New, new: Long Vehicle

Ein neues Label ist in Leipzig geboren: Long Vehicle. Mit einem fetzigen Artwork, einem Track, der jetzt schon Kult ist, und drei frischen Künstlern hat Sevensol das neue Imprint mit der ersten Platte gelauncht.

Mit Tim Schlockermann und Mbius (die wir beide schon mal rezensiert haben) hat Sevensol zwei junge Künstler aus (bzw. based in) Leipzig auf die Platte geholt; mit Harry Wills einen, der sowohl in Deutschland als auch der UK etabliert ist. Vielleicht ist es ausschließlich das Ziel des Labels, Künstler zusammenzuführen, die musikalisch harmonieren – und das ist auch gelungen. Vielleicht aber auch ist ein weiteres Ziel, eine Connection über Leipzigs Grenzen hinaus zu konstituieren. Wenn ja, dann ist das anscheinend auch gelungen. Sevensol hat Geschmack, das ist kein Geheimnis.

Wir hören mal rein.

A1 – Sloshed

Treibend, lässig, clean. Acht Minuten lang schwebt Sloshed vor sich hin und schafft, wie auch die B2 später, den perfekten Spagat zwischen Minimal und House. Die tiefen Kicks, die sonst so charakteristisch für die Tracks von Artist Harry Wills sind, rücken diesmal in den Hintergrund, die charmanten, melodiösen Elemente dafür nach vorn. 

Ein Traum zum mixen, sag ich euch. Zwei Wörter: easy going.

B1 – Locked

Na na na, na na na na na…na wenn das mal kein Trakt II Banger werden dürfte! Los geht der Track nach einem housey Percussion-Intro mit der Kylie Minogue Melodie, die wahrscheinlich nie in Vergessenheit geraten wird. 

Ja, die Kylie Minogue Melodie. And I can’t get her out of my head. Booty Killer, Hefeweizen Spiller und House Thriller all in one. Ein wunderbar komplexer Track, der sich steigert und steigert, und der so leicht zu feiern ist.  Gemacht für alle Dancefloors und Raver, die was von House halten – Tim Schlockermann has done it again. 

B2 – Helge Nuch

Nahtloser könnte der Übergang von der B1 zur B2 nicht sein. Mbius, ebenfalls local hero durch und durch, rundet die Platte mit einem super groovy Track ab.

Der Track baut, wie sein Vorgänger eben, Minute für Minute Tiefe (und vielleicht sogar eine gewisse Melancholie?) auf. Zwar erkennt man die Minimal-Elemente, die sehr typisch für den Mbius-Style sind – mühelos eingefädelte, verspielte Sounds – es stößt diesmal aber eine besondere Energie dazu, unterstützt von atmosphärischen Pads. 

Tipp, tipp, tipp.

Die Platte macht einfach Spaß. Die Tracks sind wundervoll kuratiert und sonst stimmt auch alles. Subwax aus Barcelona ist für die Distribution zuständig, Schnubbzer – der auch schon bei KANN seine Künstler-Finger im Spiel hatte – kümmert sich um die Artworks. 

Die Platte könnt ihr jetzt auf Bandcamp, sowohl digital als auch auf Vinyl, erwerben. 

Spot on – Zoumo Soundsystem

Soundsystem-Kultur in Leipzig: Nach Jenny Sharp kommt unser heutiger DJ-Mix diesmal gleich von einer ganzen Soundsystem-Crew.

Tragt euch den 28.03. dick im Kalender ein – dann findet im Conne Island nach dem Soundsystem Clash 2017, welcher im ersten Teil unserer Reihe „Soundsystem-Kultur in Leipzig“ besprochen wurde, endlich wieder eine Subbass-zentrierte Veranstaltung statt. Der Name ist nun mit Soundsystem Sessions #1 ein anderer und unterstreicht, dass es nicht primär um eine Konkurrenz zwischen den Plug Dub Soundsystem und dem Zoumo Soundsystem geht, sondern eher um eine freundschaftliches Zusammenkommen, bei dem gemeinsam mit dem Publikum Musik und Soundsystem-Kultur gefeiert wird.

Mit dem Plug Dub Soundsystem haben wir im zweiten Teil eine der beteiligten Crews bereits vorgestellt. Heute widmen wir uns dem Zoumo Soundsystem, das auf vielen Veranstaltungen in und um Leipzig für einen guten Sound sorgt und unter anderen Namen bereits im Conne Island aufgestellt wurde.

Secret Location.
Alle Fotos © Zoumo Soundsystem, wo nicht anders angegeben.

Toke, Tano, Cun und Histeppa sind die vier Personen, die hinter dem Zoumo Soundsystem stecken. Alle vier legen seit Jahren tieffrequente Musik auf. Aber auch am lokalen Partygeschehen sind sie als Teil der beiden Crews Bassment Rockaz und Bassmaessage, aus denen wiederum das Zoumo Soundsystem entwachsen ist, beteiligt. Aus diesen Aktivitäten heraus entsprang auch die Idee des Soundsystems, wie Tano berichtet:

Es gab immer mal Gespräche darüber, dass es schon geil wär, als Party-Veranstalter, Promoter eine eigene Anlage zu haben. Und dann hab ich irgedwann vier Achtzehnzöller gekauft und auf den Tisch gestellt und gesagt „Jetzt müssen wir dafür Gehäuse bauen.“ Das war so ein bisschen die Untermauerung, dass wir das ernst meinen.

Etwa zweieinhalb Jahre dauerte der Bau des Systems, wobei auch die Konzeption der Gehäusetypen bereits viel Vorlaufzeit benötigte. Hilfreich waren auch Kontakte zu befreundeten Technikern und Ingenieuren, aber auch dem Plug Dub Soundsystem, die ihre Erfahrung beisteuerten. Hier ein kleiner Werkstatteinblick:

Wer die Anlage schon einmal gehört hat, weiß, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Neben einem schönen satten Bass legt die Crew wert darauf, dass auch die höheren Frequenzen klar und präzise klingen, damit die unterschiedlichen Genres von Dubstep über Jungle hin zu Electro und Techno zur Geltung kommen. Klar, hinter dem Zoumo Soundsystem stecken schließlich Musikenthusiasten, die sich nicht starr auf ein Genre festlegen möchten und die mit jeder Veranstaltung weiter an der Verbesserung des Sounds feilen.

Tano: Grundsätzlich ist es schon so, dass es bestimmte Gehäusetypen gibt, die eher für bestimmte Musikrichtungen geeignet sind. Wir haben uns gedacht, wir sind musikalisch viel breiter aufgestellt und wollen deswegen ein System, dass den Sound präziser darstellt und nicht unbedingt nur den meisten Pegel macht.

Cun: Alle Leute bei uns haben eine unterschiedliche Kante und Richtung. So habe ich das bei uns auch schon immer verstanden: Dass der Sound ein Instrument ist, um verschiedene Sachen auszuleben, auf die man selber Bock hat, und man nicht auf einen Stil festgelegt sein muss. Klar, Bassmusik …

Tano: … ist der Nenner.

