keine Kinder haben. Wie das funktionieren kann? Mit dem Partner absprechen und sich einem ganz neuen Genuss hingeben: Vorfreude. Vorfreude. Vorfreude, denn man kann nur noch bewusst und geplant ausgehen, „spontan 2-3 Wein um die Ecke trinken“ geht eher nicht so oft. Eher mal so gar nicht.
Zu manchen Anlässen können auch die Großeltern rangeholt werden, die das Enkelchen mal ein Wochenende bespaßen – während seine Eltern Spaß im Club haben. Man hebt sich diese Gelegenheiten aber auf, zum Beispiel für ein interessantes Line-Up, eine große Opening-Party oder den eigenen Geburtstag.
q.e.d.
Als Mami schwankt Luise ab und an von „Wo ist mein Leben hin?“ zu „Ich vermiss‘ mein Kind“, was ich nur allzu nachempfindenswert finde.
Es gibt aber-trotzdem-gerade-deshalb keinen Widerspruch von Nachtleben und Kinder haben. Das friedliche Co-Existieren ist zwar abhängig von Ressourcen und Interessen, nicht nur den eigenen, sondern von vielerlei Bekannten, Freunden und möglicherweise des/der Partners_in… Trotzdem, alles machbar.
Foto (as always) von Henry W. Laurisch und Artwork (natürlich) von Manuel Schmieder.
Was ist die musikalische Ausrichtung und generell das Konzept der Veranstaltung?
Wie sieht die Zukunft aus?

E3 = Eigenwillig, eklektisch und experimentell
√Clubraum
Weshalb hast du mit Velours Records ein eigenes Label gestartet?
Du hast auch eine Partyreihe namens Velours, nun das Label. Was verbindest du mit dem Namen?
Mehrschichtig klingt auch die erste Platte auf Kontrapunkt. Es ist eine Compilation, auf der sich House, Techno und Ambient frei entfalten und teilweise mit arabischen, afrikanischen und nepalesischen Traditionals verschmelzen. Und das mit einem erfreulich experimentellen Ansatz.
Doch jedes weitere Label mit einem Blick jenseits der geraden Bassdrums ist derzeit ein Gewinn. Die erste Compilation steckt das Spektrum entsprechend weit ab: Leibniz hat aus seiner Playstation gleitenden Ambient extrahiert, Hobor besinnt sich als einziger hier auf Techno – er zersetzt ihn aber in einen leiernden, fast naiven LoFi-Loop.
Mit zwei eigenen Tracks ist auch Label-Mitgründer Stanley auf „Third Floor Music“ vertreten. Und er zerlegt ebenso Erwartungen und Konventionen, indem er bei „Travolta“ Ambient, Acid und Electro verbindet. Super auch sein „Breakdancing Daddy“, das die klassische Ambient-Deepness immer wieder mit Stille, wild modulierenden Synth-Sounds oder freien Rock-Trap-Beats zerreißt.
Afinss „RA01“
Lootbeg & Goodbye Galaxy „Demo Request“
NMSS „Satori“
Little Boy With Glasses „Sad Anthems“
Lootbeg „CCCUFO1“ (Luv*Jam)
Mit der EP „A Forward-Facing Review“ debütiert nun Philipp Rumsch auf Denovali Records. Zwei Tracks entstanden in den letzten Monaten seines Studiums am Rytmisk Musikkonservatorium in Kopenhagen. Rumsch arbeitete dafür ausschließlich mit akustischen und elektronischen Tasteninstrumenten. Die verschiedenen Aufnahmen bearbeitete und verfremdete er später noch am Rechner, so dass zwei etwa zehnminütige Tracks entstanden, die unmittelbar und zugleich unwirklich wirken.
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