The future is intersectional: queering defaults bietet Workshops zum Thema queerness und Intersektionalität an und organisiert eine Demo auf dem Willy Brandt Platz.
Queering defaults ist eine selbstorganisierte queerintersektionale Gruppe, die sich Anfang Juli in Leipzig gegründet hat und deren Ziel es ist, durch queere Perspektiven intersektionale Denkansätze zu schaffen. Das bedeutet, dass sie einen einen Fokus auf die Schnittstellen verschiedener Diskriminierungserfahrungen wie Rassismus, Sexismus und Klassenunterdrückung, sowie Transphobie oder Behindertendiskriminierung legen.
Durch unabhängige queer-politische Arbeit in Form von Workshops, Panels und Demonstrationen wollen sie einen inklusiven Safe space schaffen. Ziel ist es dabei, bestehende gesellschaftliche Strukturen infrage zu stellen, die nicht frei von diskriminierenden Mechanismen sind und diese durch intersektionale Perspektiven zu ersetzen. Durch produktive Auseinandersetzungen sollen dabei neue solidarische Praxisformen entstehen.
„Wir geben Intersektionalität eine queere Perspektive“
Am Sonntag den 26. Juli um 13:00 wird es eine Demo auf dem Willy-Brandt-Platz geben. Dabei gelten selbstverständlich die Corona-Sicherheitsregeln: bitte während der gesamten Demonstration einen Mund-Nasen-Schutz tragen und wenn möglich 1,5 m Abstand halten. Die Route ist barrierefrei.
Davor werden am Freitag den 24. und Samstag den 25. Juli Workshops, Panels und Empowerment zu verschiedenen Themenbereichen angeboten. Darunter sind Drag Kingsowie Voguing Workshops, Walking in Heels und Twerken. Außerdem wird es BiPOC und FLINT* DJ-Beginner Workshops geben sowie Vorträge zu Antisemitismus in queeren Räumen, Gewalterfahrungen von LGBTIQ* in Sachsen, einen Workshop zu Bi/Pan Empowerment uvm. Um an den Workshops, Panels und Vorträgen teilzunehmen, bitte unter qd-contact@riseup.net anmelden (mit dem Namen des Workshops im Betreff). Genauere Infos und Workshopzeiten gibt es auf ihrer Instagram Seite.
Everyone is welcome!
Dieser Ausgehtipp wurde von Marie Beckmann geschrieben.
Der Club ist leer und das Publikum besteht höchstens aus den Menschen, die die Kamera oder den Ton bedienen. Die Crowd wartet draußen im Internet, in den eigenen vier Wänden vor dem Laptop, im besten Fall.
Denn nachdem die Online-Streams in den letzten drei Monaten wie Pilze aus dem Boden schossen, gingen die Klickzahlen zuletzt wieder bergab. Kann das Streamen von Sets also eine Alternative sein?
Clubmusik in Zeiten von Corona
Darüber spricht Kathi in dieser Folge Talk Talk mit Resom. Und auch darüber, wie es sich anfühlt, gestreamt zu werden, ob das eigentlich bezahlt wird und ob es nicht bessere Ideen gibt, Künstler*innen in Zeiten von Corona zu unterstützen und sichtbar zu machen.
Das nächste (lang ersehnte!) Porträt unserer Spot on-Reihe ist da. Diesmal stellen wir Dennis aka AGYENA vor – welchen Vibe Autorin Paula beim Treffen mit ihm aufgesogen hat, welche Erfahrungen er im Nachtleben gesammelt hat und welche Einflüsse seine Musik geprägt haben und prägen, das alles lest ihr bei uns. Und einen neuen Spot on-Mix gibt es auch noch.
Bevor ich Dennis das erste Mal getroffen habe, wollte ich in ein paar Sets von ihm reinhören. Das handhabe ich meistens so: Einen musikalischen Eindruck gewinnen, vielleicht kurz googlen, aber nicht zu viel – ich halte Interviews gerne als offene Gespräche, um einen besseren Eindruck von dem Menschen selbst zu gewinnen.
Soundcloud-Recherche
Aber back to the beginning, ich öffne Soundcloud. Was mich erwartet ist vielseitig und überraschend. In AGYENAs Sets begegnet mir Techno, House und Disko, Percussion-Sounds und waviger 80s Vibe. Dabei schafft es Dennis, dass alles ein stimmiges Gesamtbild ergibt, trotz der offensichtlich vielfältigen Einflüsse auf seine Musik wirkt nichts zusammengewürfelt, die Sets transportieren etwas ganz Eigenes. Das hier soll kein Review werden, gleich zu Beginn aber eine Einladung, sich auf die fantastischen Sets von Dennis einzulassen – it’s a vibe! Und mit dem vorweg kommen wir zu unserem Spot on #6: Dennis aka AGYENA.
Vor dem Gespräch sitzen wir am Fenster, rauchen, sprechen über Psychologie. In Leipzig lebt Dennis seit 6 Monaten, vorher hat er in Berlin gelebt, ursprünglich kommt er aus Nürnberg. In allen drei Städten hat er sehr unterschiedliche Erfahrungen in der Clubkultur gesammelt.
Das erste Kollektiv, in dem er Erfahrungen gesammelt hat, war das Kollektiv Musikverein, heute ist er Teil des Pulsår Kollektivs, das Partys in verschiedenen Clubs in ganz Deutschland hostet und in Nürnberg jährlich ein Festival veranstaltet.
AGYENA Foto von Paula Charlotte
Aktuell schreibt er außerdem seine Masterarbeit im Gebiet der kognitiven Neurowissenschaften. Später sitzen Dennis und ich auf meinem Balkon, essen Pizza. Dennis ist bedacht, lässt sich Zeit beim Formulieren der Antworten. So divers und experimentell seine Sets sind, so eng verknüpft ist seine Musik für ihn mit der eigenen Identität, die er als queere, Schwarze Person stetig sortiert in einer heteronormativen, weißen Gesellschaft, in der marginalisierte Menschen unterrepräsentiert sind. Unser Gespräch ist sehr persönlich, er ist aufgeschlossen und gibt mir die Chance, den Menschen hinter AGYENA kennenzulernen.
„eine Art Anpassungsversuch…“
Bezüglich der Musik, die er macht, möchte Dennis sich nicht festlegen: „Ich möchte mich dabei gar nicht so sehr limitieren und es symbolisiert tatsächlich ein bisschen den Weg der Selbstfindung für mich. Ich habe das ganz lange nicht verstanden, aber ich hatte das Gefühl, ich sollte dies oder jenes spielen und tun, weil Leute das von mir erwarten, vor allem hinsichtlich meiner Hautfarbe. Da lief denke ich ganz automatisch eine Art Anpassungsversuch ab, was ich dann irgendwann, als mir das bewusst wurde, aktiv abgelehnt hab.“
AGYENA Foto von Paula Charlotte
Müsste er sich einordnen, dann wäre das wohl irgendwo in Richtung House und Elektro, wobei er gerne cross-genre experimentiere. 80s und New Wave haben ihn geprägt, was heute noch in seinen Sets hörbar ist.
Musikmachen ist für ihn ein emotionaler Prozess, Identitätssuche und das mischen komplexer Melodien als Ausdruck seiner Selbst.
Wann ist Kunst das nicht, könnte man fragen. Um das zu verstehen, hilft es, weiter vorn zu beginnen.
Aufgewachsen ist Dennis in Nürnberg. Die ersten Berührungspunkte mit Musik, die er selbst macht, findet er als Kind, zunächst im Posaunenchor, später als Mitglied einer Percussiongruppe.