Soundsystem Clash im Conne Island, 2017.
Foto © Gregor Barth

Die angesprochene Vielfalt gab es schon auf vielen Partys in unterschiedlichen Locations und unter Beteiligung anderer Crews und DJs zu hören. Neben vielen Off-Locations waren beispielsweise die Einladungen zum Hechtfest in Dresden 2018 und 2019, zum Grethenfestival 2018, aber auch zur Outlook-Launch-Party mit Commodo im XX-Superkronik Highlights für die Crew. Der Soundsystem Clash 2017 stand dabei am Anfang, war dies doch das Debüt der Anlage. Tano fand den Abend gut:

Ich finde, dass das Konzept aufgegangen ist und funktioniert hat. Das Publikum hat sich darauf eingelassen, ein bisschen durch den Raum geschickt zu werden. Auch dass sich die Spielzeiten zugespitzt haben: Das ist über eine Stunde, eine dreiviertel Stunde, eine halbe Stunde auf eine Viertelstunde zugelaufen. (…) Ich fand ja cool, dass dort die Bandbreite von dem, was Soundsystem-Kultur sein kann, dargestellt wurde – optisch und musikalisch. Auch wenn wir noch dabei sind, uns da zu verorten.

Toke ergänzt: Das viele Facetten dargestellt worden sind. Plug Dub waren sehr traditionell mit einer starken Tendenz zu, ja, Rasta-Kultur. Eben diese alten 60er-, 70er-Dub-Geschichten, aber auch modernere. Und wenn wir gespielt haben, das war dann schon so diese elektronische Club-Sparte. Da gab es schon einen starken Kontrast.

Toke hält außerdem auch die Fahne in einem weiteren Bereich der Soundsystem-Kultur hoch: Dubplates sind früher aus Acetat, heute aus Vinyl geschnittene Einzelanfertigungen von mehr oder weniger exklusiven Tracks, die DJs direkt von den Producer*innen erhalten. Was ist der Grund für den Aufwand, anstatt einfach Files zu spielen?

Toke: Weil ich es bevorzuge, mit Vinyl aufzulegen. Es macht mir viel Spaß. Früher war es fast die einzige technische Praxis, durch die Anfertigung von Dubplates exklusive Tracks wiederzugeben. Heute denke ich, dass es eine individuelle, ästhetische Frage ist, ob man unveröffentliche Tracks als Files von einem digitalem Mediaplayer abspielt oder als maßgeschneiderte Dubplates. Ich bewerte andere nicht darüber. Der finanzielle Faktor spielt bei der Herstellung von Dubplates auch eine Rolle, weil sie kostspielig sein können.

Ich habe oft erfahren, dass die Producer*innen das Arrangement ihrer Tracks mehrmals durchgegangen sind, um mir am Ende die für sie beste, zufriedenstellende Produktion weiterzugeben, damit der Track für den Schnitt im nächsten Schritt gut vorbereitet ist. Man fördert und fordert sozusagen die Musikszene auf einer gewissen Weise.

Mittlerweile habe ich aber immer einen USB-Stick als Backup im Rucksack, falls es mit der Technik nicht hinhaut, wenn ich irgendwo auswärts eingeladen werde. Da ist es schon manchmal komisch, wenn auf der einen Seite Vinyl läuft und auf der anderen Seite ein CD-Player mit anderer Haptik zu steuern ist. Die Arbeitsweise ist von der Bedienung und vom Feeling her anders. Es ist alles nur Übungsache, denke ich. Und es klingt auch anders. Nicht besser, nur anders. Ansonsten kümmern wir uns als Soundsystem um die komplette Signalwiedergabekette, unabhängig vom Medium.

Wie kommst du an deine Dubplates?

Toke: Betriebsgeheimnis. Nee, man kann ganz normal fragen. Wenn du nach frischen, unveröffentlichen Tracks für deine Dubplate suchst, musst du auf allen möglichen Kanälen offene Ohren haben. Bei Radiosendungen und Podcasts zuhören, bei verschiedenen Streamingportalen auf dem laufenden bleiben. Alles aufsaugen. Mehr ist das nicht. Wenn dir was gefällt, schreibst du den Producer an, wenn du Glück hast, bekommst du den Tune. Wenn nicht, dann halt nicht. Ehrlich fragen kostet ja nichts.

Wie sind die Reaktionen auf Anfragen?

Toke: Bisher immer positiv. Also ich trau mich nicht an großen Namen ran. Von denen bekommt man sehr schwer Tunes, weil diese eben schon durch einen bestimmten Kreis, in der Regel DJs, Agenturen etc., so ihren Namen als Producer etabliert haben. Die Sache mit der Größe ist ja auch relativ abhängig von der eigenen Betrachtungsperspektive. Vielleicht trifft man mit der Zeit auf eben diese vereinzelten Kreise, aber es soll auch für mich kein Zwang sein, sich nur auf Dubplates zu fokussieren und sich darüber zu profilieren. Go by the flow, schließlich ist das Soundsystem für uns nur ein Hobby. Es ist vielleicht aus Soundsystem-Perspektive auch interessanter, an den jungen Leuten dran zu sein und denen Support zu geben und somit eventuell gemeinsam etwas nachhaltig zu wachsen, wenn die Synergien miteinander stimmen.

Cun: Die sind ja auch froh, wenn jemand ihre Tunes spielt und sie Response bekommen. So bekommt man ja auch Hörweite. Klar kann man sie auf Soundcloud stellen oder YouTube, aber es geht ja schon um Club-Musik und dass die Tunes im Club gut klingen. Das muss man ja auch ausprobieren. Das ist bei unserem Soundsystem ja auch ne coole Möglichkeit, zu hören, wie das Zeug auf einem System klingt, auch vor der Party.

Toke: Ja, man kann anderen Leute eine kleine Referenz geben. Jugendarbeit für die Produzent*innenszene quasi …

Mix Mix

Hier hört ihr den exklusiven Mix – mit ein wenig Verspätung, verzeiht es uns und Zoumo!

feat. Fem x frohfroh – Die Statistik

Ein Teil des lang ersehnten Manifests ist endlich da: frohfroh und feat. Fem haben gemeinsam daran gearbeitet, strukturelle Diskriminierung gegenüber Frauen in Zahlen sichtbar zu machen. 

frohfroh gibt es seit zehn, fast elf Jahren. Das sind zehn Jahre, in denen wir Künstler*innen, Akteur*innen, Kollektive, Labels, Clubs und viele mehr bei ihrer Arbeit begleitet haben. Das sind zehn Jahre, in denen wir als Medium den Generationenwechsel in der Leipziger Clubkultur mit begleitet haben. 

Zehn Jahre, in denen wir beobachtet haben, wie sich die Ansprüche an unsere Szene gewandelt und verlagert haben. Sowohl Angebot als auch Nachfrage sind in Bezug auf elektronische Musikveranstaltungen gestiegen; die Messlatte und das Niveau sitzen heute weitaus höher als damals. Das alles betrifft unter anderem aber vor allem alle Bemühungen, jegliche Diskriminierungsformen aus dem Clubkontext zu verbannen. Zehn Jahre heißen deshalb: höchste Zeit für Selbstreflexion. 

Wir fragen uns, ob Leipzig dieser Prämisse, dieser Maxime gerecht geworden ist.

Inwieweit ist Sexismus in seiner strukturellen Diskriminierung in Leipziger Line-Ups (noch) präsent?

Sind diese Ansprüche, die wir an unsere Szene stellen, in den Bookings unserer Clubs aufzufinden? Oder haben Booker und Bookerinnen verpennt? Was kann verbessert werden?

Das Manifest

feat. Fem versteht sich als Plattform und Netzwerk, immer unter dem Fokus der Thematik „Feminismus im Club“. Das Projekt wurde 2017 ins Leben gerufen – wir stellten sie schon damals vor und redeten mit zwei ihrer Mitglieder über das Thema „Wie können Frauen in der Clubkultur präsenter werden?“. Schon damals hieß es: „Wir halten uns vielleicht für tolerant und gleichberechtigt, aber trotzdem sind die Line-ups sowie wichtige Positionen hinter den Kulissen der Clubkultur weiterhin hauptsächlich von Männern besetzt“. Mehr zu feat. Fem findet ihr weiter unten.

Unsere Chefredakteurin, Antoinette Blume, hat sich ein Jahr nach der Gründung von feat. Fem, 2018, mit zwei weiteren Mitgliedern getroffen: Anja Kaiser und Charlotte Eifler; den Artikel dazu lest ihr hier. 2018 steckte die Gruppe mitten in der Organisation für ihre zweite, große Veranstaltung. Mit ihr wurde ein Manifest angekündigt – „ob es eher ein Kritikbrief oder eine Club-Agenda sein wird,“ stand „noch nicht ganz fest“. 

Heute, zum internationalen Frauentag 2020, veröffentlichen wir gemeinsam mit feat. Fem einen Teil dieses Manifests. In Form einer Statistik legen wir die Prozentanteile von weiblichen und männlichen DJs in großen Clubs für elektronische Musik in Leipzig dar.

Diese Statistik ist ursprünglich als Grundlage für das Manifest geplant gewesen. feat. Fem zielte insbesondere darauf ab die Ansicht, die Leipziger Clublandschaft habe kein Sexismusproblem, empirisch zu widerlegen. In jener Hinsicht ist die Statistik ein Teil des ursprünglich konzipierten Manifests.

Vorwort/Transparenz

Die Idee einer quantitativen Untersuchung der Geschlechterverhältnisse im Booking Leipziger Nachtclubs basierte auf der Vorreiterarbeit der Wiener Datenbank femdex (mehr unten). 

Die Clubs, die zur Untersuchung ausgewählt wurden, waren Clubs, die die Leipziger Clubkultur maßgeblich mitgestalteten: damals noch das So&So, das Institut fuer Zukunft, das Elipamanoke und die Distillery. Einerseits, so sagen es feat. Fem, wurden diese vier Clubs immer wieder durch frohfroh aufgegriffen (und erfuhren so ein gewisses Level an Relevanz), andererseits waren und teilweise sind dies auch jene Clubs, die eine betriebswirtschaftliche Struktur besitzen und nahezu jedes Wochenende eine Besucherzahl im dreistelligen Bereich aufweisen.

Aufgrund der inhaltlichen Interessen der Statistik und dem Trendvergleich entschied sich feat. Fem dazu, die Ergebnisse des So&So, welches Anfang 2019 schließen musste, zu streichen. Die hier vorgestellten Ergebnisse umfassen daher nur die drei Clubs Institut fuer Zukunft, Distillery und Elipamanoke für das Kalenderjahr 2017 und die Monate September bis einschließlich November im Jahr 2019.

Anhand des Line-Ups wurden die Künstler*innen in drei Kategorien eingeteilt: weiblich, männlich und nicht feststellbar. feat. Fem äußern hierbei das folgende Dilemma: „alleine die Konzeptualisierung der Einteilung war eine große Herausforderung, da hierbei die Gefahr bestand, bestehende Geschlechtsstereotype zu reproduzieren und damit eine mögliche Realität der Diversität zu verzerren“.

Aus diesem Grund haben sich die folgenden Prämissen zur Einteilung ergeben:

  1. Hat sich die untersuchte Person einer oder mehrerer Personen des Forschungsteams gegenüber in privaten oder öffentlichen Situationen als zu einem Geschlecht zugehörig definiert? 
  2. Hat die untersuchte Person im öffentlichen Künstler*innenprofil auf Facebook ein Geschlecht angegeben? 
  3. Wird die untersuchte Person in öffentlichen Promotionstexten und/oder Künstler*innenbeschreibungen mit einem Personalpronomen betitelt? 

Sofern einer der drei Fragen mit „ja“ beantwortet werden konnte, wurde geschaut, welchem Geschlecht die untersuchte Person zuzuordnen ist. Sobald keine der drei Fragen mit „ja“ beantwortet werden konnte, wurde die untersuchte Person der Kategorie „nicht feststellbar“ zugeordnet. 

Die Zahlen

Das Institut fuer Zukunft gibt es seit fast sechs, das Elipamanoke seit dreizehn und die Distillery seit ganzen 28 Jahren. In der Recherche wurden sich zwei Jahre angeschaut – 2017 und 2019 – um zu vergleichen, ob sich gewisse Strukturen gewandelt haben und sich Trends erkennen lassen.

Nicht jeder Club kann 52 Samstagsveranstaltungen aufweisen, da in der Regel über einige Wochen eine Sommerpause eingelegt wird; hinzu kommen Ausfälle aufgrund sonstiger Gründe. So haben wir für das Institut fuer Zukunft 47 Veranstaltungen im Kalenderjahr 2017, für die Distillery 46 und das Elipamanoke folgt mit 42 Veranstaltungen. Da wir jeweils mehr als 30 Veranstaltungen ausgewertet haben, ist von einer Normalverteilung zu sprechen. 

Wichtig ist hierbei, dass jeweils nur die Samstagsveranstaltungen der Clubs herangezogen wurden. Es fallen also alle Wochen- und Freitags-Veranstaltungen weg. 

Die Datenanalyse zeigt, dass das Institut fuer Zukunft der einzige Club ist, der in die Richtung eines ausgewogenen Bookings steuert. Im Durchschnitt spielen acht bis neun Künstler*innen auf einer Samstagsveranstaltung des IfZ, wobei im Durchschnitt zwei bis drei davon weiblich sind. Dies lässt sich darauf übertragen, dass ca. ein Drittel der gebuchten Künstler*innen weiblich ist. 

Deutlich unausgewogener sieht es bei den anderen beiden Clubs Distillery und Elipamanoke aus. Beide Clubs schaffen es nicht im Durchschnitt mind. eine weibliche Künstlerin im Booking aufzuführen. Die Distillery zeigt mit knapp unter 90% männlichem Booking eine stark einseitige Front, das Elipamanoke ebenfalls. 

Die Daten aus dem Jahr 2017 können dennoch in keinster Weise als momentaner Ist-Zustand interpretiert werden. Wie sieht es also im Jahre 2019 aus?

Vorab gesagt: Die Daten für 2019 spiegeln nur eine Tendenz wider, da nur drei Monate des Clubbetriebs (September bis November, die ersten drei Monate der zweiten Saison nach der Sommerpause) ausgewertet wurden. Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen, da wir jeweils nur elf bis dreizehn Veranstaltungen ausgewertet haben und somit besonders homogene Veranstaltungen stärker ins Gewicht fallen. 

Die Tendenzen, die man erkennen kann, sind jedoch ähnlich erschreckend. Das IfZ bildet erneut ein relativ ausgeglichenes Line-Up ab, die Distillery hat über 10% an weiblichen Bookings dazugewonnen und das Elipamanoke hat sich mit einem 90%-igen Anteil an männlichen Artists weiterhin verschlechtert.

Schlussfolgerungen: Was heißt das? Wie geht es weiter?

Also – was sagen diese Zahlen uns?

Ist Leipzigs Clubkultur doch nicht so aufgeklärt, wie sie behauptet?

Sind alle Initiativen, die auf das Empowerment von Frauen abzielen für nichts gut gewesen? Welche Unterschiede zwischen 2017 und 2019 sind auch außerhalb der Statistik erkennbar? 

Zu Beginn: es ist alarmierend, dass sich für zwei Clubs, die maßgeblich die elektronische Musikszene mit gestalten, die Werte in einem zweijährigen Zeitraum kaum geändert haben. 