Die Clubszene in Nürnberg ist klein, Repräsentation von queeren Identitäten und Personen of Color ist gering, sodass ihm die Idee, aufzulegen, zunächst gar nicht kam. Heute kann er diese Tatsache klar als strukturelles Problem benennen, damals war es ein unbestimmtes Gefühl, bis er mit 18 in Berlin erstmals eine diversere Clubszene erlebt. Als Dennis anfängt, aufzulegen, schwingt also das Gefühl mit, etwas zur Clubszene in Nürnberg beitragen zu wollen. Zu Beginn ging es dabei weniger bewusst um seine queere Identität und die Tatsache, dass seine Haut dunkler war – später verstand er, dass diese beiden Dinge untrennbar mit seiner Musik und seiner Identität als DJ verstrickt sind.
Kraftwerk, Depeche Mode, Bronski Beat
„Vor allem als ich die ersten Male in Berlin feiern war und durch die Schwulenpartys gemerkt habe: Da fehlt irgendwas in Nürnberg. Ich hab‘ so einen gewissen Vibe vermisst. Heute würde ich das der sichtbareren Diversität in Berlin zuschreiben, sowohl im Publikum als auch der Musik. Das hat mir in Nürnberg gefehlt und ich wollte das dahinbringen. Als ich angefangen habe, habe ich das größtenteils für mich allein gemacht, ich habe hier und da mal in Bars aufgelegt und ging dabei oft in die 80s/New Wave Richtung.
Ich weiß noch, Kraftwerk hat mich unglaublich fasziniert, während meiner Jugend stand auch sehr auf Synthie Pop, wie z.B. Depeche Mode und Bronski Beat. Ich hab‘ mich stark mit Musik identifiziert, mit der sich – in meiner Wahrnehmung zumindest – People of Color sonst nicht so stark identifizieren.“
AGYENA Foto von Paula Charlotte
Politisierung
Später beschreibt er seine eigene Politisierung durch das Kollektiv Musikverein in Nürnberg, ein freies Veranstaltungskollektiv, welches Konzerte, Partys und andere Kulturveranstaltungen oft mit queerfeministischen Fokus organisiert.
Orchid
Die Party-Reihe „Orchid“ sei für Dennis von besonderer Bedeutung gewesen. Dort habe er das erste Mal das Gefühl gehabt, in den Diskriminierungserfahrungen, die er machte, verstanden zu werden und Rückhalt zu haben: „Das war der erste Raum, in dem ich mich sicher gefühlt hab, in dem ich awareness erlebt hab. Ich habe dort Zuhörer*innen gefunden, die teilweise meine Erfahrungen besser benennen konnten als ich. Das war dann eigentlich auch der Punkt, an dem ich festgestellt habe, dass ich mich tiefer mit Marginalisierung und strukturellen Unterdrückungen und deren Auswirkungen auseinandersetzen muss.“
Im Zuge dessen kamen neue musikalische Einflüsse ins Spiel, er hört elektronische Musik, die von Personen of Color gemacht wird, später lernt er einen Begriff kennen, der seine Musik nachhaltig prägen wird:
Afrofuturismus.
Entstanden als popkulturelle Strömung in den 90er Jahren entwickelte sich Afrofuturismus als Kulturästhetik, die rassistische Strukturen anhand futuristischer Elemente kritisiert und in Science Fiction eine Welt frei von Rassismus entwirft. Mit der Auseinandersetzung damit findet Dennis wiederrum Worte, Inspiration dafür, seinen eigenen Erfahrungen und auch der Suche nach der eigenen Identität über Musik zu kanalisieren.
Techno, House: Gefühl von Freiheit
Bei allen strukturellen Problemen, die wir nicht ausblenden dürfen, sind Techno und House die Musik einer Bewegung, die gerade in den 90ern in Berlin für viele Menschen, ein Gefühl von Freiheit entstehen ließen. Die Nächte auf Berlins Tanzflächen boten Dennis erstmals die Möglichkeit, „zu verschwinden“ – er hatte das Gefühl, es spiele zumindest für den Augenblick keine Rolle, wer er war, er habe sich tatsächlich frei gefühlt.
„Die Tanzfläche ist für mich heilig.“
Er sagt weiter: „Zum einen aufgrund der Erfahrungen und Emotionen die man teilt. Zum anderen ist für mich wichtig, dass ich dort untergehen konnte, sowohl in meiner queeren sowie Schwarzen Identität, und sogar in meiner deutschen Identität: Das ist auf der Tanzfläche alles sekundär.“
Foto von Abayomi AkandeFoto von Abayomi Akande
Einen Moment lang nicht auf Aussehen, sexuelle Orientierung oder anderes reduziert zu werden, verbindet Dennis mit Eskapismus. Für ihn als Schwarzen Schwulen hat das jedoch eine andere Bedeutung als für weiße Menschen, für Heteros, sogar für weiße homosexuelle Menschen, die feiern gehen. Gern wird von Hedonismus gesprochen, ein Ausbrechen aus dem Alltag, ein „Befreien“ – der Akt der Befreiung für marginalisierte Menschen bedeutet jedoch etwas anderes, was die Notwendigkeit von safer spaces noch dringlicher macht.
Denn Dennis erkennt auch in der vermeintlich freien, toleranten Clubkultur strukturelle Probleme:
„Aber natürlich ist das Gefühl von Freiheit, was man auf der Tanzfläche bekommt, auch begrenzt, und mit den strukturellen Problemen muss man sich theoretisch auseinandersetzen. Eskapismus öffnet die Tür. Um dann aber wirklich zu verstehen, was die Mechanismen sind, wie man sie überwindet und vielleicht potentielle Chancen darin sieht – dazu muss man sich bewusst damit auseinandersetzen. Irgendwann muss man die Musik ausmachen und darüber sprechen. Denn es sind ja immer nur safer spaces, nie ein safe space. Letztendlich komme ich dann jetzt eben auch am Punkt der Intersektionalität an. Ich bin in der Berliner Clubszene angekommen, hab gespürt, dass das Schwul-Sein dort keine Rolle gespielt hat – das Schwarz-Sein war dann eben aber doch wieder ein Ding. Irgendwo ecke ich trotzdem immer an. Und allein dadurch, dass diese Freiheit immer einen Beigeschmack hat, ist es eine andere Erfahrung.“
Es ist nicht mehr 1990, wir sind an einem Punkt sind, an dem wir feststellen: Es ist schön, dass wir diesen Freiraum haben, ihn schaffen und nutzen können – aber damit hört es eben nicht auf.
A G Y E N A
Und damit kommen wir bei der Musik an, die Dennis selbst macht, bei AGYENA. Im Gespräch denkt er lange über Antworten nach, vor allem wenn es um Verortung geht, musikalisch, in der Zukunft.
„Das spiegelt letztlich ja auch die Unsicherheit wider darüber, wie wenig Ankerpunkte ich im Laufe meines Lebens hatte, vor allem durch fehlende Repräsentation in der Gesellschaft“, erzählt er.