Lobenswert ist hierbei jedoch das Institut fuer Zukunft: im Jahr 2017 sieht man rund ein Drittel weibliche Acts und die Tendenz geht nach oben. Ganz besonders sticht für feat. Fem in der Distillery die Veranstaltung „25 Jahre Distillery x 25 Stunden Wohnzimmer!“ heraus, bei welcher unter 21 Acts alle (!) männlich sind. Das Elipamanoke möchte außerdem anmerken, dass an Samstagen in der Regel Fremdveranstaltungen stattfinden, bei denen die Künstler*innen nicht unmittelbar in den Händen des Eli-Booking-Teams liegen (muss man aber nicht an alle Veranstaltungen denselben Anspruch haben?). Wir merken an, dass 2019 im Elipamanoke die queere Veranstaltung „NO NO NO!“ stattfand, deren Künstler*innen wir wegen der Problematik der Geschlechtszuweisung (Erläuterung unten) nicht in die Statistik einfließen lassen konnten.

Aber: dass es heute nicht schwer ist, ausgewogene Line-Ups herzustellen, ist kein Geheimnis; es liegt lediglich mehr Recherche darin, aus seiner Booking-Blase rauszukommen. Das gilt für alle Veranstalter*innen und muss zur Reflexion der eigenen Strukturen dienen – denn

das Line-Up ist das Endprodukt vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Es müssen gleichberechtigte Arbeitsverhältnisse geschaffen werden, um solchen Reproduktionen entgegenzuwirken. Dass diese Strukturen dem Schein nach gleichgeblieben und Line-Ups immer noch überwiegend männlich sind, ist trotz der ganzen Arbeit verschiedenster feministischer Kollektive und Gruppierungen mehr als nur enttäuschend. 

Es müssen nicht nur Clubs und Booker*innen verantwortlich gemacht werden, sondern – wie erwähnt – auch unabhängige Veranstalter*innen. Wie ist es mit Künstler*innen, die keine Kritik äußern und stetig auf rein männlichen Veranstaltungen spielen? Alle, die im Prozess involviert sind, haben eine Stimme.

Die elektronische Musikszene in Leipzig ist von einem starken Wandel geprägt und ebenfalls Spiegel aktueller gesellschaftlicher Umstände und Bewegungen. Nicht erst durch Feat.Fem wurde auf die Problematik patriarchaler Strukturen innerhalb einer scheinbar so offenen Szene aufmerksam gemacht. 

Leipzig(s Clubkultur) kann also zahlentechnisch seinem scheinbar feministischen Anspruch nicht gerecht werden.

Wir haben uns eine Motivation aus dem Inneren heraus gewünscht, nun können wir nur hoffen, dass diese Statistik ein gutes Druckmittel bildet. Tendenziell werdet auch hoffentlich ihr, als Clubbesucher*innen, sensibler für die Thematik. 

Als frohfroh, eine Plattform, die versucht, alle Geschehnisse rund um die Clubkultur gleichmäßig und fair abzudecken ist es schwer, Veranstaltungen von den Ausgehtipps, beispielsweise, auszuschließen. Jedoch möchten wir jenen Anspruch von „Fairness“ in Bookings und Line-Ups würdigen und unserem eigenen feministischen Bestreben ebenfalls gerecht werden. Ein solches Dilemma ergibt sich also auch für uns. Nicht nur in der Ausgehtipp-Hinsicht.

Und: drei Clubs sind nicht die Szene. Es gibt unzählige kleinere (und größere, z.B. Conne Island, mjut) Locations, die viel tun, um die Szene zu stärken und ein diverses Veranstaltungsbild und Booking an den Tag legen. Um nur wenige zu nennen: LINKS NEBEN DER TANKE, Kulturlounge, Pracht, TIFF, Soli-Clubs wie das ZXRX oder die G16. Solche Bemühungen müssen anerkannt und gewürdigt werden.

Wir möchten allen Clubs, Veranstalter*innen und Verantwortlichen die Möglichkeit geben, sich zu unseren Ergebnissen zu äußern. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Strukturen weiterhin wandeln und sich der momentane Diskurs in Zukunft eher aus den Zahlen herauslesen lässt. 

Weitere Informationen

Michael Amberg, Marie Louise Iredale, Linda Brendler und Selina Aygün von feat. Fem* haben gemeinsam die Methodik entwickelt. Die letzteren drei haben für sieben Clubs die Daten für 2017 gesammelt. Denn: es sind noch mehr Clubs außerhalb der elektronischen Clubkultur unter die Lupe genommen worden.

For your information, die Ergebnisse sind für das Jahr 2017 folgende: 

Diese Zahlen zeigen: Szene unterscheidet sich vielleicht doch nicht vom Mainstream. Es ist traurig zu sehen, dass trotz einem gewissen Anspruch der einen Szene an der Oberfläche das gleiche Produkt in der anderen am Ende herauskommt.


Selina Aygün hat sich abschließend um die Auswertung 2017 und den Trend für das Jahr 2019 gekümmert. Amy Woyth (frohfroh) hat in Kooperation mit Selina Aygün an diesem Text und der Visualisierung gearbeitet. Alle ausgewerteten Clubs wurden vor der Datenerhebung informiert und angefragt, letztendlich hat feat. Fem aber von keinem einzigen Club Daten zu den Samstagsveranstaltungen erhalten. 

Und: heute, am Frauenkampftag, ist zum vierten Mal die FACTS-Statistik von female:pressure erschienen. FACTS quantifiziert die Geschlechterverteilung von Künstler*innen, die auf Festivals für elektronische Musik auftreten und ist die umfassendste Analyse ihrer Art. Es wurden 675 Festivals in 46 Ländern untersucht: „Bei dieser vierten Ausgabe sind wir stolz darauf, eine Verbesserung der Zunahme der weiblichen und nicht-binären Künstler*innen bei Festivals zu sehen“. Die ganze Statistik und mehr Infos zu female:pressure findet ihr hier.

feat. Fem findet ihr unter den folgenden Adressen: 

Anmerkungen

Das Beitragsbild ist von Anja Kaiser und wurde von Manuel Schmieder nachbearbeitet.

Zur Vorarbeit von femdex: Inhaltlich versucht femdex seit 2016 mithilfe einer Datenbank gegen das Vorurteil „There are not enough women* to book“ (Anm. „Es gibt nicht genug Frauen, die man buchen kann“) anzukämpfen. Neben einer umfangreichen Auflistung von weiblichen DJs in der internationalen sowie auch lokalen Wiener Musikszene im elektronischen Bereich, findet man auf der Webseite auch Statistiken zum Geschlechterverhältnis im Booking auf Wiener Veranstaltungen im Zeitraum von 2014 bis 2016.

Zur Kategorie “non-binär“: Diese Kategorie bestand als Möglichkeit, jedoch konnte keine Person in den Line-Ups der Clubs anhand einer der drei Fragen als eindeutig nicht-binär identifiziert werden. Im Zweifelsfall wurden Künstler*innen demnach in die Kategorie „nicht-feststellbar“ eingeteilt. In den Statistiken von femdex ist eine klare Binarität vorzufinden, welche sich auf 100% summieren lässt. In diesem Punkt unterscheidet sich unsere Statistik deutlich vom femdex-Beispiel. 

frohfroh presents: Vektor +++ verschoben +++

+++ Die Veranstaltung ist wegen der aktuellen Maßnahmen gegen die schnelle Verbreitung des Coronavirus verschoben +++

Vektor x Ableton User Group

Vektor, das ist eine Veranstaltungsreihe, die als eine der wenigen Reihen nur live auftretende Künstler*innen in den Fokus nimmt und dazu Debatte sowie einen Workshop in einem zwei-teiligen Event zusammenbringt. Die Veranstaltung feiert ihr Debut – da schon von Reihe zu sprechen ist natürlich ein Versprechen, Vektor nicht nur einmalig stattfinden zu lassen – am 04.04.2020 im Leipziger Institut fuer Zukunft.

Was genau euch tagsüber im Club erwartet, worauf und auf wen wir uns freuen dürfen, habe ich für euch aufgeschrieben.

Der Samstag beginnt mit einem Kick-Off-Ableton-Workshop mit Electric Indigo.

↷ Ableton User Group Workshop mit Electric Indigo

Die Musikerin, Producerin und DJ, Electric Indigo, wird bei Vektor im Rahmen des Ableton User Group Workshops zu Gast sein. Susanne Kirchmayr wird nicht nur als Speakerin dabei sein, sie wird auch live performen.

↷ Panel: Stadt statt Freiraum?

Kathi Groll von MDR Sputnik, die übrigens eine der ganz wenigen Techno-Radio-Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk betreibt, und das seit Jahren, wird ein Panel zum Thema „Stadt statt Freiraum?“ moderieren und hat sich hierfür Vertreter*innen der LiveKomm Leipzig und der Kollektive bzw. Initiativen VAK und djversity eingeladen.

↷ Pop Up

Es wird bei Vektor die Möglichkeit geben, sich pop-up-mäßig ein Magazin am Stand von uns, eine Platte aus dem Labelhause HUMAN oder ein Vinyl beim Stand von Inch by Inch, dem Plattenladen, dem Leipziger*innen vertrauen, zu kaufen. Philipp von Inch by Inch wird für uns und euch eine handverlesene Auswahl an tollen Musikträgern mitbringen.

↷ Ausstellung

Es werden Fotografien von Gregor Barth ausgestellt, der Live-Acts und die Prozesse ihrer Studioarbeit für seine Artists-Reihe in analogen s/w-Fotografien festhält. 

↷ Performance

Der Performance-Teil ist gespickt mit Highlights. Man könnte fast von einem Mini-Tages-Festival sprechen.

Das Intro machen die Künstler*innen Lena Seefried und Milos Stolic. Nach einer gemeinsamen Residency in Hongkong 2019 wird das Duo bei Vektor zum ersten Mal in Europa auftreten. Queere Texte, Field Recording und technoide Beats hinterfragen dabei Identitäten und Zugehörigkeit.

Lena Seefried und Milos Stolic @ Hart Haus (Hongkong)
Foto von Lena Seefried

Marlene Lys +Carlotta Jacobi

Marlene Lys und Carlotta Jacobi sind beide als Organisatorinnen des monatlichen FLTI*-Ableton User Group Workshops engagiert. Carlotta Jacobi, bekannt als DJ, Producerin und Mitglied des Leipziger Labels Connwax, war schon öfter auf verschiedenen Clubbühnen zu sehen. Bei Vektor nun das erste Mal mit Marlene Lys. Für beide ist es die erste musikalische Zusammenarbeit, die live aufgeführt wird.

fragmentiert +hundertsaiten

Eine Premiere für das Institut fuer Zukunft: Eine Konzertharfe auf Trakt I. Die Harfenistin und Ärztin, die als Nebenfach Musik und Musiktherapie studiert hat, Dr. med. Gabriele von der Weiden (hundertsaiten), hat sich mit dem Leipziger Live-Künstler fragmentiert für Vektor zusammengetan. Die Fusion von klassischen, konzertanten Elementen mit elektronischen, dronigen Soundteppichen und Fieldrecordings, hat die letzten drei Monate die gemeinsamen Proben in Mainz und Leipzig geprägt.

Tinkah

Der Leipziger Liveact Tinkah, der auch das Label HUMAN betreibt, ist ebenfalls am (frühen) Abend im Institut fuer Zukunft dabei. Sein (von u. a. mir) hochgelobtes Album „Thoughts You Are Not Supposed To Speak Out In Public“ und die anschließenden Rezensionen und Video-Produktionen sowie seine kürzliche Zusammenarbeit mit dem Label PH17, haben ihn und seine Musik in den Vektor-Radar gebracht. Sein „Power-Ambient“ ist genau das: Powerful und trotzdem Ambient.

Electric Indigo

Als weitere Performance dürfen wir uns auf eine halbe Stunde live mit Electric Indigo freuen. Wer jetzt schon einen Eindruck ihres neuen Albums Ferrum gewinnen möchte und interessantes über die Speakerin, Musikerin, Producerin und DJ erfahren möchte, kann hier in die aktuelle Sendung Clubperlen (MDR Sputnik) reinhören.

So schließt sich der Kreis zum Anfang. Und noch mehr! Wer die Konzerte genossen hat, kann sich Zuhause ein wenig frisch machen, das Gehörte sacken lassen und dann direkt wieder zum (jetzt schon im hellen bekannten) Club zurückkehren. Ab 00:00 Uhr findet die Veranstaltung Connwax, die für unnachgiebigen und straighten Techno steht, statt.

Electric Indigo
Foto von Elsa Okazaki

Nachwort

Phew, und jetzt noch der Transparenz wegen: frohfroh ist Medienpartner*in bei Vektor. Und noch mehr, ich bin nicht nur Autorin bei frohfroh und DJ Lab, sondern in diesem besonderen Falle auch Projektkoordinatorin bei Vektor. Um ein Projekt zu koordinieren, muss es natürlich erst einmal eines geben. Das Team von Vektor besteht aus fragmentiert, Carlotta Jacobi, Marlene Lys und wurde maßgeblich von Kathi Groll unterstützt.

Gefördert werden die Konzerte und Performances an diesem Abend vom Musikfonds e.V. (Die Beauftragte für Kultur und Medien der Bundesregierung) – Kultur also! Ganz offiziell!

Wir sehen uns zur Vektor!

Vektor
Design von Tine Pascoe

Behind the nights – Bela Hodod

Raven und Unterstützen – Soli-Partys gibt es einige. Doch, dass eine Crew den Charity-Aspekt als festen Part aufnimmt, kommt eher selten vor. Bela Hodod macht es vor. Und wir stellen das Kollektiv kurz vor.

Bela Hodod, das sind vier Menschen aus Deutschland, Syrien und Mexiko – Carlos, Amer, Nina und Manfred alias Zidane. In Leipzig und Halle sind sie um 2018 aufeinander getroffen und haben schnell gemeinsame Schnittstellen ausgemacht. Techno als verbindender Sound beispielsweise. Aber auch den Wunsch, das Feiern aus dem reinen Eskapismus rauszuholen. Auch wenn es in den Clubs in erster Linie gerade ums Ausklinken aus der Realität geht – draußen dreht sich die Welt eben doch weiter. Und an vielen Orten der Welt geschieht dies alles andere als reibungslos. Amer hatte dies selbst erlebt und musste vor vier Jahren aus Syrien flüchten.

Über ein fotografisches Studienprojekt lernte er Zidane kennen, später kamen noch Carlos und Nina dazu. Ende Januar dieses Jahres veranstalteten die Vier ihre erste Party unter dem Bela Hodod-Banner im Elipamanoke. Der Name ist übrigens die englische Übersetzung für die arabischen Worte „Ohne Grenzen“. Mit Bela Hodod überwindet das Kollektiv auf solidarische Weise internationale Grenzen und spendet die Einnahmen ihrer Partys. Bei der Premiere im Januar kamen 500 € zusammen, die an das Molham Volunteering Team überwiesen wurden. Die NGO unterstützt aktuell syrische Flüchtlinge, die in Camps in benachbarten Ländern leben. Besonders durch den Konflikt im nordsyrischen Idlib hat sich die Lage dort nochmals zugespitzt. 