AGYENA Foto von Paula Charlotte
„Menschen, die sich nicht repräsentiert fühlen, können nicht auf Erfahrungen anderer zurückgreifen. Diese Erfahrungen braucht man aber, um sich nicht orientierungslos zu fühlen. Beispielsweise die Tatsache, dass ich in Nürnberg eigentlich nie einen Schwarzen DJ gesehen habe, ist die implizite, strukturelle rassistische Hürde, die sich dann bei mir als Selbstzweifel manifestiert hat:
„Will mich als Schwarzen DJ überhaupt jemand sehen?“
Wie er Musik erlebt, die er selbst macht, unterscheidet sich davon, wie er Musik auf der Tanzfläche konsumiert. Musikmachen sei für ihn ein emotionaler Prozess, anhand dessen er Gefühle ausdrücken könne:
„Da lege ich nicht als Schwuler auf, bin nicht als Schwarzer da. Es ist ein Feld, in dem die aufgesplittete Identität sich trifft. Ich hab‘ es schon immer geliebt Ideen, Genres miteinander zu verbinden – weil sich in mir Vieles verbindet und trifft. Und das ist was Schönes, da will ich keine Abstriche machen. Generell sehe ich in der Intersektionalität auch eine Chance für Verbindung, in einem Set, so eine Art künstlerisches Narrativ.“
…verbinden, spüren, zeigen
Seine eigene Musik ist Mittel, sich selbst zu verbinden, zu spüren und zu zeigen, ohne das Gefühl, „verschwinden zu wollen“. Das Spannungsfeld, indem er sich bewegt, ist komplex: Es darf nicht vergessen werden, was es heißt, mit Diskriminierungsoberflächen zu leben, auch immer wieder darauf reduziert zu werden, welche Farbe seine Haut hat – auf der anderen Seite aber vielschichtig gesehen zu werden, wie jeder Mensch in seiner Identität.
Und in fünf Jahren?
Ich frage Dennis, wo er sich selbst in fünf Jahren sieht. Auf persönlicher Ebene hoffe er, seine wissenschaftliche Herangehensweise mehr mit dem Musikmachen vereinen und so seiner Experimentierfreude noch mehr Raum geben zu können. Gesamtgesellschaftlich wünscht sich Dennis, dass junge, schwarze, queere Menschen sich stärker repräsentiert fühlen, als er es selbst tat.
„Im Laufe der Zeit merkt man dann, dass man das nicht nur für sich tut, sondern auch für die Menschen, die eine*n sehen – und sich dann vielleicht auch repräsentiert fühlen. So kann man diesen Menschen den Weg wieder ein Stück ebnen.“
Spot on #6-Mix
Und nun zu einem weiteren Highlight: Dem Spot on-Mix von AGYENA für frohfroh. Danke daür!
PS:
Das komplette Interview mit AGYENA lest ihr drüben bei DJ LAB. Klick!
Die neuen R.A.N.D.-Platten erscheinen wie am laufenden Band. Literally. Wir stellen die zwei aktuellsten Releases vor.
Mittlerweile ist es wirklich kein Geheimnis mehr, dass der R.A.N.D. Muzik Output über alle Stränge schlägt. Und es ist mittlerweile auch davon auszugehen, dass es in diesem Jahr mindestens eine neue Platte pro Monat geben wird. Mein Herz lacht, mein Geldbeutel weint. Ob das Label durch die einfarbigen EP-Cover bald das gesamte menschlich wahrnehmbare Farbspektrum abbilden wird?
So gerne ich meine journalistische Distanz wahren möchte, so sehr muss ich wohl ehrlich bleiben: R.A.N.D. ist langsam aber sicher zu meinem Leipziger Lieblingslabel geworden. Jede Platte ist high quality durch und durch, Chef-Kurator Carmel bringt immer wieder in Leipzig unbekannte oder in Leipzigs Untergrund versteckte Produzent*innen zum Vorschein und optisch ist das Ganze natürlich auch ein Traum.
Im Juni und Juli haben sich nun zwei neue Platten der Diskografie hinzugesellt, einerseits von Carmel selbst in Kooperation mit Kumpel Salomo, andererseits von DJ Detox. Und bevor wir mit den bevorstehenden Releases im Herbst nicht mehr hinterherkommen, hören wir mal lieber in die jetzigen rein.
Happy Hour (RM12008) von Carmel & Salomo
Ob der Plattenname insinuieren soll, dass die Musik zum Trinken anregt? Das müsst ihr für euch selbst herausfinden. Dass die Musik gute Laune macht, steht für mich zumindest schon mal fest.
Mit der Happy Hour EP überschreiten Carmel und Salomo innerhalb von fünf Tracks Genregrenzen – von Electro und House bis hin zu schnellen Breaks und Listening-Sachen. Die letzten zwei Lieder auf der B-Seite stechen dabei besonders heraus, sie laden zum runterfahren ein, sind super gediegen und chillig. Das ist mittlerweile für R.A.N.D. Platten, die seit dem letzten Jahr sehr auf Clubsounds fokussiert sind, eher ungewöhnlich.
Durch die genretechnischen Grenzüberschreitungen ist die EP ein richtiger all-rounder. Kriegt man die Möglichkeit, diesen Sommer noch Open Air oder im Biergarten aufzulegen, eignet die EP sich genauso, wie wenn man wieder im Club spielen kann. Super contemporary.
RM12009 von DJ Detox
DJ Detox hat sich als Produzent bisher noch am Rande des Untergrunds von Leipzig bewegt (zuletzt war er zum Beispiel auf der mjut Compilation zu hören), unter seinem Alias Gnista hat er jedoch schon auf Labels wie Uncanny Valley aus Dresden Tracks veröffentlichen können. Für den mjut-Resident ist es aber so oder so die erste, vollständige Solo-EP.
Ein ganz schönes Brett, das Ding. Hat man sich volle Dancefloors mit pulsierendem Bass in den letzten Monaten schon herbeigesehnt, so tut man es nach dem Anhören dieser Platte umso mehr.
Wer hier listening-typische Sachen sucht, wird definitiv nicht fündig.
Alle vier Tracks auf der EP sind mit Energie geladen und für die Tanzflächen dieser Stadt gemacht – laut Vinyl-Distributor Shite Music kann man das Ganze neben der Festlegung „Breakbeat“ wohl auch als „future hardcore“ bezeichnen. Ebenfalls Auslegungssache. Wie auf der zuletzt erschienen, mintfarbenen Platte von Tom Jarmey und Ed Hodge alias Mother of Pearls, finden hier einige, wenige Samples oft Wiederverwendung; gebrochene Bässe und Beats werden von rabiaten Melodien und Sounds unterstützt.
Die A1 ist eine wahre A1 – Ounces to Pounds heißt sie. Die Synthies in Kombination mit den trommelnden Bässen holen alles raus und machen den Track super brachial und episch. Move Ahead, der Track im Anschluss, bewegt sich zwischen Electro und Drum n Bass und fährt die Energie ein klein wenig runter. Die B-Seite ist genauso episch und bedient sich ein wenig liberaler an „Vocals“, die auch namensgebend wirken.
Mit allen vier Tracks trifft DJ Detox den Puls der Zeit und macht noch einmal klar, wie glücklich wir uns in Leipzig schätzen können, so viele talentierte Produzent*innen zu haben. Big ups!
Kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich ein kleines Festival für den kommenden Samstag anzukündigen. Das Leipzig Pop Fest findet auch im Corona-Jahr mit Konzerten und Panels statt – unterstützt von frohfroh.
Im letzten Jahr hat das Leipzig Pop Fest seine Premiere in der Moritzbastei gehabt. Die Idee: Live-Musik, Branchen-Networking und Wissenstransfer in einem Event zu vereinen. Ganz neu ist das nicht, aber es funktionierte im letzten Jahr sehr gut.