Foto: Bela Hodod

Am 6. März steht die zweite Bela Hodod-Party an, dieses Mal im Institut fuer Zukunft. Im Vorfeld informierte die Crew bereits, dass die Einnahmen an Mission Control gehen werden, ein Dresdner Verein, der Menschen in Seenot auf dem Mittelmeer hilft. Im IfZ wird es im Vorfeld erstmals ein informierendes Vorprogramm geben, bei dem sich Mission Lifeline vorstellt. Künftig sollen solche ergänzenden Vorträge und Filme ein fester Bestandteil der Bela Hodod-Reihe sein. Und auch auf über die Instagram– und Facebook-Kanäle informiert Bela Hodod über die Arbeit der jeweils unterstützten Organisationen und Projekte. Mit Kunst-Installationen von lokalen Künstler*innen werden die Themen ebenfalls während der Partys transportiert – eingebettet in einer minimalistisch beleuchtete, neblige Grundatmosphäre.

Reduziert und dark-neblig ist auch der Bela Hodod-Sound. Er fokussiert sich vor allem straight auf kantig-schroffen Techno – wobei im IfZ auch ein Floor mit Italo-Disko- und House-Floor gehostet wird. Alle zwei Monate soll ab sofort eine Party stattfinden. Aber nicht nur in Leipzig. Auch mit dem Geheimclub in Magdeburg und dem ://about blank in Berlin ist die Crew im Gespräch. Der Ort sei letztendlich nicht entscheidend, wichtig ist nur, dass der Club voll hinter dem Anspruch von Bela Hodod steht. Für den Sommer sind auch Tages-Open-Airs geplant, die sich musikalisch abseits von Techno bewegen sollen.

Wir finden: Gute Crew, gutes Projekt – auf dass es lange läuft und Grenzen überwindet.



Bela Hodod x Mission Lifeline – Institut fuer Zukunft, 6. März 2020
Axkan (live), Herton, fr.JPLA, Kikimike, Black Nakhur b2b Zidane, Wuh,
Caner, DJ Goliath, SubkoOne b2b Tosche, Artifical Paradise (live), Sylvie Maziarz, Carlos

Ab 20 Uhr Vortrag mit Mission Lifeline, ab 23:59 Uhr Party.

Martin Kohlstedt im Gewandhaus in Leipzig: Fusion von Klassik, Chorgesang und Elektro

Antoinette Blume traf ihr Idol: Martin Kohlstedt. Der Pianist verbindet Klassik und Elektro und spielt dabei mit dem Rücken zum Publikum. Er versinkt in seiner Musik, die er im Zuge seiner aktuellen „Ströme“-Tour gemeinsam mit dem renommierten Gewandhaus-Chor Leipzig auf die Bühne bringt. Antoinette durfte ihm vor dem Konzert in Leipzig ein paar Fragen stellen.

Martin Kohlstedt. Ich weiß nicht warum, aber der Name klingt unfassbar nach Klassik, Hochkultur. Nach etwas Monumentalem, nicht „einfach“ nur nach Solokünstler. Vielleicht bin ich auch zu geprimet – das kann natürlich sein. Aber als mir meine Mutter schrieb, dass Martin Kohlstedt in Leipzig spielt und sie mir gerne Karten für sein Konzert mit dem Gewandhaus-Chor schenken wollen würde, hatte ich gleich so ein Gefühl, dass es mir gefallen könnte – da ich den Namen per se schon interessant fand. 

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Eine kurze YouTube-Google-Instagram-Suche später war ich ziemlich, ach was sage ich, völligst in love und hatte meiner YT-Playlist so gut wie jeden Mittschnitt von Kohlstedt in der Elbphilharmonie in Hamburg hinzugefügt, schaute jedes auffindbare Interview-Video mit ihm (mehrmals!) und ging schließlich auf die Website des Künstlers. Wow, einfach alles wow. The highest level von allem, ohne staubig, starr oder zu klassisch – für meine Ohren – zu sein.

Martin Kohlstedt
Foto von Konrad Schmidt

Ich war schockverliebt in diese Musik, das ist der passendste Begriff. So ging es mir das letzte Mal bei Tinkahs LP Thoughts You Are Not Supposed To Speak Out In Public, die mich ebenfalls vom ersten Hören an berührt hat. Berührend, das ist die Musik von Martin Kohlstedt auch. Nicht im kitschigen Sinne von Tränen-in-den-Augen und Gänsehaut, aber eben doch genau das. Seine Musik ist wie ein Soundtrack, der die intensivsten Momente des bisherigen Lebens zusammenfasst. Sämtliche Gefühle, die man spürt, aber ad-hoc nicht beschreiben kann, ob schlimm oder schön, sind für mich in Martin Kohlstedts Musik enthalten; im Fluss, in der Spannung, in den dronigen Soundteppichen, die das Klavier nicht hergibt, aber ein Synthesizer eben schon. Die leichteste, schwerste, gleichermaßen loslassenste Krönung von allem bisher Dagewesenen – für mich. Ich gehe noch ein Schrittchen weiter, um euch ein Bild zu geben: Man könnte die Musik von Kohlstedt mit dem ersten und schönsten Rausch vergleichen. 

Martin Kohlstedt live in der Elbphilharmonie

Es dürften bis hierhin alle gemerkt haben, dass ich Fan bin. Aber auch Musikjournalistin. Waren meine Themen zwar bisher mehr kulturpolitisch angehaucht, bringt mich die naive, pure Begeisterung über die Musik Kohlstedts tatsächlich dazu, einen sogenannten Nachklapp, also Nachbericht, über das Konzert schreiben zu wollen. Erst ganz schlicht, denn ich gehe ja sowieso zum Konzert. Dann fragte ich – aus Jux! – beim Management des Pianisten an und bekam die Antwort, dass ich doch kurz vor dem Auftritt im Gewandhaus zum Künstler*inneneingang kommen solle und Martin Kohlstedt zum Interview treffen dürfte.

Kurz kaltschweißig, aber vor allem ziemlich aufgeregt trage ich mir das Interview in meinen Kalender ein. Hoch gepokert, tief gestapelt, jetzt kommt’s drauf an – also wie immer eigentlich.

18 Uhr am Hintereingang

Ich war schon öfter mal im Gewandhaus, um genau zu sein drei Mal. Zwei Mal zu Yann Thiersen (wunderschön) und einmal zur Audio-Invasion (ging so). Durch den Hintereingang bin ich noch nie gelaufen. First time. Martin Kohlstedt kommt auf die Minute genau mit etwas zerzausten Haaren um die Ecke gelaufen. Es geht am Empfang vorbei durch lange Flure, die an Schulkorridore erinnern, ins Innere des Gewandhauses und schließlich in eine der Künstler*innengarderoben – alles zack-zack, nebenbei begrüßen ihn schon einige Mitarbeitende. Ein wenig hektisch macht Martin Platz an einem kleinen Tisch.

Foto von Nikta Vahid-Moghtada

Die nächsten 30 Minuten unterhalten wir uns über seine Musik, das Gewandhaus und was es heißt, drei Jahre mit einem Chor ein musikalisches Dauer-Experiment in die größten Konzerthallen in Deutschland zu führen.

Das Interview mit Martin Kohlstedt und den Nachbericht lest ihr hier.

fem*märz auf Radio Blau

Rund 120 aktive Sendungsmacher*innen prägen derzeit das Radio Blau-Programm. Im März stehen sie vor einer besonderen Challenge – es soll nur Musik von FLINT*-Personen gespielt werden.

Anlass dafür ist der Frauenkampftag am 8. März. Radio Blau wollte aber nicht nur an diesem einen Tag den Fokus auf Interviews und Songs von sich als weiblich, inter, non-binär oder trans definierenden oder so wahrgenommenen Menschen legen, sondern einen ganzen Monat.

Und das dürfte extrem spannend werden. Denn auf Radio Blau gibt es für gefühlt jedes Genre eine eigene Spartensendung.

„Der Verein hat basisdemokratisch über die Idee diskutiert und abgestimmt. Natürlich gab es auch Bedenken, aber eine große Mehrheit der Sendungsmacher*innen fand den Vorschlag eine super Anregung, um bewußter nach Musik von Frauen, Inter- oder Transpersonen zu recherchieren oder bei aktuellen Themen gezielt nach Gesprächspartnerinnen* zu suchen“, wird Anja Thümmler in der Pressemitteilung zitiert. Sie koordiniert das Projekt bei Radio Blau.

In der aktuellen kreuzer-Ausgabe gibt es auch ein Interview mit ihr und Mrs. Pepstein zu der geplanten Aktion. Darin heißt es: „Die Idee kam unter anderem von Untersuchungen, die ergeben haben, dass Experten, die in Interviews sprechen, zu 80 Prozent Männer sind [ … ]. In der Musik wird es ja schon länger diskutiert, dass Festival-Line-ups teilweise zu 90 Prozent männlich sind.“

Der fem*märz soll dabei nicht nur eine musikalische Inspiration für alle sein, sondern auch als Einladung zu mehr Diversität und Awareness verstanden werden. Auch über den März 2020 hinaus. Wer also eigene Ideen hat, um generell Radio-Formate für mehr Chancengleichheit und Empowerment zu entwickeln, ist bei Radio Blau richtig.

So, und welche Sendungen sind nun für frohfroh-Leser*innen im fem*märz empfehlenswert? Hier ein kleiner Überblick:

Air Waves Radio Show (Rap und Bassmusik), 7.3.
Downtownlyrics (HipHop, Drum & Bass), 6.3.
Electric (Elektronische Musik), 28.3.
It’s Yours Radio Show (HipHop, Breakbeat)
Querbeat (Offbeat und Bass), 14.3.
Radio Aktiv (Techno, House), 28.3.
Sounds of Electronic Art (House, Techno), 21.3.
Subscience (Dubstep, Bass, Electro), 14.3.
Sunday Groove (Entspannte Clubmusik)
Wolkigmusic (Techno, House, Ambient), 8.3.
Zonic Radio Show (Experimental, Electronica), 11.3.

Grafik von Slinga Illustration

Fotoporträt – Flynn

Autorin und Fotografin Paula hat eine neue Reihe für uns begonnen: Studioporträts. Ihr mittlerweile dritter Besuch war bei Producer Flynn.

Flynn – warum und welche Musik produzierst du?

Ich glaube mich haben am meisten immer die Beats interessiert, die man aus dem Hip-Hop kennt, die Hip-Hop bedeuten. Als ich klein war, hatte der damalige Freund meiner großen Schwester ein Wu-Tang Album. Ich fand das super cool, das war ein Comic-Cover, GZA Liquid Swords. Das war dann für mich auf Hip-Hop als ich so sechs oder sieben war. An englischen Worten hab ich damals „Yes“, „No“, „Fuck“ und „Shit“ verstanden so ungefähr. Für mich war also Hip-Hop der Beat, und die Leute, die drüber gerappt haben, waren irgendwie Superhelden. Ich glaube, umso älter ich geworden bin, und umso mehr Text ich verstanden habe, umso mehr habe ich mich manchmal davon abgewandt.

Ich bin einfach nicht empfänglich dafür, wenn du mir erzählst, was für coole Schuhe du hast. So kam ich dann zu den Beats. In der Pubertät habe ich dann, weil mir Hip-Hop nicht mehr so gefallen hat, angefangen, super viele Jazz-Platten zu hören. Da habe ich von A Tribe Called Quest „can I kick it“ gehört, in dem „Walk On The Wild Side“ von Lou Reed gesamplet wurde.

An der Stelle dachte ich: Krass. Ich verstehe, wie Hip-Hop gemacht wird.

Vorher konnte ich mir nicht vorstellen, wie man das technisch macht – dann hab ich verstanden, dass im Grunde nur Aufnahmeschnipsel aneinander gereiht werden. Zu der Zeit gab es kein Youtube etc., ich wusste nicht, dass da jemand einen kleinen Drumcomputer nimmt und drauf rumdrückt. Ich weiß nicht, ich dachte da steht vielleicht eine Band im Studio, die dann immer diese kurzen Passagen spielt.

Als ich angefangen habe Beats zu machen, so vor zehn, zwölf Jahren, hab ich das einfach nur gemacht, weil ich Beats hören wollte.

Zuerst hab ich mir einen Roland Sampler gekauft, SP606. Diese Art von Sampler sind inzwischen, durch diese ganze LoFi Geschichte, wieder unglaublich modern. Das sind die letzten Hardware-Sampler die produziert wurden, bevor Leute dann mit Ableton und SFStudio mehr softwareseitig produziert haben. Mit dem SP606 und einem alten Sechspuraufnahmegerät hab ich angefangen, alle möglichen Sampler ausprobiert, den 606 hab ich aber bis heute und mittlerweile benutze ich, wie viele, Software – einfach weil es günstiger ist.

Ich seh‘ das heute auch alles nicht mehr so eng, sample auch digital, aber ich kenne durchaus Leute, vor allem im HipHop, die das engstirniger sehen und die sagen, wenn du Hip-Hop machen willst, dann brauchst du ne MPC, Technix1210…

Leute, die sich so an der Hardware festhalten, auf Plattensamples bestehen usw., stehen oft ihrer eigenen Kreativität im Weg – weil du den Beat, den du im Kopf hast, vielleicht nie machen kannst, weil du die Platte für das Sample nicht bekommst. Das ist doch eigentlich traurig.

Was ich natürlich sagen muss, wenn ich nur mit der Software arbeite und meinen Sampler nicht benutze, dann ist das sehr statisches Arbeiten und sehr wenig spielen – deswegen mache ich für mich immer mal fünf, sechs Tracks mit dem Sampler, einfach um mal wieder ein paar Tasten zu drücken.

Es kann schon sehr repetitiv werden, wenn man Beats immer nur mit der Maus zusammenklickt.

(Das Interview stammt aus einem früheren Artikel, den ihr hier lesen könnt, Anm. d. Red.)

Various Artists „Rosé“ (Hypress)

Oha, Hypress gibt ziemlich Gas in diesem Jahr. Nach der Tsorn-EP kürzlich, erscheint nun eine große Compilation auf Doppel-Vinyl. Wir haben reingehört.

Von Neustart spricht Hypress selbst. Denn 2020 kommt das vor drei Jahren von Templeton gegründete Label mit neuem Team, neuen Artists und neuem Look daher. Und der bisher umfangreichsten Werkschau: „Rosé“ bündelt zwölf Tracks von Künstler*innen aus dem Leipziger und Berliner sowie dem internationalen Hypress-Netzwerk.

Die größte Überraschung gibt es gleich am Anfang: Artificial Paradise, das gemeinsame Projekt von IfZ-Resident Subkutan und Leshrac, ist erstmals mit einem Track auf Vinyl zu hören. Via Bandcamp und auf der „Sonic Resistance“-Compilation entließen die beiden bereits drei Tracks von ihren Festplatten. Es ist auf jeden Fall ein düsteres Paradies, das Subkutan und Leshrac da vertonen. Besonders „Crack“ hier drückt mit schwerem, breakigem EBM-Techno gleichzeitig nach unten und nach vorn.