2020 sollten auch wir an Bord sein und eine Diskussionsrunde zur Zukunft des Musikjournalismus hosten und moderieren, doch dann kam eine Pandemie dazwischen, die die gesamte Konzert- und Clubkultur zum Stillstand brachte. Auch wenn dies weitreichende Folgen für den Musikjournalismus hat – siehe die Groove – so beschäftigen wir uns nun mit einem anderen Thema.
„Zukunftswerkstatt Clubkultur – Zur Zukunft der (Leipziger) Veranstalter:innenszene“ 11. Juli 2020, 17 Uhr.
Eingeladen sind: Gwendo Mai (vak. Leipziger Kollektive) Pierre Gehrmann (MAWI Concert GmbH) Alex Loth (LiveKommbinat Leipzig e.V. / Institut fuer Zukunft) Dr. Uta Karstein (Soziologin, Universität Leipzig)
Moderiert wird die Diskussion von Kathi Groll, unserer Talk Talk-Podcast-Redakteurin. Geklärt werden soll, welche Wege Leipziger Kollektive, Clubs und Konzertveranstalter*innen in der aktuellen Zeit gehen? Und sich Partys und Konzerte in Zukunft veranstalten, erleben und finanzieren lassen.
Auf der Open-Air-Bühne der Moritzbastei treten dann außerdem noch sechs Bands und Musiker*innen live auf – ein kleiner Hoffnungsschimmer also in dieser konzertarmen Zeit. Neben Jeremias, Karl die Große, Wooden Peak, Catt und Coucou sind auch Tak Tak Tak aus Leipzig dabei, die uns einen vor Kurzem einen wunderbaren Frühlings-Soundtrack mitgegeben haben.
Tickets gibt es hier. Weitere Informationen zum Leipzig Pop Fest findet ihr hier. Das Panel ist übrigens kostenfrei. Wer aber hinmöchte, muss sich aufgrund der Hygienebestimmungen vorher unter popfest@moritzbastei.de anmelden. See you!
Tinkahs tolles Label Human übertrifft sich selbst. Es hat eine 20-Track starke Soli-Compilation zusammengestellt. Und am besten schlagt ihr heute am Release-Tag direkt zu.
Why? Bandcamp verzichtet heute auf seine normalen Provisionen, um Musiker*innen in der Corona-Krise zu unterstützen. Das bedeutet: Alle Erlöse gehen direkt an Human. Und Tinkah reicht sie selbst auch komplett weiter. Einmal an Mission Lifeline, eine Organisation, die Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen unterstützt. Die andere Hälfte geht an die beteiligten Künstler*innen von „Togetherness“. Und die kommen sowohl aus Leipzig als auch aus Berlin, Frankfurt, Köln, Kopenhagen und London.
Das allein ist schon eine tolle Aktion. Noch erfreulicher ist aber, dass es auch musikalisch eine wirklich gute Compilation ist. Stilistisch ist die Auswahl super breit – von Ambient, Bass Music und Experimental bis zu Dubstep, Drum & Bass, Instrumental HipHop und Juke. Eher ein erfrischender Ausflug weg von Techno und House.
Nach der ausgezeichneten „Tender Squads“-Compilation vom Balance Music/Culture-Festival erscheint hier also ein weiterer sehr spannender Special-Sounds-Sampler.
Leipzig, was geht? Experimentelle Sachen scheinen gerade mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Yeah!
Meine Hits auf „Togetherness“ (was wirklich schwer auszumachen ist): Carlotta Jacobi, Kaleo Sansaa, Kaep und Silicone. Aber bitte hört selbst, es lohnt sich. Es gibt übrigens eine limitierte Kassetten-Edition. Ansonsten kann digital unlimited gekauft und unterstützt werden.
Anfang Juni tauchte ein neuer Name – im Zuge der Ankündigung des Protest-Wochenendes gegen Rassismus und Polizeigewalt in Leipzig – bei uns auf: Series Be. Und mit diesem Namen ist eine Person verknüpft, nämlich „the face“ of Series Be, Luke Oliver Francis. Wir haben mit Luke über das Projekt an sich, anstehende Demos und Rassismus in Leipzig gesprochen.
Luke ist einigen von euch sicher schon aus dem Nachtleben (und von Instagram) bekannt. Als Tänzer*in, Aktivist*in und von Veranstaltungen, zum Beispiel im Institut fuer Zukunft oder dem Balance-Festival, wo Luke erst kürzlich bei der Eröffnungs-PerformancePeeling Fruit In Front Of Strangers auftrat. Manchen ist Luke vielleicht auch durch das Leipziger Opernhaus und dem dort ansässigen Ballett bekannt, denn dort arbeitet Luke normalerweise als Solotänzer*in.
Series Be:
Die „Stand Up, Speak Up, Show Up“-Demonstration Anfang Juni wurde von Luke organisiert – als Initiator*in der Demo per se, Schwarze und Queere Aktivist*in und als Redner*in.
Stand Up, Speak Up, Show Up (6-6-20) _ Video
Series Be: Stand Up, Speak Up, Show Up
Am 4. Juli steht die nächste Veranstaltung, vielmehr Demonstration, von Luke und Series Be an. Was es mit dem Projekt auf sich hat, welche Unterstützungsarbeit von uns allen dabei geleistet werden kann, Series Be inner- und außerhalb der Club-und Instabubble bekannt(er) zu machen und alle Infos zur Black Queer Pride-Kundgebung, erfahrt ihr im Interview.
Interview_Luke Oliver Francis
— Das Interview wurde übersetzt, gekürzt und ist (in Gänze) auch auf Englisch zu lesen – einfach runterscrollen! —
ff: Du bist in der Clubkultur-Szene von Auftritten beim Balance Festival oder durch verschiedene Veranstaltungen bekannt. Und durch Instagram! Aber wie kamst du nach Leipzig und wann? Was hat dich an Leipzig angezogen?
Luke: Ich kam Ende September 2017 nach Leipzig, da ich ein Jobangebot an der Oper Leipzig bekam und es annahm.
Was sind deine persönlichen Erfahrungen mit Rassismus in Leipzig?
Meine Rassismuserfahrungen in Leipzig sind sehr nuanciert, oft in Form von Mikroaggressionen, also angestarrt werden oder dass mir aus dem Weg gegangen wird, in der Tram zum Beispiel. Oder dass ich in einem Laden von der Security verfolgt werde. Aber es gibt auch andere Beispiele, wie zum Beispiel, dass ich keinen Zutritt zu Orten bekomme, besonders in Clubs. Und wenn ich Zutritt habe, werde ich nicht ernst genommen, wenn ich über einen Zwischenfall spreche, der sich dort abgespielt hat. Dann gibt es noch rassistische „Witze“, die keine Witze sind. Es gibt keine solchen Witze, sondern nur Rassisten.
NOTE NOTE –
Series Be: ist eine von queeren People of Color gegründete Organisation, die mit der Hilfe und Arbeit von Freiwilligen Veranstaltungen und Demonstrationen organisiert und safe spaces in Leipzig kreiert.
Wann und warum hast du Series Be gegründet?Aus diesen Erfahrungen heraus?
Ich habe Series Be im November 2018 gegründet. Und zwar aus der Notwendigkeit heraus, einen Queer BIPoC safe space im Nachtleben zu haben. Ich persönlich fühlte mich unterrepräsentiert in Leipzigs Clubkultur, ich war die einzige Person die so wie ich war.
Ich lebe nach dem Motto: „Wenn du die Dinge, die du brauchst, nicht hast, mach sie selbst!“
– also machte ich das, bezogen auf Kultur- und Freiräume und Partys.
Worum geht es dir bei dem Projekt?
Series Be feiert auf inklusive und visuell-immersive Art und Weise queeres Leben innerhalb Leipzigs. Ziel ist es, künstlerische Talente aus Leipzig beziehungsweise aus Deutschland aus der LGBTQI+-Community vorzustellen und allgemein eine Plattform für Selbstdarstellung innerhalb einer safen und unterstützenden Umgebung zu schaffen.
Die Umgebung ist so gestaltet, dass sie People of Color, braune und schwarze Menschen, innerhalb der queeren Community feiert, mit einem starken Fokus, eben genau das korrekt in dieser Stadt zu tun. Und jetzt geht es für uns noch weiter, da wir uns über die clubkulturellen Räume hinaus bewegen, und politische Arbeit in das Projekt miteinbeziehen.
Wie viele Leute sind bei Series Be beteiligt und wie können Weiße euer Projekt unterstützen, auch finanziell?
Gerade sind in der Organisationsgruppe 15 Menschen beteiligt, aber für jedes Einzelprojekt kann diese Zahl variieren. Wir arbeiten dazu mit Freiwilligen zusammen, die uns zusätzlich unterstützen. In dem man uns (zum Beispiel bei Instagram und Facebook) folgt, zu unseren Events kommt, Geld spendet und uns als Freiwillige*r bei etwas hilft, was wir gerade benötigen, kann man Series Be supporten.
Wer Geld spenden möchte, für Acts und andere Ausgaben, die eine Demo mit sich bringt, kann sich bei Luke via Instagram melden. (Anm. d. Red.)
Solidarität
Foto von Cihan Cakmak
Foto von Cihan Cakmak
Eine politische Veranstaltung von euch war die Demo am 6.6. An diesem Tag liefen 700-1000 Menschen durch Leipzig, um die Black Lives Matter-Bewegung zu unterstützen, gegen Polizeigewalt zu demonstrieren und Reden zu hören. Du hast die Demo, die für viele den Auftakt des Protest-Wochenendes markiert hat, organisiert. Wie hast du dich an diesem Tag gefühlt, was hat das in dir ausgelöst?
Es war unglaublich überwältigend, ein Mix aus vielen Emotionen.
Aber letztlich hat es mir die Stärke dieser Stadt gezeigt, die Solidarität. Das hat mir Hoffnung für eine echte Wendung und Veränderung gegeben.
Ich kann die Veränderung spüren, sie kommt und wird wunderschön sein!
Lukes Aktivismus und Empowerment sind inspirierend. Auch wenn das Wort (etwas zu) häufig gebraucht wird, aber es gibt kein passenderes. Dass mit den Veranstaltungen und Demonstrationen von Series Be auch Lücken und Rassismus innerhalb der (queeren) clubkulturellen Szene auffallen und benannt werden, ist längst überfällig. Wir als weiße Menschen sollten und müssen konstant daran arbeiten, wie wir Projekte wie Series Be als Allys supporten können.
Black Queer Pride _ 4. Juli 2020
Also, here we go: Die nächste Veranstaltung von Luke und Series Be findet wieder auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz statt, genau dort also, wo die letzte Demonstration endete. Denn es ist Pride, yes! Series Be setzt dabei den Fokus auf Schwarze Queers und nennt die Veranstaltung auch gleich so: Black Queer Pride.
Black Trans Lives und Black Queer Lives
Black Queer Pride steht für die Verbindung zwischen der Black Lives Matter-Bewegung und dem Christoper Street Day, und um die Rolle der Queer-BIPoC-Gemeinschaft hervorzuheben:
„Der CSD wurde in der Vergangenheit von Weißen für sich alleine beansprucht, wir aber wollen die Stärke, Schönheit und Kraft der Queer-BiPOC-Gemeinschaft zeigen“, schreiben die Macher*innen von Series Be.
Hier habt ihr, haben wir die Gelegenheit unsere Solidarität zu zeigen. Also: Stand up, Speak up, Show up! Am 4. Juli ab 15 Uhr auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz. Das gesamte Programm wird auf diesem Platz stattfinden.
Series Be: _ Luke Oliver Francis (English Version)
Luke Oliver Francis, 25, is a non-binary artist and Queer PoC (People of Color) activist from Great Britain. Alongside their current engagement as a soloist at the Leipziger Ballett, they also engage in various projects and collaborations, including creating the party/events series Series Be: at Institut für Zukunft and other locations in Leipzig, which aims to give the queer club scene a home, as well as workshops, social safe spaces and political demonstrations.
We talked with Luke about what’s behind the project, racism (in Leipzig) and why we as white people need to stand up, speak up and show up constantly to protest against racism against black people.
Interview
ff: Luke, you are quite known in Leipzig as a (ballet-)dancer, activist and (yes, you are!) from Instagram. How long are you living in Leipzig and what brought you to the city?
Luke: I moved to Leipzig at the end of September 2017, I had received my current job offer at Oper Leipzig and decided to take it.
What are your experiences with racism (in Leipzig)?
My experiences of racism in Leipzig is incredibly nuanced, mostly in the form of micro-aggressions meaning staring, moving when I am close to someone on the tram for example, being followed around a store by security, as well as more obvious examples such as not being allowed into spaces, mostly nightclubs – or if so, not being taken seriously when I express concern for an incident that may have happened there and then there is the Racist “Jokes„ –FYI there is no “joke„, just a racist.
NOTE NOTE –
Series Be: is a queer PoC run organisation, with the help & work of local volunteers to create events, demos and safe spaces in Leipzig.
You are the founder and the face of Series Be. When and why did you found the project?
I founded Series Be: in November 2018, out a need for Queer BIPoC safe spaces in the nightlife scene. I personally felt under represented in the city’s club culture, I was the only person like me in the space, and that’s not good enough.
I live by my motto „If you don’t have the things you need, make it yourself“
– this in terms of spaces and parties for me and people like me weren’t there, so I made it.
What is the project all about, in terms of queer life and BIPoC?
An inclusive, visually immersive celebration of queer life within Leipzig. Aiming to showcase artistic talent within Leipzig & Germany and its LGBTQI+ community, and offering a platform for self expression within a safe and supportive environment.
The environment is tailored to support, accommodate and celebrate PoC (People of Colour), black and brown bodies, within the queer community with a strong focus on celebrating blackness correctly in this city. And now we spread further than just clubs/spaces and include political works.
What does the name mean? Is there a constant motto that comes with it?
Series Be: is named in a way that means simply „be“ – be yourself, be your fantasy, be your dream, be whatever you want to be in a safe and caring environment.
We also use it to set a theme for the party series, some of our previous parties have been „Series Be: KUNTY & Series Be: ROYALTY“ It’s an easy name to play around with.
We don’t have a constant motto, as such. Although our recent political demonstrations have adopted the Stand Up, Speak Up, Show Up motto, which works very well and I guess will stick to the political side of our work.
And how is Series Be connected to Black Lives Matter – is it connected at all?
We are not officially connected, however we at Series Be: stand in absolute solidarity with the BLM movement, and use our platform to help support the movement.
How many people are involved in Series Be and how can people support and participate in your project? What can white people do to support Series Be (for example financially)?
Currently in our organising group are 15 people, for each project we create that number changes as we work with volunteers from within the city. Supporting us, is following us, showing up to events, donating funds and volunteering your services if they fit the roles required.
Solidarity
You organised one of the demonstrations of the protest-weekend in Leipzig. Approximately 700-1000 people showed up, marched through Leipzig and listened to the speeches that were held. How did that make you feel?
It’s been incredibly overwhelming, a mix of emotions, but ultimately it showed me the strength in this city, it’s solidarity, and it gave me real hope for change. I can feel the change, it’s coming and it’s going to be beautiful.
Foto von Cihan Cakmak
Some people surely think „the work is done here“ – they showed up for a demo, they shared a black square on Instagram and feel like a true ally to the Movement. What would you like to say to these people?
I would tell them to ask themselves, „What work?“ And then remind them that “the work is done„ when the BIPoC community says it’s done, particularly the voices of trans & queer BIPoC.
What’s up next
Lukes presence and activism are (as you’ve already seen in the video above) powerful and inspiring. We as white people need to constantly work on how to be an ally, how to support the movement and black, queer and trans people (not only) in our scene, fight white (our!) supremacy and violence against BIPoC.
Let’s begin and stand up, speak up and show on the next Series Be-demonstration „Black Queer Pride“ on the 4th of July, which addresses the whitewashing of Pride and focuses on Black Trans and Queer Lives and the roots of Pride.
Mit DÜSEN könnt ihr nicht nur euren Bierdurst stillen, sondern auch Leipziger Clubs unterstützen. Wir stellen das Konzept hinter dem Pils vor.
In der Krise lief es für so ziemlich alle, Bars inklusive, ziemlich beschissen. So wurde ursprünglich das Solipils, jetzt DÜSEN, geboren: „Das gute Bier für schlechte Zeiten“.
„Irgendwo brennt’s ja immer“
Mit DÜSEN konnten bisher das Peter K, das sowiewir, das Links Neben Der Tanke, das Helmut und das LIQWE erfolgreich unterstützt werden. Das Bier wurde durch eine Gruppe von 8-10 Leipziger*innen während der Coronakrise ins Leben gerufen.
Mittlerweile durften die Bars unter Hygienevorschriften nach und nach öffnen, doch der Schuh drückt an anderen, kulturellen Stellen noch immer. Der Fokus liegt für das DÜSEN-Bier deshalb nicht mehr auf Bars, sondern auf Clubs.
Mit Kooperationen in Leipzig und Hamburg, einerseits mit dem LiveKommbinat Leipzig e.V. und andererseits mit dem Clubkombinat Hamburg e.V., geht es am 03. Juli mit der zweiten Phase des solidarischen Biers weiter. In beiden Städten ist das Prinzip ähnlich: die Vereine repräsentieren Clubs und Livespielstätten und verwalten erst einmal alle Spendeneinnahmen, bis sie wieder öffnen können.
Im Falle von Leipzig sind das insgesamt 11 Locations, an die die Spenden verteilt werden können. Eine Flasche DÜSEN beinhaltet 330ml Pils, davon gelten 30 Cent als Spende. Warum? Das ist dem Steuerrecht geschuldet. Aber – pro Kasten à 24 Flaschen sind das immerhin 7,20 Euro, die an euren Lieblingsclub gehen.
Wie der restliche Preis zusammenkommt, wird transparent auf ihrer Website (siehe unten) aufgeschlüsselt. Das Bier wird in der Schlossbrauerei Rheder bei Paderborn frisch gebraut, abgefüllt, verkront und etikettiert. „Die ehemalige Dampfbrauerei ist seit vier Jahren wieder im Eigenbesitz und unabhängig von Großkonzernen,“ schreibt die DÜSEN-Crew.
Kaufen, kaufen, kaufen
Vorerst könnt ihr das Bier online bestellen – auf trink-duesen.de. Das Ganze geht diesen Freitag los. Das Bier wird innerhalb von Leipzig an eure Haustüren geliefert, wenn ihr bis 14 Uhr bestellt, dann sogar noch am selben Tag.
Ihr könnt auswählen, ob ihr das Geld an das LiveKommbinat spenden wollt, die die Einnahmen dann fair verteilen, oder direkt euren Lieblingsclub auswählen. Alle Infos gibt es auf der Website.
Ob es das Bier auch bald in den Clubs und Spielstätten unserer Stadt persönlich zu kaufen gibt, ist noch unklar. Um bei allen Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben, empfehlen wir euch, @trinkduesen auf Instagram zu folgen. Prost!
Pride: Series Be organisert eine Black Queer Pride-Demo auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz. Dort, wo die letzte Demo Anfang Juni endete. Be there!
Black Queer Pride steht für die Verbindung zwischen der Black Lives Matter-Bewegung und dem Christoper Street Day, und um die Rolle der Queer-BiPOC-Gemeinschaft hervorzuheben.
Black Lives Matter schließt dabei Black Trans Lives und Black Queer Lives mit ein.
„Der CSD wurde in der Vergangenheit von Weißen für sich alleine beansprucht, wir aber wollen die Stärke, Schönheit und Kraft der Queer-BiPOC-Gemeinschaft zeigen.“
Bitte beachtet (weiterhin!) die Corona-Sicherheitsregeln. Das heißt: Wenn möglich 1,5 Meter Abstand halten und während der gesamten Demonstration einen Mund-Nase-Schutz tragen.
Die Demo ist dieses Mal eine statische Kundgebung, kein Zug durch die Stadt.
Das neueste Release von Pulse Drift Recordings kommt vom Electro-Duo Eoism aus Leipzig und Jena. Wir stellen die Platte vor.
Nachdem es seit knapp anderthalb Jahren um Pulse Drift Recordings still geworden war, pusten sie nun endlich wieder Leben in die Electro-Landschaft Leipzigs. Und wenn es um puren, klassischen Electro geht, wissen die Labelbetreiber definitiv, was sie tun.
Unsere Redakteur*innen Christoph und Rebecca haben sich schon fast allen bisherigen Releases gewidmet (siehe hier und hier) und frohfroh-Gründer Jens hat sich 2017 mit einer Label-Vorstellung und der Pulse Drift-Geschichte befasst. Fest steht: das Label wurde wegen dem Electro-Duo Eoism ins Leben gerufen. Nun sind sie dort abermals mit einem Solo-Release und fünf neuen Tracks zu hören.
Die A3 – Machines of Loving Disgrace – verkörpert genau die Videospiel-Ästhetik, die ich bei Electro so lieben gelernt habe – eine Ästhetik, die Vorstellungen von nächtlichen Abenteuern auf diversen Spielekonsolen hervorruft. Monsters fighten, Trains surfen oder wild durch die Gegend rennen? Mit diesem Soundtrack kein Problem.
Diese Phantasie wird beflügelt durch verspulte und überlagerte Melodien und Synthies, einer stabilen Bassline und subtilen Samples – schade nur, dass der Track zweieinhalb Minuten kurz ist. Richtig geiles Ding.
Die restliche A-Seite, sowie die B1 sind klassische, aber frische und nicht ganz so brachiale Electro-Tracks. Das Element der Mystik schwebt im Vordergrund, unterstützt von gediegenen Harmonien, pochenden Basslines, treibenden Rhythmen, knackigen Beats und lässigen aber effektiven Samples.
Das, was Electro zu Electro macht.
Christoph hat das Prinzip bereits perfekt in Worte gefasst: „Es ist ja gar nicht so einfach, die passenden Worte zu finden, wenn ein Genre wie Electro mehr oder weniger ausformuliert ist, innerhalb dieser Grenzen aber immer wieder neue Musik herausgebracht wird.“ Und auch bei dem neuesten Release gilt – „recht klassischer Electro […], der den Formalitäten entspricht und dennoch fresh klingt.“
Die B2 heißt Critical Slowdown und in einem gewissen Maße ist der Name auch Programm. In Kontrast zur restlichen Platte wirkt dieser Track ein wenig mehr entschleunigt, aus Mystik ist schwebende Leichtigkeit geworden. Kritisch? Debattierbar. Ein wunderschöner Abschluss.
Eine Platte, die sich wunderbar mixen lässt und sowohl auf den Dancefloor als auch aufs Sofa passt. Das lange Warten auf das neue Release hat sich wohl gelohnt.
Collapse Yourself ist die siebte Veröffentlichung von Pulse Drift – digital ist die EP am 22. Juni erschienen und am 13. Juli kommt die Scheibe auf Vinyl in die Läden. Mehr Infos gibt es bei Pulse Drift auf SoundCloud oder Facebook.
Verträumte Synthesizer-Sessions, die auch mal die 20-Minuten-Marke knacken und ganz ohne Beats auskommen: Wir stellen euch Yseto vor.
Mit „Liebes frohfroh“ beginnend erreichte uns Ende Januar eine Mail von Yseto, der kürzlich nach Leipzig gezogen war und sein Album „Transit To Now“ der hiesigen Musik-Szene vorstellen möchte. Ich war gleich sehr angetan von dem, was aus den Lautsprechern schallte: Ruhig fließende Ambient-Stücke, meistens sehr verträumt, machmal aber auch in dunklere Gefilde schielend. Perfekte Musik für ruhigere Stunden also, die sich in den nachfolgenden Monaten aus allseits bekannten Gründen durchaus häufen sollten.
Da passt es gut, dass Yseto gleich weiter nachlegte: Im vergangenen halben Jahr hat er bereits sechs weitere Veröffentlichungen im Alleingang herausgebracht. Teilweise aus Live-Aufnahmen bestehend, verdeutlichen die Releases auch das Ausprobieren der Möglichkeiten, wenn Club-Funktionalitäten nicht im Mittelpunkt stehen. So gibt es um die zwanzig Minuten lange Sessions zu entdecken, die nicht nur uns Hörer*innen in den Bann ziehen, sondern ganz offensichtlich auch den Musiker selbst.
Klare Sache, es wird schnell deutlich, dass Yseto sehr viel Spaß am Experiment mit Synthesizern und anderer Hardware hat. Nicht zuletzt bei „Slow and Endless by Basic“: Ein Teil seines vorherigen Albums „Two Mornings and a Day“ hat er mit einem kaputten Kassettendeck verlangsamt, wodurch so eine verwaschene Lofi-Ästhetik zum Vorschein kommt, wie es bspw. auch bei Dyze der Fall war:
Grund genug also, Yseto an dieser Stellen mit einem kleinen Interview vorzustellen. Und vielleicht ergibt sich ja auch trotz Corona die Möglichkeit, seinen Sound bald mal live zu hören.
In den Beschreibungen deiner Musik erwähnst du Synthesizer und Field Recordings. Wie bist du zur Musik gekommen und auch zu der verwendeten Technik?
„Als Kind habe ich begonnen klassische Gitarre zu lernen und bin bis heute von dem Instrument begeistert. In meiner Jugend habe ich allerdings immer mehr Interesse daran bekommen, die Klänge der Gitarre durch Effekte zu manipulieren.
Gleichzeitig habe ich angefangen, auch elektronische Tanzmusik zu hören und meinen generellen musikalischen Kosmos zu erweitern. Dabei ist mir aufgefallen, dass es Klänge gibt, die ich einfach keinem Instrument zuordnen konnte und habe bei meiner Recherche Synthesizer entdeckt …
Die Vorstellung davon, Klänge zu kreieren und zu manipulieren, hat mich wahnsinnig geflasht!
Da wusste ich dass ich das selbst ausprobieren musste und habe mir damals spontan vom Ersparten einen Roland Gaia Sh01 gekauft … (von Software und VST wusste ich noch nichts) … ein sehr übersichtliches Gerät, an dem alles schön beschriftet war, perfekt zum Lernen der subtraktiven Synthese auf der heimischen Stereo-Anlage.
Gezogen von meinem Hype um elektronische Musik, vor allem Techno, Drum and Bass und Ambient, habe ich schnell entdeckt, dass Hardware ein spannender Weg für mich ist. Ich habe begonnen, alle möglichen Geräte auszuprobieren: Drumcomputer von MFB, die Korg Volca-Reihe und andere diverse Geräte von Elektron. Allerdings habe ich versucht, mit allem möglichen Musik zu machen, Klänge aus Haushaltsgeräten zu samplen oder Instrumente zu benutzen, die ich gar nicht beherrsche.
Als ich zum Abitur in Mainz gelebt habe, bin ich auf die ersten elektronischen Jams gegangen und habe mich an improvisierten Techno-Sets mit Synthesizern und diversen Drum-Machines versucht. Hier war es ungemein wichtig, die Geräte in den wichtigsten Funktionen wie auch die Haptik der Geräte selbst und dessen Menütiefe auswendig zu kennen: Wie schnell kann ich Klänge verändern, ohne das Set komplett über den Haufen zu werfen und die Dynamiken aufrecht erhalten?
Gibt es Geräte oder Techniken, die du am liebsten verwendest oder die deine Musik am stärksten prägen?
Auf jeden Fall! Generell würde ich sagen, dass mich analoge Signalwege sehr geprägt haben. Doch ohne DAW und Postproduktion wäre alles wohl halb so spannend und klanglich würde ich vermutlich in den 70ern hängen!
Seit ungefähr einem Jahr baue ich ein modularen Synthesizer auf und habe mich vorher intensiv mit dem semimodularen Synthesizer Blackbox SV-1 auseinandergesetzt. Dieser stellt die Basis meines Racks dar und ist eigentlich ein klassischer monophoner, subtraktiver Synthesizer mit zwei Oszillatoren, der allerdings paraphon gespielt werden kann und komplett patchbar ist. Richtig spannend wird es nämlich eben gerade durch das Unterbrechen und Neu-Denken des eigentlichen Signalwegs.
Dazu habe ich einige für mich klanglich spannende Erweiterungen vorgenommen wie ein Lowpass-Gate, das den Weg Richtung Westcoast-Synthese öffnet. Oder das FX Kit von Koma Elektronik, das z.B. ein CV-gesteuertes Multi-FX-Gerät beinhaltet. Außerdem habe ich einen Line-Input-Modul, mit dem ich Tracks aus Ableton durch den Modular schicken und somit Filter und andere klangfärbende Module im Nachhinein benutzen kann.
Manchmal sitze ich stundenlang da und versuche, das System immer wieder neu zu denken.
Oft entkabel ich das Gerät komplett und starte mit neuen Patchideen bzw. verändere die Notenbefehle und Parameter eines Patches. So kommt es, dass es Tage gibt, bei denen ich das Gefühl habe spannende Klänge zu hören und manchmal speichere ich einfach nur die Session ab. Es kommt auch schon mal vor, dass es dann echt schnell an die Maschine gehen muss, bevor der Zauber verflogen ist oder die Idee auf dem Weg verloren geht.
Sampling ist für mich auch ein großes Thema geworden. Hierfür nutze ich einen mobilen Fieldrecorder, um alle möglichen Klänge auf Spaziergängen durch die Stadt einzufangen. Dabei fange ich manchmal den klanglichen Charakter eines Objektes ein, aber auch Ambiences, die durch die Stereomikrofonie sehr räumlich wirken können.
Ein weiteres wichtiges Element ist mein Tapedeck. Hin und wieder ziehe ich einzelne Spuren hier drüber und je nach Kasettentyp und Sättigung gibt es Nuancen in der Klangfärbung oder im Timbre, die mich immer wieder begeistern!
Für mich sehr überraschend ist die doch dauerhafte Abwesenheit von Beats in jeglicher Form. Ist dies eine bewusste Entscheidung?
Ja, ich empfinde es so, dass es für ein intensive Gefühle durch Klang nicht unbedingt einen Beat braucht, sondern die generelle Ästhetik des Tracks viel dazu beiträgt, welche Assoziationen und Gefühle ausgelöst werden. Außerdem sind die Tracks teilweise ja auch durch tonale Elemente sehr rhythmisch gestaltet. Prinzipiell halte ich Rhythmik für sehr wichtig und spannend, die Strukturen der Pattern und das Zusammenwirken der Sounds als Ganzes sind mir jedoch gerade wichtiger.
Auch habe ich mich vorher viel mit improvisierten Live-Techno beschäftigt. Diesen Pfad habe ich mit dem Projekt „Yseto“ bewusst verlassen, um mir mehr Zeit für die Synthese von Sounds zu lassen und auch die Klänge für sich sprechen zu lassen.
Spielst du live? Wie sind die Reaktionen? Und in welchen Umgebungen fühlst du dich am wohlsten?
Nein, bisher habe ich noch keine Live-Sets als Yseto gespielt, da ich noch keine Möglichkeit hatte. Tatsächlich wäre dies aber spannend, da ich das aktuelle Setup im Studio teilweise anders verwende als live. Aktuell wäre es auch nicht möglich, Tracks von den beiden Alben zu spielen, da ich quasi mit dem modularen Setup keine Speichermöglichkeiten habe. Alles würde zu 100% live passieren, was auch eine gewisse Spannung inne hat, da wohl auch dieses Set nicht 1:1 reproduziert werden kann.
Ich habe große Lust live zu spielen und freue mich darauf die Leipziger Kulturszene nach der entbehrungsreichen Corona-Zeit explodieren zu sehen!
Vor einigen Monaten bist du nach Leipzig gezogen. Wie nimmst du die Stadt und die lokale Szene als Neuankömmling wahr?
Haha … Ich habe mich direkt in den Cossi verliebt, ich war wirklich oft im See!
Ich empfinde Leipzig als eine vielfältige Stadt, jeder Stadtteil hat etwas für sich und bietet andere Facetten. Die Breite der Straßen und das Grün lassen mir auf jeden Fall genug Luft zum Atmen!
Musikalisch habe das Gefühl das Leipzig eine wichtige Stadt ist, um tolle Erfahrungen zu sammeln.
Es gibt viele gute Leute, die sehr unterschiedliche Projekte auf die Beine stellen und ich nehme eine entspannte Offenheit wahr, diese zu teilen.
Außerdem sehe ich auch viel Raum, der relativ barrierefrei genutzt werden kann.
Als Konsument kann man wohl von sehr guten Jazz über Klassik hin zu elektronischer Musik alles finden! (Props an die Mondayjazz-Sessions im Westflügel <3)
Wir dürfen heute eine besondere Premiere bei uns vorstellen. Der Pianist Martin Kohlstedt und unser aller Favorit Panthera Krause haben sich für ein Rework zusammengetan. Bei uns feiert der Track Premiere.
Martin Kohlstedt, der die Fusion von Klassik, Elektro und zuletzt Chorgesang perfekt beherrscht, geht es immer um den Diskurs, die Transformation und Spiegelungen.
Unter dem Titel RECURRENTS erscheint – Song für Song – eine Kollektion von Neubearbeitungen seiner Originaltitel. Die beteiligten Musiker*innen, allesamt Weggefährt*innen von Martin Kohlstedt, konnten aus einem reichen Fundus schöpfen: Die für das Originalalbum „Ströme“ entstandenen Aufnahmen mit dem Gewandhauschor, die Klavierspuren und elektronischen Landschaften standen als Schatzkiste zur Verfügung.
Nach Henrik Schwarz, Robag Wruhme, Peter Broderick, Ätna, Marlow und Hannah Epperson kommt also nun das nächste Rework. Und auf dieses Rework haben zumindest viele Leipziger wohl am gespanntesten gewartet. Panthera Krause, mit dem Martin Kohlstedt bei den Bands Marbert Rocel und Karocel zusammenspielte, kommt mit auf die Liste.
Und mit ihm ein typisch leichter, clubbiger Disco-Vibe, der den düster-dramatischen „Ströme“-Tenor aufbricht. Auch wenn vom Original nur noch wenig zu hören ist, passt Panthera Krauses Version perfekt, weil es „Ströme“ für einen kurzen Moment rausholt – auf die Open Airs, in die späten Morgenstunden, auf den Dancefloor der Panoramabar, wenn früh die Jalousien aufgehen.
Bevor ihr nun das Rework (rauf und runter) hört, hier noch zwei exklusive Statements der beiden Musiker zu ihrer gemeinsamen Zeit, flimmernden Hotelzimmernächten und dem Schaffensprozess hinter Recurrents:
Martin Kohlstedt über Panthera Krause
Robert aka Panthera Krause ist einer der Jungs, mit denen ich später unweigerlich auf der Veranda sitzen werde, um alte Geschichten aus Holland auszupacken und Witze weit unter der Gürtellinie zu reißen. Robert dreht sich meditativ seine Zigarette und hängt tief im Sessel und ich sitze mit meiner Kontrollsucht daneben und tue so, als würde ich auch entspannen. Obwohl: bei ihm gelingt mir das sogar hin und wieder. Wir haben so viele gemeinsame Stunden im Tourbus mit Marbert Rocel und Karocel verbracht, dass wir fern vom Verständnis aller Mitinsassen die absurdesten Welten ergründet haben, die man gedanklich niemals hätte betreten dürfen. Die Musik holen wir ebenso intuitiv aus unseren Bäuchen… Nicht nur dass Panthera Krause einer der ersten ist, der neue Stücke von mir hören muss, sondern auch durch seine musischen Interpretationen meiner Werke bekomme ich den Spiegel vorgehalten und meine Musik entwickelt sich ewig weiter und bleibt im stetigen Prozess – so wie ich es mag.
Panthera Krause hat es dieses Mal wieder geschafft mein Stück NIODOM zu extravertieren und auf die Tanzbretter zu zwingen. Danke Robert!
Panthera Krause über das Rework
Mit keinem anderen Menschen habe ich wohl öfter in Hotelzimmern RTL 2 geschaut und nebenher über Musik, Business und das Leben geredet. Zusammen tourten wir mit Marbert Rocel und Karocel durch die Gegend. Als ich Martin kennenlernte, plante er seine Tage noch enthusiastisch im Halb-Stunden-Takt, was mich zu gleichen Teilen irritierte, als auch interessierte. An seinem Enthusiasmus hat sich bis heute nichts geändert und ich habe mich riesig gefreut, als Martin mich anrief und fragte, ob ich Lust hätte ein Rework für seine neue Platte zu machen. Schon bei der Uraufführung von Ströme im Leipziger Gewandhaus juckte es mir in den Fingern, bei dem Gedanken an einen Rework. Nach zwei etwas ruhigeren Ansätzen konnte ich es mir dann doch nicht verkneifen mit meiner Interpretation von NIODOM auf den Dancefloor zu schielen. Aber ich denke, das ist ok!
Und jetzt – finally, hier seht ihr das Video und hört das Rework zu NIODOM:
NIDOM (Panthera Krause Rework)
Wer Blut geleckt hat und (noch) mehr Musik von und Interviews über die beiden Musiker hören und lesen möchte, wird hier und hier fündig.
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