Ähnlich dark – aber deutlich treibender – ist auch Zidane mit „Scherben“ dabei. Er kümmert sich ab sofort bei Hypress auch um die Grafik. Ansonsten switcht „Rosé“ zwischen Techno und Electro – und zwar wirklich ohne Ausfall. Jeder Track ist eine Perle für sich. DJ Overdose, Interviews, TRQ-30 und Varum bringen mit ihren Tracks einige helle, warm beseelte Momente mit rein, während es sonst schon recht düster zugeht im Hypress-Sound.

Was mich grad echt abholt, sind die ausladenden Rave-Synths von Tsorn und I.C.S. – klar, hier klopfen die 90er richtig laut an, aber sie sind die großen Herzöffner und Antithesen zum immer schneller, immer düster werdenden Techno der letzten Tage. Auch DJ Problems aus Athen lässt sich davon mitreißen, spielt aber mit Vocals und überträgt die anziehende Einfachheit in den Electro-Kontext. Besonders fett in der zweiten Version übrigens, die als Digital Bonus veröffentlicht wird.

Ansonsten, mein Hit: Iraklis „Contemplating“, ein unruhiger, hektischer, wildes, aber irgendwie auch feingliedriger, subtiler Break-Track.


Im Institut fuer Zukunft findet übrigens morgen (28.2.2020) die offizielle Release-Party zu „Rosé“ statt: Mit dabei sind Swarm Intelligence, TRQ-30, Special Noxy K, I C S. & Templeton, Interviews, Varum, Nina Frizzante.

Talk Talk – Wie ist es, alleine feiern zu gehen? – Julia

Der Winterschlaf ist vorbei und wir starten mit einer neuen Folge TalkTalk – dem Podcast von frohfroh. Dieses Mal ist Julia von frohfroh dabei, die gerne auch mal alleine feiern geht.

Zunächst ist das ein wenig aus der Not heraus geboren, aber mittlerweile hat sie eine Menge Vorteile daran entdeckt, wenn einem die Gang mal nicht am Hintern klebt. Aber auch über die eigene Sicherheit im Club und auf dem Heimweg werden wir in dieser Folge reden.

Geht ihr alleine feiern oder wäre das gar nichts für euch? Schreibt es uns in die Kommentare!

Redaktion und Produktion dieser Folge: Kathi Groll, Musik von fragmentiert, Foto von Fabian Schüler.

Ein großes Danke an Julia! Und entschuldigt vielmals den Ton, der durch den Wind leider etwas schlechter ist, als das normalerweise unser Anspruch ist.

Balance Club / Culture Festival – Tender Squats

It’s official: They’re doing it again. Und zwar wird am 21.-24.05. in Leipzig zum dritten Mal das Balance Club / Culture Festival stattfinden. Die Macher*innen des Festivals geben heute den ersten Schwung ihres Line-Ups bekannt. Worum es geht und worauf wir uns jetzt schon freuen dürfen, lest ihr bei uns.

Auch dieses Mal ist wird das Festival in verschiedenen Locations stattfinden. Und auch dieses Jahr gibt es einen Titel: Tender Squads – das Programm wird auf die Frage nach notwendigen Allianzen als Alternative zu gegenwärtiger spätkapitalistischer Dystopie und Vereinzelung fokussiert sein.

TENDER SQUADS

In welchen Verbindungen können sich die emanzipatorischen Potentiale für unsere Version einer Welt des Danach entfalten?

Welche Allianzen müssen wir eingehen, wo müssen wir auf Differenzen beharren, damit unsere Gegenentwürfe wirksam werden können – musikalisch, performativ, politisch?

Mit welchen Methoden können strukturelle Ungleichheiten maximal destabilisiert werden?

Musikalisch wird es – wie die letzten beiden Jahre – hochkarätig, progressiv, international, queer und umfassend. Es sind nicht nur internationale Headliner eingeladen, wie immer wird das Line-Up durch local heroines komplettiert.

Die ersten bekanntgegebenen Acts sind:

Dopplereffekt (US) Lena Willikens & Vladimir Ivkovic (DE) Lyzza (NL) Crystallmess (FR) M¥SS KETA (IT) 1/2 ​Kablam (SWE) Dorian Electra (US) Lotic (US) TSVI (UK) Authentically Plastic (UGA) Nazira (KAZ) Torus (NL) Moesha 13 (FR) Avbvrn (US) Solaris (DE) Crusat (DE) Vice Versa + ANTR (DE).

Festivalzentrum in der Off-Location Garage

Zum diesjährigen Festivalzentrum wird die Off – Location „Garage“ im Leipziger Osten. Die Hamburger Künstlerin Aleen Solari wird eine begehbare Installation für diese Räumlichkeiten konzipieren, welche als eigenständige Ausstellung sowie Container für künstlerische Beiträge und das Diskursprogramm fungiert.

Rave Capitalism

Mit dem Thementag Rave Capitalism am 21.5. setzt das Festivaldiskursprogramm wie gewohnt dem „Männertag“ emanzipatorische Inhalte entgegen. Beim Panelgespräch „Not my Institution“ sprechen internationale Gäste und lokale Akteur*innen über die Intersektionen von Gentrifizierung, notwendigen Kollaborationen und bedrohten Freiräumen.

Harder, faster, fragile

Der Fokus Harder, faster, fragile am Festivalfreitag (22.5.) widmet sich hingebungsvoll und ausführlich in Vorträgen, Talks und Panels den vielleicht gegensätzlichsten aller Clubkulturen: Gabber und Drag, letzteres in Kooperation mit der Oeuvre – Crew. Im Forum Allyship (23.5.) können intersektionale Aspekte gesellschaftlicher Ungleichbehandlung im Workshop „Let’s talk about Alliances“ analysiert oder beim „FemmeFitness; Dance as anticolonial and feminist practice“ durchgeschüttelt werden.

Wie schon in den letzten zwei Jahren gilt also:

Das Balance-Festival ist eines der Must-Go-Festivals 2020.

Sonic Resistance – Soli-Compilation für Rojavas Widerstands-kämpfer*innen

Das polnische Kollektiv Oramics und das Schweizer Label Kashev Tapes haben sich zusammengetan, um eine 91-Track-Compilation (ja, ihr habt richtig gelesen: 91) namens Sonic Resistance herauszugeben.

Mit der Compliation wollen sie die Widerstandsbewegung im syrischen Rojava unterstützen. Als DJs sind unter anderem big names wie DON’T DJ, Varg, Olivia, ANFS und Black Acid dabei. Und auch ein Leipziger Beitrag ist vertreten; ArtificialParadise supporten das Soli-Projekt ebenfalls mit einem Track.

Hier gelangt ihr zu Bandcamp, um die Mega-Compilation zu ordern (25 CHF).

Auf Facebook schreiben die Macher*innen hinter Kashev Tapes:

In the wake of being opposed to such an absolute violence, we asked ourselves what can we do to support this struggle? How can we engage our community and our skills to defend Rojava?

We feel obliged to point out and continue the emancipating history of club music and how it has been connected to equality and freedom movements since the beginning.

Alle Einnahmen, die mit Sonic Resistance eingespielt werden, fließen an die Organisation „Weqfa Jina Azad a Rojava“ (Foundation of the Free Woman in Rojava).

Hier könnt ihr den Track von ArticialParadise hören: